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Bring Flow in dein Leben: Der aktive Weg zum Glück
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eBook347 Seiten10 Stunden

Bring Flow in dein Leben: Der aktive Weg zum Glück

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Über dieses E-Book

Kennen Sie das Gefühl, ganz in einer Sache aufzugehen und dabei alle Sorgen zu vergessen? Voller Energie und Konzentration zu sein und ohne Mühe ans Ziel zu kommen? Diesen besonderen Zustand der Harmonie nennt man Flow. Das Gute daran: Diese Art von Glück kann man aktiv herbeiführen. Flow stellt sich ein, wenn man seinen Fähigkeiten und Wünschen vertraut und tut, was einem wirklich am Herzen liegt. Marlies Terstegge zeigt ganz praktisch, wie jeder mehr Flow in sein Leben holen kann. Ein Buch, das Lust macht aufs Glücklichsein!
SpracheDeutsch
HerausgeberPatmos Verlag
Erscheinungsdatum19. März 2014
ISBN9783843604987
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    Buchvorschau

    Bring Flow in dein Leben - Marlies Terstegge

    NAVIGATION

    Buch lesen

    Cover

    Haupttitel

    Inhalt

    Über die Autorin

    Über das Buch

    Impressum

    Hinweise des Verlags

    Marlies Terstegge

    Bring Flow in dein Leben

    Der aktive Weg zum Glück

    Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke

    Patmos Verlag

    Inhalt

    Einleitung

    Kapitel 1: Glücklich im Flow

    1. Die Flow-Theorie und die Positive Psychologie

    2. Flow-Merkmale

    3. Flow im Alltag

    4. Bausteine der Flow-Erfahrung

    5. Persönliche Entwicklung durch Flow

    6. Im Fluss des Lebens

    Kapitel 2: Innere Entdeckungen

    1. Selbsterkenntnis und Flow

    2. Rückblick auf den eigenen Lebensweg

    3. Adäquate Werte

    4. Einsicht in Talente und Qualitäten

    5. Inspirationsquellen

    6. Sehnsüchte und Herzenswünsche

    Kapitel 3: Sich selbst treu sein

    1. Authentisch sein

    2. Sich selbst bejahen

    3. Mut fassen

    4. Voller Vertrauen

    5. Signale und Wegweiser

    6. Zurück zum Kern

    Kapitel 4: Mit dem Herzen entscheiden

    1. Auf dem Weg zu den eigenen Zielen

    2. Ziele im eigenen Lebenskreis

    3. Flow-Ziele und Lebensthema

    4. Eine Berufung als Bestimmung

    5. Eine Mission haben

    6. Ihre persönliche Mission

    Kapitel 5: Glücksforschung

    1. Glück in der Flow-Theorie

    2. Glück in der Positiven Psychologie

    3. Glücksstrategien

    4. Emotionale und soziale Intelligenz und Glück

    5. Genuss, Vergnügen und Zufriedenheit

    6. Reue über verpasste Chancen

    Kapitel 6: Bring Flow in dein Leben

    1. Flow als Lebenshaltung

    2. Die motivierende Kraft der Flow-Kompetenzen

    3. Inseln des Flows und des Glücks

    4. Positive Emotionen und Stimmungen

    5. Die geistige Qualität

    6. In Harmonie mit dem Körper

    Kapitel 7: Leben als Flow-Mensch

    1. Das selbstaktualisierende Individuum bei Maslow

    2. Persönliche Entwicklungsphasen

    3. Kreative Forscher und Künstler

    4. Sich selbst zu einem kreativen und inspirierten Menschen entwickeln

    5. Ein mäandernder oder ein authentischer Lebensweg

    6. Ihr eigener Flow-Weg

    Danksagung

    Anmerkungen

    Literaturliste

    Einleitung

    In diesem Buch möchte ich Sie mit einem besonderen Phänomen bekannt machen: dem Flow. Ich möchte Ihnen zeigen, wie eine Flow-Erfahrung aussieht, wie Sie davon profitieren und wie Sie diese Erfahrung erweitern können. Denn wenn Sie wissen, wie Flow funktioniert, können Sie mehr Flow in Ihr eigenes Leben bringen. Und wenn Sie häufiger im Flow sind, werden Sie Ihre eigenen Möglichkeiten besser ausschöpfen und sich glücklicher fühlen. Meine Erfahrungen mit dem Flow-Konzept haben mich so stark inspiriert und mir so viele neue Erkenntnisse gebracht, dass ich sie gerne mit anderen teilen möchte. Nachdem ich die Theorie zunächst in meinem persönlichen Leben angewandt habe, arbeite ich jetzt auch als Psychologin und Psychotherapeutin damit. Inzwischen haben viele meiner Klienten in ihrem Leben selbst Flow-Erfahrungen gemacht und ich konnte aus nächster Nähe miterleben, wie sie ihr Leben bereichert haben.

    Nachdem ich so viele wundervolle Lebenswege begleitet habe, wage ich heute zu behaupten, dass das Flow-Konzept nicht nur theoretisch außerordentlich inspirierend ist, sondern sich in Form einer Lebenskunst oder Lebensweisheit auch praktisch sehr gut anwenden lässt.

    Was besagt dieses Konzept nun genau? Kurz gefasst Folgendes: Flow ist ein Gefühl, das wir erleben, wenn wir sehr konzentriert einer Tätigkeit nachgehen, in der wir aufgehen und die wir genießen. Doch wir geraten nur dann in einen Flow, wenn dieses Tun authentisch ist und unseren eigenen Werten und Charaktereigenschaften entspricht. Im Flow-Prozess arbeiten wir auf Lebensziele hin, die auf einer höheren Ebene miteinander verbunden sind. Ein authentisches Ziel kann zu einem persönlichen Lebensthema werden, das unsere Konzentration steuert und allem, was wir tun, Sinn und Bedeutung verleiht. Auf diese Weise verbindet ein stimmiges Lebensthema unser Denken, Fühlen und Handeln miteinander und gibt unseren persönlichen Interessen und Lebensentscheidungen eine Richtung. Wer in seinem Alltag regelmäßig im Flow ist, fühlt sich glücklicher als Menschen, die diese Erfahrung selten oder nie machen.

    Die Flow-Theorie, der ich mit dieser kurzen Darstellung natürlich nicht gerecht werden kann, wurde von dem ungarisch-amerikanischen Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi im Laufe seiner mehr als vierzig Jahre währenden wissenschaftlichen Forschungstätigkeit entwickelt. Als Psychologieprofessor hat er wunderbare Bücher über Kreativität, Glück, Sinngebung und Flow im Alltag geschrieben. Seine Bücher spannen einen philosophischen Horizont und sind thematisch und konzeptionell breit gefächert.

    Ich halte ihn für einen äußerst originären Forscher – einen Pionier, der sich zu seiner Zeit auf ein unbekanntes Terrain vorgewagt hat – und für einen weisen Mann, der es verstanden hat, in der gelungenen Darstellung seiner Ergebnisse disparate wissenschaftliche Bereiche miteinander zu verknüpfen.

    In der Hoffnung, dass sich etwas von meinem Enthusiasmus auch auf andere überträgt und sie neugierig macht, werde ich im Folgenden des Öfteren auf sein Werk verweisen und daraus zitieren.

    Weil die Ideen der Flow-Theorie stark meinem eigenen Menschenbild entsprechen, hat sich meine Arbeitsweise als Psychotherapeutin im Laufe der Jahre stark verändert. Schon seit Beginn meines Psychologiestudiums habe ich mich dafür interessiert, wie der menschliche Geist funktioniert, und besonders dafür, wie es Menschen gelingen kann, ihr geistiges Potenzial zu erkennen und zu nutzen. So wurde ich auf die Humanistische Psychologie aufmerksam, die sich eingehend mit diesem Thema befasst. Ich beschäftigte mich intensiv mit dem Konzept von Abraham Maslow und Carl Rogers, die die Psychologie des geistig gesunden Menschen und den Prozess der Selbstverwirklichung erforscht haben, und stieß auch auf Charles Tart und seine Forschung zu veränderten Bewusstseinszuständen.

    Aber nach meinem Studium hatte ich es als klinische Psychologin vor allem mit der pathologischen Seite der menschlichen Entwicklung zu tun. In dieser Zeit – in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts – lagen weitaus mehr Erkenntnisse über Probleme und Störungen als über die positiven Seiten des menschlichen Lebens vor.

    In den gut fünfundzwanzig Jahren, in denen ich nun als Psychotherapeutin arbeite, habe ich viele Klienten mit psychischen Problemen über eine lange Zeit begleitet. Doch der nachfolgende Prozess, in dem sie sich auf ihrem Weg in einen gutes und sinnvolles Leben weiterentwickelten, war nicht Teil meiner therapeutischen Arbeit. Dabei hegte ich gerade für diesen Bereich schon immer ein starkes Interesse. Ich wünsche mir, einen Klienten über das Stadium der »Beschwerdefreiheit« hinaus zu begleiten. Gemessen an einer Bewertungsskala der Lebensqualität möchte ich mit ihm nicht nur auf eine Steigerung von minus acht auf null hinarbeiten, sondern mit ihm auch den Weg von null zu plus acht zu gehen.

    Als ich Anfang der Neunzigerjahre eines von Mihaly Csikszentmihalyis Büchern über Kreativität und Flow las, wirkte vieles darin überraschenderweise auf mich sehr vertraut. Es kam mir vor wie eine Rückkehr zur früheren Humanistischen Psychologie, die philosophische Lebensfragen thematisiert und den Geist gesunder, kreativer Menschen erforscht hatte. Die Künstler und Wissenschaftler, die er in seinen Studien beschrieb, zeigten Ähnlichkeit mit Maslows »selbstaktualisierendem Menschen«. Anders jedoch als die früheren Theorien konnten sich Csikszentmihalyis Konzepte auf groß angelegte empirische Studien stützen. Daher verstehe ich die Flow-Theorie auch nicht als völligen Neuansatz, sondern als das Resultat einer langfristigen soliden Forschung zu den angesprochenen Themen, die zuvor lediglich phänomenologisch erforscht worden waren.

    Um die Jahrtausendwende etablierte sich innerhalb der Psychologie auch offiziell eine neue Richtung: die Positive Psychologie. Sie legt ihr Augenmerk vor allem auf die positiven Aspekte des menschlichen Lebens: auf Glück und Erfüllung, Flow und Sinngebung, Talente, positive Emotionen, Kreativität, Tugenden und Weisheit.

    Was geht eigentlich in den Köpfen und Herzen der Menschen vor, die sich glücklich und wohl fühlen? Was können wir von ihnen lernen? Und wie können Psychologen diese Erkenntnisse für ihre Arbeit nutzen?

    Ich war sehr froh über das Aufkommen der Positiven Psychologie, in der Flow ein ganz zentrales Thema darstellt. Ich vertiefte mich in die entsprechenden Schriften – die ich mit dem Gefühl las, endlich eine Heimat gefunden zu haben – und entwickelte eine Methode, meinen Klienten den Flow näherzubringen.

    Vor sechs Jahren gründete ich die »Praxis für Flow & Inspiration« und konnte von nun an mein theoretisches Modell auch in der Praxis erproben und zu einem geeigneten Instrument weiterentwickeln. Ich erstellte Fragebögen, machte die Theorie praktisch nutzbar und evaluierte die Ergebnisse. Da ich meinen Klienten gerne Literatur an die Hand gebe, die mich selbst begeistert, entdeckte ich, welch hilfreichen Einfluss die Bibliotherapie, also das richtige Buch im richtigen Moment, entfalten konnte. Die meisten meiner Klienten blühten sichtlich auf, Ihre Lebensqualität stieg auf ihrer persönlichen Bewertungsskala von minus zwei auf plus sieben oder höher. Sie waren regelmäßig im Flow, fanden ein Lebensthema, in vielen Fällen auch eine Mission und fühlten sich viel glücklicher als zuvor.

    Dieses Buch beschreibt den ganzen Prozess, durch den Sie mit Hilfe der Flow-Theorie Ihr Leben mehr lieben lernen. Es enthält die neuesten Erkenntnisse der Flow-Forschung und geht auf die jüngsten Veröffentlichungen der Positiven Psychologie ein. Darüber hinaus schildert es meine persönlichen Erfahrungen in der Begleitung von Klienten auf ihrem Weg in ein glücklicheres Leben. Die Fragebögen, die ich meinen Klienten vorlege, können auch Ihnen als Leser bei der Suche nach Flow in Ihrem Leben hilfreich sein. Auch wenn Sie den theoretischen Teil überspringen und sich nur den Fragen und Arbeitsanregungen des Buches widmen, werden Sie auf der Entdeckungsreise zu einer Lebensweise, mit der Sie sich zufrieden und wohl fühlen, eine gute Wegstrecke vorankommen.

    Kapitel 1: Glücklich im Flow

    In diesem Kapitel werde ich Sie mit der Flow-Theorie und der Positiven Psychologie bekannt machen. Die Eigenschaften des Flows lassen sich mit Erfahrungen vergleichen, die Sie womöglich beim Sport, beim Kochen, beim Schreiben oder bei anderen Lieblingsbeschäftigungen gemacht haben. Die Fragen können Ihnen dabei helfen, Flow-Momente im eigenen Leben zu erkennen und Ihre Flow-Erfahrungen zu erweitern.

    1. Die Flow-Theorie und die Positive Psychologie

    Gehen Sie manchmal so sehr in einer Beschäftigung auf, dass Sie die Zeit vollkommen vergessen? Dass Sie völlig davon mitgerissen werden und Ihnen alles anscheinend mühelos von der Hand geht? Und spüren Sie auch, wie wohl Sie sich dabei fühlen, wie zufrieden, erfüllt und glücklich Sie sind? Wenn Sie dieses Gefühl kennen, wissen Sie, was es bedeutet, »im Flow« zu sein. Den meisten Menschen fällt es leicht, sich einige solcher Erfahrungen in Erinnerung zu rufen und klar zu beschreiben. Oft handelt es sich dabei nur um wenige Momente ihres Lebens. In meiner Praxis frage ich die Klienten immer nach ihren Flow-Erlebnissen, und wenn sie davon berichten, strahlen sie und schildern lebhaft, wie schön und außergewöhnlich sie waren. Sie bedauern, dass sie so selten waren, und hoffen, in der Zukunft noch mehr davon zu erleben. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass ein Flow-Erlebnis etwas ist, was einem einfach widerfährt, ohne dass man selbst etwas dazu beitragen könnte.

    Doch glücklicherweise ist das nicht richtig: Im Flow zu sein kann man lernen und braucht dazu nicht einmal einen anderen Menschen. Vielleicht ist es für Sie momentan noch schwer vorstellbar, aber man kann mehrmals in der Woche oder sogar jeden Tag im Flow sein. An solchen Tagen fühlt man sich oft sehr wohl, zwar nicht ständig, aber doch die meiste Zeit.

    Wie können Sie diesen Zustand erreichen? Nicht durch Hoffen und Abwarten, sondern indem Sie etwas tun, was Sie lieben und genießen.

    Offenbar fühlt man sich dann am wohlsten, wenn man sich gezielt mit etwas beschäftigt, das eine gewisse Anstrengung erfordert.

    Wenn man Menschen fragt, in welchen Momenten sie glücklich sind, denken sie meistens an Situationen, in denen sie frei und ohne jede Verpflichtung sind. Doch Studien belegen, dass sie damit nicht richtigliegen. Menschen, die eine Zeit lang nichts tun, entdecken schon bald, dass sie diesen Zustand nicht besonders lange aushalten und schnell den Spaß daran verlieren. Sie haben zwar weniger Probleme mit Stress, werden dadurch aber noch lange nicht glücklich. Offenbar fühlt man sich dann am wohlsten, wenn man sich gezielt mit etwas beschäftigt, das eine gewisse Anstrengung erfordert. In einer groß angelegten Studie, die 1976 an der Universität von Chicago begonnen und über viele Jahre von Wissenschaftlern in aller Welt in gleicher Weise fortgeführt wurde, waren mehr als hunderttausend Teilnehmer danach befragt worden, mit was sie gerade beschäftigt waren und wie sie sich dabei fühlten. Die Teilnehmer bekamen für eine Woche einen Pieper, der sich etwa achtmal am Tag meldete. Zu diesen Zeiten sollten sie in einem Tagebuch notieren, was sie gerade taten und wie sie sich dabei fühlten. Diese Tagebücher wurden allesamt analysiert. Die Erkenntnisse, die daraus gewonnen wurden, bildeten die Grundlage der Flow-Theorie.

    Konzipiert hatte diese gigantische Studie Mihaly Csikszentmihalyi (*1934), der damals Professor an der Universität von Chicago war und heute an einer kalifornischen Universität als Direktor des Quality of Life Research Centers tätig ist. Er publiziert bereits seit 1975 über das Phänomen des Flows, das er auch als »optimale Erfahrung« bezeichnet. Sein bekanntestes Buch Flow. The psychology of optimal experience (Flow. Das Geheimnis des Glücks) aus dem Jahre 1990 ist in viele Sprachen übersetzt worden. Auch seine anderen Bücher über Kreativität, Flow im Alltag und im Beruf fanden in den meisten europäischen Ländern und in den USA, aber auch in Ländern wie Brasilien, Korea und Japan große Anerkennung. Csikszentmihalyi entdeckte, dass Flow-Erlebnisse in westlichen wie östlichen Kulturen fast in denselben Worten beschrieben wurden.

    Seine Publikationen über Flow haben die Psychologie als Wissenschaft stark beeinflusst. Während sich die psychologische Forschung bis dahin – von wenigen Ausnahmen abgesehen – vorwiegend auf psychische Störungen und Probleme konzentriert hatte, fanden nun positive Entwicklungen im menschlichen Leben allmählich mehr Beachtung. Der wissenschaftliche Fokus, der bisher auf Pathologie und Geisteskrankheiten gerichtet war, erweiterte sich nun nach und nach um das Interesse an seelischer Gesundheit und die Entfaltung des seelisch gesunden Menschen.

    Die Humanistische Psychologie hatte sich bereits in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts für den gesunden Menschen interessiert. Die amerikanischen Psychologen Abraham Maslow und Carl Rogers publizierten damals über das Thema Selbstverwirklichung und über die Psychologie der seelischen Gesundheit. Doch die Humanistische Psychologie arbeitete nicht empirisch genug, um sich innerhalb der traditionellen Wissenschaftswelt einen festen Platz erobern zu können. Erst Jahre später, zu Beginn unseres Jahrhunderts, konnte sich die Positive Psychologie als eigenständige Richtung etablieren. Mihaly Csikszentmihalyi gilt als einer ihrer drei Gründungsväter.

    Positive Psychologie

    In der Positiven Psychologie werden die Themen Glück, Wohlbefinden, positive Emotionen und die optimale Entwicklung des seelisch gesunden Menschen erforscht. Studien zum Thema Flow sind ein bedeutender Bestandteil dieses relativ jungen Forschungsbereichs. Anders als in den Zeiten von Maslow und Rogers werden diese Inhalte nun allerdings mit Hilfe wissenschaftlicher und empirischer Methoden erforscht. Das Untersuchungsfeld ist breit gefächert und umfasst Themen wie Glück, Optimismus, Kompetenzen und Talente, Genuss und Erfüllung, Lebensziele, Selbsterkenntnis, Sinngebung, Tugenden sowie positive Emotionen wie Dankbarkeit, Liebe, Freundlichkeit und Vergebung. Die Erkenntnisse der Positiven Psychologie finden in unterschiedlichen Lebensbereichen, etwa im Bildungsbereich, im Wirtschaftsleben, in der Psychotherapie und im Coaching, Anwendung.

    An den meisten Universitäten gibt es heute eine Fachrichtung Positive Psychologie, die sich mit Glück und den Faktoren, die dazu beitragen, befasst. Vor einigen Jahren erschien ein voluminöses Buch zum Thema Glück¹, für das der Flame Leo Bormans an hunderte von Wissen­schaftlern, die sich mit Positiver Psychologie befassten, herangetreten war. Psychologen, Soziologen, Ökonomen und andere Wis­senschaftler aus fünfzig Ländern berichten darin über ihre jüngsten Forschungsergebnisse. Auch der niederländische Glücksforscher Ruut Veenhoven gehört zum Kreis der Befragten. Er definiert Glück als »den Grad, in dem ein Individuum die allgemeine Qualität seines oder ihres Lebens als Ganzes positiv bewertet«². Mit anderen Worten: Glück bemisst sich daran, wie sehr jemand das Leben, das er oder sie führt, liebt.

    Aus all diesen Studien über Glück geht hervor, das Flow ein Weg ist, seine Lebensqualität zu verbessern – eine Erkenntnis, die von zahlreichen Resultaten unterschiedlicher Studien belegt wird. So geht beispielsweise aus vielen Studien hervor, dass es sehr wichtig ist, sich Lebensziele zu setzen; in der Flow-Theorie ist die Suche nach einem Lebensthema ein Kernbegriff. Ein anderer Aspekt, der allenthalben betont wird, ist die Erfordernis, sich selbst besser kennenzulernen. Indem man seine Talente, Werte und Leidenschaften entdeckt, kann man sie besser für sein Glück fruchtbar machen. In der Flow-Theorie ist Selbsterkenntnis der beste, wenn nicht gar der einzige Weg zu einem Leben im Flow.

    Ein wiederkehrendes Thema und eine wichtige Fähigkeit, um in den Flow zu kommen, ist die Bereitschaft, die schönen und guten Dinge des Lebens zu genießen. Viele Wissenschaftler heben auch die Bedeutung von Harmonie hervor. Sie formt aus persönlichen Charaktereigenschaften und eigenen Zielen ein stimmiges Ganzes und gibt dem Leben einen Sinn.

    Glückliche Menschen legen großen Wert auf das Zusammensein mit Freunden, die sie mögen und von denen sie gemocht werden.

    Und schließlich betonen zahllose Studien, wie wertvoll persönliche Kontakte seien. Glückliche Menschen legen großen Wert auf das Zusammensein mit Freunden, die sie mögen und von denen sie gemocht werden. Von allen denkbaren Aktivitäten bringen uns gemeinsame Unternehmungen mit Menschen, die wir gernhaben, am häufigsten in den Flow.

    In manchen Kulturen ist diese Haltung sogar noch stärker als bei uns ausgeprägt. Professor Samuel Ho aus China berichtete bei der Präsentation des Buches Glück, dass seine Fragen nach individuellem Glück anfangs nicht einmal beantwortet worden waren. Seine chinesischen Interviewpartner wussten mit dieser Frage einfach nichts anzufangen und zogen daher nur erstaunt die Augenbrauen hoch. Erst auf die nächste Frage nach dem Glück bedeutsamer Menschen in ihrem Umfeld konnten sie reagieren. Wenn es ihrem Partner und ihren Kindern gut ging, fühlten sie sich selbst ebenfalls glücklich. Auch Hos Forschung in China belegt, dass neben Eigenschaften wie Neugier, Optimismus, Dankbarkeit und Zuversicht die Fähigkeit zu Flow-Erfahrungen zu den charakteristischsten Merkmalen glücklicher Menschen zählt. Es ist spannend zu beobachten, wie Glück in anderen Ländern wahrgenommen wird und welche Charakteristika von Glück offenbar universell sind.

    In den Niederlanden hat Jan Auke Walburg in seinem Buch die neusten Erkenntnisse der Positiven Psychologie zusammengetragen.³ Viele Ergebnisse ähneln sich natürlich, aber das Besondere an seiner Studie ist, das sie zeigt, wie sich Wohlbefinden und Glück auf die physische Gesundheit auswirken. Aus zahlreichen Untersuchungen geht hervor, dass sich unser Glück oder Unglück deutlich auf das Immunsystem, die Lebensdauer, auf vielfältige Erkrankungsrisiken, den Heilungsprozess nach schwerwiegenden Erkrankungen oder Operationen, den Blutdruck, den Zustand des Herzens und den allgemeinen Gesundheitszustand auswirkt. Natürlich weiß man schon lange, dass seelisches Wohlbefinden den Körper stark beeinflusst, doch dass diese Effekte so messbar und vorhersehbar sind, ist doch ziemlich erstaunlich. Oder im Sinne der Positiven Psychologie formuliert: Es ist eine große Herausforderung, das Bemühen um einen glücklichen Geist in einem gesunden Körper als erste Priorität zu sehen.

    Doch zum Glück bietet die Flow-Theorie eine Menge Möglichkeiten, um sich dieser Herausforderung zu stellen. In diesem Buch werden Ihnen viele Erkenntnisse aus Studien der Positiven Psychologie begegnen. Entlang des Leitfadens der Flow-Theorie werden diese neuen Ideen so beschrieben, dass Sie auch in Ihrem Alltag davon profitieren können.

    Tun Sie, was Ihnen Freude macht

    Finden Sie heraus, was Ihnen Freude macht, und tun Sie das öfter.

    Die Flow-Theorie lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Finden Sie heraus, was Ihnen Freude macht, und tun Sie das öfter. Die Erfüllung, die Sie im Flow erleben, ist allerdings nicht mit Spaß gleichzusetzen. Flow ist kein hedonistisches Konzept, es geht nicht darum, sich durch den Kick einiger weniger Erfahrungen wohlzufühlen. Flow ist auch keine Emotion wie etwa eine freudige Euphorie; man muss nicht fröhlich sein, um sich glücklich zu fühlen. Das Glück, das man während einer Flow-Erfahrung erlebt, ist ein tieferes, innerlich empfundenes Gefühl, ein Wohlbefinden und eine Zufriedenheit mit dem eigenen Leben oder mit dem Leben als Ganzem. Die Flow-Theorie geht also weit über den rein sinnlichen Genuss hinaus, den wir empfinden, wenn wir etwas Leckeres essen oder in der Sonne liegen.

    Im Flow verfolgen wir bestimmte Ziele, und dabei ist es immer entscheidend, welchen Stellenwert wir diesen Zielen einräumen. Was für einen Menschen ein sinnvolles Lebensziel darstellt, kann für einen anderen ganz bedeutungslos sein. Dingen im eigenen Leben Bedeutung zu geben, ist ein sehr individueller Prozess. Denn es erfordert ein großes Maß an Selbsterkenntnis, zu wissen, was man als wertvoll erachtet und was zur eigenen Persönlichkeit passt.

    Andere zu unterrichten, kann beispielsweise eine sehr wertvolle Tätigkeit sein, die ganz den zentralen Grundwerten (zum Wissen anderer beizutragen), den individuellen Talenten (etwas gut erklären und Jüngere motivieren zu können) und den Lieblingsbeschäftigungen (über interessante Themen sprechen und mit Gruppen arbeiten) eines Menschen entspricht. Zusammengenommen können diese miteinander harmonierenden Aspekte einem Menschen das angenehme Gefühl vollkommener Stimmigkeit vermitteln, so dass er bei dieser Tätigkeit in den Flow kommt. Doch Menschen mit anderen Werten, Talenten und Wünschen macht Unterrichten vielleicht überhaupt keine Freude und es bleibt für sie daher auch bedeutungslos. Erst wenn unsere Lebensentscheidungen zu uns selbst und dem, was wir für wichtig halten, passen, können wir Flow erfahren und uns glücklich fühlen. Daher finden wir den Weg zu unserem Wohlbefinden nur über die Treue zu uns selbst.

    2. Flow-Merkmale

    Flow lässt sich als ein Geistes- oder Seinszustand beschreiben, in dem man konzentriert einer Tätigkeit nachgeht, in der man völlig aufgeht und bei der man ein klares Ziel vor Augen hat und ein unmittelbares Feedback erhält, wie gut man darin ist. Eine Flow-Erfahrung ist durch eine Reihe sehr spezifischer Merkmale gekennzeichnet. Die folgende Charakterisierung können Sie mit Gefühlen vergleichen, die Sie aus ihrem eigenen Leben kennen und womöglich beim Kochen oder beim Sport erlebt haben. Sie können sich aber auch bestimmte, leicht nachvollziehbare Situationen vorstellen, wie das Spiel eines Geigers, die Arbeit eines Chirurgen oder die sportliche Anstrengung eines Bergsteigers.

    Im Flow-Zustand sind wir mit Dingen beschäftigt, die zu uns passen und für die wir uns selbst entschieden haben. Wir haben ein klares Ziel vor Augen und wissen, was wir tun müssen, um es zu erreichen. Wir unternehmen Schritte, die uns in Richtung dieses Ziels führen, und fühlen uns gut, weil wir uns auf dem richtigen Weg wissen. Das Bergsteigen ist eine gute Metapher für diesen Prozess: Der Gipfel ist das Ziel, doch schon auf dem Weg hinauf genießt der Bergsteiger die Natur und die körperliche Anstrengung des Kletterns. Und sobald er auf seinem Weg zum Gipfel in der sportlichen Anstrengung des Kletterns aufgeht, befindet er sich schon während seines Aufstiegs im Flow.

    Im Flow folgt jeder Handlung ein unmittelbares Feedback. Zu Beginn einer Flow-Aktivität erhält man ständig Signale, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Als Bergsteiger sieht man deutlich, ob man dem Gipfel näher kommt, als Geiger hört man, ob der Ton rein ist, als Lehrer in einer Klasse merkt man, ob man von den Schülern verstanden wird. Für das Flow-Gefühl ist es gut, gleich zu erkennen, ob etwas richtig oder falsch läuft. Doch nicht immer kommt das Feedback von außen. Wenn wir ein Buch schreiben oder ein Bild malen, werden wir uns während

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