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An Krisen reifen: Buddhistische Perspektiven für schwierige Zeiten

An Krisen reifen: Buddhistische Perspektiven für schwierige Zeiten

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An Krisen reifen: Buddhistische Perspektiven für schwierige Zeiten

Länge:
338 Seiten
11 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 14, 2013
ISBN:
9783899017854
Format:
Buch

Beschreibung

Krisen, beruflicher oder privater Art − der Verlust des Arbeitsplatzes, das Ende einer Beziehung, eine Krankheit − sind oft Auslöser, das bisherige Leben zu überdenken und befreiende Perspektiven zu entwickeln. Inspiriert von den Lehren des Buddhismus hat Regine Leisner ein Fünf-Punkte-Programm zu einem kreativen Umgang mit Krisen entwickelt. Sie bietet eine Fülle von Anregungen und Übungen, die Mut machen, unsere nächsten Krisen nicht nur zu überstehen, sondern sie für uns zu nutzen und aus einer neuen Gelassenheit heraus, persönlich zu wachsen und zu reifen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 14, 2013
ISBN:
9783899017854
Format:
Buch

Über den Autor


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Top-Zitate

  • Wir arbeiten hier mit den sanften Methoden des Erinnerns, des Nachempfindens, der Betrachtung, die zu einem vertieften Verständnis führen.

Buchvorschau

An Krisen reifen - Regine Leisner

lassen.

I.

Dramen, Krisen, Katastrophen –

wir können ihnen nicht

entgehen

Es darf darüber geredet werden

Ob es wohl jemanden gibt, der von sich sagen kann: »Bei mir ist eigentlich immer alles glatt gelaufen«? Möglich. Allerdings müssen solche Menschen die ganz große Ausnahme sein, ich habe jedenfalls noch keinen von ihnen getroffen. Die übliche Reaktion auf das Wort Krise besteht vielmehr in spontanem, verständnisvollem Nicken und einem nachdenklichen Blick.

Der Siegeszug der Psychologie hat dazu geführt, dass Lebenskrisen deutlicher ins Blickfeld rückten. Das war früher anders. Noch vor wenigen Jahrzehnten orientierte sich die bürgerliche Existenz fast ausschließlich am Ideal bruchloser Kontinuität in Bezug auf die Einhaltung und Umsetzung der geltenden Normen. Ein ordentlicher Mann ernährte seine Familie und erfüllte seine Pflichten in Staat und Gesellschaft; eine anständige Frau führte einen vorbildlichen Haushalt und war jederzeit bereit, auf die Bedürfnisse des Gatten und der Kinder einzugehen. In viel stärkerem Ausmaß als heute wurde das Leben durch ein einheitliches Wertesystem bestimmt und am Rollenverhalten gemessen. Krisen und Dramen, die das glatte Bild störten, wurden mit beträchtlichem Energieaufwand verheimlicht. Wer nicht als Versager dastehen wollte, war gezwungen, nach außen hin um jeden Preis Haltung (»Contenance!«) zu wahren. »Doch wie’s da drin aussieht, geht niemand was an …«, schluchzte der Operettenbuffo und traf damit das Lebensgefühl seiner Zeit.

Dann wurde (wieder)entdeckt, dass es so etwas gab wie eine Psyche. Schon seit den Zeiten des Pythagoras hatten die Menschen sich Gedanken gemacht über Geist und Seele, aber hauptsächlich im Rahmen der Philosophie und später der Religion. Die Vorstellungen blieben oft sehr abstrakt, und unter der Herrschaft der Kirche waren sie verbunden mit einem starren System von Dogmen und Vorschriften, das dem einzelnen genau seinen Platz zuwies. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam eine neue Entwicklung in Gang: Psychoanalyse und Psychotherapie entstanden als Zweige der modernen Naturwissenschaften. Die Seelenkunde befreite sich bis zu einem gewissen Grad von Vorurteilen und Zwängen und wurde in ungeahntem Ausmaß individuell. Auf dem inneren Schauplatz spielte sich offenbar weit mehr ab, als die konventionelle Haltung wohlerzogener Bürger nach außen vermuten ließ, und zwar offenbar nicht nur in seltenen, krankhaften Ausnahmefällen, sondern bei den allermeisten Menschen, ja eigentlich bei allen; man musste nur genau genug hinschauen. Ganz allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass Menschen in Schwierigkeiten und Krisen keineswegs als Versager anzusehen waren – und sie waren nicht länger isoliert und allein.

Heute gibt es die Vorstellung der bruchlosen Biografie praktisch nicht mehr. Ein »gelingendes Leben« (aktueller Modebegriff) wird weniger an der Anpassung an gesellschaftliche Normen als an der Erfüllung individueller Erwartungen gemessen. Die Idee, dass ein Leben verschiedene Entwicklungsphasen umfasst, die keineswegs nahtlos ineinander übergehen müssen, ist in unserem Denken verankert. Dass zu diesen Phasen auch Dramen und Krisen gehören können, wird allgemein akzeptiert. Es dreht sich nun vor allem darum, mit diesen schwierigen Zeiten »umzugehen« – allein und gemeinsam mit anderen. Die schier unübersehbare und stetig wachsende Anzahl von therapeutischen und spirituellen Einrichtungen, von Ratgebern und Selbsthilfegruppen macht deutlich, wie groß dabei das Bedürfnis nach Unterstützung ist.

Psychologie und Religion

Es erscheint mir nicht übertrieben zu sagen, dass die psychoanalytischen Arbeiten von Sigmund Freud, Carl Gustav Jung, Alfred Adler und ihren Nachfolger/innen das Weltbild in unserem Jahrhundert mit am stärksten beeinflusst und verändert haben. Im Zentrum des Interesses stand plötzlich das Selbstverständnis des einzelnen Menschen. Das Streben nach Individualität und Individualisierung spielte eine zunehmend bedeutsame Rolle im kollektiven Leben, und damit veränderte sich naturgemäß auch der Umgang mit Religion.

Bemerkenswerterweise fällt das Aufblühen der Psychologie mit dem rasant zunehmenden Interesse des Westens am Buddhismus zeitlich zusammen. Das ist sicherlich kein Zufall, denn auch im Buddhismus stehen das tiefere Verständnis und die heilsame Entwicklung geistiger Prozesse im Mittelpunkt. Die eigene Erfahrung wird wichtiger genommen als das Akzeptieren vorgegebener Lehren. Der Mensch erlebt sich selbst als Gestalter seiner Realität und als Verursacher seiner Erlösung.

Und dennoch bleibt der Buddhismus, wie alle spirituellen Lehren, nicht nur beim therapeutischen Ansatz im Sinne der Beseitigung psychischer Störungen stehen, sondern bietet durch seine meditative Komponente gleichzeitig den Zugang zu Erfahrungen der Transformation und Transzendenz. Die Praxis zielt nicht auf das Modifizieren von Umständen und Bedingungen ab, sondern auf einen grundlegenden Wandel des gesamten Seins.

Kein Leben ohne Leiden

»Was ist aber, ihr Mönche, die heilige Wahrheit vom Leiden? Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Sterben ist Leiden, Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung sind Leiden, mit Unliebem verbunden sein ist Leiden, von Liebem getrennt sein ist Leiden, was man begehrt nicht erlangen, das ist Leiden …« (aus der Längeren Sammlung der Lehrreden des Buddha, II, 9)

Seit der Buddha in Indien lehrte, sind zweieinhalbjahrtausend Jahre vergangen, aber die Allgegenwärtigkeit leidvoller Zustände und die vielfältigen Anstrengungen, sie zu überwinden oder vermeiden, prägen noch immer das Leben der Menschen. Schier endlos ist die Liste der Widrigkeiten, mit denen wir fertig werden müssen, sie reicht von alltäglichen Problemen bis zu den großen Umbrüchen, die keinen Stein auf dem anderen lassen.

Wir wollen uns hier sowohl mit Krisen im engeren Sinne befassen wie auch ganz allgemein mit schwierigen Lebenslagen, an deren Bewältigung uns besonders gelegen ist. Unter Krisen im engeren Sinne verstehe ich Entwicklungen, bei denen sich von einer Vorgeschichte bis zu einem Kulminationspunkt bestimmte schmerzliche Erlebnismuster immer mehr verdichten und verselbstständigen bis hin zum totalen Einbruch. Er ist gekennzeichnet vom Wegfall von Gewissheiten, von Kontrollverlust und Ohnmacht. Zunächst geht es nur darum zu überleben, später erfolgt dann eine Neuorientierung mit verändertem Bezugsrahmen. Zu einer solchen Krise kann es beispielsweise kommen, wenn eine langjährige Beziehung zerbricht oder wenn durch den Verlust des Arbeitsplatzes der Verlust der sozialen Stellung droht, wenn man/frau über längere Zeit hinweg mit psychischer oder physischer Gewalt konfrontiert ist oder den Übergang von einer Lebensphase in die nächste nicht verkraftet. In jedem Leben sind Licht und Schatten anders verteilt. Wir können uns dazu anhand einer meditativen Übung unser eigenes Existenzmuster vergegenwärtigen. Doch zunächst, da dies die erste der Übungen ist, einige Erläuterungen zur Methode und zum Vorgehen. Wenn Sie mit Meditation bereits vertraut sind, können Sie diesen Teil einfach überspringen.

Meditative Übungen:

Ein paar Worte zur Methode

Meditation ist ein Zusammenwirken von Körper und Geist. Je nach Tradition werden unterschiedliche Techniken geübt. Ein weiter Bogen spannt sich von der klassischen Atembetrachtung über die gegenstandslose Meditation bis hin zum Arbeiten mit Bildern und Vorstellungen. Gemeinsam ist ihnen allen, dass wir für die Dauer der Übung eine bestimmte Körperhaltung einnehmen, äußere Störungen so weit wie möglich ausblenden und unsere Aufmerksamkeit nach innen richten. Dabei bleibt die Wachheit und Bewusstheit dessen, was vorgeht, ununterbrochen erhalten, wir streben also nicht Trance-Zustände oder Visionen an.

Aus den östlichen Traditionen kennen wir als bekannteste Meditationshaltungen den Lotossitz, bei dem die Beine verschränkt werden. Jedoch ist im Westen kaum jemand dazu in der Lage. Das macht aber nichts. Es gibt verschiedene Sitzhaltungen, die ebenfalls den Zweck erfüllen, die Wachheit des Geistes zu unterstützen. Wenn Sie auf einem Kissen sitzen möchten, ist es wichtig, dass die Füße, so gut es geht, an den Körper gezogen werden und die Knie den Boden berühren, was durch eine entsprechende Höhe der Sitzunterlage zu erreichen ist. Wenn die Knie irgendwie in die Luft ragen, müssen wir unser Gleichgewicht über Sitzfläche und Wirbelsäule ausbalancieren, was zu Verspannungen im Rücken führen kann. Wenn wir dagegen mit dem Gesäß und den Knien gut auf dem Boden ruhen, sitzen wir auf dieser Dreiecksbasis sehr stabil, und eine gerade Haltung von Becken und Rücken wird unterstützt. Sehr gebräuchlich ist auch das Sitzen mit nach hinten abgewinkelten Unterschenkeln, eventuell unter Zuhilfenahme von Kissen oder einem Bänkchen.

Das Sitzen auf dem Boden hat zweifellos eine erdende, festigende Wirkung. Doch Sie können, wenn Sie das vorziehen, auch auf einem Stuhl sitzen. Das wichtigste ist dabei eine gerade, aufrechte Körperhaltung. Im Liegen können Sie nicht meditieren, Sie schlafen einfach ein. Zur Entspannung und zur Beseitigung von Schlafstörungen sind Übungen im Liegen geeignet, aber nicht für meditative Zwecke.

Warum legen eigentlich alle Schulrichtungen so viel Wert auf die gerade Körperhaltung? Es gibt dazu viele Begründungen. Vom Energiefluss, inneren Kanälen und Meridianen ist die Rede, von Disziplin und Konzentration. Ich möchte darauf hier nicht näher eingehen. Mein Vorschlag ist nur: Probieren Sie es aus. Setzen Sie sich auf ein Kissen oder einen Stuhl und nehmen Sie kurz Ihre gewohnte Haltung ein (was für die meisten Menschen heißt: zusammengesunken, mit nach vorn sinkenden Schultern und rundem Rücken); spüren Sie in Ihren Körper hinein: Wie fühlt er sich an? Wie empfinden Sie Ihren Brustkorb, den Nacken, den Kopf und die Arme? Nach ein paar Minuten fangen Sie ganz langsam an, sich vom Becken her aufzurichten, bis Sie gerade, aber noch entspannt sitzen. Die Schultern sind etwas zurückgenommen, der Nacken aufgerichtet, der Kopf leicht nach vorn geneigt. Wie fühlt sich das im Vergleich an? Wie ist die Körperempfindung? Wie ist die Rückwirkung auf das geistige Befinden?

Die meisten Menschen, vor allem die notorischen Schreibtischhocker, leiden unter mehr oder weniger ausgeprägten Haltungsfehlern. Bei vielen Frauen kommt noch hinzu, dass sie schon von ihrer Sozialisierung her dazu neigen, die Schultern nach vorn zu nehmen und gewissermaßen den Kopf einzuziehen. Wenn das zur langjährigen Gewohnheit geworden ist, dauert es ein wenig, bis eine andere Haltung als angenehm empfunden wird. Wenn es Ihnen auch so geht, richten Sie sich immer wieder ein wenig auf, aber zwingen Sie sich nicht zu einer angespannten Haltung. Erlauben Sie sich, die Position zu finden, die Ihnen gegenwärtig angemessen erscheint. Versuchen Sie auch nicht, etwaige Schmerzen im Rücken und den Beinen längere Zeit zu ertragen. Ich weiß, dass das in manchen buddhistischen Traditionen anders und strenger geübt wird, und es gibt dafür auch gute Begründungen, aber ich halte trotzdem mehr davon, mit Körper und Geist freundlich

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