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1941-1953 von Leningrad nach Kaukasus
1941-1953 von Leningrad nach Kaukasus
1941-1953 von Leningrad nach Kaukasus
eBook367 Seiten3 Stunden

1941-1953 von Leningrad nach Kaukasus

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Über dieses E-Book

Die Aufarbeitung der stenografischen Aufzeichnungen der in den Kriegsjahren erlebten Wirklichkeit erfolgte in der Erkenntnis, dass das, was nicht in Wort und Schrift festgehalten ist, so leicht vergessen wird.
Nicht die Strategie des Zweiten Weltkrieges wird in diesem Buch aufgezeichnet, sondern die oft erschreckende Bereitwilligkeit der "braven Soldaten", erhaltenen Befehle emotionslos auszuführen.
SpracheDeutsch
Herausgebernovum pro Verlag
Erscheinungsdatum9. Apr. 2014
ISBN9783990381892
1941-1953 von Leningrad nach Kaukasus
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    Buchvorschau

    1941-1953 von Leningrad nach Kaukasus - Hermann Raunig

    Texte

    Impressum

    Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

    Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

    Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

    © 2014 novum publishing gmbh

    ISBN Printausgabe: 978-3-99038-188-5

    ISBN e-book: 978-3-99038-189-2

    Lektorat: Isabella Busch

    Umschlagfoto: Sergeyussr, Anna Yakimova | Dreamstime.com

    Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

    Innenabbildungen: Hermann Raunig (128)

    www.novumverlag.com

    Teil 1

    Vorinformative Einleitung

    Im Zuge der Aufarbeitung meiner Kriegstagebücher bin ich beim Stöbern in den alten Dokumenten auf einen für mich bisher unbekannten Schriftverkehr aus dem Jahre 1940 gestoßen. Er hat mich schockiert! Meine Mutter hat mich damals, und auch später, nicht darüber informiert. Es handelte sich um eine zu dieser Zeit typische nationalsozialistische Durchkämmungsmethode, die sich über ganz Deutschland und auch, wie man sieht, über Landesteile, die annektiert wurden, erstreckte. Zur Information lege ich einige Fotokopien bei – zur Bereicherung der bisherigen Darstellung der rassistischen Säuberungsmethoden der fanatischen Nazis.

    Aus diesen Papieren entnehme ich, dass ich selber gegebenenfalls Anwärter auf ein Konzentrationslager war. Weil mein Vater ungarischer Staatsbürger und auch mein Geburtsort Budapest war, wurde zur Klarstellung meiner Identität eine genaue Überprüfung und schließlich auch eine genaue Registrierung durch die rassistische Reichszentrale Deutschlands, in diesem Falle durch das Standesamt 1 in Berlin, durchgeführt.

    Die bei meiner Mutter vorliegende Geburtsurkunde wurde nicht anerkannt! Eine gesonderte Klarstellung durch das sich in Wien befindliche ungarische Generalkonsulat hatte zu erfolgen, um meine rassistische Identität zu dokumentieren, zumal in meiner Geburtsurkunde als lediges Kind der Name des Vaters nicht auftauchte.

    Erst nach Kenntnisnahme dieser Dokumente ist mir durch Zeitvergleich aufgefallen, dass ich nach Abschluss dieser Erhebung sofort die Einberufung zur Deutschen Wehrmacht bekam, um anscheinend nicht den Reinhaltungskomplex der Superarier zu stören.

    Tagebuchfragmente von 1938

    Aus der Sicht eines unbelasteten Schülers im Studentenheim Kolpinghaus Klagenfurt und Mein Weg in der Deutschen Wehrmacht 1941–1945

    Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich.

    Erlebt als Student im Kolpinghaus Klagenfurt.

    Dienstag, 8.3.1938

    In der Schule wird über neue Ereignisse und Übergriffe berichtet, alles wegen der neuen Politik. Fast alle in unserer Klasse tragen ein Hakenkreuz. Im Heim ist großer Naziauflauf. Schreien ist streng verboten!

    Mittwoch, 9.3.1938

    Im Kolpingsaal gibt es einen Lichtbildervortrag über Rom. Bundeskanzler Schuschnigg spricht zum Volk.

    Donnerstag, 10.3.1938

    Am „Neuen Platz" ist ein unaufhörliches Schreien. Dicht gedrängt stehen dort Kommunisten und Nazis. Viele sind verwundet. Ich halte mich fern, habe etwas Angst.

    Freitag, 11.3.1938

    Eine unüberschaubare Menschenmenge irrt auf der Straße umher. Sogar im Kolpinghaus sind die illegalen Nazis mit zusammengewürfelten „Uniformen" einmarschiert. Der Präses, Msgr. Klaas, ein blonder Rheinländer, hat erlaubt, dass sie im Innenhof des Studentenheimes exerzieren dürfen. Jeder Nationalsozialist hat einen Gummiknüppel und einen Revolver. Wir dürfen nicht aus dem Haus heraus.

    Um 20.30 Uhr überlässt Schuschnigg die Regierung Österreichs den eindringenden Nationalsozialisten.

    Um 23 Uhr werden wir Studenten in unseren Schlafräumen aus den Betten geholt. SA-Männer, halb uniformiert, drängen uns, halb bekleidet, wie wir waren, mit vorgehaltenen Pistolen in eine Ecke. Die Betten werden durchwühlt. Vermutlich suchen sie nach versteckten Waffen oder Propagandamaterial. Dann können wir wieder in die Betten, dürfen das Haus aber nicht verlassen.

    Nachtrag: Unser Präfekt Ericht, ein Reichsdeutscher, ist am 11.3. geflüchtet, nachdem er um 20.30 Uhr erfuhr, dass die Regierung von den Deutschen übernommen wurde. Warum, weiß ich nicht.

    Samstag, 12.3.1938

    Wir werden streng bewacht. Überall stehen die Wachposten der SA (Sturmabteilung). Man muss genau sagen, wohin man gehen möchte, und fragen, ob man darf! Trotzdem dürfen wir den ganzen Tag nicht aus dem Heim. Wir müssen alle ein Hakenkreuz tragen! Aus Blech, Pappe, egal. Aber in die Schule dürfen wir nicht!

    Sonntag, 13.3.1938

    Um 7 Uhr „dürfen wir in die Domkirche gehen. Auch den Studiersaal dürfen wir betreten. Am Nachmittag müssen wir in ein NS-politisches Schulungskino. Dann sagt man uns, dass um 15 Uhr die Deutschen kommen, aber es ist nicht wahr. Nach dem Abendessen lernen wir nationalsozialistische Lieder. Wir erfahren im Heim, dass der Dollfußplatz (bisher Neuer Platz) in „Adolf Hitlerplatz umbenannt worden ist. Um 13.30 Uhr müssen wir alle wieder in das NS-politische Kino zur Einschulung.

    Montag, 14.3.1938

    Keine Schule! Am Nachmittag landen auf dem Flugplatz in Annabichl 42 Flugzeuge. Für uns ein Wunder! Nachmittags nehmen wir an einem Fackelzug teil. Für mich ist das ein überwältigendes Ereignis.

    Dienstag, 15.3.1938

    Ich bin den ganzen Tag fast blind. Mit einer Schreckschusspistole hat mir ein Student in das Gesicht geschossen. Deutsche Fliegerstaffeln rauschen über Klagenfurt.

    Mittwoch, 16.3.1938

    Ich sehe kaum etwas und bleibe im Zimmer. Der Kolpingsaal wird in „Sturmsaal 4" umbenannt. Das Essen wird ein wenig besser.

    Donnerstag, 17.3.1938

    Endlich haben wir einen neuen Präfekten: Kaplan Donnerbauer aus Sankt Ruprecht. Unser bisheriger ist irgendwo im Ausland.

    Freitag, 18.3.1938

    Kurze Hose angezogen, weil meine Knickerbocker (übrigens meine erste lange Hose) kaputt ist. Ich habe Augenschmerzen.

    Samstag, 19.3.1938

    Um 6 Uhr kommen deutsche Straßenpanzer nach Klagenfurt.

    Sonntag, 20.3.1938

    Um 9 Uhr in die Kapuzinerkirche gegangen. Einige gehen infolge der argen Propaganda nicht mehr mit! Ich sehe immer noch kaum etwas.

    Montag, 21.3.1938

    Wieder in der Schule! Ansprache vom neuen Direktor Dr. Nebel. Der Vorgänger, Herr Dir. Dr. Klinger, wurde fristlos entlassen. Auch Dr. Illetschku und etliche andere.

    Dienstag, 22.3.1938

    Die neuen Professoren erzählen vom „Neuen Reich" …

    Meine Identität als Sanitäter in der Deutschen Wehrmacht

    Raunig Hermann, geb. 19.04.1921 in Budapest

    Wehrpass-Nummer: 21/34/3/9

    Erkennungsmarke Nr. 836 (4. Geb. San. Ers. Abt. 18)

    Soldbuch Nr. 151

    Gasmaskengröße: 2

    Blutgruppe 0

    Wehrersatzdienststelle: Wehrmeldeamt Klagenfurt

    Nummer der Truppenstammrolle 1083

    4. Geb. San. Ers. Abt. 18 St. Johann in Tirol

    11.7.1941 Abschied von der Sanitätsausbildung. Morgen geht es an die Front.

    12.7.1941 Abmarsch zum Bahnhof.

    Zusammenfassung Übersicht der Teilnahme am Vormasch und Rückzug

    26.02.1941: eingerückt nach St. Johann in Tirol. Sanitätsausbildung.

    26.05.–21.05.41: Praktikum Lazarett in Klagenfurt (Marianum)

    06.06.1941: Sanitätsprüfung mit „sehr gut" bestanden.

    12.07.1941: Abfahrt von St. Johann i. T. (Bild).

    19.07.1941: Ankunft in WATTIA (Griechenland).

    1. Batl. 11/100 (OA Dr. LÖWENICH)

    09.08.1941: Versetzt nach ALIVIERI 2. Btl. 7/100 (* 03474C)

    (zwei Monate Bursche bei OA Dr. Brandt)

    05.10.1941: CHALIA

    28.10.1941: SPATA (OA Dr. LANDES, ab 19.11.1971 Stabsarzt)

    23.11.19413: Uhr Wecken, 6.30 Uhr Abmarsch aus SPATA.

    10.30 Uhr Ankunft in ATHEN/Bahnhof (30 km).

    19.30 Uhr Abfahrt mit dem Zug.

    24.11.1941: 5.30 Uhr GRAVIA. 8 Uhr Abfahrt mit Lkw über THERMOPILEN (chaotische Fahrt, an abgestürzten Lkws vorbei).

    25.11.1941: 15 Uhr Abfahrt aus LAMIA. Zug bleibt auf der Strecke bei STYROAKA stehen (die Lokomotiven können nicht mehr).

    26.11.1941: Wir stehen noch immer auf der gleichen Stelle.

    Ich bin mit 5 Uffz. in einem Abteil I. Kl.; leidlich gemütlich.

    27.11.1941: 10.30 Uhr Ankunft in SALONIKI.

    Wir werden bis 30.11. in der dortigen Kaserne untergebracht. Für 8 Tage nur 2 kg Brot. Ich besuche den dortigen Turm (Vasilis Sophia) und lerne die Tochter des Zigarettenfabrikanten der Sorte ATTIKA in äußerster Liebenswürdigkeit kennen. Verbindung wieder verloren.

    01.12.1941: 6 Uhr wecken. 7 Uhr Abmarsch zum Bahnhof, 14 Uhr Abfahrt aus Saloniki. Der Zug liegt die meiste Zeit auf der Strecke. Für 3 Stunden Normalfahrt brauchen wir an die 10 Stunden und mehr.

    09.12.1941: Ankunft in Königssee am Königssee bei Berchtesgaden

    11.12.1941: Urlaub in Friesach bei meinen Eltern (24 Tage)

    04.01.1942: Rückfahrt aus dem Urlaub nach Königssee

    01.01.1942: Ernennung zum OBERSCHÜTZEN

    18.04.1942: Abfahrt nach RUSSLAND

    26.04.1942: In PUSCHKIN (vor dem Panzerwerk in KOLPINO)

    Bei LENINGRAD in Stellung gegangen.

    Wir lösen die SS-Polizeidivision FELDHERRNHALLE ab.

    Kuriosität am Rande: Nachdem wir die Schützengräben bezogen hatten, ertönte plötzlich aus der russischen Stellung uns gegenüber aus einem starken Lautsprecher deutsche Marschmusik. Und in gutem Deutsch: „Wir begrüßen die braven Gebirgsjäger des Gebirgsjäger-Regimentes 100 in ihrer neuen Stellung! Sie haben die SS abgelöst, aber dieser haben wir die Hölle so heiß gemacht, dass sie gerne gegangen sind. Ihr aber habt jetzt Zeit, euch etwas zu erholen." Dann wieder ca. fünf Minuten Marschmusik.

    Mein einsamer „Posten"

    „WOLCHOW" – Sumpf, Wasser, schutzlos

    01.05.1942: Beförderung zum SANITÄTS-GEFREITEN

    01.06.1942: SANITÄTS-DIENSTGRAD

    01.06.1942: Abgelöst durch SS „Feldherrnhalle" und Abmarsch von Leningrad

    19.07.1942: Stellung am WOLCHOW bezogen

    Ablösung wieder durch SS „Feldherrnhalle"

    21.08.1942: 3.40 Uhr Sturmangriff NEVABOGEN bei SAPLINO

    22.08.1942: 1. Verwundung: 8 Uhr, Daumen- und Bauchschuss

    22.08.1942: Kriegslazarett 300 …?

    04.09.1941: Res. Lazarett (Schloss Hubertusburg) in WERMSDORF bei LEIPZIG

    28.09.1941: entlassen zur Genesungskomp. San. Ers. Abt. 7, MIESSBACH

    02.10.1941: GENESUNGSURLAUB

    18.10.1941: Rückfahrt nach MIESSBACH (OBB)

    20.10.1942: versetzt zur 4. Geb. San. Ers. Abt. 7 nach SCHLIERSEE OBB

    18.11.1942: Abfahrt zum KAUKASUS (4. Gebirgsdivision) wie folgt:

    19.11.1942: Schliersee–München–Landshut–Regensburg–Schwandorf

    Hof–Plauen–Zwickau–Chemnitz–Dresden–Bautzen–Breslau–Oppeln–Gleiwitz–Kattowitz–Krakau 23 ½ Std.

    20.11.1942: weiter nach Krakau–Tarnov–Debica–Reichshof–Przewarsk–Jaroslau–Przemisl … und weiter nach Lemberg. 12 Std.

    21.11.1942: Lemberg–Krasné–Brody–Werba–Dubno–Szolbunowo–Schepedovka–Petschenovka–Berditschow–Fastow–Kasatin–Korsun–Bobrinskaja–Komenka–Snamenka–Koristaka–Dnjepopetrovsk 36 Std.

    24.11.1942: Dnjepopetrowsk–Sinalnikowo–Tschapina–Grodowka–Otsch–Skotowaloje–Charzissk–Ilowaiska–Matwyan–Pokrowsk–Sinjawsk–Rostow–Bataisk 24 Std.

    27.11.1942: Bataisk–Sadonskaja–Anastasie –Stepnaja–Kustschowsk–Kuslakowka–Krylawsk–Pawlowsko–Mowoleutschowskaja–Tichorjezk–Malorsiskaja–Mirskaja 18 Std.

    29.11.1942: Krapotkin–Girei–Gulkowski–Otrador–Kubanskaja–Kozebu. Zurück nach Kubanskaja–Armawir I–Armawir II 2 ½ Std.

    30.11.1942: Armawir II–Armawir I

    30.11.1942: Armawir I–Armawir II–Kurgannaja–Dondudowskaja–Beloretschenskaja–Kajkop 5 Std.

    07.12.1942: Mit Lkw Kajkop–Sasolinktor; mit Schlauchboot über den Pschechow, dann marschieren wir 2 km bis Apschorenskaja zum Divisionsstand 3 Std.

    10.12.1942: Apschorenskaja–Nevtikosk mit Lkw 2 Std.

    11.12.1942: Nevtikosk–Nevtjanaja zum Gef. Stand. Reg. 13 III. Btl.

    13 12.1942: Nevtjanskaja–Apschorenskaja–Chatiniskaja marschiert

    14.12.1942: Chatiniskaja–Pschichtal zum Stützpunkt „Frank" über Newatoskaja

    15.12.1942: Pschichtal–Gyneikatal zu Fuß zum Stützpunkt „Schilling"

    01.05.1943: Beförderung zum Oberjäger und San. Unteroffizier

    Mit Datum 01.10.1942: nachgeschickt EK II v. d. Waffen SS, Polizeidiv. Gen. Ltn. Klümenberg, SS Gruppenführer u. Div. Kommandant Div., Gef. ST. Nr. 5846/42.

    Verliehen bei 7. Geb. Jg. Reg. 100, 5. Geb. Div. (Ringl)

    18.12.19434. Division, III. Btl. Reg. 13, 14. Komp. * 03972 E

    Was ich damals nicht wusste und erst aus dem Buch „Deutsche Gebirgsjäger im Zweiten Weltkrieg" von Robert Kaltenegger, dritte Auflage 1998, S. 169 entnommen habe, siehe wie folgt:

    Um die Jahreswende 1942/43 setzte sich das XXXXIX. Gebirgs-Armeekorps, auf einer Front von 400 km Breite, vom Hoch- und Waldkaukasus in den Kubanbrückenkopf in einer über drei Monate laufenden, aber erfolgreich geführten Operation ab und entzog sich damit dem russischen Zugriff, der die Gebirgsjäger einschließen und zu vernichten gedachte.

    „Der Höhepunkt der Schlammkrise war immer noch nicht erreicht. Am 1. Dezember abends meldete die Gruppe Lanz: Lage am Brückenkopf äußerst ernst. Feindangriff mit neuen Kräften in beiden Flanken nach Feindverhalten und Gefangenenaussagen morgens zu erwarten. Hoher Erschöpfungszustand der Truppe. Bisher gemeldete Fälle an Erschöpfung: 2 Tote, 10 Zusammengebrochene. Täglich 60 Pferde Totalverlust.

    Steigendes Hochwasser des Pschich verhindert Versorgung. Munition nur noch für drei Tage vorhanden. Verpflegung für einen Tag; Pferde haben kein Futter mehr. Abtransport Verwundeter nicht möglich. Beziehen der Pschich-Stellung, sobald es das Hochwasser erlaubt, unerlässlich, da sonst Truppe verloren.

    Versorgung durch Guneikatal infolge Hochwasser völlig unterbunden. Alle Anstrengungen, zerstörte Verbindungen wiederherzustellen, vergeblich. Nachschubeinrichtungen von rückwärts leisten nur mehr ein Drittel des Bedarfes. Heranbringen von Munition zurzeit nicht mehr möglich. Sofortiger Einsatz mehrerer Ju’s notwendig, da sonst Truppe in zwei Tagen ohne Verpflegung.

    Inzwischen hilft die Luftwaffe durch Abwurf von Versorgungsgütern im Kampfraum der Truppe. Diese Hilfe ist von größter Bedeutung und schafft erste Entlastung.

    Die oberste Führung bleibt weiterhin stumm. Sie zögert, die Angriffspositionen am Ssemacho gegen Tuapse aufzugeben und dem Gegner ihren Verzicht einzugestehen. Die schweren Rückschläge bei Stalingrad scheinen die oberste Führung zu veranlassen, an allen Brennpunkten der Front dem Feind gegenüber besondere Härte zu zeigen.

    Am 10. Dezember meldet die Geb. Div. Am Ssemacho über die Lage: Seit dem letzten Hochwasser (am 1. Dezember) kann die Truppe nur noch mit halben Portionen verpflegt werden. Der Kälteeinbruch hat die Auszehrung gesteigert; 14 Erschöpfungstote in den letzten Tagen. Das Pferdesterben hält an. Gebirgs-Jäger-Regiment 98 wird in weiteren 10 Tagen seine Pferde verloren haben.

    Die Bekleidung ist durch die Beanspruchung der neunwöchigen Waldkämpfe völlig abgerissen; infolge der Nachschubschwierigkeiten kann sie trotz großer Bestände nicht ausgewechselt werden. Offizier und Mann kommen seit Wochen nicht mehr aus den nassen Kleidern. Die Wäsche verfault buchstäblich am Körper. Erkältungen, Hauterkrankungen, Furunkulose und Infektionen sind die Folge.

    Der Transport der Verwundeten zu den Hauptverbandsplätzen und von da nach rückwärts ist äußerst schwierig. Soweit ihr Abtransport aus der Stellung unter stundenlangen Mühen gelingt, liegen sie auf dem Hauptverbandsplatz oft viele Tage dicht gedrängt in nassen Zelten. Der Abflug durch die Störche fällt infolge schlechten Wetters oft aus. Die Träger sind so beansprucht, dass für einen Verwundeten acht Träger notwendig sind. Von den kürzlich überwiesenen 170 Mann sind am 9. Dezember noch zehn einsatzfähig, von 72 am 7. Dezember überwiesenen Trägern ist nur die Hälfte dienstfähig.

    Die Witterung wechselt mit Schnee und Regen. Temperaturen von +5 °C bis –5 °C ergeben einen knietiefen zähen Schlamm. Bald bildet sich eine durchbrechende Frostschicht darüber. Dieses Wetter hält wahrscheinlich noch wochenlang an. Hilfe durch Luftwaffe bedeutsam; ein Drittel der Güter ging verloren.

    Grundsätzliche Besserung der Versorgungslage … oder die Truppe geht zugrunde!

    Am 12. Dezember, etwa 10 Uhr, teilt der Oberbefehlshaber fernmündlich mit, dass Hitler den geforderten Befehl zur Zurücknahme der Kräfte noch einmal abgelehnt habe.

    Der Oberbefehlshaber sagt baldigen erneuten Anruf zu. Um 12 Uhr am 12. Dezember geht die Genehmigung zur Räumung des Ssemacho ein. Vom 16./17. nachts lösen sich die Bataillone unbemerkt vom Feind und gehen auf die Höhen nördlich des Pschisch in einigermaßen vorbereitete Stellungen zurück. Die Versorgungswege des Gegners verlängern sich damit im schwierigen weglosen Gelände erheblich, während die eigenen sich in gleichem Maße verkürzen. Das zunächst spürbare Nachlassen der feindlichen Gefechtstätigkeit und die zunehmend bessere Versorgung der Truppe unter der Führung ihrer Kommandeure bringt bald Entspannung und Kräftigung.

    Am 31. Dezember 1942 erhalten die unterstellten Divisionen in getarnter Form den Befehl, die Räumung des Guneikatales zum Zurückgehen auf die B-Linie (Seilbahn) vorzubereiten. Gleichzeitig hat das Generalkommando die allgemeine Rückführung des wertvollen Wehrmachtgutes in einer von ihm festgelegten Dringlichkeitsfolge auf Bahn und Straße begonnen.

    Was ich damals nicht wusste und erst dem Buch „Deutsche Gebirgsjäger im Zweiten Weltkrieg" von Robert Kaltenegger, dritte Auflage 1998 (S. 169ff.) entnommen habe, siehe wie folgt:

    Wie Hilferufe schallten die täglichen Meldungen der Gruppe Lanz an die vorgesetzten Dienststellen in jenen Tagen. Die beiden hier angeführten mögen die Lage veranschaulichen, in der sich deutsche Gebirgsjäger befanden:

    … „Die feindliche Führung wirft schon seit 1942 immer neue Reserven in den Kampf. Das Kräfteverhältnis ist bedrohlich. Immer unhaltbarer und verzweifelter wurde die, während der Gegner, in Stärke von etwa 3 Korps, aus einem mit guten Straßen versehenen Hintergelände heraus angreift, schmilzt die an sich schon kleine Schar der tapferen Verteidiger immer mehr zusammen. Setzt der Feind in der bisherigen Stärke seinen Kampf fort, so ist es nur eine Frage weniger Tage, bis die Verteidiger in ihrer ernsten Lage angesichts dieser exponierten Bergstellung erliegen. Angesichts dieser erneuten Lage der Gebirgstruppe im Wald Kaukasus, die mich mit großer Sorge erfüllt, melde ich, dass die Stellung nur gehalten werden kann, wenn dort in den nächsten Tagen ausreichende Kräfte eingesetzt werden. … Hubert LANZ."

    … Das Verhältnis nimmt weiter seinen Lauf. Die von Stunde zu Stunde erwartete Entscheidung blieb aus. Wochenlang kämpft die Gebirgstruppe im Kaukasus nach zwei Seiten: Vorne gegen einen im Erstarken begriffenen russischen Gegner; hinter der Front gegen die höchsten Kommandostellen, die sich nicht entschließen konnten, nicht mehr zu haltende Stellungen ordnungsgemäß räumen zu lassen. Dann war es aber so weit – in der letzten verbliebenen Sekunde des Feldzuges, als sich die Tragödie von Stalingrad abzuzeichnen begann …

    Der Rückzug zwischen Schlamm und Frost begann und damit das Absetzen in den Kuban-Brückenkopf

    Was ich damals nicht wusste und erst dem Buch „Deutsche Gebirgsjäger im Zweiten Weltkrieg" von Robert Kaltenegger, dritte Auflage 1998 (S. 174ff.) entnommen habe:

    … Mit dem Rückzug der deutschen Gebirgstruppe in den Kubanbrückenkopf begann ein neues Kapitel des Russlandfeldzuges. Die Zeit des Vormarsches gehörte der Vergangenheit an, die Phase des Zurückweichens der Ostfront bis zur Reichsgrenze mit ihren opfervollen Rückzugsgefechten hatte begonnen.

    Gründe über das Versagen waren nicht bei der kämpfenden Truppe zu suchen, sondern bei der obersten Führung, die die Truppe laufend überforderte, den Nachschub vernachlässigte und die riesigen Entfernungen falsch beurteilte.

    War es nicht Wahnsinn, hinter der 17. Armee ein Korps mit Sommeruniform und -ausrüstung nachzuführen, um nach dem Überschreiten des Kaukasus und nach der Vereinigung mit Rommels Afrika-Korps über Persien nach Indien vorzustoßen?

    Denn nur dort, so glaubte Hitler sei England zu schlagen.

    Geordneter Rückzug

    Endlose Ebene

    Zusammenfassende Übersicht –Rückmarsch aus dem Kaukasus

    14.01.1943: 5.45 Uhr Abmarsch aus der Stellung am Kaukasus

    18 Uhr: Ankunft in der letzten Bergstellung im Gyneikatal

    Fußmarsch 40 km Abmarsch aus der Bergstellung Gyneikatal

    24.01.1943: 3.30 Uhr Ankunft in TWERSKAJA FM. 30 km

    10 Uhr Abmarsch aus Twerskaja

    23 Uhr Ankunft (Ortsname unbekannt) FM. 10 km

    26.01.1943: 6 Uhr Abmarsch aus dieser Ortschaft (menschenleer)

    12 Uhr Ankunft in einer nächsten Ortschaft FM. 25 km

    27.01.1943: 1 UhrAbmarsch aus diesem Ort

    10 UhrAnkunft in BELORETSCHENSKAJA FM. 35 km

    28.01.1943: 1 UhrAbmarsch aus Beloretschenskaja

    11 Uhr Ank. in einem Ort, 10 km von der LAVA entfernt FM. 45 km

    23 Uhr Abmarsch aus diesem Ort.

    29.01.1943: 8 UhrAnkunft in USTYLABINSKAJA FM. 30 km

    31.01.1943: 20 Uhr „Flucht" aus Ustylabinskaja. Ich vermute allerdings blinden Alarm. Es sollen Russen in die Ortschaft eingesickert sein. Es ist nicht zu erfahren, wer den Alarm ausgelöst hat.

    01.02.1943: 2 UhrAnkunft in WARONISKAJA FM. 25 km

    20 Uhr Abmarsch aus WARONISKAJA

    02.02.1943: 2.15 Uhr Ankunft in einem Kolchos an einem kleinen unbenannten Bahnhof FM. 30 km

    16 Uhr Abmarsch aus diesem Kolchos

    19 Uhr Ankunft in WASSINOWSKAJA FM. 10 km

    Neue Uniform und Winterbekleidung gefasst

    03.02.1943: 8.30 Uhr Abmarsch aus WASSINOWSKAJA

    11 Uhr Ankunft in SAUFOASFM. 10 km

    06.02.1943: 3.30 Uhr Abmarsch aus einem Kolchos in SAUFOAS

    6 Uhr Ankunft in KORSINISKAJA FM. 10 km

    10.02.1943: 18 Uhr Abmarsch aus Korsiniskaja

    11.02.1943: 06 Uhr Ankunft in KALININO FM. 42 km

    18 Uhr Abmarsch aus Kalinino über GRASSNOTAR und ELISABETINSKAJA

    12.02.1943: 14 UhrAnkunft in MARJANOWKA FM. 45 km

    „DIANA"-Stellung bezogen

    19.02.1943: 20 Uhr Abmarsch aus dieser Stellung (Marjanowka)

    20.02.1943: 10 Uhr Ankunft bei einem Kolchos am KUBAN, inmitten eines Laubwaldes FM. 30 km

    KUBAN „Brückenkopf"

    Mein fertiggestellter „Unterstand = „Bunker

    23.02.1943: 17 Uhr Abmarsch aus diesem Kolchos bis zu einem anderen Kolchos, dort übernachten wir FM. 2 km

    24.02.1943: 9 UhrAbmarsch aus diesem Kolchos

    17 Uhr beziehen wir die „POSEIDON-STELLUNG" FM. 25 km

    08.03.1943: 17 Uhr Rückzug aus der „Poseidon-Stellung" am Damm

    09.03.1943: 3 Uhr Wir waten teilweise bis zu den Knien im Sumpf FM. 15 km

    Wir beziehen die „DIANA-STELLUNG" bei SLJAWIANSKAJA

    22.03.1943: 18 Uhr Rückzug aus der „Diana-Stellung" bei Slavianskaja

    23.03.1943: 7 Uhr: Ankunft UND IN Stellung gegangen bei ANASTASSIEWSKAJA, genannt die „VIKTORIA-STELLUNG" FM. 60 km

    30.03.1943: 21 Uhr Rückzug aus der „Viktoria-Stellung" bei Anastassiewskaja

    31.03.1943: 4 Uhr Ankunft in WARENIKOWSKAJA FM. 40 km

    21 Uhr Weitermarsch von Warenikowskaja

    01.04.1943: 3 UhrAnkunft in KOSTAGAJEWSKAJA FM. 25 km

    21 Uhr Abmarsch aus Kostagajewskaja über NATUSCHAJEWSKAJA

    02.04.1943: 4 Uhr Ankunft in WERCHNI-BAKANSKAJA FM. 40 km

    22 Uhr Abmarsch aus Werchni-Bakanskaja

    03.04.1943: 6 Uhr Ankunft in KLEPOWKA. Zeltlager FM. 25 km

    04.04.1943: 16 Uhr Abmarsch aus Klepowka

    22 Uhr Bereitstellung in der SCHIROKAJA-SCHLUCHT. Zeltlager FM. 15 km

    15.04.1943: Ich werde zum Obergefreiten mit Rückwirkung 01.04.43 befördert.

    16.04.1943: Abmarsch aus der Schirokaja-Schlucht zum Einsatz „ZUCKERHUT"

    17.04.1943: 1 Uhr Ankunft in der Stellung am Zuckerhut und Sturmangriff

    Rückzug vom „Zuckerhut" und Stellungswechsel FM. 7 km

    18.04.1943: 3 Uhr Ankunft und Sturmangriff am Misshako. Da wir tiefer in die russische Stellung eindringen, als in der Möglichkeit vorgesehen und mehr Gelände erobern, kommt der darauf folgende Stuka-Angriff nicht vor uns auf die russische Stellung, sondern direkt auf uns.

    Wir haben zwar die vereinbarten Rauchzeichen abgeschossen, doch die Piloten hielten unser Vordringen als unwahrscheinlich und glaubten, dass das nur eine Finte der Russen sei. So haben wir es jedenfalls später erfahren.

    Abwartend in Bereitschaft.

    Unser Kompanie-Führer (Ltn. Helmer) verlässt uns mit geplatztem Trommelfell. In den von uns eroberten Schützengräben liegen tote Russen. Das Wasser steht uns fast bis zu den Waden und die gefallenen Russen können nicht weggeschafft werden, weil die von uns eingenommene Stellung von den Russen eingesehen ist und so können wir uns selbst auch nicht sehen lassen, da jede entdeckte

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