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Die Arbeit am Langen Zügel: Vom Anfang bis zur Levade

Die Arbeit am Langen Zügel: Vom Anfang bis zur Levade

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Die Arbeit am Langen Zügel: Vom Anfang bis zur Levade

Länge:
284 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 1, 2014
ISBN:
9783840461958
Format:
Buch

Beschreibung

Langzügelarbeit liegt im Trend. Dabei ist die Methode, Pferde unterstützend zur Arbeit im Sattel vom Boden aus auszubilden, Jahrhunderte alt. Die alten Meister wussten genau um ihren positiven Einfluss: Das Pferd verbessert sich unter dem Sattel als direktes Resultat der Arbeit am langen Zügel und umgekehrt. Der Grund: Der Ausbilder kann ihm bestimmte Dinge am langen Zügel besser erklären kann, während andere im Sattel effektiver behandelt werden können. Analog dazu verbessert sich der Reiter im Sattel als direktes Resultat der langen Zügelarbeit und umgekehrt, da er am langen Zügel das sehen kann, was er unter dem Sattel fühlt. Am langen Zügel hinter dem Pferd gehend, gewinnt man einen optischen Eindruck von Rücken und Hinterhand, Biegung und Gleichgewicht. Gleichzeitig fühlt man den ganzen Pferdekörper in der Hand. Sitzt man wieder auf dem Pferd, kann man dem Gefühl in Sitz, Schenkel und Zügel das optische Bild zuordnen, das man am langen Zügel gewonnen hat. Auf diese Weise befruchten sich beide Arbeitsweisen gegenseitig und der Reiter entwickelt dadurch eine vollständigere und zugleich differenziertere Fühlpalette.
Doch diese Art des Trainings für Pferd und Reiter ist anspruchsvoll. Dr. Thomas Ritter, der sich seit über dreißig Jahren mit der klassischen Langzügelarbeit beschäftigt und zahlreiche Pferde bis zu Lektionen der Hohen Schule ausbildete, erklärt in seinem Buch genau, worauf es ankommt, welche Stolperfallen auf Einsteiger lauern und wie Reiter Schritt für Schritt die Arbeit am langen Zügel perfektionieren können. Ein Praxisbuch, das jederzeit griffbereit auf der Bande liegen sollte. Dann klappt es mit der Langzügelarbeit - vom einfachen Übergang bis hin zur Levade.
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 1, 2014
ISBN:
9783840461958
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Die Arbeit am Langen Zügel - Thomas Ritter

Langzügelarbeit.

WARUM

LANGZÜGELARBEIT?

Vorteile, Gefahren, Problemgebiete

Lipizzanerhengst Maestoso II Shama II im Trab. (Foto: Shana Ritter)

Mancher Reiter wird sich fragen, warum er eine körperlich so anstrengende Beschäftigung auf sich nehmen sollte. Für mich selbst stand am Anfang die Faszination, dass man mit einem Pferd alle Dressurlektionen ausführen kann, ohne auf ihm zu sitzen. Wie der Zufall es wollte, war mein Lehrer ein ausgesprochener Fachmann auf diesem Gebiet und ermöglichte mir den Einstieg.

Es gibt aber über die Liebhaberei und die Traditionspflege hinaus auch praktische Gründe, die die Arbeit am Langen Zügel lohnenswert machen. Ich habe immer wieder festgestellt, dass Pferde diese Arbeit sehr gerne verrichten. Sie schafft eine engere Beziehung zwischen Mensch und Pferd, da man wortwörtlich „Seite an Seite" miteinander arbeitet und der Mensch mindestens genauso viel Energie aufwenden muss wie das Pferd.

Der Reiter kann hier sehr viel über die technischen, biomechanischen Aspekte der Pferdeausbildung lernen, da er den ganzen Pferdekörper und vor allem die Pferdebeine immer im Blickfeld hat. Indem er genau sieht, wo sich jedes Bein gerade befindet und was es tut, kann er sich das Gefühl für die richtigen Augenblicke der Hilfengebung aneignen, was ihm dann auch im Sattel zugutekommt. Da er nicht auf dem Pferd sitzt, kann er sich auf die Einwirkung mit dem Zügel konzentrieren, ohne sich um seinen Sitz sorgen zu müssen.

Ergänzung zum Reiten

Die Langzügelarbeit ist auch ein sehr gutes diagnostisches Hilfsmittel, da sich Ursache- Wirkungs-Beziehungen direkt vor den Augen des Reiters abspielen. Kommt ein Problem unter dem Sattel auf, kann man die Ursache am Langen Zügel oft schneller identifizieren. Man hat die Mechanik der Hinterhand unmittelbar vor Augen und kann Fehler nicht durch Gewichts- und Schenkelhilfen überspielen. Alle Probleme, die unter dem Sattel auftauchen, treten am Langen Zügel daher noch deutlicher zutage. Kommt es dagegen vor, dass das Pferd eine Lektion am Langen Zügel besser ausführt als unter dem Reiter, ist das möglicherweise ein Hinweis darauf, dass der Reiter im Sattel das Pferd stört.

Friesenhengst Richold im Galopp. Die Arbeit unter dem Sattel und am Langen Zügel ergänzen sich sehr gut gegenseitig. (Foto: Evertz)

Das Pferd verbessert sich unter dem Reiter als direktes Resultat der Arbeit am Langen Zügel und umgekehrt. Man kann ihm bestimmte Dinge am Langen Zügel besser erklären, während andere im Sattel effektiver behandelt werden können. Analog dazu verbessert sich der Reiter im Sattel, da er am Langen Zügel sehen kann, was er unter dem Sattel fühlt. Sitzt er wieder auf dem Pferd, kann er dem Gefühl in Sitz, Schenkel und Zügel das Bild zuordnen, das er am Langen Zügel gewonnen hat. Auf diese Weise befruchten sich beide Arbeitsweisen gegenseitig und der Reiter entwickelt eine vollständigere und differenziertere Fühlpalette.

Alle Fehler und Probleme, die unter dem Sattel auftauchen, treten am Langen Zügel meist noch deutlicher zutage.

Ganz grundsätzlich sollte die Arbeit unter dem Sattel diejenige am Langen Zügel immer sinnvoll ergänzen und umgekehrt. Es ist möglich, dem Pferd bestimmte Lektionen ohne Reitergewicht erst am Langen Zügel beizubringen, bevor man sie unter dem Sattel nachreitet. Am Langen Zügel kann man schon Erlerntes verbessern, sodass das Pferd die Lektion unter dem Sattel korrekter ausführt. Umgekehrt lassen sich bestimmte Aspekte sinnvoller vom Sattel aus erarbeiten, sodass das Pferd anschließend am Langen Zügel besser geht.

Die Langzügelarbeit unterliegt genau denselben Gesetzmäßigkeiten und folgt denselben Prinzipien wie die Dressur unter dem Sattel. Daher beschränke ich mich in diesem Buch aus Platzgründen auf die Darstellung der speziellen technischen Aspekte der Arbeit am Langen Zügel und verweise für allgemeine Ausbildungsfragen auf mein Buch „Klassisches Reiten auf Grundlage der Biomechanik" (Cadmos, 2010).

Die Impulse werden von den Hinterbeinen erzeugt und zum Maul weitergeleitet (blau). Die Reiterhilfen schicken diese Impulse gezielt in den Boden (rot). (Foto: Shana Ritter)

Die Beine mit dem Boden verbinden

Ein Vorteil der Arbeit am Langen Zügel besteht darin, dass die Beine des Pferdes noch effektiver mit dem Boden verbunden werden können als im Sattel. Einerseits ist der Pferderücken nicht durch das Reitergewicht belastet und der Mensch steht andererseits mit seinen eigenen Beinen auf dem Boden. Dazu finden Sie detaillierte Ausführungen in meinem Buch „Klassisches Reiten auf Grundlage der Biomechanik". Ich möchte daher an dieser Stelle nur ganz kurz zusammenfassen: Der Ausbilder stellt Verbindungen zwischen den verschiedenen Körperteilen des Pferdes, den Hilfen und dem Boden her.

Eine funktionierende Verbindung erkennt man daran, dass Energieimpulse frei und ungehindert in alle Richtungen fließen können: von hinten nach vorn, von vorn nach hinten, von rechts nach links und von links nach rechts. Die Impulse werden von den Hinterbeinen erzeugt und durch die Muskulatur und die Wirbelreihe nach vorne zum Maul weitergeleitet (siehe Foto links). Die Reiterhilfen formen und dirigieren die Bewegungsenergie des Pferdes. Sie können beispielsweise das Pferd wie einen Basketball in den Boden drücken, indem sie einem Stützbein den Hauptteil des Körpergewichts zuweisen. Der Boden federt dann das Pferd wie ein Trampolin wieder nach oben. Es ist für den Glanz der Bewegungen, die Versammlung und die Durchlässigkeit unabdingbar, dass der Reiter den Boden jederzeit durch alle Pferdebeine mit seinen Hilfen erreichen kann. Eine Verbindung kommt nicht zustande, wenn ein Muskel verspannt ist (Blockade) oder nicht genug Tonus, also Spannung, besitzt (falscher Knick). Im ersten Fall wird der Bewegungsspielraum des betroffenen Gelenks eingeschränkt.

Der Boden ist das wichtigste Hilfsmittel des Reiters, da er die Hilfen verankert und dem Reiter erlaubt, das Pferd wie ein Bildhauer zu modellieren.

Die Hinterbeine erzeugen Energieimpulse, die durch die Muskulatur und die Wirbelreihe nach vorn weitergeleitet werden.

Die Reiterhilfen greifen diese Impulse auf und schicken sie gezielt durch die Pferdebeine in den Boden, der dann wie ein Trampolin das Pferd wieder nach oben federt.

Saskia Evertz auf PRE Hengst Mulan im Trab. Dadurch, dass der Ausbilder das Pferd am Langen Zügel führt, kann die Reiterin die Zügelhilfen fühlen. (Foto: Mader)

Im zweiten Fall ist das Gelenk instabil und schwer kontrollierbar. In beiden Fällen geht die Hilfe nicht durch den Pferdekörper bis in den Boden, sondern bleibt stecken, und somit kann der Gang nicht elastisch federnd werden.

Es ist also die Aufgabe des Reiters, sowohl die Muskelverspannungen als auch die falschen Knicke aufzuspüren und zu korrigieren, damit alle theoretisch denkbaren Verbindungen in der Praxis auch tatsächlich zustande kommen.

Langzügelarbeit bei Korrekturpferden

Bei der Korrektur verrittener Pferde kann der Lange Zügel neben dem Longieren, der Handarbeit und der Doppellongenarbeit gute Dienste leisten. Er eignet sich dabei am besten für Pferde, die gut vorwärtsgehen und große Steifheiten im Körper aufweisen. Bei Pferden, die sich verhalten, ist er das falsche Hilfsmittel, weil sie sich dann meist noch mehr verhalten und unter Umständen gefährlich werden können. Der Ausbilder kann den Reiter zudem mit dem Langen Zügel in bestimmten Situationen sehr effektiv von unten unterstützen, insbesondere wenn ein Pferd die Paraden nicht respektiert oder sich nicht biegen lässt.

Weitere Vor- und Nachteile der Langzügelarbeit

Im Unterricht kann der Schüler das Gefühl für das Gleichgewicht und den schwingenden Rücken kennenlernen, wenn der Ausbilder das Pferd am Langen Zügel führt. Er fühlt dabei die Zügelhilfen des Lehrers im eigenen Oberschenkel. Das ist auch eine sehr gute Methode, dem Schüler Dressurlektionen näherzubringen und die Hilfengebung erfühlbar zu machen.

Pferde, die von einer Verletzung in die Arbeit zurückkehren und nur sehr vorsichtig belastet werden dürfen, profitieren ebenfalls von der Arbeit am Langen Zügel. Manchmal sage ich auch, nur halb im Scherz, dass die Langzügelarbeit ein sehr gutes Fitnessprogramm für den Reiter darstellt. Wer sie regelmäßig intensiv betreibt, verbrennt eine Menge Kalorien und eignet sich Ausdauer an.

Alle Formen der Arbeit sollten einander grundsätzlich sinnvoll unterstützen.

Ein gewisser Nachteil der Arbeit am Langen Zügel besteht darin, dass es schwieriger ist, eine gute Seitenbiegung auszuarbeiten als unter dem Sattel. Und da dem abgesessenen Reiter gewisse Geschwindigkeitsgrenzen gesetzt sind, besteht die Gefahr, dass das Pferd anfängt sich zu verhalten und steifer zu werden. Daher sollte die Langzügelarbeit nicht ausschließlich betrieben, sondern das Pferd auch regelmäßig unter dem Sattel gearbeitet werden, damit die Seitenbiegung und der Vorwärtsdrang nicht verloren gehen und sich beide Methoden sinnvoll ergänzen können.

VORAUSSETZUNGEN

für die Langzügelarbeit

Wallach Furia mit Andreas Evertz. Das war Furias vierte Einheit am Langen Zügel und sein erster Galopp! (Foto: Shana Ritter)

Der richtige Zeitpunkt

Da der größte Teil der Arbeit am Langen Zügel im versammelten Trab und Galopp stattfindet, sollte nicht zu früh damit begonnen werden. Die Klasse L ist ein guter Anhaltspunkt. Pferde, die in ihrer Ausbildung noch nicht bis dahin gediehen sind, können sich noch nicht genug versammeln, was der Reiter dann ausgleichen muss, indem er selbst mit dem Arbeitstrab und Arbeitsgalopp Schritt hält. Bei kleineren Pferden ist das innerhalb gewisser Grenzen oft noch möglich, vor allem wenn der Reiter groß ist. Überschreitet das Stockmaß jedoch eine bestimmte Höhe, wird es schwierig. Auch besitzt nicht jeder Reiter die hierfür notwendige Fitness, Bein- oder Schrittlänge.

Die Versammlungsfähigkeit des Pferdes diktiert, wie sehr man vorwärtsreiten muss (unter dem Sattel genauso wie am Langen Zügel), damit es nicht hinter die Hilfen gerät und sich keine Steifheiten einschleichen. Kommt der Reiter nicht mit dem Mindesttempo des Pferdes mit, hält er es unvermeidlich mit der Hand zurück und schafft damit innerhalb kürzester Zeit Probleme. In solchen Fällen muss man die Versammlungsfähigkeit des Pferdes erst unter dem Sattel weiter fördern und die Langzügelarbeit vorerst zurückstellen.

Das Pferd

Vor vielen Jahren wurde einer meiner Lehrer nach einer Reitstunde am Langen Zügel von einem Zuschauer gefragt, was für eine Art Pferd denn für diese Art der Arbeit geeignet sei, woraufhin er antwortete: „Ein ehrliches." Das ist ein äußerst wichtiger Punkt. Pferde, die eine Neigung zum Schlagen haben, sollte man selbstverständlich nicht am Langen Zügel arbeiten. Man muss allerdings ganz realistisch feststellen, dass jedes Pferd eine gewisse Toleranzgrenze hat. Wird diese überschritten, dann schlägt auch das bravste Pferd aus. Bei manchen ist diese Toleranzgrenze sehr hoch, bei anderen ist sie ausgesprochen niedrig.

Derselbe Lehrer sagte mir auch, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis man einmal einen Fehler macht und ein Pferd ausschlägt, wenn man viel am Langen Zügel arbeitet. Aus diesem Grund sollte man auch nur solche Pferde an den Langen Zügel nehmen, die hinten unbeschlagen sind.

Falls einmal etwas schiefgehen sollte, ist es am besten, wenn man entweder außer Reichweite hinter dem Pferd oder direkt neben der Hinterhand geht, damit der Schlag des Hinterbeins nicht seine volle Kraft entwickeln kann und nur den Oberschenkel streift.

Alle Pferde schlagen aus, wenn ihre Toleranzgrenze überschritten wird!

Ich warne auch davor, die Langzügelarbeit mit einem Pferd auszuprobieren, das man noch

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