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Lesebuch II
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eBook439 Seiten4 Stunden

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Über dieses E-Book

Seit dem Haid-Lesebuch 1984 ist vieles passiert. Unverändert jedoch die Hassliebe, die Abrechnung, die Resignation, die Leidenschaft, das Tal, die Berge, die Kulte, die Zerstörung, die Apokalypse, die Saligen, die Dana und die Disen, die Langtüttin und unaufhaltsam der Zerfall, die Klage, das Abschiednehmen.

Im Lesebuch II berichte ich von denkwürdigen neun Toten durch einen Betonkübel; über pervertierten Tourismus im Hörspiel "Mit Tränen füllt man keine Betten"; von den sagenhaft guten Krapfen "vö Naalan und Mammen", von Großmutter und Mutter. Rettet unsere Bergwässer und den Adler. Wo ist die "Alpenpoesie" geblieben? Warum hätten uns die Gurgler "Alpentöne" mit Gerlinde und der jährliche Zug der 6.000 Schafe über die Ferner und die Suche nach den geheimen Verheißungen einer glückseligen Zeit beinahe retten können?

Die letzten Reste von Heimatpoesie verschwinden in den dreckgefüllten Gletscherspalten. Ganz weit droben und zuhinterst drinnen wird das Finale eingeläutet. Suff und Geld. Die Lawine obendrauf, die Leena, die Langtüttin, das "Schnalser Mieterle", die Madonna, meine "Landgeherin" Rusilena mitsamt der Geierwally. Die Verkündigung aus dem Eis heraus? Werden wir es noch weitere 20 oder 30 Jahre überleben können? Haben sie dann den Ötzi mitsamt diesem "Haid" heiliggesprochen? Wer wird dann noch am Leben sein?

Mein Lesebuch II - ein Abschiednehmen, ein Wutausbruch, ein Verzweiflungsschrei, eine letzte Bergpredigt? Ich weiß es nicht.
SpracheDeutsch
HerausgeberStudienVerlag
Erscheinungsdatum12. Aug. 2013
ISBN9783706557269
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    Buchvorschau

    Lesebuch II - Hans Haid

    Hans Haid

    Lesebuch II

    Band 27 Schriftenreihe Ötztal-Archiv

    © 2013 by Studienverlag Ges.m.b.H., Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck

    E-Mail: order@studienverlag.at

    Internet: www.studienverlag.at

    Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

    Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

    ISBN 978-3-7065-5726-9

    Buchgestaltung nach Entwürfen von Kurt Höretzeder

    Satz und Umschlag: Studienverlag/Dominika Nordholm

    Umschlagabbildung: Helmut-Kurz Goldenstein, Skizze, „Che Guevara in den Tiroler Alpen", 1970 (Reproduktion einer Kopie aus Haid, Hans: Sie nehmen auch den Schnee – ils prennent aussi la neige. Lektüre für geübte und ungeübte Rückwärtsleser und Vorwärtsdenker, Band eins. Längenfeld & Burgstein, 2003)

    Redaktionelle Bearbeitung: Annemarie Doblander

    Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.studienverlag.at

    Inhalt

    Kapitel I – Hörspiel

    mit tränen füllt man keine betten hörspiel in vierzehn stationen

    Kapitel II – Geschichten und Biografisches

    voller freude & wehmut

    Nationalfeiertag

    stecht wenn es ginge

    gletscher-, ferner- & schafgeschichten

    einige ötztaler und gurgler impressionen/vorschläge/anklagen

    Mir ist kalt im Tal. Heimattal wie bist du kalt

    jaja ich weiß

    sodom & gomorrha in den bergen I

    sodom & gomorrha in den bergen II. top quality skiing über den wolken

    „DAS LETZTE WORT für den „PLANET ALPEN III

    (aufgeblasene festfeier)

    Totentanz in den Gletschern

    Kreuz & Quer und „noch zwarhes" – ein Lebenslauf

    Otto-Grünmandl-Literaturpreis 2010

    Das Abschiednehmen

    Das Gleiche ist niemals das Gleiche

    Kapitel III – Polemik I Tourismus

    Tourismuskritik („Tanzbären …")

    Immer wieder Schneeköpfler!

    Gastkommentar für „tirol am Sonntag zum „kitzbühel-wahnsinn (15.1.2008)

    Brief vom 21. August 2006

    tatsächliche „Urlaub am Bauernhof in Tirol"-sprache

    Alpenklischee-Erfindungen

    NOTIZEN zur KULTUR im TIROL-TOURISMUS

    Wohin mit dem Ötztal-Tourismus? Wohin mit dem Tal?

    hans haid/Gastkommentar T.T. 29.2.2008

    Alpine Schneegeschichten 2002. Alles Gute für anno 2003

    Was darf Massentourismus?

    Kapitel IV – Poesie

    Staudamm & schöne Leich

    gemat

    aßiemol

    alle diese heimatdichter auf den gletschertod

    eindrücke vom steilhang

    rucksack & rosenkranz

    es kommen härtere zeiten

    die höhepunkte eines roale-jahres

    eingesperrt in eis und schnee

    lokalzeitungsmeldungen

    erbarme dich

    grausamer sonnenuntergang

    heiliger erhard

    katharina heiß ich

    honn i wöll

    hoamgean

    geliebtes land

    dieses haus ist abgebrannt

    die TÖDIN und sankt nikolaus

    abgesang & schnöde welt

    gea um schwolben

    augehänget

    der jüngste tag

    moone in gsichte

    eröffnung

    die letzten schlachten

    da hocken sie

    das land ist tot

    gletscherherr

    die sommertouristen

    metzgerfratzen

    vorbei am geschiebe und geklüfte

    goassgooglen

    Kapitel V – Projekte

    „… den Kopf nicht hängen lassen & sich wehren"

    AUS LIEBE ZU DEN BERGEN

    Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich. Transhumanz – Schafwandertriebe in den Ötztaler Alpen

    Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich. Ötztaler Mundart

    sellamool

    UNESCO Biosphäre Similaun

    PRO VITA ALPINA Spezial

    Kapitel VI – Polemik II Glossen, Leserbriefe

    glossen, leserbriefe, polemiken, tagebuchnotizen (20.4.11)

    „Reportage" (Hörspiel)

    „Mein LEBEN am BERG"

    „… von der Verantwortung für das Land"

    „Das Kind Murzolls". DIE GEIER-WALLY

    Meine Heimat

    Platters Blattschuss

    das dorf II

    Adventure-Dome

    LESERBRIEF zum BIO-BAUERNSTERBEN IN TIROL

    (Text 28.2.2008)

    Lawine/Leena & Suff

    Langtüttin & Hohe Wilde & Wilder Mann

    ötztaler gräuel

    noch einmal ein solcher nachruf

    gott derbarm

    landesvater

    Glosse 20.10.2003

    tyrol-poesie I

    LESERBRIEF 13.9.2003

    Gedicht

    R.I.P. (tyrol-poesie X)

    der schwule jakob

    SONNENBRAND

    Heiliger Berg

    Gedicht 5, Juli 2004

    eine liebeserklärung – eine abrechnung

    besuch im hotelschneedorf

    So soll es sein

    ablassgewinnen in schweren zeiten

    Mutmal

    an dickn paamen

    Bibliografie

    Mediografie

    Abbildungsverzeichnis

    Publikationen: Schriftenreihe des ÖTZTAL-ARCHIVS

    Kapitel I – Hörspiel

    mit tränen füllt man keine betten hörspiel in vierzehn stationen

    alpin-apokalyptisches aus der (tiroler) tourismus-szene oktober/november 2007

    sprecher/stimmen

    akteur 1 (speziell wie ein radio-sprecher zu aktuellen ereignissen) akteur 2 (eher im stil und im ton typischer tourismus-manager-sprache) haid-poesie (eventuell dialekt-texte durch den autor hans haid) salige (starke weibliche stimme, u.a. für verwünschung der gletscherstadt „dananä und zitate aus der apokalypse/buch mit sieben siegeln) schauspieler-stimme (auch als „berichterstatter-stimme) alle zusammen fallweise als „chor"

    töne und klänge zur wahl

    alfredo catalani – aus der oper „LA WALLY" (handelt zur gänze in sölden, am marzellferner, am similaun) (am besten aus der produktion oper monte carlo mit fausto cleva; u.a. präludium zum 4. akt und finale 4. akt)

    „das buch mit den sieben siegeln" von franz schmidt (ev. in der interpretation wiener philharmoniker mit nikolaus harnoncourt)

    eventuell verwendung von ernst krenek 6. streichquartett (1936 in sölden entstanden)

    donner und lawine (vgl. „la wally in der interpretation aus monte carlo – ev. aus der alpensymphonie von richard strauss „gewitter und „gletscher")

    krachen und sprengen mit großen baumaschinen, anflug und lan-dung großer hubschrauber

    disco-musik bzw. (verfremdet) passagen aus der typisch-alpinen szene der volkstümlich-dümmlichkeit

    geläute der großen schafherden bei der transhumanz südtirol-ötztal (als o-ton vorhanden)

    szene 1

    (aneinanderreihung von wörtlichen zitaten, schlagzeilen und überschriften vor allem aus der tiroler regionalpresse mit nachweisbaren und dokumentierten zitaten)

    (abwechselnd akteur 1 und 2 und auch durcheinander und nebeneinander)

    „in den tod gerissen"

    „tirol ist geschockt: neun tote und sieben schwerverletzte bei gondelunglück in sölden …".

    „13 tage nach der flut wird tirol wieder von einer katastrophe erschüttert:

    ein 750 kilo schwerer behälter stürzte vom hubschrauber auf eine gondel"

    „neun tote und sieben schwerverletzte"

    „die toten und verletzten dieses unglücks zählen für sich, fallen ins gewicht, sind durch die leistungen von technik und unternehmen der seilbahnen und der hubschrauber nicht aufzuwiegen. das gegenseitig einander zu verrechnen ist müßig und unzulässig. aber es bleibt eine tragödie"

    na und? alles aus der lokalpresse, regionalzeitung, tirol-medium zitiert. alles stimmt. vergeltsgott TETE!

    TETE? ha? und was sonst?

    TETE ist lokalblatt.

    TETE ist PATE: taufpate, firmpate.

    und was sonst?

    was war geschehen?

    schauspieler-stimme (ein erster bericht):

    vollbeladen hat der hubschrauber an diesem 5. september 2005 oberhalb von sölden den skilauf-gletscher tiefenbachferner überquert. ununterbrochen an diesem tag. im akkord. angetrieben und gehetzt. noch einmal hinauf, geladen, gelandet, kübel um kübel. dreißigmal hintereinander. darunter die skifahrer. hergelockt, abgetrieben. 365 tage zauber in den bergen. alle sind unschuldig. so ists. der 750-kübel lockert sich, reißt sich vom hubschrauber los, stürzt in die tiefe, erwischt rein zufällig das dünne drahtseil der allgewaltigen seilbahn als touristenzubringer, als skifahrertransportierer. und dann ist es halt geschehen. der kübel trifft das drahtseil. die kabine eins fällt, stürzt in die tiefe, zerschellt, wird zerrissen. unten gelandet: neun tote. sieben schwerverletzte. wertvolle fracht. deutsche skifahrer. jugendliche. hoffungsträger heimischer snow-kultur.

    akteur 1 und 2 (wieder abwechselnd):

    vergelte es gott

    dieser gott

    welcher gott

    haid-poesie:

    wöll wöll vrgaltzgött

    in himml auhn galzgött numma oaha

    sall wöll

    akteur 1 und 2 (weiter):

    dieses „vergeltsgott" als lüge

    in den himmel hinauf und nicht mehr herunter

    sonst hätten wir nicht die schlagzeilen:

    „auch die seelen sind verletzt"

    „das ringen nach worten an einem schwarzen tag"

    „alpen sind gefährlich"

    schauspieler-stimme:

    und weiter draußen neue monster. alles abgesegnet. bürgermeister am gängelband. ein mächtiger touristiker plant, hat geplant; wird weiterplanen. an diesem schwarzen tag bleibt keine uhr stehen. und wieder die meldungen von lawinen. die meldungen von einigen toten in gurgl. und schon wieder ein schwarzer tag. dann wieder das gebet der

    TALFROMMEN:

    SAGGGRA SAGGRA TUIFLS TEIFLS ZÜIG TEUFELS ZEUG TEUFELS ZEUG …

    (übersetzend:) saggra und das teufels zeug teufelszeug teufelszeug

    haid:

    olles ausgeraumt oogeraamlt

    is taafele weck weckgeraumt

    lei mea gröeße paggar olm greaßar

    MONSTERBAGGER

    is taafele an noomen drau

    drei töete nein töete

    zoofe schtausea und lautr zahar

    olles asnondr hiin töet vrrecket gschtarbm

    e lei paamen und sischt nö

    olles töet

    zeloade geleet …

    (zum teil unterbrochen und hineingeredet als eine art übersetzung)

    schauspieler-stimme:

    alles ausgeräumt den mund abgewischt den speichel den speichelschleim

    die totentafel weggeräumt alles und nur mehr riesige bagger immer größere monsterbagger die tafel weg die totentafel mit den namen drauf drei tote und neun tote

    seuche ansteckende krankheit stausee und viele viele tränen

    alles zusammen tot kaputt verreckt gestorben

    sowieso nur bäume und sonst noch alles tot

    ZUM LEID DAZUGELEGT …

    (eventuell unterbrochen durch musik)

    jaja sowieso nur ein paar zirbenbäume ein torfmoor

    knapp hinter dem hotel der lawinentod:

    eine deutsche familie ausgerottet. tot. amen. eine seelenmesse lesen

    ein denkmal für den stammgast

    suchen wir halt neue …

    akteure 1 und 2 – wieder abwechselnd:

    „adventure dome ötztal haiming roppen sautens"

    umweltbericht bereich gemeinde haiming

    ziele des adventure-dome ötztal-haiming-roppen-sautens:

    „mit dem ötztal zusammen europas nummer 1 im neuen, trendigen naturnahen bergsport-

    sommertourismus zu sein"

    (gesteigert)

    „europas größter und trendigster OUTDOOR – adventure-park. alles an seinem richtigen platz: berg- und gletscheraktivitäten sollen im inneren des tales, event-, bade- und freestyle-aktivitäten am wesentlich wärmeren taleingang stattfinden"

    schauspieler-stimme:

    ein biotop durchschnitten. GEO-lehrpfad ade. keiner der bürgermeister hat nachgefragt, woher der finanzier die acht oder zehn oder zwölf oder zwanzig millionen hernehmen will. handlanger des GUTEN. des guten?

    drinnen die toten. hirntote. herztote. geldmonsterlich. hochgelobte tourismuspioniere.

    akteur 1:

    habe ich gehört im radio, wie er es gesagt hat. der kritiker, der nestbeschmutzer:

    MAFIOS hat er gesagt. hat sich sofort der bürgermeister gemeldet.

    akteur 2:

    alles sauber? prima.

    szene 2

    salige (oder: schauspieler-stimme):

    (aus der „apokalypse, der „geheimen offenbarung des heiligen johannes)

    das erste siegel wird geöffnet

    es kommt das lamm und öffnet das erste siegel.

    auf einem gehörnten widder stürmt der reiter ins tal.

    seine augen wie feuerflammen.

    es ward ihm gegeben eine krone

    und die macht über alle menschen

    herden und berge.

    in weißem leinen kommen die bräute

    die reinen jungfrauen

    es werden ihnen folgen die hirten und heerscharen

    die herren der siebentausend schafe

    (dazu passende musik aus dem „buch mit den sieben siegeln") (geläute der schafherde)

    akteur 1 und akteur 2 wieder im wechselgespräch, eifrig zitate verlesend, sich dabei steigernd, lauter werdend, schreiend, leiser werdend:

    „neun menschen stürzten auf nackten fels"

    „die politshow hat eingesetzt"

    spitze:

    da stehts ja. lies!

    „DER PAPST BETET für SÖLDEN"

    „brezen und sekt für die presse"

    „es geht volle weiter"/wiederholend und immer schneller und lauter:

    „es geht VOLLE WEITER es geht volle weiter" weiter weiter schneller höher geiler marsch marsch marsch …

    „sölden steckt in einem spagat zwischen pietät und hollygully"

    „die letzten beißen die hunde"

    hat es alle erwischt?

    alle zusammen:

    hats alle erwischt?

    schauspieler-stimme:

    den seilbahnboss den geschäftsführer den seilbahninhaber den ersten aktionär den hubschrauberbetreiber den anschaffer antreiber akkordhetzer drumherumhetzer jagdhund. der pilot bleibt über. er allein.

    nur eine anklage. dann ein prozess. dann die freisprüche. dann das flirten mit der macht:

    „unglück ist geklärt. der pilot hätte über die bahn keine transportflüge machen dürfen".

    die POESIE bleibt uns allen im halsstecken.

    (jetzt noch einmal wiederholend einige passagen von vorher, z.b.:)

    akteure 1 und 2:

    „die letzten beißen die hunde beißen die hunde brezen und sekt für die presse der papst betet" sogar der papst betet für sölden unglück ist geklärt der pilot hätte nicht über die bahn fliegen dürfen den pilot beißen die hunde treibjagd im hochgebirge

    nur eine anklage dann ein prozess dann ein freispruch

    freispruch freispruch lossprechung

    neun menschen auf dem harten fels

    aufgeschlagen

    zerschellt

    auf dem harten eis und die botschaften in alle welt

    politshow

    nervenkitzel

    lüstern

    HANNIBAL am ferner

    gletscherbilder in alle welt

    schauspieler-stimme:

    maurice chappaz, schweizer dichter, neunzigjähriger mahner und querkopf, schau ins ötztal und höre uns an. walliser poet erhöre uns! schrei mit mir. schrei ihnen zu:

    ZUHÄLTER DES EWIGEN SCHNEE

    jaja solche Monster

    (laut und deutlich, langsam, dann wiederholend lauter)

    „doch der tourismus ist heute nichts als ein großunternehmen primitiver zuhälter"

    (krachen, donnern, musik)

    die POESIE BLEIBT UNS IM HALS STECKEN

    das sagt der schweizer poet chappaz.

    der alte herr, 92 jahre alt. seine augen voller feuer.

    mit den „zuhältern des ewigen schnees".

    hierzulande darf es niemand rufen.

    nur immer: vergeltsgott, geltsgott. und AMEN …

    haid (versuch einer poesie):

    niemat ummha

    niemat doo

    keemet schaugn

    keemet löösnen

    olle zahar

    zommgeklaubet

    oaharinnen

    niemat ummha

    zen gewarmen

    (darüber wieder als eine art übersetzung hineingeblendet und überblendet)

    schauspieler-stimme:

    niemand da niemand anzutreffen niemand ist da

    kommt schauen

    kommt horchen

    alle tränen zusammenklauben zusammenwischen ansammeln herunterrinnen lassen

    niemand da niemand anzutreffen

    niemand zum wärmen da niemand …

    szene 3

    salige (untermalt mit musik? im erzählstil einer märchenerzählerin):

    es ist geschehen. es war so.

    „in der nähe der stadt ONANÄ, genau an der stelle, die jetzt der vernagtferner mit seinen massen ewigen schnees und eises bedeckt, stand, wie die sage berichtet, einst noch eine zweite prachtvolle stadt: DANANÄ genannt; auf einer weiten, üppig grünenden hochebene …"

    (eingeblendet, vielleicht verzerrt, dazwischen die zitat-meldungen aus dem katastrophen-szenario. z.b.)

    akteur 1 und 2:

    schon wieder

    „der schwarze 23. februar"

    warum der 23. februar?

    23. februar 1999 in galtür und valzur:

    tote tote tote lawinentote 38 stück ein sogenanntes jahrhundertereignis

    nur sieben einheimische

    sieben tote einheimische

    genau auf den tag genau zwei jahre später:

    SUPER-MELDUNG in den lokalen medien:

    „lawine zermalmte auto

    familie getötet

    schneemassen verlegten straße bei obergurgl bis zu 4 meter

    ein bus mit skilehrern entging dem unglück um haaresbreite …

    auf den tag genau zwei jahre nach dem lawinenunglück von galtür …

    ging gestern gegen 9.40 uhr auf die straße bei obergurgl eine lawine ab und begrub drei autos. eine deutsche urlauberfamilie – eltern und zwei kinder – wurde getötet …".

    schlagzeile I:

    „bayerische familie ausgelöscht"

    schlagzeile II:

    „lawine zerquetscht auto: familie tot"

    schlagzeile III:

    „straße war nicht gesperrt"

    basta und punkt.

    es folgen prozesse, anklagen, freisprüche. amen

    salige (fortsetzung):

    „die leute jedoch, ein in alle laster und greuel des heidentums versunkenes volk.

    beherrscht von einem könig, wild und gewalttätig wie sie selber, führten sie, wie einst die bestraften sodomiten, ein wüstes leben …".

    akteur 1 und 2 im streitgespräch, teilweise sehr heftig, laut und emotionell (wie im „wirklichen leben"):

    hast du es?

    saggra, kann nicht sein

    wüstes leben

    weißt du was das heißt?

    hurerei

    alles längst vorbei

    vergangenheit sag ich

    nix da: heute und heute und immer schlimmer …

    und was ist die SODOMIE?

    weiß ich nicht

    sag ich dir:

    schon gehört davon: manderleut und weiberleut und huber

    schön gehört davon: manderleit weiberleit und schnalser … hast dus?

    schon gehört na und?

    schauspieler-stimme:

    SODOMIE: unzucht (deutlicher und betont) UNZUCHT mit tieren mit dem hund mit der goaß mit dem kalb und im kalb schweinigln sagen die leute schweinigln ist alles geschehen bis heute auf den männeralmen drei monat ohne weib da packt sie die lust und dann auf und davon und so ists und dann die hurerei:

    die strafe am sonntag der pfarrer in der predigt die zuchtrute geschwungen die hölle angedroht …

    bleib am boden. alles nicht wahr. hurerei in porno alpin. sag ich ja, ist nicht anders wie in DANANÄ und ONANÄ und TANNENEH:

    ehemals. wie vor sechstausend jahr

    vor zehntausend jahr, vor dreitausend jahr, vor zwanzig jahr

    verdammte welt und hurerei …

    akteure 1 und 2:

    hast du es? ha? gehts in deinen schädel?

    sag nix hör nix weiß nix …

    salige (setzt unbeirrt fort):

    „da erschien eines tages ein seltsames paar … es war ein alter harfenspieler

    mit seiner tochter. sie waren von einer pilgerreise zurückgekommen.

    sie wollten gastliche aufnahme für die nacht. voller begeisterung sangen die beiden ihre lieder von den wundern des heiligen landes …".

    akteur 1 und 2:

    und das mit der lawine? wen trifft es?

    keine schuld niemals keine schuld sie wollen voll haben: ich sage es.

    sie wollen voll voll voll alle betten und badewannen und die bars und

    buffs voll voll voll alles voll ohne rücksicht ich weiß es ich kenne es ich

    arbeite drin ich bin – ich sag es: bestens i n f o r m i e r t

    (kurze nachdenkpause)

    wohin mit dem harfenspieler?

    mit der singenden tochter?

    eine schönheit?

    eine heilige wie in den alten sagen?

    eine hure wie in den alten sagen?

    die singende tochter

    die harfe und dananä … schmarrn und märchen

    wirst schon sehen und hören und lesen und riechen wies durchs tal hinaus stinkt vor lauter unzucht und prahlerei und hurerei erst gestern wieder der bumsda-stadel aufgemacht und solche aus innsbruck mit dem autobus

    sag ich doch: extra mit dem autobus zu den schwulen nach sölden, nichts gehört, nichts gesehen, nichts gerochen? es stinkt und furzt durchs tal hinaus …

    salige (weiter in der erzählung):

    „doch die wüstlinge hatten kein verständnis für die heiligen lieder

    und alle wollten sich auf die beiden werfen.

    darüber entstand ein heftiger streit unter dem volke und hundert wüste hände

    streckten sich aus nach vater und tochter.

    der greis schauderte: und die jungfrau verhüllte entsetzt ihr antlitz.

    (deutlicher)

    in diesem augenblick brach die stunde der vergeltung herein.

    mit düsteren wolken umzog sich der himmel

    ein schreckliches getöse ließ sich vernehmen …"

    (gewaltiges donnern und krachen und wilde musik und chaos und plötzliche totale stille …"

    das alles beklemmend einige sekunden lang)

    (dann trockene meldung)

    schauspieler-stimme:

    „aufgrund der heftigen schneefälle stieg die lawinengefahr in tirol von stunde zu stunde. obwohl im gebiet von obergurgl lawinenwarnstufe 4 herrschte, schätzte die lawinenkommission freitag früh die situation auf der landesstraße als ungefährlich ein.

    um 9.40 kam es zur katastrophe … DER SCHWARZE 23. FEBRUAR"

    heißt es im BLICKPUNKT vom 27.2.2001

    todeslawine war nicht vorhersehbar

    kuriose schneezusammensetzung

    baumstämmme als stumme zeugen

    die straße war nicht gesperrt

    schicksal

    haid:

    olm lei di leenen

    olm lei di weißn leenen

    olles drschtickn

    drinndinnan di zahar

    di zahar

    olm lei sella zahar

    zaharlen

    eppan wöll

    oowischn

    socktiechle virha

    zaharlen sella nosse zaharlen

    keemet schaugn keemet löösnen …

    wiese lochet

    ha! wiese lochet …

    schauspieler-stimme (wieder wie vorher hinein-übersetzend und inter-pretierend):

    immer die lawinen und immer die weißen lawinen diese weißen lawinen

    die alles ersticken

    drinnen die tränen die tränen immer diese tränchen

    und etwa ja alles abwischen taschentuch heraus

    tränen solche nassen tränen

    kommt schauen kommt horchen

    wie sie jetzt lacht. ha. wie sie lacht …

    szene 4

    (ev. in krassem gegensatz: disko-musik, kurzfristig laut und aufdringlich. dann eindrücklich in die neue stille hinein)

    schauspieler-stimme (kann auch chormäßig mit den beiden akteuren abwechselnd, untereinander und miteinander gesprochen, geflüstert und geschrien werden; ja: auch geschrien):

    in gewaltigen sätzen habe ich sie kommen gesehen, habe sie kommen gehört, habe den geruch in die nase bekommen. es hat mich gereckt und gepeinigt. sie kommen. sie waten im dreck, schleudern die kanonen, die schneekanonen, pulvern in den himmel, zertrümmern den kirchturm. lösen die schranken.

    bauen die schneemonster in den dorfhimmel

    erschaudern wenn der pfarrer die sonntagspredigt herunterschleudert schreit

    von hurerei und sodomie haufenweis landesbekannt die baggerschaufeln voller toten

    sommerfrischler wintersportler snow und sex alleweil gott sei bei uns aufgeblasene monster lederhosenmonstermonster ausschnittweise die kellnerinnen die wirtinnen die serviererinnen die frau hotel die madam suff die fette wampe verdeckt

    das dirndl fest im griff straff geschnürt. heißen falkner gstrein und rimmel fimmel. fimmel dich gesund. – hast alles voll? hast alles voll?

    den hausherrn besoffen allzeit besoffen aufgeschwollen aufgedunsene wampe das gesicht

    feuerrot augen herausgequollen die fette hoteliersnase aufgepropft den nasenring mittendrin das trachtleredelweiß vom neuen hotel enzian & edelweiß mittendrin in porno alpin

    und weiter durch das dorf buffweise linker hand nein rechts hinter der stadel der schuppen das dach aus schindeln der heuwagen auf dem dach die nackte auf der brüstung mittendrin der kellner der wirt der große stausee ja der stausee diese neue attraktion

    alle gäste abgespritzt die alpen wieder saubergemacht vom größten monsterstausee der alpen 170 meter hoch 120 millionen kubik innen drinnen neue spritzattraktion

    prospektschablonen schneefutterlöcher abspritzpunpen

    heiliges schnee- und gletscherwasser

    mitten drin die gier madam gier tochter vollfraß lieblingstöchter und schneekanonen dreihundert betten pur winterlöcher gestopft

    masten ausgerichtet

    gespritzt und geschneit was da zeug hält

    AUFERSTEHUNGSFEIER

    im schneehimmel bierhimmel und der totale kahlschlag

    sag ich doch: der totale sieg

    unser monsterstausee und die mure in den see

    der totale alpen-TSUNAMI

    hinten drinn am ferner

    heilige hure geh baden

    schwimmen alle davon

    immerwährendes unheil zwischen den hohen bergen

    hohen bergen … (bis zum röcheln und erbrechen) … totale TSUNAMI HIHIHI

    GESPRITZT und verreckt …

    (nach kurzer pause):

    und wer hat uns die POESIE versteckt? die POESIE?

    haid:

    sellane ze marende

    hoalach geplearcht

    in kaldr vrschtecket

    gschaamt

    geplearcht

    schneitztieche virha

    oogewischet

    zaharlen

    weck

    sellane ze marende

    nommetooge

    znochts

    an gonzn himml völl

    wöll wöll

    (dazu überblendet und ev. durch die salige „übersetzt") salige (ev. schauspieler-stimme):

    solche am nachmittag zur jause

    heimlich geweint im keller versteckt

    geschämt geweint

    taschentuch heraus tränen tränchen weggewischt

    solche zur jause am nachmittag in der nacht

    einen ganzen himmel voll

    ja ja

    (nach einer geeigneten musikbrücke, offenbar aus einer bar im hintergrund mit diskomusik und berieselung, akteur 1 und akteur 2 – wieder im wechselgespräch und teilweise durcheinander und nebeneinander)

    akteur 1 und 2:

    lies lies da stehts

    wo

    da: lies

    „schau, ich melke …" als neue persiflage der TIROL-WERBUNG,

    wohl als persiflage auf schulmädchenreport?

    lass schauen

    „doofe schulmädchen-reports und frühe sexfilmchen wie „unterm dirndl wird gejodelt. verdeckte transaktionen. schau: ich melke! alles kommt wieder.

    die neue tourismuswerbung: total pur und geil.

    sag ich doch.

    zeig her da! sag ich doch: junges ding sitzt unter der kuh. melkkübel zwischen den knien. rock weit hinaufgeschoben. nackte knie. nackter oberschenkel. milch soll fließen, dirndlgewand. junges ding. sehnsüchtig. haare zurückgekämmt. beinahe lüstern. aber sehr keusch wirkend.

    supertourismuswerbung. ein solches ding. muss dir einfallen.

    sag ich ja. und super gutachten. super bewertung. lies:

    (lesend) (kann auch wieder chorisch gelesen werden)

    „positionierung. wahrnehmungs-atmosphäre: erotisch hedonistisch ausrichtung: herausfordernd

    positionierung im antriebs-rad:aufreizend provokativ.

    bedürfnisaffinität: die emotionelle und inhaltliche wahrnehmung der anzeige entspricht dem psychischen bedürfnis der werthaltung der zielgruppe

    emotionelle wirkung: super mit 10 punkten

    nutzenvermittlung: 6 punkte

    akzeptanz: 9 punkte

    handlungsaufforderung: 7 punkte"

    halt halt halt: sie melkt die kuh das ist doch gut und dann ist ruh der kübel voll und milch genug im bauernstall

    greif hin und zwick. dann ist sie weck die milch. das dralle ding im dirndl da so prall und geil das sag ich ja:

    „handlungsaufforderung" laut gutachten: 7 punkte. ist doch super. oder?

    weitere nachfrage zwecklos

    es geht weiter und wird schrecklicher wird abstoßender wird realistischer wird aktueller wird zeitgemäßer.

    sowieso nur der „google"-topf. prallgefüllt. hineingestellt am 14.

    oktober 2007. angefragt am 21. oktober 2007.

    in freudiger erwartung: euer „hans haid!"

    szene 5

    salige (mit der apokalypse, in entsprechend würdigem ton und auch mit passend-entsprechendem ton z.b. aus der apokalypse):

    „nun sehet:

    das lamm öffnet das zweite siegel. es kommt das lamm und öffnet das siegel.

    auf einem

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