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Im Innern Afrikas: Die Erforschung des Flusses Kasai

Im Innern Afrikas: Die Erforschung des Flusses Kasai

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Im Innern Afrikas: Die Erforschung des Flusses Kasai

Länge:
708 Seiten
8 Stunden
Freigegeben:
Aug 15, 2013
ISBN:
9783843803922
Format:
Buch

Beschreibung

Im Auftrag des belgischen Königs Leopold II. tritt Hermann von Wissmann 1883 seine zweite Afrikareise an, bei der er den Verlauf des Kasai und die Zuflüsse im Kongo erkunden soll. Vom Lulua aus, einem Nebenfluss des Kasai, wo Wissmann die Station Luluaburg gründet, startet er mit seinen Trägern und Eingeborenen des Baschilange-Volks auf selbstgebauten Kanus die Erkundung des Kasai. Der undurchsichtige Verlauf des reißenden Flusses, sowie Kämpfe mit Eingeborenen stellen nur einen Teil der Schwierigkeiten dar, mit denen die Expedition zu kämpfen hat. 1885 gelangt man schließlich wieder an die Küste und hat wichtige Ergebnisse vorzuweisen: die Zugehörigkeit des Kasai zum Kongogebiet, Klarheit über den Verlauf einiger Kongonebenflüsse und die Eröffnung neuer Binnenschifffahrtswege.
Freigegeben:
Aug 15, 2013
ISBN:
9783843803922
Format:
Buch

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Im Innern Afrikas - Hermann von Wissman

ERSTES KAPITEL

VON HAMBURG NACH MALANGE

Am 16. November 1883 verließen wir an Bord des »Professor Woermann« Hamburg. Acht volle Wochen sollte es dauern, bis wir Loanda, das erste Ziel unserer Reise, erreichten. Die Fahrt war eine gute zu nennen, obwohl wir namentlich im Kanal und im Golf von Biskaya viel mit ungünstigem Wetter zu kämpfen hatten. Unter den vielen Küstenplätzen, die wir anliefen, befand sich auch das inzwischen deutsch gewordene Kamerun.

Es war am 17. Dezember, als wir in die Mündung des Kamerunflusses einliefen. Die Ufer desselben sind mit dichter Mangrove bestanden; wo das Gelände etwas ansteigt, krönen Palmen und hohe Urwaldbäume, unter denen durch seine mächtigen Formen der Baumwollbaum (Eriodendron) am meisten auffällt, die flachen Hügel. In nebelgrauer Ferne wurde uns eine Wolke gezeigt, die das Kamerungebirge andeutete. Bei der geringen Wassertiefe der Mündung hielt der Kapitän es für bedenklich, ohne Lotsen weiterzugehen. Es wurde deshalb ein mit schwarzen Krus, die wir seit Monrovia an Bord hatten, bemanntes Boot ausgeschickt, das die Ankunft des Dampfers in der Woermann’schen Faktorei melden und den Lotsen heraussenden sollte. Da die Ebbe eingetreten war, wurde das kleine Fahrzeug jedoch weit aus seinem Kurs verschlagen, und es wurde Abend, ehe der Lotse und mit ihm Herr Schmidt, als Vertreter des Woermann’schen Hauses in Kamerun, an Bord kamen.

Gegen Morgen dampften wir stromauf; bald saßen wir jedoch fest und entschlossen uns nun, in der Gig des Herrn Schmidt weiterzufahren. Nach fast achtstündiger Fahrt, die nur durch einen kleinen Aufenthalt am Malimba Point unterbrochen wurde, wo wir fischende Schwarze vorfanden, die soeben ein gefangenes Krokodil zerlegten, um es zu räuchern und zu braten, erreichten wir die malerisch auf einer palmenbestandenen Anhöhe gelegenen Dörfer des King Bell und King Akwa. Zwischen beiden liegt, sie trennend, die englische Mission, von der ja in den Kämpfen unserer Marine bei Kamerun mehrfach die Rede gewesen ist. Unmittelbar am Ufer, unterhalb des Dorfes King Akwa, befindet sich die Woermann’sche Faktorei, in der wir gastfrei aufgenommen wurden. Ein Spaziergang führte uns in das Dorf eines dem Akwa untergebenen Häuptlings Dido, dessen Haus wir, von ihm eingeladen, betraten, um uns an Palmwein zu erfrischen; seine Tochter – ein Kind noch, jedoch üppig entwickelt – kredenzte denselben und nahm dabei ungeniert abwechselnd auf dem Schoß eines der weißen Besucher Platz. Die zahlreichen Frauen des Häuptlings wie auch die anderen Bewohner des hübsch angelegten, inmitten von Bananen, Erdnüssen, süßen Bataten und Maniokfeldern versteckten Dorfes standen neugierig vor der Tür, um die Weißen, die ihnen freilich nicht neu und unbekannt waren, aber dennoch eine große Anziehungskraft auf sie ausübten, in der Nähe zu betrachten. Wir hatten Gelegenheit, die Kunstfertigkeit der Leute bei Anfertigung von Holzschnitzereien zu bewundern. Ein hübsch gemaltes Ruder, eine Trommel, ein Schemel und einige kleine schön geschnitzte Kanumodelle wurden uns geschenkt oder zum Kauf angeboten. Bei weiteren Ausflügen lernten wir die unmittelbare Umgebung der beiden Hauptstädte Kameruns näher kennen. Die Dörfer waren durchweg hübsch und sauber gebaut, nur die den Sklaven abgesondert von den freien Schwarzen zugewiesenen Hütten zeigten vielfach Anhäufungen von Schmutz und Scherben. Der Schwarm der Gaffer, der uns stets begleitete, schien es auch für anstößig zu halten, dass wir uns diesen Pariawohnungen näherten, geschweige denn sie betraten.

Überall wurden die Weißen freundlich, ja herzlich willkommen geheißen; die Leute schienen sehr wohl zu wissen, die Vorteile ihnen der Handel bringt, und richteten danach ihr Benehmen ein. Trotzdem sollten wir Gelegenheit haben, uns zu überzeugen, dass die Dualla nicht immer so ruhig und gutmütig sind. Freilich trug wohl, wie häufig bei Streitfällen an der Küste, die Hauptschuld ein Weißer, der – als ein Schwarm angetrunkener Schwarzer, denen Branntwein von ihm geschenkt worden war, in seiner Faktorei ungebührlich lärmte – ohne Weiteres seine große Deutsche Dogge auf die Leute hetzte, die einem von ihnen ein soeben gekauftes Stück Tuch zerriss. Als der Mann, der nicht zu den Schreiern gehörte, sondern ruhig neben diesen stand, ihn dann um Ersatz seines Tuchs bat, erhielt er von dem Weißen eine Ohrfeige, die er ohne Besinnen kräftig und schallend heimzahlte. Eine wilde Jagd seitens der Angestellten der Faktorei erhob sich auf den entfliehenden Missetäter. Schnell erschienen jedoch zahlreiche Eingeborene mit Knüppeln, Messern, ja einige sogar mit Gewehren bewaffnet; und schlecht wäre es den Herren der Faktorei ergangen, von denen zwei, die sich zu weit gewagt hatten, bereits aus mehreren Wunden bluteten, wenn wir nicht zur Unterstützung herbeigeeilt wären und Wissmann nicht mit gespanntem Revolver ihren Rückzug gedeckt hätte. Wir führten King Akwa, von dessen Stamm die erbosten Eingeborenen waren, in die Faktorei und besänftigten durch ihn die aufgeregten Gemüter. Das Verfahren, das er anwandte, war freilich einfach genug: Mit einer Peitsche fuchtelte er auf seine Untergebenen los, sich aber dabei wohl hütend, einen von ihnen zu treffen. Tags darauf wurde ein großes Palaver gehalten, in dem man zunächst beschloss, dass der Weiße seinen Hund abzuschaffen habe; weitere Beschlüsse sollten darauf folgen.

Man hört an der Küste so unendlich oft klagen, dass die Eingeborenen schwer zu behandeln und treulos und hinterlistig seien. Wie oft aber die Weißen daran schuld sind, dringt kaum in die Öffentlichkeit.

Der Hund, der so durch seinen Herrn in Kamerun unmöglich geworden war, begleitete uns nachher bis Malange, wo er leider am Herzschlag einging. Ein gleiches Schicksal teilten dort zwei Foxterrier und mehrere Dachshunde, während eine junge Terrierhündin und eine Anzahl von Dackeln, die noch nicht ein volles Jahr alt waren, die Strapazen der Reise bis zum Ende vorzüglich aushielten.

King Bell hatte von dem Vorfall gehört und erschien abends in der Woermann’schen Faktorei, um die nähere Ursache zu erfahren und auch um uns zu besuchen. Angenehm berührte uns seine ruhige und verständige Auffassung des Geschehenen.

Der wohl vierzigjährige, kräftig gebaute Häuptling machte überhaupt mit seinem gutmütigen, durch einen Vollbart beschatteten Gesicht einen äußerst sympathischen Eindruck. Er war mit einem weißen geplätteten Faltenhemd und einem Hüfttuch darunter bekleidet. King Bell erzählte viel von dem Elefantenreichtum der Gegend und versprach, uns auch zum Schuss zu bringen. Leider hatten wir keine Gelegenheit, seiner Jagdeinladung zu folgen. Am nächsten Tag erwiderten wir seinen Besuch und suchten ihn in seinem Haus auf, wo eine seiner Frauen in angenehmer Weise die Honneurs bei Palmwein machte. Das Haus war sauber und hübsch gebaut und wies als Hauptschmuck die Bilder Bismarcks und Moltkes auf. Ein großes Büffet, ein Geschenk Woermanns, prangte an einer Wand. Während wir uns erfrischten, erscholl vom Fluss her eine Trommel. Auf unser Befragen teilte Bell, der eine Weile aufmerksam lauschte, uns mit, es komme ein Händler den Fluss herunter und bringe zwei Zähne Elfenbein, einige Tonnen Öl und andere Gegenstände, die er genau bezeichnete, aus dem Inneren mit. Diese Trommelsprache hat nachher unserer Marine vielfach Schwierigkeiten bereitet, da, sobald ein Boot an Land ging oder irgendein Manöver von den Schiffen ausgeführt wurde, dies durch Trommelsignale sofort in der weitesten Ferne bekannt gemacht wurde.

Ein Jagdausflug im Boot auf dem Mungo Creek und seinen Nebengewässern blieb erfolglos, doch hatten wir Gelegenheit, zum ersten Mal den afrikanischen Urwald in seiner stillen Pracht, in seiner ganzen Großartigkeit zu bewundern.

Am 23. morgens lichteten wir die Anker, und unter dem Flaggengruß sämtlicher Faktoreien verließen wir den Hafen und leider mit ihm auch die beiden jungen Schweden Knutson und von Waldau, die von Hamburg bis hierher unsere Reisegefährten waren und hier zurückblieben, um zoologische Sammlungen anzulegen. Sie waren uns liebe Genossen geworden, und unsere wärmsten Wünsche geleiteten sie auf ihren weiteren Pfaden …

Nachdem wir noch eine Anzahl Küstenplätze angelaufen hatten, gelangten wir endlich am 17. Januar nach Loanda.

Der »Professor Woermann« war der erste deutsche Postdampfer, der in dem Hafen von Loanda gesehen wurde. Nur aus Gefälligkeit für uns hatte er seine Reise über Ambriz ausgedehnt, doch scheint das Haus Woermann seine Rechnung dabei gefunden zu haben, denn seit dem Frühjahr 1884 besteht eine regermäßige Dampferverbindung auch zwischen Hamburg und São Paulo de Loanda.

Die Stadt liegt fast in einem Halbkreis um den im Süden und Westen durch eine schmale Insel vorzüglich geschützten Hafen, zum Teil auf dem flachen Strand, zum Teil amphitheatralisch auf dem denselben umgebenden Lateritplateau. Am Südabhang sowie auch im Nordwesten befinden sich auf dominierenden Inseln ein paar verfallene Festungswerke, während der Hafen selbst durch zwei kleine neu erbaute Forts, die am Strand liegen, vortrefflich geschützt wird.

Fast alle Straßen der Stadt sind gepflastert, jedoch stets mit einer fußhohen Sandschicht bedeckt, die von den dahinter liegenden Höhen während der Regenzeit losgewaschen wird. Deportierte portugiesische Verbrecher, die hier ihre Strafen verbüßen, sind mit Ochsenkarren beständig beschäftigt, diese Sandmassen fortzuschaffen, ohne dass jedoch große Abhilfe bemerkbar wäre.

Auffallend viele Krüppel, vornehmlich Blinde, treiben sich bettelnd in den Straßen umher; sonst machen die Schwarzen einen guten Eindruck, besonders zeichnen sich die zahlreichen Kabinda durch ihre saubere Kleidung aus, die fast stets aus einem weißen Plätthemd besteht. Ein neuerbautes Hospital steht in seinen Einrichtungen europäischen Krankenanstalten in keiner Weise nach.

Nachdem unsere Instrumente mit denen der meteorologischen Station verglichen waren, verließen wir am 23. Januar mit dem Flussdampfer »Serpa Pinto« den Hafen, um den Kuanza bis Dondo hinaufzufahren. An demselben Tag noch passierten wir die Barre und befanden uns bald auf einem der schönsten Flüsse Zentralafrikas. Dichte, undurchdringliche Mangrovebestände umrahmen die Ufer im untersten Teil des Laufes; dann wechseln Niederungen mit saftigem Gras oder üppigen Papyrusdickichten mit Lagunen, Palmenhainen und Urwald ab. Das Flusstal erweitert sich oft auf 8 km Breite, auf beiden Seiten wird es von hohen Hügelketten begleitet, die weiter aufwärts bei Bom Jesus, Kunga und Kalumbo, besonders aber bei Massangano bis unmittelbar an den Fluss herantreten. Unzählige Mengen von Sumpfvögeln aller Art, mindestens fünf verschiedene Reiher, Schlangenhalsvögel, Kormorane, Riesenfischer, Eisvögel, Strandläufer, Kiebitze, Taucher und Enten bevölkern in dichten Scharen die ergiebigen Fischgründe der Lagunen. Flusspferde hörten wir nur einmal in Kunga, wo wir eine Nacht lagen, um den »Silva Americano«, einen Dampfer mit geringem Tiefgang, der uns weiter nach Dondo befördern sollte, zu erwarten. Milliarden von Moskitos sowie ein mit größter Ausdauer geführtes Froschkonzert machten die Nachtruhe nicht gerade erquicklich.

Der Kuanza ist berüchtigt wegen der Menge seiner , doch sahen wir nur wenige, von denen Wissmann eins erlegte.

Am 27. Januar trafen wir in Dondo ein. Durch den Konsul Herrn Wenniger, Chef des holländischen Hauses in Loanda, der uns bereits in jeder Weise zur Erledigung all der tausenderlei Formalitäten mit dem Gouvernement, der Steuerbehörde, der zahlreichen geschäftlichen Angelegenheiten behilflich gewesen war, fanden wir ebenfalls hier in der holländischen Faktorei das freundlichste Entgegenkommen, wofür auch an dieser Stelle unser verbindlichster Dank ausgesprochen wird.

Dondo liegt auf dem rechten Ufer des Kuanza in einer Niederung, hart am Fuß des wohl 100–150 m hohen Plateau, das den Lauf des Flusses begleitet. Von drei Seiten ist es von hohen Bergen umgeben, nur die Stromseite ist offen. Zwischen der Stadt und der umgebenden Höhe befindet sich ein kleiner Baobabwald, der wahre Riesen von Bäumen aufweist; einige von ihnen wurden auf einen Inhalt von 75, 78 und 84 Festmetern berechnet.

Der Standort dieser mächtigen Affenbrotbäume ist hier im Gegensatz zu den meisten anderen Örtlichkeiten, wo wir die Adansonia gefunden hatten, sehr feucht; es finden sich vollständige Sümpfe, da das von den Bergen herabfließende Wasser unter der dichten Beschattung nicht verdunstet und kein natürliches Gefälle dieses zum Fluss ableitet. Die Folge davon ist, dass Dondo beständig von dicker, feuchter und schwüler Luft erfüllt ist und dadurch zu einem der ungesundesten Orte Angolas wird. Die Portugiesen haben ihm deshalb wohl nicht mit Unrecht den Namen Inferno do Mundo, d. h. Hölle der Welt, beigelegt.

Es zeigt sich hier die geradezu ans Unglaubliche grenzende Sorglosigkeit der Eingeborenen in auffälliger Weise; während der 472 Wochen unseres Aufenthalts wurden nicht weniger als vier Personen von n ergriffen, und zwar alle an derselben Stelle des Flusses, ohne dass dies die übrige Bevölkerung veranlasst hätte, diesen gefährlichen Platz zu meiden oder seine Gefahren durch einen Zaun im Wasser zu verringern.

Interessant ist das Leben und Treiben in Dondo. Fast beständig ziehen Karawanen von Kassengo, Malange oder aus dem Hinterland Angolas durch die Straßen, um ihre Landesprodukte, Kaffee, Gummi, Wachs, Erdnüsse, Elfenbein und Tierhäute, den weißen Händlern zuzuführen. Der Kaffee aus Kassengo ist von besonderer Güte und soll den von Monrovia sogar übertreffen. Auf dem Fluss ist ein reger Kanuverkehr, da die Libollo und Kissama, die von Süden hauptsächlich Palmöl und Palmkerne bringen, hier ihre Fähre haben. Es gibt ein Gesetz, dass kein Mitglied der genannten Stämme Dondo mit geladenem Gewehr betreten darf. Alle Flinten werden daher am Südufer abgeschossen, sodass oft den ganzen Tag über das Geknalle nicht aufhört und man versucht ist zu glauben, es sei ein Gefecht in vollem Gange.

Des Abends und oft die Nacht hindurch hallt die ganze Stadt von den Gesängen der lagernden Träger wieder, die sich bei Tanz und Spiel belustigen und ihren Patronen, d. h. den Händlern, denen sie ihre Waren überlassen haben, Ständchen bringen, wofür sie mit Branntwein bewirtet werden.

Nach viereinhalbwöchigem Aufenthalt, den wir uns durch Jagdausflüge und durch einen Besuch des von Eduard Mohr geschilderten Kambamba-Falls nach Möglichkeit verkürzt hatten, brachen wir nach Malange (sprich Malansche) auf und übergaben unsere Sachen, soweit wir sie nicht mit uns nehmen konnten, einem portugiesischen Kaufmann zur Beförderung. Dies ist das einfachste und sicherste Mittel für den Warentransport, da der Kaufmann die volle Garantie übernimmt und alles Fehlende ersetzen muss.

Die Straße von Dondo nach Malange ist in ihrem ersten Teil von der Regierung recht gut ausgebaut worden; es findet sich sogar eine steinerne Brücke, der höchste Stolz des Chefs von Dondo. Nach anderthalb Wegstunden jedoch hört bei Bambu jeder gebahnte Weg auf. Nur Fußpfade führen durch das Dickicht und kreuzen ohne jede Verkehrserleichterung Risse, Felsen und Bäche. Nördlich vom Kuanza, unmittelbar nach dem Verlassen des bereits erwähnten Adansonienwaldes, steigt die Karawanenstraße zum Plateau. Die Übergangszone ist bergig und zerrissen, oft von kleinen Gewässern durchschnitten, deren Täler und Hänge zum Teil dicht mit jedoch schwachen und krüppeligen Stämmen bestanden sind. Da es an der Straße nur eine dünne Besiedlung gibt, hat die Regierung sogenannte »Patrolhas« in Abständen von 15–20 km errichtet, in denen 2–4 zerlumpte Soldaten der Guerra Preta (afrikanische Landwehr) stationiert sind.

Wir hatten auf dem Marsch die Freude, den auf der Heimkehr begriffenen Dr. Pogge zu treffen und zu begrüßen. Manch trefflichen Wink und Ratschlag verdanken wir dem alterfahrenen Reisenden, der bereitwilligst auf alle unsere Fragen einging. Schon damals war er sehr leidend; ein heftiger Husten quälte ihn und unterbrach oft seine Mitteilungen. Sein fast bis zum Skelett abgemagerter Körper zeugte von den harten Entbehrungen und Mühsalen, die er durchgemacht hatte, doch war er voll froher Hoffnung für die Zukunft und glücklich in dem Gedanken, die Heimat wiederzusehen. Leider sollte er sie nicht mehr erreichen, er starb in Loanda, während der Dampfer, der ihn nach Europa zurückbringen sollte, im Hafen lag! Er fand seine letzte Ruhestätte an der Seite des Reisenden von Barth, dem die portugiesische Regierung auf dem Kirchhof in Loanda einen hübschen Gedenkstein im Schatten prachtvoller roter Akazien gesetzt hat. –

Marktfrau aus dem Kuanzatal

Unser Haus in Malange

Der weitere Marsch führte uns nach Pungo N’dongo; das Gelände bis dorthin war eine wellige, mit Savannen und Buschwald bedeckte Hochebene, die jeglichen landschaftlichen Reizes entbehrte. Desto großartiger und pittoresker war dafür der Anblick, der sich dem Auge bei der Annäherung an Pungo bot. Aus dem umgebenden Flachland erheben sich plötzlich ganz unvermittelt mächtige Felstürme, die oft eine Höhe von 100 und 150 m erreichen und nach allen Seiten fast senkrecht abfallen. Nur durch eine Schlucht führt ein sehr schwieriger Aufstieg in das Städtchen, dessen Häuser malerisch in ihr verstreut liegen. Paviane und Leoparden sind hier nicht selten, vor allem Erstere kommen fast täglich in die Erdnusspflanzungen und Bananengärten der Ansiedlungen. Hyänen kommen häufig während der Nacht bis in die Stadt, um an den Orten, wo geschlachtet wird, nach Abfällen zu suchen.

Die Felsmasse besteht aus grobem Konglomerat mit starken Gneiseinschlüssen, das, stellenweise sehr ausgehöhlt und verwittert, die merkwürdigsten und auffallendsten Formen zeigt. Die Höhen und Kuppen sind kahl, während die nur wenig tiefer gelegenen Einschnitte zwischen ihnen einen fruchtbaren Boden und üppige Vegetation aufweisen. Wir treffen hier den Baobab zum letzten Mal; lange sollte es dauern, ehe wir ihn wieder zu sehen bekamen. Rote und gelbe Akazien, einige schwache Eriodendren, Euphorbien, dann die in Europa vielfach in Gärten gezogene Canna indica mit roten und gelben Blüten verleihen dem Bild eine farbenprächtige Abwechslung. Die Fortaleza, Sitz des Chefs und des Richters, und einige zwanzig portugiesische Handelshäuser bilden den europäischen Teil der Stadt. Eine Anzahl kleinerer und größerer Dörfer von Schwarzen liegen um sie herum und ziehen sich bis hoch in die Felsen hinauf. Für die Sicherheit und Aufrechterhaltung der Ordnung sorgt eine Garnison von einigen fünfzig Mann. Nach weiterem zweitägigem Marsch über eine heiße, wenig anziehende Ebene gelangten wir nach Malange.

ZWEITES KAPITEL

MALANGE

Malange ist der am weitesten nach Osten vorgeschobene Posten der portugiesischen Macht in Angola.

Die Baulichkeiten liegen an einer fast genau von Norden nach Süden gerichteten breiten Straße, die durch den Malangebach rechtwinkelig geschnitten wird. Jedes Haus, wenn man die einfachen Lehmhütten der Weißen und der wohlhabenden Farbigen so nennen darf, ist von einem geräumigen Hof umgeben, den eine Lehmmauer oder eine Hecke abschließt. Jenseits der Einfriedigung liegen die dürftigen Hütten der im Dienste des Hausherrn stehenden Schwarzen. Vom Malangebach aus steigt die sehr staubige Ortsstraße nach beiden Seiten an und findet nördlich beim Kirchhof und nach Süden in der Fortaleza ihren Abschluss. Diese kleine Zwingburg mit ihren stark demolierten und verwahrlosten Geschützen hat zwar wenig militärischen Wert und würde einem energischen Vordringen selbst schlecht bewaffneter Schwarzer keinen dauernden Widerstand entgegensetzen können, aber sie erfüllt als Hauptwache und Steueramt vollkommen ihren Zweck.

Der Chef von Malange, ein Mulatte, vereint die obersten Militär- und Verwaltungsämter in seiner Person. Wir wechselten mit ihm in aller Form Besuche und wurden stets in seinem Haus zuvorkommend und gastfrei aufgenommen. Er ist ein kleiner König in seinem Bereich, residiert auf der Fortaleza und bekleidet den Rang eines Kapitäns. Seine Stellung ist in Anbetracht der ungebundenen Erziehung seiner schwarzen Untergebenen nicht leicht, und man darf seine 50 Soldaten nicht nach dem Maßstab europäischer Pflichttreue und Strammheit beurteilen.

Besondere Schwierigkeiten verursacht ihm das Eintreiben der Steuern, die jedes Gehöft in Höhe von 5 Makuta (67 Pfennig) jährlich zu entrichten hat. Die im Bereich der portugiesischen Gewalt liegenden Ortschaften verweigern fast regelmäßig die Abgaben. Ihre Häuptlinge, Soba genannt, finden sich zum Termin auf der Fortaleza ein und erklären sich zahlungsunfähig. Häufig wurden die Soba auch mit Gewalt vor den Chef gebracht; dann folgten heftige Wortwechsel, und oft verließ der erzürnte Kapitän verzweifelt den Kampfplatz, verfolgt von den Schmähungen der gleichfalls gereizten Soba.

Eine Inhaftierung der säumigen Steuerzahler hat selten den gewünschten Erfolg, deshalb ist der Chef auf ein anderes, sehr kluges Mittel gekommen. Er ernennt die guten Zahler zu Majoren und verleiht ihnen als Symbol ihrer Würde einen englischen Sergeantenrock. Das hat bis jetzt gut geholfen. Die »Majoren«, die sich von den Ihrigen »Sobamajor« nennen lassen, sind auf ihre Rangerhöhung ganz besonders stolz, und was die Hauptsache ist, sie zahlen pünktlich. Ein solcher Würdenträger von des Chefs Gnaden trug unter der bunten, nicht mehr neuen Uniform einen Frauenrock, eine rote Adjutantenschärpe umgürtete die Lenden, und auf dem Kopf saß keck ein ehemals roter Fes.

An Sonntagen wehte auf der Fortaleza die portugiesische Flagge, und an hohen Festtagen wurden sogar die alten, teilweise ohne Lafetten im Staub ruhenden Kanonenrohre aus ihrer Ruhe aufgerappelt, um während des Gottesdienstes in unermüdlichem Toben die Bedeutung des Tages weithin zu verkünden. Die Soldaten trugen dann die erste Garnitur ihrer Uniform, die Bewohner wallfahrten zahlreicher als an den Sonntagen nach dem Gotteshaus, und war der Chef gut gelaunt, so sandte er uns die gesamte Militärkapelle, zwei Hornisten und einen Tambour, zum Morgengruß. Inwieweit es dem braven Trio gelang, uns einen Genuss zu bereiten, bleibt der Beurteilung der Leser überlassen.

Malange hatte an solchen Tagen eine recht belebte Physiognomie, sonst aber machte es, besonders im Vergleich zu Dondo, einen stillen und ruhigen Eindruck. Anziehend sind einzelne der Gärten, unter denen der des Kaufmanns Custódio de Souza Machado entschieden als Perle und Zierde von Malange bezeichnet werden kann.

Unter der Bevölkerung sind natürlich Schwarze und Mulatten vorherrschend. Die Wohlhabenden unter ihnen treiben wie die weißen Kaufleute Ackerbau und Handel, und die Übrigen bilden den Arbeiterstand, oder sie sind besser gesagt Sklaven. Wenn auch die Sklaverei offiziell abgeschafft ist und es dem Arbeiter freisteht, in andere, ihm mehr zusagende Dienste zu treten, wenn auch eine unumschränkte Verfügung über Leben und Tod der Untergebenen nicht mehr besteht, so wird doch der Arbeiter als Sklave gekauft; und die Einigkeit der Sklavenbesitzer einerseits sowie die Toleranz des Chefs andererseits bürgen dafür, dass der Arbeiter auch bei der schlechtesten Behandlung bei seinem Herrn ausharrt. Zum Ankauf der Sklaven wird das Reich des Muata-Jamwo anderen Gebieten vorgezogen. Der Preis für einen Schwarzen beläuft sich auf ungefähr 12 000 Reis (circa 55 Mark), während ein weibliches Individuum mit 15 000 und mehr bezahlt wird.

Die Verhältnisse in Angola sind noch keineswegs geordnet; das lässt sich auch nicht verlangen, vielmehr werden Generationen vergehen müssen, ehe die Zustände einen europäischen Anstrich erhalten. Die Faktoren, mit denen die Kulturbestrebungen hier zu rechnen haben, lassen sich nicht mit einem Schlag beseitigen. Man darf sich deshalb nicht wundern und es dem Chef nicht als Akt der Schwäche auslegen, wenn Dinge ungestraft passieren, die in unseren Augen schwere Strafe verdienen. Er hat ganz besondere Schwierigkeiten dadurch zu überwinden, dass bei Weitem der größte Teil der weißen portugiesischen Bevölkerung aus Deportierten besteht. Mörder, die gefährlichsten Einbrecher und andere Leute mit der dunkelsten Vergangenheit laufen, nachdem sie ihre Strafzeit verbüßt haben oder wenn ein dort ansässiger Weißer für sie bürgt, frei umher; ja häufig findet man sie in den Geschäften angestellt. So hatte der Kaufmann Alfredo als Verwalter seiner Apotheke einen vierfachen Mörder, als Buchführer einen berüchtigten Einbrecher und noch zwei andere gefährliche Verbrecher in seinem Haus. Da ihnen die Mittel zur Rückkehr nach Europa fehlen, sind sie gezwungen, in Angola auch nach beendeter Strafzeit zu bleiben und sich dort ihren Unterhalt zu erwerben. Dass diese Sorte Leute schwer zu behandeln und wenig geeignet ist, den Schwarzen als ein gutes Beispiel zu dienen, liegt auf der Hand.

Die Folge davon ist, dass sich sehr laxe Begriffe über Mein und Dein dort eingebürgert haben.

Es ist nicht selten, dass schwarze Händler, die von Portugiesen einen bedeutenden Vorschuss erhalten, um auf deren Rechnung im Inneren Geschäfte zu machen, sich unbekümmert dort niederlassen und nie wieder an die Küste zurückkehren oder wenigstens so lange dort verweilen, bis der Auftraggeber gestorben ist. So hatte der Mulatte Pasqual dem Träger des Dolmetschers Kunha, namens Uriama, 2 Contos (2 Millionen Reis) gegeben, um hierfür im Inneren Ankäufe zu machen. Uriama hatte auch zwei Elefantenzähne à 50 Pfd., Gummi und Sklavinnen gekauft, dachte aber gar nicht daran, diese dem Pasqual zuzuführen; vielmehr forderte er Kunha auf, einige Zähne in Malange zu verkaufen und ihm den Erlös zu bringen. Als Vorausvergütung erhielt Kunha einen roten Papagei, den er sofort für 3500 Reis (16 Mark) dem Dolmetscher Germano überließ. Uriama wollte nun den Tod Pasquals abwarten, ehe er in seine Heimat zurückkehrt.

Zwar ist die Mehrzahl der Schwarzen von Malange getauft, damit sind diese aber noch keineswegs Christen, geschweige denn vom sittlichen Ernst der christlichen Religion durchdrungen. Es macht vielmehr den Eindruck, als ob allein die Neigung für festliche Zeremonien die Eingeborenen bewogen habe, den Taufakt als eine Art Fetischdienst anzunehmen. Die einheimischen Sitten und Gebräuche kommen überall und oft in komischem Kontrast zum Christentum zum Vorschein.

Hat man einen den besseren Ständen angehörenden Einwohner nach ortsüblichem katholischen Ritus feierlich beerdigt, dann vereinigen sich am Abend Freunde und Bekannte zum heiteren Schmaus um die Leidtragenden. Nach dem Takt der Marimba oder einer zufällig vorhandenen Ziehharmonika beginnt ein lustiger Tanz, in dem die schweren Gedanken der Trauernden betäubt werden, und erst am frühen Morgen findet das Treiben in der allgemeinen geistigen und körperlichen Ermattung seinen Abschluss. Bei den ärmeren Schwarzen hört man statt der Marimba oder als Begleitung derselben drei Nächte hindurch das nervenaufreibende Klagegeheul der Verwandten und Frauen. Sie begleiten schreiend den Zug bis auf den Kirchhof. Hier kehren Frauen und Mädchen zurück und überlassen den Männern den Akt der Bestattung. Der in ein Tuch gehüllte Leichnam wird in eine 1½ m tiefe Grube hineingelassen und dort in eine an der Sohle befindliche seitliche Aushöhlung eingezwängt, die dann mit Zweigen geschlossen wird. Die Schwarzen halten diese Art der Beerdigung für das beste Schutzmittel gegen die Hyänen.

Marimbaspieler

Eine besonders eigentümliche Sitte ist das Mahambafest, das bei vielen Eingeborenenstämmen des Inneren und auch in Malange alljährlich gefeiert wird. Auf freiem Platz wird eine 1½ m hohe Strohhütte errichtet. Im Inneren steht ein Löwe aus Lehm geknetet, und den Giebel des Daches ziert als krönendes Emblem ein Korb, wie ihn die Eingeborenen zum Fischfang benutzen. Das ist die Mahambahütte. Vor derselben bewegt sich singend und tanzend die Tschingeladora (Zauberin), eine stattliche, schöne Lundasklavin. Um den Hals liegen dicke Perlenschnüre, und die graziösen Bewegungen ihrer Arme und Hüften begleitet sie mit dem Geklapper einer mit Bohnen gefüllten Kürbisflasche, die sie tamburinartig um den geschmeidigen Körper schwingt. Das Ganze ist eitle mit raffinierter Geschicklichkeit dargestellte Pantomime der Sinnlichkeit und Wollust. Jeder, der sich der Hütte nähert, überreicht der jungen Tänzerin ein Geschenk in Gestalt von Ohrringen, Ketten und dergleichen, und diese legt ihm für einen Augenblick ihre eigene Halskette über die Schulter, bemalt das wie ein Opferlamm vor ihr stehende Individuum auf Stirn und Gesicht mit Ton, und damit ist der Zauber beendet. Der Bemalte geht in dem Glauben davon, dass im kommenden Jahr Fortuna seine Schutzgöttin sein wird,

Marimbaspieler

und die Tschingeladora singt und tanzt weiter, bis der nächste Törichte sie mit einem Geschenk beglückt. Die tönerne Darstellung des Königs der Tiere in der Hütte soll jeden Teilnehmer des Festes vor einer unliebsamen Begegnung mit einem Löwen bewahren.

Der Handelsverkehr in Malange ist keineswegs so rege wie in Dondo. Die Karawanen setzen hier selten ihre Waren ab, sondern ziehen meist weiter auf der Straße nach Dondo oder nach dorthin selbst. Der schwarze Händler, der zugleich sein eigener Träger ist, läuft mit seinem Kautschuk, auch wenn er ihn weit aus dem Inneren herbeigeschleppt hat, ganz gern noch bis Dondo, falls er dort ein Stück Tuch mehr erhalten kann als in Malange. Der weiße Kaufmann aber muss für seinen Warentransport nach Dondo Träger annehmen, kann demnach die Produkte des Inneren in Malange nicht so gut bezahlen wie in Dondo.

Ein deutscher Kaufmann, der während unseres Aufenthalts nach Malange gekommen war, um die geschäftlichen Verhältnisse kennenzulernen, wollte von der Redlichkeit der Handlungen wenig wissen. Er meinte, es existiere kein gesundes Geschäft in Malange, sondern der wäre der beste Kaufmann, der den Schwarzen am meisten zu betrügen verstehe; er habe in einem Laden eine Waage gesehen, die ein kleiner Junge ungesehen mittels einer Schnur zugunsten des Kaufmanns reguliert habe. Auch wir haben häufig Gelegenheit gehabt, derartige Beobachtungen zu machen. Es ist deshalb nicht zu verwundern, dass die Schwarzen lieber weiter nach Dondo gehen, um dort ihre Waren abzusetzen, wo sie freilich auch in ähnlicher Weise betrogen werden.

Zu den Ausfuhrartikeln gehören Gummi, Wachs, Elfenbein, Felle und Baumwolle. Diese Produkte werden meist durch Bangalakarawanen gebracht. Mannigfaltiger sind dagegen die Einfuhrartikel. Baumwollstoffe, Zwillich, Kattun, Feuersteingewehre und Pulver sind die begehrtesten, aber auch Perlen, Spiegel, Blechschüsseln, Becher, Baumwolle, Hemden, Messingstangen, rote wollene Decken, bedruckte Taschentücher, Mützen und Schirme sind gern gesehene Waren. Unter den Stoffen ziehen die Schwarzen rote, blaue und gelbe den anders gefärbten vor. Die Quantität entscheidet bei ihnen mehr als die Qualität.

Obwohl die Bangala – eifrige Zwischenhändler, die das Tal von Kassansche am Kuango bewohnen – viele Gewehre nach dem Inneren bringen, so kaufen sie hier doch wenig Pulver ein. Sie beziehen das Letztere über San Salvador, wo es zollfrei eingeführt und deshalb billiger verkauft werden kann.

Landwirtschaftliche Geräte dürfen zollfrei eingeführt werden; andere Sachen unterliegen einem recht hohen Zoll (sogar bis zu 70 Prozent). Waren dürfen bis zur Dauer von zwei Jahren im Lagerhaus ohne Lagergeld deponiert bleiben; verstreicht jedoch diese Frist ohne Zahlung des Zolls, so werden sie zugunsten der Steuerkasse öffentlich versteigert.

Die Umgebung von Malange bietet wenig landschaftlichen Reiz. Nördlich steigt das Terrain zu den kahlen Felspartien der Morro de Bango an, die, eine Meile von Malange entfernt, dasselbe um circa 60 m überhöhen, und südlich des Ortes lagern mehrere Hügelreihen, die von den Tälern kleinerer Kuanzazuflüsse smaragdgrün eingesäumt werden und sich allmählich nach dem Kuanza zu abflachen.

In südöstlicher Richtung führt von Malange durch dichte Baumsavanne ein Weg nach dem Dorf Katepa. Hier wird die Gegend freier, und man sieht über das sumpfige Tal des Katepabaches hinüber nach der Zuckerplantage und der Brennerei des Herrn Letão, neben der sich die in Bananen versteckten Hütten der Schwarzen wie Bienenkörbe ausnehmen. Von hier schlängelt sich ein Pfad über eine lichte, mit Savanne bestandene Kappe nach dem schön gelegenen Nsela-i-fuba, von wo man einen hübschen Blick in das Nselatal gewinnt. Weiterhin nach der Ortschaft Kamatete zu wird das Bild wieder einförmig und uninteressant. Ein anderer Weg geht von der Fortaleza in fast östlicher Richtung nach den Massongodörfern Bango, Kisanja, Kambuande und Komona. Diese Straße erhält durch die meist weiter als eine Stunde von Malange entfernten Ortschaften ein recht lebhaftes Gepräge. Es ist auffallend, dass sich die Massongo hier trotz der Nähe der Stadt vollkommen rassenrein erhalten haben.

Eine dritte Straße zweigt von der Fortaleza nach Süden ab. Dies ist der Weg, der über die Strafkolonie nach den von Otto Schütt so vielgepriesenen Kondo-Fällen führt.

Die Temperatur in Malange ist dank seiner hohen, freien Lage (1211 m über dem Meeresspiegel) recht erfrischend. Die Nächte sind so kühl, dass man sich in wollene Decken einhüllen muss, und auch am Tag wird es nicht unangenehm warm.

Die Vegetation ist für die Tropen mäßig. Charakteristisch ist die mit Bäumen und Buschwerk in dichten und in lichten Beständen vermischte Savanne, die von Dondo ab bis weit hinter Malange zu verfolgen ist. Die Bäume haben große Ähnlichkeit mit unseren Apfel- und Pflaumenbäumen, und das Ganze macht den Eindruck eines großen Obstgartens. Häufig tritt auch eine Akazienart mit schön geformter Krone auf. Lianen sieht man wenig. Die Savanne ist mit verschiedenartigen Gräsern gefüllt, die oft eine Höhe von 3 m erreichen.

Die bunt gefiederte Vogelwelt ist hier das Einzige, was für die Schönheit der Tropen spricht. Täglich werden lebende Vögel aller Art zum Verkauf gebracht. Von anderen Tieren kommen in der Nähe von Malange Schlangen, Antilopen und Hyänen vor, häufig hört man während der Nacht das Geheul der Letzteren. Zu den unbequemsten Vertretern der Tierwelt gehört ohne Zweifel die Treiberameise (Anomma arcens), Kissonde in der Mbundusprache. Die eigentümlichen Tiere führen eine von der ihrer Artgenossen abweichende Lebensweise. Sie besitzen keine festen Bauten, sondern wandern in ungeheuren Zügen umher, die sich oft tagelang in derselben Richtung fortbewegen. Dabei vernichten sie in der kürzesten Zeit alles auf dem Wege, was ihre kräftigen Mandibeln bezwingen können. Sie sind imstande, selbst große Tiere wie Ochsen, ja selbst Elefanten zu töten. Zuerst dringen sie diesen in Augen und Nüstern ein, kein Blasen bringt die winzigen Räuber, die sich mit ihren Beißzangen unglaublich festhalten, wieder aus der Nase heraus. Durch die Schmerzen wütend gemacht, rasen die befallenen Tiere umher, bis sie schließlich erschöpft den Widerstand aufgeben und dann den Ameisen zum Opfer fallen.

Wir hatten durch sie den Verlust eines Wurfs junger Hunde zu beklagen. Die unglücklichen Tierchen lagen in ihrem Lager an einer geschützten Stelle des Hofes und wurden in einer Nacht bis auf die Knochen aufgezehrt; ein gleiches Schicksal teilten zwei im Hof angekettete Gaukler (Helotarsus ecaudatus). Wir selbst hatten mehrere Tage hindurch unter den bissigen Tieren zu leiden. Der Zimmermann Bugslag wurde in der Nacht von ihnen überfallen und war in wenigen Augenblicken vollkommen von ihnen bedeckt. Nur mit Mühe wurde er durch uns von seinen Peinigern befreit. In der Wohnung konnten wir ihrer erst Herr werden, nachdem wir mit kochendem Wasser, Feuer und Spiritus gegen sie vorgegangen waren. Die Treiber kommen in dreierlei Größen vor; die schwächsten haben Form und Größe unserer roten Waldameise, während die größten eine Länge von 10 und 11 mm erreichen. Die Mandibeln sind ihrem räuberischen Gewerbe entsprechend stark entwickelt.

Am 20. März hatten wir die Freude, unseren Reisegenossen Franz Mueller, der den Rest unserer Ausrüstung von Europa nachbrachte, in Malange willkommen zu heißen. Unter den mitgebrachten Sachen befanden sich glücklicherweise auch verschiedene Konserven, die für die bevorstehende Feier des Geburtstags unseres Kaisers sehr am Platze waren, da wir beabsichtigten, bei dieser Gelegenheit, soweit es möglich war, auch hier in Afrika ein Festmahl zu veranstalten.

Der 22. März war gekommen und mit ihm ein Kaiserwetter, wie es bei uns sprichwörtlich geworden ist. Das größte Zimmer war in einen schmucken Speisesaal umgewandelt worden. Gewehre, Revolver und Messer schmückten die Wände, Palmen und Bananenbüsche füllten die Ecken, und über dem hässlichen Eingang hing geschickt drapiert unser größtes Zelttuch. Das ehemalige dürftige Schlafgemach war in seinem Festkleid nicht wiederzuerkennen. Die deutsche Flagge, ein Geschenk des verstorbenen Prinzen Friedrich Karl, flatterte lustig vor unserem Haus. Auf der Fortaleza wehte das portugiesische Banner. Um 5 Uhr erschienen unsere Gäste, die Honoratioren der Stadt, alles Untertanen der portugiesischen Krone. Bald saßen wir heiter schmausend bei Tisch, und als die schweren Weine die Runde machten, begannen die Toaste. Im fremden Land empfindet man mehr als daheim, was es heißt, einer großen geachteten Nation anzugehören. Während im Vaterland der Einzelne unter seinen zahllosen Gesinnungsgenossen ein kleines Teilchen vom Ganzen bildet, ist er im fremden Land das Ganze selbst. Er ist der Repräsentant seiner Nation. Der nationale Stolz und das nationale Bewusstsein treten lebendiger vor seine Seele, und wohl dem, der die Berechtigung für seinen Patriotismus so allgemein anerkannt findet wie der Deutsche, wohl dem, dessen Monarch so ungeteilte Sympathien, so allgemeine Liebe und Verehrung besitzt wie unser greiser Heldenkaiser. Heute jubelten die deutschen Gaue, heute jubelten die Deutschen allerorten, heute jubelten auch wir im dunklen Erdteil:

Heil dir im Siegerkranz,

Heil, Kaiser, dir!

Dem Festessen folgte unter den Klängen eines geduldigen Leierkastens ein flotter Tanz, und als Beschluss des animierten Festes gab es noch ein Feuerwerk.

Über die auffallende Ruhe am folgenden Morgen und das etwas kränkliche Aussehen von Deutschen und Portugiesen schweigt die Geschichte.

Leider sollte nach dem fröhlichen Fest eine Zeit tiefer Trauer folgen. Einer unserer Handwerker, der Büchsenmacher Meyer, erlag am 26. März einem bösartigen Fieber. Er war in Oldenburg geboren und hatte nur ein Alter von 26 Jahren erreicht. Durch seine Geschicklichkeit, sein ruhiges, bescheidenes und stets gefälliges Wesen hatte er sich unser aller Zuneigung zu erwerben gewusst. Mit Ausnahme eines Durchfalls während der Seereise befand sich Meyer bis zu seinem Eintreffen in Malange leidlich wohl. Jedoch am 6. März stellte sich heftige Dysenterie ein, an der er mit geringen Unterbrechungen bis wenige Tage vor seinem Tod litt. Hierdurch wurde der an und für sich nicht kräftige Körper derartig geschwächt, dass, als sich noch ein bösartiges Fieber einstellte, der Tod eintrat.

Die Beisetzung fand unter zahlreicher Beteiligung statt. Den Sarg trugen Wissmann, Wolf, François und Franz Mueller. Neben dem Grab des 1876 hier verstorbenen Afrikareisenden Eduard Mohr fand Meyer seine letzte Ruhestätte. Ehre seinem Andenken!

Am 11. April traf der Schiffszimmermann Bugslag ein, und somit waren die Mitglieder der Expedition vereint. In reger Tätigkeit begannen nun die Vorbereitungen für unsere Reise. Es mussten Träger angeworben, Tauschartikel und Reitstiere gekauft werden. Manche der schwarzen Getreuen, die Wissmann auf seiner ersten Reise begleitet hatten, wie die alten Dolmetscher Kaschawalla, Germano, dann Humba und Joaquim Miranda, die beiden schwarzen Angolaner, die ihrem Herrn von der West- bis an die Ostküste gefolgt waren, nahmen sofort Dienst und zogen durch ihr Beispiel andere nach. Nichtsdestoweniger hatten wir mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, um die erforderliche Anzahl Träger zu beschaffen. Der Elfenbeinhändler Saturnino de Souza Machado war einige Monate vor uns nach dem Inneren aufgebrochen und hatte die meisten derjenigen Leute, die sich überhaupt für lange Reisen ins Unbekannte anwerben lassen, in seine Dienste genommen.

Da es unter den vorhandenen Umständen, bei der Unzugänglichkeit und feindseligen Haltung vieler wilder Stämme und bei der Schwierigkeit der Flussübergänge nicht möglich ist, vornehmlich Lasttiere zu verwenden, so bleibt der Schwarze noch das wesentliche Transportmittel.

Mut und fester Wille werden den weißen Forscher nicht allein durch die Gefahren Afrikas hindurchführen. Viele Expeditionen sind gescheitert, weil der schwarze Begleiter einfach nicht weiter wollte oder davonlief. An wem lag die Schuld der eingetretenen Differenz? An der Charakterschwäche des Trägers, der entweder aus Furcht vor feindlichen Stämmen oder vor anstrengenden Strapazen seine Versprechungen nicht immer hielt? Gewiss! Aber wir wollen auch offen sein und einen großen Teil der Schuld uns selbst, uns, den weißen Führern, zumessen, die wir in der Beurteilung und Behandlung des schwarzen Mannes nicht immer das Richtige getroffen haben. Pogge hat die schwere Kunst des Reisens in Afrika meisterhaft verstanden, seine Erfolge sind zum großen Teil seiner Ruhe zuzuschreiben sowie seinem außerordentlichen Geschick, die Leute auszunutzen, ohne sie zu überanstrengen oder zu verstimmen. Der Träger will gut behandelt werden, er ist Mensch und fühlt auch menschlich. Allgemeinen Charaktereigenschaften der Stämme muss man Rechnung tragen; man kann nicht verlangen, dass der Schwarze jahrelange Gewohnheiten und Gebräuche, ja selbst die mit der Muttermilch eingesogene moralische Erziehung mit einem Schlag ablegt. Das hieße vom Schüler verlangen, dass er Meister sei. Auch die Leute, die eine sehr laxe Auffassung über den Unterschied von Mein und Dein haben – und solche gibt es in Afrika viele – empfinden es sehr wohl, ob sie von ihrem Herrn gerecht behandelt werden oder nicht. Bekanntlich erkennt man die Fehler seiner Vorgesetzten schneller und beurteilt sie schärfer als die eigenen. So ist es auch beim Schwarzen. Er weiß seinen Herrn sehr schnell und meist richtig zu beurteilen. Fühlt sich der Mann aber gerecht behandelt, erkennt er, dass der Weiße auch menschlich für ihn fühlt, dann spannt er seine Kräfte in Notfällen ohne Murren doppelt an, dann erträgt er geduldig auch eine kleine tätliche Ermahnung, wenn sie zur rechten Zeit gegeben wird, dann kann er seinem Herrn treu und anhänglich sein.

Die Träger, die der Reisende in Malange engagieren kann, gehören den Stämmen der Massongo, Schinga, Malange, Dondo oder Bondo an. Da die Kenntnis der Charakteranlagen und der Leistungsfähigkeit der Träger für eine richtige Behandlung derselben von Bedeutung ist, so dürften einige Angaben darüber von Interesse sein.

Die Massongo wohnen meist außerhalb der portugiesischen Machtsphäre südöstlich von Malange in der Gegend von Sansa am Kuije, Kamalenda und Kunga-Kajoka. Sie zeichnen sich vor den anderen Trägern durch stattlichen Wuchs und athletische Muskulatur aus. Es gehört nicht zu den Seltenheiten, dass ein Songo 150 Pfd. Last trägt. Der riesige Kamakosa lief mit seiner zentnerschweren Last mit Leichtigkeit an der ganzen Karawane vorbei.

Im Allgemeinen ist der Songo zuverlässiger als seine Kollegen und bei richtiger Behandlung auch für eine Reise nach dem Inneren brauchbar. Das Gerechtigkeitsgefühl ist bei ihm besonders stark entwickelt; er empfindet hierin sehr fein, und jede kleine Ungerechtigkeit kann eine Katastrophe herbeiführen. Alle treten dann für den einen ein und sind schnell bereit, den Dienst zu verlassen. Eine große Neigung für den Marsch nach dem Inneren hat übrigens der Songoträger nicht; er lässt sich lieber für die Tour Malange–Dondo engagieren.

Der Schingaträger ist östlich von Malange zu Hause. Er ist kleiner als der Songo, doch ebenfalls kräftig gebaut. Im Charakter ähnelt er dem Songo sehr, doch ist er kriegerischer als dieser und hat einen leichten Hang zum Diebstahl. In das Innere geht der Schinga gern. Sehr lästig ist seine Leidenschaft für das sogenannte Greven, d. h. Streiken. Wollen nämlich die Schinga von ihrem Führer etwas erpressen, mehr Lohn oder eine besondere Vergütung haben, dann stellen alle den Dienst ein und kündigen ihre Rückkehr nach der Heimat an. Die Nacht über werden Reden gehalten, Feuer brennen, Gewehrschüsse ertönen, ein fürchterliches Geschrei tobt durch das Lager, kurzum man könnte glauben, dass die Hölle alle Teufel losgelassen hätte. Das ganze Manöver zielt dahin ab, den Weißen einzuschüchtern und zu ärgern. Sieht die Gesellschaft ihre Komödie an dem eisernen Willen des Weißen abblitzen, dann hört der Streik im günstigen Fall auf, und am anderen Morgen tut jeder, als wenn nichts vorgefallen wäre.

Der Malangeträger ist, abgesehen von seiner Vorliebe für fremdes Eigentum, der bequemste Reisebegleiter. Er ist körperlich kräftig, marschiert gut und mit Vorliebe nach dem Inneren und macht auch in der Behandlung viel weniger Schwierigkeiten.

Die kleinen und skelettmageren Gestalten der Dondoträger stechen gegen ihre östlichen Nachbarn sehr ungünstig ab. Man kann ihre vernachlässigte Körperentwicklung dem Umstand zuschreiben, dass der Dondo schon als Kind von acht Jahren zum Tragen von Lasten angehalten wird, die schwerer sind als sein eigenes Gewicht. Die Nachteile dieser frühzeitigen Körperüberanstrengung zeigen sich übrigens vielfach durch eine verbogene Wirbelsäule, ungleich hohe Schultern und krumme Knie beim Gang. Neben den körperlichen Schwächen steht der Dondo in dem Ruf, sehr unzuverlässig zu sein.

Endlich sind noch die nördlich und nordöstlich von Malange ansässigen Bondo zu erwähnen. Der Bondo ist annähernd so beschaffen wie der Malange, nur ist er weniger kräftig und entsetzlich feige.

Die Expedition erhielt trotz aller Bemühungen statt der gewünschten 400 nur 320 Träger. Am 26. Juni trafen die ersten Leute reisebereit ein. Es waren 40 Massongo. Singend hielten die kräftigen Kerle ihren Einzug und singend nahmen sie vor unserem Haus Aufstellung. Dann rückten sie nach dem Platz hinter unserem Haus, wo das allgemeine Lager aufgeschlagen werden sollte. Bald standen die ersten Hütten, Feuer brannten und die Leute waren eingerichtet. In den folgenden

Tagen ging das so fort und fort, die Hütten mehrten sich, und bald wogte um uns herum ein lustiges Lagertreiben. Mit einem der Züge kam auch der alte Biserra, ein Schwarzer, dem Pogge viele geschichtliche Notizen verdankt. Er selbst wollte nicht mitgeben, aber er bat uns, seinen Enkelsohn anzunehmen. Im Lundareich, erzählte er, herrschten große Unruhen, der große Muata-Jamwo sei von einem Verwandten gestürzt und nebst 300 seiner Anhänger getötet worden. Die Leichname habe man zerhackt und den Hunden zum Fressen gegeben. Ein später hier eintreffender Soba von Muata-Jamwo bestätigte die Nachricht und teilte mit, dass in den letzten Monaten drei weitere Muata-Jamwo, die ein blutiges Regiment geführt hatten, aus der Welt geschafft seien und der jetzige den Namen des ersten Herrschers des Lundareiches angenommen habe.

Bei den portugiesischen Händlern in Malange lassen sich alle für das Innere erforderlichen Tauschartikel wie Tuche, Perlen, Muscheln, Messingdraht usw. beschaffen. Wissmann hatte sich zu dem Zweck mit Kaufmann Custódio de Souza Machado in Verbindung gesetzt, der dann auch zugleich den Trägern ihren Lohn bis Mukenge (40 Mark in Waren) auszuzahlen hatte. Entliefen die Leute bis zum Gestellungstermin, dann musste Custódio den Verlust tragen.

Malangeträger

Bangala

Bondoträger

Es traten solche Fälle mehrfach ein, der Kaufmann ist dann jedoch berechtigt, sich an die Verwandten zu halten.

Unseren Bedarf an Reitstieren konnten wir in Malange mit Leichtigkeit decken. Die dort in der Umgebung gezüchteten Tiere unterscheiden sich erheblich sowohl im Wesen als auch in der Gestalt von ihren europäischen Vettern. Sie sind im Allgemeinen ruhiger und zugänglicher als diese und eignen sich deshalb zum Reiten und auch zum Lastentragen. Bereits in früher Jugend werden die Tiere erst von Knaben und dann von Erwachsenen regelrecht zugeritten, sodass sie später für den Reisenden ein vorzügliches Transportmittel sind.

Die Figur der in Angola vorzugsweise gezüchteten Rinder ist gedrungen, die Beine sind kurz und kräftig, ein starker Höcker liegt zwischen Widerrist und Nacken, das kurze gerade Kreuz befähigt sie, schwere Lasten zu tragen. Der Brustkorb ist schmaler und weniger tief als bei den europäischen Rindern und ermöglicht eine gute Sattellage. Seltener züchtet man eine hochbeinige schlanke Rasse, deren Stammeltern in Benguela zu suchen sind. Trotz

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