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Zen-Yoga: Unterweisungen zu einem Weg der Befreiung

Zen-Yoga: Unterweisungen zu einem Weg der Befreiung

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Zen-Yoga: Unterweisungen zu einem Weg der Befreiung

Bewertungen:
2/5 (2 Bewertungen)
Länge:
245 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 17, 2013
ISBN:
9783899017458
Format:
Buch

Beschreibung

Tief in uns selbst liegt jener Schlüssel verborgen, der geeignet ist, unsere Existenzprobleme zu lösen. Eine zentrale Rolle spielt dabei unser Atem. Für den erfahrenen Yogalehrer Hans-Peter Hempel geht es im Zen wie im Yoga darum, sich in Auseinandersetzung mit der Welt selbst zu erkennen und zu entfalten. In seinen lebenspraktischen und völlig undogmatischen Unterweisungen führt er uns zurück zu einer selbstbestimmten Lebensweise, die Kopf und Körper wieder in Einklang zu bringen vermag. Denn jeder trägt schon alles in sich, um das eigene Leben gestalten zu können. Dafür ist es nötig, durchzuatmen und Abschied von den alten Konditionierungen zu nehmen. Was daraus folgt, ist das wertvollste Geschenk überhaupt: Wirklich leben, statt nur gut zu funktionieren!
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 17, 2013
ISBN:
9783899017458
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Zen-Yoga - Hans-Peter Hempel

2002.

»Real und lebensnah«

Interview zur Einführung in Zen-Yoga

Für die Zeitschrift Yoga aktuell sprach der Journalist Mathias Tietke mit Hans-Peter Hempel über Yoga mit Impulsen aus dem Zen, die Dekonstruktion der indischen Mythologien und die Chance, selbstverantwortlich durch Krisen auf der Yoga-Matte zu gehen.

Mathias Tietke: Du bist einerseits Dozent für Politikwissenschaft und zudem philosophisch ausgerichtet, aber du bist auch Yogalehrer und praktizierst Zen. Das klingt nach einem Kontrastprogramm. Empfindest du das ebenso?

Hans Peter Hempel: Heute nicht mehr. Natürlich nehme ich den Satz des Buddha sehr ernst: »Ich lebe in der Welt, aber nicht von ihr.« Das ist sehr wichtig. In dem Maße, in dem ich den stillen Beobachter in mir durch alle Krisen hindurch erkannt und entwickelt habe, habe ich einen gänzlich anderen Blickpunkt gewonnen. Dieser Blickpunkt ist in vielerlei Hinsicht ehrlicher und klarer. Ich habe dadurch Klarsicht gewonnen, und ich denke, dass meine politischen Urteile und Analysen gar nicht ohne ihn zu verstehen sind. Es ist die Welt des Gestells, um es mit Heidegger auszudrücken, in dem wir alltäglich leben. Adorno nannte es den Betrieb, Max Weber das kalte Gehäuse und Jean-Paul Sartre das berühmte Laufrad, das Räderwerk. Und dieses nehme ich wahr, so, wie es ist. Ich habe beherzigt, was der Buddha gesagt hat: »Wir haben eine große Leidenschaft zur Selbsttäuschung.« Und diese Leidenschaft ist, glaube ich, bei mir nicht mehr da.

M.T.: Du meinst offenbar jene Art von Selbsttäuschung, die Patañjali im Yogasutra als Avidya bezeichnet: zu glauben, man wüsste gut Bescheid, obwohl es auf falschen Prämissen oder Irrtümern beruht ...

H.P.H.: Ja. Meine Sätze sind stets Vermutungssätze, aber da, wo ich fest davon überzeugt bin, etwas richtig zu sehen, mache ich Realitas daraus. In diesem Zusammenhang macht man mir häufig den Vorwurf, ich sei pessimistisch. Aber da halte ich es mit einem anderen Philosophen, der gesagt hat: »Ich bin weder Pessimist noch Optimist. Ich bin unglaublich nüchtern.« Man hört von Kollegen, auch von Yogakollegen, heute sehr schnell den Vorwurf, dass man Kulturpessimist sei – und die meisten Leute wissen eigentlich nicht, was das ist. Aber gerade weil ich glaube, dass dieser Planet etwas so Wunderbares ist, etwas Einmaliges, muss man doch seinen Zeigefinger genau dahin legen, wo dieser Planet in die Gefahr gerät zu verschwinden; wo das Risiko besteht, dass es zu einem »Endspiel« kommt, um es mit Beckett zu sagen.

M.T.: Wer ist dieser von dir erwähnte unglaublich nüchterne Philosoph?

H.P.H.: Das ist der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker.

M.T.: Hat sich dein Yogaverständnis durch die Politikwissenschaft verändert?

H.P.H.: Ich habe Yoga bei Asha und Keshav Rekai studiert, die in der Nachfolge von Gitananda stehen, den ich auch besucht habe. Ich halte diesen Traditionsstrang für sehr wichtig, habe aber eines nicht mitmachen können: die indischen Mythologien. Ich finde sie an sich hochinteressant, aber sie berühren mich nicht. Sie haben mich nie aufgewühlt, nie angespannt, weil ja der, der durch die Schule Heideggers gegangen ist, eigentlich immer eine Dekonstruktion dieses Überbaus betreibt. Auf diese Weise bin ich zum Zen gekommen. Zen dekonstruiert permanent.

M.T.: War das zur gleichen Zeit, als du bei Asha und Keshav die Yogalehrerausbildung gemacht hast?

H.P.H.: Das passierte schon weit vorher. Es gab während meines Studiums eine ganz bedeutsame Phase, und das war, als ich Heidegger kennengelernt und mich da eingearbeitet habe. Heidegger dekonstruiert die abendländische europäische Philosophie. Ich habe einmal ein Manuskript verfasst mit dem Titel »Die Dekonstruktion der Bhagavadgita«. Was ist da eigentlich Überbau und hat mit der Realität kaum etwas zu tun? Es werden Geschichten und Märchen erzählt, aber sie haben mit dem Programm des Yoga, »Erkenne dich selbst« oder »Suche nicht irgendwo, sondern suche dich!« kaum noch etwas zu tun. Ganz im Gegenteil: es werden eher noch Barrikaden aufgebaut.

Deshalb bin ich diesen Teil des Weges zum Ärger meiner Yogalehrer nicht mitgegangen. Ich finde die Geschichten von Krishna und Arjuna oder von Shiva und Durga, die auch in der Ausbildung eine Rolle spielten, an sich schön, aber es hat nichts wirklich mit meinem Weg zu tun. Ebenso wenig die Puja-Zeremonien und ihre Rituale. Da war ich immer in einem Zwiespalt, insbesondere emotional. Es ist einfach nicht mein Weg.

Mein Weg ist eher der des Zen, und Heideggers Philosophie gleicht dem Zen in vielerlei Hinsicht sehr stark. Es gibt von ihm bedeutende Aussagen zur Seinsfrage, und die habe ich sehr ernst genommen. Erst dann habe ich Yoga kennengelernt. So konnte ich nicht mehr in diesem vorgegebenen Sinne programmiert werden, weil Heideggers Programm ein Dekonstruktionsprogramm ist.

M.T.: Wodurch kamst du mit Zen in Berührung? Eher durch Literatur oder auch persönliche Begegnungen?

H.P.H.: Eine ganz wichtige Rolle bei mir spielt die Begegnung. Aber dem ging erst einmal die Literatur von Bhagwan, heute Osho, voraus. Osho ist für mich genauso wichtig wie Heidegger oder Ernst Bloch. Und zwar durch eine ganz einfache Tatsache. Das, was man philosophisch oder wissenschaftlich so schwierig ausdrücken kann und was man kaum oder gar nicht begreift, ist bei Osho vollkommen klar. Eine klare Fragestellung, eine klare Antwort. Dazu kommt noch ein unglaublicher, fast jüdischer Witz, und ich muss sagen: Osho war für mich neben den zuvor Genannten so etwas wie ein wirkliches Ereignis. Ich habe hintereinander alles von ihm gelesen und dabei eine sehr interessante Erfahrung für mich gemacht. Das, was mich bei Osho besonders angesprochen hat, war bei mir als unterschwelliges Wissen immer schon da, sodass Osho mir dafür eine Bestätigung gegeben hat.

Ich habe bei diesen abstrakten Philosophien immer schon das Gefühl gehabt, dass sie eher vom Problem weg- statt zu ihm hinführen. Bei Osho bin ich vom Abstrakten zum Konkreten gekommen. Das entspricht genau dem, was in mir vorhanden ist und sagt, du musst nah an der Wirklichkeit sein. Wenn ich dann wieder Hegel oder wen auch immer gelesen habe, habe ich mich stets gefragt: Was soll ich eigentlich mit all diesem Kram? Aber der philosophische Impuls, die Frage nach Sein und Zeit zu stellen, war ständig da. Dieser Impuls war durch meine Beschäftigung mit Heidegger gewissermaßen vorprogrammiert, und bei Osho las ich dann: »Es kommt erst einmal darauf an, wer du bist.« Deutlich später erst habe ich Ramana Maharshi kennengelernt, der, wenn man seine Gesprächsprotokolle liest, immer wieder die Fragen stellt: »Wer bist du? Wer denkt hier? Wer fühlt hier?« Das war für mich ein konkreter Zen-Weg. Osho zusammen mit Ramana Maharshi, das war ganz wichtig für meine Entwicklung.

Ich bin auch einmal in Poona im Ashram von Osho gewesen und wurde ganz liebevoll begrüßt. Ich durfte in der vierten Reihe einen Vortrag von Osho hören, der etwa vier Stunden dauerte, ein Vergleich von Buddha und Jesus.

M.T.: Wie hast du Asha und Keshav und Yoga nach Gitananda kennengelernt?

H.P.H.: Das hing mit meiner damaligen Freundin zusammen. Die nahm mich eines Tages mit. Ich habe, bevor ich mit Yoga begann, Rolfing gelernt und auch mit Erfolg ausgeübt. Aber ich hatte immer das Gefühl, irgendetwas fehlt hier. Klienten standen nach den berühmten zwölf Rolfing-Sitzungen auf, und das war es, denn eine Krise gab es nie. Nur in mir selbst entwickelte sich zunehmend eine Krise. Und ich dachte mir, nach einem halben Jahr sehen diese Klienten wieder genauso aus wie vorher.

Dann nahm jene Freundin mich zu einem Yogakurs mit, und das war zufällig ein Kurs von Asha und Keshav. Als ich dann auf der Matte lag, wurde mir sofort klar, worum es hier geht. Yoga hat gegenüber den anderen Formen der »Körperarbeit«, wie Massage und so weiter, einen Vorteil: Du selbst musst die Verantwortung für dich übernehmen! Und das haben diese beiden Yogalehrer auch sehr ernsthaft gelehrt. Es kommt auf dich an. Wenn du nicht weiter vorankommst, dann liegt das nicht an uns beiden, sondern du hast es in der Hand. Da sie selbst sehr verantwortlich waren, blieb einem gar nichts anderes übrig, als dieser Anweisung zu folgen. Sie warfen einen immer wieder auf sich selbst zurück. Das kannst du in der Massage sehr schwer. Die Leute legen sich hin und denken: »So, nun mach mal!« Sie sind auf Empfang eingestellt. Sie atmen mit bei der Behandlung, und sie wissen, das ist etwas, das sie tun müssen, aber dies trifft nicht ihren Wesenskern. Und was für Asha und Keshav auch typisch war: Man musste wirklich durch diese auf der Matte erfahrenen Krisen gehen!

Wir sehen in der Yogaszene ständig Leute fliehen, die mit Yoga anfangen und dann sagen: »Ach nee, das ist doch nicht das Richtige. Ist mir zu anstrengend.« Wären sie nur geblieben und hätten die Krisen durchgestanden, dann hätten sie auch die entscheidende Tür aufgestoßen.

M.T.: Wie lange bist du bei Asha und Keshav geblieben?

H.P.H.: Ich habe mit dem Kurs angefangen und dann auch schon bald die Ausbildung bei ihnen gemacht. Das war insofern witzig, als sie erst mit meinem Jahrgang die Ausbildung begannen. Ich gehörte zur ersten Generation, die ausgebildet wurde, habe aber kein Examen gemacht und halte von solchen Examina nichts. Kann man einen, der den Stufenweg nach Patañjali gegangen ist, anschließend prüfen und mit einem Examen abschließen lassen? Na ja, ich bin trotzdem ein ganz erfolgreicher Yogalehrer geworden.

M.T.: Die Ausbildung dauerte damals zwei Jahre?

H.P.H.: Ja, zwei Jahre. Und die anderen Teilnehmer haben mit einem Diplom abgeschlossen. Für mich war es eine Überzeugungssache, dass ich meinen Lehrern sagte: »Nein, das mache ich nicht.« Und ich mache mir kein Plakat mit einem Zertifikat darauf.

M.T.: Wenn du dein anfängliches Interesse am Yoga mit deinem gegenwärtigen Interesse vergleichst, gibt es da einen Wandel?

H.P.H.: Es gibt keinen Wandel, ganz im Gegenteil: Ich bin vom Yoga so überzeugt, wie ich es zu Beginn war. Natürlich habe ich in diesen zwanzig Jahren auch Krisen durchgemacht. Ich habe mich gefragt: Wozu eigentlich mache ich das, hat es überhaupt einen Zweck? Inzwischen bin ich ein bisschen gelassener geworden. Wenn ich unterrichte, sage ich mir: Es ist ein Angebot, und ich bin denen, die zum Unterricht kommen, bei ihrer Suche nach sich selbst behilflich. Ich mache sie immer wieder darauf aufmerksam, worum es geht. Dankbar bin ich, wenn Schüler von mir selbst beginnen zu unterrichten. An der TU sind jetzt drei Lehrende, die von hier kommen. Die machen jetzt ihr eigenes Buddha-Feld [Sphäre mit heilsamen Einflüssen, Anm. M.T.] auf. Das war ja einer der Ausgangspunkte, die ich von Osho gelernt habe: Macht Buddha-Felder auf. Und als ich in Indien war, haben sie mich drei Wochen lang vertreten.

M.T.: Wo sind für dich die Gemeinsamkeiten von Zen und Yoga, wo sind die Unterschiede, und was kennzeichnet die Synthese?

H.P.H.: Ich empfinde es nicht als Synthese. Für mich sind der Yoga- und der Zen-Weg untrennbar verbunden. Yoga ist ohne Zen und Zen ohne Yoga nicht denkbar. Und das vermittle ich im Unterricht, wenn du so willst, auf indirekte Weise, nicht zuletzt durch das Vorbild, das ich gebe.

Im Mittelpunkt meines Unterrichts steht nicht die Bhagavadgita. Zen ist ja so etwas wie eine Synthese aus Mahayana-Buddhismus und Daoismus mit einer verstärkten Betonung des sozialen Engagements. Das hat mich seit eh und je geprägt, was sicher auch mit meiner Krankenpflegerausbildung zu tun hat. Mir ist es wichtig, zu helfen, nicht ideologisierend im Sinne eines Versprechens, dass der liebe Herrgott auf einen wartet und einen im Himmel begrüßt. Es geht mir nicht um Götteranbetung. Mir ist vielmehr wichtig: Was kann Yoga in Gang setzen? Yoga kann uns zu Authentizität verhelfen. Das Wort »Mathias« ist völlig unwichtig. Das, was Mathias als Mathias ausmacht, das ist seine Authentizität, die sich langsam, wie eine Lotosblüte, entwickelt. Der Mathias, der da zu einem authentischen Menschen wird, das ist der Inbegriff von Yoga. Aber nicht abstrakt, sondern real und lebensnah. Die Griechen haben den Leuten ja auch auf die Schultern geklopft und gesagt: »Komm zu dir selbst.« Und Yoga zeigt ganz konkret, wie man es macht. Man kommt zu sich selbst durch Yoga mit den Impulsen des Zen.

M.T.: Braucht es für die Meditation so etwas wie Zazen, oder gibt es im Yoga genügend Möglichkeiten?

H.P.H.: Ich glaube, im Yoga etwas für mich entdeckt zu haben, was ich in den Yogabüchern nicht finde. Mir ist aufgefallen, dass es in den Quellenschriften nur ganz wenige Asanas gibt. Wir reden heute von 84 oder 120, aber von den Quellenschriften her stimmt das nicht. Bei Svatmarama [Verfasser der Hatha-Yoga-Pradipika, Anm. M.T.] ist mir das am stärksten aufgefallen. Der beschreibt die einzelnen Asanas geradezu minutiös.

Wir sollten ihm folgen und Schüler dahin bringen, dass sie, wenn sie in einem Asana angekommen sind, dieses Asana in ein Maha-Mudra »verwandeln«. Ein Maha-Mudra einzunehmen ist Meditation. Wenn ich darum bitte, in Mandukasana, die Froschhaltung, zu gehen, dann gehen die Yoga-Praktizierenden ganz normal in den Frosch. Jetzt kommt aber: »Lass den Atem los. Lass die Gedanken los. Komm in diesem Asana wirklich an, und schau, aus welcher Perspektive du dich jetzt siehst.« Und wenn er das tut, dann geschieht Meditation. Das dauert natürlich zwei bis drei Jahre. Über die Versenkung gelangst du in die Meditation – sodass ein gesondertes Sitzen in Meditation, getrennt von den anderen Asanas, Unsinn ist. Obwohl ich es auch noch so mache.

M.T.: Arbeitest du auch gezielt mit den Kumbhakas? Gibst du etwas vor oder steuerst das?

H.P.H.: Jetzt kommt etwas sehr Interessantes, was in vielen Yogabüchern nicht steht: dass der Atem immer mehr zum Hauch wird. Und was wird aus dem Hauch? Er verschwindet. »Hauch« heißt im Griechischen psyche. Der Atem ist im Grunde genommen unsere Psyche. Er nimmt sich mehr und mehr zurück. Er wird immer ruhiger, und du hast die oft beschriebene stille Wasseroberfläche und kein bisschen Bewegung mehr. Das ist mir erst während meines Unterrichtens bewusst geworden: Es ist nichts mehr da. Aber dies den Schülern zu vermitteln ist eine große Schwierigkeit. Das ist erst einmal mit Ängsten besetzt. »Der Atem muss doch andauern!« und ähnliche Reaktionen. Aber: Es atmet doch. ES atmet. Aus dem »ich atme« wird ein »es atmet«.

Genauso, wie ich es gelernt habe. Aus dem »ich denke, also bin ich« wird das »es denkt« der Heidegger-Schule. So kann man den Schülern vermitteln: Lasst es doch mal denken in euch! Lasst doch auch hier mal los! Und dann wandelt sich der Yoga plötzlich. Er wandelt sich zu einem Ereignis. Er wandelt sich zu einem »es geschieht«. Das heißt, nicht »ich mache« Yoga, sondern Yoga geschieht. Und wenn dies passiert, ist das aus meiner Sicht Zen.

M.T.: Wenn du dich zur Meditation oder zu Samadhi äußerst, gibt es da auch Vorgaben oder Imaginationen?

H.P.H.: Ich mache keine Voraussagen, das wäre unverantwortlich. Aber ich sage: Achtet auf euren Atem. Meine Schüler sind im Durchschnitt fünf bis sechs Jahre hier. Ich mache sie von Anfang an auf bestimmte Dinge aufmerksam. Und der Atem ist das A und O. Der Atem ist der eigentliche Türöffner. Er ist der immer strömende Ganges.

M.T.: Deutest du denn an, was hinter der Tür ist?

H.P.H.: Nein. Denn ich weiß es nicht.

M.T.: Es gibt ja durchaus Yogalehrerinnen und Yogalehrer, die klar vorgeben, zu welchen Erkenntnissen die Teilnehmer gelangen werden, wenn sie auf die rechte Art und Weise meditieren oder Samadhi erreichen ...

H.P.H.: Darüber wird bei mir nicht geredet. Es wäre eine Vorgabe, die man nicht machen kann. Und es gibt natürlich auch viele Schüler, für die sich die Tür auf eine andere Weise öffnet, als ich es erfahren habe, oder vielleicht auch nie. Das ist in Ordnung. Sie erkennen etwas anderes. Als Yogalehrer hat man schon eine gewaltige Verantwortung, und man sollte die Schüler nicht in irgendeine Richtung manipulieren wollen. Aber ich sage: »Passt genau auf, was in euch und mit euch geschieht.« In jeder Pause frage ich: »Was habt ihr gerade getan?« Es soll ja nicht so ablaufen, wie es im Neuen Testament formuliert ist: »Sie wissen nicht, was sie tun.« Wir Yogis wollen ganz genau wissen, was wir tun. Das gehört zum Hier und Jetzt und sollte auch im Alltag angewandt werden.

M.T.: Du gibst also eher einen Impuls zur achtsamen Wahrnehmung ...

H.P.H.: Richtig. Und ich sage ihnen: »Nehmt insbesondere euren Atem wahr, es ist der heilige Strom in euch.« Welche Tür sich öffnet und was sich dahinter verbirgt? Ich bin doch nicht Gott! Bei der Atemtherapeutin Ilse Middendorf ist mir das zum ersten Mal aufgefallen. Middendorf sprach immer vom Hauch. Da habe ich mich immer gefragt, warum spricht sie nicht vom Atem, sondern vom Hauch? Aber sie hatte recht. Wenn man den Atem autonom fließen lässt, dann ist es ein Hauch. Das war für mich wie eine Erleuchtung. Ich habe ja auch noch Schüler, die einzeln zu mir kommen. Da ist mir besonders aufgefallen: Manche kannten keine Atempausen. Dabei sind ja gerade die Pausen der Knüller! Ohne die Pausen kann ich mir das alles sparen.

M.T.: Geht es dir in Bezug auf Pranayama eher um Wahrnehmung und Bewusstsein, oder setzt du auch spezifische Techniken ein?

H.P.H.: Ich würde sagen, für Anfänger würde ich immer wieder Pranayama lehren, wie ich es bei Asha und Keshav gelernt habe und wie es in jedem Yogabuch steht. Wenn ich in den fortgeschrittenen Yoga hineingehe, dann müssen sie das Gelernte wieder verlernen. Noch mehr hören auf ihren Atem und auf ihren Körper. Der Körper kennt so etwas wie eine eigene Zeichensprache, und die Schüler müssen lernen, diese Zeichen allmählich für sich zu entziffern. Die Spanne der Wahrnehmung reicht vom großen Schmerz bis zur ekstatischen Freude. Der Körper vermittelt uns das auf seltsame und oft sehr aufregende Weise. Das müssen die Schüler lernen. Da haben es vielleicht Frauen in mancher Hinsicht leichter als Männer, da Frauen viel eher vorbereitet sind, auf ihren Körper

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