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Theater in Afrika - zwischen Kunst und Entwicklungszusammenarbeit / Theatre in Africa - between Art and Development Cooperation: Geschichten einer deutsch-malawischen Kooperation / Stories of a German-Malawian Collaboration

Theater in Afrika - zwischen Kunst und Entwicklungszusammenarbeit / Theatre in Africa - between Art and Development Cooperation: Geschichten einer deutsch-malawischen Kooperation / Stories of a German-Malawian Collaboration

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Theater in Afrika - zwischen Kunst und Entwicklungszusammenarbeit / Theatre in Africa - between Art and Development Cooperation: Geschichten einer deutsch-malawischen Kooperation / Stories of a German-Malawian Collaboration

Länge:
328 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Dec 17, 2013
ISBN:
9783943881714
Format:
Buch

Beschreibung

Im Zentrum dieses Buches steht ein Abenteuer: Die Theater Konstanz und Nanzikambe Arts in Malawi gehen eine Partnerschaft ein. Drei Jahre und über fünfzig Flüge später steht ein Ensemble aus malawischen und deutschen Schauspielern auf der Bühne und präsentiert die Uraufführung einer gemeinsamen Stückentwicklung. Schauspieler, Regisseure und Projektleiter berichten aus ihrer Perspektive über diese Kooperation. Darüber hinaus wird das Projekt im Rahmen eines größeren Diskurses analysiert: als Auseinandersetzung über den Stellenwert von Kunst im Nord-Süd-Dialog und in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.



Central to this book is an adventure: The theatres Nanzikambe Arts, Malawi and Theater Konstanz, Germany are entering into a partnership. Three years and over fifty flights later, a cast consisting of Malawian and German actors is treading the boards and presenting the world premiere of a jointly devised play. Actors, directors, and project managers report from their perspective. Furthermore the project is analyzed in the context of a broader discourse: As an examination about the status of art within the North-South dialogue and within the international development cooperation.
Freigegeben:
Dec 17, 2013
ISBN:
9783943881714
Format:
Buch

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Buchvorschau

Theater in Afrika - zwischen Kunst und Entwicklungszusammenarbeit / Theatre in Africa - between Art and Development Cooperation - Verlag Theater der Zeit

Theater in Afrika

zwischen Kunst und Entwicklungszusammenarbeit

Geschichten einer deutsch-malawischen Kooperation

Theatre in Africa

between Art and Development Cooperation

Stories of a German-Malawian Collaboration

Herausgegeben von / Edited by

Nadja Keller, Christoph Nix, Thomas Spieckermann

Theater derZeit

Recherchen 106

Abbildungsnachweis

Philippe Deriaz (Landkarten/maps S. 188–189)

Björn Jansen (Photo S. 113 unten/below)

Philipp Hamedl (Photo S. 113 oben/above)

Ilja Mess (Photo S. 102–104, S. 108–110)

Thomas Spieckermann (Photo S. 99–101, S. 105–107, S. 111–112, S. 114)

Gefördert im Fonds Wanderlust der

Theater in Afrika – zwischen Kunst und Entwicklungszusammenarbeit

Geschichten einer deutsch-malawischen Kooperation

Theatre in Africa – between Art and Development Cooperation

Stories of a German-Malawian Collaboration

Herausgegeben von / Edited by Nadja Keller, Christoph Nix, Thomas Spieckermann

Recherchen 106

© 2013 by Theater der Zeit

Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich im Urheberrechts-Gesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlages. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmung und die Einspeisung und Verarbeitung in elektronischen Medien. / All rights reserved. No part of this publication may be reproduced, stored in a retrieval system, or transmitted, in any form or by any means, electronic, mechanical, photocopied, recorded or otherwise, without the prior permission of the publisher.

Verlag Theater der Zeit

Verlagsleiter / Publisher Harald Müller

Im Podewil | Klosterstraße 68 | 10179 Berlin | Germany

www.theaterderzeit.de

Lektorat / Editorial office: Katharina Wild

Übersetzungen von / Translations by Monika Reif-Hülser und Nicole Söller

Grafik / Design: Bild1Druck, Berlin

Covergestaltung / Cover Design: Sibyll Wahrig, Photo: Ilja Mess

Printed in Germany

ISBN 978-3-943881-52-3 (gedruckte Ausgabe)

ISBN 978-3-943881-71-4 (ebook)

Welcoming words by the President of the Republic of Malawi

It is with great pleasure that I convey a greeting for this publication. This book is more than a documentary about an international theatre project. It is a testimony about the cooperation of artists across continents and cultural borders.

The number of international projects is high, also in the field of the arts there is various funding and involvement. This often leads to an invitation of African theatres to European and American centres. The tours resulting from these funds are a very valuable and rewarding experience for African artists. All the more here in Malawi, the warm heart of Africa, where we are going through economically difficult times on the way to a new prosperous political future and are not able yet to substantially fund the arts. Therefore we are very thankful for the involvement of foreign states and organizations on this field.

The three-year cooperation between Nanzikambe Arts from Malawi and the German Theater Konstanz described here is so particular, so exceptional, because it is fundamentally based on the equal collaboration of artists from both countries. Directors, authors, actors, technicians, ad­ministrators of both theatres were part of developing the joint production, which came into existence in such equality that its components, its ingre­dients could not be segregated anymore.

Despite their backgrounds, not limited by any restraint, free in content and thought, people of two cultures formed one team working jointly on one artistic project. This aspect of the project is extraordinary and could be an example for many more international projects in the arts or on other fields. I am glad that these two theatres collaborated so well, that their performances were so successful. I would like to thank the artists, the initiators, and the supporters of Crossing Borders — from Lake to Lake. May this cooperation bear many more fruits in future.

Joyce Banda

President of the Republic of Malawi

Grußwort der Präsidentin der Republik Malawi

Es ist mir eine große Freude, Worte des Grußes für diese Publikation übermitteln zu können. Denn dieses Buch ist mehr als eine Dokumentation über ein internationales Theaterprojekt, es ist ein Zeugnis für eine Zusammen­arbeit von Künstlern über Kontinente und über kulturelle Grenzen hinweg.

Die Zahl internationaler Projekte ist groß, auch im Bereich der Kunst gibt es vielfältige Förderung und manches Engagement. Diese führen oft zu einer Einladung afrikanischer Theater in europäische und amerikanische Zentren. Und die aus diesen Geldern resultierenden Tourneen sind eine überaus wertvolle und bereichernde Erfahrung für afrikanische Künstler. Umso mehr bei uns, dem warmen Herzen Afrikas, da Malawi, das auf dem Weg in eine neue prosperierende politische Zukunft schwierige wirtschaftliche Zeiten durchlebt, zu einer substantiellen Förderung der Kunst noch nicht in der Lage ist. Wir sind daher sehr dankbar für das Engagement ausländischer Staaten und Organisationen auf diesem Gebiet.

Doch das Besondere, das Außergewöhnliche bei der hier beschriebenen, dreijährigen Kooperation zwischen Nanzikambe Arts aus Malawi und dem deutschen Theater Konstanz ist, dass sie fundamental auf einer gleichwertigen Zusammenarbeit von Künstlern beider Länder beruhte. Regisseure, Autoren, Schauspieler, Techniker, Administratoren beider Theater wirkten mit bei der Entstehung einer gemeinsamen Inszenierung, die so sehr in Gleichberechtigung entstand, dass ihre Komponenten, ihre Zutaten nicht mehr zu trennen waren.

Aus Menschen zweier Kulturkreise bildete sich ein Team, das gemeinsam an einem künstlerischen Projekt arbeitete, ungeachtet ihrer Herkunft, uneingeschränkt durch Auflagen, frei in Inhalt und Denken. Dieser Aspekt ist außergewöhnlich an diesem Projekt und könnte ein Vorbild sein für viele weitere gemeinsame zwischenstaatliche Projekte in der Kunst wie auch auf anderen Gebieten. Ich freue mich, dass diese zwei Theater so gut zusammengearbeitet haben, ihre Aufführungen so erfolgreich waren, und ich bedanke mich bei den Künstlern, den Initiatoren und den Unterstützern von Crossing Borders – von See zu See. Möge diese Zusammenarbeit auch in der Zukunft weitere Früchte tragen.

Joyce Banda

Präsidentin der Republik Malawi

Grußwort des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland

Viele sagen, das Theater sei so alt wie die Menschheit selber. In allen Kulturen findet man Menschen, die in eine andere Rolle schlüpfen und so eine Geschichte erzählen. Wenige wissen, wie alt die Verbindungen des europäischen Theaters nach Afrika sind: Der griechische Geschichtsschreiber Herodot beschrieb zum Beispiel, wie die Figur des Dionysos, des Stammvaters des attischen Theaters, durch die altägyptischen Festspiele zu Ehren von Osiris inspiriert wurde.

Die mehrjährige Zusammenarbeit der Theater Konstanz und Nanzikambe Arts ist ein schönes aktuelles Beispiel für gegenseitige Inspiration. Das vorliegende Buch bietet die Chance, die vielfältigen Erfahrungen der Ensembles und der dahinter stehenden Teams aus Deutschland und Malawi auf und hinter der Bühne nachzuempfinden. Und es zeigt darüber hinaus, wie wichtig die kulturelle Kooperation in der Entwicklungszusammenarbeit insgesamt sein kann.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern des Buches, dass auf sie ein Funke der Begeisterung über diese Zusammenarbeit überspringt. Eine Inspiration für unsere Nachbarschaft nicht nur mit Malawi, dem „warmen Herzen Afrikas", sondern dem ganzen Kontinent.

Joachim Gauck

Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland

Welcoming words by the President of the Federal Republic of Germany

Many people say that theatre is as old as humanity itself. In all cultures you can find people, who slip into other roles and, by doing this, tell another story. Only few know how old the relationship between European theatre and Africa is: The Greek historian Herodotus described, for instance, how the character Dionysos, the founding father of the Attic theatre, was inspired by the ancient Egyptian festival in honour of Osiris.

The several years of cooperation between Theater Konstanz and Nanzikambe Arts are an excellent example of mutual inspiration. This book offers an insight into the German and Malawian ensemble’s and the supporting staff’s various experiences on stage and also a look behind the scenes. Moreover, it highlights the importance of cultural cooperation for development cooperation in general.

I hope that all readers are caught by a spark of enthusiasm for this cooperation. Not only is this an inspiration for our neighbourhood with Malawi, the warm heart of Africa, but with the entire continent.

Joachim Gauck

President of the Federal Republic of Germany

English translation by Nicole Söller.

Grußwort des Ministers für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten des Landes Baden-Württemberg

Crossing Borders – von See zu See – unter diesem Motto hat das partnerschaftliche Projekt des Theater Konstanz mit dem malawischen Theater Nanzikambe Arts in Blantyre gestanden. Konstanz wird geprägt durch den Bodensee, Blantyre durch seine Nähe zum zweihundert Kilometer entfernten Malawisee, einem der größten Seen weltweit. Im Theaterspiel fragten die Künstler aus Konstanz und aus Blantyre: Gibt es mehr Gemein­samkeiten? Wie können die Unterschiede überwunden werden?

Das finanzielle Gefälle zwischen Afrika und Europa ist riesig. Malawi gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Das Theater Nanzikambe Arts arbeitet als Nichtregierungsorganisation ohne jede staatliche Förderung. Der Etat des Konstanzer Stadttheaters wird hingegen mit Zuschüssen von Stadt, Land und Bund aufgestockt.

In den vergangenen drei Jahren wurden Inszenierungen ausgetauscht und gemeinsam Theater gespielt. Während die Produktionen in Konstanz in einem großen Theatersaal zur Aufführung kamen, gingen sie in Malawi open-air oder in Klubs über die Bühne. Und trotzdem: Über dringende Themen wie die Globalisierung, die Finanzkrise, die Entwicklungspolitik oder Migration konnten sich beide Theater auf Augenhöhe austauschen. Immer wirkte der Perspektivwechsel bereichernd.

Was mich besonders freut: Alle, die sich an diesem außergewöhn­lichen Theaterprojekt beteiligt haben, haben mit viel Engagement auch das in die Tat umgesetzt, was die Landesregierung mit ihrer Initiative Welt:Bürger ­gefragt! als entwicklungspolitischen Dialog in Baden-Württemberg auf den Weg gebracht hat. Wir müssen gemeinsam über globale Zusammenhänge diskutieren und die Menschen in unserem Land aktiv an den Leitlinien der künftigen Entwicklungszusammenarbeit beteiligen.

Hierfür können auch von dem Projekt Crossing Borders – von See zu See wichtige Impulse ausgehen. Kunst und Kultur müssen in die Entwicklungspolitik mit einbezogen werden. Sie sind ein bedeutendes Element der Zivilgesellschaft – als Ort der Begegnung von Menschen, des Austausches von Themen, Emotionen und Geschichten. Im Theater können abstrakte entwicklungspolitische Themen lebendig vermittelt werden.

Für die Folgeprojekte mit afrikanischen Theatern, die vom Land Baden-Württemberg finanziell unterstützt werden, wünsche ich den Organisatorinnen und Organisatoren sowie den Künstlerinnen und Künstlern am Theater Konstanz ein gutes Gelingen sowie eine fruchtbare und inspirierende Zusammenarbeit – auf und neben der Bühne.

Peter Friedrich

Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten

Welcoming words by the Minister for the Bundesrat, Europe and International Affairs of Baden-Württemberg

Crossing Borders — from Lake to Lake — this was the slogan under which the cooperation between Theater Konstanz and the Malawian theatre Nanzikambe Arts in Blantyre took place. Konstanz is given distinction by the lake of Konstanz, Blantyre by its proximity to the Lake Malawi, which is located two hundred kilometres away and which is one of the biggest lakes in the world. In the theatre project, artists from Konstanz and Blantyre asked themselves: Are there more commonalities? How can differences be overcome?

The financial gap between Africa and Europe is humongous. Malawi is one of the poorest countries in the world. The theatre Nanzikambe Arts works as a non-governmental organisation without any financial support from the government. The budget of Theater Konstanz, on the other hand, is subsidized by the municipality, the federal state, and the state.

Over the past three years, productions were exchanged and plays performed together on stage. While in Konstanz, the productions were performed in a big auditorium, in Malawi, they were either open air performances or took place in clubs. Nonetheless: both theatres could exchange views on important issues like globalization, the financial crisis, development politics or migration on a level playing field. This change of perceptions was always enriching.

I am especially pleased about one thing: everyone, who was involved in this extraordinary theatre project, also implemented with a great deal of commitment what the federal state government has been aiming to achieve with its initiative Welt:Bürger gefragt! (World:Citizens are in demand!) as part of the development policy dialogue in Baden-Württemberg. Together, we have to discuss about global interrelations and actively include the people of our country when designing guidelines for future development cooperation.

In this regard, the project Crossing Borders — from Lake to Lake can give new impetus. Art and culture need to be included in development politics. They constitute a meaningful part of civil society — as a place for encountering people, exchanging ideas, emotions and stories. In theatre, abstract topics from development politics can be conveyed to the public in a lively manner.

I wish the organisers of follow-up projects with African theatres, which are financially supported by the federal state of Baden-Württemberg, all the best, as well as a fruitful and inspiring cooperation — on stage and behind the scenes.

Peter Friedrich

Minister for the Bundesrat, Europe and International Affairs

English translation by Nicole Söller.

Nadja Keller, Christoph Nix und Thomas Spieckermann

Auf nach Afrika!

Eine Ertüchtigung in vierzehn Aufsätzen

Malawi liegt in Südostafrika, umgeben von Mosambik, Sambia und Tansania. Das Staatsgebiet ist geprägt durch den Malawi-See und durchzogen vom Ostafrikanischen Grabenbruch, einer geologischen Formation, die in der Urzeit die Entstehung der Gattung Homo ermöglichte. David Livingstone „entdeckte" 1859 den Malawi-See für Europa, Großbritannien fügte das Gebiet 1891 in sein Empire ein. Die Unabhängigkeit erlangte Malawi erst 1964, nachdem die Gebiete Nord- und Südrhodesien sowie Nyassaland geteilt und als Sambia, Malawi und Rhodesien (heute Simbabwe) eigenständig wurden. Hastings Kamuzu Banda wurde der erste Staatspräsident, der diktatorisch bis 1994 regierte. Bakili Muluzi und Bingu wa Mutharika folgten im Amt, heute ist Joyce Banda Staatsoberhaupt. Malawi verfügt über wenige Ressourcen und gilt statistisch als eines der ärmsten Länder der Welt. Es dominiert die Agrarwirtschaft – Tee, Kaffee, Zuckerrohr und Tabak sind die wesentlichen Anbauprodukte. Die Kunst- und Kulturszene beschränkt sich hauptsächlich auf die beiden größten Städte des Landes – die Hauptstadt Lilongwe und Blantyre.

Nach Ende des dreijährigen Kooperationsprojekts zwischen dem deutschen Theater Konstanz und der malawischen Theatergruppe Nanzikambe Arts, nach über fünfzig interkontinentalen Flügen und einer Vielzahl von Gesprächen mit deutschen Ministerien, der Landesregierung und Organisationen für Entwicklungszusammenarbeit, nach schlussendlich einer ganzen Spielzeit am Theater Konstanz, die sich dem Thema Afrika gewidmet hat, stellten wir uns die Frage: Was bleibt? Was bleibt von diesem Projekt, das in dieser Form vermutlich bislang einmalig war? Und was bleibt vom Engagement des Theater Konstanz in Afrika¹, wenn die Spielzeiten sich nun wieder mit anderen Themen auseinandersetzen und die Projekte, die das Haus auch weiterhin unternimmt, keinen überregionalen Fokus und kaum zusätzliche Projektförderung haben?

Dass sich das Theater Konstanz auch über das Ende des Projektes Crossing Borders – von See zu See langfristig in Afrika engagiert, steht außer Frage. Auch jenseits dieser großen Kooperation werden die Theaterpartnerschaften in Malawi mit Nanzikambe Arts und Mwezi Arts und in Togo mit La Compagnie Louxor de Lomé weitergehen. Doch das Projekt kann zugleich auch ein Impuls sein für andere Theater oder kulturelle Institutionen, die sich zukünftig in Afrika oder anderen Teilen der Welt engagieren wollen. Dazu ist eine Dokumentation notwendig, ein Buch, das von unseren Erfahrungen und Strukturen, Hindernissen und Erfolgen berichtet und gleichzeitig das Erlebte in einen größeren Kontext stellt – den der Entwicklungszusammenarbeit.

Dieser Aufgabenstellung folgt diese Publikation, die sich in zwei Teile gliedert. Der erste Teil widmet sich dem Projekt Crossing Borders – von See zu See der Theater Konstanz und Nanzikambe Arts und beginnt mit einer Beschreibung der Kooperation von künstlerischer und organisatorischer Seite, mit der Darstellung des künstlerischen Ansatzes, des Werdegangs der Zusammenarbeit. Es folgen Ausführungen über die Rahmenbedingungen der Projektförderung und der politischen Institutionen. Die beiden Regisseure des Projektes – Thokozani Kapiri und Clemens Bechtel – beschreiben ihre Perspektiven auf die Klippen der Koproduktion, auf Stereotype und auf die gemeinsamen künstlerischen Arbeiten in anderem kulturellen Kontext. Die Schauspieler Otooli Masanza und Yannick Zürcher reflektieren ihr Erleben auf der Bühne und ihre Erfahrungen beim Arbeiten auf einem anderen Kontinent. Und der Kulturjournalist und Theaterkritiker Tobi Müller wirft einen Blick von außen auf das künstlerische Ergebnis der Kooperation.

Der Fokus des zweiten Teils des Buches liegt auf der Einordnung des Projektes in den größeren Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit². Christoph Nix berichtet über seine Initiativen in Afrika, die ihn über Jahr­zehnte begleitet haben, der ehemalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier spricht in einer Rede, die er im Theater Konstanz hielt, über die Be­deutung der Kunst in der auswärtigen Politik. Kristin Mbohwa-Pagels, Zilanie Gondwe-Nyundo, Smith Likongwe und Effie Makepeace stellen Betrachtungen über den Stellenwert und die Reichweite der Kunst in Ma­lawi an. Rolf Kappel, Professor an der Eidgenössischen Technischen Hoch­schule in Zürich, ordnet die Kunst in den Kontext der ökonomischen Si­tuation und der Entwicklungszusammenarbeit ein und Bernd Eisenblätter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Interna­tionale Zusammenarbeit, stellt die Grundsatzfrage, was „Entwicklung" denn überhaupt bedeutet.

Wir danken allen Autoren herzlich dafür, dass sie sich von uns für dieses Buch begeistern ließen und so viel ihrer Zeit eingebracht haben. Für ihre Unterstützung und Mitarbeit danken wir auch den Übersetzern, Verlagsmitarbeitern, Grafikern und Fotografen vielmals. Natürlich gebührt auch den am Projekt Crossing Borders – von See zu See Beteiligten an dieser Stelle großer Dank: Ohne die Finanzierung des Fonds Wanderlust der Kulturstiftung des Bundes und die Vermittlung des Goethe-Instituts hätte es das Projekt in dieser Form nicht gegeben. Und ohne die vielen unermüdlichen und leidenschaftlichen Mitarbeiter beider Theater hätte es das Projekt überhaupt nicht gegeben. Liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Mitstreiter, euch und Ihnen können wir nicht genug danken! Wir hoffen, dieses Buch ist für die Beteiligten beider Theater Erinnerung, Reflexion und Ansporn zugleich.

1 Wenn wir in diesem Buch vom Engagement des Theater Konstanz „in Afrika sprechen, ist das natürlich im Grunde vermessen. Wir versuchen daher, konkret von unseren Kooperationen mit einzelnen Partnern in ihren jeweiligen Ländern zu berichten. Wo an manchen Stellen zur Vereinfachung, oder, weil der Blick über die Grenzen einzelner Länder hinausgeht, von „Afrika gesprochen wird, ist stets Subsahara-Afrika gemeint.

2 Bezüglich der Begriffe „Entwicklungspolitik und „Entwicklungszusammenarbeit schließen wir uns der Definition des Staatsministeriums Baden-Württemberg an: „Entwicklungspolitik meint alle Maßnahmen im In- und Ausland zur Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Situation der Menschen. „Entwicklungszusammenarbeit meint konkrete auslandsbezogene Kooperation mit Partnerinnen und Partnern in Entwicklungsländern oder Projekte in Entwicklungsländern.

Nadja Keller, Christoph Nix and Thomas Spieckermann

Off to Africa!

An exercise in fourteen essays

Malawi is situated in Southeast Africa, surrounded by Mozambique, Zambia and Tanzania. Its territory is characterized by the Lake Malawi and marked by the Eastafrican rift valley, a geological formation, which enabled the development of the species homo in primitive times. David Lingstone discovered Lake Malawi for Europe in 1859, Great Britain included the territory in its empire in 1891. Malawi only gained independence in 1964, after the territories Northern and Southern Rhodesia, as well as Nyasaland were separated, and gained independence as Zambia, Malawi and Rhodesia (today Zimbabwe). Hastings Kamuzu Banda became the first president, who governed Malawi in a dictatorial manner until 1994. Bakili Muluzi and Bingu wa Mutharika followed, today, Joyce Banda is the Head of State. Malawi possesses few resources and is statistically regarded as one of the poorest countries in the world. Agriculture predominates — tea, coffee, sugar cane and tobacco constitute the main products. The arts and culture scene is mostly limited to the country’s two largest cities – the capital Lilongwe and Blantyre.

After the end of the three-year cooperation project between the German Theater Konstanz and the Malawian theatre group Nanzikambe Arts, after more than fifty intercontinental fligths and multiple talks with German ministries, the federal state government and organizations working in the field of development cooperation, after finally a whole season at Theater Konstanz, which was dedicated to the topic Africa, we asked ourselves the question: What remains? What remains of our project, which up to now has probably been unique in its kind? And what remains of the Theater Konstanz’ commitment in Africa¹, when the seasons are now again dealing with other topics, and when the projects which the establishment continues to undertake, do not

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