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James Bond 19: Eine Frage der Ehre
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eBook302 Seiten3 Stunden

James Bond 19: Eine Frage der Ehre

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Über dieses E-Book

Eine große Erbschaft versetzt James Bond in die Lage, endlich seine verhasste Stelle beim Secret Service zu kündigen und sich zusammen mit der zauberhaften Computerspezialistin Persephone "Percy" Proud dem süßen Leben in Monte Carlo hinzugeben. Zudem bietet er seine Dienste auf dem freien Markt an und hat schon bald den ersten Interessenten: seinen alten Erzfeind SPECTRE. Aber ist wirklich alles so, wie es scheint? Im Dienste seiner neuen Auftraggeber muss sich Bond einer Reihe teuflischer Prüfungen unterziehen und einen Plan verhindern, der die ganze Welt ins Chaos zu stürzen droht.
SpracheDeutsch
HerausgeberCross Cult
Erscheinungsdatum8. Juli 2015
ISBN9783864254666
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    Buchvorschau

    James Bond 19 - John Gardner

    Affäre

    RAUBÜBERFALL IN VIOLETT

    Ein Raubüberfall auf Sicherheitstransporter kann zu jeder Tageszeit stattfinden. Allerdings bekommt es die Londoner Polizei in der Regel nicht während der Hauptverkehrszeiten mit Entführern zu tun, die es auf eine schnelle Flucht abgesehen haben. Sie rechnet auch nicht mit Schwierigkeiten, wenn die Fracht sicher unter Verschluss ist. Nur ein paar privilegierte Personen wussten, wann genau die Kruxator-Sammlung im Land eintreffen würde. Dass sie nach Großbritannien kommen würde, war allgemein bekannt, und man musste nur die Zeitung lesen, um zu erfahren, dass die berühmte Sammlung aus Gemälden und Schmuck ab dem 15. März für zwei Wochen im Victoria and Albert Museum ausgestellt werden würde.

    Die Kruxator-Sammlung war nach ihrem Gründer benannt, dem verstorbenen Niko Kruxator, dessen sagenhafter Reichtum aus unbekannten Quellen stammte. Er war zur Zeit des großen Börsencrashs im Oktober 1929 vollkommen mittellos in den Vereinigten Staaten angekommen – zumindest hatte er das stets behauptet. Als er 1977 starb, kannten ihn die meisten Leute als den griechischen Schifffahrtsmagnaten, aber er hatte nach wie vor auch Anteile an den Kruxator-Restaurants und der großen internationalen Kette der Kruxlux-Hotels. Außerdem war er der alleinige Besitzer der Kruxator-Sammlung, die er dem Land hinterließ, das ihn damals aufgenommen hatte. Die Sammlung bestand aus dreihundert Gemälden und siebenhundert fantastischen Kunstobjekten, darunter drei unglaubliche Ikonen aus dem fünfzehnten Jahrhundert, die während der Zeit der Revolution aus Russland herausgeschmuggelt worden waren, sowie sechzehn Objekten, die einst den Borgias gehört hatten. Die Sammlung war zweifellos unbezahlbar und mit mehreren Milliarden Dollar versichert.

    Die zweiwöchige Ausstellung in London würde die letzte Station der Kruxator-Sammlung auf ihrer Rundreise durch die europäischen Hauptstädte sein. Danach würde alles wieder an seinen dauerhaften Aufbewahrungsort in New York zurückgebracht werden. Kruxator hatte eine Stiftung für das Gebäude hinterlassen, in dem diese unbezahlbaren Gegenstände ausgestellt werden konnten. Er wollte, dass man sich an ihn erinnerte, und er hatte Maßnahmen getroffen, um sicherzustellen, dass sein Name für immer mit denen von van Gogh, Brueghel, El Greco, Matisse und Picasso in Verbindung gebracht werden würde. Nicht dass er sich mit Kunst ausgekannt hätte, aber er war in der Lage gewesen, ein gutes Geschäft zu erkennen, dessen Wert steigen würde.

    Eine private Sicherheitsfirma kümmerte sich permanent um die wertvollen Ölgemälde, Artefakte und Juwelen, allerdings erwartete man von den Gastgeberländern, dass sie für zusätzlichen Schutz sorgten. Niemand hegte auch nur den geringsten Zweifel daran, dass die beiden gepanzerten Transporter, in denen sich die Ausstellungsstücke befanden, in ständiger Gefahr schwebten. Wenn die Sammlung ausgestellt wurde, schützten die ausgeklügeltsten elektronischen Sicherheitsvorkehrungen jedes einzelne Stück.

    Die Fracht traf um dreizehn Uhr sechs mit einer unangekündigten 747 am Flughafen Heathrow ein. Die Boeing wurde zu einem Entladebereich gelotst, der sich weit von den Passagierterminals entfernt befand. Er lag in der Nähe der alten Hunting-Clan-Hangars, auf denen in großen weißen Lettern noch immer der Name der Firma prangte.

    Die beiden gepanzerten Transporter warteten bereits. Sie hatten in der vergangenen Nacht den Seeweg genommen, nachdem sie die Sammlung am Charles-de-Gaulle-Flughafen in Paris abgeliefert hatten. Zwei nicht gekennzeichnete Polizeiautos, in denen jeweils vier bewaffnete Beamte in Zivil saßen, waren ebenfalls anwesend.

    Die Verlader waren zuverlässige Angestellte der Kruxator-Stiftung, die ihre Aufgabe so gut kannten, dass die gesamte Fracht innerhalb weniger Stunden aus dem Flugzeug geholt und in den Transportern verstaut war. Der unauffällige Konvoi, den eines der Polizeiautos anführte, während das andere die Nachhut bildete, setzte sich in Bewegung, um eine Runde um das Gelände zu drehen, bevor er sich dem normalen Verkehrsfluss durch die Unterführung und auf die M4 anschloss. Es war kurz nach siebzehn Uhr fünfzehn, und das Tageslicht schwand langsam. Der Verkehr wurde sowohl inner- als auch außerhalb der Stadt dichter. Trotzdem erreichte die Prozession das Ende der Autobahn in einer halben Stunde. Dort wurde die Fahrbahn zu einer zweispurigen Straße, die ominös als Hammersmith Flyover bezeichnet wurde. Danach ging es weiter auf die Cromwell Road.

    Spätere Berichte der Polizeiwagen – die über Funk mit den gepanzerten Transportern in Verbindung standen – zeugten von einer nicht unerheblichen Verwirrung während des ersten Abschnitts der Reise. Eine auffällige schwarze Frau, die einen violetten Sportwagen fuhr, schaffte es, sich zwischen das Auto an der Spitze und den ersten Transporter zu drängen, gerade als der Konvoi die Auffahrtsrampe zum Flyover hochfuhr. Gleichzeitig schob sich am hinteren Ende eine ebenso attraktive weiße Frau in einem violetten Kleid mit einem schwarzen Sportwagen zwischen den zweiten Transporter und das hintere Polizeiauto.

    Zunächst wurde über die Funkverbindung kein Alarm ausgelöst, doch der Abstand zwischen den Polizeifahrzeugen und den gepanzerten Transportern wurde durch das Verhalten der beiden Frauen, die gekonnt einen Lancia und einen Ferrari in den Konvoi eingefügt hatten, schon bald größer. Das hintere Polizeiauto unternahm zwei Versuche, den Wagen vor sich zu überholen und zurück an seine ursprüngliche Position zu gelangen, doch die beiden Sportwagen schwenkten entweder aus, um die restlichen Verkehrsteilnehmer daran zu hindern, sich in den Konvoi einzuordnen, oder fuhren zur Seite, um es anderen Pkw, Lkw oder Taxis zu erlauben, sie zu überholen. Als sie die Cromwell Road erreichten, hatte sich nicht nur der Abstand zwischen der Polizei und den gepanzerten Transportern vergrößert, auch die beiden Transporter waren voneinander getrennt worden.

    Sie hatten diese Route ausgewählt, um maximale Sicherheit zu garantieren. Der Konvoi sollte von der Cromwell Road nach links abbiegen und dann weiter auf die Kensington High Street fahren. Danach würden sie vor Knightsbridge nach rechts in das Einbahnstraßensystem der Exhibition Road abbiegen, um Zugang zum Hintereingang des Victoria and Albert Museum zu erhalten. Auf diese Weise würden sie den gut sichtbaren Gartenvorhof an der Vorderseite des Gebäudes umgehen.

    Eines der Polizeiautos hatte das Royal Garden Hotel auf der High-Street-Seite von Kensington Gardens erreicht. Das andere bog gerade erst in die High Street ein, als die Funkverbindung abrupt abbrach.

    Das vordere Auto verstieß gegen alle Sicherheitsvorschriften, aktivierte seine Sirene und vollführte einen U-Turn auf einer überfüllten Straße, um über die Kensington High Street zurückzufahren. Das hintere Auto, dessen Insassen ebenfalls in Panik verfielen, bewegte sich aggressiv vorwärts. Das daraus resultierende Durcheinander aus hupenden Fahrzeugen wurde plötzlich von einer dichten Wolke aus erstickendem violettem Rauch eingehüllt. Später erstatteten die Fahrer – und die Beifahrer – der beiden Transporter identische Berichte über das, was geschehen war.

    »Der farbige Rauch war plötzlich einfach da. Keine Warnung, keine Bomben, nichts, nur dieser dichte farbige Rauch, der aus dem Nichts kam. Dann erwachte in der Fahrerkabine alles zum Leben, als hätten wir eine schreckliche elektrische Fehlfunktion. Wenn das passiert, stellt man natürlich den Motor ab, aber die Stromstöße gingen weiter, und wir erkannten, dass wir in Gefahr schwebten, einen tödlichen Stromschlag zu bekommen. Den Wagen zu verlassen, war eine instinktive Reaktion …«

    Niemand erinnerte sich daran, was nach der Deaktivierung der elektronischen Schlösser geschehen war. Später hatte man alle vier Männer auf dem Bürgersteig liegend vorgefunden. Sie hatten noch immer ihre Helme und kugelsicheren Westen getragen. Sie wurden – wie viele andere – wegen Atembeschwerden behandelt, denn der Rauch hatte unangenehme Auswirkungen auf die Lunge.

    Die beiden Transporter waren einfach verschwunden, als hätte jemand die Straße geöffnet, sie in das Loch geworfen und es dann nahtlos wieder über ihnen geschlossen.

    Der für die Ermittlung zuständige Polizeiinspektor teilte den Zuschauern von News at Ten an diesem Abend mit, dass der Raubüberfall auf die Sekunde genau geplant gewesen sei. Die Täter müssten ihn immer und immer wieder geprobt haben. Das Timing sei so präzise gewesen, dass man ebenso gut davon ausgehen könne, es mit einem computergesteuerten Diebstahl zu tun zu haben. Die einzigen Hinweise seien die beiden Sportwagen und die Beschreibungen der Fahrerinnen. Das Zentralregister habe allerdings bald bestätigt, dass die Nummernschilder der Sportwagen – die sich die Polizeibeamten natürlich gemerkt hatten – nie irgendwelchen Fahrzeugen zugeteilt worden seien.

    Der Kruxator-Überfall war gewagt, exakt, brillant und sehr kostspielig. Der Mangel an Fortschritt bei der polizeilichen Ermittlung blieb fast einen Monat lang Thema in den Nachrichten. Sogar heimliche Kommentare über eine Sicherheitslücke und den plötzlichen Rücktritt eines langjährigen Mitglieds des Geheimdienstes – eines gewissen Commander James Bond – traten hinter den Kruxator-Schlagzeilen zurück, wurden in eine Ecke auf Seite zwei verdrängt und verschwanden schon bald ganz aus dem Interesse der Öffentlichkeit.

    AUF FRIVOLE UND EXTRAVAGANTE ART

    Am Anfang waren die Dauerbefehle sehr eindeutig. Paragraf 12 (c) besagte:

    Jeder Offizier, der sich im aktiven Dienst befindet und einer wie auch immer gearteten Veränderung des persönlichen finanziellen Status unterliegt, wird den Leiter von Abteilung A informieren, eine vollständige Übersicht über die Einzelheiten abgeben und jegliche Unterlagen zur Verfügung stellen, die der Leiter von Abteilung A entweder für notwendig oder wünschenswert hält.

    Bei Abteilung A handelte es sich natürlich um die Buchhaltung, aber vertrauliche Informationen – wie die über James Bonds australische Erbschaft – wurden automatisch persönlich an M, das Archiv und auch an den Stabschef weitergeleitet.

    In der gemeinen Geschäftswelt hätte Bond angesichts eines solch unerwarteten Gewinns selbstverständlich zahlreiche warmherzige Beglückwünschungen erhalten. Doch beim Service galt das nicht. Die Mitarbeiter des Archivs waren traditionsgemäß und aufgrund ihrer Ausbildung sehr verschwiegen. Weder M, Bonds Vorgesetzter, noch Bill Tanner, Ms Stabschef, würden auch nur im Traum daran denken, die Angelegenheit zur Sprache zu bringen. Sie gehörten beide der alten Schule an und betrachteten die Einzelheiten über privates Vermögen daher richtigerweise als eine persönliche Angelegenheit. Die Tatsache, dass sie beide darüber Bescheid wussten, würde nie dazu führen, dass sie aufhörten, so zu tun, als wüssten sie von nichts. Daher war es fast ein Schock, als M selbst es doch erwähnte.

    Die Monate bevor Bond die Neuigkeit von seiner Erbschaft erhielt, waren von langweiliger Routine geprägt gewesen. Er hatte den Bürokram und die Schreibarbeit, die sein Beruf mit sich brachte, schon immer hinderlich und langweilig gefunden, aber in jenem Sommer – der nun achtzehn Monate zurücklag – waren sie besonders ermüdend gewesen. Vor allem weil er seinen ganzen Urlaub schon früher genommen hatte, ein Fehler, der ihn zu scheinbar endlosen Tagen voller Akten, Kurzmitteilungen, Anordnungen und Berichten anderer Leute verdammte. Und wie es in Bonds Welt so oft vorkam, gab es absolut nichts – nicht einmal einen einfachen vertraulichen Kurierauftrag –, um die Plackerei in diesen heißen Monaten zu lindern.

    Dann kam die Erbschaft. Sie erreichte ihn buchstäblich aus dem Nichts und fiel früh im darauffolgenden November in einem dicken hellbraunen Umschlag mit einem Poststempel aus Sydney darauf mit einem lauten Poltern durch seinen Briefschlitz. Der Brief kam von einer Anwaltskanzlei, die viele Jahre lang den jüngeren Bruder von Bonds Vater vertreten hatte – ein Onkel, den Bond nie kennengelernt hatte. Onkel Bruce war offenbar als reicher Mann gestorben und hatte jeden Penny seines Vermögens seinem Neffen James hinterlassen, der sich daraufhin über eine kleine private Finanzspritze freuen konnte. Seine Situation nahm eine dramatische Veränderung.

    Die gesamte Erbschaft belief sich auf etwa eine Viertelmillion Pfund Sterling. Das Testament enthielt eine einzige Bedingung. Der alte Onkel Bruce hatte Sinn für Humor gehabt und verfügt, dass sein Neffe innerhalb der ersten vier Monate mindestens einhunderttausend Pfund auf »frivole und extravagante Art« ausgeben solle.

    Bond musste nicht lange überlegen, wie er einer derart exzentrischen Bedingung am besten entsprechen konnte. Die Autos der Firma Bentley waren schon immer eine seiner Leidenschaften gewesen, und er hatte sich nur schweren Herzens von den alten Modellen getrennt, die er besessen, gefahren, genossen und geliebt hatte. Im vergangenen Jahr hatte er ernsthaft nach dem nagelneuen Bentley Mulsanne Turbo gegiert. Als die Testamentsbestätigung endlich durch war, marschierte er direkt zu Jack Barclays Ausstellungsräumen am Berkeley Square und bestellte einen handgefertigten Wagen – in seiner alten Lieblingsfarbe British Racing Green mit einer magnolienfarbenen Innenausstattung.

    Einen Monat später besuchte er die Rolls-Royce Car Division in Crewe, verbrachte einen angenehmen Tag mit dem Hauptgeschäftsführer und erklärte, dass er keine besondere Technologie in das Auto eingebaut haben wolle, abgesehen von einem kleinen verborgenen Waffenfach und einem Telefon mit großer Reichweite, das die Sicherheitsexperten bei CCS bereitstellen würden. Der Mulsanne Turbo wurde im späten Frühling geliefert, und Bond – der bereits bei der Bestellung den vollen Preis gezahlt hatte – war absolut zufrieden damit, die restlichen gesetzlich festgelegten dreißigtausend Pfund für Freunde, hauptsächlich weibliche Freunde, und sich selbst auszugeben. Er genoss den Rausch eines Luxuslebens, wie er es seit vielen Jahren nicht mehr erlebt hatte.

    Doch 007 war nicht so leicht aus seinem Trübsinn zu holen. Er sehnte sich nach irgendeiner Art von Aktivität – ein Verlangen, das er mit zu vielen langen Nächten, der Aufregung an den Spieltischen und einer halbherzigen Affäre mit einer Frau stillte, die er seit Jahren kannte – eine kleine Romanze, die nach ein paar Monaten nur noch wie eine schwache Kerzenflamme flackerte und schließlich verlosch. Und so schaffte es auch diese Zeit der schwelgerischen Untätigkeit nicht, dieses unbestimmte nervöse Gefühl zu vertreiben, dass sein Leben sowohl den Sinn als auch die Richtung verloren hatte.

    Im späten Frühling verbrachte er eine Woche mit dem Waffenmeister der Q-Abteilung, Major Boothroyd, und seiner reizenden Assistentin Q’utie, in der er mit ihnen eine Handfeuerwaffe testete. Der Service spielte mit dem Gedanken, diese Waffe regelmäßig einzusetzen. Es handelte sich um die ASP 9 mm, eine in Amerika hergestellte Gefechtsmodifikation der 9 mm Smith & Wesson. Bond kam zu dem Schluss, dass es sich um eine der zufriedenstellendsten Handfeuerwaffen handelte, die er je benutzt hatte.

    Dann, mitten im August, als London voller Touristen war und das Hauptquartier am Regent’s Park regelrecht in Untätigkeit erstarrt zu sein schien, kam ein Anruf von Ms Sekretärin, der treuen Miss Moneypenny, und Bond fand sich zusammen mit Bill Tanner im Büro seines Vorgesetzen wieder. Dort, neun Stockwerke über dem trockenen, heißen und staubigen Park, überraschte M ihn, indem er ihn auf die Sache mit der australischen Erbschaft ansprach.

    Moneypenny war im Gegensatz zu sonst nicht besonders in Flirtlaune, als Bond im Vorzimmer zu Ms Büro wartete. Sie vermittelte ihm den deutlichen Eindruck, dass hinter der Tatsache, dass M ihn sprechen wollte, keine guten Neuigkeiten stecken konnten. Dieses Gefühl verstärkte sich noch, sobald er die Erlaubnis erhielt, das Hauptbüro zu betreten.

    Sowohl der Stabschef als auch M wirkten misstrauisch. M schaute Bond nicht einmal an, und Tanner, der am Fenster stand, drehte sich kaum richtig herum, um seine Anwesenheit zu quittieren.

    »Wir haben ein Paar russischer Geheimdienstanwerber in der Stadt«, sagte M schlicht und ohne besondere Betonung, sobald Bond vor seinem Schreibtisch Platz genommen hatte.

    »Sir?« Es war die einzig mögliche Reaktion auf diesen Eröffnungszug.

    »Sie sind uns bislang unbekannt«, fuhr M fort. »Kein diplomatischer Schutz, französische Papiere, aber definitiv Anwerber.« Der Leiter des Service sprach von russischen Agenten, deren spezielle Aufgabe darin bestand, potenzielle Informanten, Agenten und Verräter zu rekrutieren.

    »Wollen Sie, dass ich sie ins erste Flugzeug zurück nach Moskau setze, Sir?« Bonds Herz schlug ein bisschen schneller, denn selbst diese einfache Aufgabe wäre besser, als den ganzen Tag im Büro herumzusitzen und Akten zu wälzen.

    M ignorierte das Angebot. Stattdessen schaute er zur Decke hinauf. »Sie sind zu Geld gekommen, 007. Zumindest habe ich das gehört.«

    Ms Bemerkung schockierte Bond beinahe. »Eine kleine Erbschaft …«

    M zog die Augenbraue hoch und murmelte fragend das Wort: »Klein?«

    »Die Anwerber sind extrem fähige Profis.« Bill Tanner sprach von seinem Platz am Fenster aus. »Beide hatten in anderen Teilen der Welt einige Erfolge – in Washington zum Beispiel –, allerdings gab es nie brauchbare Beweise. In Washington und in Bonn. In beiden Fällen ve