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Kaiserin Elisabeths Fitness- und Diät-Programm: Sport und Diäten einer Pionierin des 19. Jahrhunderts
Kaiserin Elisabeths Fitness- und Diät-Programm: Sport und Diäten einer Pionierin des 19. Jahrhunderts
Kaiserin Elisabeths Fitness- und Diät-Programm: Sport und Diäten einer Pionierin des 19. Jahrhunderts
eBook258 Seiten2 Stunden

Kaiserin Elisabeths Fitness- und Diät-Programm: Sport und Diäten einer Pionierin des 19. Jahrhunderts

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Über dieses E-Book

Sport und die damit zusammenhängende Massenbewegung waren im 19. Jahrhundert in oberen Gesellschaftsschichten kein Thema. Und schon gar keines für Frauen aus diesen Kreisen. Den einzig anerkannten "eleganten" Sport stellte das Reiten dar (das man in Zeiten ohne bessere Fortbewegungsmittel sogar dringend beherrschen musste) und den betrieb Kaiserin Elisabeth - uneleganterweise - wie ein Berufssportler: sie ritt die Hohe Schule, beherrschte Zirkusakrobatik und nahm an den gefährlichsten Reitjagden Europas teil. Ähnliches galt für das Turnen, das zu ihrer Zeit hauptsächlich eine politisch anrüchige Sache war. Trotzdem turnte sie eifrig und besaß in jedem Schloss einen eigenen Gymnastikraum. Zudem war sie eine eifrige "Spazierläuferin", Wanderin, Schwimmerin, Radfahrerin und Fechtmeisterin und lebte nach selbst erfundenen, strengen Diätplänen. Denn Elisabeth wollte um jeden Preis schlank und schön sein. Wer es ihr gleichtun möchte, findet die Anleitung dazu in ihrem persönlichem "Fitness-Programm".
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum21. Aug. 2014
ISBN9783902998354
Kaiserin Elisabeths Fitness- und Diät-Programm: Sport und Diäten einer Pionierin des 19. Jahrhunderts
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    Buchvorschau

    Kaiserin Elisabeths Fitness- und Diät-Programm - Gabriele Praschl-Bichler

    Gabriele Praschl-Bichler

    Kaiserin Elisabeths Fitneß-

    und Diät-Programm

    Gabriele Praschl-Bichler

    Kaiserin Elisabeths

    Fitneß- und

    Diät-Programm

    Zur Rechtschreibung

    Die Autorin legt großen Wert darauf, daß das vorliegende Buch in der alten Rechtschreibung wiedergegeben wird. Was nicht bedeutet, daß sie sich dem Fortschritt oder Neuerungen entgegensetzen will. Die Entscheidung bezieht sich ausschließlich auf einzelne Regeln der neuen Rechtschreibung, die sinnwidrig oder schlicht unerklärlich sind und sich sogar gegen die deutsche Sprache – eines der größten und ältesten Kulturgüter, das wir besitzen – richten.

    Interessant im Zusammenhang damit sind die vielen, im laufenden Text zitierten Schriftproben aus dem 19. Jahrhundert, die in großen Zügen der »neuen Rechtschreibung« folgen (sie sind, um sie hervorzuheben, in kursiver Schreibweise gesetzt). Damit läßt sich die sogenannte »Neuregelung« in Frage stellen.

    Bildnachweis

    Alles im Buch veröffentlichte Bildmaterial sowie die Abbildung auf der Rückseite des Schutzumschlags entstammen einem Privatarchiv.

    Besuchen Sie uns im Internet unter:

    http://www.amalthea.at/

    © 2002 by Amalthea

    in der F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH,

    Wien · München

    Alle Rechte vorbehalten

    Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel

    Herstellung und Satz: VerlagsService Dr. Helmut

    Neuberger & Karl Schaumann GmbH, Heimstetten

    Gesetzt aus der 11,5/13,5 Punkt Adobe-Garamond

    Druck und Binden: Wiener Verlag, Himberg

    Printed in Austria

    ISBN 3-85002-474-1

    eISBN 978-3-902998-35-4

    Inhaltsverzeichnis

    Sportlich, fit und schlank im 19. Jahrhundert

    oder:

    Wie eine Revolution in »allerhöchsten Kreisen«

    um sich greift

    Turnen war eine politisch anrüchige Sache

    Die deutschen Fürsten und der Sport

    1. Gehen, Wandern und Bergsteigen

    2. Reitsport: Von der Hohen Schule

    zur Zirkusakrobatik

    3. Reitjagden in Ungarn, England und Irland

    4. Gymnastik und Geräteturnen

    5. Radfahren

    6. Schwimmen

    7. Fechten

    8. Essen und Diäten

    Nachwort

    Dank

    Kurzbiographien

    Literaturverzeichnis

    Abgekürzte Literatur

    Sportlich, fit und schlank im 19. Jahrhundert

    oder: Wie eine Revolution in »allerhöchsten

    Kreisen« um sich greift

    Eines vorab: Sport und die damit zusammenhängende Massenbewegung war im 19. Jahrhundert in den oberen Gesellschaftsschichten kein Thema. Und schon gar keines für Frauen, die diesen Kreisen entstammten. Die einzige Ausnahme – also der einzig anerkannte »elegante« Sport – bildete das Reiten, und selbst das betrieben die Damen meist nur sehr zurückhaltend. Allerdings bestand in Zeiten ohne Auto auch die Notwendigkeit dazu, es zu beherrschen. Denn erstens war nicht jeder Weg, nicht einmal jede Straße, so gut erschlossen, daß man ihn oder sie in einer Kutsche durchfahren konnte, und zweitens zeichnete sich die Fahrt im Wagen weder durch besondere Geschwindigkeit noch durch besondere Bequemlichkeit aus. Der Ritt bot also vor allem eine wesentliche Zeitersparnis: Allein zu Pferd konnte man das Tempo selbst bestimmen und nach Lust und Laune auch wesentlich beschleunigen. Ausnahmen waren Ausritte in Gruppen und in Gesellschaft von Frauen. Dann war es selbstverständlich, daß man sich den weniger Begabten anpaßte.

    Zwei Prinzessinnen von Orléans-Braganza, Graf Albrecht Meran (Bildmitte), ein französischer Graf und eine Dame des amerikanischen Geldadels vor dem gemeinsamen Ausritt (Südamerika, 1938), der auch noch um diese Zeit ein elegantes, gesellschaftliches Ereignis darstellte.

    Die Notwendigkeit, das Pferd als Fortbewegungsmittel zu verwenden, bedingte, daß beinahe jeder – wenn eben auch mit unterschiedlicher Begabung – reiten konnte. Also auch die Kinder Herzog Maximilians in Bayern, zu denen Elisabeth, die nachmalige Kaiserin von Österreich, gehörte. Ihr Vater, der ein außerordentlich leidenschaftlicher Reiter war – er beherrschte nicht nur die Hohe Schule der Reitkunst, sondern konnte auf dem Pferd auch eine Menge akrobatischer Übungen ausführen – hat dieses Talent an den Großteil seiner Söhne und Töchter weitervererbt. Denn beinahe alle Kinder wurden hervorragende Reiter oder Reiterinnen, unter denen sich Elisabeth wiederum zur besten und wagemutigsten entwickelte. Diese besondere Begabung war aber nicht nur mit dem väterlichen Erbe zu erklären, sondern hatte auch noch eine andere Ursache. Denn die junge Prinzessin liebte beinahe jede (damals bekannte) Sportart und war zudem seit Kindertagen »bewegungssüchtig«: Das Mädchen wollte und konnte weder ruhig sitzen, noch war es für irgendeine ruhige Tätigkeit – wie sie zum Beispiel der Schulunterricht darstellte – zu begeistern. Gouvernanten und Lehrer hatten wenig Freude mit der Schülerin, denn Elisabeth war zappelig und beinahe ständig unkonzentriert.

    Zu den vielen sportlichen Betätigungen, die die Prinzessin in ihrer Jugend betrieb und die damals natürlich noch nicht »sportliche Betätigungen« hießen, gehörten das Gehen, das Springen, das Wandern, das Kraxeln und das Bergsteigen, die meisten davon Sportarten, für die sich schon ihr Vater, Herzog Maximilian in Bayern, begeistert hatte. Daß sich dieser Wittelsbacher – entgegen den Vorstellungen der Zeit und der Gesellschaft, der er angehörte – für so viele damals unelegante Sportarten interessierte, hängt bestimmt mit der ungewöhnlichen Erziehung zusammen, die er genossen hatte: Als sicherlich einziger Mitteleuropäer seines Standes hatte er im frühen 19. Jahrhundert sowohl eine öffentliche Schule wie auch eine öffentliche Universität besucht. Das (und ein die Familie prägender, eigensinniger Charakter) scheint ihn für viele volkstümlichen und zeitgeistigen Ideen »offen« gemacht zu haben. Dazu gehörte im deutschsprachigen Raum auf dem Gebiet des Sports vor allem das Gedankengut, das der Pädagoge GutsMuths und der ihm folgende, nicht unumstrittene »Turnvater Jahn« verbreiteten.

    Kaiserin Elisabeth mit ihrer ältesten Schwester, verehelichte Erbprinzessin Helene von Thurn und Taxis, und ihrem Lieblingsbruder, Herzog Carl Theodor in Bayern. Alle Kinder Herzog Maximilians beherrschten die Reitkunst seit Kindertagen und waren als Erwachsene begabte Reiter.

    Um nachvollziehen zu können, warum Herzog Max als Verfechter dieser Ideen so außergewöhnlich gehandelt hatte, braucht es eines kurzen Einschubes über die Kindererziehung vergangener Epochen. Denn die hatte einige Jahrhunderte lang ohne Gymnastik und Bewegungsunterricht für Kinder ihr Auskommen gefunden. Das sollte sich im 18. Jahrhundert mit einem Schlag ändern. »Schuld« an dieser völlig neuen Entwicklung war Jean Jacques Rousseau, der mit zahlreichen pädagogischen Schriften die geistige Welt seiner Zeit in Bewegung brachte. Rousseau forderte darin als einer der ersten, daß der schulische Lehrplan für Kinder neben den theoretischen Fächern fortan auch Leibesübungen enthalten sollte. Das war – was man aus heutiger Sicht nicht sofort erkennt – eine besonders radikale Forderung. Das Außergewöhnliche dieses Gedankens wird man erst dann verstehen, wenn man sich vor Augen hält, wie viele Jahrhunderte geistig arbeitende Menschen auf den Ausgleich durch körperliche Betätigung verzichtet hatten. Doch Rousseau und seine Anhänger verfolgten mit ihren Ideen noch ein anderes Ziel: Sie wollten mit »dieser neuen, philanthropischen Erziehung« aus jedem Jugendlichen einen »Menschen und Europäer … bilden, dessen Leben so unschädlich, so gemeinnützig und so zufrieden sein möge, als es durch Erziehung veranstaltet werden kann«. (alles in: Wildt, S. 14) So viel erhoffte man sich also schon damals von dieser neuen Idee, die eigentlich den Beginn aller bis heute gültigen, schulischen und gesamterzieherischen Programme darstellt.

    Obwohl der Grundstein der Bewegung – also die Verknüpfung von »Unterricht für Geist und Körper« in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelegt wurde – galt die Idee sogar noch im 19. Jahrhundert als modern, mutig, ungewöhnlich und war noch immer sehr wenig verbreitet. Umso verwunderlicher ist es, daß sie schon in der Epoche, als sich Jean Jacques Rousseau *) als einer der ersten mit der Thematik auseinandersetzte, sofort einen Anhänger unter den Habsburgern gefunden hatte. Denn Kaiser Leopold II., ein Sohn und Nachfolger Kaiserin Maria Theresias und Vater von sechzehn Kindern, zählte zu den ersten Bewunderern und Nachahmern dieser Idee. Über die geistige Vermittlung Rousseaus arbeitete er für seine Kinder eigene Erziehungsprogramme aus. Er gab alle Anweisungen an Gouvernanten und Lehrer seiner Söhne und Töchter selbst und schrieb sogar vor, was die Ammen seiner Kinder zum Essen zu bekommen hatten (so verordnete er ihnen viel Obst und Gemüse und verbot ihnen andererseits den Genuß von Kaffee). Wie seine Kinder sollten sich auch ihre Erzieher viel im Freien aufhalten und sich dabei viel bewegen. »Man sieht darauf, daß sie (= die Söhne und Töchter) fleißig springen, laufen, sich gleichmäßig beider Hände bedienen, vor nichts Furcht haben … (und) man sucht sie daran zu gewöhnen, munter zu sein, Lärm zu machen etc. …« Die kleinen Erzherzoge spielten »Ball, Federball, Kegel, Billard und alles, was Bewegung macht …« (aus Briefen Kaiser Leopolds II., zit. in: Wolfsgruber, Bd. 1)

    Eine Turnvorführung zu Ehren Kaiser Franz Josephs (1896, Budapest). Auch hundert Jahre nach Jean Jacques Rousseau war dieser Sport noch immer eine männliche Domäne.

    Wie gut kann man sich die kleinen Prinzen vorstellen, die da munter in den Schloßgärten ihrer Ahnen herumtollten. Und wie ungewöhnlich müssen diese Anweisungen im späten 18. Jahrhundert geklungen haben, als die meisten zeitgenössischen Kinder in die Kleidung von Erwachsenen gepreßt wurden – Mädchen trugen, kaum daß sie laufen konnten, Mieder und lange Röcke – und vor allem in den oberen Gesellschaftsschichten dazu erzogen wurden, immer und in jeder Situation »Haltung zu bewahren«. Die steife Kleidung hat diese Idee nicht nur unterstützt, sondern geradezu herausgefordert. Ganz davon abgesehen wird bis dahin wohl kaum je jemand seine Kinder dazu aufgefordert haben, »munter zu sein« oder gar »Lärm zu machen«.

    Dieser kurze Abstecher in die Welt des 18. Jahrhunderts war nötig, um hervorzuheben, wie modern die Ideen Kaiser Leopolds II. in einer noch immer von Etikette geprägten Epoche gewesen und wie modern sie selbst noch drei Generationen später waren, als die nachmalige Kaiserin Elisabeth nach Rousseau-ähnlichen Grundsätzen erzogen wurde. Und selbst vierzig Jahre später, als in den 70er- und 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts ihr sportlicher Eifer einen Höhepunkt erreichte, galt diese Leidenschaft noch immer als aufsehenerregend, in ihrer Gesellschaftsschicht sogar als revolutionär. Denn, wenn Elisabeths Vorreiter und auch sie bei den »gymnastischen Übungen« auf Vorbilder der griechisch-römischen Antike zurückgriffen (um demselben Schönheitsideal zu huldigen und sich einen »statuenhaft vollkommenen Körper« zu meißeln), so haftete der Bewegung noch lange Zeit etwas Freigeistiges und Aufrührerisches an. Um das in seiner Gesamtheit zu verstehen, halte man sich das Gedankengut des puritanischen 19. Jahrhunderts vor Augen, in dem man in vornehmen Kreisen – außer über den Kopf – kaum je über einen Körperteil sprach, geschweige denn, daß man sich mit ihm beschäftigte oder ihn sogar formte. Zudem verlangte der Zeitgeist in den gehobenen Gesellschaftsschichten und bei den Leuten, die sich nach ihnen richteten, ein elegantes Erscheinungsbild, und das war eben nur bei der Ausübung eleganter Sportarten zu erreichen: beim Reiten, bei der Jagd, wohl auch schon beim Tennisspiel (das sich aus dem seit dem 18. Jahrhundert in Frankreich gespielten »Jeux de Pomme« entwickelt hatte) und beim gemütlichen Promenieren.

    Der nachmalige Kaiser Leopold II. (li., damals Großherzog von Toskana) mit seinem Bruder, Kaiser Joseph II. Im Unterschied zu seinen konservativen Vorgängern zählte Leopold zu den fortschrittlichsten Habsburger Herrschern und setzte sich auch als einer der ersten mit moderner Kindererziehung auseinander.

    Im Unterschied zu ihren Zeit- und Standesgenossen verhielt sich Kaiserin Elisabeth aber immer ganz entgegengesetzt und betrieb demgemäß auch völlig andere Sportarten als sie. Tennis, das zu ihrer Zeit gerade so richtig in Mode kam, spielte sie zum Beispiel nicht. Vermutlich auch deshalb, weil sie dafür zumindest einen Spielpartner gebraucht hätte. Und von so einer Notwendigkeit hätte sie sich niemals abhängig gemacht. Sie wollte alleine sein und bleiben, duldete um sich ausschließlich von ihr erwählte Hofleute, außer dem Ehemann und den Kindern keine Verwandten, geschweige denn andere Leute der Gesellschaft. Daß Elisabeth unter den vielen Sportarten, die sie betrieb, auch eine ganz unfeine, wie das Turnen, ausübte, war daher auch sehr typisch für sie. Denn von der Hochzeit an bis an ihr Lebensende pflegte sie sich – immer ihrem Trotzkopf-Charakter folgend – alles, was »üblich« und »der Form entsprechend« war, zu widersetzen, um statt dessen allem gesellschaftlich Zuwiderlaufendem zu huldigen.

    Eine Tennispartie in höchsten Kreisen (Schloß Klesheim, 1891): Erzherzog Ludwig Victor (ganz rechts),

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