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Masters of Fiction 2: About Stories of the (Un)Dead - Lebst du noch oder wankst du schon?: Franchise-Sachbuch-Reihe
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Masters of Fiction 2: About Stories of the (Un)Dead - Lebst du noch oder wankst du schon?: Franchise-Sachbuch-Reihe
eBook385 Seiten3 Stunden

Masters of Fiction 2: About Stories of the (Un)Dead - Lebst du noch oder wankst du schon?: Franchise-Sachbuch-Reihe

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Über dieses E-Book

Zombies, Untote, Infizierte, Beißer - das Grauen hat viele Namen. Seit jeher faszinieren und schockieren die Geschichten von Untoten Generationen von Lesern und Kinogängern, Gamer und Serienjunkies. Was die Fans am meisten fesselt und warum, erforschen die Autoren in der zweiten Ausgabe von Masters of Fiction.


Aus dem Inhalt:

Story of the (Un)Dead

Film
- Zombie-Filmguide - Eine Einführung in den filmischen Kosmos der lebenden Toten
- Untote als Blockbuster-Garanten: Gehirnmassen für ein Millionen-Publikum
- Zombifikationen bei John Carpenter & David Cronenberg

TV
- Zombies als TV-Stars - Alternativen zu The Walking Dead
- Und die Zombies tanzen Tango: Schocker, Dramen, Komödien

Grande Illusions - Künstlerwelten
- Die Zombie-Macher (Teil 1): Tom Savini - Der König der Metzelkunst
- Die Zombie-Macher (Teil 2): »Wie machen wir das?« - Der SFX-Maker Greg Nicotero & KNB

Literatur und Comics
- Lebende Tote als Lesestoff: Zombie-Romane von Edgar Allan Poe bis The Walking Dead
- Horror aus Panels und Sprechblasen - Die Welt der Comics

Playtastic
- Play the Dead - Untote in Computerspielen
- Interview: Making Left 4 Dead 2 - Im Gespräch mit Welten-Entwickler Jacob Wawer
- The Last of Us - Von einem Spiel, das auszog, das Gamen zu verändern

Musik
- Never too Dead to Rock - Nightmares on Stage

Blick in die Wissenschaft
- Die realen Ursprünge der Zombie-Seuchen
- Von Zombie-Drogen, Giften, Viren und Parasiten

Politik
- Geächtet, verboten, verstümmelt - Über gekürzte Filme und die Geschichte der Zensur

Philosophie
- »Ich denke nicht mehr, also wanke ich« - Zur Menschlichkeit von Zombies
- The Walking Dead - Kinder in Zeiten der Apokalypse

Erweitert
- Zombie-Verwandtschaften und andere Untote: Reaver, Mutanten, Mumien und Frankenstein-Monster

Fandom
- »Zombies sind die besseren Menschen« - Was ist ein Zombie Walk?
- Interview: Zombie Run - Auf dem Hinderniskurs warten die Untoten

Am Ziel einer langen Reise
- Ausnahmezustand - Was tun bei der Zombie-Apokalypse?
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum22. Apr. 2015
ISBN9783941864269
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    Buchvorschau

    Masters of Fiction 2 - Elias Albrecht

    Forschungsmission

    Wiederauferstehung im Zeitalter der Globalisierung

    »Wir wissen, dass wir sterben müssen. Also sind wir lebende Tote«, sagt Zombiefilm-Guru George A. Romero in der Dokumentation THE AMERICAN NIGHTMARE (2000). Seltsamerweise wurde aus der Todesangst der Menschen ein Motiv geboren, das tiefste Sehnsüchte auf verschiedene Medien überträgt: Ob in Filmen, Comics oder Videospielen, selbst in der Musikbranche treffen wir auf Zombies.

    Seit fast 100 Jahren bevölkern lebende Tode das Horrorfilmgenre und gegenwärtig auch kommerziell sehr erfolgreiche TV-Serien. Einst Stilmittel provokanter Filmemacher wie Abel Gance, waren Zombies lange Zeit Markenzeichen blutrünstiger Unterhaltung für den Videomarkt. Big-Budget-Produktionen wie WORLD WAR Z (2013) oder die Blockbusterreihe RESIDENT EVIL (2002-…) zeigen hingegen, dass weltweit angesehene Konzerne, und bei weitem nicht nur die Filmindustrie, an der Zombiemanie verdienen. Neben Spieleschmieden wie Capcom oder Techland sind selbst Autohersteller an Zombies interessiert – Man nehme zum Beispiel Hyundais »The Walking Dead«-Special Edition des Models Tucson.

    Untote sind längst Event-tauglich und so zu Trendsettern geworden. Die Fans verabreden sich in Internetforen zu sogenannten Zombie Walks (o.a. Zombie Runs oder Zombie Flashmobs), um ihr gemeinsames Faible für die Untoten auszuleben. Die Anhänger dieser Veranstaltungen verlassen dabei mediale Inszenierungen und treffen sich stattdessen in der realen Welt, um ihre imaginäre »Helden« zu preisen. Und das rund um den Globus.

    Wahrlich sind Zombies zu einer Art Vermittler-Instanz zwischen Individuum und moderner Gesellschaft geworden und stehen besonders im Film für tiefgründigere Botschaften, als nur auf kreative Art Körper zu zerpflücken. Über die Jahre wurden aus einstigen Nebenfiguren und Randgruppen ein Symbol für Revolution und Neuanfang. So werden lebende Tote nicht nur in religiösen, sondern schon längere Zeit in biopolitschen Kontexten diskutiert.

    An dieser Stelle möchte ich nur kurz die Gelegenheit nutzten, all denen zu danken, die mit uns gemeinsam die zweite Ausgabe von Masters of Fiction gestemmt haben: Vor allem Stefanie Zurek (Lektorat), die in diesem Band gleich in zwei Beiträgen zu Wort kommt. Außerdem gilt unser Dank wieder einmal Michael Linke für seine Cartoons, Eileen Steinbach (Layout) und dem Mann in Technikfragen: Winfried Brand. Und zu guter Letzt möchten wir Euch, den Lesern, danken, die uns mit ihren Reaktionen und der konstruktiven Kritiken nach Masters of Fiction #1 zeigten, an was wir Autoren noch arbeiten müssen. Ihr werdet bereits mit dieser Ausgabe sehen, dass sich schon so Einiges getan hat!

    Genug der langen Vorrede. Begleitet uns nun auf eine morbide Reise ins Reich der Untoten, Infizierten, Beißern und Co., und viel Spaß mit dem Rundumsorglos-Paket zum Thema »Zombies«.

    Elias Albrecht

    Inhaltsverzeichnis

    Forschungsmission

    Wiederauferstehung im Zeitalter der Globalisierung

    Monsterfibel

    Story of the (Un)Dead

    Zombies, lebende Tote, Infizierte oder Beißer – Das Grauen hat viele Namen. Wie und wo entstanden die Mythen um die lebenden Toten, und was ist es, was die Menschen aller Kulturen am Thema »Zombie« fasziniert? Das Porträt eines Monsters im Wandel der Zeit.

    Film

    Zombie-Filmguide – Eine Einführung in den filmischen Kosmos der lebenden Toten

    Von WHITE ZOMBIE über NIGHT OF THE LIVING DEAD bis 28 DAYS LATER – Vom klassischen hin zum postmodernen Zombie-Film. Die Untersuchung eines Subgenre von seinen expressionistischen Wurzeln bis ins neue Millennium.

    Untote als Blockbuster-Garanten: Gehirnmassen für ein Millionen-Publikum

    Mit einem Budget jenseits der 200-Millionen-Dollar-Grenze sind Zombies spätestens seit Marc Forsters WORLD WAR Z im Blockbuster-Kino angekommen. Für riesige Umsätze sorgt seit 2002 auch die RESIDENT EVIL-Reihe. Zusammen spielten die Filme – trotz ihrer relativ kleinen Budgets – inzwischen 915,71 Millionen Dollar ein. Ein Überblick über Zombie-Filme für ein Massenpublikum.

    Zombifikationen bei John Carpenter & David Cronenberg

    Die Regisseure John Carpenter und David Cronenberg prägten eine besondere Ästhetik im Horrorkino. Darüber hinaus präsentieren sie dem Publikum eine Umcodierung des Zombie-Motivs. Die Porträts von zwei der renommiertesten Regisseure phantastischer Geschichten und eine filmische Analyse von THE FOG und SHIVERS.

    TV

    Zombies als TV-Stars – Alternativen zu The Walking Dead

    Nicht erst seit THE WALKING DEAD flimmern Zombies im TV-Serien-Format über die weltweiten Mattscheiben. Ein Überblick für Serienjunkies und Freunde von Untoten.

    Und die Zombies tanzen Tango: Schocker, Dramen, Komödien - THE X-FILES nähern sich den lebenden Toten von allen Seiten

    In dem TV-Mystery-Klassiker THE X-FILES spielen Zombies nur eine untergeordnete Rolle. In den Folgen, in denen sie vorkommen, spiegelt sich trotzdem das ganze Genre wider. Mal nähert sich die Serie dem Zombie-Thema wissenschaftlich, einmal gesellschaftskritisch, mal mythologisch und einmal sogar als Komödie.

    Grande Illusions – Künstlerwelten

    Die Zombie-Macher (Teil 1): Tom Savini – Der König der Metzelkunst hat schon als Schüler mit Horror-Masken erschreckt

    Tom Savini ist ein Meister der Zombie-Masken und der Horror-Effekte. Zu seinen Auftraggebern gehört unter anderem Zombie-Mastermind George A. Romero, für den Savini zum Beispiel die Horror-Effekte für DAWN OF THE DEAD gestaltet hat. Wir stellen den Mann vor, der als Soldat und Fotograf im Vietnamkrieg ganz realen Horror erlebt hat.

    Die Zombie-Macher (Teil 2): »Wie machen wir das?« – Der SFX-MakerGreg Nicotero & KNB

    Tom Savinis einstiger Protegé Greg Nicotero befindet sich mit dem SFX-Unternehmen KNB auf Hollywood-Erfolgskurs, was das Team nicht zuletzt ihrer Mitarbeit an der TV-Serie THE WALKING DEAD verdankt. Ein Blick hinter die Kulissen.

    Literatur und Comics

    Lebende Tote als Lesestoff: Zombie-Romane von Edgar Allan Poe bis The Walking Dead

    Die ersten Zombies tauchten in der westlichen Fiktion bereits im 17. Jahrhundert auf. Die Basis der modernen Zombie-Mythologie legte Edgar Allan Poe mit seinem Roman The Fall of the House of Usher. Heute decken Autoren mit ihren Zombie-Geschichten eine riesige Bandbreite ab, vom blutrünstigen Heft-Roman bis zu den The Walking Dead-Büchern, die das Universum der gleichnamigen Comic-Reihe erweitern.

    Horror aus Panels und Sprechblasen - Die Welt der Zombie-Comics

    Der Zombie-Hype spiegelt sichauch in der Comicwelt wider. Verlage wie Marvel, DC, Dark Horse, Wild Storm oder Image machten lebende Tote für Comics populär und salonfähig. Wir nehmen einige relevante Comicreihen zum Thema »Zombie« genauer unter die Lupe.

    Playtastic

    Play the Dead – Untote in Computerspielen

    Was 1996 mit Alone in the Dark als Survival-Horror-Adventure begann und mit Resident Evil von Capcom für Playstation und PC fortgesetzt wurde, führte über die Jahre hinweg zu Open-World-Zombie-Games. Wir liefern eine Übersicht zu relevanten Videospielen mit Untoten sowie eine Betrachtung der Jugendschutzdebatten in apokalyptischen Games.

    Interview: Making Left 4 Dead 2 – Im Gespräch mit Welten-Entwickler Jacob Wawer

    Zusammen mit einer Gruppe, deren Mitglieder auf dem ganzen Globus verteilt waren, hat Jacob Wawer aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald die Welten und Szenarien für das Zombie-Spiel Left 4 Dead 2 entworfen und entwickelt. Wir haben uns ausführlich mit ihm über seine Arbeit unterhalten.

    The Last of Us – Von einem Spiel das auszog, das Gamen zu verändern

    Was macht The Last of Us zu einem Meisterwerk – und ist es wirklich ein klassisches Zombiespiel?

    Musik

    Never too Dead to Rock – Nightmares on Stage

    Selbst in der Musikbranche trifft man hin und wieder auf Hirnschlürfer. Ein Porträt einschlägiger Künstler und Bands des Musikbusiness, die das Zombie-Motiv im Look, in ihren Performances und Songtexten aufgreifen.

    Blick in die Wissenschaft

    Die realen Ursprünge der Zombie-Seuchen

    Ein immer wieder verwendetes Motiv im Horrorfilm ist die explosionsartige Ausbreitung von Seuchen, die Menschen in blutrünstige Monster verwandeln. Zwar gibt es – zum Glück – bisher keine Zombie-Viren, trotzdem ist die Angst der Menschen vor Epidemien oder gar Pandemien gefährlicher oder tödlicher Krankheiten real. Eine Seuchen-Geschichte von Pest bis Ebola.

    Von Zombie-Drogen, Giften, Viren und Parasiten

    Vielen Zombie-Motiven ist gemeinsam, dass sie bis zu einem gewissen Grad in der realen Welt verankert sind. Die Wirkung von Viren, Giften oder Drogen wird in der Fiktion allerdings ins Gigantische verstärkt. Es gibt aber tatsächlich Gifte, die Persönlichkeit und Körper verändern, Parasiten, die das Verhalten beeinflussen und Drogen, die Menschen in blutrünstige Monster verwandeln.

    Politik

    Geächtet, verboten, verstümmelt – Über gekürzte Filme und die Geschichte der Zensur

    EVIL DEAD von Sam Raimi ist ein Meilenstein des Horror-Kinos aber galt in Deutschland als gewaltverherrlichend und landete schon nach kurzer Zeit im Gift-Schrank. Ein Artikel über Filme auf dem Index, radikale Kürzungen und ein Überblick über die Geschichte der Zensur.

    Philosophie

    »Ich denke nicht mehr, also wanke ich« – Zur Menschlichkeit von Zombies

    Die Metamorphose der lebenden Toten erstreckt sich über fast ein Jahrhundert hinweg. Zeitgenössische Film- und Serienproduktionen entfernen sich von klassischen Zombie-Geschichten und Interpretieren das Motiv um: Wie menschlich sind Zombies eigentlich? Denken oder fühlen sie etwas? Eine philosophische Betrachtung.

    The Walking Dead – Kinder in Zeiten der Apokalypse

    Die TV-Serie THE WALKING DEAD glänzt durch Kompromisslosigkeit und macht dabei auch bei den Kinderfiguren keine Ausnahme.

    Erweitertes Universum

    Zombie-Verwandtschaften und andere Untote: Reaver, Mutanten, Mumien und Frankenstein-Monster

    Schwertschwingende Skelette, zornige Mumien, kopflose Reiter, wiederkehrende tote Seeleute … das Horror- und Fantasy-Genre ist voller unheimlicher Gestalten, die eine sehr große Ähnlichkeit mit dem Zombie-Motiv besitzen. Ein Überblick.

    Fandom

    »Zombies sind die besseren Menschen« – Was ist ein Zombie Walk?

    Untote faszinieren. Längst treffen sich die Fans im Alltag bei Zombie Walks, um ihre imaginären Helden in die reale Welt zu holen.

    Interview: Auf dem Hinderniskurs warten die Untoten – David Zapp und Jennifer Barwell sind beim Zombie Run in Maryland gestartet

    David Zapp und Jennifer Barwell sind große Horror-Fans und waren beim Zombie Run in Maryland dabei. Masters of Fiction erzählen sie, was sie dort erlebt haben.

    Am Ziel einer langen Reise  …

    Ausnahmezustand - Was tun bei der Zombie-Apokalypse?

    Quellenangaben

    Film-, Serien- und Dokumentationenindex

    Abbildungsnachweis

    Impressum

    Monsterfibel

    Story of the (Un)Dead

    »Du kannst sie nicht töten. Sie sind schon tot.« (Zitat aus THE RETURN OF THE LIVING DEAD)

    Wohin wir auch schauen, die meisten Kulturen glauben daran, dass das Leben weit über den Tod hinausgeht. Im Gilgamesh-Epos (18.000 Jahre v. Chr.), einem der ältesten schriftlichen Zeugnisse der Menschheit, sagt die wütende Göttin Ischtar: »Laß ich auferstehen die Toten, dass sie fressen die Lebenden, der Toten werden mehr sein denn der Lebendigen.« (zit. n. Zombieheimat{1}) Und auch Mythen, wie beispielsweise der japanische Onryō (Rachegeist) – Verstorbene, die nicht nur als Gespenster in die Welt der Lebenden zurückkehren, sondern sich körperlich manifestieren –, zeigen, wie tief das Motiv der Wiederkehrer in der Menschheitsgeschichte verwurzelt ist; uns fasziniert und regelrecht »infiziert«.

    Archäologen stoßen bei Ausgrabungen alter Zivilisationen (z.B. der Alten Ägypter) immer wieder auf Grabbeilagen, die als Beweis für ausgeprägte Sterbe- und Begräbnisriten gedeutet werden.

    »Schon früheste Zeugnisse von Begräbnisritualen um 30.000 v.Chr. verweisen auf einen sorgsamen Umgang mit den Verstorbenen, und Grabbeigaben sprechen für die Überzeugung, dass der Tote davon «Gebrauch machen»könnte.« (Deacy, Christopher/Vollmer, Ulrike (Hg.): Blick über den Tod hinaus. Bilder vom Leben nach dem Tod in Theologie und Film, Schüren-Verlag, Marburg 2012, S. 95)

    Im Christentum ist das Böse das notwendige Gegenstück zum Guten. FrommeMenschen genießen nach ihrem Tod die Freuden des Paradieses, die Sünder hingegen erleiden die Qualen der Hölle. (Vgl. Seeßlen, Georg: George A. Romero und seine Filme, edition phantasia-Verlag, Bellheim 2010, S. 9) Die Offenbarung des Johannes im Neuen Testament geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie besagt, dass mit der Auferstehung der Toten ein dunkles Zeitalter über die Menschheit kommen wird; sprich die Apokalypse.

    »Immer, so scheint es, gibt es einen Abglanz der Hölle auf Erden – entweder, indem sich das Höllische in Menschen (oder etwas in der Art) zeigt, die im Auftrag des Teufels versuchen, uns zu verderben […], oder indem sich ganz buchstäblich »die Hölle auftut« und irgendwelche geheimen Pforten, Rituale, Blutmessen eine direkte Verbindung von Welt und Unterwelt herstellen.« (Seeßlen 2010, S. 10)

    Ein Bestandteil des katholischen, aber auch des apostolischen (protestantischen) Glaubensbekenntnisses besagt: »Ich glaube […] an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.« (zit. n. Deacy/Vollmer 2012, S. 95) Angesichts dieser Überzeugung scheint ein Zitat aus George A. Romeros DAWN OF THE DEAD (DT: ZOMBIE; 1978), das auch in Zack Snyders Remake von 2004 wieder auftaucht, bedeutungsvoll: »Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück.«

    Das Exotische und das Fremde – Der klassische Zombie

    »Sie können die Gesetze der Natur nicht für diese Gegend verwenden. Es geschehen seltsame Dinge, die der Menschenverstand nicht fassen kann. Da draußen herrscht das Böse.« (Zitat aus dem Film WHITE ZOMBIE)

    Voodoo, Besessenheit, Strahlen, Mutation, Viren oder Parasiten sind Ursachen für die Rückkehr der Toten. Der Zombie (lat.Cadaver animatum, homo cerebrosus extremus) fasziniert vor allem durch seine Nicht-Zuordenbarkeit: Er ist ein wiedererweckter Toter und somit ein Wesen zwischen Leben und Tod, Subjekt und Objekt, Mensch und Nicht-Mensch. (Vgl. Rath, Gudrun (Hg.): Zombies: Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Ausg. 1/2014, transcript-Verlag, Bielefeld 2014, S. 11)

    Der Ethnologe Michel Leiris (1901-1990) hat als Erster das Zombie-Phänomen untersucht. An seiner Definition von 1929 – nachzulesen in Natias Neuterts Artikel Begegnung mit einem Zombie. Auf den Spuren einer Legende in der Süddeutschen Zeitung vom 5./6. März 1994 – hält auch heute noch die Zombie-Forschung fest.

    Den historischen Hintergrund erhält der Zombie – der ursprünglich von dem Kimbundu-Wort »nzúmbe« abstammt – durch die Einwohner der karibischen Inseln, im Besonderen durch den Voodoo-Kult auf Haiti (hier zombi genannt). Laut einer Legende verabreicht ein Voodoo-Priester kräftigen jungen Männern einen Zaubertrank – Hauptzutat ist das Kugelfischgift Atropin bzw. Tetrodotoxin –, das die Muskulatur lähmt und die Opfer in eine Art Scheintod versetzt. Anschließend werden die Männer lebendig beigesetzt, nur um sie nach einiger Zeit wieder auszugraben und sie von nun an als willenlose Arbeitssklaven zu missbrauchen. (Vgl. Fürst, Michael/Krautkrämer, Florian/Wiemer, Serjoscha (Hg.): Untot. Zombie. Film. Theorie, Belleville-Verlag, München 2011, S. 8) Zombies sind somit ihrer menschlichen Identität und Individualität beraubt.

    Bild 1: Carrefour aus I WALKED WITH A ZOMBIE ist der Inbegriff eines klassischen Zombies.

    Auch die Forschungen des Ethnobotanikers Wade Davis von 1982, der mit seinen Recherchen auf Haiti Zombifikationen von Menschen auf die Spur kommen wollte, sind von essentieller Bedeutung bei Zombie-Debatten. Regisseur Wes Craven widmete Davis sogar einen Film mit dem Titel THE SERPENT AND THE RAINBOW (DT: DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN; 1988), eine Art Reisebericht und Bestandsaufnahme seiner Arbeit.

    Und damit sind wir bei einer Instanz angelangt, die das Bild der Zombies auf ewig prägen sollte: das Kino.

    Romero sei Dank – Der moderne Zombie

    »Je näher man die Welt ansieht, desto brutaler sieht sie zurück.« (Georg Seeßlen)

    Dank des Eingriffs der westlichen Kultur in die Mythologie der Untoten sind Zombies längst zu einer Metapher des Mechanischen geworden: Wankende Gestalten, die mit ausgestreckten Armen nach ihren Opfern greifen und sie mit ihren unsittlichen Tischmanieren fressen. Da Zombies nur noch über eingeschränkte motorische Fähigkeiten verfügen, können sie sich nur langsam fortbewegen. Im modernen Zombie-Film zeigen sich konstante Muster. So zitiert Bart Simpson aus dem Buch der Zaubersprüche: »Wenn ein Zombie dich beißt, wirst du zum Zombie.« (THE SIMPSONS-Folge »Treehouse of Horror III« (DT: »Bösartige Spiele«), Staffel 4)

    Eine entscheidende Wendung erfuhr das Bild des Zombies im Jahr 1968, im Zombiefilmklassiker schlechthin: NIGHT OF THE LIVING DEAD (DT: DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN) von George A. Romero. Hier treten zum ersten Mal Zombies im Kino auf, die von einem kannibalischen Hunger getrieben Jagd auf Menschen machen. Der damals 28-jährige Regisseur ließ sich u.a. vom Roman I am Legend von Richard Matheson inspirieren.

    »Die Zombies sind hier zwar immer noch willenlose, sich langsam bewegende, menschlich erscheinende Wesen, aber im Gegensatz zum Voodoo-Zombie […] haben sie jetzt ein unstillbares Verlangen, ein Bedürfnis: Wie der Vampir stürzen sie sich auf die Lebenden, einerseits, um sie zu verzehren, sich von ihnen zu ernähren, andererseits aber auch, um sich zu vermehren, denn der bloße Biss eines Zombies infiziert die Gebissenen und sorgt für die Transformation vom Menschlichen zum Monströsen.« (Fürst/Krautkrämer/Wiemer 2011, S. 8)

    Auf Romeros Low-Budget-Produktion gehen mehr oder minder alle nachfolgenden Zombietypen und -szenarien zurück. Dabei erhalten romeroische Zombies ihre Macht vor allem durch ihr massenhaftes Auftreten.

    »Ihr Zusammenwirken ist rein additiv, ein Nebeneinander gleicher, sich ausbreitender, aber unabgestimmter Handlungen, das dennoch ein Kollektivkörper mit tausend Händen und Zähnen ergibt.« (Schätz, Joachim: Mit den Untoten leben. Sozietäten im Zombie-Invasionsfilm, in: Fürst/Krautkrämer/Wiemer 2011, S. 47)

    Bild 2: Moderne Zombies in NIGHT OF THE LIVING DEAD.

    Die Überlebenden solcher oder ähnlich gelagerten filmischen Narrationen versuchen sich in Verstecken wie Bunkern, Landhäuser oder Einkaufszentren einzukapseln. Doch nur kurzzeitig wiegen sie sich in Sicherheit. Den Ausnahmezustand zu kontrollieren oder zu beherrschen, scheint unmöglich. Der Kampf der Menschen gegen die Übermacht der Zombies dient nur dem zeitweiligen Überleben. (Vgl. Wicher, Roland: Systemische Wut. George A. Romeros ZOMBIE – DAWN OF THE DEAD, in: Außer Kontrolle. Wut im Film, Schüren-Verlag, Marburg 2005, S. 104)

    Über Jahre entwickelte sich das Zombie-Motiv weiter. Anstatt nur hinter Menschenfleisch her zu sein, haben es die Untoten seit Dan O'Bannons THE RETURN OF THE LIVING DEAD (DT: VERDAMMT, DIE ZOMBIES KOMMEN; 1985) auf menschliche Gehirne abgesehen. Warum das so ist, belegt ein Gespräch zwischen dem Bestatter Ernie (Don Calfa) und den Überresten eines weiblichen, auf einem Seziertisch angeketteten Zombies im Film:

    Ernie: »Warum esst ihr Menschen?«

    Zombie: »Keine Menschen, nur Gehirne.«

    Ernie: »Ihr wollt nur die Gehirne?«

    Zombie: »Ja.«

    Ernie: »Wieso?«

    Zombie: »Der Schmerz.«

    Ernie: »Was für ein Schmerz?«

    Zombie: »Der Schmerz, dass man tot ist.«

    Ernie: »Ich verstehe, dass der Tod schmerzt.«

    Zombie: »Ich kann es fühlen, wie ich in der Erde verwese.«

    Ernie: »Und wenn ihr Gehirne esst, was gibt euch das für ein Gefühl?«

    Zombie: »Es lässt den Schmerz vergehen.«

    Bild 3: Ernie im Gespräch mit einer Untoten – oder was davon noch übrig ist – in THE RETURN OF THE LIVING DEAD.

    Paradoxerweise kann man Zombies nur unschädlich machen, wenn man ihr Gehirn zerstört oder sie vollkommen verbrennt.

    Auferstehung einer neuen Spezies – Der postmoderne Zombie

    »Im Zeitalter der Beschleunigung darf auch der Zombie nicht stehen bleiben […].« (Tobias Haupts)

    Instinkte treiben Zombies voran. Somit sind Analogien zu Tieren keineswegs von der Hand zu weisen. Max Brooks meint in seinem Zombie Survival Guide (DT: Zombie Survival Guide: Überleben unter Untoten): »Doch es wäre unzutreffend, sie als Raubtiere und uns selbst Beute zu nennen. Sie sind eine Seuche und die menschliche Rasse ihr Wirt.« (Brooks, Max: Der Zombie Survival Guide – Überleben unter Untoten, 2. Aufl., Goldmann-Verlag, Pößneck 2004, S. 13) In diesem Zitat tritt die gesamte Tragweite des Themas zu Tage. Brooks macht für die Rückkehr der Toten keine »schwarze Magie«, sondern den Solanum-Virus verantwortlich:

    »Solanum wandert durch den Blutkreislauf – von der ursprünglichen Eintrittsstelle zum Gehirn. Auf Wegen, die noch nicht vollständig entschlüsselt wurden, nutzt das Virus die vorderen Hirnlappen zur Vermehrung und zerstört sie dabei. Während dieser Phase kommen alle Körperfunktionen zum Stillstand. Durch Herzstillstand »stirbt« der infizierte Organismus. Das Gehirn freilich bleibt am Leben, jedoch im Schlafzustand, während das Virus seine Zellen zu einem komplexen neuen Organ mutieren lässt. Die entscheidende Eigenschaft dieses neuen Organs ist eine Unabhängigkeit von Sauerstoff. Durch Überwindung des Bedürfnisses nach dieser unendlich wichtigen Ressource kann das untote Gehirn sich alle komplexen Mechanismen des menschlichen Körpers zunutze machen, ist aber keineswegs davon abhängig. Ist der Mutationsvorgang abgeschlossen, reanimiert dieser neue Organismus den Körper zu einer Lebensform, die – physiologisch gesprochen – wenig Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Leichnam hat. Einige Körperfunktionen bleiben konstant, andere funktionieren auf eine modifizierte Weise, die restlichen werden völlig abgeschaltet. Dieser neue Organismus ist ein Zombie […].« (Brooks 2004, S. 18 f)

    Aber wann wurden aus wankenden Gestalten rennende und kreischende Zeitgenossen? Alles begann mit Danny Boyles 28 DAYS LATER (2002). Hier vollzog sich im Zombie eine Wandlung. Vorbei war es mit der sich langsam vorwärtsbewegenden, homogenen und untergeordneten Masse. (Vgl. Haupts, Tobias: Als die Zombies laufen lernten, in: van Bebber, Jörg (Hg.): Dawn of an Evil Millennium, Büchner-Verlag,

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