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Wittelsbacher auf Europas Thronen

Wittelsbacher auf Europas Thronen

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Wittelsbacher auf Europas Thronen

Länge:
274 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Sep 1, 2014
ISBN:
9783791760360
Format:
Buch

Beschreibung

Die Wittelsbacher waren Pfalzgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige. Sie stellten sogar zwei deutsche Kaiser. Auch außerhalb von Bayern und der Pfalz, im europäischen Raum, verwirklichten sie ihre dynastischen Ambitionen. Von den acht Wittelsbachern auf fremden Thronen haben einige tiefe Spuren hinterlassen: Sie herrschten Jahrzehnte. Andere hingegen regierten nur kurze Zeit und sind heute vergessen. Nicht selten waren es lediglich monarchische Episoden ohne prägende Kraft, zuweilen königliche Abenteuer mit bizarren Zügen. Manchmal aber Setzten die Regenten historische Zäsuren und gaben Epochen ihren Namen. Ihre Throne standen in Ungarn, Böhmen, Skandinavien und Griechenland. Vereinzelt ist das politische Vermächtnis der Wittelsbacher dort noch zu spüren, und ihr bauliches Erbe bis heute zu bewundern.

Der Band behandelt folgende Wittelsbacher:
Ungarn: König Otto (1305-1307) - Skandinavien: König Christoph (1440-1448) / König Karl X. Gustav (1654-1660) / König Karl XI. (1660-1697) / König Karl XII. (1697-1718) - Böhmen: Friedrich V. (1596-1632) / Karl Albrecht (1697-1745) ? Griechenland: König Otto (1832-1862) - Niederbayern-Straubing-Holland: Herzog Wilhelm I. (1330-1389) / Herzog Albrecht I. (1336-1404) / Herzog Wilhelm II. (1365-1417) / Herzog Johann III. (1374-1425)
Freigegeben:
Sep 1, 2014
ISBN:
9783791760360
Format:
Buch

Über den Autor


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Wittelsbacher auf Europas Thronen - Engelbert Schwarzenbeck

Zum Buch

Die Wittelsbacher waren Pfalzgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige in Bayern. Sie stellten sogar zwei deutsche Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Auch außerhalb von Bayern und der Pfalz, im europäischen Raum, verwirklichten sie ihre dynastischen Ambitionen. Von den acht Wittelsbachern auf fremden Thronen haben einige tiefe Spuren hinterlassen und herrschten Jahrzehnte. Andere regierten nur kurze Zeit und markieren monarchische Episoden, zuweilen königliche Abenteuer. Manchmal aber setzten die Regenten historische Zäsuren und gaben Epochen ihren Namen. Ihre Throne standen in Ungarn, Böhmen, Skandinavien und Griechenland. Vereinzelt ist das politische Vermächtnis der Wittelsbacher dort noch zu spüren und ihr bauliches Erbe bis heute zu bewundern.

Der Band behandelt folgende Wittelsbacher und ihre Regierungszeit:

Ungarn: König Otto III. (1305–1307) ♦ Skandinavien: König Christoph III. (1400–1448), König Karl X. Gustav (1654–1660), König Karl XI. (1660–1697), König Karl XII. (1697–1718) ♦ Böhmen: König Friedrich V. (1619–1622), König Karl Albrecht (1741–1743) ♦ Griechenland: König Otto (1832–1862) ♦ Holland: Herzog Wilhelm I. (1356–1389), Herzog Albrecht I. (1358–1404), Herzog Wilhelm II. (1404–1417), Herzog Johann und Herzogin Jakobäa (1414–1428)

Zum Autor

Engelbert Schwarzenbeck, Dr. phil., geb. 1946, langjähriger Leiter der Redaktion Geschichte beim Bayerischen Fernsehen; Autor zahlreicher Dokumentationen zu Personen und Epochen bayerischer und europäischer Geschichte.

Engelbert Schwarzenbeck

Wittelsbacher

auf Europas Thronen

Verlag Friedrich Pustet

Regensburg

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

eISBN 978-3-7917-6036-0 (epub)

© 2014 by Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

eBook-Produktion: Friedrich Pustet, Regensburg

Umschlaggestaltung: Heike Jörss, Regensburg

Diese Publikation ist auch als Printprodukt erhältlich:

ISBN 978-3-7917-2606-9

Weitere Publikationen aus unserem Programm finden Sie auf www.verlag-pustet.de

Kontakt und Bestellungen unter verlag@pustet.de

Einleitung

Was wäre Bayern ohne Wittelsbach und Wittelsbach ohne Bayern? Auf der Suche nach Antwort kann man die Frage als „rhetorische" auffassen oder sich auf das Feld der Spekulation begeben und mit Unbekannten jonglieren. Bei diesem Versuch wird man sich wohl darauf verständigen können, dass gegenseitige Bedingtheit und Abhängigkeit so groß sind, dass das Eine ohne das Andere nur schwer vorstellbar ist.

So haben wir Feststellungen, die zwar plakativ, aber doch etwas falsch sind, die von der öffentlichen Wahrnehmung unterschiedlich geprägt und doch nicht ganz richtig sind. Sie spiegeln nur Teilbereiche, ohne das Ganze zu erfassen. Da mag es auch legitim erscheinen, weitere Facetten des historischen Wirkens der Wittelsbacher zu beleuchten, die über die hinlänglich bekannten hinausweisen.

Die Wittelsbacher waren Pfalzgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige und stellten sogar manchen Kaiser. Allein die Dauer ihrer Herrschaft seit der Mitte des 11. Jahrhunderts machte sie zu einem der bedeutendsten Adelsgeschlechter im Heiligen Römischen Reich. Auch außerhalb von Bayern und der Pfalz, im europäischen Raum, verwirklichten sie ihre dynastischen Ambitionen.

Von den Wittelsbachern auf fremden Thronen haben einige tiefe Spuren hinterlassen, sie herrschten Jahrzehnte und gründeten eine Dynastie. Andere regierten nur wenige Monate und sind fast vergessen; nicht selten markieren sie nur monarchische Episoden ohne prägende Kraft, zuweilen auch königliche Abenteuer mit bizarren Zügen. Einzelne aber setzten historische Zäsuren und gaben Epochen ihre Namen.

Ihre Throne standen in Ungarn, Böhmen, Skandinavien und Griechenland. Gelegentlich ist ihr politisches oder kulturelles Vermächtnis dort noch zu spüren und das bauliche Erbe bis heute zu bestaunen.

Warum waren einige Wittelsbacher erfolgreich, andere nicht? Eine generelle Antwort ist nicht möglich; zu unterschiedlich sind die Gründe, Umstände und Entwicklungen.

Betrachtet man die Auftritte der Wittelsbacher auf der europäischen Bühne im zeitlichen Kontext, fallen zwei Schwerpunkte ins Auge: Der Zeitabschnitt von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts, sowie der Abschnitt vom Anfang des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts.

Im Spätmittelalter ist die starke Präsenz der Wittelsbacher an der Nordsee auffallend, die fast ein Jahrhundert anhielt. Als Folge der Heiratspolitik Ludwigs des Bayern konnten sich am Rande des Reichs niederbayerische Herzöge als Grafen von Hennegau, Holland, Seeland und Herren von Friesland etablieren. Trotz starker innerer Konflikte und einer fragilen machtpolitischen Konstruktion demonstrierten sie Kontinuität und Stärke, bis sie an den Hürden der Erbfolge scheiterten.

Auch Christoph III. gelang ein beispielloser Aufstieg, vom Pfalzgrafen aus der Oberpfalz zum Archirex von Dänemark, Schweden mit Finnland und Norwegen. Er war der letzte Monarch, der dieses skandinavische Riesenreich zusammenhielt. Doch sein früher Tod und fehlende Nachkommen verhinderten eine dauerhafte dynastische Entwicklung.

Erst im 17. Jahrhundert bestieg wieder ein Wittelsbacher einen nordischen Thron. Drei schwedische Könige (Karl X. Gustav, Karl XI., Karl XII.), die aus der Pfalz stammten, regierten eine europäische Großmacht, die den gesamten Ostseeraum beherrschte. Der letzte dieser machtbewussten Herrscher zerbrach nicht an der Übermacht seiner vielen Feinde, sondern wurde Opfer seiner eigenen Hybris.

Auch die ungarische Stephanskrone und die böhmische Wenzelskrone schmückten die Häupter von Wittelsbachern, allerdings nur für kurze Zeit. In diesen Wahlmonarchien fehlten ihren Trägern meist beständige Mehrheiten, um ein solides Herrschaftsfundament zu schaffen.

Im 19. Jahrhundert fiel mit Prinz Otto, dem Zweitgeborenen von König Ludwig I., wieder einem Wittelsbacher eine prägende Rolle in einem europäischen Land, nämlich Griechenland, zu. Die Erwartungen an ihn waren jedoch zu hoch, die Unterstützung durch die Großmächte zu gering, die innenpolitischen Fehler zu eklatant. Zwar wurde Großes und Bleibendes geschaffen, aber der Erfolg ließ auf sich warten. So nahm dieses Experiment, trotz zahlreicher Verdienste, ein vorzeitiges Ende.

Meine Beschäftigung mit Regenten aus dem Haus Wittelsbach hatte zunächst berufliche Gründe. Als Redaktionsleiter Geschichte beim Bayerischen Fernsehen war ich bei der Suche nach attraktiven Themen gut beraten, den Blick auch über die weiß-blauen Grenzen hinaus schweifen zu lassen. Bei diesen Recherchen verstärkte sich der Eindruck, dass die Forschungsschwerpunkte der Geschichtswissenschaft fast ausschließlich landesgeschichtlich ausgerichtet waren. Erst in jüngster Zeit richtete sich der Fokus der Forschung auf Themenfelder, die außerhalb Bayerns liegen.

Lange Zeit beschränkte sich die Vermittlung historischer Inhalte durch das Fernsehen nur auf Personen und Epochen deutscher und bayerischer Geschichte. Als jedoch filmische Dokumentationen über Bayerns Beziehungen zu seinen europäischen Nachbarn bei einer historisch interessierten Öffentlichkeit auf große Resonanz stießen, war dies auch ein ermutigendes Zeichen, neue Wege zu beschreiten.

In der Folge entstanden mehrere Dokumentationen über Herrscher aus dem Haus Wittelsbach, die in europäischen Ländern regiert hatten, so in Skandinavien, den Niederlanden und Griechenland. Bei den Produktionsvorbereitungen bot sich mir die Gelegenheit, die Schauplätze und Erinnerungsorte ihres Wirkens in Augenschein zu nehmen. Auf dieser Spurensuche beeindruckten mich besonders die stupende Präsenz und der Stellenwert einiger Wittelsbacher Herrscher im kollektiven Gedächtnis der jeweiligen Länder.

Dieser Eindruck lebendiger Geschichte und die Fülle des gesammelten Materials bewogen mich, die Lebensbilder einzelner Wittelsbacher in angemessener Breite darzustellen. Nach dem Ende meiner beruflichen Laufbahn trug ich die Idee für dieses Buch dem Verlag Friedrich Pustet vor, der sich sehr aufgeschlossen zeigte und meinen Vorschlag unterstützte. Für diese Bereitschaft und die produktive Zusammenarbeit möchte ich ihm meinen besonderen Dank aussprechen.

Abb. 1: Fürstenfigur mit ungarischem Wappen, vermutlich Otto III. König von Ungarn; ca. Mitte 14. Jh., Zisterzienserinnenabtei Seligenthal

Das ungarische Fiasko

Otto III., König von Ungarn

Herzog von Niederbayern

Im kollektiven Gedächtnis der Ungarn ist sein Name eng mit einem Missgeschick verbunden, dem Verlust der Heiligen Krone. Obwohl Otto die Stephanskrone, das mythenumrankte Symbol der ungarischen Monarchie, am Ende wiederfand, wurde dies von seinen Zeitgenossen als böses Omen gewertet. In der Tat standen die Königsjahre des Niederbayern unter einem schlechten Stern und blieben eine Episode in der ungarischen Geschichte.

Als König Andreas III., der letzte männliche Vertreter des Arpadengeschlechts, im Januar 1301 starb, ging auch eine Ära zu Ende, die drei Jahrhunderte überdauert hatte. In Ungarn bestand zwar immer schon eine Wahlmonarchie, aber Ansehen und Einfluss der Arpadendynastie waren so bedeutend, dass die Wahl eines Königs aus einem anderen Fürstengeschlecht undenkbar erschien. So machten nun die ungarischen Stände den Versuch, die Herrschaft der Arpaden über die weibliche Linie fortzusetzen. In Frage kamen drei Kandidaten, die über ihre Mütter mit dem Königshaus verbunden waren: Karl Robert von Anjou (1271–1295), König Wenzel II. von Böhmen (1271–1305) sowie Herzog Otto III. von Niederbayern (1261–1312).

Die Suche nach einem König

Das Ringen um den ungarischen Thron vollzog sich vor dem Hintergrund eines zerrissenen Landes. Dieses Interregnum war geprägt von Rechtsunsicherheit und Gewalt. Immer stärker nutzten regionale Potentaten das Machtvakuum und rückten ihre Sonderinteressen an die Stelle einer starken Zentralgewalt. Ausgestattet mit gewaltigem Grundbesitz und zahlreichen Privilegien hatten einige Familien herausragende Positionen erlangt. Diese Kleinfürsten unterhielten eigene Truppen, bauten Burgen und leisteten sich eine aufwändige Hofhaltung. Kirche und Kleinadel gerieten in immer größere Abhängigkeit von diesen Adelsfamilien, deren Machtansprüche die Stellung des Monarchen gefährdeten. Ohne die feste Klammer eines Königtums drohten die verschiedenen ethnischen Gegensätze aufzubrechen, die sich durch vermehrte Migrationen seit dem 12. Jahrhundert entwickelt hatten. In dieser instabilen Situation sorgte die Suche nach einem Thronprätendenten für weitere Unruhe.

Obwohl nur ein Teil des ungarischen Adels für Karl Robert zu gewinnen war, kam der Anjou-Kandidat 1301 nach Ungarn und ließ sich in Gran (Esztergom) krönen. Da die Krönung nicht mit der Stephanskrone vollzogen wurde, zahlreiche Vertreter des Hochadels und des Klerus fehlten, war dieser Akt der Inthronisation in den Augen vieler Ungarn ungültig. Nicht wenige ungarische Magnaten und einige Bischöfe sahen Karl Robert deshalb auch nicht als ihren rechtmäßigen König an und stießen sich an der massiven Einmischung des Heiligen Stuhles in ungarische Angelegenheiten.

Diese Fraktion schickte Boten nach Niederbayern zu Otto III. und Stephan I., beide Söhne der Arpadin Elisabeth, um ihnen die Stephanskrone anzubieten. Doch die Brüder lehnten das ehrenvolle Angebot ab, nachdem sie sich mit ihren Beratern ausgetauscht hatten. Daraufhin zog eine ungarische Gesandtschaft nach Prag zu König Wenzel II. von Böhmen-Polen. Doch auch dieser Arpadenenkel wollte das Angebot für sich nicht in Anspruch nehmen, schlug aber seinen zwölfjährigen Sohn als Thronfolger vor. Man einigte sich und mit ungarischer Zustimmung wurde der junge Premyslide zum Gegenkönig gewählt. Im August 1301 erfolgte dann in Stuhlweißenburg unter dem Beifall des Volkes die Krönung, anders als bei Karl Robert von Anjou mit der Stephanskrone. Der neue Regent führte den Namen Ladislaus.

Als der Jubel über den gelungenen Schachzug abgeebbt war, formierte sich die Anjou-Partei und sammelte Anhänger. Die anfänglich große Partei des Gegenkönigs, auch die Mehrheit des Klerus zählte dazu, bröckelte. Karl Robert konnte mit päpstlicher Unterstützung rechnen und warb erfolgreich um die Gunst der mächtigen Feudalherren, die an der Bildung großer unabhängiger Territorialherrschaften nach westlichem Muster interessiert waren.

Außerdem hielt sich Karl Robert durch ein Bündnis mit Rudolf von Österreich (1282–1307) den Rücken frei. Schon seit längerem beobachteten die Habsburger die ganze Entwicklung in Ungarn mit Misstrauen. Das neu geschaffene Machtgebilde der Premysliden aus Böhmen, Mähren, Polen und Ungarn erschien ihnen gefährlich.

Als sich die Kräfteverhältnisse immer deutlicher zum Nachteil von Ladislaus verschoben und die Situation immer brenzliger wurde, zog König Wenzel im Sommer 1304 nach Ungarn. In Ofen ließ er seinen Sohn im Krönungsornat vor dem ungarischen Hochadel auftreten, dann holte er ihn mitsamt den Reichskleinodien überraschend nach Böhmen zurück. Mit diesem listigen Manöver sicherte er sich einen wichtigen Trumpf, denn ohne die Kroninsignien konnte Karl Robert nicht als legitimer Herrscher der Ungarn gelten. In Prag waren sie vor dem Zugriff der Anjou-Partei sicher und König Wenzel konnte in Ruhe die weitere Entwicklung abwarten.

Bei den Ungarn wuchs indes die Empörung über den dreisten Raub der Stephanskrone und es wurden Stimmen laut, welche die gewaltsame Rückholung der Insignien forderten. Für alle, die der Anjou-Partei nicht angehörten, stellte sich die Königsfrage jetzt erneut. So machten sich ungarische Magnaten 1305 wieder auf den Weg nach Niederbayern, um dem Wittelsbacher erneut die Krone anzutragen. Auch dieses Mal warnten die Berater am bayerischen Hof den Herzog vor den Risiken einer Thronkandidatur, aber jetzt entschied sich der 45-Jährige anders: Otto, der noch vor vier Jahren das Angebot ausgeschlagen hatte, nahm die Herausforderung an. Vorerst gelang es ihm, seinen einsamen Entschluss geheim zu halten. Reich beschenkt zogen die ungarischen Gesandten nach ihrer erfolgreich durchgeführten Mission wieder nach Hause.

Was aber waren die Motive für seinen Gesinnungswechsel? Warum beurteilte er die Konstellation von 1305 günstiger als die von 1301? Wollte Otto III. den jahrhundertealten bayerisch-ungarischen Beziehungen noch ein Glanzlicht aufsetzen?

Zuverlässige Antworten auf diese Fragen sind nur schwer zu finden. Die Quellen sind dürftig und oft widersprüchlich. Chroniken und Annalen berichten meist nur in wenigen Worten über Ottos Werdegang. Allein die österreichische Reimchronik befasst sich ausführlicher mit dem Bayernherzog, ist aber ungenau und spekulativ. So hilft nur eine kritische Betrachtung der außenpolitischen Situation im Jahre 1305.

Blickt man auf die zurückliegenden Jahre, zeigt sich in Ottos Außenpolitik – bei allen Drehungen und Wendungen – eine antihabsburgische Konstante. Zwar hatten die niederbayerischen Herzöge Otto und Stephan im März 1304 ihr Bündnis mit den Habsburgern erneuert, sich einem Truppenkontingent gegen Böhmen angeschlossen und im Oktober 1304 gemeinsam Kuttenberg belagert. Nachdem das großangelegte Unternehmen kläglich abgebrochen wurde, weil sich die Böhmen nicht zur Schlacht stellten, riet Otto dem Habsburger zum Rückzug. Es kam zum Seitenwechsel. In der Folge erneuerte er sogar seine antihabsburgische Haltung, verlangte Kostenerstattung für den böhmischen Feldzug und Entschädigung für den Durchzug fremder Truppen durch Niederbayern. Mittlerweile hatte Otto auch Kontakt mit König Wenzel aufgenommen und reiste nach Prag. Mit einem ansehnlichen Geldgeschenk gewann ihn Wenzel als Bundesgenosse und machte ihn sogar zu seinem obersten Kriegshauptmann und Ratgeber.

Zurückgekehrt nach Niederbayern, erreichte Otto das Angebot der ungarischen Magnaten und nun erschien es ihm verlockender als vor vier Jahren. König Wenzel, der einstige Konkurrent um die ungarische Thronfolge, war nun sein Verbündeter geworden und war zudem im Besitz der Stephanskrone. Das Spiel mit der ungarischen Karte war jedoch nicht ohne Risiko. Wie würde sich der habsburgische Nachbar verhalten? Würde König Albrecht hinnehmen, dass durch eine bayerisch-ungarisch-böhmische Allianz seine Spielräume immer enger und die Bedrohung an den Flanken größer wurden? Wohl kaum. Sicher würde sich Habsburg gegen diese Umklammerung zu wehren wissen und dann könnte sich die ungarische Option schnell zu einem Abenteuer auswachsen.

Als Otto im Juni 1305 wieder nach Prag reiste, traf er einen todkranken König. Er unterbreitete ihm seine Pläne und fand bei Wenzel volle Unterstützung. Nachdem die Ambitionen der Premysliden überholt waren, erschien ein wittelsbachisch regiertes Ungarn für Böhmen vorteilhafter als ein Ungarn, das von einem Anjou zwar regiert, von Habsburg aber gelenkt wurde.

Abb. 2: Ab dem 12. Jahrhundert wurden die Könige mit der Stephanskrone gekrönt. Seit dem Jahr 2000 befindet sie sich im Parlamentsgebäude in Budapest.

Nach dem Tod König Wenzels II. setzte sein Sohn Wenzel III. (Ladislaus) die Politik seines Vaters fort und verzichtete am 9. Oktober 1305 auf dem Landtag zu Brünn offiziell auf den ungarischen Thron. In Anwesenheit zahlreicher Adelsvertreter aus Ungarn übergab er dem Bayernherzog Stephanskrone und Kroninsignien. Dieser war sich der Symbolkraft und verfassungsrechtlichen Bedeutung der Heiligen Krone bewusst und ließ sie nicht aus den Augen. Ein Drechslermeister soll einen Behälter aus Holz gefertigt haben, in dem das Kleinod auf Reisen sicher und bequem mitgeführt werden konnte.

Otto machte sich nun auf den Weg nach Ungarn, doch der war mit Hindernissen gepflastert. Durch die öffentliche Übergabe der Insignien wurde allgemein bekannt, was vorher nur vermutet worden war. Die Habsburger zeigten sich entrüstet über diesen „Verrat" und Herzog Rudolf, der älteste Sohn Albrechts, machte die Grenzen nach Österreich dicht. Otto, der die Regierung seines Herzogtums seinem Bruder Stephan übertragen hatte, führte im Gefolge eine Schar niederbayerischer Ritter. Da man gezwungen war, österreichisches Territorium zu durchqueren, erfolgte der Ritt von Mähren nach Ungarn bei Nacht und Nebel. Das Risiko, von den Mannen Herzog Rudolfs gefangen zu werden, war nicht gering. So musste sich Otto als Kaufmann verkleiden, als er durch Feindesland zog. Es spricht für seinen Mut, dass er das Abenteuer wagte. Unterstützt wurde er dabei von einem Schützenmeister

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