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Ich bin kein Sexist, aber ...: Sexismus erlebt, erklärt und wie wir ihn beenden.

Ich bin kein Sexist, aber ...: Sexismus erlebt, erklärt und wie wir ihn beenden.

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Ich bin kein Sexist, aber ...: Sexismus erlebt, erklärt und wie wir ihn beenden.

Länge:
89 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 16, 2014
ISBN:
9783944666037
Format:
Buch

Beschreibung

Immer noch tabu: Wie Sexismus unsere Gesellschaft druchdringt und sich auswirkt

Unter dem Stichwort #aufschrei veröffentlichten in den vergangenen Monaten tausende Frauen ihre Erfahrungen mit Sexismus auf Twitter. Und unter anderem auf der Webseite alltagssexismus schreiben täglich viele Frauen ihre Erlebnisse auf. Die Autorinnen Yasmina Banaszczuk, Nicole von Horst und Jasna Strick gehören zu jenen, die den #aufschrei initiierten, ihn begleitetet haben und in den klassischen Medien darüber sprachen. Gemeinsam mit der Kulturwissenschaftlerin und Journalistin Mithu M. Sanyal schreiben sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln über Sexismus und seine Auswirkungen.

Nicole von Horst macht sich Gedanken darüber, warum #aufschrei so viele Frauen berührt hat, während Jasna Strick die darauf folgenden Abwehrmechanismen analysiert. Yasmina Banaszczuk geht auf die Verbindung von Systemen und Sexismus ein, während Mithu M. Sanyal Alternativen untersucht und Lösungsansätze vorstellt.

Der Band liefert einen längst überfälligen Beitrag zum Thema Alltagssexismus aus der Perspektive von Frauen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 16, 2014
ISBN:
9783944666037
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Ich bin kein Sexist, aber ... - Yasmina Banaszczuk

Ismen

Nicole von Horst

The stories we tell

Eine Sommernacht. Ich spaziere alleine am Main herum. Es ist warm, ich habe ein Notizbuch dabei und gute Laune. Gehe durch den verfallenen Hafenbereich, singe im Dunkeln vor mich hin. This is where I’m staying. This is my home. Ich fürchte mich nicht. Eigentlich will ich für mich sein, lasse mich aber von einem Angler in ein Gespräch verwickeln. Er ist nett, wir unterhalten uns, während er sein Fahrrad am Mainufer entlang schiebt, ein alter Mann, der von seiner Dorfkindheit erzählt. Ich höre gerne, was andere aus ihrem Leben zu erzählen haben. Er will mir seinen besten Freund vorstellen, ruft ihn an. Der kommt, wir sitzen zu dritt auf einer Parkbank an einem Spielplatz. Der beste Freund erzählt mir von seiner Exfrau, von seinen sexuellen Erfahrungen, fragt mich über meine aus. Der Angler geht pinkeln, um uns alleine zu lassen, kommt nicht zurück. An diesem Punkt wird es richtig ungemütlich. Mein Glück ist, dass ich weiß, was ich (nicht) will, dass ich weiß, was ich nicht mitmachen muss, wo der Anspruch höflich zu sein nicht mehr gilt. Und als der beste Freund des Anglers versucht mich anzufassen und zu küssen, kann ich nein sagen. Einmal reicht nicht, ich muss es mehrmals und deutlich tun. Er lässt los, nicht ohne pampig zu werden. Ich gehe, ohne mich noch einmal umzudrehen, und hoffe, dass er mir nicht hinterherkommt. Und ich ärgere mich, ärgere mich darüber, dass mir dieser Typ meinen Abend verdorben hat. Obwohl ich weiß, dass ich mich nicht falsch verhalten habe, ist mir ebenso klar, dass ich nicht davon erzählen kann, dass ich damit rechnen muss, vorgeworfen zu bekommen, selbst daran schuld zu sein. Wärst du nicht nachts allein unterwegs gewesen. Hättest du dich nicht ansprechen lassen. Wärst du nicht auf seine Fragen eingegangen. Was hast du denn erwartet?

Was ich erwarte? Mit Respekt behandelt zu werden. Das ist offensichtlich. Doch mein Wunsch nach Respekt geht darüber hinaus, wie in übergriffigen Situationen mit mir umgegangen wird. Ich will davon erzählen können, ohne für den Sexismus, der mir begegnet, verantwortlich gemacht zu werden. Auch, wenn es nur um kleine Dinge geht. Ich will einen Raum haben, in den Ambivalenz passt. Dass anerkannt wird, was ich sage, selbst wenn ich eigene Zweifel habe, ohne dass ich damit rechnen muss, diese verteidigen zu müssen. Diese Ambivalenz drückt sich nicht in einem »Ja, aber«, sondern in einem »Ja, und außerdem« aus. Die vielen Male, in denen ich von Männern geküsst wurde und das Geküsstwerden für eine gute Tat hielt, Pfadfinderinnenpflicht, mich nicht wehrte, weil ich mich zu Mitleid verpflichtet sah. (Der fremde, betrunkene Mann, der mich vom Supermarkt verfolgte, mir seine Lebensgeschichte aufdrängte und mir mit Gesten zeigte, wie ein Verwandter sich erhängt hatte. Der Lehrer auf einem Sommerfest, um dessen psychische Probleme ich wusste.) Ich habe gelernt, eine hinnehmende Projektionsfläche zu sein. Manic Pixie Dream Girl im Leben von anderen. Der Witz daran ist, dass ich mir diese Geschichten von Männern anhöre, dabei aber nichts gefragt werde, es sei denn, meine Antwort soll das Gesagte bestätigen. Es wird davon ausgegangen, ich sei interessiert, aber es besteht kein Interesse an meinem Interesse. Cosmic Titty Archetype¹. Was ist mit meinen eigenen Geschichten?

Als ich nachts die ersten Tweets ins Netz setzte, aus denen #aufschrei wurde, war ich trotzig. Ich erinnerte mich an Situationen, die ich erlebt hatte, die nicht eindeutig waren, in denen ich mich nicht gewehrt hatte oder erst spät, die ich nicht sofort als übergriffig einordnen konnte und wo ich wusste, dass andere diese Einordnung nicht anerkennen würden. Das war ja bestimmt nicht so gemeint. Was ist denn daran so schlimm? Situationen, in denen Männer meine Anwesenheit, meine Aufmerksamkeit, meinen Körper als gegeben genommen haben, in denen keine Rolle spielte, was ich wollte, ob ich das wollte. Keine Nachfragen. Situationen, die ich für normal, fast richtig so hielt. Der alte Mann, der mich im Zug beim Lesen unterbrach und mir so ausführlich von seiner Kindheit im Krieg erzählte, dass ich das Gefühl hatte, ihn nicht unterbrechen zu dürfen, es war (ihm) ja wichtig, ein dringendes Anliegen, sodass ich sitzen blieb, bis er ausstieg, obwohl ich meine Station schon längst verpasst hatte und nun vier Stunden länger nach Hause brauchte. Was mir wichtig war, spielte keine Rolle für ihn. Das ist keine Lappalie. Wenn andere nicht annehmen oder ernst nehmen, dass ich über mich verfüge, dass meine Interessen nicht ihre sind, wieso sollte ich das selbst tun?

No black woman writer in this culture can write »too much«. Indeed, no woman writer can write »too much«. No woman has ever written enough. – bell hooks²

Ich habe die Beobachtung gemacht, dass immer wieder, wenn Frauen reden, wenn Frauen Kommentare oder Texte in Foren schreiben, sie sich dafür entschuldigen, zu viel gesagt und geschrieben zu haben, selbst wenn es sich nur um wenige Zeilen handelt. Mich wundert das nicht mehr. Ähnlich wie beim Wunsch vieler Frauen, abzunehmen, sehe ich dahinter den Wunsch, den ihnen zugewiesenen Platz in der Gesellschaft angemessen auszufüllen, sehe, dass selten gegen die Nichtrepräsentation (von von Schönheitsidealen abweichenden Körpern, von sprechenden Frauen, die das nicht in Bezug auf Männer tun) aufbegehrt wird. Lieber sich anpassen, sich einfügen, sich kleinhalten und sich dafür entschuldigen, den kleinen Raum zu beanspruchen, der einer zusteht, obwohl sie ihn noch nicht mal ganz ausfüllt³. Den Ansprüchen gerecht werden.

Ich sehe, wie zwei mit Sexismus verknüpfte Probleme aufeinandertreffen. Einer, der gelernt hat, dass Frauen ihm als Belohnung zustehen (nice guy syndrome, Frauen als »Gewinn« am

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