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Karl Sundermeier - Der Orchideenmissionar: Ein Leben für die gute Botschaft

Karl Sundermeier - Der Orchideenmissionar: Ein Leben für die gute Botschaft

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Karl Sundermeier - Der Orchideenmissionar: Ein Leben für die gute Botschaft

Länge:
320 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Jul 25, 2014
ISBN:
9783761561157
Format:
Buch

Beschreibung

"Zu jeder Zeit und an jedem Ort war mein Vater bereit, über Gott, die Bibel und den christlichen Glauben zu sprechen", sagt Sieglinde Quick über den kürzlich verstorbenen Missionar Karl Sundermeier. Und nicht nur sie ist beeindruckt von der Hingabe, mit der ihr Vater Gottes Wort in Asien und Afrika ebenso wie in seiner deutschen Heimat verkündete. Ob als Farmer in Namibia oder als Reisesekretär der SMD, ob als Orchi deenzüchter in Sri Lanka oder als Bundeswart beim CVJM - Mission, wie Sundermeier sie lebte, entsteht aus der Liebe zu Gott und den Mitmenschen ganz selbstverständlich. Darin kann er uns zum Vorbild für einen ansteckenden Glauben werden.
Freigegeben:
Jul 25, 2014
ISBN:
9783761561157
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Karl Sundermeier - Der Orchideenmissionar - Sieglinde Quick

INHALT

VORWORT

KAPITEL 1: KINDHEIT IN BÜNDE

Haus, Hof und Familie

Kindheit in politisch schwerer Zeit

Prägung im Glauben

KAPITEL 2: STUDIUM AN VIER VERSCHIEDENEN ORTEN

Wuppertal

Ferienjobs und Reisen

Studium in Göttingen, Tübingen und Münster

KAPITEL 3: DER BEGINN DES REISELEBENS

Erste Station: Reisesekretär bei der SMD

Zweite Station: Vikariat in Meinerzhagen

Dritte Station: Bundeswart des CVJM-Westbundes

KAPITEL 4: HINAUS IN DIE WEITE WELT: NACH SRI LANKA

Ausreise und Ankunft

Die „Kandy City Mission"

Der Klopastor: Toiletten und andere Bauwerke

Die eigene Kirche

Weihnachten in der eigenen Gemeinde

Orchideenzüchter und Häuserbauer – aber in erster Linie Missionar

Konfirmation, Kindergarten, Kirche – und Nachwuchs

Heimaturlaub

Käserei und Landwirtschaft

Umzug nach Augustawatte

Heimaturlaub, Unruhen und neue Bauprojekte

Geburtstag im Busch und andere Jubiläen

Abschied in schweren Zeiten

KAPITEL 5: NAMIBIA – VON DEN TROPEN IN DIE STEPPE

Ein belastetes Erbe

Farmgottesdienste, Rundfunkpastor und Kirchenpolitik

Haus und Familie

Krieg, Politik und Kirchenpolitik

Heimaturlaub und Besuch in der „Heimat Sri Lanka"

Wie zerstörend Kirchenpolitik sein kann

Familiäre Veränderungen

Freie Wahlen und die Unabhängigkeit Namibias

Alltag nach der Unabhängigkeit

Abschied aus Namibia

KAPITEL 6: AUCH IM RUHESTAND IMMER UNTERWEGS

Zurück in Schwelm, doch viel unterwegs

Auftankstationen, Familienfeiern und Reisen

Abschied nehmen

NACHWORT UND DANK

LITERATURVERZEICHNIS

ANMERKUNGEN

VORWORT

An einem Sonntagmorgen bei herrlichem Sonnenschein sitzt mein Vater mit seinen 81 Jahren bei uns draußen auf der Terrasse, trinkt genüsslich eine Tasse guten Ceylontee und unterhält sich mit einem unserer Gäste, die ich anlässlich einer Familienfeier bewirte. Mit halbem Ohr nehme ich wahr, was er sagt. Dabei sitzt er nicht gemütlich zurückgelehnt im Gartenstuhl, sondern in seiner ihm so typischen „Lehrhaltung": leicht vornübergebeugt, den einen Arm verschränkt, den anderen mit der offenen Handfläche zum Gegenüber hingestreckt, als wolle er ihm etwas ganz Kostbares anbieten. Zuerst denke ich, er wolle die gerade gehörte Predigt unseres Pfarrers kritisieren – wie Pfarrer das gerne tun –, doch dann werde ich eines Besseren belehrt. Schnell setze ich mich hin und höre zu, wie ich schon als Kind immer dann besonders aufmerksam gelauscht habe, wenn er bei einer seiner Bibelarbeiten auf irgendeine kleine, aber äußerst wichtige Sache im Urtext hinwies. Eigentlich sollte ich ja weiter meine Gäste bewirten und will schon wieder aufstehen, auch weil es um die Schöpfung zu gehen scheint und ich dieses Thema als Theologin schon fast nicht mehr hören kann, da merke ich plötzlich auf. Es erstaunt mich, dass mir das, wovon mein Vater gerade spricht, selber noch nie aufgefallen ist, wo ich doch den Luthertext fast auswendig kann. Mein Vater stellt fest, dass Gott Adam den Auftrag im Paradies gibt, die Erde zu bebauen und zu bewahren, aber nach dem Sündenfall Gott nur noch die Aufgabe gibt, die Erde zu bebauen. Von Bewahren ist keine Rede mehr. Dann folgt natürlich gleich die Auslegung, dass durch Jesus auch die Schöpfung erlöst werden müsse, und zwar nicht durch unser Tun, sondern durch Gottes Neuschöpfung. Mich hat es wieder einmal erstaunt, wie genau mein Vater hinschaut und das Augenmerk auf Dinge lenkt, über die man normalerweise einfach so hinwegliest.

Wenn er früher sonntags bei seinen – immer frei gehaltenen Predigten – den Bibeltext vorlas, dann erklang bei neutestamentlichen Texten original Luther, obwohl er nur das griechische Neue Testament vorliegen hatte. Dabei ging es ihm aber nie um theologische Spitzfindigkeiten oder gar Lehrstreitigkeiten, sondern immer darum, die Bibel und den Glauben in seiner ganzen Tiefe und Breite zu erforschen und für das jetzige Leben lebendig zu machen – eben ganz Missionar! In diesen Momenten war ihm auch später sein fortgeschrittenes Alter überhaupt nicht anzumerken. Mit fester, überzeugter Stimme war er jederzeit bereit, das zu bezeugen, was ihm das Wichtigste war auf Erden: das Heil, das wir im Glauben an Jesus geschenkt bekommen.

Es war selten, dass meine Eltern so gemütlich bei uns auf der Terrasse saßen, waren sie doch meistens – auch noch im hohen Alter – unterwegs: in Sri Lanka, in Israel, mal eben in der Türkei oder zu irgendwelchen Kulturbesichtigungen in und um Deutschland. Wobei die Kultur mehr Steckenpferd meiner Mutter war. Mein Vater war glücklich, wenn er solche Reisen mit einem „Dienst" verbinden konnte – hier ein Gottesdienst, da eine Bibelarbeit …

Wenn ich an meinen Vater denke, kommen mir noch andere Bilder in den Sinn: wie er in seinem kakifarbenen Outfit mit geschultertem Gewehr in Namibia das Abendessen in Form eines Springbocks jagt – natürlich in Begleitung des Farmbesitzers, nachdem morgens mit vielen Farmern der Umgebung ein Farmgottesdienst fast wie ein kleines Gemeindefest gefeiert wurde. Oder ich sehe ihn, wie er sich mit uns Kindern im warmen Ozean Sri Lankas tummelt, um hinterher auf der Terrasse eine Runde Skat mit uns zu spielen. Dann denke ich daran, wie er nach langer Reise aus Afrika mit bunten, afrikanischen Blusen für uns Mädchen im Koffer heimkommt und am nächsten Tag auf dem Weg zur Schule uns animiert, mit ihm zusammen lauthals die CVJM-„Ohrwürmer zu schmettern: „Jesu Name nie verklinget …

Auch ein Bild aus seiner Studentenzeit erscheint vor meinem inneren Auge: Er steht vor einem Kreis junger Männer, ein Bein auf einen Stuhl gestellt, in der einen Hand die Bibel, die andere wieder zu den Menschen hingewandt. Zuletzt ein Bild aus seiner Kindheit: Er steht sinnierend da, eine Hand in der Hosentasche und auf der Schulter sitzt seine zahme Elster …

Ein Bekannter sagte mir einmal, dass er Biografien nicht möge, weil dort immer die Person viel zu sehr gelobt und als unfehlbarer Mensch hingestellt werde. So als gäbe es nicht auch die Schwächen, Schuld und schweren Stunden im Leben dieses Menschen. So gesehen dürfte man keine Biografie schreiben, denn selbst die großen Heiligen der Menschheitsgeschichte seien bestimmt keine Engel gewesen und hätten ganz gewiss auch menschliche Schwächen und Fehler.

Deshalb hoffe ich, dass in dieser Biografie letztlich nicht die Person meines Vaters im Vordergrund steht, sondern wie Gott ihn in seinem bewegten Leben immer wieder geführt hat, um für viele Menschen in den verschiedensten Teilen dieser Welt zum Segen zu werden.

KAPITEL 1

KINDHEIT IN BÜNDE

HAUS, HOF UND FAMILIE

Freude und Trauer liegen nah beieinander

Am 21. Januar 1930 wurde Fritz und Paula Sundermeier ihr ältester Sohn im Haus Südlengern Nr. 84 geboren. Stolz marschierte der Vater zum Standesamt, um den Namen seines Sohnes eintragen zu lassen: Friedrich Wilhelm Hans Walter. Diesen Namen, gespickt mit den Namen großer deutscher Kaiser, trug er allerdings nur zwei Tage lang. Dann verstarb ganz plötzlich und unerwartet sein Großvater, Carl Sundermeier. Sein ältester Sohn Fritz war bei ihm im Arbeitszimmer, als Carl plötzlich sagte: „Ich glaube, es geht zu Ende mit mir." Dann fiel sein Kopf vornüber auf die Tischplatte und er war tot. Das war natürlich ein Schock für die Familie. Trotz all der Trauer wollten sie die Taufe des kleinen Jungen nicht verschieben. Während sich also noch der Sarg mit dem Großvater im Haus befand, wurde Fritz’ Sohn im Hause Sundermeier von Pfarrer Julius Prüßner getauft, allerdings auf den Namen Friedrich Wilhelm Hans Karl – in Gedenken an den gerade verstorbenen Großvater, geschrieben allerdings mit K.

Karls Eltern

Von zu Hause aus war Fritz Sundermeier eine gute Kirchlichkeit gewohnt, fand dann aber durch Veranstaltungen des Westdeutschen Jungmännerbundes (heute: CVJM-Westbund) zum lebendigen Glauben in der Nachfolge Jesu. Um diesen Glauben weiter zu vertiefen, meldete er sich 1923 zu einem einjährigen, freiwilligen Praktikum beim Reichsverband des CVJM in Wuppertal an. Danach hängte er noch ein zweites Jahr für einen Spezialkurs in der Evangelistenschule Johanneum in Wuppertal dran, die er in der Zeit beim CVJM kennen- und schätzen gelernt hatte.

Zurück in Bünde nahm er weiterhin regen Anteil nicht nur an der dortigen evangelischen Gemeinde, sondern auch an der Bünder CVJM-Gruppe. Er hielt Bibelarbeiten, spielte im CVJM-Posaunenchor und nahm an den Bünder Missionsfesten teil, und zwar nicht nur als Bläser, sondern auch als sehr interessierter Zuhörer.

Der beste Freund Fritz Sundermeiers, Walter Knollmann, hatte eine ältere Schwester, Paula, die am 19. Juli 1900 geboren wurde. Fritz kannte sie nicht nur von seinen Besuchen im Hause seines Freundes in der Brunnenallee, sondern auch von der Gemeinde, denn Paula leitete dort den Mädchenkreis.

Sie hatte die Handelsschule besucht, eine Stelle in Düsseldorf gefunden und kam dort in dieser Zeit zum Glauben. Als sie von zu Hause wegging, hatten ihre Eltern ihr die Liedstrophe „Sing, bet’ und geh auf Gottes Wegen" aus dem Lied Wer nur den lieben Gott lässt walten von Georg Neumark mit auf den Weg gegeben, die ihr seitdem zeitlebens wichtig wurde:

Sing, bet’ und geh auf Gottes Wegen, verricht’ das Deine nur getreu’

und trau des Himmels reichem Segen, so wird er werden bei dir neu.

Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Nachdem sich Paula und Fritz wieder einmal in Bünde begegnet waren und daraufhin besser kennengelernt hatten, verlobten sie sich 1927 und heirateten am 11. Mai 1928. Im Haus Nr. 84 wurde für sie eine eigene Wohnung eingerichtet. Außerdem wohnte in dem Haus noch die älteste der drei Schwestern von Fritz, Erna, zusammen mit ihrem Mann Hans Schrader und ihren beiden ältesten Kindern Reinhard und Hanna, die später mit Karl in die gleiche Schulklasse ging.

Die Zigarrenfabrik

Als nun der Großvater Carl Sundermeier so kurz nach Karls Geburt mit nur 52 Jahren starb, hinterließ er eine kleine, aber feine Zigarrenfabrik, die sich ebenfalls im Haus befand. Mittlerweile hatte Fritz das Haus vergrößert, sodass nun der große Dachboden zur Herstellung der Zigarren benutzt werden konnte. Im Erdgeschoss lagen Büro und Kontor. Vor dem Haus befand sich ein Schild, das auf die Zigarrenherstellung hinwies: „C. Sundermeyer Zigarrenfabrik". (Im Laufe der Zeit war aus dem Y im Namen ein I geworden.) Jetzt übernahm natürlich Fritz die Gesamtleitung und Paula tat nichts lieber, als neben ihrer Hausarbeit auch im Kontor mitzuhelfen.

Die Herstellung der Zigarren war sehr zeitaufwendig, da die Blätter handverlesen und jede einzelne Zigarre von Hand gerollt werden musste. So waren viele fleißige Hände gefragt. Die Stadt Bünde war zu der Zeit in Deutschland die Zigarrenstadt schlechthin. Dort und in der Umgebung gab es an die einhundert kleinen Zigarrenheimbetriebe – wie der von Carl Sundermeier und nach dessen Tod von Fritz. Er stellte in dieser kleinen Fabrik nicht nur die Zigarren her, sondern genoss sie auch selber in vollen Zügen.

Ein volles Haus und viel Arbeit

Karl wuchs behütet zusammen mit Reinhard, seinem Cousin, und Hanna, seiner Cousine, auf und bekam selber bald auch noch Geschwister: zunächst seine Schwester Friedegard, dann die drei Brüder Martin, Fritz und Theo und viel später nochmals eine Schwester, Irene.

Karl (1. v. l.) mit seinen Eltern und fünf Geschwistern.

Bei den vielen Kindern war es gut, dass das Haus groß genug war, um für jeden Platz zu haben. Auch der Garten war groß und wurde sowohl für Obst- und Gemüseanbau als auch für die Landwirtschaft genutzt. Das war zu der damaligen Zeit nichts Besonderes – fast jeder Hof ringsherum hatte eine eigene Landwirtschaft.

Der große Apfelgarten lag direkt vor dem Haus und angrenzend daran der Gemüsegarten. Seitlich gab es noch jeweils 2 500 Quadratmeter große Roggen-, Hafer- und Kartoffelfelder, sodass Karl und seine Geschwister viel Gelegenheit hatten, schon früh mit Arbeiten in der Obsternte und auf dem Feld vertraut zu werden. Die groben Arbeiten auf dem Feld wie Pflügen und Ernten wurden von einem Bauern aus Bünde übernommen. Hoch oben auf dem Leiterwagen saßen Karl und seine Brüder auf den Getreidegarben und durften mit zum Dreschen fahren. Ein anderes Mal mussten sie die Kartoffeln auflesen, die mit einem speziellen Holzgestell, das von Pferden gezogen wurde, an die Erdoberfläche befördert worden waren. Das war zwar harte Arbeit, aber sie machte ihnen definitiv mehr Spaß, als den Schaf- und Schweinestall auszumisten. Dreimal am Tag musste Karl die beiden Schafe melken. Hühner waren natürlich auch vorhanden. Früher hatte es sogar eine Kuh gegeben, die noch von Johanne, Karls Großmutter, als Kind gehütet worden war, während sie ihre Schularbeiten machte. Doch als Paula einzog, zog die Kuh aus – wie Paula später ihren Kindern verriet.

Gelebter Glaube in der Familie

Vater Fritz war ein großer Tierfreund und auch Züchter: Er hatte sowohl Kaninchen als auch Tauben und war im Kaninchenzucht- und Taubenverein. Manchmal, wenn ein Brief vom Verein kam, mussten die Kinder lachen, da die Anrede meistens lautete: „Lieber Zuchtbruder!" Aus dem Taubenverein und der -zucht stieg Fritz aber bald aus, da die Wettflüge immer sonntagmorgens stattfanden und er lieber in den Gottesdienst gehen wollte.

Überhaupt war es für Paula und Fritz sehr wichtig, ihren Glauben in ihrem Familienleben zum Ausdruck zu bringen. So wurde jeden Morgen gemeinsam am Frühstückstisch die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine gelesen und nach dem Mittagessen das Blatt des Neukirchener Abreißkalenders. Das war auch dann noch so, als wir Enkelkinder später unsere Großeltern in Südlengern besuchten. Gesungen wurde vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit und später auch viel musiziert. Das waren die musikalischen Höhepunkte im Jahr. Außerdem betete und sang Paula regelmäßig mit den Kindern abends beim Zubettgehen.

Die Liebe zur Natur und der gelebte Glaube der Eltern zu Hause und in der Gemeinde, in der Karl später regelmäßig den Kindergottesdienst besuchte, prägten ihn entscheidend in seiner Kindheit.

KINDHEIT IN POLITISCH SCHWERER ZEIT

Die Schuljahre

Mit vier Jahren ging Karl und bald auch seine Schwester Friedegard in den Kindergarten in Bünde. Von 1936 bis 1940 besuchte er zusammen mit Hanna die Dorfschule in Südlengern und musste danach wieder nach Bünde, wo er von 1940 bis 1950 in das neusprachliche Gymnasium ging und neben Englisch und Französisch auch Latein lernte.

Hanna erzählte von den ersten gemeinsamen Jahren in der Dorfschule, dass Karl es faustdick hinter den Ohren hatte. Allerdings konnte er sich so geschickt herausreden und unschuldig dreinschauen, dass er selten erwischt und bestraft wurde. Seine durchschlagkräftigste Waffe war sein Humor, mit dem er viele gespannte Momente rettete.

Auf dem Gymnasium hatte er einen Freund, Herbert Klaus, dessen Vater den größten Bauernhof Bündes besaß. Was sie verband, war vor allem ihr gemeinsames Interesse für die Natur, für alles, was mit Pflanzen und Tieren zu tun hatte. Darin wurden sie sehr durch ihren Biologielehrer am Gymnasium gefördert, der seine Schüler aufmunterte, die Natur selbst zu erforschen. Im Laufe der Gymnasialjahre legte sich Karl eine stattliche Anzahl verschiedener Sammlungen zu: Oft fuhr er mit dem Fahrrad zum nahegelegenen Doberg, wo viele seltene Pflanzenarten zu finden waren. Diese pflanzte er in seinen eigenen kleinen Garten zu Hause und zog sie groß. Daher kannte er sich in der Pflanzenwelt sehr gut aus, sodass er oft sogar seinen Biologielehrer mit seinem Wissen verblüffte.

Mit seinem besten Freund Herbert Klaus hatte Karl in seiner Kindheit viel Spaß.

Aber auch die Tierwelt interessierte Karl sehr: Er legte sich eine ansehnliche Schmetterlingssammlung zu und hatte sogar dreißig verschiedene Vogeleier gesammelt. Dabei achteten er und sein Freund Herbert sorgfältig darauf, nicht das Gelege der Vögel zu stören. Sie beobachteten sehr genau, wann sie unbeschadet ein Ei an sich nehmen konnten. Manchmal fuhren sie zu solchen Vogelbeobachtungen nach der Schule mit dem Fahrrad zu dem 40 Kilometer entfernt liegenden Dümmer See und abends natürlich wieder mit dem Fahrrad zurück. Ab und zu halfen sie dort auch zusammen mit dem Biologielehrer bei der Vogelberingung der Jungvögel.

Neben einem Hund, einer Katze und einem Warmwasseraquarium besaß Karl auch noch ein Terrarium mit selbst eingefangenen Eidechsen, Molchen und ungiftigen Schlangen der verschiedensten Arten. Manchmal stromerten Karl und Herbert auch durch den Wald, um Wild zu beobachten. Damals wollte Karl am liebsten Förster werden.

Außerdem machte er gerne Sport. Einmal gab es deshalb sogar einen Eintrag ins Klassenbuch – als er nämlich auf dem Weg von der Schule zum Schulschwimmbad seinem Lehrer und der Klasse mit dem Fahrrad davonfuhr, um schon einmal vom Zehnmeterturm zu springen, bevor alle anderen da waren. Aber das war ihm die Strafe wert.

Karl und die Hitlerjugend

Von den politischen Verwirrungen und ideologischen Irrungen bekamen Karl und seine Geschwister zunächst relativ wenig mit, da ihre Eltern sie so viel wie möglich von ihnen fernhielten. Als Karl zehn Jahre alt war, durfte er – dank des Hinweises seines Vaters, dass er noch nicht so kräftig sei – ein weiteres Jahr dem Jungvolk der Hitlerjugend (HJ) fernbleiben, doch mit elf Jahren musste er beitreten.

Karl merkte, dass diese Jugendverbände einen sehr großen positiven Reiz auf alle Kinder ausübten, war doch das, was ihnen beigebracht wurde, der interessanten Pfadfinderarbeit sehr ähnlich. Sie lernten, Zelte aufzubauen, wie Lagerfeuer entfacht wurden und erlebten andere spannende Dinge einer normalen Jugendarbeit. Als elf- und zwölfjähriger Junge fand er es natürlich auch klasse, eine Uniform zu tragen, zumal man in dieser Uniform nicht geschlagen werden durfte. Die Gruppe der „Kleinen" wurde sogar Jungschar genannt!

Nichtsdestotrotz war es Karl bewusst, dass die ganze Sache nicht ganz konform war mit dem Leben und der Lehre, die er zu Hause mitbekam. So war es für ihn selbstverständlich, wenn sie sonntags morgens zum Appell antreten mussten, dass er um kurz vor 11 Uhr zum Kommandeur ging, sich ordnungsgemäß abmeldete und mit noch einigen anderen Jungen zum Kindergottesdienst ging. Da der Gottesdienst und Kindergottesdienst im Gegensatz zu aller anderen Jugendarbeit, zum Beispiel auch der Arbeit des CVJM-Westbundes, nicht verboten war, ließ man sie gehen. Die Glaubenshaltung der Familie Sundermeier war in Südlengern bekannt und wurde respektiert, sodass sie keine Repressalien zu fürchten hatten.

1944 sollte Karl in der HJ befördert werden, was er aber nicht wollte. Um dem zu entgehen, meldete er sich freiwillig bei der Flieger-HJ. Aus der Not wurde eine Leidenschaft fürs Segelfliegen, die er aber leider bei seinen späteren zeitaufwendigen Tätigkeiten nicht weiter vertiefen konnte. Bei der Flieger-HJ ging es zunächst einmal darum, im Fliegerhorst Barntrupp und in Oerlinghausen alle zwei bis drei Wochen das Segelfliegen zu erlernen. Wenn es nach Karl gegangen wäre, hätte es viel öfter sein können, so viel Spaß machte es ihm! Für ihn gab es damals nichts Schöneres als Fliegen, und später genoss er die vielen Flüge, die er beruflich machen musste, auch wenn es natürlich nicht damit zu vergleichen war, selber das Steuer in der Hand zu halten. Nur zwei Mal hatte er im Verlauf seines weiteren Lebens noch einmal die Chance, ein Flugzeug in der Luft eine Zeit lang selbst zu steuern – natürlich nur in Begleitung: einmal bei einem Flug über sein späteres Haus in Schwelm und einmal bei einem Flug mit einem Freund in Namibia.

Dass das Fliegen einen so schrecklichen Kriegshintergrund hatte, war Karl in dem Moment wohl in seiner ganzen schlimmen Konsequenz nicht bewusst. Erst im Nachhinein war er dankbar, dass er im Krieg keine Waffen gebrauchen und nicht gegen andere Menschen kämpfen musste. Um eingezogen zu werden, war er genau einen Monat zu jung.

Sein Vater konnte dem allerdings nicht entgehen und wurde 1941 eingezogen. Zunächst war Fritz in der Kaserne in Bielefeld stationiert. Zwei oder drei Mal fuhr Karl vor der Schule die 15 Kilometer mit dem Fahrrad nach Bielefeld, um seinem Vater Zigarren in die Kaserne zu bringen. Er musste sich jedes Mal sehr beeilen, denn schließlich musste er pünktlich um 8 Uhr auf seiner Schulbank sitzen. Vater Fritz kam aber bald wieder nach Hause, da seine Frau Paula einen Antrag an die Behörden stellte, dass Fritz wichtig sei, um die Produktion der für das Wohlbefinden der Wehrmacht wichtigen Zigarren zu gewährleisten.

Ende 1944 wurde Fritz dann doch noch einmal eingezogen und geriet später in Bayern in amerikanische Kriegsgefangenschaft. In dieser Zeit leitete Paula die Zigarrenfabrik. Da gegen Ende des Krieges die Schule von Frühjahr bis Herbst 1945 ausfiel, konnte Karl

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