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Es passierte.

Es passierte.

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Es passierte.

Länge:
207 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 11, 2015
ISBN:
9783905951684
Format:
Buch

Beschreibung

Nur alles ist alles. Aber kann der Mensch alles ertragen? Damian, schweizerischer Don Juan und Theologe, will alles vom Leben. Er will Sex, er will Erkenntnis, er will Erniedrigung, er will die absolute Freiheit. Er will den Tod. Und der markiert den Anfang. Im Traum sieht Damian, wie seine Leiche aus dem Zürichsee gezogen wird. Das Zeichen für eine Ansteckung mit HIV bei einem One-Night-Stand wenige Tage zuvor, das ist gewiss. Eine geschwollene Wade und Google scheinen das Todesurteil zu bestätigen. Ganz wund von der Reibung zwischen Eros und Thanatos tritt er mit seinen Gewährsmännern Hegel, Nietzsche und Heidegger ein in die finale Phase seines Kampfes: für, mit und gegen Gott.
Christian Uetz’ dritter Roman ist eine Zumutung - im allerbesten Sinne. Sprachlich virtuos, schamlos und blitzgescheit führt er die Leser bis an die Grenzen des Seins und noch darüber hinaus. Was er dort findet, ist so hochkomisch und tieftraurig wie das Leben selbst. Ein poetischer Parforceritt in die Abgründe, Sehnsüchte, Verlorenheit unser Triebe!
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 11, 2015
ISBN:
9783905951684
Format:
Buch

Über den Autor


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Es passierte. - Christian Uetz

HÖLDERLIN

1

DAMIAN WAR GEWISS, dass die Leiche, die im Wasser gefunden worden war, seine eigene war, als er im Radio hörte, der Tote habe die Identitätskarte mit seinem Namen bei sich getragen. Er dachte, die DNA wird es beweisen: Es bin ich, der ich neu inkarniert. Wie kann ich mir zeigen, dass ich tot bin und lebe? Ich brauche nicht mehr zu essen und ich verspüre auch keinen Hunger mehr. Wenn ich aber aus dem Zimmer und auf die Straße gehe, werden die Passanten nicht denken: Das ist doch der, dessen aufgedunsene Leiche eben aus dem Wasser gezogen wurde? So trat er aus dem Haus und versuchte, einen Baum auszureißen, den er voller Inbrunst umarmte. Zu seiner eigenen Verblüffung hatte er ungeheure Kraft. Da erwachte er.

Keinen Augenblick zweifelte Damian, dass der Traum als ein Vorzeichen einer HIV-Infizierung durch einen One-Night-Stand zehn Tage zuvor zu deuten sei. Acht Tage nach der wunderlichen Nacht bemerkte er viel zu rote und viel zu geschwollene Stiche am rechten Bein. Ob sie mir Flöhe ins Bett gebracht hat? Nach neun Tagen aber war die ganze rechte Wade davon dick angeschwollen und verhärtet, es wurde zur großflächigen Rötung, ein Ausschlag. So etwas hatte er in seinen neunundvierzig Jahren nicht erlebt. Jetzt kam ihm zum ersten Mal der Gedanke an Aids. Die Zweiunddreißigjährige hatte auch sonderbar kalte Schweißausbrüche während der Liebe, und sie ritt ihn so heftig, als ob es nicht nur Lust, sondern Verzweiflung auf Leben und Tod wäre. Dabei rutschte das Kondom ab, was wahrscheinlich einige Minuten unbemerkt blieb. Nachdem er sich ein zweites übergestülpt hatte, blieb er oben. Bald sagten beide im Echo: Ich bin unersättlich, und raunten es sich nun immer wieder gegenseitig ins Ohr. Ihn hatte zugleich die Vorsicht zwanghaft übernommen, sodass es ihm unmöglich schien, sich in ihr gehen zu lassen. Nun hörte er sie dann und wann flüsternd Nein! schreien, und nach kurzer Irritation war er sicher, dass es nicht ihm galt. Da ihr kaum noch geflüstertes Nein indes chronisch wurde, geriet er halb in Gedanken: Ist sie als Mädchen missbraucht worden und im Akt liegen die unbewussten Schichten blank und wiederholen die Abwehrreaktion des missbrauchten Mädchens? Aber nein, es musste das Nein sein, das nicht kommen will, damit es nicht vorbei ist: Nein! Das ist zu schön, nein! Ich lasse mich nicht gehen, nein! Du sollst mich nicht besiegen, nein! Ich will nicht sterben! Die so rot und hart geschwollene Wade ließ ihn zu Google greifen. Wenige Tage nach der Ansteckung kann die sogenannt akute HIV-Infektion grippeähnliche Symptome zeigen, Hautausschläge 52 %, geschwollene Lymphknoten 51 %. Und prompt: Der Lymphknoten an der rechten Leiste war dick angeschwollen und schmerzte, wenn er ihn leicht drückte. Da packte ihn die Angst. Der Traum aber vom Toten, der er war, tot und lebendig, dieser Traum, der doch nur ein Traum war, von dem überhaupt keine befreiende oder heilende Wirkung anzunehmen wäre, außer dass er ihn so intensiv geträumt hatte, dieser Traum beruhigte ihn. Nicht, weil er ihm die Befürchtung der Krankheit nahm, sondern, weil er die Krankheit nicht mehr fürchtete. Ich besiege den Tod, indem ich sterbe. Jetzt, in der Annahme der tödlichen Krankheit, war ihm das pure Leben schon das ganze Glück. Er hatte auch keine Angst mehr, kein Geld zu verdienen oder keinen Erfolg zu haben oder allein zu sein. Das war nun alles belanglos; alles aber hatte Sinn. Ich lebe nicht mehr lange. Das war nun sein Jubelsatz, unabhängig davon, ob er mit HIV infiziert war oder nicht. Ich lebe nicht mehr lange, das ist die wundersamste Droge, und es macht keinen Unterschied, ob man zwanzig ist oder fünfzig oder hundert. Ich lebe nicht mehr lange, denn ich habe Aids oder Krebs oder werde vom Lastwagen überfahren oder vom Einbrecher erschossen oder von der Lawine verschüttet. Ich lebe nicht mehr lange, was willst du noch von mir verlangen? Was willst du Versicherung und Vorsorge und Lohnverhandlung? Wie wunderbar war dies Nicht mehr lange. So wollte er immerzu nicht mehr lange unendlich lange leben. Ich lebe nicht mehr lange, am liebsten ewig. Nichts mehr tun für die Lebensverlängerung, damit ist das Geschäftsdenken aus den Angeln gehoben. Nichts mehr tun, um das Leben zu erhalten, das ist die gottwürdige Lebenslust. Und natürlich ist es auch die Bergpredigt. »Sorget euch nicht um euer Leben«, »Kümmert euch nicht um den morgigen Tag«, »Wer das Leben erhalten will, verliert es.« Damian war Theologe. Hieß es bei Nietzsche am Ende noch: »Dionysos gegen den Gekreuzigten«, so war doch in ihm schon und seither völlig evident: »Dionysos im Gekreuzigten.« Es ist die unablässig sexuelle Situation deiner wahnsinnigen Bezeugung, welche in der intimsten Sprachlust offen und hell wird, was sie schon immer war. Es ist zugleich die Abrechnung mit der verdrängten obszönen Energie der Politik, welche die polymorph-perverse Religionsnatur zum kalten und ultradestruktiven Machtinstrument pervertiert; und die Abrechnung mit der zum säkularisierten Geschäft übersexten und damit zugleich sexlosen Gegenwart, deren pur zu sich selbst befreite Befriedigung bis zum Ekel überflüssig wird. Eine leidenslose Zukunft als passionsloses Paradies und »Sex wird überschätzt« als stabile Anpassungsformel an die öde Funktionsgesellschaft. Aber wenn wir uns in der Realität einrichten statt auf die unmögliche Göttlichkeit ausrichten, brauchen wir uns auch nicht über Überdruss zu wundern.

Und schon erwachte das Verlangen, Lisa wiederzusehen. War es nicht eine herrliche Nacht mit ihr, die so spontan zu ihm nach Hause kam, nachdem sie sich am 17. März 2012 zufällig in der Sauna getroffen hatten? Er saß damals allein im großen Gemischtsaunaraum der Sauna Enge am See, sie trat mit heiter scheuem Blick und einem Becher Wasser in der Hand ein und wusste nicht recht wohin mit dem Becher, zumal es ja ohnehin unüblich ist, etwas mit in die Sauna zu nehmen. Mit ihrem Becher in der Hand guckte sie genauso umher wie das Hörnchen aus Ice Age, war sich dabei des Spiels mit der Unsicherheit völlig bewusst, setzte es auch als Spiel ein und bezeichnete so das Leben als etwas grundsätzlich Komisches. Das war ganz anziehend, und sie war ganz ausgezogen. Das erste Mal im Leben sahen sie sich und saßen schon splitternackt allein. Sie war dünn wie er, mit kleinen Brüsten, und groß, fast gleich groß. Ihr Gesicht war schmal, dabei ebenmäßig und keck. Er dachte nicht, dass dies ein One-Night-Stand würde, aber er dachte sofort an einen One-Night-Stand. Er dachte nicht: Das könnte ein One-Night-Stand werden, aber er dachte sofort: Ein One-Night-Stand ist ein schöner Gedanke. Als sie nach drei Minuten noch immer allein saßen, mit ein paar lächelnden Blicken, fragte er, ob ein Aufguss recht sei.

— Ja bitte!

Oh, eine Österreicherin!

— Was machst du denn in der Schweiz?

— Och, sieben Wochen Unsinn am Flughafen für eine Firma für Zigarettenwerbung. Und du?

— Ich bin Theologe, ohne zu praktizieren.

— Wie ist das zu verstehen?

— Ich mache mir Gedanken. Und verdiene mein Geld gelegentlich als Spanischlehrer.

— Ich mache diesen Job auch nur, weil ich etwas Geld verdienen will. Aber eigentlich bin ich Modeschöpferin.

Er verließ die Sauna vor ihr, sprang in den See, schwamm ein paar Züge im Vier-Grad-Wasser und setzte sich auf eine Bank. Als sie kurz darauf auch ins Wasser sprang, dachte er: Unsinn, weiter zu flirten und peinlich zu werden. Es war sympathisch, das reicht. Nun setzte sie sich aber neben ihn in die Kälte der Zürcher Winternacht und nahm das Gespräch wieder auf. Was er ihr in Zürich empfehlen könne, sie sei erst zwei Wochen und zum ersten Mal in dieser Stadt und wohne beim Flughafen, wo nichts los sei. Und schon gingen sie wieder zusammen in die Sauna und lagen dann auch nebeneinander auf den Liegestühlen, als ob sie zusammen hierhergekommen wären. Als sie sich zur selben Zeit zum Gehen in die Umkleidekabine wandte, fragte er sie, ob sie noch mit ihm irgendwo essen wolle.

— Essen ist auf jeden Fall gut.

Richtung Bürkliplatz schlendernd, eigentlich mit Ziel Stadelhofen, staunte er selbst ob seiner Direktheit:

— Ich kann auch bei mir zu Hause eine Pasta machen, ich wohne nahe bei Oerlikon, von da hast du es nicht mehr weit bis zum Flughafen, und guten Rotwein habe ich auch.

— Gegen Pasta und Rotwein bin ich machtlos.

Dies sagte sie so selbstverständlich und fast schelmisch lächelnd, dass es ihm beinahe unheimlich wurde. Tatsächlich trank sie in seiner Wohnung ziemlich schnell, die Rotweinflasche war bald leer. Und schon fand sie, etwas liegen tät jetzt gut.

— Tu dir keinen Zwang an, hier ist das Bett.

Er wohnte in einer Einzimmerwohnung; wo man aß, waren auch das Sofa und das Bett. Sie legte sich hin, und er setzte sich mit der neu geöffneten Weinflasche zu ihr. Um mit ihm anzustoßen, setzte sie sich ein wenig auf, sie schauten sich in die Augen, ihre Münder neigten sich einander zu. Zehn Tage waren seither vergangen, und erneut spürte er das Verlangen. Wenn sie ihn mit Aids angesteckt hatte, konnte sie ihn ja nun nicht mehr anstecken. Und er würde nichts Gefährliches mehr zulassen. Überdies stellte er fest, dass die Lymphknoten wieder abgeschwollen waren, und auch die Wade fühlte sich schon fast normal an. Der Traum und die daraus wachsenden Gedanken noch keine Stunde alt, schrieb er ihr eine SMS, ob sie wieder einmal in die Sauna möchte. Schnell kam die Antwort: Am liebsten heute schon.

Sie entschuldigte sich sehr für das Zuspätkommen, er aber meinte, er genieße die Sauna auch allein. Diesmal begannen sie gleich nach dem ersten gemeinsamen Saunagang zu zittern; sie lagen auf den Liegestühlen beieinander und zitterten wie Espenlaub. Auch in der Sauna hörte das Zittern lange nicht auf, sie schmiegte sich in der Ecke an ihn wie ein Reh. Sie sprangen gemeinsam ins Wasser, und das gemeinsame Zittern nahm auf der kalten Bank heftig zu.

— So geht das nicht weiter, lass uns zu mir nach Hause gehen.

— Ja, noch einmal in die heiße Sauna, und dann schnell gehen.

Zu Hause öffneten sie erst nur eine Flasche Wein und setzten sich auf das Sofa, denn Hunger hatten sie noch nicht. Er aber hatte sich vor der Sauna frisch rasiert. Das steigerte so sehr seine orale Lust, weil die danach fast wundzarte Haut auch das zarte Geschlecht viel sensibler fühlen kann, dass sein Mund bald nach den ersten Küssen an ihr hinunterwanderte und schnell ihre Jeans erreichte. Diese öffnete er auch gleich, und Lisa kam ihm durch Anheben ihres Beckens entgegen. Fast hastig zog er ihre Jeans samt Slip bis zu den Knien, dann mit je einer Hand an den Röhrchenenden über die Füße, zog ihr auch die Socken aus, küsste flüchtig die nackten Füße und tauchte sein Gesicht in ihre Mitte. Es dauerte keine Minute, bis sie ihre Hände auf seinen Kopf legte:

— Das kannst du die ganze Nacht machen.

— Ich nehme dich beim Wort.

Anderntags hatte er etwas Schluckweh und am übernächsten Tag war es eine ausgewachsene Halsinfektion, mit kratzendem Husten. Er nahm eine Taschenlampe und leuchtete sich vor dem Spiegel in den Hals: alles weiß! Eine schleimige weiße Masse, der ganze Rachenraum, auch der hintere Teil der Zunge und die Backeninnenseite über den Weisheitszähnen. Papilloma-Viren! Ich habe mir Krebs beim Cunnilingus geholt, weil ich es so maßlos übertrieben habe! Ich habe doch vor Kurzem erst bei Google gelesen, häufiger Wechsel beim Oralverkehr erhöht die Gefahr auf Mund-, Zungen- und Rachenkrebs um ein Vielfaches, wie das Rauchen. Die Papilloma-Viren, die den Gebärmutterhalskrebs auslösen können, können sich beim Cunnilingus auch auf den Mundraum des Mannes übertragen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich bei über siebzig Prozent der Männer mit Mund-, Zungen- oder Rachenkrebs Papilloma-Viren feststellen ließen. Jetzt habe ich nicht nur Aids, sondern auch noch Krebs, vielleicht gerade weil ich ein von Aids schon geschwächtes Immunsystem habe, wurde nun auch der Krebs ausgelöst. Oder wenn ich von Aids nochmals verschont worden bin, dann zumindest Krebs, oder doch sowohl Aids als auch Krebs, denn ich habe mein Immunsystem vielfach versucht und missbraucht. Oh Schuld, oh Wahn, oh wahnsinnige Schuld! Bei wie vielen habe ich mit dem selbstverständlichsten Recht auf das freie Gebet voll Meergeruchverzückung Gott gepriesen und dabei dem Teufel gedient, der die Lust verderben will. Aber es dreht sich alles immer wieder ins inhärente Gegenteil. Paulus hat das Fleisch verteufelt, weil er es so rein erkannt hatte. Er wollte den Leib als Tempel Gottes von der Verderbnis fernhalten, womit er ihn aus aller Banalität herausgehoben und zugleich erst recht zum Teufel gejagt hat. Aber das Gottlose ist das Zynische, welches das Heilige verlacht. Wem der Akt ein Gebet, der entspricht dem Tempel. Die Schuld ist seit der Scham das Erkennen, durch welches wir hindurchgehen bis zum Tod. Und erst, wenn wir vollkommen erkannt habend vollkommen erkannt sind, endet die Lust des Erkennens und brauchen wir auch keinen Sex mehr. Und auch ohne Sex bleibt die Schuld, den Grund des Existierens schuldig zu bleiben und nicht ganz zu erkennen und nicht völlig erkannt zu sein. So dachte er, sich zu befreien von der Verfolgung der Schuld durch Sex mit vielen und dem damit verbundenen Kurzschluss, dass die Schuld die leibliche Krankheit als Strafe nach sich ziehe.

Aber die reale Schuld kam ja erst, nicht nur die theologische und geschwätzige, nein, die juristische, tatsächliche Schuld des wissenden Verbrechens, die stand noch bevor. Denn die Rachenschleimhaut beruhigte sich über Nacht, und keine Papilloma-Viren hatten ihm Krebs gebracht und seine Anbetung hatte nicht die Schuld einer tödlichen Krankheit nach sich gezogen. Nun aber fuhr er für das Wochenende zu Liv, seiner Geliebten, in rückhaltloser Offenheit. Sie hatten das Credo, sich nicht zu schonen. Alle Gedanken und Taten auszusprechen. Wir muten einander alles zu; und diese Zumutung ist unser Übermut, dass gerade darin das Vertrauen und die Zuneigung und das Begehren umso unzerstörbarer werden. Das war auch einseitig. Die Dinge verschweigen und lügen können ist des Menschen echteste und eigenste Freiheit. Und nur wer sich schont, liebt sich. Liv und Damian aber empfanden es mit felsenfester Überzeugung umgekehrt. Sich schonen ist die Besiegelung der Lauheit, der schleichenden Vergiftung, der allgemeinen Hinterlist und also der Hölle zwischen den Menschen. Und dass sie sich nun schon fünf Jahre zunehmend begehrten, schien ihnen ihr Gesetz zu bestätigen. Ihr Credo der freien Liebe schien aufzugehen. Frei zueinander, weil frei voneinander. Beide ein ganz eigenes und voneinander unabhängiges und zugleich ein sich gegenseitig durch und durch durchdringendes Leben. So konnten sie eine Woche ohne Kontakt sein, nicht einmal eine SMS, ohne Kontrolle und ohne Neid dem anderen alles Schönste wünschend. Und dann wieder Tag und Nacht sich austauschen und alles erzählen. Im Zug fuhr er jeweils sieben Stunden zu ihr oder sie zu ihm. Ihr Aussehen erinnerte ihn stark an Ingeborg Bachmann, derselbe radikale Gesichtsausdruck, dasselbe Sphinxlachen. Nur schöner wohl und sinnlicher noch. Sie leitete seit Herbst 2010 das Goethe-Institut in Weimar. Dieses Wochenende hatte sie am Samstag ein Essen mit den neuen Mitarbeitern, zu dem auch er eingeladen war; und er dachte, es ihr danach zu sagen. Indes fuhr er schon am Freitag, war zwar erst um Mitternacht in Weimar, aber natürlich würden sie so umso eher ziemlich schnell ins Bett gehen. Wie Kinder, die dringend auf Toilette mussten, mochten sie nie lange warten. Nun aber sollte er ihr sagen, nicht nur, dass er zwei Nächte mit Lisa verbracht hatte, sondern auch, dass das Kondom abgerutscht war und er mit Aids infiziert

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