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Die pragmatische Jean

Die pragmatische Jean

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Die pragmatische Jean

Bewertungen:
3/5 (67 Bewertungen)
Länge:
369 Seiten
5 Stunden
Freigegeben:
Nov 2, 2012
ISBN:
9783942989268
Format:
Buch

Beschreibung

Jean Vale Horemarsh ist mit ihrem Leben in Kotemee, einer netten kleinen Stadt in der Nähe von New York, soweit ganz zufrieden; mit ihrem Job als halberfolgreiche Keramik-Künstlerin mit eigenem Laden, ihren engen und treuen Freundinnen (wenn da nur nicht vor Jahren dieses schreckliche Zerwürfnis mit Cheryl gewesen wäre!) und mit ihrer Ehe mit dem eher langweiligen Milt. Aber der qualvolle Tod ihrer Mutter zeigt ihr, was ihre eigentliche Berufung ist: das Leiden derjenigen zu verhindern, die sie liebt. Jeder, der das Gleiche wie sie erlebt hätte, würde sicher ähnlich handeln, jeder pragmatische, praktisch veranlagte Mensch. Oder nicht? Und so bringt Jean eine ihrer besten Freundinnen nach der anderen um die Ecke. Aus Nächstenliebe.

Als Gesellschaftssatire und Krimi in einem dreht sich "Die pragmatische Jean" doch um ein ernstes Thema: das Altern und was wir dagegen tun können. Ein feinhumoriges Buch, das extrem unterhält. Ein Diamant, sowohl für Krimiliebhaber als auch für Freunde der literarischen Hochkomik.
Freigegeben:
Nov 2, 2012
ISBN:
9783942989268
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Die pragmatische Jean - Trevor Cole

befreundet.«

KAPITEL 1

Die Sonne strahlte über Kotemee. Schimmernde Funken tanzten über dem See, das Licht brach sich im Chrom der Wagen auf der Main Street, und im Corkin Park schwangen die Spieler der Star-Lookout Lions, Kotemees Team in der Baseball-Juniorenliga, ihre Aluminiumschläger mit derartiger Begeisterung, dass ihnen die zarten elfjährigen Hände brannten. Doch für Jean Vale Horemarsh gab es kein Licht in ihrem Leben – nur die Beleuchtung in ihrem Kühlschrank, und die offenbarte ihr Dinge, auf deren Anblick sie gern verzichtet hätte.

Ein Glas Erdbeermarmelade, das bis auf ein paar kristallisierte Fruchtreste leer war. Ein halber Becher saure Sahne, über der aquamarinblauer Schimmel wucherte. Eine Pastasauce und eine Suppe, die in ihren Plastikbehältern vor sich hin gärten. Eine verkrumpelte Tüte mit vertrockneten Pilzen. Die verschrumpelten Überreste einer Gurke, die pockennarbigen Leichen einer Zucchini und einer Paprika im Gemüsefach.

Kopfschüttelnd stand Jean in der Küche ihres von der Sonne aufgeheizten Hauses in der Edgeworth Street und machte sich widerstrebend an die Aufgabe, besagte Scheußlichkeiten zu entsorgen. Das Marmeladenglas warf sie in die Recycling-Tonne. Die verdorbenen Flüssigkeiten kippte sie in die Spüle. Die Zucchini, die Gurke und die Pilze kamen auf den Kompost. Die verschimmelte saure Sahne musste sie mit den Fingern aus dem Becher holen, da sie sich ums Verrecken nicht herausschütten ließ. Alles, was ihr irgendwie verdächtig vorkam – ein unsachgemäß verpacktes Stück Fleisch, ein Fläschchen mit trüb gewordener Salatsauce –, entfernte sie erbarmungslos aus den Tiefen des Kühlschranks. Es war drei Uhr nachmittags, und Jean trug immer noch das schwarze Jacquard-Kleid, das sie auf der Beerdigung ihrer Mutter angehabt hatte. Sie hatte noch nicht die Kraft gefunden, es wieder auszuziehen, obwohl sie bereits ein paar Knöpfe geöffnet hatte. Während sie also die Spuren der Vergangenheit tilgte, alles Verdorbene aus dem Kühlschrank räumte, drang die kühle Luft an ihren Rücken, der unter dem halb geöffneten Kleid hervorblitzte.

Milt, Jeans Ehemann, sah ihr zu und räumte ein, dass er sich schon vor Wochen um den Kühlschrank hätte kümmern müssen, als Jean noch bei ihrer Mutter gewesen war. Aber er hätte sich einfach zu sehr geekelt, sagte er, und es deshalb immer weiter aufgeschoben; es sei ihm schleierhaft, wie sie das über sich bringen könne.

»So schnell dreht sich mir nicht der Magen um«, erwiderte Jean.

Drei volle Monate war es nun her, dass Jean und Milt wie ein normales Ehepaar zusammengelebt hatten. Die todkranke Marjorie hatte ihr unmissverständlich klar gemacht, dass sie Jean rund um die Uhr benötigte, weshalb Milt zu Hause ganz auf sich allein gestellt gewesen war. Während Jean sich nun vorbeugte und ein weiteres Mal in das weiße Kühlschrankgehäuse spähte, trat er hinter sie und streckte die eine Hand nach einem Glas Erdnussbutter aus, während er die andere, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, über ihren halbnackten Rücken abwärts wandern ließ.

»Das ist jetzt aber gar keine gute Idee«, sagte sie.

»Entschuldige.« Die Erdnussbutter in der Hand, trat er den Rückzug an, während er gleichzeitig den Deckel aufschraubte. »Ich dachte bloß, weil … Na ja, ich glaube, das letzte Mal hat es geschneit, als wir … Aber du hast recht, das ist jetzt wohl irgendwie nicht der richtige Zeitpunkt.« Er deponierte den Deckel auf der Arbeitsplatte und langte nach einem Plastikbeutel mit Weißbrot. »Wenn du Hunger hast, kann ich dir einen Toast machen.«

Jean richtete sich auf und betrachtete ihren Mann mit schuldbewusster Miene. Sie legte die Arme um ihn und ließ das Kinn einen Augenblick an seiner Schulter ruhen. »Armer Milty«, sagte sie voller Nachsicht. »Armer, armer Milty.«

»Milty geht’s bestens.«

»Wenn du willst, kannst du meine Brust anfassen.«

»Wie, jetzt?«

»Ja. Es wird sowieso nichts passieren. Aber du kannst dann ja ins Bad gehen oder so.«

»Na ja, so nötig hab ich’s auch wieder nicht.«

»Ganz wie du willst.« Als sie sich von ihm löste, griff er ihr doch in den Ausschnitt und hielt ihre linke Brust einen Moment lang fest. »Na also«, sagte sie und tätschelte seine Wange, ehe sie ihn ganz losließ.

»Ich könnte ihn eben mal rausholen«, sagte er.

»Lieber nicht.«

Er trat an ihr vorbei in den Flur und ging Richtung Gästeklo. »Wäre ja nicht das erste Mal.«

***

Ein paar Minuten später saßen sie in zwei grünen Velourssesseln im Wohnzimmer, das vom Licht der Spätnachmittagssonne durchflutet wurde, und blickten auf ihre Keramik Winterblätter, die Milt zu Ehren ihrer Rückkehr auf den Wohnzimmertisch gestellt hatte; das Gebilde sollte einen Haufen Hortensienblätter darstellen, die dem Frost zum Opfer gefallen waren.

»Das sieht aber hübsch aus«, sagte Jean. »Danke.«

»Hab gedacht, es könnte dir gefallen.«

Sie stemmte sich aus der weichen Polsterung, beugte sich vor und kniff die Augen zusammen. »Ist das ein Riss?«

»Nur ein ganz kleiner. Ich habe ihn geklebt.«

»Und da ist ja noch einer.«

»Ach was, vergiss es. Sieh einfach nicht hin.«

Seufzend ließ Jean sich wieder zurücksinken. »Schönheit ist einfach nicht von Dauer.«

»Aber du hast etwas Wunderschönes geschaffen. Das ist doch der eigentliche Punkt.«

Jean sah ihn an. »Wirklich?«

»Aber hallo.«

Sie nickte und ließ das Kinn an die Brust sinken. Nie zuvor war sie so erschöpft, aber zugleich so erleichtert gewesen. Erschöpfung und Erleichterung durchdrangen jede Faser ihres Körpers; sie fühlte sich gleichzeitig großartig und völlig fertig. So müssen sich Sportler fühlen, dachte sie, nachdem sie tausend Meilen gelaufen sind und den Kampf gewonnen haben. Sie überließ sich ihren Empfindungen, und kurz kam es ihr vor, als hätte sie irgendeine Droge genommen; dann schweiften ihre Gedanken zur Trauerfeier in der First United Presbyterian zurück. Alle waren sie dagewesen: Jeans Brüder, gutaussehende Kerle in Uniform; Andrews stets so stille Frau Celeste und ihre beiden fast erwachsenen Kinder, Ross und Marlee, die tatsächlich ein paar kostbare Stunden ihrer jungen Leben opferten; ihre eigenen guten Freunde, die ihr kondolierten und Trost zu spenden versuchten; und noch weitere hundert Bürger von Kotemee, die Marjorie Horemarsh als beste Tierärztin kannten, zu der sie je einen kranken Spaniel gebracht hatten, aber eben nicht als Mutter, für die nur Noten und Belobigungen und Geld und Auszeichnungen zählten, die nie auch nur den geringsten Sinn für schöne Dinge gehabt hatte, für Schönheit um ihrer selbst willen – und schon gar nicht als Pflegefall, als Patientin, die siebzehn Stunden am Tag Schmerzenslaute von sich gab, wie Erbrochenes roch und nicht mehr selbst baden oder essen konnte, gar nicht zu reden von den eitrigen Geschwüren, die gesäubert und verbunden werden mussten, wenn sie sich wieder wund gelegen hatte.

»Nett, deine Freundinnen mal wieder gesehen zu haben«, sagte Milt. »Louise sah ja aus wie das blühende Leben, und …«

»Ja, fand ich auch.«

»Nicht wahr? Und Dorothy ebenfalls. Wir sollten sie demnächst mal wieder zu uns einladen.«

Jean warf einen Blick an die Zimmerdecke und seufzte. »Und was soll das bringen, Milt?«

»Na ja, hier war’s ein bisschen sehr ruhig in letzter Zeit. Ihr könntet doch mal wieder Bridge spielen, so wie früher.«

»Nein, Milt, das meinte ich nicht. Was soll überhaupt noch irgendwas bringen?«

»Oh.« Milt ließ den Kopf gegen die Sessellehne sinken, als wolle er sagen: Du liebe Güte, das ist jetzt aber wirklich eine schwierige Frage.

»Na, siehst du?«, sagte Jean. »Es gehen einem eben eine Menge Dinge durch den Kopf, wenn man sich um seine todkranke Mutter kümmert.«

Milt beugte sich vor. »Willst du etwas trinken?« Er stand auf und straffte sich. Das Ende seiner schief hängenden Krawatte lag über seinem Bauch wie ein welkes Blatt auf einem Kürbis, dachte Jean.

»Ich nehme ein Glas Weißwein.« Sie hob die Stimme, während Milt in die Küche ging. »In solchen Situationen kommt man eben ins Grübeln«, rief sie ihm hinterher. »Man fängt an, sich Fragen zu stellen.«

»Was für Fragen? Tut mir leid, wir haben keinen Weißen. Roten?«

»Gern. Große Fragen. Zum Beispiel, was im Leben überhaupt einen Sinn hat.«

»Verstehe.«

»Man lebt sein Leben, und dann stirbt man irgendwann. Was immer man erreicht hat, ist plötzlich futsch und bedeutet gar nichts mehr. Und das für alle Ewigkeit.«

»Wow«, sagte Milt, als er mit den Gläsern zurückkam.

»Also, was macht das alles für einen Sinn?«

Er reichte ihr das Weinglas. »Wie? Und das soll ich jetzt beantworten?«

»Ich glaube nicht, dass du das kannst. Niemand kann das beantworten.«

»Na ja, der springende Punkt besteht doch wohl darin, das Beste aus seinem Leben herauszuholen, solange man kann.«

Jean, immer noch halb benommen vor Erschöpfung, nippte an ihrem Wein, während sie noch einmal die Gedanken, Fragen und Ungewissheiten Revue passieren ließ, die ihr nicht aus dem Kopf gegangen waren, während sie Marjorie ungesüßte Kindernahrung eingeflößt, in den von Unkraut überwucherten Garten hinausgestarrt, allein auf dem Boden des Badezimmers gekniet und den getrockneten Urin ihrer Mutter aufgewischt hatte, die auf den Fliesen ausgerutscht war.

»Ich finde, es geht um Schönheit.«

»Na, bitte. Du hast deine Frage selbst beantwortet.«

»Darum, einen reinen, unverfälschten Moment der Schönheit oder der Freude zu erleben.« Sie zog eine Grimasse. »Der Wein schmeckt ja widerlich. Wann hast du den denn aufgemacht?«

»Vor einer Woche oder so.«

»Ich trinke das nicht.« Sie stellte ihr Glas auf den Tisch. »Ich will überhaupt keinen zweitklassigen Wein mehr trinken.«

»Soll ich kurz fahren und zwei, drei Flaschen Weißen holen?«

»Ja, aber später. Wir reden doch gerade.« Ein Weilchen starrte sie mit leerem Blick auf den Wohnzimmertisch, den Wein im Glas, die Winterblätter, ohne irgendetwas wirklich wahrzunehmen. »Weißt du, was ich mir manchmal vorgestellt habe, wenn ich Mom in ihrem Bett gefüttert habe?«, sagte sie. »Und sie dann anschließend eingeschlafen ist? Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, wenn ich ihr die Nase und den Mund zuhalten würde – ganz, ganz fest.«

»Du meinst, bis sie erstickt wäre?«

»Genau.«

»Wow«, sagte Milt. Mit großen Augen blickte er sie an, während er den Kopf schüttelte. Er sah aus, als würde er sich die Szene bildlich vor Augen führen.

»Na ja, was ist letztlich der Unterschied?« Sie rutschte auf die Sesselkante vor. »Ob du nun früher oder später stirbst, kommt auf dasselbe raus, nur dass du im zweiten Fall weniger leiden musst. Tiere werden schließlich auch von ihren Qualen erlöst. Meine Mutter hat ihnen auch den Gnadentod gewährt. Ich war selbst dabei.« Grelle Bilder schossen ihr durch den Kopf, eine rasche Folge von Weiß und Rot. Während der frühen Jahre ihrer Laufbahn, als sie noch keine eigene Praxis führen konnte, hatte Marjorie den mit weißen Plastikbahnen abgedeckten Küchentisch für Operationen benutzt. Der kleinen Jean, ihrem ältesten Kind, erlaubte sie, dabei zuzusehen – »So was gehört eben zum richtigen Leben«, pflegte sie zu sagen, »kein Grund, die Augen davor zu schließen« –, wenn sie die Katzen und Hunde von Nachbarn aufschnitt, um ihnen die Eierstöcke oder die Milz zu entfernen oder gerissene Sehnen zusammenzunähen. Und noch vor ihrem siebten Lebensjahr hatte Jean x-mal beobachtet, wie ihre Mutter einem alten oder kranken Tier die Spritze gab, wie sie den Kolben herunterdrückte und abwartete, bis es für immer die Augen schloss. Wenn sie nun darüber nachdachte, war es eine ganz simple Sache – und die einzige Möglichkeit, einer sterbenden Kreatur noch etwas Gutes zu tun.

»Man nennt es ›Gnadenakt‹, Milt. Aus einem ganz einfachen Grund. Weil ein Lebewesen solches Leid nicht verdient hat. Ich hätte es tun sollen. Ich hasse mich dafür, dass ich es nicht getan habe.«

»Sei nicht so streng mit dir, Jean.«

Jean starrte auf die Winterblätter und verlor sich in einem Tagtraum, der wie ein Film hinter ihren Augenlidern ablief, genau wie so oft, wenn sie zusammengesunken im Sessel neben dem Krankenbett ihrer Mutter ausgeharrt und Marjories Atem gelauscht hatte. Sie sah ihre Hand, die sich langsam herabsenkte – in ihrer Phantasie war es stets früher Morgen, und sanftes, rosafarbenes Licht fiel in das Zimmer –, und dann drückte sie die Nasenflügel ihrer Mutter mit Daumen und Zeigefinger zusammen, so wie das Mundstück eines aufgeblasenen Ballons. Mit der anderen Hand hielt sie ihr die Lippen zu. Dann veränderte sich das Bild, und sie presste ihr die Handfläche auf den Mund. Ja, so funktionierte es besser. Und tatsächlich wäre es kinderleicht gewesen; ihre Mutter war schwach, und Jeans Hände waren nach all den Jahren, die sie nun töpferte, regelrecht gestählt. Vor ihrem inneren Auge sah sie, wie ihre Mutter die Augen öffnete, starr vor Schreck zu ihrer Tochter aufsah und um ihr Leben kämpfte, ohne zu begreifen, dass Jean es doch nur gut mit ihr meinte. Nur ein paar Sekündchen, und schon würde alles vorbei sein, im Gegensatz zu den nicht enden wollenden Schmerzen, die sie jeden Tag erdulden musste. Und hinterher würde es keine Vorhaltungen, keine Unterstellungen, keine Verbitterung geben. Nichts von alldem, weil mit dem Tod alles endete.

»Ich hätte meine Mutter umbringen sollen, Milt.« Jean spürte, wie ihr Tränen in die Augen traten. »Ich hätte nicht zulassen dürfen, dass sie immer kränker und kränker wird. Ich hätte sie erlösen müssen.«

Er trat zu ihr und legte eine Hand auf ihr Knie. »Du warst ihr eine gute Tochter, Jean. Du hast dich aufopfernd um sie gekümmert.«

»Aber nicht so, wie es richtig gewesen wäre.«

Sie kramte ihr Taschentuch aus dem Ärmel und tupfte sich die Augen. Doch auch wenn es ihr Schuldgefühle bereitete, dem Leben ihrer Mutter kein vorzeitiges Ende gesetzt zu haben, hatte sie aus ihrem Fehler eine Erkenntnis gewonnen, die sie als seltsam tröstend empfand. Die Gewissheit verlieh ihr neue Energie. Sie holte tief Luft und sah Milt in die traurigen grauen Augen. Was für ein goldiger Mann.

»Wenn du mich noch vögeln willst«, sagte sie, »wäre ich bereit.«

Milt sah auf seine Hand, die nach wie vor auf ihrem Knie lag, und warf dann einen Blick Richtung Gästeklo. »Ich glaube, ich kann jetzt nicht.«

Sie seufzte. »Das ist aber schade.«

»Ich könnt’s ja versuchen.«

»Nee, lass mal.« Sie tätschelte seine Hand. »Mit einem schönen Weißwein bin ich auch zufrieden.«

KAPITEL 2

Jean war gottfroh, endlich aus dem Haus zu kommen, erleichtert, etwas zu tun zu haben und sich in den strahlend blauen Tag stürzen zu können. Sie hielt vor dem Haus Marlborough Street 426, stieg aus dem topasfarbenen Hyundai, marschierte den Pfad hinauf, der zu dem großen Bungalow von Gwen und Phil Thindle führte, die ihre Haustiere stets zu Marjorie gebracht hatten, und warf eine Karte in den Messingbriefkasten.

Wir danken für Ihre aufrichtige Anteilnahme.

Es war ein merkwürdiges, ungewohntes Gefühl gewesen, wieder zu Hause zu sein, sich nicht mehr rund um die Uhr um die Bedürfnisse ihrer dahinsiechenden Mutter kümmern, nicht mehr Marjories Schmerzenslaute ertragen zu müssen, die über die Treppe zu ihr hinunterdrangen, ebenso wie den Geruch von Babynahrung und gekochten Möhren – die einzigen Dinge, die sie am Ende noch zu sich hatte nehmen können –, der so schwer in der Luft lag wie der süßliche Gestank der Verwesung. Als besonders seltsam hatte sie allerdings Milts Anwesenheit empfunden, vor allem, als sie seinen Blick im Nacken spürte.

»Milt«, hatte sie gesagt. »Hör auf, mich zu beobachten.«

»Mach ich doch gar nicht.«

Sie hatte, den Riesenstapel Dankeskärtchen vor sich, am Esszimmertisch gesessen, während Milt wie so häufig hinter ihr im Wohnzimmer in seinem Sessel neben der gusseisernen Stehlampe residierte. Und da er weder ein Buch noch eine Zeitschrift im Schoß hielt, bestand kein Zweifel daran, dass er sie beobachtet hatte.

»Ich kann deinen Blick genau spüren«, hatte sie gesagt. »Was findest du denn so wahnsinnig interessant?«

»Was treibst du da eigentlich?«

Jean bog in die Sedmore Avenue ein und hielt Ausschau nach Nummer 157, wo Judith Bell wohnte, eine alte Freundin ihrer Mutter, die einen ausgesprochen gewöhnlichen Strauß Gladiolen und Nelken geschickt hatte, bestückt mit ein bisschen Alibi-Schleierkraut, dem so ziemlich austauschbarsten Grünzeug, das sich denken ließ. Aber wahrscheinlich war es gar nicht Judiths Schuld, dachte Jean. Was manche Floristen sich leisteten, war schlicht und einfach kriminell.

Euer Beileid hat uns gezeigt, dass wir in unserer Trauer nicht allein sind.

Sie hatte Milt erklärt, dass sie sich bei allen für Blumen und Spenden bedankte. Die Karten, die für Freunde und Bekannte von außerhalb bestimmt waren, würde sie mit der Post schicken; die Karten für Nachbarn und Ortsansässige wollte sie persönlich einwerfen. »Die meisten Leute haben echt keine Ahnung, wie viel Arbeit man nach einer Beerdigung am Hals hat«, hatte sie gesagt. »Von meinen Brüdern mal ganz zu schweigen.«

Milt hatte sich nicht weiter dazu geäußert. Milt hatte sich überhaupt zu gar nichts geäußert. Und seine Art, den Schweiger zu mimen, war Jean plötzlich schwer aufgestoßen. Wie reizend von dir, dass du an Mutters Faible für Hortensien gedacht hast, lautete der Satz, den sie sich gerade für die Karte an Marjories ehemalige Kollegin Millicent Keeping ausgedacht hatte, obwohl ihrer Mutter Hortensien, so wie überhaupt alle Blumen, stets schnurzegal gewesen waren. Sie schrieb es bloß, weil Millicent in einem Altersheim vor sich hin starb und sie ihr wenigstens ein paar nette Worte zukommen lassen wollte. Plötzlich war sie so wütend auf Milt, dass sie ihren Federhalter mitten im Satz auf den Tisch knallte.

»Was ist los, Milt?«

Milt lehnte sich zur Seite. »Hmm, ich habe mich nur gefragt, wann du endlich mal zeigst, was in dir vorgeht.«

»Was in mir vorgeht?«

»Na ja, irgendeine Form von Trauer.«

Sie seufzte, griff wieder nach dem Federhalter und fügte dem Hort ein ensien hinzu. »Aber ich habe gestern doch geweint.« Alles Gute für die Jahre, die dir noch bleiben, setzte sie darunter und unterzeichnete so, wie sie auch ihre Keramiken signierte: Jean V. Horemarsh.

»Für mich klang das mehr wie ein Schnupfen.«

Jean steckte die Karte für Millicent in einen Umschlag, erhob sich und sammelte die anderen Karten ein. Milts Blick folgte ihr, während sie die Karten in einem grünen Einkaufsbeutel verstaute.

»Bei der Beerdigung hast du jedenfalls keine Miene verzogen.«

»Ach, ich …«

»Bei der Beerdigung deines Vater war es genauso«, fuhr Milt fort. »Und hinterher hast du dich sofort an diesen brennenden Busch gemacht.«

Sechs Jahre lag das nun zurück. Drew war an einem Herzanfall gestorben, und nach der Beerdigung war Jean auf die Idee verfallen, einen riesigen Brennenden Dornbusch zu töpfern – anderthalb Meter im Durchmesser und gekrönt von einer ewigen Flamme, auch wenn sie noch nicht genau wusste, wie sie aussehen sollte. Sie hatte damit keineswegs ein religiöses Statement abgeben wollen; Jean war alles andere als gläubig. Viele ihrer besten Einfälle kamen einfach aus heiterem Himmel über sie, und genauso war es mit dem brennenden Monsterbusch gewesen. Zuerst mussten die Blätter in Angriff genommen werden. Und so verbrachte sie drei geschlagene Tage – will heißen, drei Tage ohne eine Minute Schlaf und mit bloß ein paar Häppchen zwischendurch – damit, die winzigen, hauchdünnen Blätter, die kaum größer als ihr Daumen waren, zu modellieren und im Ofen zu brennen. Schließlich hatte sie etwa zweitausendzweihundert Blätter fertiggestellt, wahrscheinlich so etwa das Zwei- oder Dreifache von dem, was sie tatsächlich brauchte, ehe sie zusammenklappte und auf dem Boden ihrer Werkstatt einschlief. Die Blätter befanden sich, auf mehrere Lagen Papier verteilt, in einem großen Pappkarton; wie Cornflakes aus Ton hatten sie ausgesehen.

»So was passiert mir nicht noch mal«, hatte Jean ihrem Mann aus dem Flur zugerufen. »In hundert Jahren nicht.« Dann hatte sie die Tür hinter ihm, seinem Glotzen und seinem Schweigen zugeworfen und war in ihren Wagen gestiegen.

***

Das traumhafte Wetter befahl ihr, endlich mal wieder tief und befreit duchzuatmen, und Jean gehorchte.

Ihre Fahrt führte sie quer durch die Stadt; die Route hatte sie genau geplant, um kein Benzin zu verschwenden. Es war die Art praktischen Denkens, die ihre Mutter begrüßt hätte, dachte Jean nicht ohne Stolz. Außerdem war alles kinderleicht zu bewerkstelligen, da sie die kleine Stadt so gut kannte. Andere Menschen hätten Kotemee sicher als unbedeutend und »piefig« betrachtet, als ein Kaff, das Menschen mit höheren Zielen nur eine Wahl ließ, nämlich dem Ort so schnell wie möglich den Rücken zu kehren. Jean aber war das egal, da all ihre wichtigen Erinnerungen untrennbar mit Kotemee verbunden waren. Im Lauf ihres Lebens war sie so ziemlich jede der breiten Straßen von Kotemee hinuntergefahren oder entlangspaziert, hatte Dutzende der hübschen, holzverkleideten Häuser von innen gesehen. Mit manchen der Straßen und Häuser verbanden sie natürlich stärkere Erinnerungen als mit anderen. Und während sie ein ums andere Mal an den qualvollen Tod ihrer Mutter denken musste, wurde Jean beim Fahren immer wieder von der Vergangenheit eingeholt. Ein Teil von ihr fühlte sich, als wäre sie jahrelang im Exil, auf eine fremde, unwirtliche Insel verbannt gewesen und nun in das Land ihrer Jugend zurückgekehrt. Es war, als müsse sie sich erst wieder mit Kotemee vertraut machen.

In der Calendar Street erinnerte sie sich daran, wie sie damals, neun Jahre alt, von Bonners Schuhgeschäft barfuß nach Hause gelaufen war. Marjorie hatte ihr neue Converse-Turnschuhe gekauft, aber darauf bestanden, dass sie das alte, abgetragene Paar im Laden zurückließ. Doch die neuen Schuhe hatten kostbare weiße Chiclet-Sohlen, und Jean wollte sie nicht sofort schmutzig machen. Als die Verkäuferin dies hörte, hielt sie ihr die alten Treter hin, aber Jeans Mutter hob die Hand.

»Sie hat ja jetzt neue Schuhe«, sagte Marjorie. »Es ist ihre Entscheidung, wenn sie sie nicht tragen will.«

Die alten Turnschuhe baumelten von der Hand der Verkäuferin. »Nicht, dass sie sich wehtut.«

»Wer nicht hören will, muss fühlen.«

Und wie sie es fühlte. Auf dem halbstündigen Weg nach Hause, die Schachtel mit den neuen Schuhen in den Armen, bildeten sich noppengroße Blasen unter Jeans Fußsohlen. Aber sie stand es durch, ohne eine Träne zu vergießen oder auch nur einmal stehenzubleiben.

In der Mott Avenue drosselte sie kurz das Tempo, als sie an einem kleinen Park mit Hartriegelbäumen und einem steinernen Brunnen vorbeikam. Mit sechs Jahren war Jean der Brunnen so riesig vorgekommen, dass sie fest davon überzeugt gewesen war, Gott höchstpersönlich habe ihn erschaffen; damals hatte sie nämlich noch an Gott geglaubt. Wenn die Wasserfontänen hoch nach oben schossen, stellte sie sich vor, dass es Wünsche waren, die gen Himmel zischten. Sie erinnerte sich, wie sie seinerzeit, die Füße im kalten, grünen Wasser, auf der rauen Kante des Beckens gesessen und selbst Wünsche ans Firmament gesandt hatte.

In der Falling Crescent Street kam sie an Dorothy Perks’ altem Haus mit seiner braungrauen Fassade vorbei. Früher war es margarinegelb gewesen. Im Keller dieses Hauses hatte ein Zwölftklässler namens Ash Birdy versucht, der sechzehnjährigen Jean in den Schlüpfer zu fassen; er hatte beobachtet, wie Craig Veere dasselbe bei Dorothy gemacht hatte, und fühlte sich verpflichtet, mit Craig Schritt zu halten. Jean hingegen fühlte sich keineswegs verpflichtet, mit Dorothy mitzuhalten, weshalb Ash schwer enttäuscht gewesen war. Dorothy und Jean waren immer noch miteinander befreundet – in ihrem Beutel befand sich auch ein Dankeskärtchen für Dorothy –, doch was sich später mit Ash zugetragen hatte, war eine ganz andere Geschichte.

Wie üblich musste Jean automatisch an Cheryl Nunley denken, als ihr Ash in den Sinn kam. Zuweilen war es aber auch andersrum – wenn Jean plötzlich Cheryl vor ihrem inneren Auge sah und ihre Gedanken darüber unwillkürlich zu Ash schweiften. Wie auch immer, Ash machte sowieso nur zehn Prozent dieser Erinnerungen aus; die restlichen neunzig entfielen auf Cheryl.

Als nächstes kam die Hill Street. Ganz oben angekommen, hielt Jean vor dem Haus von Louise Draper. Louise unterrichtete Englisch in der Mittelstufe der Hern Regional High School, wo Milt gelegentlich aushilfsweise einsprang. Vor Jahren, eine Ewigkeit schien es her zu sein, hatte Jean bemerkt, dass Milt sich ihr gegenüber irgendwie anders verhielt, und herausbekommen, dass er und Louise so etwas wie ein Techtelmechtel miteinander hatten. Im Grunde konnte man es nicht wirklich eine Affäre nennen, eher eine Freundschaft mit ein paar nackten Tatsachen, gewissermaßen frei ab sechzehn Jahren. Doch als sie Louise zur Rede stellen wollte, empfand sie die andere Frau nicht mehr als Rivalin, sondern war regelrecht entzückt von ihrem Charme. Sie wirkte zerstreut, ja, gelehrtenhaft und überaus authentisch in ihrer Geistesabwesenheit. Jean hatte ihr jedenfalls in null Komma nichts verziehen, und bald darauf waren sie Freundinnen geworden.

Jean erklomm die Treppenstufen und wollte gerade die Karte in den Briefkastenschlitz werfen, als sich urplötzlich die Tür öffnete und Louise vor ihr stand. Dass sie an einem Vormittag unter der Woche zu Hause war, überraschte Jean derart, dass sie jäh zurückschrak. Und Louise wirkte ebenso perplex, als sie Jean erblickte.

»Oh, Jean!«, stieß sie hervor. »Ich habe euer Auto durchs Fenster gesehen, und da dachte ich …« Sie spähte in Richtung Wagen, als wolle sie checken, ob noch jemand darin saß, richtete den Blick wieder auf Jean und lächelte. »Wie schön, dich zu sehen!«

Louise trug eine weiße Bluse und einen sackartigen braunen Rock, wohl die übliche Lehrerinnenmontur, wie Jean dachte. Ihr langes, glanzloses Haar trug sie wie üblich hochgesteckt, ein Stil, der von moderner Fashion Lichtjahre entfernt war. Sie schien in irgendeiner grauen Vorzeit steckengeblieben zu sein, was aber durchaus zu ihr passte, da Louises graue Zellen sich ebenfalls alle naselang an irgendwelchen nebligen Orten aufzuhalten schienen. Und so war es, wie Jean dachte, durchaus möglich, dass ihre Freundin schlicht vergessen hatte, heute zum Unterricht zu gehen.

»Louise, du siehst ja toll aus«, sagte Jean. »Trägst du das in der Schule?«

Louise kicherte mädchenhaft. »Ich habe heute frei, Jean.«

Erleichtert reichte Jean ihrer Freundin das Dankeskärtchen. Die beiden Frauen plauderten ein Weilchen miteinander; Louise fühlte mit ihr, und der Tod von Jeans Mutter schien ihr wahrhaft nahezugehen, während Jean nicht recht wusste, was sie sagen sollte, da Louise offenbar von ihr erwartete, dass sie ebenfalls ihrer Trauer Ausdruck gab – doch Trauer empfand sie vielleicht, wenn sie an Cheryl dachte, aber der Tod ihrer Mutter rief nichts dergleichen in ihr hervor. Davon abgesehen aber war es ein durchaus anregendes Gespräch, und plötzlich dachte Jean, dass es eigentlich gar keine so schlechte Idee von Milt gewesen war, mal wieder ihre Freundinnen einzuladen. Und so fragte sie Louise gleich an Ort und Stelle, ob sie am Mittwoch Zeit habe, sie würde eine kleine Party schmeißen.

Louise stand im Türrahmen, wirkte erfreut und leicht verwirrt zugleich.

»Das wäre dann …«

»Nicht morgen«, sagte Jean. »Übermorgen.«

»Na klar, gerne.«

Bäume und Strommasten warfen kohlrabenschwarze Abbilder ihrer selbst über Rasenflächen und Gehsteige, während Jean ihre Tour fortsetzte. Sie hielt vor dem Häuschen ihrer guten alten Freundin Natalie Skilbeck, die aber um diese Zeit bei der Arbeit war, weshalb Jean sie auf der Rückseite der Karte zu ihrer kleinen Party einlud. Wird bestimmt lustig! Und dann stand noch der Pfarrer auf ihrer Liste, der die Trauerfeier für ihre Mutter geleitet hatte. Jean konnte sich an den Gottesdienst zwar kaum erinnern – die gesamte Beerdigung verschwamm in

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Rezensionen

Was die anderen über Die pragmatische Jean denken

3.1
67 Bewertungen / 18 Rezensionen
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Leser-Rezensionen

  • (3/5)
    I bought this after reading a synopsis because it sounded like a great concept and pretty funny. While it had its moments, overall, I wasn't thrilled with it. It was a fairly slow read for me (not a lot of conversation, more in the characters' heads) and I didn't really care enough for or about the main character to find it particularly interesting. Plus, I had several ideas of what I thought would be a good ending as I was reading and none of those happened, so that left me on a bit of a disappointing note. A great idea, but the execution just wasn't my cup of tea.
  • (3/5)
    Well if you are looking for something different to shake up your reading list, here it is. I'm not sure how to sum up my experience with this book. It is a little bizarre and far fetched but interesting enough that it kept me reading until the end because I really wanted to see how the heck it would turn out. It is described as a darkly humorous book but I thought it was really too odd to be amusing. The really quick summary goes like this.....Jean has recently buried her mother after a long and agonizing battle with cancer. She is dismayed that people have to endure that type of painful death and decides the nicest thing she can do for her friends is to kill them so that she can prevent them from ever having that experience. (I told you it was odd). There is more to this book if you are willing to look a little deeper.It is also a book about the roles people play in eachothers lives and about relationships. I can't say I loved the book but it was just different enough and interesting enough that I wanted to keep reading.
  • (4/5)
    A dark-yet-light gentle satire about a middle aged middle class woman, slightly unhinged after the death of her own mother, who becomes driven to provide a sweet death for her friends. As a gift to them. This is black black and fun
  • (3/5)
    Dark. Very, very dark. I really liked the narrative voice, and I thought Jean was a great character. Most of the other characters were more two-dimensional, but in many ways that fit the way that Jean saw the world, so I was willing to let it slide. A reasonably short book, but still a little too long, I think; even in 300 pages it became repetitive. And really, after the initial shock of what Jean is doing, there aren't any real surprises or revelations or insights.
  • (4/5)
    A Swiftian romp.
  • (4/5)
    This book is a dark, dark comedy. There are definitely disturbing and unsettling things that happen throughout. You must have a certain sense warped sense of humor to enjoy it. If you do, you will love it like I did. The humor and story vaguely reminded me of the Coen brothers' movie Fargo. Maybe because this book is written by a Canadian and takes place in Canada so the characters all have that Northern nice thing going on like the characters in Fargo. The reason Jean is killing her friends in the first place is because she loves them so much, because she is so nice.Jean is a wonderful character. Flashbacks to Jean's childhood show why Jean ended up in a place where she thinks that killing her friends is actually doing them a favor. She's a sympathetic serial killer and so weirdly reasonable that she can almost convince you that what she is doing is okay. If you're a fan of black humor, you'll be a fan of this book.
  • (3/5)
    For fans of black comedy, this novel is just about perfect. Of course, black comedy doesn't appeal to everyone; certainly, it did not appeal to me when I was younger. Now, however, I find that I quite enjoy dark humor. Basically, if you find the description to be amusing and want to read more, then you'll quite enjoy the book.

    Jean, of course, is crazy. What else could one possibly expect of someone stuck with the last name of 'Horemarsh?' Cole does a great job of making her brand of craziness believable. He sets up that this idea and her hardness is not coming from nowhere. Her past enables her to do what most people, even those who agreed with her that it would be a mercy killing, would never be able to do.

    The cast of characters is lively and quirky, each one providing elements of humor. Here's a sample of the kind of dark humor you can expect: one of her friends betrays her, and as punishment, she does not have the honor of being killed. As I said, dark humor. If you think that's awesome, do yourself a favor and read this!

    P.S. Before you start thinking Jean was onto something, please let me recommend instead Natalie's (one of Jean's friends) brand of friendship: "What says 'love' like a chocolate cupcake?"
  • (4/5)
    I've always loved genre mash-ups, so I had to read chick lit/serial killer fiction. I did not expect to enjoy it as much as I did. Longer review later.
  • (3/5)
    The story of a woman who 'saves' her friends from the horrors of aging by going on a killing spree... rather too dark for me to see more than a few glimmers of humour, so it didn't really work for me as a black comedy. But an interesting read that broadened my horizons.
  • (5/5)
    Jean Vale Horemarsh, the protagonist of Trevor Cole?s wickedly funny comedy of manners, has lived her whole life in the small town of Kotemee?and it?s the manners of small-town life that Cole satirizes. Jean is an artist, who creates ceramic sculptures of leaves, which, alas, tend to be extremely fragile, often breaking as soon as they?re touched. She?s been married for nearly 30 years to Milt, a wholly unambitious substitute teacher who isn?t interested in applying for a permanent teaching job. Her brothers are both on the Kotemee police force, the older one serving as is chief, the younger as a hapless detective who is relegated to tasks like finding bands for the annual police fundraiser. Jean has a coterie of close female friends, including Natalie, a sharp-mouthed pet-groomer; Dorothy, the long-suffering wife of a punch-drunk former boxer; and the wealthy and stylish Adele, who knew Jean in college and lives in the nearby city.As the novel opens, Jean?s mother has just died, after a painful, protracted illness during which Jean cared for her. The experience affects Jean deeply, and as she struggles to make sense of it and of her life, she hatches a plan. She will give a great gift to each of her friends: she?ll enable them to avoid the ravages of age, by providing them with one last wonderful experience?a ?last moment of beauty??and then killing them!Swirling around the main story of Jean carrying out her mission are subplots involving Milt?s infidelities; Cheryl, a long-lost friend of Jean?s who has become an alcoholic after two failed marriages; and Fran, the cloyingly, obnoxious newcomer to town who does everything she can to befriend Jean.?Practical Jean? is a very dark comedy, and it has some very dark moments. One occurs when Jean recalls an almost unbearably sad episode from her childhood in which her mother, a veterinarian, drowns a litter of puppies Jean?s dog had. In contrast, the scenes in which Jean commits murder are told in an offhand, almost matter-of-fact way. After one of her killings, she doesn?t have time to take a shower before going to a dinner party at Fran?s house:?The only awkward moment that occurred during the first part of the evening, and it was only slightly awkward, came when Fran bustled about the table to point out to Jean something about the china pattern?a flocking in the gilt that she considered significant for some reason?and then paused. After a second Jean realized that Fran was staring at something, and it was something in her hair. ?What is it, Fran?? she asked. Fran frowned as she peered closer. ?It looks like a spot of dried blood. . . with a piece of skin in it.? Jean reached up, feeling for the spot, and found it, and so wished at that moment that she had taken the time for a proper shower. She dragged it crumbling out of her hair and looked at what remained on her fingers. ?It?s glaze,? said Jean, wiping her fingers in her napkin. ?And a bit of clay.? ?The glaze is read, though. Dark red. You almost never use red.? Jean merely smiled at Fran. ?I?m working on something new.? Things proceeded very amiably after that.?An amiable little post-murder dinner party. Cole?s book is full of such scenes, and it?s a credit to his ability as a writer that his book is eminently readable, riotously funny, and, remarkably intelligent, provoking thought about the very nature of friendship.
  • (4/5)
    Practical Jean is a dark comedy about a woman named Jean who cares for her mother during her last agonizing months of cancer and starts to think how wonderful it would be if people didn't get old and die miserably. What if people could have one last moment of pure happiness and then die? Jean decides to give this gift to her dearest friends and plots how to both make them happy and then kill them.Though this novel had the potential to become ridiculous, it was all very well done. In between the morbid humor is some excellent commentary on friendship, especially among middle-aged women. Character development was a weak point for the novel - despite all the quirky characteristics that Cole gives his characters, they still felt a little flat to me. Even after finishing the book, I felt like I didn't know Jean at all. I'm not sure how to explain what was lacking but something about it made me classify Practical Jean as a good book rather than a great one. I didn't mark too many sentences or passages in this novel, but I like the following because it's so rich in irony: "'Fran,' she said, 'do you ever think about getting old?' "'If I think about it I get too depressed,' said Fran. 'So I try to stay busy. Or I listen to Celine, and she just drives those thoughts right out of my head.' "'I think about it all the time,' said Jean. "'Well, you know what they say about getting old,' Fran chuckled. 'It's better than the alternative.' When Jean said nothing, Fran took her eyes off the road just long enough to glance over. 'Don't you think?'" (pg. 276-7).Also, I love the first lines: "You might think this a rather horrible and depraved sort of story. But that's because you're a nice person. The events of this story are not the sort of thing that nice people think about, let alone do. But that's speaking generally, and traditionally, because the truth of it is that this story is filled with nice people, and yet what happened could not be more awful. It's one of the quirks of our modern times" (pg. 1).
  • (3/5)
    Black comedy is an understatement with regard to this book. I felt sick in my stomach while I read it very quickly as I could not put it down. What more can you ask from a book? I've read comments that Jean's character was underdeveloped. I knew more about her than I cared to know. Did I see myself or people I know in her? Recommended - but not for the squeamish.
  • (3/5)
    Jean spends three months caring for her dying mother. After watching the pain her mother suffers, Jean decides that the best thing she can do for her friends is to save them from such pain. She decides to give them each a perfect moment of happiness, then kill them. Because she loves them. Her only worry is that she might be too selfish to deprive herself of all the friends she loves so much.Practical Jean is a dark comedy; despite the subject matter, it is humourous and the situations are described with a light touch.This is my second novel by Trevor Cole. He's a good writer with a flair for creating characters who don't know that they are unbalanced. His characters, like Jean, hold on to their perspectives no matter what contrary evidence (i.e., reality) is presented to them. Jean as a character is not deeply developed, but she is nonetheless interesting because of her skewed thinking. This is a novel centered around an idea rather than the characters, and it is well done.
  • (5/5)
    Jean Vale Horemarsh, the protagonist of Trevor Cole’s wickedly funny comedy of manners, has lived her whole life in the small town of Kotemee—and it’s the manners of small-town life that Cole satirizes. Jean is an artist, who creates ceramic sculptures of leaves, which, alas, tend to be extremely fragile, often breaking as soon as they’re touched. She’s been married for nearly 30 years to Milt, a wholly unambitious substitute teacher who isn’t interested in applying for a permanent teaching job. Her brothers are both on the Kotemee police force, the older one serving as is chief, the younger as a hapless detective who is relegated to tasks like finding bands for the annual police fundraiser. Jean has a coterie of close female friends, including Natalie, a sharp-mouthed pet-groomer; Dorothy, the long-suffering wife of a punch-drunk former boxer; and the wealthy and stylish Adele, who knew Jean in college and lives in the nearby city.As the novel opens, Jean’s mother has just died, after a painful, protracted illness during which Jean cared for her. The experience affects Jean deeply, and as she struggles to make sense of it and of her life, she hatches a plan. She will give a great gift to each of her friends: she’ll enable them to avoid the ravages of age, by providing them with one last wonderful experience—a “last moment of beauty”—and then killing them!Swirling around the main story of Jean carrying out her mission are subplots involving Milt’s infidelities; Cheryl, a long-lost friend of Jean’s who has become an alcoholic after two failed marriages; and Fran, the cloyingly, obnoxious newcomer to town who does everything she can to befriend Jean.“Practical Jean” is a very dark comedy, and it has some very dark moments. One occurs when Jean recalls an almost unbearably sad episode from her childhood in which her mother, a veterinarian, drowns a litter of puppies Jean’s dog had. In contrast, the scenes in which Jean commits murder are told in an offhand, almost matter-of-fact way. After one of her killings, she doesn’t have time to take a shower before going to a dinner party at Fran’s house:“The only awkward moment that occurred during the first part of the evening, and it was only slightly awkward, came when Fran bustled about the table to point out to Jean something about the china pattern—a flocking in the gilt that she considered significant for some reason—and then paused. After a second Jean realized that Fran was staring at something, and it was something in her hair. ‘What is it, Fran?’ she asked. Fran frowned as she peered closer. ‘It looks like a spot of dried blood. . . with a piece of skin in it.’ Jean reached up, feeling for the spot, and found it, and so wished at that moment that she had taken the time for a proper shower. She dragged it crumbling out of her hair and looked at what remained on her fingers. ‘It’s glaze,’ said Jean, wiping her fingers in her napkin. ‘And a bit of clay.’ ‘The glaze is read, though. Dark red. You almost never use red.’ Jean merely smiled at Fran. ‘I’m working on something new.’ Things proceeded very amiably after that.”An amiable little post-murder dinner party. Cole’s book is full of such scenes, and it’s a credit to his ability as a writer that his book is eminently readable, riotously funny, and, remarkably intelligent, provoking thought about the very nature of friendship.
  • (4/5)
    When middle-aged Jean was a little girl, her mother told her she didn't have a practical gene in her body. Jean took this to mean a "practical Jean," and now that she's grown and has found her purpose, she'll show her mom just how practical she really is.

    Jean has just endured a few months caring for her mom during her illness and eventual death, and is reeling at just how unfair old age can be. No one should suffer as her mom did, and everyone should go out with joy, before the indignities of age and the suffering of disease ruins them. Ever practical, Jean decides to give the best gift she can give to all those whom she loves: one final happy moment and a quick death.

    Jean has many different types of friends: the blunt, forthright one who always tells her like it is; the old reliable college friend; the fun, wild friend whose circumstances have tamed her . . . and don't we all have friends like this? Jean has all types of relationships that she's collected during her life, some that have fallen by the wayside and others that have fallen completely apart.

    I took comfort in how the author addressed how difficult it is for women to find and keep friends in middle age. The author concedes a point that men don’t usually form close friendships at this age, and don’t need them or seek them out (is this true?). There are so many things that hinder older women from forming friendships: different socioeconomic statuses, different stages of life, different relationships with spouses. When you're in elementary school, all it takes is "hey, we're on the playground at the same time, now we're best friends," but as women age, the baggage, the insecurities, and the life demands smother many potential friendships.

    Practical Jean is an unusual book. Even though she bumped off her friends, it was done out of love, and I found myself still pulling for Jean in the end. (What does that say about me?) The women in this book are hilarious, but at the same time very sad. It's a dark comedy, a relationship study, a heartwarming tale of love . . . and murder.

    This review is also posted on my blog: flyleafunfurled.com. Please make me happy by visiting my blog and saying you liked it.

  • (4/5)
    “Young woman...how can you possibly be a Horemarsh? You don’t have a practical gene in your body!” accuses Jean Vale Horemarsh's mother, disapproving of Jean's career as a ceramics artist, her choice of a husband and in fact, of Jean altogether. However after caring for her mother during the last three months of her life, Jean discovers her mother was wrong. An idea coalesces, a practical alternative to her mother's agonising end, one that will spare her closest friends the indignities of aging. It's practically the perfect plan.Practical Jean is an entertaining novel with a quirky premise. The novel explores the themes of friendship, aging and quality of life with sharp observation and dark humour. The storyline stealthily spirals from the ordinary to the darkly absurd as Jean develops and then enacts her 'exquisitely practical' plan. I found the first quarter of the book to be a little slow to be honest but as Jean begins to evolve from an ordinary, if slightly eccentric, housewife and artist to a calculating serial killer I was constantly surprised by the direction Cole took his characters. Trying to provide her friends with a last moment of happiness before she murders them leads to some rather interesting situations.Jean is an unexpectedly sympathetic protagonist. The juxtaposition of Jean's whimsical sense of altruism and her practical actions is clever and though her thinking is undeniably skewed, her 'Angel of Mercy' motivation makes a weird kind of sense. Anyone who has nursed a loved one through the final painful stages of cancer would want to spare them the suffering, Jean just takes things a step too far.The supporting characters are also full of surprises, in telling Jean's story the author reveals the personalities that lurk beneath the surface.Practical Jean is a black humoured satire that I enjoyed for its unpredictability and unique characters. Subtly layered and well crafted this novel is an entertaining read.
  • (5/5)
    Jean Horemarsh has just returned to living with her husband after three months spent caring for her mother as she died of cancer. After watching her mother die, Jean is convinced no one should have to suffer the indignities of aging and illness like her mother did—and she, Jean Horemarsh, will take it upon herself to give each of her friends one final, perfect moment . . . and then, one by one, kill them.The 2011 winner of the Stephen Leacock Memorial Medal for Humour, Practical Jean is wickedly funny and thought-provoking.Read this if: you appreciate irony, or a darker shade of humour.4½ stars
  • (2/5)
    I really, really, really wanted to love this book. I’ve been on such a good run, and recently read a book (Fathermucker by Greg Olear) that had me in stitches. It wasn’t until fairly recently that I started to really get into the harder edge of comedy that these types of books offer, so I, like I said earlier, I really wanted to like this one.But I didn’t.This is why:Jean is not a likeable character. She seems to break(? I don’t know if that’s the right word for it, but it most describes what I felt about it) after her mothers death and rather then finding a dark humor in the story, I just felt incredible pity and a lot of anxiety. I didn’t want Jean to get caught, but I didn’t agree with her actions either – or understand them fully, really.I think the breaking point though, the moment I really just fell off the wagon and admitted to myself that I just didn’t get it, was during a pivotal moment in the book. I don’t want to say too much, but Jean basically takes away all climax to the story with a single speech. It felt.. contrived and out of character for her – not to mention the rest of the story seeming just too convenient.I think I understand what Cole was attempting to do with the story, I just don’t feel there was enough of Jean to really like, or dislike. I felt pity, yes, but she isn’t a character that will stick with me. She seemed somewhat.. bland, like an unseasoned bowl of oatmeal.