Erfreu Dich an Millionen von E-Books, Hörbüchern, Magazinen und mehr

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Homo Touristicus

Homo Touristicus

Vorschau lesen

Homo Touristicus

Länge:
83 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Sept. 2014
ISBN:
9783958650084
Format:
Buch

Beschreibung

…wenn einer eine Reise tut, so kann er etwas erleben. Stets mit einem Augenzwinkern nehmen die Autoren Mancini und Felden die "typischen“ Marotten und kleinen Schwächen unserer Grenznachbarn auf Korn. Klischees geraten zur Groteske und reizen die Lachmuskeln zum Äußersten. Und immer spiegeln die Autoren liebevoll eigenes Verhalten am Urlaubsort und die Erwartungen bei unseren Reisen. Goethe war der Meinung, die beste Bildung fände ein gescheiter Mensch, wenn er in der Fremde weilt. Kein Vorurteil wird ausgelassen und immer wieder humorvoll ad absurdum geführt. Ein lesenswertes Schmankerl für jeden.
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Sept. 2014
ISBN:
9783958650084
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Homo Touristicus

Buchvorschau

Homo Touristicus - Claudio Michele Mancini

werden.

Inhalt

Der Ägypter

Der Grieche

Der Spanier

Der Däne

Der Holländer

Der Kanadier

Der Schweizer

Der Brite

Der Schwabe

Karibische Nächte

Winterurlaub

Cinque Terre

Der deutsche Urlauber

Basta mit Pasta

Auf dem Weg in den Süden

Der Ägypter

Wer eine Reise tut, kann Überraschungen erleben. Als neuzeitlicher „homo touristicus" will man nicht nur andere Länder, Sitten und Gebräuche kennen lernen, man will auch die Überlegenheit eigener Nationalität in vollem Umfang genießen. Im Allgemeinen fällt das dem Deutschen leicht, besonders dann, wenn er beispielsweise das Land der Pharaonen bereist. Nun ja, jedes Land hat seine Wunden: England den Nebel, die Walachei die Heuschreckenplage, Griechenland die Griechen, Ägypten das Augenleiden und ein paar Terroranschläge.

Herkömmliche Ägypter sind heilfroh, dass überhaupt noch jemand kommt, weil das Land in letzter Zeit ein wenig unsicher geworden ist. Hätten ihre Vorfahren nicht so viel Spaß am Steine klopfen gehabt, würden sie heute nichts zu lachen haben. Nur gut, dass das uralte Volk im Norden Afrikas mit großer Leidenschaft Quader aufeinander häuften, sonst gäbe es rechts und links des Nils nichts zu sehen und der Fremde würde den Ägypter heute gar nicht mehr besuchen. Mit großer Präzision hat der alte Ägypter seinerzeit frisch gehauene Riesensteine zu geometrisch bemerkenswerten Bauten errichtet, die ein paar tausend Jahre später immer noch da stehen und Wind und Wetter trotzen.

Die Rätsel der alten Ägypter geben dem modernen Bewohner immer noch ungeklärte Rätsel auf. Wo sie die Steine gefunden haben, ist längst in Vergessenheit geraten, was die alten Bauwerke noch beeindruckender macht, zumal heute selbst neue Wohnhäuser in Kairo ohne Vorankündigung einstürzen. Offenbar hat der Vorfahr des Ägypters einiges an Wissen mit in die Grabkammer genommen – übrigens auch die Antwort darauf, weshalb Comics früher in Steine gemeißelt wurden, obwohl das mit Abstand der unhandlichste Weg ist, Bildchen festzuhalten. Die Amerikaner sind ganz begeistert und fest davon überzeugt, dass die Vorfahren von Lucky Luke und seine Verwandten eigentlich aus Ägypten stammen, was den Ägypter dazu bringt, die tollsten Geschichten zu erfinden. Man stelle sich Odysseus mit einer Marlboro vor, ein Halloween-Spektakel in der Cheops-Pyramide, Ariadne im Grand Canyon oder General Custer vor Troja! Nein, die geschichtslosen Amerikaner haben die Antike nicht verdient.

Wer zu früheren Zeiten feinmotorisch versierter war, als die Steine klopfenden Verwandten, durfte für tote Könige Masken herstellen. Heutzutage werden sie in Hochsicherheitstrakten hinter Panzerglas gegen horrenden Eintritt vorgezeigt. Alles zur Begeisterung der Zugereisten. Zuvor hatte der Nachkomme der Pharaonen – zumeist hochqualifizierter Grabräuber - die Gruft der toten Könige ausgehoben und hinter der Maske vorgepult, um das Kunstwerk auch werbewirksam ausstellen zu können.

War eine Maske besonders gut gelungen, wurde der damalige Kunsthandwerker zur Belohnung gleich mitbestattet. Wenn heute der Pharao sterben sollte, dessen offizieller Titel inzwischen geringfügig anders lautet, wird – nach allem was man hört – niemand einfach so als Beilage dazu beerdigt. Ein Beweis dafür, dass sich die Landessitten im Laufe der Jahrhunderte zum Vorteil gewandelt haben. Attentate auf Nildampfer und Touristenhotels jedoch machen das Ferienerlebnis für einige unentwegte Besucher zum unvergesslichen Abenteuerurlaub. Deshalb herrscht vielerorts, auch in Hourghada, meist eine Bombenstimmung!

Die Frau des Nilbewohners gilt seit Jahrtausenden als Schönheitsideal. Namen wie Kleopatra und Nofretete stehen für die Erfindung von Kosmetikbehandlung und Wellness-Urlaub, während Ramses heute allenfalls noch als Rufnahme für Nachbars Pitbull herhalten muss. Die größte Berühmtheit unter all den eingewickelten Königen ist Pharao Tut-anch-Amun, der zwar historisch gesehen völlig unbedeutend, aber sein Grab mit einer bis dato nicht für möglich gehaltene Menge an kunsthandwerklichen Gegenständen ausgestattet worden war. Nichtsdestoweniger findet sein Vorname im heutigen Alltag keine Verwendung mehr.

Der Ägypter feilscht übrigens gerne. Deshalb hat er überall dort, wo der Fremde gelegentlich vorbeischaut, eine Reihe bunter Stände aufgebaut oder im baufälligen Erdgeschoss seines Hauses einen Laden eingerichtet, weil der Nachbar ja auch einen hat. Dort gibt es manchmal auch Dinge, die man brauchen könnte, und solche, die mehrheitlich absolut entbehrlich sind und sich wahrscheinlich deswegen besonders gut verkaufen. Papyrus-Bildchen von fremden Leuten aus dem Altertum, industriell gefertigte Grabbeigaben, Pharaonen aus Plastik, Pyramiden in allen Größen und T-Shirts mit programmatischen Aussagen wie: „I like Egypt". Die meisten dieser Souvenirs werden nur deshalb verkauft, weil der Verkäufer urplötzlich und ohne gefragt zu werden eine Preisforderung über den Tresen schleudert, so dass der Fremde sich unwillkürlich zum Kontern veranlasst sieht. Er nennt die Hälfte des Preises, bekommt das Teil und merkt erst am übernächsten Stand, dass er es erstens gar nicht haben wollte und zweitens übervorteilt wurde. Darin ist der Ägypter sehr geschickt.

Neuerdings will der Tourist nicht mehr so viele alte Bauwerke angucken, wie noch zuvor, sondern er geht lieber schwimmen. Im Nil allerdings ist das nicht so richtig gesund, zumal das heimische Krokodil hinter dem Assuan-Staudamm wohnt. Zu seinem Leidwesen erwischt es nur noch selten einen Fremden. Statt im Nil zu baden, kann der Besucher aus einer gigantischen Anzahl schicker Hotels auswählen. Die meisten heißen Hurghada und liegen am roten Meer, obwohl es blau ist. Gleich vor deren Türen gibt es jede Menge Ausflugsboote. Damit geht der Fremde ganz begeistert Korallen und Fische besuchen, was dem Ägypter den einen oder anderen Arbeitsplatz und gute Einnahmen beschert.

Aufpassen müssen Taucher und Schnorchler nur, dass nicht plötzlich ein charismatischer Herr mit seinem Gefolge angewandert kommt, all das viele schöne Wasser beiseiteschiebt und

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Homo Touristicus denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen