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Musikmetropole Köln: Provinz und Weltbedeutung

Musikmetropole Köln: Provinz und Weltbedeutung

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Musikmetropole Köln: Provinz und Weltbedeutung

Länge:
242 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
12. Juli 2013
ISBN:
9783943941302
Format:
Buch

Beschreibung

Als Musikstadt ist Köln besonders nach dem Zweiten Weltkrieg zu internationaler Bedeutung gelangt. Die Musik der Avantgarde fand hier weltweit ihr wichtigstes Zentrum. Alles, was Rang und Namen hatte, fand sich in der Rheinmetropole ein. Dieser Drang hatte schon im 19. Jahrhundert mit Komponisten wie Johannes Brahms, Giuseppe Verdi, Gustav Mahler oder Richard Strauss seinen Anfang genommen.
Er setzte sich bei Dirigenten wie Otto Klemperer, Erich Kleiber, Fritz Busch und zahlreichen Sängern und Instrumentalsolisten weit über die Stadt hinaus fort.
Die Grenzen zwischen E- und U-Musik wurden in den letzten Jahrzehnten zunehmend aufgehoben.
Neue Namen wie Wolfgang Niedecken, Höhner und Bläck Föss drängten nun in den Vordergrund und wurden auch überregional schnell zum Begriff.
Köln, dessen Bürger womöglich nicht alle wissen, welche musikalischen Schätze die Stadt inzwischen beherbergt, kann sich außerhalb seiner Grenzen sehen lassen: mit einer Fülle an Institutionen, Rundfunkanstalten, Orchestern, Verlagen, Museen, einer Medien- und Musikhochschule und vielen kulturellen Initiativen unterschiedlichster Art.
Peter Fuhrmann hat als fachkompetenter Journalist jahrzehntelang die Vielfalt der musikalischen Aktivitäten in Köln mit Engagement, Distanz und kritischem Blick begleitet und in diesem Buch auch die historische Sicht aufgearbeitet. Kritische Wertungen und aktuelle Bekenntnisse blieben dabei nicht ausgespart.
Herausgeber:
Freigegeben:
12. Juli 2013
ISBN:
9783943941302
Format:
Buch

Über den Autor


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Musikmetropole Köln - Peter Fuhrmann

Peter Fuhrmann

Musikmetropole Köln

Peter Fuhrmann

Musikmetropole Köln

Provinz und Weltbedeutung

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über >http://dnb.ddb.de< abrufbar.

ISBN 978-3-943941-12-8

eISBN 978-3-943941-30-2

© Dittrich Verlag GmbH, Berlin 2013

Lektorat: Christoph Schwandt

Umschlaggestaltung: Guido Klütsch

www.dittrich-verlag.de

Für Uta, Gregor und Corinna

INHALT

Intrada

Weltstadt und Wirtschaftskapitale mit Bürgersinn

Tausend plus tausend Jahre – Ein langer Weg

Sinn und Welterfahrung – Philosophie und Ordensleben

Theatrum mundi – Kirche und Theater

Im Zentrum des Aufbaus – Ferdinand Hiller, Franz Wüllner, Fritz Steinbach

Alte und neue Machtfülle – In der Nachhut Hillers: Günter Wand

Karriere im Dreigestirn – Adenauer, Klemperer, Abendroth

Männer am Werk – Die Gründung der Musikhochschule

Kunst und Politik – Neuorientierung in der Stille

Musik aus dem Lautsprecher – Die Westdeutsche Rundfunk AG

»Auf, schmetternde Kehlen« – Der Kölner Männer-Gesang-Verein

Mediales Hochplateau – Eine Bestandsaufnahme

Wandel der Kirchenpolitik – Musik im Gotteshaus

Stolz und prächtig – Der »dicke Pitter«

Mönch und Dionysos – Bernd Alois Zimmermann

Der Gürzenich – Eine Heimstätte und ihre Folgen

»… zo Foß no Kölle …« – Nationalhymne auf Kölsch

Brüderlich vereint – Deutsche Welle und Deutschlandfunk

Ein Stiller im Lande – Die neue Karriere des Günter Wand

Der Mozart der Champs Elysées – Jacques Offenbach

Schatzkammer der Hochkultur – Kammermusik

Olympier wider Willen – Max Bruch

Der Genius und seine Stadt – Die Kölner Städtischen Bühnen

Tu felix Colonia – Haydns Nachlass in Köln

Das leidige Nachwuchsproblem – Chöre im Abstiegskampf

Edelküche der Musikgeschichte – Alte Musik in Köln

Hochkultur oder Subkultur – Jazz und Szene

Ein Haus voll Glorie … – Die Kölner Philharmonie

Nicht nur zum Lobe Gottes – Eine Kölner Orgelballade

Komponieren mit messianischem Anspruch – Karlheinz Stockhausen

Hin zu neuen Ufern – Entstehung und Aufbau des WDR

Paradigmenwechsel oder Zeitenwende – Das erste Elektronische Studio

Vorsicht Brennmaterial! – Die schnellste CD der Welt

Quinten mit Schlaufen – Hochschule für Musik und Tanz Köln

Historismus und Spontaneität – Freie Musik

Erschöpfung einer bizarren Welt – Mauricio Kagel

Auf Schultern der leichten Muse – Kölnische Mundart-Lieder

In eigener Sache – Die Rheinische Musikschule

Ohne Normen und Schablonen … – Pranke und Mundharmonika

… Kölsche Originale – Rebell mit Geigenkasten

Von Beruf Musiker – Spezialensembles für Alte Musik

Pars pro toto – Eigenprofil und Aufgeschlossenheit

Kraftwerke der Ideen – Privatinitiative gefragt

Im Geist des Mittelalters – Romanischer Sommer

So viel Musik und Kultur war nie – Fortschritt oder Demontage

Quellennachweis

Dank

Alles, was wir erkennen, wird ohne Zweifel durch das Vermögen des Erkennenden erkannt; denn da das Urteil aus einer Operation des Urteilenden kommt, ist es natürlich, dass er diese mit seinen eigenen Mitteln und durch seinen Willen vollzieht, nicht durch äußeren Zwang.

Michel de Montaigne

INTRADA

Alle Welt bewundert Köln, am meisten und mit eindrucksvollem Stolz der eingefleischte Kölner selbst. Denn freilich ist diese Stadt am Ufer des Rheins alt, ehrwürdig, gastfreundlich und für den Tourismus attraktiv. Schon Francesco Petrarca, der bedeutende Lyriker der Renaissance und Mitbegründer des Humanismus, hatte sich von ihrer »Schönheit« berauschen lassen und war von der »gesetzten Haltung der Männer und dem schmucken Benehmen der Frauen« höchst angetan.

Schaut man auf die dokumentarischen Fotos von August Sander, muss Köln tatsächlich einmal eine schöne Stadt gewesen sein. Doch nach ihrer Zerstörung im Krieg, vor allem infolge der städtebaulichen Verunzierungen in der Nachkriegszeit, ist sie mehr verschandelt als verschönert worden. Wer ästhetisch empfindlich ist, käme heute niemals darauf, Köln im Vergleich zu München oder Hamburg als »Schönheit« anzupreisen. Nicht wenigen gilt sie sogar als ausgesprochen schmutzige Stadt, weil man es auf ihren Straßen und Plätzen bisweilen sträflich an Sauberkeit und Ordnung fehlen lässt. Rheinischer Frohsinn und allwaltende Gemütlichkeit allein genügen nicht, der viertgrößten Stadt Deutschlands das entsprechende Image zu verschaffen. Vom kleinstädtischen Bonn, erst recht von der luxuriös-eleganten Landeshauptstadt Düsseldorf unterscheidet sie sich in dieser Hinsicht beträchtlich. Viel älter in seiner Geschichte, berühmt und einmalig in der Pracht von Dom, antiker Ausgrabung und Romanischen Kirchen, scheint Köln aus vielerlei Gründen wohl niemals werden zu können, was eine Weltstadt in Ansehen und Wirklichkeit ausmacht.

Als Musikmetropole hingegen ist Köln, insbesondere in jüngerer Vergangenheit, anderen solchen Zentren weit voraus. Als einstige Hochburg der Avantgarde kommt keine in- und ausländische Stadt an sie heran. Über die spektakulären traditionellen Verwurzelungen hinaus hat sich das spezifische Kölner Schwergewicht in dieser Sparte eher zufällig aus überaus günstigen Konstellationen entwickelt, dem notgedrungen eilfertigen Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerbombten Stadt. Zu den ursprünglichen kulturellen Eckpfeilern des Kulturlebens fügten sich die Neubauten wie Opernhaus, Philharmonie und Kölnarena – seit 2008 Lanxess Arena – hinzu, obendrein der unschätzbare Zugewinn des in Domnähe etablierten WDR. Mit ihrer zügigen Ausweitung wurde die Musikhochschule sogar zur größten Ausbildungsanstalt dieser Art in Europa mit gegenwärtig weit über eintausend Studenten. Vollends im Trend der Zeit entwickelte sich auch der engagierte Ausbau der vorwiegend auf Kinder-, Jugend- oder Laienarbeit spezialisierten Rheinischen Musikschule im Elementarbereich.

So fragt man sich zu Recht, wo in aller Welt vergleichbare Institutionen und Initiativen auszumachen wären: für Neue und Alte Musik, für die Förderung von Jazz, Volks- und experimenteller Musik, für Kirchen- und Chormusik, für Musiktheater und Freie Szene. Schon lange hat es sich denn auch herumgesprochen, dass Köln als Messezentrum, Kunstmetropole und Medienbrennpunkt von hohem internationalen Ruf dem Liebhaber klassischer Töne wie so manchem Verfechter avantgardistischer Klänge neben dem Traditionellen auch hinlänglich Neuartiges, Wiederentdecktes oder Unbekanntes anzubieten hat.

Gleichwohl könnte man bei einem derart exzeptionellen und durchaus beneidenswerten Angebot einwenden, ob die Rheinmetropole an Kapazität überhaupt so viel Musik (tagtäglich fast rund um die Uhr) verkraftet. Anderes könnte dadurch leicht auf der Strecke bleiben. Von Interesse wäre womöglich auch, was es mit der allenthalben so genüsslich hochgejubelten Musikalität der Kölner allgemein – ohne das Idiom des knallsüchtigen Karnevals – auf sich hat.

Schon 1907 hatte die Rheinische Musik- und Theater-Zeitung da erhebliche Zweifel geäußert: »Der wohlhabende Kölner Bürger ist im Grund wahrscheinlich nicht sehr musikalisch.« Die so Gescholtenen konnten sich damals gleichwohl trösten. Andernorts hatte es bereits von höherer Warte deftigere Verunglimpfungen gegeben. Johannes Brahms disqualifizierte in einem Brief an Gustav Mahler die Bremer schlichtweg als »unmusikalisch« und hielt die Hamburger, das Publikum seiner Geburtsstadt, aus schierer Verzweiflung gar für absolut »antimusikalisch«. Dabei trieb der Adressat Mahler das harsche Verdikt indes noch auf die Spitze, indem er den Musikfreunden an der Alster sogar »totale Gehörlosigkeit« unterstellte. Davon nahm der viel später an der Hamburger Musikhochschule viele Jahre lehrende Komponist György Ligeti nicht das Geringste zurück. Niemals sei er, wie er betonte, das Gefühl losgeworden, in der Weltstadt Hamburg »im schalltoten Raum« leben zu müssen.

Dagegen vermochten die Kölner wahrlich nur zu triumphieren. Als sei es Balsam für die zarte rheinische Seele, konnten sie in diesem Befund stolz auf Gustav Mahler verweisen, der sich 1904 nach der Uraufführung seiner Fünften Sinfonie im Gürzenich der tollkühnen Hoffnung hingegeben hatte, in der Domstadt endlich seine künstlerische Heimat gefunden zu haben. Zu solchem Euphemismus neigte der coole und berechnende Bajuware Richard Strauss mitnichten, dessen geniales frühes Schelmenstück Till Eulenspiegels lustige Streiche bereits neun Jahre vorher in Köln uraufgeführt worden war: »Wollen wir diesmal unsere lustigen Kölner selbst die Nüsse aufknacken lassen, die der Schalk ihnen verabreicht,« hatte er listig in sein Tagebuch notiert.

Unzählige Ereignisse und Begebenheiten ehren Köln als offen-liberale Kommune mit einem musikalischen Reichtum, der die Stadt durch die Innovationen der Neuzeit ins Blickfeld singulärer internationaler Würdigung und Wertschätzung gerückt hat. In diesen Lustgarten tönend-bewegter Geschichte und Aktualität möchte das Buch den neugierigen Leser führen.

WELTSTADT UND WIRTSCHAFTSKAPITALE MIT BÜRGERSINN

Im Blick zurück kann sich die Musikstadt Köln gut und gerne mit anderen Großstädten Europas messen. Ausgenommen Wien, London und Paris, deren Einmaligkeit und Tradition kaum zu übertreffen ist. In der Förderung und Pflege der Neuen Musik jedoch vermag Köln ihnen den exorbitanten Rang mühelos streitig zu machen. Denn stets hat die Domstadt mit der Doppelstrategie von Bewahren und Fortschreiten eine offene Atmosphäre für unterschiedliche kulturelle Begegnungen geschaffen, die insbesondere für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg ideale Voraussetzungen bot. Köln wurde zur echten Attraktion, weil die Musik aller Epochen und Stilrichtungen hier ihren Niederschlag finden konnte: Gregorianik – Stockhausen, Beethoven – Elektronische Musik, Musica Antiqua – bap, Palestrina – Kagel. Kontrastreiches in Mengen, das sich konstruktiv entfaltete und nebeneinander in kreativem Austausch stand.

Köln war niemals Fürstenstadt, weshalb immer wieder der liberale Bürgersinn ins Feld geführt wird, wenn zur Diskussion steht, wer jener dynamischen kulturellen Entwicklung so zielstrebig und zukunftsorientiert den überaus ertragreichen Boden bereitet hat. Weder Adel noch Klerus haben es in Köln jemals vermocht, die kulturellen Geschicke an sich zu reißen. Die Verdienste um deren Existenz und Entfaltung gebühren allein den Bewohnern selbst, den Handwerkern, Geschäftsleuten und reichen Familien, auf deren Initiativen die Vielfalt und Reichhaltigkeit der Kölner Kulturszene in der Vergangenheit begründet wurde. Seit dem Mittelalter haben Stifter und Mäzene diese Pionierarbeit mit Ideen und Geld begleitet. Die Vielfalt ihrer Errungenschaften liefert noch heute, allein in der Pracht der Romanischen Kirchen, sichtbare Beweise ihrer Großzügigkeit.

In der Ausgestaltung ist der zeitliche Verlauf kürzer bemessen. Streng genommen beginnt er erst mit dem Aufkommen des bürgerlichen Konzertlebens im 19. Jahrhundert, nachdrücklich unterstützt von einer mit viel Geschick betriebenen Personalpolitik. Den entscheidenden Schritt zur Musikmetropole vollzog die Stadt erst eine Weile später, als das ganze Land wie ein Phoenix aus der Asche neu erstand. Seither genießt sie auf musikalischem Terrain, darüber hinaus als besonderer Anziehungspunkt für Bildende Kunst und Medien, außerordentlich hohe Meriten. Allein aus der Vielzahl an Interpreten und Komponisten aus Ost und West, die in der letzten Jahrhunderthälfte nach Köln zogen, könnte man ablesen, wie erstaunlich sich dieser Wandel zugunsten Kölns vollzogen hat.

Über Kirchen und profane Räume hinaus wurden zahlreiche Spielstätten für den Konzertbetrieb hinzugewonnen, vor allem Künstlern in der Freien Szene ein Forum für Auftritte eigener Art geschaffen. Die Unternehmen der Musikbranche kommen da keineswegs zu kurz. Sie konnten sich lange Zeit reklametüchtig in Superlativen feiern, was nicht einmal verwundert; denn die Firmen und Selbständigen einschließlich der Phonoindustrie erreichten laut eines Kulturwirtschaftsberichts der RheinEnergie von 2008 noch die Gesamtzahl von 1.557, was für die Großkommune recht ertragreich zu Buche schlug. Damit hat es Köln nicht nur als Kunst- und Medienmetropole, sondern auch als Musikstadt zu unbestreitbar hoher Anerkennung gebracht.

Zu den herausragenden Aktivposten zählen an erster Stelle die weltberühmte gotische Kathedrale, Symbol und Wahrzeichen schlechthin. Neben den zwölf rekonstruierten romanischen Kirchen, gibt es einen Reichtum archäologischer und kulturhistorischer Schätze, überdies den kostbaren Bestand alter und neuer Museen und nicht zu vergessen das hochkarätige kommunikative Netz öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie die höchst vitale Literatur- und Bildende-Kunst-Szene, deren mannigfache Impulse das musikalische und allgemein kulturelle Leben der 2000 Jahre alten Römerstadt von heute prägen.

TAUSEND PLUS TAUSEND JAHRE – EIN LANGER WEG

Kultur hat tiefe Wurzeln. Sie entsteht nicht über Nacht, sondern bedarf der Entwicklung und Konsolidierung in längeren Zeiträumen. Schon lange wird am Rhein auch Musik gemacht, womöglich seit Gründung der römischen Kolonie im Jahre 50 n. Chr. unter Kaiser Claudius als Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Keine Stadt in Deutschland kann hier eigentlich mit Köln konkurrieren. Erste Zeugnisse, dass Köln eine musikfreudige Stadt war, stammen aus jener römischen Zeit. Grabdenkmäler und Darstellungen auf dem Dionysos-Mosaik im Römisch-Germanischen Museum lassen darauf schließen. Im christlichen Gottesdienst (um das Jahr 180 ist die erste Gemeinde mit einer Kirche der Märtyrer in Köln bezeugt) wurde durchweg liturgische Musik praktiziert: bis zur Einführung des Gregorianischen Chorals im ersten Jahrtausend, Psalmodie und Hymnen (syllabisch: Einzelsilbe auf Einzelton) sowie geistliche Gesänge mit reich verzierter Melodik (Alleluja).

Über die Pflege weltlicher Musik finden sich aus der Frühzeit keine konkreten Unterlagen. Erst im Hochmittelalter, als mit den Erzbischöfen Anno, Heribert und vor allem Pilgrim die ersten namhaften Förderer der Musik hervortraten, änderte sich die Lage. Mehr und mehr wurde die Gregorianik mit zunehmender Kunstfertigkeit der Mehrstimmigkeit in den Hintergrund gedrängt. Als herausragende Figur trat Franco von Köln in Erscheinung, 1243 als Domscholastiker bezeugt; er erwies sich nicht nur als einer der führenden Theoretiker der Ars antiqua, sondern auch auf dem Sektor der mehrstimmigen Motette als überaus fortschrittlich. Aus Stiftungen musikliebender Bürger wurden bereits damals Institute gegründet, die sich der Musikpflege in Kirche und Stadt widmeten. Das führte dazu, dass sich profanes und sakrales Musizieren in Köln mehrere Jahrhunderte hindurch unabhängig voneinander entwickeln konnte, was wiederum nicht ausschloss, dass es sich gegenseitig durchaus konstruktiv befruchtete. Zunächst waren es die Kirchen- und die Ratsmusik, die das musikalische Leben institutionell bestimmten. Sozusagen bei jedem Anlass nach eigenem Gusto.

Für ein Bündnis beider war die Zeit aber noch nicht reif. Denn es waren zwischen Klerus und Stadtverordneten vielerlei Widerstände zu überwinden. Die andauernden Kämpfe zwischen dem unbeliebten Kölner Erzbischof Anno und den Ratsherren um Souveränität und größere Selbständigkeit, die 1074 mit der Niederwerfung des Aufstandes der Kölner Bürger endete, geben davon frühe Kunde. Erst die Schlacht von Worringen führte 1288 die erhoffte Wende herbei: Fortan hatten Kirchenmänner Kölner Bürgern nichts mehr zu befehlen. Dennoch werden gerade Annos überragende Verdienste im überlieferten Annolied eines unbekannten Dichters des 12. Jahrhunderts uneingeschränkt verherrlicht.

Auch später war Einigkeit zwischen den Fronten in Köln nur schwer zu erzielen. Sie erreichte man nur, wenn Konflikte von außen herangetragen wurden: beispielsweise in Zeiten der napoleonischen Besetzung (1794-1814), als öffentliche Veranstaltungen rundum strikt verboten wurden, und auch in Gotteshäusern alle Musik zu schweigen hatte. Von dieser Zumutung ließen sich jedoch fromme wie kulturbeflissene Bürger nicht kujonieren. Sie reagierten mit ortsüblicher Schläue, indem sie streng geheim, privat oder anonym über die ganze Stadt verteilt, ein Geflecht von Musikveranstaltungen organisierten, was unter dem Druck der Besatzer so viel Mut wie Tatkraft erforderte. Dabei wurde sogar mehr zustande gebracht als beabsichtigt war; denn über das eigentliche Ziel hinaus wurde mit ihrer kühnen Strategie und Konsequenz ein wichtiger Anstoß für eine neue Ära gegeben. Aus deren weitreichenden Impulsen konnte sogar bis in die unmittelbare Gegenwart hinein unermesslicher Nutzen gezogen werden. Das Musikleben des großbürgerlichen Zeitalters, das mit dem 19. Jahrhundert begann und für Kirche und Kommune durch private und öffentliche Zuwendungen die existenziellen Voraussetzungen für die moderne Praxis schuf.

Schon 1808 war in Köln ein »Verein der Dommusik« gegründet worden, in dessen Folge überall Liebhaberkonzerte eingerichtet wurden. Kurz danach entstand in der Stadt ein eigener »Quartettverein«, überdies die »Musikalische Gesellschaft«, dazu der »Städtische Gesangsverein« und der »Singverein«, überdies 1827 die renommierte und bis heute existierende »Concertgesellschaft Köln«,

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