Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Unsagbare Dinge. Sex Lügen und Revolution: Nautilus Flugschrift

Unsagbare Dinge. Sex Lügen und Revolution: Nautilus Flugschrift

Vorschau lesen

Unsagbare Dinge. Sex Lügen und Revolution: Nautilus Flugschrift

Bewertungen:
4/5 (41 Bewertungen)
Länge:
303 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 25, 2015
ISBN:
9783864381737
Format:
Buch

Beschreibung

Laurie Penny spricht das Unsagbare aus: Fucked-up Girls und Lost Boys, sexuelle Gewalt, Liebe und Lügen sind ihre Themen. Sie zeigt, dass Feminismus ein Prozess ist: Egal, wie man sich nennt - wichtig ist, wofür man kämpft.
Laurie Penny zerlegt gnadenlos den modernen Feminismus und die Klassenpolitik, wenn sie von ihren eigenen Erfahrungen als Journalistin, Aktivistin und in der Subkultur berichtet. Es ist ein Buch über Armut und Vorurteile, Online-Dating und Essstörungen, Straßenkämpfe und Fernsehlügen. Der Backlash gegen sexuelle Freiheit für Männer und Frauen und gegen soziale Gerechtigkeit ist unübersehbar - und der Feminismus muss mutiger werden! Laurie Penny spricht für einen Feminismus, der keine Gefangenen macht, dem es um Gerechtigkeit und Gleichheit geht, aber auch um Freiheit für alle. Um die Freiheit zu sein, wer wir sind, zu lieben, wen wir wollen, neue Genderrollen zu erfinden und stolz gegenüber jenen aufzutreten, die uns diese Rechte verweigern wollen. Es ist ein Buch, das jenen eine Stimme gibt, denen das Sprechen verboten wird - eine Stimme, die das Unsagbare ausspricht.
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 25, 2015
ISBN:
9783864381737
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Unsagbare Dinge. Sex Lügen und Revolution

Ähnliche Bücher

Ähnliche Artikel

Buchvorschau

Unsagbare Dinge. Sex Lügen und Revolution - Laurie Penny

an.

1

Abgefuckte Mädchen

»Sie werden mich lieben für das, was mich zerstört.«

Sarah Kane, 4.48 Psychose

Der Teppich hat die Farbe von Rotz und stinkt nach Bleiche. Ich weiß das, weil ich mein Gesicht hineinpresse. Ich liege reglos da, damit mich die Krankenschwestern nicht finden, auf dem schaurig schnodderfarbigen Boden, aus dem der Schmutz menschlicher Schädel herausgeschrubbt wurde, bis in die tiefste Faser, wie überall auf der Station. Kein Staubkrümel, kein Fettfleck ist in diesem Krankenhaus erlaubt, in dem sogar die Freundlichkeit klinisch rein ist und mich erstickt wie eine desinfizierte Zudecke. Ich bin siebzehn Jahre alt und verstecke mich unter dem Bett.

Es ist das Jahr 2004, und ich müsste mich in der Schule auf meine Prüfungen vorbereiten. Stattdessen bin ich auf einer psychiatrischen Station für Menschen mit lebensbedrohlicher Magersucht und verwende meine gesamte Energie darauf, mich immer wieder vor den Krankenschwestern zu verstecken, die Tag und Nacht alle zehn Minuten vorbeikommen und nachsehen, ob wir unser Proteinpulver ausgekotzt oder eine CD zerbrochen und mit den Splittern wütende Worte tief, sehr tief in das Fleisch unseres Unterarms geritzt haben. Beides ist in den vergangenen Wochen vorgekommen. Ich weiß es noch, weil das mit dem Ritzen meine Zimmergenossin war und sie meine Sleater-Kinney-CD dafür benutzt hat. Ich habe nichts so Groteskes vor. Ich will nur mehr als zehn Minuten am Stück allein sein mit meinem Notizbuch, allein mit meinen Gedanken, irgendwo, wo mich niemand ansehen kann.

So liege ich zitternd unter dem Bett. Auf meinem Rücken wächst ein feiner weicher Flaum; das geschieht, wenn du in einem kalten Land lebst und gefährliches Untergewicht hast. Der Körper versucht sich auf jede erdenkliche Weise warm zu halten. Deshalb kauerst du, hemmungslos schlotternd, an einer Heizung und bemühst dich erfolglos, gegen die Kälte anzukommen, die dir mit eiskalten Fingern in die Knochen stochert. Deine Persönlichkeit rinnt davon. Du bist zu einer Kreatur geworden, die hungert, scheißt, kotzt und zittert, und das war’s auch schon. Du kannst nicht klar denken. Dein Äußeres verschreckt deine Freunde und deine Familie. Wegen des Nährstoffmangels treibt dich nur noch das Adrenalin an, du wirst zu einem primitiven Ding, das, ohne es zu wollen, jeder Art von Nahrung nachjagt, Mülleimer durchwühlt, sich mit den Händen Müsli in den Mund stopft, um es gleich darauf in Panik wieder zu erbrechen. Du bist ein Häuflein Elend. Die Haare werden dünn und fallen aus. Du machst zwanghaft Sit-ups und Liegestütze, rennst mehrere Kilometer am Tag, obwohl du nicht mehr als ein paar Löffel dünnen Haferschleim im Magen hast.

Du machst das nicht um der Schönheit willen. Du weißt, du siehst grauenhaft aus. Du tust es, weil du verschwinden willst. Du willst nicht mehr angeschaut werden. Du bist es leid, angesehen und beurteilt und für mangelhaft befunden zu werden. Du willst nicht erwachsen werden, fülliger werden, dich auf gesunde und positive Weise auf Sex einlassen. Vor allem bist du es leid, beobachtet zu werden. Du hast das dir Mögliche getan, artig zu sein, und trotzdem hast du versagt, und nun bist du eins dieser abgefuckten weißen Mädchen, die den Bach runtergehen.

Abgefuckte weiße Mädchen. Die Buchauslagen und Zeitschriftenständer in den Städten quellen über von Geschichten über abgefuckte weiße Mädchen, schöne kaputte Püppchen, die mit der Freiheit und den Chancen, die sie geerbt haben, nicht zurechtkommen, die armen Dinger. Wir fetischisieren diese Mädchen, fotografieren sie, retuschieren ihren geblähten Bauch und ihre spitzen Knochen, legen Glanz auf die matte Haut und die starren Gesichtszüge und bleichen sie mit dem Blitzlicht der klickenden Kamera, gerade so, als stimmte der alte Aberglaube und die käferschwarzen Geräte raubten einem Menschen mit jedem Schnappschuss die Seele. Das Scheitern ist zu einem Modeaccessoire geworden, einem Luxus. Dem Leben nicht gewachsen zu sein, ist cool. Das Koksen, das Saufen, die Essstörungen, die hauchdünne transzendente Schönheit einer jungen Frau, die reich genug ist, um sich im Falle eines Zusammenbruchs eines Unterstützungssystems gewiss sein zu können: Das ist mittlerweile ein fester Bestandteil des neoliberalen Weiblichkeitsmythos, und der Konsum – das junge Mädchen, in den Wahnsinn getrieben, beginnt, sich selbst zu konsumieren, Knochen zehren Muskeln auf, die sich ihrerseits von Drogen und Narzissmus nähren, eine prachtvolle Neurose –, dieser Konsum ist der Gipfel und die Verkörperung dessen, was Frauen sein sollen, was das moderne Leben sein soll: Wir essen uns von innen heraus auf. Wir streben nach Perfektion und sind kreuzunglücklich dabei. Alles zu haben, schließt die Selbstverwirklichung nicht unbedingt ein. Dafür sind ja die Läden

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Unsagbare Dinge. Sex Lügen und Revolution denken

4.0
41 Bewertungen / 3 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen

  • (2/5)
    Upon winning a free copy of Unspeakable Things by Laurie Penny from Goodreads, the voice of Penny made the book difficult to read. Ranging from sentence structure to spelling issues as well as a negative view of society and unknown reference point made this book hard to read and follow in her thinking. An interesting idea of a book yet needs a little bit of work.
  • (4/5)
    I ended up following Laurie Penny (@pennyred) on Twitter at some point. She’s a UK-born-and-bred white journalist who writes about feminism, class, geek culture, and all that lies in between. She covered the Occupy movement, and many other uprisings stemming from young people recognizing that they are currently getting the shit end of the stick. If any of you are familiar with Anita Sarkeesian and Feminist Frequency, you might have come across the above video, as it was the second part of a conference talk in which Ms. Sarkeesian participated.

    I enjoyed this book. I thought she shared interesting ideas in a way that I hadn’t been exposed to. This book is as far away from the Sheryl Sandburg-style b.s. lean in feminism as I think you can get if you are a white woman (which I think necessarily limits one’s ability to fully understand and discuss the intersection between gender and race that black women and other women of color experience). While nearly 250 pages long, the book only has five chapters, and I think that’s a good thing. It allows Ms. Penny to focus on creating mostly well-crafted and interesting essays on topics that, if you’ve read about, you’ve probably not read about in quite this way.

    I enjoyed in particular her take in “Lost Boys,” which looks at the ways in which men are angry because they aren’t getting what they think has been promised them. She discusses the real ways that the patriarchy (oh, yeah, I said it) doesn’t just fuck over women, but it fucks over the majority of men as well. “People are realizing how they have been cheated of social, financial and personal power … but young men still learn that their identity and virility depends on being powerful. What I hear most from the men and boys who contact me is that they feel less powerful than they had hoped to be, and they don’t know who to blame.”

    But lest you worry that this is a book about feminism that just focuses on men, the other chapters are full of somewhat new and definitely interesting ways of looking at gender and sexuality from the perspective of those who are freshly out of high school or college, or making their way into their late 20s. I just barely avoided joining the Millennial generation (I’m about a year too early, and thus a Gen X-er), but they have grown up in a world that is drastically different from the one I grew up in, and it shows in many ways, including how gender and class intersect.

    She talks elegantly about rape culture, including sharing her own experience confronting her rapist years after the fact. She talks about the ways in which society puts the onus and blame on women to protect themselves, as opposed to on the men to, you know, not rape. And she rightfully points out that rape culture isn’t just about men raping women, but that it’s about the culture around how women are treated, from the work they might engage in (including sex work) to the clothes they wear to the choices they make around employment (if they even have choices).

    I think this is a good book to add to the list of those who value feminism and who have some understanding of its background and history. It’s not as accessible a book to use to introduce a skeptic to feminism as, say, Full Frontal Feminism by Jessica Valenti, but not every book needs to – or should – be that.
  • (4/5)
    Witty feminist book about the personal and the political; not new but said well. “Feminism, like wealth, does not trickle down, and while a small number of extremely privileged women worry about the glass ceiling, the cellar is filling up with water, and millions of women and girls and their children are crammed in there, looking up as the flood creeps around their ankles, closes around their knees, inches up to their necks.” I also liked “The past is a different country: people are always laying claim to it in the name of one ideology or another, with no regard for the people that actually live there.” On men suffering from patriarchy: “What we are asking men to do is hard. Let’s be perfectly clear: we have careted a society in which it is structurally difficult and existentially stressful for any male person not to behave like a complete and utter arsehole.” Also: “Teaching men self-disgust is crucial to maintaining the architecture of modern misogyny. If sex weren’t dirty and degrading, there would be less reason to loathe women for letting you do it to them, no matter how much you want to.” On nonconsensual porn: “A naked picture is never an empty boast: it is proof, proof of your power over another person, and culture still tells us that power over another person is what makes a boy into a man.” On the insufficiency of physical violence to preserve patriarchy: “The threat of violence is a fearful thing, but its injustice is clear, and there is always the risk of rebellion…. To threaten them with loss of love, however, is a violence far more profound and painful ….” On the modern condition: “Under late capitalism almost all of us are damaged goods, but it is women who end up trying to fix that damage, or at least keep the gears greased so the machine carries on functioning. I see so many bright, brilliant women pouring their energy into salving the hurt of men who cannot turn to each other for comfort. We do it as sisters, as mothers, as friends, and especially as lovers and wives, because of the sheer number of men and boys who are socialised out of intimacy with anyone they’re not fucking…. [Y]ou can’t save the world one man at a time. That doesn’t stop many of us from trying.”