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Gedichte der deutschen Romantik

Gedichte der deutschen Romantik

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Gedichte der deutschen Romantik

Länge:
381 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
21. Aug. 2013
ISBN:
9783843804073
Format:
Buch

Beschreibung

Gedichte der deutschen Romantik genießen einen besonderen Stellenwert: Sie gelten als die schönsten und populärsten Texte deutschsprachiger Lyrik. Ihr in meisterhafter Wortkunst verdichteter Ausdruck beschwingter Phantasie hat sie zu den glänzendsten Formen lyrischen Schaffens werden lassen. Nach wie vor strahlen sie einen außergewöhnlichen Reiz aus und bereiten jedem, der mit ihnen zum ersten oder wiederholten Mal in Berührung kommt, einen unverwechselbaren Lesegenuss. Von ihrer poetischen Faszination haben Gedichte der Romantik bis heute nichts verloren. Eine Leseausgabe, die sich der Vermittlung dieses facettenreichen lyrischen Oeuvres widmet, gibt daher einen unermesslichen literarischen Schatz preis. Für die vorliegende Ausgabe wurden ca. 250 repräsentative Gedichte gewählt, unter diesen alle bekanntesten und beliebtesten. Die Sammlung enthält neben den `Klassikern´ auch zahlreiche Neuentdeckungen und lädt sowohl Kenner und Liebhaber als auch Neugierige und Interessierte zum Studium oder zum `Schmökern´ ein.
Herausgeber:
Freigegeben:
21. Aug. 2013
ISBN:
9783843804073
Format:
Buch

Über den Autor


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Gedichte der deutschen Romantik - marixverlag

Mitarbeit.

DIE AUTOREN UND IHRE GEDICHTE

Geordnet nach Geburtsjahr des Autors

JOHANN PETER HEBEL (1760–1826)

Sonntagsfrühe (Hochdeutsch)

JENS PETER BAGGESEN (1764–1826)

An Lilia

An Romantica

DOROTHEA SCHLEGEL (1764–1839)

Draußen so heller Sonnenschein

Mein Lied, was kann es Neues euch verkünden

AUGUST WILHELM SCHLEGEL (1767–1845)

Die Sylbenmaaße

Todten-Opfer

Variationen

ZACHARIAS WERNER (1768–1823)

Zwei Sonette

1. An mein Ideal

2. An die Teutschen

ERNST MORITZ ARNDT (1769–1860)

Abendlied

Klage um den kleinen Jakob

FRIEDRICH HÖLDERLIN (1770–1843)

Abendphantasie

Der Zeitgeist

Menschenbeifall

Heidelberg

Hälfte des Lebens

An die Hofnung

Blödigkeit

Dankgedicht an die Lehrer

Des Morgens

Die Heimath

Die Nacht

Lebensalter

Sonnenuntergang

Stimme des Volks

SOPHIE MEREAU (1770–1806)

Abschied an Dornburg

Durch Wälder und Felder, dem Tale entlang oh weh

In Tränen geh ich nun allein

FRIEDRICH SCHLEGEL (1772–1829)

An die Deutschen

Die Weltseele

Diana, heil’ge, wo sind deine Brüste?

Als die Sonne nun versunken

Das Ideal

Fantasie

Anruf

Bild des Lebens

Das Gedicht der Liebe

Der Dichter [Der schwarze Mantel will sich dichter falten]

Der Dichter [Was wünschen und was streben alle Sinnen?–]

Rückkehr zum Licht

Spruch

FRIEDRICH VON HARDENBERG (NOVALIS, 1772–1801)

Fern in Osten wird es helle

Weinen muss ich, immer weinen

Ich sehe dich in tausend Bildern

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren

Hymnen an die Nacht

LUDWIG TIECK (1773–1853)

Der Arme und die Liebe

Melankolie

Waldeinsamkeit

Antwort

Mondscheinlied

Die Phantasie

An einen jüngeren Dichter

An Novalis

Einsamkeit

Der Dichter

Wunder der Liebe

Glosse

Auf der Reise

Heimweh

Erster Anblick von Rom

WILHELM HEINRICH WACKENRODER (1773–1798)

Das Meer

Siehe wie ich trostlos weine

Arion

Süße Ahndungsschauer gleiten

Wenn die Ankerstricke brechen

CASIMIR ULRICH BOEHLENDORFF (1775–1825)

Auf dem See

Der Wechsel

Einsamkeit

Elegie

Er sieht die Sonne schwinden

FRIEDRICH WILHELM JOSEPH VON SCHELLING (1775–1854)

Lied

HEINRICH VON KLEIST (1777–1811)

Germania an ihre Kinder

FRIEDRICH BARON DE LA MOTTE FOUQUÉ (1777–1843)

Frühlingsblüthe, Mayenwind

Liebe Geige, bist zertrümmert

Mutter geht durch ihre Kammern

CLEMENS BRENTANO (1778–1842)

Abschied

Sprich aus der Ferne

Abendständchen

Hörst du wie die Brunnen rauschen

Du Herrlicher! Den kaum die Zeit erkannt

Ich träumte hinab in das dunkle Tal

In dir ringelt die Träne

Schwanenlied

An den Engel in der Wüste

Der Spinnerin Nachtlied

Die Gottesmauer

O Stunde, da der Schiffende bang lauert

Ach alles geht vorbei

Wie so leis die Blätter wehn

Was reif in diesen Zeilen steht

Auf dem Rhein

Wie wird mir? Wer wollte wohl weinen

Laß rauschen, Lieb, laß rauschen

Lureley

Wenn ich ein Vöglein wär

Wiegenlied

FRIEDRICH GOTTLOB WETZEL (1779–1819)

Das Sonnett

Philosophische Poesie

KAROLINE VON GÜNDERRODE (1780–1806)

Liebe

Der Adept

Der Kuß im Traume

Die eine Klage

Überall Liebe

Zueignung

ACHIM VON ARNIM (1781–1831)

Wie die Stunden rennen

Mir ist zu licht zum Schlafen

Getrennte Liebe

Ahndungen

Dichterlohn

Lehrgedicht an die Jugend

Liebeszweifel

Ritt im Mondenschein

ADELBERT VON CHAMISSO (1781–1838)

Tragische Geschichte

Das Schloß Boncourt

Der Invalid im Irrenhaus

Die zwei Grenadiere

Geh du nur hin!

Lied

Sehnsucht

Was soll ich sagen?

HELMINA VON CHÉZY (1783–1856)

Ach, wie wär’s möglich dann

Ich bin so reich in deinem Angedenken

MAX VON SCHENKENDORF (1783–1817)

Freiheit

Der Dom zu Köln

Weihnachtslied

BETTINA VON ARNIM (1785–1859)

Seelied

Wer sich der Einsamkeit ergibt

OTTO HEINRICH GRAF VON LOEBEN (1786–1825)

An Novalis

Loreley

Sprache der Poesie

Variazion

Welt und Herz

Wird die Plage nimmer enden

WILHELM FREIHERR VON EICHENDORFF (1786–1849)

Schwermuth und Entschluß

Die zauberische Venus

An meinen Bruder Josef

Ein Zauberwald

Wiedergenesung des Dichters

JUSTINUS KERNER (1786–1862)

Wanderlied

Der Wanderer in der Sägmühle

Der Zopf im Kopfe

Abschied

Alphorn

Icarus

Wo zu finden?

LUDWIG UHLAND (1787–1862)

An den Tod

Das Schloß am Meere

Schäfers Sonntagslied

Der Traum

Des Knaben Berglied

Dem Künstler

Die Sonette

Der gute Kamerad

Der Rezensent

Der Wirtin Töchterlein

Frühlingsglaube

Vorwärts!

Das Schwert

Des Sängers Fluch

Schlußsonett

Schwäbische Kunde

Unstern

Die neue Muse

Kreislauf

JOSEPH FREIHERR VON EICHENDORFF (1788–1857)

Die Zauberin im Walde

An A…

Abendständchen

Minelied

An Maria

Das zerbrochene Ringlein

Abschied

Frische Fahrt

Zwielicht

Zeichen

Die blaue Blume

Die zwei Gesellen

Der verspätete Wandrer

Der Abend

Der wandernde Musikant

Denkst du des Schloßes noch auf stiller Höh?

Morgenständchen

Die Nacht

Lockung

Schöne Fremde

Sehnsucht

Der wandernde Student

Die Nachtblume

Zauberblick

Auf meines Kindes Tod

Frühlingsnacht

Mondnacht

Neue Liebe

Trennung

Ein Eiland, das die Zeiten nicht versanden

Wünschelruthe

Verloren

Nachtzauber

THEODOR KÖRNER (1791–1813)

Aufruf

Abschied vom Leben

Vor Rauchs Büste der Königin Louise

GUSTAV SCHWAB (1792–1850)

Böse Stunden

Der Feiertag

Der Gefangene

Der Reiter und der Bodensee

Heuernte

Nachruf

Rückblick

WILHELM MÜLLER (1794–1827)

Wanderschaft

Wohin?

Ungeduld

Brüderschaft

Der Liebe Zeit

Nachtwandlerin Liebe

Der Liebe Morgenröthe

Gefrorene Thränen

Erstarrung

Der Lindenbaum

Die Post

Letzte Hoffnung

Freiheit im Wein

Guter Wein, gut Latein

Das Irrlicht

Der Leiermann

Morgenlied

Der Wassermann

HEINRICH HEINE (1797–1856)

Ich wollte meine Lieder

Die Grenadiere

Belsatzar

Die Botschaf

Vergiftet sind meine Lieder

Die Linde blühte, die Nachtigall sang

Ein Jüngling liebt ein Mädchen

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten

An deine schneeweiße Schulter

Der Mond ist aufgegangen

Die Jahre kommen und gehen

Wer zum erstenmale liebt

Wanderlied

Die Ilse

Abenddämmerung

Nachtgedanken

An A. W. v. Schlegel

Das Fräulein stand am Meere

Die Heimführung

Wenn ich in deine Augen seh’

LUISE HENSEL (1798–1876)

Nachtgebet

WILHELM HAUFF (1802–1827)

Amor der Räuber

Stille Liebe

Sehnsucht

Treue Liebe

Reiters Morgenlied

Trost

Schlägerlied

Der Kranke

Hans Huttens Ende

An Emilie

DIE GEDICHTE DER DEUTSCHEN ROMANTIK

JOHANN PETER HEBEL

Sonntagsfrühe

Hochdeutsch

Der Samstag hub zum Sonntag an:

„Jetzt ruhn sie alle, Nachbarsmann!

Sie sind vom Schaffen her und hin

Gar weidlich müd an Seel und Sinn;

Mir selbst will’s bald nicht besser gehn,

Kann kaum noch auf den Beinen stehn."

Er spricht’s, und von der Mitternacht

Wird er nun auch ins Bett gebracht.

Der Sonntag spricht: „Jetzt ist’s an mir!"

Gar heimlich schließt er seine Tür.

Schlaftrunken noch und gar gemach

Schwankt er den Sternlein hintennach.

Doch jetzt reibt er die Augen aus

Und kommt der Sonn an Tür und Haus;

Sie schläft im stillen Kämmerlein.

Er klopft und pocht ans Fensterlein

Und ruft ihr zu: „‘s ist an der Zeit!"

Die Sonne sagt: „Bin auch bereit."

Und leise auf den Zehen geht

Und heiter auf den Bergen steht

Der Sonntag. Und das Tal entlang

Schläft alles noch; mit stillem Gang

Tritt er ins Dorf hinein und spricht

Zum Hahne: „Du, verrat mich nicht!"

Wenn alles endlich ist erwacht,

Geschlafen hat die ganze Nacht,

So steht er da im Sonnenschein,

Guckt zu den Fenstern uns herein

Mit seinen Augen, mild und gut,

Und mit dem Sträußchen auf dem Hut.

Drum meint er’s treu, und was ich sag,

Es freut ihn, wenn man schlafen mag

Und meint, es sei noch dunkle Nacht,

Wann längst die Sonn am Himmel lacht.

Drum kam er auch so leis heran

Und sieht so lieblich jetzt uns an.

Wie glitzert rings auf Gras und Laub

Vom Morgentau der Silberstaub!

Wie weht so frische Maienluft

Voll Kirschenblüt und Schlehenduft!

Und’s Bienlein sammelt ohne Frist;

Es weiß nicht, daß es Sonntag ist.

Wie prangt nicht in dem Gartenland

Der Kirschenbaum im Maigewand!

Und blaue Veilchen, Tulipan’

Und Sternenblümchen nebendran

Und Hyazinthen, daß man traun

Meint, in das Paradies zu schaun!

Und’s ist so still und heimt uns so,

Man ist so ruhig und so froh.

Man hört im Dorf kein Hüst und Hott;

Nur Guten Tag! und Dank Euch Gott!

Und Gott sei Lob! ein schöner Tag!

Ist alles, was man hören mag.

Und’s Vöglein sagt:„Ei freilich ja!

Potztausend, ja, er ist schon da!

Er dringt mit seinem Himmelsstrahl

Durch Blüt und Laub in Berg und Tal!"

Und’s Distelfinkchen vornean

Hat’s Sonntagsröckchen angetan.

Wie? Läuten sie nicht da schon ein?

Der Pfarrer muß heut eilig sein.

Geh, brich ein paar Aurikeln ab;

Doch wisch mir ja den Staub nicht ab;

Und prangst Du, Gundel, in dem Staat,

Halt ich ein Sträußchen dir parat!

JENS PETER BAGGESEN

An Lilia

Was ich Göttliches fand

In hellen begeisterten Stunden –

Was schön ich gedacht, und empfunden,

Mit sorgsamer Hand

Erlas ich; und pflanzt’ es, mit heiligem Streben

Nach himmlischen Blumen, in’s endliche Leben.

Und es hub sich empor,

Wie Blümchen umher auf der Heiden,

Von tönenden Freuden und Leiden

Ein lieblicher Flor.

Da trat aus der Fern’ ein geharnischter Riese

Mit blutigem Fuß auf die singende Wiese.

Und der Rohe zertrat

(Ich fühle mit zuckenden Schmerzen

Der Lieder Ermordung im Herzen)

Die keimende Saat.

Ach! alle die Blumen im holden Entstehen,

Ich sah sie für immer, so wähnt’ ich, vergehen.

Eine Lilie stand

Dicht neben mir, ohne zu beben –

Wie starrte mein innerstes Leben,

Als diese verschwand!

Es welkte der Flor, es verstummten die Lieder –

Ich sank in der Mitte der Sterbenden nieder.

Doch es schwebte herab

Vom Himmel ein goldener Knabe,

Und nahte mit silbernem Stabe

Dem blumigen Grab;

Und blickte mit Seufzen, und blickte mit Weinen

Auf alle die Stengel der sterbenden Kleinen.

Und es rührte sich leis’

In jedem bethräneten Stengel –

Da schlug um sie alle der Engel

Den segnenden Kreis;

Und blickte mit Lächeln voll himmlischer Güte

Auf jede nun wieder sich hebende Blüthe.

Und es regte sich tief

Im Busen der Kleinen so wonnig,

So selig, so süß, und so sonnig,

Die Seele, die schlief;

Und hold in der Kelch’ und der Stengelchen Beben

Erwachte der Duftenden tönendes Leben.

Mit dem Lilienstab

Berührte sie leise der Engel –

Da lösten vom zitternden Stengel

Die Blumen sich ab;

Und flogen hinauf in ätherische Lüfte,

Darbringend dem holden Erlöser die Düfte.

Wer den Riesen gekannt,

Der jegliche Blüthe zerstöret,

Dem jetzo die Heide gehöret,

Dem ist er genannt.

Das goldene Kind mit dem silbernen Stengel,

Du, himmlische Lilia, du warst der Engel!

An Romantica

Sonett

Es flossen Blitz’ aus jedem Edelsteine;

Mondstrahlen träufelten aus allem Golde;

Es weinte Liebesfunken jede Holde;

Rings dampften alle Berge Glut vom Weine;

Die Fluten alle loderten – nicht eine

Der Flammen, die da stehn in Lichtes Solde,

Vom Glanz der Sterne, bis zum Schein der Dolde,

Blieb übrig – jede Blüthe ward die deine.

Geathmet all’ in einem einz’gen Kusse,

Sich selbst in neuer Strahlung zu gebähren,

Verschlang sie dein jungfräulich keusches Dunkel.

So that dein Schoos, durchbohrt vom Himmel, Buße;

Und die Empfängniß selig zu bewähren,

Gebahrst du den schwarzleuchtenden Karfunkel.

DOROTHEA SCHLEGEL

»Draußen so heller Sonnenschein,

Alter Mann, laß mich hinaus!

Ich kann jetzt nicht geduldig sein,

Lernen und bleiben zu Haus.

Mit lustigem Trompetenklang

Ziehet die Reuterschar dort,

Mir ist im Zimmer hier so bang,

Alter Mann, laß mich doch fort!«

Er bleibt ungerührt,

Er hört mich nicht:

»Erlaubt wird, was dir gebührt,

Tust du erst deine Pflicht!«

Pflicht ist des Alten streng Gebot;

Ach, armes Kind! du kennst sie nicht,

Du fühlst nur ungerechte Not,

Und Tränen netzen dein Gesicht.

Wenn es dann längst vorüber ist,

Wonach du trugst Verlangen,

Dann gönnt man dir zu spät die Frist,

Wenn Klang und Schein vergangen!

Was du gewähnt,

Wonach dich gesehnt,

Das findest du nicht:

Doch bleibt betränt

Noch lang dein Gesicht.

[1802]

Mein Lied, was kann es Neues euch verkünden?

Und welche Weisheit, Freunde, fordert ihr?

Der Hohen meine Jugend zu verbünden,

Dies, wie ihr wißt, gelang noch niemals mir.

Noch Neu, noch Alt wußt’ ich je zu ergründen;

Das Schicksal gönn’ im Alter Weisheit mir.

Wir irren alle, denn wir müssen irren,

Gelassen mag die Zeit den Knäul entwirren.

Der Waldstrom braust im tiefen Felsengrund,

Gar schroffe Klippen führen drüber hin,

Die furchtbar hängen über’m finstern Schlund;

Wer strauchelt, dem ist sichrer Tod Gewinn!

Ein Müder wankt an Geist und Gliedern wund

Daher, schaut bang hinab, kalt graust der Sinn:

Am Felsen spielt ein Kind, sorglos bemühet

Ein Blümchen pflückend, das am Abgrund blühet.

Oft mühten sinnreich Dichter sich und Weise,

Das Leben mit dem Leben zu vergleichen.

Am glücklichsten geschah’s im Bild der Reise!

Ein Tor eröffnet Armen sich, wie Reichen;

Früh ausgewandert auf gewohntem Gleise

Sieht er die Dämmrung kaum dem Licht entweichen,

So treibt der Wahn, ihm dürf’s allein gelingen,

Rastlos in nie erreichte Fern’ zu dringen.

Es türmen Felsen sich in seinen Wegen,

Des Mittags Strahlen glühn auf seinem Haupt,

In Wüsten Sands muß sich der Fuß bewegen,

Ein Ungewitter naht, der Sturmwind schnaubt,

Wo kommt ein sichres Dach dem Blick entgegen?

Es seufzt nach Ruh’, wem stolzer Mut geraubt;

In später Nacht, doch tausendfält’ger Not

Kömmt er ans Ziel – und dieses ist – der Tod!

Der Jüngling tritt, von Ahndung fortgezogen,

Zur Schwelle hin, die in das Leben führt.

An seiner Schulter tönt der goldne Bogen

Der Göttin, so die Welt ihm hold verziert,

Der Phantasie, die ihn auf kühnen Wogen

Sanft fortreißt, ihn mit bunten Bildern rührt.

Wenn er dann so nach schönen Träumen hascht,

Wird unbewußt vom Glück er überrascht.

Gebt acht, gebt acht, Gelegenheit ist flüchtig,

Nicht leicht ihr Stirnenhaar im Flug zu fassen.

Obgleich zu nützen sie ein jeder tüchtig,

Dem’s klug gelang, sie nicht entfliehn zu lassen,

So ist dem Würdigen sie nie so wichtig,

Daß er von ihr sich mag bestimmen lassen.

Doch was hilft Mut, was mächtiges Bestreben

Dem Schiff, das tollen Stürmen preisgegeben?

So mancher hat gefunden, was zu suchen

Er gleichwohl nicht verstand, was zu gewinnen

Vergebens er, und mühvoll wird versuchen;

Mißlingen droht dem treulichsten Beginnen.

Wie viele hört man dann ihr Los verfluchen

Und klagen: »Glück! o mußtest du zerrinnen?«

Was traut ihr müßig auf des Glückes Gunst?

Natur sei Vorbild, Leben eine Kunst!

Wer hebt des Künstlers Mut in Kampf und Leiden

Als ferne Ahndung hoher heil’ger Liebe?

Was lehrt ihn schellenlaute Torheit meiden

Als eignes Glück der süßen zarten Liebe?

Wo ist ein Port für Hohn und böses Neiden,

Als in den Armen frommer, treuer Liebe?

Und wird des Helden Stirn in Myrtenkränzen

Der Nachwelt schöner nicht, als Lorbeer glänzen?

[1802]

AUGUST WILHELM SCHLEGEL

Die Sylbenmaaße
1. Der Hexameter

Gleichwie sich dem, der die See durchschifft, auf offener

Meerhöh

Rings Horizont ausdehnt, und der Ausblick nirgend

umschränkt ist,

Daß der umwölbende Himmel die Schaar zahlloser

Gestirne,

Bei still athmender Luft, abspiegelt in blaulicher Tiefe:

So auch trägt das Gemüth der Hexameter; ruhig

umfassend

Nimmt er des Epos Olymp, das gewaltige Bild, in den

Schooß auf

Rhythmischer Fluth, urväterlich so den Geschlechten der

Rhythmen,

Wie vom Okeanos quellend, dem weit hinströmenden

Herrscher,

Alle Gewässer auf Erden entrieseln oder entbrausen.

Wie oft Seefahrt kaum vorrückt, mühvolleres Rudern

Fortarbeitet das Schiff, dann plötzlich der Wog’

Abgründe

Sturm aufwühlt, und den Kiel in den Wallungen schaukelnd

dahinreißt.

So kann ernst bald ruhn, bald flüchtiger wieder enteilen,

Bald, o wie kühn in dem Schwung! der Hexameter, immer

sich selbst gleich,

Ob er zum Kampf des heroischen Lieds unermüdlich sich

gürtet,

Oder, der Weisheit voll, Lehrsprüche den Hörenden

einprägt,

Oder geselliger Hirten Idyllien lieblich umflüstert.

Heil dir, Pfleger Homers! ehrwürdiger Mund der Orakel!

Dein will ferner gedenken ich noch, und andern

Gesanges.

2. Die Elegie

Als der Hexameter einst in unendlichen Räumen des Epos

Ernst hinwandelnd, umsonst innigen Liebesverein

Suchte, da schuf aus eignem Geblüt ihm ein weibliches

Abbild

Pentametrea, und ward selber, Apoll, Paranymph

Ihres unsterblichen Bundes. Ihr sanft anschmiegend

Umarmen

Brachte dem Heldengemahl, spielender Genienschaar

Ähnlich, so manch anmuthiges Kind, elegeische Lieder.

Er sah lächelnd darin sein Maeonidengeschlecht.

So, freiwillig beschränkt, nachläßigen Gangs, in der

Rhythmen

Wellenverschlingungen, voll lieblicher Disharmonie,

Welche, sich halb auflösend, von neuem das Ohr dann

fesselnd,

Sinnigen Zwist ausgleicht, bildeten dich, Elegie,

Viel der Hellenischen Männer und mancher in Latium,

jedes

Liebebewegten Gemüths linde Bewältigerin.

3. Der Jambe

Wie rasche Pfeile sandte mich Archilochos

Vermischt mit fremden Versen, doch im reinsten Maaß,

Im Rhythmenwechsel meldend seines Muthes Sturm.

Hoch trat und fest auf, dein Kothurngang, Aeschylos;

Großart’gen Nachdruck schafften Doppellängen mir,

Samt angeschwellten Wörterpomps Erhöhungen.

Fröhlicheren Festtanz lehrte drauf Aristophanes,

Labyrinthischeren: die verlarvte Schaar anführend ihm,

Hingaukl’ ich zierlich in der beflügelten Füßchen Eil.

4. Der Choliambe oder Skazon

Der Choliambe scheint ein Vers für Kunstrichter,

Die immerfort mit sprechen, ob’s gleich schlecht fort will,

Und eins nur wissen sollten, daß sie nichts wissen:

Wo die Kritik hinkt, muß ja auch der Vers lahm seyn.

Wer sein Gemüth labt am Gesang der Nachteulen,

Und wenn die Nachtigall beginnt, das Ohr zustopft,

Dem sollte man’s mit scharfer Dissonanz abhaun.

Todten-Opfer
I. Sinnesänderung

Was plötzlich abgebrochen,

War dennoch ausgesprochen

Dem ordnenden Gefühl:

Ein Lied war mir die Jugend,

Der Fall der Heldentugend

Ein göttlich Trauerspiel.

Doch bald ist mir zerronnen

Der Muth, so dies begonnen,

Die G’nügsamkeit in Dunst.

Gefesselt vom Verhängniß

Im irdischen Gefängniß:

Was hilft mir weise Kunst?

Die Rose, kaum entfaltet,

Doch süßer mir gestaltet

Als aller Schmuck der Welt,

Die hat ein Wurm gestochen,

Die hat der Tod gebrochen,

Die hat der Sturm gefällt.

Nun schau’ ich zu den Sternen,

Zu jenen ew’gen Fernen,

Wie tief aus öder Kluft;

Und, ihre blauen Augen

Dem Himmel zu entsaugen,

Küss’ ich die leere Luft.

O, werde mein Orakel,

Du, die du ohne Makel

Der falschen Welt entflohst!

Sieh mich in meiner Demuth

Und hauch’ in meine

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