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Das Dekameron

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Das Dekameron

Bewertungen:
4/5 (1.003 Bewertungen)
Länge:
1.057 Seiten
18 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
21. Aug. 2013
ISBN:
9783843804066
Format:
Buch

Beschreibung

Obwohl Boccaccio den Inhalt vieler seiner Erzählungen aus dem Fundus der Weltliteratur, aus Fabeln, Parabeln und der oralen Tradition schöpfte, gelang ihm mit dem Dekamerone ein absoluter Klassiker und neben seinem großen Vorbild der Geschichten aus Tausend und Einer Nacht die wohl bekannteste Novellenanthologie überhaupt. Die Rahmenerzählung ist schnell wiedergegeben: Die Pest wütet in Florenz. Drei junge Männer und sieben junge Frauen fliehen auf einen idyllischen Landsitz. Um sich dort die Zeit zu vertreiben, erzählen sie sich Geschichten. Die hundert kleinen Erzählungen voller Witz, Liebe, Erotik und Phantasie sind heute genauso lesenswert wie vor fast 700 Jahren.
Herausgeber:
Freigegeben:
21. Aug. 2013
ISBN:
9783843804066
Format:
Buch

Über den Autor

Giovanni Boccaccio (1313-1375) was born and raised in Florence, Italy where he initially studied business and canon law. During his career, he met many aristocrats and scholars who would later influence his literary works. Some of his earliest texts include La caccia di Diana, Il Filostrato and Teseida. Boccaccio was a compelling writer whose prose was influenced by his background and involvement with Renaissance Humanism. Active during the late Middle Ages, he is best known for writing The Decameron and On Famous Women.


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Buchvorschau

Das Dekameron - Giovanni Boccaccio

Klabund

ES BEGINNT DER ERSTE TAG DES DEKAMERON

Nachdem der Verfasser gezeigt hat, aus welchem Grunde die Personen, die später auftreten, sich zur Unterhaltung vereinigten, wird unter Pampineas Vorsitz von dem gesprochen, was jedem beliebt.

Sooft ich in meinem Herzen bedenke, holde Leserinnen, wie sehr Sie alle von Natur zum Mitleid geneigt sind, so oft überzeuge ich mich, dass Sie den Anfang dieses Buches schwer und trübselig finden müssen, denn es trägt die schmerzliche Erinnerung an jene mörderische Pest an der Stirn, die kürzlich einen jeden in Trauer gestürzt hat, der ihre Verheerung selbst gesehen oder von ihren jammernswerten Wirkungen gehört hat.

Allein ich sähe doch nicht gern, ließen Sie sich dadurch abschrecken, weiterzulesen, als hätten Sie etwa nichts anderes als Tränen und Seufzer in dem Buch zu erwarten. Dieser schreckliche Eingang sei Ihnen vielmehr nur das, was dem Wanderer ein rauer, schroffer Berg ist, hinter dem eine angenehme, reizende Ebene liegt, die ihm desto mehr Vergnügen gewährt, je mehr ihn das beschwerliche Auf- und Niederklettern ermüdet hat. Und wie das Übermaß der Freude oft in Traurigkeit endet, so folgen hingegen neue Freuden auf überstandenes Leid.

Auf eine kurze Trauer (ich nenne sie kurz, weil sie nur wenige Zeilen in Anspruch nimmt) folgt denn auch hier unmittelbar die süße Lust, die ich Ihnen oben versprochen habe und die man vielleicht nach einem solchen Anfang nicht erwarten möchte, wenn es nicht vorausgesagt würde. In der Tat, wenn ich Sie auf eine schickliche Art durch einen andern Weg als auf diesem beschwerlichen Pfade dahin hätte führen können, wohin ich wollte, so hätt‘ ich es gerne getan. Weil ich aber ohne diese Erinnerung nicht zeigen könnte, warum das, was man hernach lesen wird, geschah, so füge ich mich, gewissermaßen durch die Not gedrungen, zu dieser Beschreibung.

Ich sage also, dass nach der gnadenreichen Menschwerdung des Sohnes Gottes schon eintausenddreihundertundachtundvierzig Jahre vergangen waren, als in der prächtigen Stadt Florenz, die alle übrigen Städte in Italien an Schönheit übertrifft, die mörderische Pest ausbrach, die entweder durch die Einwirkung der höheren Weltkörper verursacht oder aus gerechtem Zorn Gottes über unsere Bosheit, als eine Züchtigung über uns Sterbliche, verhängt ward und die schon einige Jahre früher in den Morgenlanden begonnen, eine zahllose Menge der Lebendigen hingerafft und dann, unaufhaltsam von Ort zu Ort gegen Abend fortschreitend, auf eine schreckliche Weise um sich gegriffen hatte.

Hier half nun weder menschliche Kunst noch Vorsicht, ob man gleich eigens Beamte bestellte, die alle Unsauberkeit aus der Stadt wegschaffen mussten, einem jeden Kranken den Eingang in die Tore verwehrte, auf allerhand Mittel bedacht war, um die Gesundheit zu verwahren, und nicht nur einmal, sondern mehrmals demütige Gebete zu Gott aufschickte, sowohl durch Veranstaltung feierlicher Umgänge als sonst durch die Gläubigen. Bei Frühlingsanfang des gedachten Jahres zeigte die Pest ihre verheerenden Wirkungen auf eine fürchterliche und seltsame Weise und nicht so wie im Morgenlande, wo das Nasenbluten bei einem jeden Vorbote eines unvermeidlichen Todes war. Hier zeigte sich im Anfange gleichmäßig bei Männern und Frauen eine Geschwulst in den Weichen oder in den Armhöhlen, die bei einigen so groß ward wie ein gemeiner Apfel, bei andern wie ein Ei, bei einigen in größerer, bei anderen in kleinerer Anzahl, und die der Volksmund Pestbeulen nannte. In kurzer Zeit verbreiteten sich diese von jenen Teilen des Leibes über alle übrigen unterschiedslos. Hernach veränderte sich die Krankheit in ihren Erscheinungen, und es zeigten sich schwärzliche und schwarze Flecken an den Armen, den Lenden und überall am ganzen Leibe. Bei einigen waren diese Flecken groß und in geringer Anzahl, bei andern kleiner und häufiger, und so wie vorhin die Beule ein sicheres Zeichen des nahenden Todes gewesen und bei manchem noch war, so waren es jetzt diese Flecken bei einem jeden, an dem sie sich zeigten. Diese Krankheit zu heilen schien die Kunst keines Arztes und die Kraft keines Heilmittels zu vermögen oder zu bewirken. Sondern entweder, weil die Natur des Übels es nicht zuließ, oder wegen der Unwissenheit der Ärzte, deren Zahl (die wirklich erfahrenen ungerechnet) an Frauen und Männern, die nie den geringsten Unterricht in der Heilkunde genossen hatten, überaus stark angewachsen war, die aber, da sie den Gang der Krankheit nicht kannten, auch nicht die rechten Mittel dawider anzuwenden wussten, kamen sehr wenige davon; die meisten starben schon am dritten Tage nach Erscheinen obiger Zeichen, einige früher, andere später, ohne Fieber oder andere Zufälle. Diese Pest war umso verderblicher, da sie von den Kranken den Gesunden, die mit ihnen umgingen, so schnell mitgeteilt ward, wie das Feuer dem Trockenen oder Fetten, dem es sich nähert. Und was noch schlimmer war: Nicht nur durch das Reden und durch den Umgang mit den Kranken wurden die Gesunden angesteckt und Opfer eines gemeinschaftlichen Todes, sondern die Berührung der Kleider und Gewänder, die die Kranken gebraucht oder angerührt hatten, schien diese Krankheit fortzupflanzen. Was ich bei dieser Gelegenheit erzählen will, ist wunderbar zu hören, und wenn ich es nicht selbst, nebst vielen andern Leuten, mit Augen gesehen hätte, so wagte ich kaum, es zu glauben, viel weniger, es niederzuschreiben, wenn es mir auch glaubwürdige Leute erzählt hätten. Das ansteckende Gift dieser Pestilenz war nämlich so bösartig, dass es sich nicht nur von einem Menschen zum andern fortpflanzte, sondern, weit merkwürdiger, dass auch die Sachen eines Menschen, der mit dieser Krankheit behaftet oder daran gestorben war, wenn irgendein Tier, geschweige ein Mensch, sie berührte, es nicht nur ebenfalls ansteckten, sondern es in äußerst kurzer Zeit töteten. Wovon (wie ich kurz vorher sagte) meine Augen sich einst auf folgende Art überzeugten: Man hatte die Lumpen eines armen Mannes, der an dieser Krankheit gestorben war, auf die offene Straße geworfen, wo ein paar Schweine darüber herfielen, die ihrer Gewohnheit nach erst mit ihren Rüsseln darin wühlten und sie dann zwischen die Zähne nahmen und um die Köpfe schüttelten. In einer kleinen Stunde fielen beide unter Zuckungen, als wenn sie Gift bekommen hätten, tot auf die zerrissenen Lumpen nieder. Diese und eine Menge andere ähnliche oder schlimmere Umstände verursachten bei denen, die am Leben geblieben waren, mancherlei Furcht und Besorgnis, welches alles zuletzt einen grausamen Entschluss bewirkte: dass man nämlich die Kranken und ihre Sachen floh und mied und dass ein jeder darin seine beste Rettung zu finden glaubte. Einige nun waren der Meinung, das beste Mittel, der Krankheit vorzubeugen, wäre, mäßig zu leben und sich vor aller Üppigkeit zu hüten. Diese bildeten demnach kleine Gesellschaften, die von allen abgesondert in solchen Häusern wohnten, wo niemand krank gewesen war. Hier lebten sie bei dem äußerst mäßigen Genusse der schmackhaftesten Speisen und der köstlichsten Weine, enthielten sich von allen Wollüsten, sprachen mit keinem Fremden und wollten weder von Toten noch von Kranken die mindeste Nachricht hören, sondern vertrieben sich die Zeit mit Musik und solchen Vergnügungen, als sie sich untereinander verschaffen konnten. Andere, die entgegengesetzter Meinung waren, behaupteten, das sicherste Verwahrungsmittel wider ein so fürchterliches Übel wäre, viel zu trinken und sich lustig zu machen, mit Gesang und Scherz umherzuziehen und die Sinne auf alle mögliche Weise zu befriedigen, sich über die Folgen hinwegzusetzen und darüber zu lachen und zu spotten. Sie machten ihre Worte wahr, soviel sie konnten, schwärmten Tag und Nacht bald in dieser, bald in jener Schenke umher und tranken ohne Maßen viel. Noch lieber trieben sie auch ihr Wesen in den Häusern anderer Leute, wenn sie hörten, dass es dort etwas gab, das ihnen behagte. Und dieses ward ihnen nicht schwer gemacht, denn jedermann (als wenn sein Leben nicht länger währen sollte) gab sich selbst und das Seinige gänzlich hin, sodass die meisten Häuser jedem offen standen und der Fremdling, der hineintrat, ebenso frei darin schaltete wie der Hausherr.

Doch bei all diesem viehischen Leben vermieden sie die Kranken soviel als möglich. Bei dem großen Unglück und Elend, das unsere Stadt betraf, war die ehrwürdige Gewalt der Gesetze, sowohl göttlicher als auch menschlicher, fast gänzlich herabgesunken und aufgelöst, weil ihre Diener und Vollstrecker, ebenso wie die anderen Einwohner, entweder tot oder krank oder so sehr von Helfern entblößt waren, dass sie ihre Dienste auf keine Weise verrichten konnten; daher es einem jeden freistand, zu handeln, wie er wollte.

Manche hielten auch zwischen denen, von welchen wir vorher gesprochen, die Mittelstraße, indem sie im Essen und Trinken sich kein so strenges Maß vorschrieben wie die zuerst erwähnten und sich doch auch der Völlerei und anderen Ausschweifungen nicht überließen wie die andern, sondern sie bedienten sich aller Dinge in hinreichendem Maße, um ihre Wünsche zu befriedigen, und statt sich einzusperren, gingen sie umher, einige mit Sträußen von wohlriechenden Blumen und Kräutern, einige mit verschiedenen Spezereien in den Händen, die sie oft an die Nase hielten. Denn sie glaubten, es wäre heilsam, durch Wohlgerüche das Gehirn zu stärken, da die Luft überall mit Gestank und Ausdünstung von Leichen, Kranken und Arzneien geschwängert schien. Einige andere dachten noch hartherziger – und gingen darin wohl sicherer – und sagten, die beste Arznei gegen die Pest wäre die Flucht. Von diesem Beweggrunde getrieben, und ohne sich um jemand anders als um sich selbst zu kümmern, verließen sehr viele Männer und Frauen die Stadt und ihre Häuser, Wohnungen, Verwandten und Habseligkeiten und flohen in die Fremde oder wenigstens aufs Land, auf ihre eigenen Güter, als wenn Gottes Zorn, der die Sünden der Menschen durch diese Pestilenz strafte, ihnen nach dem Orte ihrer Zuflucht nicht hätte folgen können, sondern nur die aufzureiben bedacht gewesen wäre, die sich innerhalb der Stadtmauern befanden, als wollte die Pest nur in der Stadt keinen Menschen leben lassen, und die Stunde ihres Unterganges wäre gekommen.

Obwohl nun diese verschieden gesinnten Menschen nicht alle starben, so kamen sie doch auch nicht alle mit dem Leben davon. Sondern, indem viele von den Anhängern jeder Meinung erkrankten, so wurden sie nach dem Beispiele, das sie jederzeit, solange sie gesund waren, selbst gegeben hatten, von denen, die jetzt gesund blieben, wieder verlassen und mussten fast einsam dahinschmachten. Es mochte noch hingehen, dass ein Bürger den andern verließ und dass fast kein Nachbar sich des andern annahm, dass Verwandte einander selten oder gar nicht besuchten und sich nur von Ferne sahen. Aber so tief hatte der Schrecken dieser Heimsuchung die Brust der Menschen beiderlei Geschlechts durchdrungen, dass ein Bruder den andern verließ, der Oheim den Neffen, die Schwester den Bruder, ja, nicht selten, das Weib den Mann, und was noch weit mehr und schier unglaublich ist: Väter und Mütter ließen sogar ihre Kinder, als ob sie ihnen nicht angehörten, ohne Besuch und ohne Pflege. Deswegen blieb auch für die unbeschreibliche Menge der Kranken, Männer und Weiber, keine andere Hilfe und Beistand übrig als das Mitleid der Freunde (und deren gab es wenige) oder die Gewinnsucht der Wärter, die sich durch großen und unerschwinglichen Lohn anlocken ließen, wiewohl auch diese nicht in großer Anzahl zu finden und die meisten nur Menschen von groben Begriffen waren und wenig gewohnt an dergleichen Dienste, daher man sie denn auch fast zu nichts weiter gebrauchen konnte, als um den Kranken dieses und jenes zu reichen, das sie verlangten, und achtzugeben, wenn sie starben. Bei diesem Geschäfte kostete ihr Verdienst ihnen selbst oft das Leben.

Da nun die Kranken von ihren Nachbarn, Verwandten und Freunden verlassen wurden und die Zahl der Krankenwärter so gering war, so entstand daher eine Unsitte, die bis dahin nicht erhört gewesen war. Keine Dame nämlich, sie mochte so schön, liebenswürdig oder wohlerzogen sein, wie sie wolle, trug Bedenken, sich von Mannspersonen bedienen zu lassen, gleichviel, ob sie jung oder alt waren, und wenn es die Umstände der Krankheit notwendig machten, vor ihnen, wie vor ihren weiblichen Bedienten, ohne alle Scham jeden Körperteil zu entblößen, welches denn vielleicht manchen, die mit dem Leben davonkamen, in der Folge Anlass gab, weniger streng auf ihre Ehrbarkeit zu halten. Überdies fanden manche dabei ihren Tod, die vielleicht wieder gesund geworden wären, wenn sie die gehörige Aufwartung gehabt hätten. So aber war, teils wegen Mangel an gehöriger Bedienung und Verpflegung der Kranken, teils wegen der Bösartigkeit der Seuche, die Menge derer, die Tag und Nacht daran hinstarben, so groß, dass es schrecklich war, davon zu hören, und noch mehr, es zu sehen, denn die Not trieb die Überlebenden zu solchen Handlungen, die sonst den Gebräuchen unserer Mitbürger ganz entgegen waren.

So war es sonst Sitte (wie auch noch heutigen Tages bei uns), dass die weiblichen Verwandten und Nachbarinnen sich im Hause des Verstorbenen versammelten und mit denen, die ihm am nächsten angehörten, seinen Tod beweinten; auch pflegten sich vor der Haustür die männlichen Verwandten und Nachbarn nebst vielen andern Mitbürgern einzustellen, und nach Maßgabe des Ranges des Verstorbenen erschien auch die Geistlichkeit mehr oder weniger zahlreich, worauf dann Männer seines eigenen Standes ihn auf ihren Schultern, mit feierlichem Gepränge von Wachsfackeln und Gesang, nach der Kirche trugen, die er selbst vor seinem Tode sich auserwählt hatte – welches alles, wie die Wut der Seuche aufs höchste stieg, entweder gänzlich, oder doch größtenteils unterblieb und andere Neuerungen dagegen aufkamen. Denn es starben nicht nur manche Leute, ohne viele Leidträgerinnen um sich zu haben, sondern viele schieden ganz ohne Zeugen aus der Welt, und nur sehr gering war die Zahl derer, welchen die mitleidige Klage und die zärtliche Abschiedsträne zuteil ward; vielmehr sah man oft stattdessen Gelächter und Lärm und lustige Gelage, in die zum Teil auch die Frauen, unter dem Vorwande, ihre Gesundheit zu verwahren, mit Hintansetzung ihres weiblichen Zartgefühls, sich bald fügen lernten. Es gab nur selten Leichen, die von mehr als zehn bis zwölf von ihren Nachbarn zur Kirche begleitet wurden, und zwar wurden sie nicht von ehrbaren und würdigen Mitbürgern zur Gruft getragen, sondern gewisse Totengräber aus der niedrigsten Klasse des Pöbels, Pestknechte genannt, verrichteten diesen Dienst nur gegen hohen Lohn, trugen die Bahre und schleppten sie, fast im Laufschritt, nicht nach der Kirche, die etwa der Sterbende gewählt hatte, sondern nach der nächsten besten, wobei oft nicht über vier bis sechs Geistliche mit wenigen Kerzen vorangingen und bisweilen kein einziger, da denn mithilfe der Pestknechte die Leiche ohne langes „In requiem" in irgendein leeres Grab, das am ersten bei der Hand war, eiligst hineingesenkt ward.

Um den gemeinen Mann, zum Teil auch um den Mittelstand sah es noch weit elender aus. Denn indem diese, entweder von der Hoffnung hingehalten oder durch ihre Armut gezwungen, sich in ihren Häusern hielten und nahe beieinander wohnten, so erkrankten sie täglich zu Tausenden. Da sie weder Pflege noch irgendeine Hilfe fanden, so mussten sie fast alle ohne Rettung sterben. Viele fanden ihren Tod auf öffentlicher Straße bei Nacht und bei Tage, und manche, die zwar in den Häusern starben, ließen ihre Nachbarn eher durch den Gestank ihrer faulenden Leichen als auf andere Art ihren Tod erfahren. Von diesen und von andern, denn überall starben Menschen, machte sich der Verwesungsgeruch allenthalben bemerkbar. Die meisten Nachbarn schleppten, nicht weniger vor Furcht vor Ansteckung durch die verwesenden Leichen als von christlichem Mitleid für die Toten bewogen, gewöhnlich die Leichen entweder allein oder mit Beihilfe einiger Träger (wenn sie ihrer habhaft werden konnten) aus den Häusern und legten sie vor den Türen nieder, wo man sie besonders des Morgens in Menge sehen konnte, wenn man in der Stadt umherging. Alsdann ließ man Bahren kommen, oder wenn sie fehlten, so legte man die Leichen auch wohl nur auf irgendein Brett. Da sah man denn mehr als eine Bahre, auf der zwei bis drei Leichen übereinander lagen, und es war nichts Seltenes, sondern trug sich sehr oft zu, dass Mann und Frau, zwei bis drei Brüder oder Vater und Sohn zugleich auf einmal weggetragen wurden. Es traf sich auch nicht selten, wenn ein paar Geistliche mit dem Kreuze hingingen, um einen Toten abzuholen, dass sich noch drei bis vier Bahren anschlossen und dass die Priester, wenn sie meinten, nur eine Leiche zu bestatten, wohl sechs bis acht und bisweilen noch mehr zu begraben hatten. Und doch wurden alle diese keiner Träne, keiner Leichenfackel und keiner ehrbaren Begleitung gewürdigt, sondern es war so weit gekommen, dass man sich um einen sterbenden Menschen nicht mehr als heutigen Tages um eine verreckte Ziege bekümmerte. Es lässt sich leicht denken, dass, was der natürliche Lauf der Dinge den Weisesten nicht durch kleine und seltene Unglücksfälle lehren konnte, nämlich, durch Geduld die Größe des Übels zu überwinden, bei der Größe des Elends jetzt auch von den Einfältigen gelernt wurde.

Als die Menge der Leichen, welche man alle Tage und Stunden nach den Kirchen brachte, so sehr anwuchs, dass in geweihtem Boden nicht mehr Raum für sie war, besonders wenn man nach alter Weise gern einem jeden seinen eigenen schicklichen Ruheplatz hätte geben wollen, grub man, wie alles voll war, große tiefe Gruben, in denen die Leichen schichtweise, wie die Waren in einem Schiffe, verstaut und nur leicht mit Erde bedeckt wurden, bis die Gruben bis an den Rand voll waren.

Damit ich mich nicht länger bei jedem kleinen Umstand von dem Jammer unserer Stadt aufhalte, so will ich nur sagen, dass das unglückliche Schicksal, das über sie hereinbrach, auch die umliegende Gegend nicht im Geringsten verschonte, woselbst (die Burgflecken ungerechnet, in denen es im Kleinen ebenso wie in der Stadt zuging) in den Dörfern und auf den einsamen Weilern umher die armen, elenden Landleute mit ihrem Hausgesinde ohne einigen Beistand von Ärzten, ohne Pflege und Aufwartung auf ihren Äckern oder in ihren Häusern, bei Tag und bei Nacht ohne Unterschied, nicht wie Menschen, sondern wie das Vieh umkamen. Daher denn auch diese, indem sie eben wie die Stadtbewohner in ihren Sitten zügelloser geworden, sich um ihre Sachen und Habseligkeiten nicht mehr bekümmerten, sondern, als wenn sie jeden Tag, den sie erlebten, für ihren letzten hielten, die Früchte der Tiere, der Felder und ihrer eigenen vergangenen Arbeiten für die Zukunft nicht warteten und sich nur alle ersinnliche Mühe gaben, den gegenwärtigen Vorrat zu verzehren. Deswegen sah man auch Ochsen, Esel, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner, ja selbst die Hunde, die den Menschen so treu sind, aus den Häusern gejagt, auf den Feldern, wo noch das Korn nicht nur ungeerntet, sondern auch ungeschnitten stand, frei herumlaufen. Manche von diesen Tieren kehrten, nachdem sie den Tag über geweidet hatten, des Abends (als wären sie mit Vernunft begabt), ohne von Hirten getrieben zu werden, gesättigt wieder zurück.

Um von dem Lande noch einmal wieder auf die Stadt zu kommen: Was kann man mehr sagen, als dass die Grausamkeit des Himmels (und auch vielleicht der Menschen) so weit ging, dass vom Monat März bis zum folgenden Juli, teils wegen der Bösartigkeit der Seuche, teils durch Vernachlässigung der Kranken, die schlecht bedient oder in ihren Nöten von den Gesunden aus Furcht verlassen wurden, über hunderttausend Menschen – wie man glaubt – innerhalb der Mauern von Florenz umgekommen sind, während man vor der Pestzeit vielleicht nicht einmal geglaubt hatte, dass es im Ganzen so viele Einwohner zähle. O, wie viele große Paläste, wie viele schöne Häuser, wie viele vortreffliche Wohnungen, einst voll angesehener Geschlechter, waren jetzt entblößt von ihren Bewohnern, Herren und Frauen, und bis auf den letzten Bedienten! O, wie viele berühmte Familien, wie manche beträchtliche Erbschaft, wie viele große Reichtümer sah man jetzt ohne rechtmäßige Erben! Wie manche würdige Männer, wie viele schöne Frauen und blühende Jünglinge, die selbst ein Galen, ein Hippo- krates und ein Äskulap für Bilder der Gesundheit erklärt hätten, saßen des Mittags an der Tafel mit ihren Verwandten, Bekannten und Freunden und hielten das Abendmahl in einer andern Welt mit ihren Vorfahren!

Doch ich mag mich selbst nicht länger an so vieles Elend erinnern; um demnach forthin alles zu übergehen, was ich mit Schicklichkeit weglassen kann, will ich nur sagen, dass, wie auf diese Weise unsere Stadt von Einwohnern fast entblößt und verlassen war, es sich einst so fügte (wie ich aus glaubwürdiger Quelle weiß), dass in der ehrwürdigen Kirche Santa Maria Novella an einem Dienstagmorgen, da fast keine andere lebende Seele zugegen war, sieben junge Damen, alle durch Freundschaft, Nachbarschaft oder Verwandtschaft einander zugetan, deren keine das achtundzwanzigste Jahr erreicht hatte und keine weniger als achtzehn Jahre alt war, lauter vernünftige, edle, schöne, wohlerzogene, mit züchtigem Frohsinn begabte Geschöpfe, sich trafen, die sämtlich in Trauerkleider gehüllt (wie es die unglücklichen Zeiten mit sich brachten) die heilige Messe gehört hatten. Ihre Namen würde ich gehörig anzeigen, wenn mich nicht eine triftige Ursache daran verhinderte: Ich will nämlich nicht, dass irgendeine von ihnen in Zukunft wegen der folgenden Geschichten erröten soll, die sie erzählt oder angehört haben, denn heutigen Tages sind der Fröhlichkeit ziemlich strenge Gesetze vorgeschrieben, dagegen sie damals, wegen der oben berührten Ursachen, nicht nur für Personen ihres Alters, sondern auch für weit reifere Jahre, unendlich gelinder waren. Auch den Scheelsüchtigen, die so gern über jeden lobenswürdigen Lebenswandel herfallen, möchte ich nicht gern Raum geben, den guten Ruf der ehrbaren Damen mit ungeziemenden Reden zu verunglimpfen. Damit jedoch alles, was eine jede von ihnen sagt, ohne Verwirrung verstanden werde, so bin ich willens, ihnen in der Folge solche Namen beizugeben, die den Eigenschaften einer jeden, wenn nicht völlig, so doch einigermaßen, entsprechen. Die erste und älteste von allen wollen wir Pampinea nennen, Fiametta die zweite, Filomena die dritte und die vierte Emilia. Die fünfte mag Lauretta heißen, die sechste Neifile und die letzte soll (nicht ohne Ursache) den Namen Elisa führen. Durch bloßen Zufall und ohne besondere Verabredung gelangten sie in eine Ecke der Kirche, wo sie sich im Kreise niedersetzten und (ohne daran zu denken, ihren Rosenkranz abzubeten) nach manchem Seufzer vieles über die Zeitläufte miteinander sprachen. Nachdem ein kurzes Stillschweigen ihre Unterredung unterbrochen hatte, begann Pampinea folgendermaßen zu reden: „Ihr habt wohl, liebe Mädchen, so gut wie ich, oft gehört, dass der keinem anderen Unrecht tut, der auf erlaubte Weise sich seiner eigenen Rechte bedient. Jeder, der geboren wird, hat das natürliche Recht, sein Leben nach Kräften zu fristen, zu erhalten und zu beschützen, und es hat sich schon zugetragen, dass jemand, um das eigene Leben zu retten, Menschenblut vergossen hat, ohne dass man ihm daraus einen Strick gedreht hätte. Wenn nun dies die Gesetze gutheißen, von deren Wachsamkeit die Wohlfahrt aller Menschen abhängt, wie viel mehr muss es uns und jedem andern erlaubt sein, ohne Schaden anderer uns aller Mittel zu bedienen, die in unserer Gewalt stehen, um unser Leben zu erhalten. So oft ich es recht betrachte, wie wir diesen Morgen und manchen andern zugebracht haben und unter was für Gesprächen, um so mehr glaube ich einzusehen (und ihr werdet es wohl auch einsehen), dass eine jede von uns für ihr Leben fürchtet. Und das ist gar kein Wunder. Aber das wundert mich sehr, da wir doch alle viel weibliches Gefühl haben, dass wir uns nicht für alles, was wir billigerweise befürchten müssen, einigermaßen entschädigen. Wie es mir scheint, halten wir uns hier zu keinem andern Endzweck auf, als ob wir Zeugen sein sollten oder sein müssten, wie viele Leichen zur Bestattung hierher gebracht werden, oder als wollten wir hören, ob die Mönche dieses Klosters, deren Zahl fast auf Null herabgesunken ist, ihre Messen zu gehöriger Stunde singen, oder als ob wir durch unsere Trauerkleider jedem, der hierher kommt, die Größe und Menge unserer Leiden andeuten wollten. Und wenn wir aus der Kirche weggehen, so sehen wir entweder Leichen oder Kranke vorübertragen, oder wir sehen, dass zur Verbannung verurteilte Verbrecher jetzt, da die Vollstrecker der Gerechtigkeit entweder tot oder krank sind, den Gesetzen zum Hohn, mit wildem Ungestüm durch die Stadt schweifen, oder dass die Hefe des Pöbels, die Pestknechte, von unserm Blute erhitzt und zu unserer Schmach, umherreiten und -fahren und in schändlichen Liedern uns unser Unglück vorwerfen. Wir hören nichts anderes als: ‚Der und der ist tot, dieser und jener liegt im Sterben.‘ Wir würden überall nichts als Klagelieder hören, wenn nur noch jemand da wäre, um sie anzustimmen. Und wenn wir nach Hause kommen – ich weiß nicht, ob es euch so geht wie mir, aber wenn ich von allen Meinigen keine Seele mehr vorfinde als mein Kammermädchen, so wird mir angst und bange, die Haare stehen mir zu Berge, und es erscheinen mir allenthalben, wohin ich auch gehe, die Schatten der Verstorbenen, nicht in ihrer sonst gewohnten Gestalt, sondern als schreckten sie mich mit einem fürchterlichen Aussehen, das ihnen, ich weiß nicht woher, gekommen ist. Deswegen finde ich es hier und zu Hause und außer dem Hause nirgends behaglich, umso weniger, da ich glaube, dass außer uns niemand, der einiges Vermögen und einen Zufluchtsort hat wie wir, sich noch hier aufhält. Wenn aber doch noch einige hier sind, so habe ich wohl vernommen oder gehört, dass sie, ohne sich um das, was anständig oder unanständig ist, zu kümmern, bloß ihren eigenen Trieben nachleben und bei Nacht und bei Tage, allein oder in Gesellschaft das tun, was am meisten Vergnügen gewährt. Und das tun nicht nur die freien Personen, sondern auch die in den Klöstern (indem sie glauben, dass ihnen das, was andere sich erlauben, nicht weniger erlaubt sei) überlassen sich mit Hintansetzung ihrer Regel den fleischlichen Lüsten und meinen, durch Wollust und Ausschweifung ihr Leben zu retten. Verhält es sich aber so – und dass es sich so verhält ist offenbar: Was tun denn wir hier? Was erwarten wir? Wovon träumen wir? Warum verweilen und zaudern wir mehr als andere Einwohner, an unsere Rettung zu denken? Ist an uns weniger gelegen als an den andern? Oder bilden wir uns ein, unser Leben sei mit stärkeren Ketten an unsere Leiber gebunden als das ihrige? Und sollen wir uns deswegen um nichts bekümmern, was dem unsrigen schaden kann? Wir irren, wir betrügen uns – wie töricht sind wir, wenn wir so denken! Wenn wir uns erinnern wollen, wie viele und welche Jünglinge und Mädchen schon ein Raub dieser verheerenden Pest geworden sind, so müssen wir uns davon augenscheinlich überzeugen, damit wir demnach nicht aus Kleinmut oder Unvorsichtigkeit in den Fall geraten, den wir vermeiden können, wenn wir wollen, so deucht mich das beste zu sein (wenn ihr auch so gesinnt seid wie ich), dass wir so, wie wir sind, nach dem Beispiele, das uns viele andere gegeben haben und noch täglich geben, diese Stadt verlassen und nicht nur den Tod, sondern auch das böse Exempel der Übrigen fliehen, um uns in aller Ehrbarkeit auf unsere Landgüter zu begeben, deren wir jede genug besitzen, und uns dort solche kleine Feste, Lustbarkeiten und Zeitvertreib zu verschaffen, die wir, ohne die Regeln der Vernunft zu verletzen, genießen können. Dort hören wir den Gesang der Vögel, dort sehen wir die Hügel und Täler grünen und die Kornfelder wie Wogen des Meeres wallen, sehen mannigfaltige Bäume und sehen den freien, offenen Himmel, der, so sehr er uns auch zürnt, uns dennoch seine ewigen Schönheiten nicht entzieht, die unendlich lieblicher zu betrachten sind als die öden Mauern dieser Stadt. Überdies haben wir dort frischere Luft. Der Lebensunterhalt ist leicht bestritten und Ursache zum Kummer kaum vorhanden. Wenngleich die Bauern dort ebenso sterben wie hier die Städter, so ist doch der unangenehme Eindruck davon desto geringer, je entfernter die Häuser voneinander stehen und je kleiner die Zahl ihrer Bewohner ist, wenn man sie mit denen der Stadt vergleicht. Auch verlassen wir (wie mich deucht) niemanden, sondern wir können vielmehr mit Wahrheit sagen, dass wir verlassen sind. Die Unsrigen sind entweder gestorben oder haben, weil sie dem Tode entfliehen wollten, uns in der Not verlassen, als wenn wir nicht zu ihnen gehörten. Man kann uns also nicht tadeln, wenn wir einen solchen Entschluss fassen, der uns Verdruss und Schmerzen erspart und uns vielleicht vor dem Tode bewahrt, der uns sonst bevorstände. Lasst uns demnach, wenn es euch gefällt, unsere Mädchen und die notwendigsten Sachen mitnehmen und heute an diesem Orte, morgen an jenem, uns solche Vergnügungen zu verschaffen suchen, als die Zeitläufte uns verstatten, und lasst uns diese Lebensweise so lange fortsetzen, bis wir sehen, welch ein Ziel der Himmel den jetzigen Prüfungen setzt, wenn nicht etwa in der Zwischenzeit der Tod uns selbst ereilt. Und lasst mich euch zugleich erinnern, dass es uns wohl ebenso ansteht, in Ehrbarkeit uns zu entfernen, als vielen andern, in Ehrlosigkeit hierzubleiben."

Als die übrigen Damen Pampinea angehört hatten, gefiel ihnen nicht nur ihr Vorschlag, sondern, vor lauter Eifer, ihn auszuführen, fingen sie schon an zu ratschlagen, wie sie gleichsam stehenden Fußes auf und davon gehen könnten. Allein die sehr verständige Filomena sagte: „Freundinnen, so vortrefflich auch alles ist, was uns Pampinea gesagt hat, so müssten wir uns doch nicht so sehr damit übereilen, wie es scheint, dass ihr zu tun geneigt seid. Bedenkt, dass wir lauter Frauen sind, und welche unter uns allen ist so jung, dass es ihr nicht auffallen sollte, eine Gesellschaft von lauter Frauen könne ohne männlichen Rat und Beistand unter sich bestehen bleiben? Wir sind wankelmütig, launisch, misstrauisch, furchtsam und verzagt; deswegen fürchte ich, wenn wir uns keiner andern Führung anvertrauen als unserer eigenen, dass unsere Gesellschaft sich weit schneller wieder trennen würde, und weniger zu unserer Ehre, als uns lieb wäre. Darum ist es besser, uns vorzusehen, ehe wir anfangen. „Freilich, sprach Elisa, „sind die Männer das Haupt der Weiber, und ohne ihre Anordnung gedeihen unsere Werke selten zu einem rühmlichen Ende. Aber wo finden wir diese Männer? Ihr alle wisst, dass unsere Verwandten meistens gestorben und dass die wenigen, die noch am Leben geblieben sind, hier und dort in verschiedenen Gesellschaften (wir wissen nicht wo) dasselbe fliehen, was wir zu vermeiden suchen. Fremdlinge zu wählen wäre ebenfalls nicht ratsam, denn wenn wir unser wahres Wohl befördern wollen, so müssen wir uns bestreben, uns so einzurichten, dass uns da, wo wir Ruhe und Vergnügen suchen, nicht Verdruss und Schande ereilen."

Indem die Damen noch so untereinander sprachen, traten drei junge Herren in die Kirche, von denen jedoch der jüngste wenigstens schon sein fünfundzwanzigstes Jahr zählte, deren Liebe weder die Widerwärtigkeit der Zeitläufte noch der Verlust ihrer Bekannten und Verwandten, noch die Besorgnis für ihre eigenen Personen hatte zerstören oder auch nur im Mindesten wankend machen können. Der eine nannte sich Pamfilo, Filostrato der andere, und der dritte hieß Dioneo, lauter wohlgesittete, anmutige junge Leute, die in diesen trübseligen Zeiten ihre einzige Glückseligkeit darin suchten, ihre Damen zu sehen, die sich zufälligerweise alle drei unter den schon genannten sieben befanden, von denen noch einige oder andere mit ihnen zum Teil verwandt waren. Die Damen wurden von ihnen nicht so bald bemerkt, als auch sie die Herren schon erblickten, weswegen Pampinea lächelnd sagte: „Seht ihr, wie das Glück unser Vorhaben begünstigt? Da sendet es uns diese verständigen und wackeren Jünglinge, die sich nicht weigern werden, unsere Führer und Begleiter zu sein, wenn wir nichts dawider haben, sie dazu anzunehmen."

Neifile, die bis an die Ohren rot ward, weil einer von den Dreien ihr Geliebter war, antwortete: „Um des Himmels willen, Pampinea, sieh zu, was du sagest! Ich bin zwar gewiss genug versichert, dass man allen diesen Herren nichts anderes als Gutes nachsagen kann, und ich halte sie weit größerer Dinge als dieser fähig und gebe gern zu, dass ihre Gesellschaft nicht nur für uns, sondern für noch weit edlere und schönere Damen gut und anständig sei. Aber da es bekannt ist, dass sie Verehrer einiger der Unsrigen sind, so fürchte ich, dass man ohne ihre oder unsre Schuld uns tadeln und uns Böses nachreden möchte, wenn wir sie mitnähmen."

Filomene versetzte: „Das kann mich nicht kränken, solange ich in Unschuld lebe und mir mein Gewissen keine Vorwürfe macht; es mag auch, wer da will, anders von mir sprechen. Gott und die Wahrheit werden mich immer verteidigen, und wenn nur die Herren willfährig sind, mit uns zu gehen, so können wir mit Pampinea sagen, dass das Glück unseren Ausflug begünstigt."

Als dies die andern hörten, schwiegen sie nicht nur still, sondern sie erklärten alle einmütig, man solle die Herren rufen, ihnen ihre Absicht eröffnen und sie bitten, sie auf ihrem Ausfluge zu begleiten. Ohne weitere Worte zu machen erhob sich Pampinea, die mit einem von den Herren verwandt war, ging zu ihnen, die im Anblick der Mädchen versunken waren, und grüßte sie freundlich, entdeckte ihnen ihre Absicht und bat sie im Namen aller ihrer Gespielinnen, ihnen mit reinen, brüderlichen Gesinnungen zu Begleitern zu dienen. Die Jünglinge glaubten anfänglich, man wolle sie aufziehen. Als sie aber sahen, dass die Dame es ernstlich meinte, bezeigten sie mit Freuden ihre Dienstwilligkeit, und ohne zu säumen nahmen sie auf der Stelle, ehe sie auseinandergingen, Abrede wegen der Anstalten zu ihrer Reise. Wie demnach alles, was nötig schien, in Bereitschaft gesetzt und nach dem Orte hingesandt war, wohin sie sich begeben wollten, machten sie sich am folgenden Morgen, die Damen in Begleitung einiger von ihren Kammerjungfern und die Herren mit ihren drei Dienern, bei Tagesanbruch auf den Weg nach dem Ort ihrer Bestimmung, der nur zwei kleine Meilen von der Stadt entfernt war. Der Landsitz lag auf einem Hügel, der nach allen Seiten ein wenig von den Landstraßen entfernt war, bedeckt mit allerlei Gesträuch und Pflanzen, deren frisches Grün lieblich anzuschauen war. Auf dem Gipfel des Hügels stand ein Palast, umgeben von wundervollen Gärten, anmutigen Wiesen und vielen Quellen eiskühlen Wassers, der in der Mitte einen geräumigen, hübschen Hof hatte, viele Galerien, Säle und Gemächer, an sich schon schön und noch mit den herrlichsten Malereien verziert, und Keller, gefüllt mit den köstlichsten Weinen, die mehr für leckere Trinker als für enthaltsame züchtige Damen berechnet zu sein schienen, und hier fand die ankommende Gesellschaft zu ihrem nicht geringen Wohlgefallen alles gekehrt und geschmückt, die Betten in den Kammern aufgemacht, die Zimmer mit den Blumen, die die Jahreszeit brachte, geschmückt und den Fußboden mit Binsen ausgestreut.

Als die Gesellschaft, kaum angekommen, sich niedergelassen hatte, sprach Dioneo, ein überaus munterer Jüngling voll lebhafter Einfälle: „Meine Damen, wir haben es mehr eurer Klugheit als unserer eigenen Vorsicht zu danken, dass wir hier sind. Ich weiß nicht, was ihr mit euren Sorgen hier anfangen werdet: Die meinigen aber ließ ich jenseits des Stadttores, wie ich vor Kurzem mit euch herauskam. Ihr müsst euch demnach entweder bequemen, mit mir zu scherzen, zu lachen und zu singen (versteht sich, mit aller gebührenden Beobachtung eures Anstandes und eurer Würde), oder ihr könnt mich nur wieder fortschicken, um meinen Sorgen in unserer armen, geplagten Stadt aufs Neue nachzuhängen. Pampinea, nicht anders, als hätte sie ebenfalls die ihren weit von sich gejagt, gab ihm fröhlich zur Antwort: „Dioneo, du hast vortrefflich gesprochen! Vergnügt zu leben ist unsere Absicht, und wir sind aus keiner anderen Ursache aus dem Elend geflohen. Weil aber alle Dinge, die über Maß und Ziel gehen, von kurzer Dauer sind, so bin ich als die Urheberin des Gespräches, das uns in dieser angenehmen Gesellschaft zusammengeführt hat, weil mir die Fortdauer unseres Vergnügens am Herzen liegt, der Meinung, dass wir notwendig übereinkommen müssen, ein Oberhaupt aus unserer Mitte zu wählen, dem wir als unserem Gebieter Achtung und Folgsamkeit beweisen, und das seinerseits alle seine Gedanken darauf richtet, uns zu einem heiteren Leben Anleitung zu geben. Damit nun ein jeder der Reihe nach die Bürde der Geschäfte sowohl als das Vergnügen des Vorranges schmecken möge, und folglich keiner sei, der, weil er beides nicht gekostet, den beneide, der es versucht hat, so wünsche ich, dass einem jeden auf einen Tag die Ehre und die Bürde zuteil würde, und zwar, dass wir sämtlich denjenigen wählten, der zuerst damit bekleidet werde; die Folgende sollte dann an jedem Tage um die Vesperstunde der oder die ernennen, welche an demselben Tage das Regiment geführt hätte; und das jedesmalige Oberhaupt sollte während der Zeit seiner Regierung den Ort unseres Aufenthaltes und die Art und Weise unseres Zeitvertreibes anordnen und bestimmen.

Diese Rede fand allgemeinen Beifall, und Pampinea ward einstimmig für den ersten Tag zur Königin erwählt. Filomene eilte schnell zu einem Lorbeerbaume, weil sie oft gehört hatte, in welchen Ehren seine Zweige gehalten würden und wie rühmlich sie die Schläfe dessen zierten, den man wegen seiner Verdienste damit bekrönte. Sie brach einige Zweige davon und flocht sie zu einem stattlichen Ehrenkranze, den sie Pampinea aufsetzte und der in der Folge, solange die Gesellschaft beisammen blieb, einem jeden zum Abzeichen der königlichen Herrschaft und Herrlichkeit diente.

Pampinea, als erwählte Königin, gebot nunmehr allgemeines Stillschweigen. Die Diener der drei jungen Herren und die vier Kammermädchen der Damen wurden vorgerufen, jedermann schwieg und Pampinea sagte: „Damit ich euch allen zuerst mit einem guten Beispiele vorgehe, wie wir das Beste unserer Gesellschaft befördern und uns in den Stand setzen können, mit Ordnung, Anstand und Lust zu leben und, solange es uns gefällt, beisammen zu bleiben, so bestelle ich zuvörderst Parmeno, den Diener des Dioneo, zu meinem Haushofmeister, mit dem Befehl, das Gesinde zu beaufsichtigen und für die Wirtschaft Sorge zu tragen. Sirisco, der Diener des Pamfilo, soll unser Schatzmeister und Kassenwart sein und die Aufträge des Parmeno ausführen. Tindaro wird seinen Herrn Filostrato und auch die beiden andern Herren in ihren Zimmern bedienen, wenn die andern Diener durch ihre anderweitigen Geschäfte verhindert sind. Misia, mein Kammermädchen, und Filomenens Licisca sollen beständig die Küche besorgen und mit allem Fleiße die Speisen für uns zubereiten, die ihnen Parmeno vorschreiben wird. Laurettens Chimera und Fiamettens Stratilia wollen wir zur Aufsicht über die Kammern der Damen bestellen, um für die Ordnung und Reinlichkeit dort, und wo wir uns sonst aufhalten, bedacht zu sein; und ihnen allen samt und sonders sei hiermit angedeutet, wenn sie ausgehen und heimkommen, dass sie bei Verlust unseres Wohlwollens uns keine andere als fröhliche Nachricht von draußen bringen, sie mögen auch sehen oder hören, was sie wollen."

Als sie diese Befehle mit wenigen Worten gegeben hatte, die von jedermann gebilligt wurden, erhob sie sich mit heiterer Miene und sprach: „Hier haben wir Gärten, Wiesen und allerlei andere heitere Plätze, wo ein jeder nach seinem Belieben lustwandeln kann. Sobald es die dritte Morgenstunde schlägt, wollen wir uns alle hier versammeln, um im Kühlen zu essen."

Die Königin beurlaubte den muntern Zirkel, und die Jünglinge gingen mit den schönen Mädchen unter angenehmen Gesprächen langsam durch die Gärten, wo sie Kränze von mancherlei Blumen flochten und zärtliche Lieder sangen. Dort blieben sie bis um die Zeit, die ihnen von der Königin bestimmt war, und fanden, wie sie zum Hause zurückkamen, dass Parmeno seinen Dienst mit Aufmerksamkeit angetreten; denn wie sie in einen schönen Saal im Erdgeschosse traten, fanden sie die Tafel mit schneeweißen Tüchern gedeckt und mit Trinkgeschirren besetzt, die wie Silber blinkten, und den Boden überall mit Ginsterblüten bestreut; es ward demnach Wasser zum Händewaschen gereicht, worauf Parmeno auf den Wink der Königin die Gesellschaft einlud, sich in einer von ihm angegebenen Tischordnung zu Tisch zu setzen. Trefflich bereitete Speisen wurden aufgetragen, die feinsten Weine standen bereit, und die Tafel ward alsbald von den drei Dienern ohne Lärm diskret bedient. Überall herrschten Zierlichkeit und Ordnung und erheiterten die Gemüter, sodass das Mahl unter frohen Gesprächen und muntern Scherzen zu Ende ging. Als die Tafel aufgehoben war, ließ die Königin Instrumente bringen, weil sämtliche Damen und Herren Gesang und Tanz liebten und einige von ihnen vortrefflich spielen und singen konnten. Dioneo nahm auf Befehl der Königin eine Laute und Fiametta eine Violine, und sie stimmten eine sanfte Tanzmusik an, worauf die Königin, nachdem sie die Dienerschaft zum Essen hinausgeschickt hatte, mit den übrigen Damen und Herren in gemessenen Schritten einen Reihentanz begann, nach dessen Endigung frohe und angenehme Lieder gesungen wurden. Auf diese Weise vergnügten sie sich, bis die Königin glaubte, dass es Zeit wäre, Mittagsruhe zu halten; daher nach genommenem Urlaub die Jünglinge sich in ihre Zimmer begaben, die von den Zimmern der Damen entfernt lagen. Sie fanden die Betten aufs Beste gemacht und alles, so wie im Saale, mit Blumen bestreut, was auch in den Zimmern der Damen geschehen war. Sie entkleideten sich und begaben sich zur Ruhe. Es war noch nicht weit über die dritte Stunde des Nachmittags, als die Königin aufstand und alle Damen und Herren gleichfalls wecken ließ, weil sie behauptete, es sei schädlich, bei Tage lange zu schlafen. Die ganze Gesellschaft begab sich demnach nach einem kleinen Rasenplatze, der mit üppigem Grase bedeckt und vor dem Sonnenstrahl geschützt war, wo sie, von einem sanften Lüftchen angehaucht, sich auf Befehl der Königin im Grase lagerten und folgendermaßen von ihr angeredet wurden:

„Die Sonne steht noch hoch, wie ihr seht; die Hitze ist groß, und man hört nichts als das Geschrei der Zikaden in den Ölbäumen; daher es gewiss töricht wäre, anderswo hinzugehen. Hier sind wir im Kühlen und haben Dame- und Schachspiel bei der Hand, sodass ein jeder sich vergnügen kann, wie es ihm beliebt. Wollt ihr aber meinem Rat folgen, so lasst uns lieber statt des Spieles, welches doch immer dem einen unangenehme Empfindungen verursacht, ohne dem andern Teile oder dem Zuschauer viel Vergnügen zu machen, die heiße Tageszeit mit Erzählungen zubringen; so wird der Erzähler die ganze Gesellschaft, die ihm zuhört, stets angenehm unterhalten. Ihr werdet kaum ein jeder seine Erzählung geendigt haben, ehe sich die Sonne neiget und die Hitze nachlässt, da wir dann überall, wo es euch gefällig sein wird, uns ergötzen können. Wenn ihr demnach meinen Vorschlag genehmigt, so lasst uns ihn zur Ausführung bringen; wo nicht, so vertreibe sich ein jeder die Zeit bis zur Vesperstunde, wie es ihm am besten gefällt. Was mich betrifft, so will ich mich gern in eure Wünsche fügen."

Die Damen und Herren stimmten sogleich einmütig für das Geschichtenerzählen. „Wohlan denn, sprach die Königin, „wenn ihr es zufrieden seid, so sei an diesem ersten Tage einem jeden die Wahl des Themas, das ihm am besten behagt, überlassen.

Sie wandte sich darauf an Pamfilo, der ihr zur Rechten saß, und bat ihn sehr höflich, mit einer Erzählung nach seinem Geschmack den Anfang zu machen. Pamfilo gehorchte unverzüglich, und alle hörten ihm aufmerksam zu, als er folgendermaßen begann:

ERSTE NOVELLE

Herr Ciappelletto führt durch eine falsche Beichte einen frommen Vater an der Nase herum. Und obwohl er in seinem Leben ein Erzhalunke gewesen, so wird er doch nach seinem Tode für einen Heiligen gehalten und Sankt Ciappelletto genannt.

Es scheint mir schicklich, meine liebenswürdigen Damen, alles, was der Mensch beginnt, im erlauchten und heiligen Namen dessen zu beginnen, der der Schöpfer aller Dinge ist. Da ich nun als Erster hier im Kreise mit dem Geschichtenerzählen anfangen soll, so will ich Ihnen von einem Wunder Gottes berichten, damit, wenn wir es staunend vernehmen, unser Vertrauen auf ihn, als auf ein unwandelbares Wesen, gestärkt, und sein Name von uns immerdar gepriesen sei. Es ist eine offenbare Tatsache, dass alle zeitlichen Dinge und Wesen nicht nur vergänglich und sterblich, sondern auch innerlich und äußerlich von Angst, Sorge und Trübsal umgeben, unzähligen Gefahren ausgesetzt sind. Wir, die wir in der Reihe dieser Wesen stehen, ja ein Teil von ihnen sind, könnten der ständigen Bedrohung weder widerstehen noch sie erfolgreich abwehren, wenn die besondere Gnade Gottes uns nicht die Kraft und Weisheit dazu verliehe. Man glaube aber ja nicht, dass diese göttliche Gnade sich zu uns herablasse und in uns versenke unserer Verdienste halber. Sie wird durch die ihr innewohnende immanente Güte dazu bewogen, sowie durch das flehende Gebet derjenigen, die einst, da sie noch sterblich waren, den Willen Gottes mit Freudigkeit erfüllten, jetzt aber in Ewigkeit mit ihm eins und selig geworden sind. Diesen Fürsprechern, die aus eigener Erfahrung unsere Schwachheit kennen, pflegen wir, nicht mutig genug, um persönlich an den Richter aller Richter zu appellieren, unsere Bitten um das, was wir für notwendig und nützlich halten, vorzutragen. Oft bezeugt er uns noch unendlich mehr, vielleicht unverdiente Barmherzigkeit; denn da wir mit der Blindheit unseres sterblichen Auges in die Geheimnisse des göttlichen Geistes nicht einzudringen vermögen, so kommt es bisweilen vor, dass wir, im Irrtum befangen, einen solchen zum Fürsprecher bei Seiner göttlichen Majestät wählen, den Er auf ewig von seinem Angesicht verstoßen hat. Und dennoch erhört Er, dem nichts verborgen ist, das Gebet. Denn er sieht mehr auf die reine Absicht und das reine Herz des Hilfeheischenden als auf seine Torheit und die Verworfenheit des angerufenen Fürsprechers. Er erfüllt die Bitte so, als ob jener heilig wäre in seinen Augen. Deutlich wird man dies aus der Geschichte ersehen, die ich jetzt erzählen will. Deutlich sage ich nach menschlichem Urteil, ohne dem göttlichen vorzugreifen. Man erzählt von einem gewissen Musciatto Francesi, der in Frankreich aus einem reichen und angesehenen Kaufmann ein Edelmann geworden war und mit Karl ohne Land, dem Bruder des Königs von Frankreich (den der Papst Bonifatius zu sich berufen hatte und der sich auch willig finden ließ), nach Toskana ziehen sollte, dass er (wie es den Kaufleuten oft zu gehen pflegt) seine vielfältigen Geschäfte ein wenig durcheinandergebracht hatte und, weil sie sich in der Geschwindigkeit nicht ordnen ließen, den Entschluss fasste, verschiedenen Personen Auftrag zu geben, mit seinen Schuldnern Abrechnung zu halten. Er fand auch zu allem Rat; nur blieb er in Verlegenheit, wem er es auftragen solle, seine Schulden bei gewissen Burgundern einzutreiben.

Diese Verlegenheit entstand daher, dass er die Burgunder als hartnäckige, übelgesinnte und betrügerische Leute kannte, und er wusste sich auf keinen Menschen zu besinnen, den er für verschlagen und listig genug gehalten hätte, um sich auf ihn genugsam verlassen und ihn seinen Schuldnern entgegensetzen zu können. Wie er lange genug darüber nachgedacht hatte, erinnerte er sich endlich eines gewissen Ser Ciapperello da Prato, der oft in sein Haus in Paris zu kommen pflegte, und den die Franzosen Ciappelletto zu nennen gewohnt waren; denn weil er klein von Person und sehr zierlich und geschniegelt war, und weil die Franzosen nicht wussten, was Ciapperello bedeuten solle, sondern glaubten, er hieße vielleicht Capello (Kranz), welches in ihrer Sprache Chapelet heißt, so nannten sie ihn, weil er so klein war, nicht Capello, sondern Ciappelletto, und unter diesem Namen war er allgemein bekannt, da hingegen wenige seinen rechten Namen Ciapperello wussten. Mit der Lebensart dieses Ser Ciappelletto hatte es folgende Bewandtnis: Er war ein Notar, hätte sich aber gewaltig geschämt, wenn unter den wenigen Urkunden, die er ausfertigte, sich eine einzige richtige befunden hätte; aber solche zu fälschen war er jeden Augenblick bei der Hand und machte dergleichen lieber umsonst als eine echte für die beste Bezahlung. Falsches Zeugnis legte er mit dem größten Vergnügen ab, gebeten oder ungebeten, und da man zu der Zeit in Frankreich einem Eidschwur großen Glauben beimaß, so wurden alle Prozesse gewonnen, in welchen er zum Zeugen auf seinen Eid gerufen ward, weil es ihm nicht die geringste Überwindung kostete, einen Meineid zu schwören. Er gab sich auch viele Mühe und fand ein großes Vergnügen daran, Feindschaft und Verdruss in Familien und zwischen Freunden und andern Personen anzustiften, und je größer das Unglück war, das daraus entstand, desto größer war seine Freude. Ward er eingeladen, an einem Morde oder an einem andern Verbrechen teilzunehmen, so gab er nie eine abschlägige Antwort, sondern war mit dem größten Vergnügen dabei und hatte mit eigenen Händen manchen Menschen verwundet oder erschlagen. Er war der größte Lästerer Gottes und seiner Heiligen und fluchte und lästerte bei dem kleinsten Anlass, weil er ungewöhnlich jähzornig war. In die Kirche ging er nie, und ihre Sakramente verhöhnte er als verächtliche Dinge mit den abscheulichsten Ausdrücken. Dagegen war er nirgends lieber als in den Kneipschenken und an andern liederlichen Orten. Die Weiber liebte er wie der Hund den Knüppel, dem entgegengesetzten Laster aber war er mehr als irgendein anderer Lust- und Schandbube ergeben. Raub und Diebstahl beging er mit eben dem Gewissen, womit ein heiliger Mann seine Gabe auf dem Altar darbringen würde. Er war ein Fresser und Säufer bis zum ekelhaftesten Übermaß, und als falscher Spieler mit Karten und Würfeln war er berüchtigt. Mit einem Worte, er war vielleicht der größte Bösewicht, den jemals die Sonne beschienen hat. Die Macht und der Reichtum des Musciatto dienten ihm lange Zeit zur Stütze, und um seinetwillen fürchteten ihn oft diejenigen Privatpersonen, die er bisweilen beleidigte, und duldete ihn der Hof, dem er schon manchen Possen gespielt hatte. Wie sich demnach Musciatto dieses Ser Ciapperello erinnerte, dessen Lebenswandel ihm durch und durch bekannt war, so hielt er ihn eben für den rechten Mann, ihn der Arglist seiner Burgunder entgegenzusetzen. Er ließ ihn also rufen und sprach: „Ciappelletto, ich bin, wie du weißt, im Begriff, mich gänzlich von hier zu entfernen, und da ich unter anderem mit einigen Burgundern in Geschäften stehe, die ausgefeimte Spitzbuben sind, so weiß ich nicht, wen ich besser schicken kann als dich, um meine Forderungen von ihnen einzutreiben. Weil du nun eben nichts anderes zu tun hast, so will ich dir Geleitsbriefe vom Hofe verschaffen, wenn du dich dieser Sachen annehmen willst, und will dir von allem, was du mir einbringst, einen solchen Teil geben, dass du mit mir und dir zufrieden sein kannst."

Ser Ciappelletto, dessen Geschäfte gerade schlecht gingen und der denjenigen abreisen sah, der lange Zeit sein einziger Stecken und Stab gewesen war, entschloss sich, von der Not gedrungen, kurz und gut, und gab seine Einwilligung. Wie sie einig waren, gab ihm Messer Musciatto seine Vollmacht und den Geleitsbrief des Königs, und Ser Ciappelletto ging nach Burgund, wo ihn fast niemand kannte, und fing an, wider seine Gewohnheit, mit Sanftmut und Geduld die Schulden einzufordern und die Geschäfte zu verrichten, um derentwillen er gekommen war, gleichsam als wolle er seine Bosheit bis zuletzt aufsparen. Wie er sich zu diesem Endzweck bei zwei Brüdern aus Florenz, die auf Wucher liehen und die ihn aus Achtung für Musciatto sehr gut aufnahmen, eingemietet hatte, traf es sich, dass er krank ward, weswegen die beiden Brüder sogleich Ärzte und Krankenwärter anschafften, die ihn bedienen mussten; allein es half nichts, sondern der Ehrenmann, der nicht mehr jung war und ausschweifend gelebt hatte, verfiel nach dem Urteil der Ärzte ersichtlich und eilte dem Tode entgegen, welches den beiden Brüdern sehr ungelegen war. Eines Tages unterredeten sie sich miteinander nahe der Kammer, wo Ciappelletto krank lag. „Was machen wir mit dem Kerl? fragte einer den andern. „Wir sind mit ihm schlimm daran, denn es wäre Sünde und Schande, ihn so krank aus dem Hause zu schaffen, nachdem die Leute gesehen haben, dass wir ihn bei gesunden Tagen gut aufgenommen und ihn hernach mit aller Sorgfalt haben pflegen lassen; und nun, da er uns keine Ursache zum Missvergnügen kann gegeben haben, sollten wir ihn plötzlich, und noch dazu todkrank, fortschicken? Andererseits aber ist er ein so gottloser Bursche gewesen, dass er jetzt nicht wird beichten oder irgendein Sakrament gebrauchen wollen, und wenn er ohne Beichte stirbt, so wird man seinen Leichnam in keiner Kirche aufnehmen, sondern ihn wie einen Hund in eine Grube werfen. Ja, wenn er auch beichtete, so sind seine Sünden so groß und abscheulich, dass es ihm nicht besser gehen wird, denn weder Mönch noch Priester werden ihn lossprechen wollen oder können, um zu verhüten, dass er nicht ebenso ohne Absolution auf den Anger geworfen werde. Wenn aber dieses geschähe, so würden die Leute in dieser Stadt (die uns nicht nur wegen unseres Gewerbes, das ihnen verhasst ist, Böses nachreden, sondern auch die größte Lust haben, uns bis aufs Hemd auszuplündern) einen Auflauf erregen, würden über die lombardischen Hunde schreien, welche die Kirche abgewiesen hat, und würden uns nicht länger das Brot gönnen, sondern uns das Haus stürmen und vielleicht nicht nur unsere Güter rauben, sondern auch unser Leben antasten, sodass es auf alle Weise misslich mit uns steht, wenn er sterben sollte. Ciappelletto, der wie gesagt nicht weit davon lag, wo jene miteinander flüsterten, hatte ein feines Gehör, wie es die Kranken oft haben, und verstand alles, was sie von ihm sprachen. Er ließ sie zu sich rufen und sagte zu ihnen: „Ich wünschte nicht, euch auf irgendeine Weise um meinetwillen in Verlegenheit zu wissen, oder euch die Besorgnis zu verursachen, dass ihr meinetwegen in Schande und Unglück geraten solltet. Ich habe alles gehört, was ihr von mir gesprochen habt, und ihr habt freilich Recht, dass es so kommen würde, wie ihr fürchtet, wenn das geschähe, was ihr voraussetzt; allein es soll schon anders gehen. Ich habe in meinem Leben an unserem Herrn Gott so vieles gesündigt, dass eine Sünde mehr oder weniger am Rande des Grabes nichts verschlimmern oder verbessern wird. Lasst mir demnach nur den frömmsten und besten Pater herkommen, den ihr finden könnt (wenn ein solcher zu haben ist), und lasst mich nur machen, so sollt ihr sehen, dass ich eure und meine Angelegenheit in Ordnung bringen will, wie sich‘s gebührt. Ihr sollt mit mir zufrieden sein." Die beiden Brüder bauten zwar nicht viel auf diese Versicherung, nichtsdestoweniger gingen sie nach einem Kloster und begehrten einen klugen und frommen Mann, um die Beichte eines Lombarden zu hören, der in ihrem Hause krank läge. Man gab ihnen auch einen alten Klosterbruder von sehr erbaulichem, frommem Wandel mit, einen in der Schrift wohlgelehrten und sehr ehrwürdigen Mann, der bei allen Bürgern in der Stadt in besonderem Ansehen und Hochachtung stand, und sie führten ihn nach ihrem Hause. Wie er in die Kammer des Ciappelletto kam und sich neben sein Bett gesetzt hatte, fing er zuerst an, ihn mit Sanftmut zu trösten, und fragte ihn dann, wie lange es wäre, seitdem er zum letzten Mal gebeichtet hätte.

Ciappelletto, der nie zur Beichte gegangen war, gab ihm zur Antwort: „Mein Vater, es ist immer meine Gewohnheit gewesen, wöchentlich wenigstens einmal zu beichten, wiewohl ich es auch oft mehrmals getan habe, aber die Wahrheit zu sagen, seit meiner Krankheit, die nun schon über acht Tage dauert, habe ich noch gar nicht gebeichtet; so sehr hat sie mir zugesetzt."

„Recht getan, mein Sohn, sprach der Pater, „und nur immer so fortgefahren! Ich merke wohl, da du so oft beichtest, so werde ich wenig Mühe haben, dich zu vernehmen und zu befragen.

„Sagt das nicht, lieber Vater, sprach Ciappelletto. „Ich habe nie so oft und so viel gebeichtet, dass ich nicht wünschen sollte, eine allgemeine Beichte meiner Sünden abzulegen, soweit ich mich ihrer von dem Tage meiner Geburt an bis an den Tag meiner Beichte erinnern kann. Darum bitte ich Euch, bester Pater, mich über alle Dinge so streng zu befragen, als ob ich noch nie gebeichtet hätte. Und kehrt Euch nur nicht daran, dass ich so krank bin; denn ich will weit lieber mein Fleisch und Blut kreuzigen, als ihnen zu Gefallen etwas tun, das meiner Seele zum Verderben gereichen könnte, die mein Heiland mit seinem teuren Blute erkauft hat.

Diese Worte gefielen dem frommen Geistlichen überaus und schienen ihm ein Beweis eines christlich gesammelten Gemüts zu sein, daher er denn, nachdem er ihm darüber sein Wohlgefallen bezeugt hatte, den Anfang damit machte, dass er ihn fragte, ob er sich jemals der Wollust mit dem weiblichen Geschlecht schuldig gemacht hätte.

Ciappelletto antwortete ihm mit einem Seufzer: „Lieber Pater, ich schäme mich, Euch über diesen Punkt die Wahrheit zu sagen, weil ich fürchte, in die Sünde der Ruhmredigkeit zu verfallen."

„Redet frei heraus, sprach der Pater, „denn wenn man die Wahrheit sagt, so sündigt man nicht, weder in der Beichte noch anderswo.

„Nun, weil Ihr mich denn darüber beruhigt, sprach Ciappelletto, „so will ich‘s Euch sagen: Ich bin noch so rein, wie ich aus dem Mutterleibe gekommen bin. „Gott segne dich! sprach der Pater. „Ach, wie wohl hast du getan, und wie viel größer war dabei dein Verdienst als das unsrige, da es in deiner Willkür stand, anders zu handeln, da es hingegen mir und meinen andern Ordensbrüdern durch unsere Regeln verboten ist!

Hierauf fragte der Pater, ob er auch wohl durch die Sünde der Schwelgerei dem Himmel missfällig geworden wäre. „Ach, leider mehr als zu oft! versetzte Ciappelletto und seufzte abermals sehr stark dabei. „Denn obgleich ich außer den großen Fasten, welche die gottseligen Leute jährlich beobachten, noch wöchentlich wenigstens drei Tage bei Brot und Wasser zu fasten gewohnt bin, so habe ich doch, besonders nach irgendeiner mühsamen Arbeit, oder während derselben, oder auf einer Wallfahrt das Wasser oft mit eben der Wollust getrunken, womit die Trinker den Wein genießen, und nicht selten war ich nach einem leckeren Krautsalat lüstern, wie ihn die Weiber auf dem Lande machen, auch hat mir bisweilen das Essen nachher weit besser geschmeckt, als es, wie ich glaube, demjenigen schmecken sollte, der aus Bußfertigkeit fastete. „Lieber Sohn! sprach der Pater, „dergleichen Sünden sind so natürlich und leicht, dass du dein Gewissen damit nicht mehr als nötig beschweren musst. Es begegnet wohl einem jeden Menschen, sei er so heilig wie er wolle, dass ihm nach langem Fasten das Essen und ein Trank nach schwerer Arbeit herzlich wohlschmeckt.

„Ach, bester Pater! antwortete Ciappelletto, „sprecht doch nicht so, um mich zu trösten, bedenkt nur, dass ich wohl wissen muss, eine jede Sache, die man tut, um Gott wohlgefällig zu sein, müsse aus reinem Herzen und ohne Widerwillen geschehen, und dass ein jeder, der anders handelt, sündigt.

Entzückt gab ihm der Pater zur Antwort: „Es freut mich, mein Sohn, dass du es so betrachtest, und ich erkenne mit großem Wohlgefallen daraus die Zartheit deines Gewissens. Sage mir noch, hast du dich des Geizes schuldig gemacht und gewünscht, mehr zu besitzen als dir beschieden war, oder dir etwas zugeeignet, das dir nicht gebührte?"

Ciappelletto versetzte: „Ehrwürdiger Pater! Es wäre mir leid, wenn Ihr übel von mir dächtet, weil ich hier bei diesen Wucherern wohne. Ich habe nichts mit ihnen zu schaffen, sondern ich halte mich vielmehr bloß deswegen bei ihnen auf, damit ich sie warne und ermahne, von dieser abscheulichen Gewinnsucht zu lassen. Ich glaube auch wirklich, es wäre mir gelungen, wenn mich Gott nicht auf diese Weise heimgesucht hätte. Allein ich muss Euch sagen, dass mein Vater mir einst ansehnliche Reichtümer hinterließ, wovon ich nach seinem Tode den größten Teil den Armen gab und hernach, um mein eignes Leben zu fristen und um den Armen in Christo beizustehen, einen kleinen Handel trieb, bei dem ich freilich nach Gewinn trachtete, aber immer mit der lieben Armut teilte, sodass ich die eine Hälfte für meine Bedürfnisse verwandte, die andere Hälfte den Armen gab; dabei hat mich der Beistand meines Schöpfers dergestalt gesegnet, dass meine äußeren Umstände sich von Tag zu Tag verbessert haben."

„Du hast wohl getan, sprach der Pater. „Aber hast du dich wohl oft vom Zorn hinreißen lassen?

„Leider ja, sprach Ciappelletto, „ich kann Euch versichern, dass mir dies oft genug begegnet ist. Aber wer könnte sich dessen auch enthalten, wenn man sieht, wie die Leute täglich Werke der Finsternis ausüben, die Gebote Gottes nicht halten und sein Gericht nicht fürchten? Wie manchen lieben Tag hätte ich mir nicht lieber den Tod gewünscht als das Leben, wenn ich sehen musste, wie die Jünglinge dem eitlen Tand und Wesen nacheifern, wie sie fluchen und schwören, wie sie in den Weinkneipen umherschwärmen und die Kirche nicht besuchen und viel eher auf den Pfaden der Welt als auf den Wegen Gottes wandeln.

„Das ist ein frommer, löblicher Eifer, mein Sohn, sprach der Pater, „und ich kann dir deswegen, meiner Meinung nach, keine Buße auflegen. Aber hat dich nicht etwa dein Zorn verführt, einen Totschlag zu begehen oder jemand durch Scheltworte oder sonst auf irgendeine Weise zu beleidigen? „Herr, wie kann ein Mann Gottes solche Sprache führen? sprach Ciappelletto. „Glaubt Ihr denn, wenn mir irgendein Gedanke an dergleichen Handlungen ins Herz gekommen wäre, dass ich mir einbilden könnte, Gott hätte mich so lange leben lassen? Das sind Übeltaten, deren nur Straßenräuber, Strauchdiebe und andere sittenlose Menschen fähig sind. Wenn mir dergleichen Leute in den Weg kamen, pflegte ich immer zu sagen: Geh mit Gott, der dich bekehren und bessern möge!

„Gott segne dich, mein Sohn! sprach der Pater. „Aber sage mir nun, hast du jemals falsches Zeugnis wider jemand abgelegt, böse Nachrede geführt oder dir fremdes Eigentum angemaßt, wider Willen dessen, dem es gehörte? „Freilich, Herr, sagte Ciappelletto, „habe ich Böses von jemandem gesprochen; ich hatte einmal einen Nachbarn, der wider alles Recht und Billigkeit nie aufhörte, sein Weib zu prügeln, daher ich einst mit Unglimpf gegen die Verwandten seiner Frau von ihm sprach, weil mir das arme Weib so leid tat. Sooft er betrunken war, prügelte er sie dermaßen zusammen, dass es Gott erbarme.

„So sage mir denn, sprach der Geistliche, „da du ein Kaufmann bist, hast du nie jemanden übervorteilt, wie die Kaufleute wohl zu tun pflegen?

„Ach freilich ja, lieber Herr", sprach Ciappelletto, „allein ich erinnere mich nicht mehr, wer es war, der mir einmal Geld brachte, das er mir für verkauftes Tuch schuldig war, und ich legte es ungezählt in meinen Geldkasten, und wie etwa ein Monat vergangen war, fand ich darin vier Groschen zu viel, die ich wohl ein Jahr lang aufhob, um sie ihm wiederzugeben; weil ich ihn aber nicht wiederzusehen bekam, schenkte ich

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Rezensionen

Was die anderen über Das Dekameron denken

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Leser-Rezensionen

  • (3/5)
    100 days: 100 stories. The Decameron is a trip to the past, where the ravages of the plague run wild and twenty male and female nobles seek refuse in a villa to lament and to dream. This work encompasses the plight of an entire generation of people and, I felt, tries to garnish meaning from the absurd. The plague itself, I found, was a metaphor of the darkness of the world-- ever looming and closing in. Meanwhile, the stories are hope for the future. The description between all of the darkness that the plague encompasses, and all the loss prevalent in the stories, is paralleled by the facets of love that come through the anecdotes of life. There is so much love in these country tales, of people trying to find themselves through their own strife in an effort to change the world that they live in and try to make it better. Additionally, the book follows from inception of creation myths all the way to the intricacies of moral life and society. This was a different time, but the meaning still applies and remains the same. I believe that this is why the novel still holds up as a great literary achievement for the stamp of Boccaccio.

    A fine read. I recommend it for those interested in deep, literary fiction of the past.
  • (5/5)
    This translation of The Decameron is particularly good. More than anything, the translator really conveys the sense of playfulness that is present in Boccaccio's work, which in the hands of a less capable scholar might seem rather cruel and lascivious. The introduction and endnotes to this edition are also excellent. It's a great edition for anyone studying the work in translation, and also a good companion for studying the work in its original language.
  • (5/5)
    As entertaining now as it was 700 years ago.
  • (5/5)
    The Decameron is obviously a hugely influential piece of literature (actually, it's just plain huge), so it's no wonder I'd get around to it eventually. I'm not a huge fan of Chaucer, really, but I did recognise a couple of the source texts he used in this, and I imagine that the choice of frame narrative for the Canterbury Tales might've been suggested to Chaucer by The Decameron. Certainly The Decameron was an influence, anyway.

    The Decameron also inspired a song by one of my favourite singers, Heather Dale, 'Up Into The Pear Tree', about Pyrrhus and Lydia and their trick on Lydia's husband. It's a lovely song, playful and quite in keeping with the tone of The Decameron.

    Despite its length, The Decameron is very easy to read. It's a collection of a hundred short stories -- or perhaps a hundred and one, if you count the frame story -- split into ten 'days' with the conceit that a group of ten young men and women meet outside Florence during the plague years, and to entertain themselves, they elect a king or queen from their number each day, who dictates a theme for the stories that they tell. The stories are quite similar at times, when they revolve around a specific theme, but overall there's a lot of different stories, often funny, and often to do with sex. You get the impression that no women in medieval Italy (with the exception of Griselda and Zinevra) were ever faithful to their husbands!

    Being a medieval work, it's unsurprisingly not terribly good about subjects like rape or feminine strength. Sometimes it praises women to the skies and at other times blames them for what isn't their fault, or what certainly isn't a fault in all women. Still, it didn't make me uncomfortable most of the time, and there are plenty of clever and strong women in the tales as well.

    The Penguin translation, by G.H. McWilliam, is extremely good, in the sense of always being very readable and entertaining, rather than dry, and this edition comes with a wealth of notes on context and on each specific story. There are maps and an index, too. Even if you're not reading this for study, it's worth getting -- perhaps especially so, because it explains things clearly no matter what your level of expertise on the subject.
  • (4/5)
    The 100 stories within the story are generally entertaining, and the whole work provides a window into the 1500's. Most of the stories involve the sexual exploits of nobility and clergy, pranks and tricks between spouses and friends, and adventures abroad.
  • (5/5)
    These are 100 short stories and like the earlier Arabic 1001 Nights or Chaucer's later Canterbury Tales told within a frame: Ten Florentine nobles, seven women and three men, flee the city to the country to escape the Black Plague for ten days. Each in turn is established as Queen or King for the day and sets a theme, then all tell a tale. This is fabulous stuff. One of those classics that isn't like eating your veggies, but having a feast. The stories are not just entertaining in themselves, laden with wit and irreverent humor, but are great pictures of life in Medieval Europe. Not often pretty pictures to our eyes--as when they show us misogynist or anti-Semitic aspects--although in neither case is it one-sided, and there are positive depictions of Jews, Muslims and women. Taken altogether, it gives us the bad, the good, the ugly, and only once in a while does it bring a modern sensibility up short with a Huh??? The book is nigh unkillable--although some translations can be rather dire. With Chaucer there might be good reason for reading if not the original Middle English, then something that hews close to it--but there's no excuse imo for "doth" and "verily" in a translation from the Italian, so you might want to scan some of the editions to make sure you find the prose amenable before purchase.
  • (4/5)
    I read most of these stories waiting in Logan Airport for a student standby flight many many years ago. They kept me awake all night and I'm sure they would be just as entertaining today in more pleasant conditions.
  • (4/5)
    10 stories a day, 10 days. Boccaccio's often bawdy tales deliver his characters from the sorrows of the plague and allow fair, gentle ladies (his supposed audience) a literary escape.
  • (4/5)
    This is one of those books that I read in school and enjoyed, but I don't recall if I actually read the entire thing.
  • (3/5)
    The Decameron is a collection of 100 stories about various themes. Although I like the concept of short stories and most of the themes, it was just too much. I like short stories and stories about love but if you're reading 2 weeks in a book from about 730 pages about mainly romance you just get burnt out from it. There were also things that bothered me, especially things in the stories or the book. Like the woman who were always saying that the men were better, and that woman are not so smart and all... Oke that was probably the time spirit by then, but to read it now so often it's just annoying me.

    Another thing was all the adultery that came in it. I almost began to think that true love doesn't exist anymore. And it was all written so excessively. The woman were the most beautiful of the world, and the men were the most bravest of the world. Sometimes it's nice to read that, but if in every story different men and woman are the best of the world.... Yeah..

    What surprised me though was the critics in the book on monks and other religious persons. I thought they were very catholic in those days.

    Over all it's not a bad book or so, I just think it's a book you should read once in a lifetime. And dosed, like 1 story a day or so. I rented the book from the library so I had to read it in a couple weeks and then it becomes just all too much if you have to read in it every day.
  • (5/5)
    When the Black Death hit Florence, six people fled to an aristocrat's abandoned villa and while enjoying everything available, pass the time telling tales to avoid thinking of the Plague. A wonderful book.
  • (4/5)
    The Decameron of Giovanni Boccaccio was published in 1353 and demonstrates that the popularity of gross humor did not begin with the puerile teen comedies of our own era, but can be traced back to the middle ages and before (cf. Plautus and Aristophanes). I am in the midst of a reading of The Decameron using the translation by Mark Musa and Peter Bondanella. Selected stories from the first three days have introduced me to a polyglot of defrocked Friars, larcenous ladies, and virgins whose virginity remains in the imagination alone, although they can fool the King when necessary (the Kings and Priests and Aristocrats seem most likely candidates for the title "fool"). Even in translation the humorous style shines through and it seems all great fun, as long as you don't think of the Black Death that hovers in the background and provides the raison d'etre (pardon the French, I don't know the Italian equivalent) for the tale-telling.As I completed the days through to the tenth I was impressed with the fecundity of the tales, the breadth of the characters covering multiple vocations and classes, and the author's stylish ability to reach the reader - even in translation. These are tales that have inspired many writers as well as readers since the fourteenth century with good reason. With each tale I found myself looking forward with more desire for the next and now that I am done I am sure I will return to this humane writer.
  • (5/5)
    Utterly compelling and beautiful classic.
  • (5/5)
    The best I have ever read. An amazing tale of times that have passed but how true they hold hundreds of years later. Amazing how Giovanni was allowed to live after the things he wrote about church, sex and etc.
  • (5/5)
    A collections of tales. Smartness wins against prejudice and religion, love against cupidity. Literature wins over death, joy and laughter win against ignorance and desperation. A positive message from a great book. A book that created a language.
  • (4/5)
    This seemed surprisingly contemporary to me for a book written in the Middle Ages. The stories were short and peppy and reminded me a lot of 1001 Nights, however the story recursion in Nights is missing here, which I think is better. Crisp, telling, with lots of life lessons and morals, it's very good. However the story topics are so similar that it's a little too tight and becomes redundant...I never made it past halfway through the book because I felt I was reading the same story over and over again with different city, character names, but same protagonist and plot.
  • (5/5)
    Brilliant, funny, compartmentalized, misogynistic, and very, very, very filthy. If you like peculiar Catholic double entendres, you'll particularly enjoy this.
  • (2/5)
    Verzameling verhaaltjes. Erg gelijkend op Chaucer, maar met een veel hedonistischer saus, gefocust op de relatie tussen mannen en vrouwen. Erg overroepen reputatie, hoewel natuurlijk historisch waardevol
  • (5/5)
    This is a collection of tales told within a frame story of a group of young people who have fled Florence to avoid the plague.The frame story is quite weak and uninteresting, but the tales are great!
  • (5/5)
    Suck it Boccaccio, I totally read your shit. Well, around 65% of it. I used a couple of different lists of "the best of them," and skipped any stories that weren't on either list.

    I've read a bunch of non-fiction books recently that at least touch on Italy in the 14th century, and I keep thinking, "Yeah, I understand this from Boccaccio." Corruption in the church, the role of women, the lives of the nobles and the common people... I get a better sense of these things from the Decameron than from the history books. So if Boccaccio's goal was to describe what life was like in his time, from every imaginable point of view, he has nailed it.

    I thought about what it would be like if someone did a modern version of the Decameron - 100 stories from all kinds of perspectives on today's world. At its best, that would be pretty awesome, huh? Worthy of being a classic.

    And that got me thinking more about all those stories about violence and rape. Because there are a lot of them, and they're often played as sorta funny and I haven't been sure how to deal with that, but it's true that Boccaccio's exposing the darker things that were happening in his time - along with all the other things. It's an unflinching tour, but it's misted by this irreverent tone that throws you off balance.

    Apparently Boccaccio himself wasn't crazy about the Decameron, but I think it's pretty dope.

    Not that I have anything to compare it to, but I found Michael Musa's translation easy to read and entertaining, modern without being over-modern. Thumbs up to that.

    I've been reminded recently how grotesquely hateful the last story in this collection is, and I feel like it's a public service to warn potential future readers about it: it leaves a very bad taste in your mouth. Horrifically misogynist. Skip it - or at least read it out of order, somewhere around the middle, so it's not your last impression.
  • (4/5)
    I was surprised by the wit of each of these 100 stories from the 14th century. (abt. 1353) They were clever, suspenseful, funny and sometimes almost pornographic. The only off-putting theme was the overt domestic violence in a few of the stories; men abusing their wives or mistresses was completely acceptable at the time. They did get even in a few stories though.
  • (5/5)
    Giovanni Boccaccio stated in his prologue to The Decameron that these hundred stories were meant for the entertainment of ladies due to the fact that they had nothing better to do than assuage their boredom by indulging in the sometimes lascivious narratives. After all, a woman's role in the Renaissance was exclusively domestic, unless she had either chosen or been relegated to a nunnery. Not only as an entertainment, it was offered as a solace to those who were pining away as a consequence of Love: I intend to provide succour and diversion for the ladies, but only for those who are in love, since the others can make do with their needles, their reels and their spindles. If Boccaccio is to be believed, romantic love was like an epidemic, a scourge upon the earth, not unlike the plague that The Decameron's storytellers were in the act of avoiding. These storytellers — ten in number, of which seven were young ladies and three young men — had fled the city of Florence in 1348, due to the plague that eventually reduced the population by half, to a locus amoenus — literally "delightful locale" — where the young people were transformed into nymph-like maidens and sylvan swains who entertained themselves by telling stories, ten a day for ten days over a two-week period. But the young women also represent the seven virtues (Prudence, Justice, Temperance, Fortitude, Faith, Hope and Charity) and the men, according to the introduction, reflect the "tripartite division of the soul" into Reason, Anger and Lust.One could go on and on about the frame alone. But as to the stories themselves, they reflect many things that are common in medieval literature. Boccaccio's sources for the stories were fables, old French fabliaux and histories. All but a handful were mere sketches with stock figures and farcical situations. He embellished them and converted various elements to suit his own purposes. The major themes that appeared in the stories concerned Love, Intelligence and Fortune. Most of the stories are eminently forgettable, not much more than inflated jokes. A Renaissance reader would have seen them in an entirely different way than we inevitably do. For instance, the names of Boccaccio's characters in many cases were those of real people or at least referenced well known families. Many of the episodes would have read like a gossip column to a contemporary reader. Adversaries often reflected the contemporary conflicts between Church and State, Guelphs and Ghibellines, the Pope and the Holy Roman Emperor, or their various representatives. A 14th century reader would have read much into each story based on familiarity with distinguished family names and colorful local characters, and locales from Florence to Naples, Palermo to Athens. The notes are very helpful in identifying much of the lore underlying each story, but the facts still seem remote and the individual episodes seem improbable.Readers who are caught up in medieval and Renaissance literature will find much to enjoy in The Decameron. Others may find it a bit bewildering and may not want to invest the time to read the 140-page introduction and the copious notes. Doors are open to a lifetime of study in this comprehensive Penguin Classics edition, if one so desires. A thoroughly enjoyable and absorbing read for those who are intrigued by this sort of historical literary artifact.
  • (5/5)
    Humorous. Tragic. Bawdy. Violent. One might think that 100 short stories written 660+ years would be pretty dry, but on the contrary, these are full of life, earthy, and engaging. They reveal shocking aspects of medieval times, while at the same time describing things between men and women true today. They expose the corruption of the clergy, and this combined with the overall licentiousness of the book led to it being burned in Italy and banned for centuries afterwards, yet happily it survived.The premise is that ten young Florentines have taken refuge in the country in 1348 as the plague ravages their city. Over the course of ten days, each tells us a short story, so that the collection includes a total of 100 stories in all. The plague was of course real and repeated over generations spanning hundreds of years in the medieval age; Boccaccio was 35 when it took the lives of 60,000 to 75,000 of Florence’s 100,000 inhabitants. It’s interesting to read his account of its effects, and how the Florentines carry a “a posy of flowers, or fragrant herbs, or one of a wider range of spices, which they applied at frequent intervals to their nostrils…” in the primitive attempt to safeguard themselves (recall the nursery rhyme ‘ring around the rosy, a pocket full of posy…’).The book is historically relevant because of its age and its influence on others. I don’t think there’s any doubt that Chaucer was influenced by the Decameron (and possibly met Boccaccio) prior to writing Canterbury Tales 40-50 years later. At the same time, it’s highly entertaining. I marked 41 of the 100 stories as being particularly good, a pretty high number in such a collection, and liked reading it to the end. If you think the modern age is the first to enjoy sex and violence, think again. The 10th story on the 3rd day, involving a hermit seducing a girl and teaching her about sex by likening it to putting the “devil” into “hell”, only to find her insatiable and having her wear him out was particularly eye-goggling, and there’s plenty of other ribald sporting about as well. Boccaccio revered Dante and some have likened The Decameron as a “Human Comedy” to Dante’s “Divine Comedy”; that may be true, but all I can say is that The Decameron was far more enjoyable to me than The Inferno, which featured eternal suffering and torment. It’s quite an investment at 800 pages, but highly readable, and well worth it.Quotes:On art, from Author's Epilogue:“Like all other things in this world, stories, whatever their nature, may be harmful or useful, depending upon the listener....What other books, what other words, what other letters, are more sacred, more reputable, more worthy of reverence, than those of the Holy Scriptures? And yet there have been many who, by perversely construing them, have led themselves and others to perdition....And the fact remains that anyone perusing these tales is free to ignore the ones that give offense, and read only those that are pleasing.”On God, from Sixth Day, Ninth Story:“However, Messer Betto had never succeeded in winning him over, and he and his companions thought this was because of his passion for speculative reasoning, which occasionally made him appear somewhat remote from his fellow beings. And since he tended to subscribe to the opinions of the Epicureans, it was said among the common herd that these speculations of his were exclusively concerned with whether it could be shown that God did not exist.”On parenting, from Second Day, Eight Story:“It was really quite unnecessary for you to feel ashamed about revealing it [the son's love for a girl], for this sort of thing is perfectly natural in someone of your age. Indeed, if you were not in love, I would think very poorly of you. Do not hide things from me, my son, but acquaint me freely with all your wishes. Get rid of all the sadness and anxiety that are causing your illness, and look on the bright side of things. You can be quite certain that I will move Heaven and earth to see that you have whatever you need to make you happy, for your happiness means more to me than anything else in the world.”On religion, from Third Day, Third Story:“...the priesthood consists for the most part of extremely stupid men, inscrutable in their ways, who consider themselves in all respects more worthy and knowledgeable than other people, whereas they are decidedly inferior. They resemble pigs, in fact, for they are too feeble-minded to earn an honest living like everybody else, and so they install themselves wherever they can fill their stomachs.”On sex, from Fifth Day, Tenth Story:“I grant that you keep me well supplied with clothes and shoes, but you know very well how I fare for anything else, and how long it is since you last slept with me. And I'd rather go barefoot and dressed in rags, and have you treat me properly in bed, than have all those things to wear and a husband who never comes near me. For the plain truth is, Pietro, that I'm no different from other women, and I want the same that they are having. And if you won't let me have it, you can hardly blame me if I go and get it elsewhere.”And this one which I thought was cute, from Ninth Day, Third Story:“"Look here, Calandrino [a man], speaking now as your friend, I'd say that the only thing wrong with you is that you are pregnant."When Calandrino heard this, he began to howl with dismay, and turning to his wife, he exclaimed:"Ah, Tessa, this is your doing! You will insist on lying on top. I told you all along what would happen."Lastly, on the “younger generation”, from First Day, Eight Story:“And the man who is held in the greatest esteem, who is most highly honored and richly rewarded by our base and wretched nobles, is the one whose speech and actions are the most reprehensible. All of which is greatly and culpably to the shame of the modern world, and proves very clearly that the present generation has been stripped of all the virtues, and left to wallow abjectly in a cesspit of vices.”
  • (5/5)
    The year is 1348 and the Black Death is plaguing Europe. To escape almost certain demise, seven young noblewomen, attended by three well-bred young male friends, flee the city of Florence into safety of the surrounding hillside. There, over a period of two weeks, they live a life of leisure, amusing themselves by eating good food, drinking wine, singing and dancing, and telling each other stories to pass the time. In particular, taking turns serving as king or queen for a day whose task it is to select a common theme, each of the ten companions tells a related tale that vary widely in nature from the humorous to the tragic to the ribald to, some would say, the blasphemous and heretical.Such is the clever narrative frame of The Decameron, Giovanni Boccaccio’s celebrated masterpiece of morals and manners in pre-Renaissance Italy. Of course, the charm and lasting impact of this seven century-old novel is not in its overarching concept but rather the content of the 100 short stories themselves. Several of these vignettes are very entertaining and enlightening, although it is also fair to say that not all of them are successful and there is more than a little repetition in some of the themes that are presented. Still, taken as a whole, this collection of stories is remarkable for its ability to engage the modern reader as well as provide an important glimpse into the thoughts and motivations of people who lived so long ago. (For instance, it turns out that the pursuit of fame, wealth, and a lot of sex is not an invention of the present age!)Another point worth mentioning is that there have been many translations of The Decameron over the years and the one you choose to read matters greatly. I read the English language translation by G. H. McWilliam, which was produced in the early 1970s and appears to preserve the playful, lyrical quality of Boccaccio’s prose while presenting a complete and faithful rendition of the original novel. As McWilliam points out in his own introduction, previous translators have not always been as scrupulous, either omitting entire stories deemed to be too offensive to readers of that era or changing material details of some other tales to avoid incurring the wrath of clergy or government officials.Finally, other critics have noted that many of the stories in this volume present an overtly misogynistic portrait of women that attributes to them an inferior set of qualities and characteristics. Judged solely in modern terms, that may well be true. However, in the context of the mid-14th century mindset, my guess is that Boccaccio was likely considered a feminist who championed the intelligence, cleverness, and emotional fortitude of his myriad female protagonists. Wherever the truth actually lies, this is a historically significant text that has managed to retain its ability to delight and amuse so many over the past 700 years.
  • (5/5)
    It's unlikely that I could say anything about the Decameron that hasn't been said before, but I would like to add my voice to the many who have praised the McWilliam English translation. His prose is hilarious where the intent is humourous, formal where appropriate, and in general both idiomatic and clever. The Decameron is a long read but comes served in bite-size narrative chunks, and it is never not entertaining. This might be one of my favourite Penguins ever.I started reading this after finishing the Penguin edition of Jacobus de Voragine's The Golden Legend, with which it shares many plot structures and twists. But whereas the lives of the saints as told in the Legend are all within the framework of fraught religion, Boccaccio's basic framework is unfraught sex—definitely more fun to read.My only slight regret is that I wish I'd read Dante prior to this, just to give me more of the source background. But I will for sure be adding The Divine Comedy to my reading agenda for the near future.