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Als die Sonne nicht unterging: Die spanischen Habsburger
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Als die Sonne nicht unterging: Die spanischen Habsburger
eBook222 Seiten3 Stunden

Als die Sonne nicht unterging: Die spanischen Habsburger

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Über dieses E-Book

Ein Reich, in dem die Sonne nie untergeht - dies war das Ziel Kaiser Karls V. und es gelang ihm, diesen Traum zu verwirklichen.
Ebenso vielfältig und farbig wie der Vielvölkerstaat des Kaisers sind die Erzählungen der Bestseller-Autorin. In ihrer neuen Sammlung von Geschichten aus der Geschichte gewährt uns Sigrid-Maria Größing einmal mehr private Einblicke in die Geschicke der europäischen Adelshäuser. In packender Erzählweise und mit einer Vielzahl an Informationen gelingt es ihr, die großen Zusammenhänge der Geschichte verständlich aufzuzeigen. Sie berichtet unter anderem vom Leben am Hof von König Heinrich VIII. und seinen sechs Ehefrauen, beleuchtet die Liebesgeschichte des russischen Zaren Iwan des Schrecklichen und schildert ebenso spannend wie berührend das Schicksal des Sonnenkönigs Ludwig XIV.
Mit Liebe zum Detail entwirft die Erfolgsautorin 41 Miniaturen von Europas Herrschern, ihren großen Augenblicken, den privaten Glücksmomenten und tragischen Geschehnissen.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum11. Nov. 2014
ISBN9783902998804
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    History light. Many of the incidents are interesting, but the details of people I have read about in other books don't always agree. The worst was the statement that Mary, Queen of Scots made the mistake of having open love affairs, in contrast with Eliizabeth I of England who kept her affairs secret. It does not seem serious to me to state outright that Elizabeth had lovers, as my understanding is that we just don't know.

Buchvorschau

Als die Sonne nicht unterging - Sigrid-Maria Größing

Was Marco Polo wirklich gesehen hatte, wusste nur er

Als der berühmte venezianische Handelsreisende auf dem Totenbett lag, sollte er die Wahrheit seiner phantastischen Erzählungen beschwören, da man all das kaum glauben konnte, was er von seinen Reisen berichtete. Seine Antwort den Zweiflern gegenüber, die einen Widerruf Marco Polos verlangten, mutete beinahe ironisch an: »Ich habe nicht die Hälfte dessen erzählt, was ich gesehen habe!« Dabei war so mancher, der des Lesens in der damaligen Zeit kundig war – Marco Polo war um das Jahr 1254 auf der dalmatinischen Insel Korčula geboren worden –, in der Lage, die vielfältigen und aufregenden Abenteuer des Juwelierssohnes nachzulesen, denn schon zu seinen Lebzeiten waren ungefähr hundertfünfzig Handschriften mit seinen Erzählungen im Umlauf. Ob es wirklich so war, dass der berühmte Autor von Ritterromanen Rustichello da Pisa, der angeblich mit Marco Polo zusammen in Gefangenschaft geraten war, Polo dazu überredet hatte, ihm seine Abenteuer zu diktieren, ist so ungewiss wie die Abenteuer selber, deren Aufzeichnungen unter dem Titel »Die Wunder der Welt« erschienen sind.

Bis heute ist der Name Marco Polo unweigerlich mit einem der größten Abenteurer in der Geschichte verknüpft, obwohl schon sein Vater Niccolo und sein Onkel Maffeo sich jahrzehntelang im asiatischen Raum aufgehalten hatten, um als Juweliere und Händler zu großem Reichtum zu kommen. Sicherlich spielte neben den Geschäftsverbindungen, die sie auch mit dem Enkel des berüchtigten Dschingis Khan pflegten, Abenteuerlust und Wissbegier eine große Rolle. Denn sowohl Niccolo als auch Maffeo liefen stets Gefahr, irgendwo in der Weite des asiatischen Raumes, in dem keineswegs Sicherheit und Ordnung herrschten, ums Leben zu kommen. Und das, obwohl sie beste Beziehungen bis nach Peking hatten, wo der Khan ihnen persönlich drei goldene Täfelchen schenkte, durch die ihnen sicheres Geleit garantiert werden sollte. Der Khan war aber kein Wohltäter, der ihnen diese Schutztafeln ohne Gegengeschäft schenkte. Er forderte sie auf, ihm Öl aus dem Heiligen Grab in Jerusalem zu überbringen und Mönche zu schicken, die im Mongolenreich das Christentum predigen sollten. Natürlich versprachen die Polos, diesem Wunsch nachzukommen, ohne zu ahnen, dass dies leichter gesagt als getan war. Denn in der katholischen Kirche ging es zu dieser Zeit drunter und drüber, man konnte sich nach Ableben von Papst Clemens IV. im Jahr 1268 nicht entscheiden, wen man auf den Stuhl Petri berufen sollte. Daher verzögerte sich auch die Rückkehr der Männer, die nach einem kurzen Aufenthalt in Venedig wieder aufgebrochen waren, um dem Großkhan die versprochenen Raritäten zu überbringen. Sie waren nicht mehr zu zweit, ein neuer Reisebegleiter hatte sich hinzugesellt. Der erst siebzehnjährige Marco war begierig, mit dem Vater und Onkel die unbekannten Länder des Orients zu schauen. Nachdem die Männer in Jerusalem das Öl besorgt hatten, machten sie sich auf, um über Anatolien nach Osten zu ziehen, als sie plötzlich eine Botschaft des neuen Papstes Gregor X. erreichte, durch die sie aufgefordert wurden, noch einmal nach Jerusalem zurückzukehren, wo sich der Heilige Vater selber auf einem Kreuzzug aufhielt – ein Unterfangen in der damaligen Zeit, das nicht nur ungewöhnlich zeitraubend, sondern auch noch gefährlich war. Wie lange die Polos zurückritten, mit dem Segen des Papstes versehen in Begleitung von zwei Mönchen, die im riesigen China das Christentum verbreiten sollten, ist nicht bekannt.

Dem jungen Marco Polo, der plötzlich wie ein Mann behandelt wurde, erschien das neue Leben auf Reisen wie ein Wunder. In seinen Reiseerzählungen schilderte er die Sitten und Gebräuche, die er in den muselmanischen Ländern kennenlernte, mit dem völlig anders gearteten Lebensstil. Sehr schnell lernte er sich anzupassen und die zunächst unverständlichen Sprachen zumindest andeutungsweise zu verstehen. Neben all dem Neuen, das auf ihn einstürmte, unterstützte er seinen Vater und den Onkel, wenn es darum ging, neue Handelsbeziehungen anzuknüpfen, denn mittlerweile handelten die Polos nicht mehr nur mit Pretiosen, sie hatten längst den Wert der Gewürze, der Seidenstoffe und des Elfenbeins entdeckt.

Die zwei Missionare, die der Papst ausgewählt hatte, warfen sehr bald die Flinte ins Korn und kehrten nach Jerusalem zurück, während die Polos weiter gen Osten zogen und in Täbris einen längeren Aufenthalt nahmen. Was der junge Marco hier an Pracht, Düften und exotischen Reizen kennenlernte, verschlug ihm die Sinne. Niemals hatte er angenommen, dass es außer in Venedig kulturelle und zivilisatorische Einrichtungen gab. Hier wurde er eines Besseren belehrt, denn selbst die Oasenstädte am Rande der Wüste wurden durch künstlich angelegte Wasserleitungen versorgt. Es waren keineswegs wilde Horden, so wie er sich das vorgestellt hatte, denen er auf Schritt und Tritt begegnete, sondern durchaus ehrenwerte Händler und Kaufleute, mit denen der Vater gute Geschäfte machen konnte.

Als man in die Gegend der Wüste Taklamakan kam, entschlossen sich die Polos gegen jeden wohlmeinenden Ratschlag, mitten durch diese schrecklichste aller Wüsten zu ziehen. Man tauschte die Pferde gegen Kamele und machte sich auf lebensgefährliche Tour. Marco Polo berichtete in seinen Aufzeichnungen, wie der Wind durch die Sanddünen pfiff, was den Eindruck erweckte, als wären es »Geister, die einen Nachzügler fortlocken konnten … Und nicht selten meinte man, verschiedene Musikinstrumente, besonders Trommeln, zu vernehmen.« Als die Männer trotz aller Gefahren wohlbehalten im heutigen Schangdu 1275 ankamen, hatten sie ihr Reiseziel fast erreicht, denn in dieser Stadt lag die Sommerresidenz des Kublai Khan, des Enkels von Dschingis Khan. Begeistert schilderte Marco Polo seinen jahrelangen Aufenthalt in China, wo er angeblich als Präfekt im Auftrag des Khans durch die Lande zog, das unbeschreiblich vielfältige Land mit seinen unterschiedlichsten Menschen kennenlernte, wo es luxuriöse Städte gab, wie man sie sich im Westen kaum vorstellen konnte. Wahrscheinlich hatte Marco kaum das Bedürfnis, wieder nach Venedig zurückzukehren, zu abwechslungsreich und teilweise auch zu süß war das Leben für ihn im Reiche des Khans.

Aber die Zeiten änderten sich, Unruhen drohten im Land auszubrechen, sodass die Polos die Absicht äußerten, nach Hause zurückkehren zu wollen. Dies war leichter gesagt als bewilligt, denn Kublai Khan schätzte den Rat der Europäer. Schließlich gelang es ihnen mit List, indem sie vorgaben, eine heiratswillige Prinzessin nach Persien begleiten zu wollen, die Ausreisegenehmigung zu bekommen. Über den Seeweg gelangten sie bis zum persisehen Hafen Hormus, von dort wählten sie den Landweg. Das stellte sich aber als Fehler heraus, denn in Trabzon am Schwarzen Meer wurden sie ihrer gesamten Habe beraubt, vor allem der Verlust der fünfhundert Kilogramm reiner Seide schmerzte die Händler besonders. Nur die Edelsteine, die sie mit sich führten und in den Saum ihrer Mäntel eingenäht hatten, blieben ihnen erhalten und dienten ihnen in Venedig als Erkennungszeichen. Denn dort hatte man die abenteuerlichen Polos längst vergessen.

Der weitere Lebensweg Marco Polos ist in gewisser Weise dubios, denn angeblich hatte er das Kommando über die venezianische Flotte im Kampf gegen die Republik Genua erhalten. Etwas, das wenig glaubwürdig scheint, da er alles andere als ein Seefahrer war. In diesem Krieg kam er nach seinen Berichten in Gefangenschaft, wo er seine Abenteuer diktierte. Nach seiner Rückkehr nach Venedig heiratete er Donat Badoer, die Tochter eines befreundeten Kaufmannes, und wurde Vater von drei Töchtern. Zunächst war er – nicht nur weil er Spaghetti aus China in seine Heimat brachte – ein angesehener Mann. Als er aber begann, in seinen Erzählungen immer mehr vom ungeheuren Reichtum in China zu berichten, wurde er zum Spottobjekt, dessen Haus man »Corte del Million« nannte. Was er am Hofe des Kublai Khan wirklich erlebt hatte, bleibt bis heute ein Geheimnis, denn vieles, worüber er schrieb, entbehrt jeder Wirklichkeit. Als großer Abenteurer ist er dennoch in die Geschichte eingegangen.

Sie boten oft die perfekte Illusion

Beneidet und bespuckt, gepriesen und beschimpft, so zogen jahrhundertelang die Gaukler und Spielleute, Spaßmacher und Quacksalber von Ort zu Ort, um Neuigkeiten, Sensationen und Katastrophen dem Volke kundzutun.

Es war wahrlich kein leichtes Leben, das die Angehörigen des fahrenden Volkes führten, denn seit alters her galten sie als unehrenhaft und liederlich. Kein Mensch, der nur irgendetwas auf sich hielt, konnte sich vorstellen, mit den Gauklern mitzuziehen. Allzusehr hatte ihr Ruf, vor allem durch die Verurteilung durch die kirchlichen Behörden, gelitten. Man sah von christlicher Seite in den Spielleuten nicht das, was sie eigentlich waren – Unterhalter breiter Volksschichten –, sondern verderbte, unmoralische Subjekte. Daher waren die Strafen auch äußerst milde, wenn ein Angehöriger des satten Bürgertums einen Gaukler erschlug. Tat aber ein ehrenwerter Mann einem fahrenden Weib Gewalt an, so wurde diese Tat überhaupt nicht geahndet.

Trotz des schlechten Rufes, den die Spielleute besaßen, wurden sie in den meisten Landstrichen gerne gesehen. Kam mit ihnen und ihren Künsten doch Abwechslung in das eher eintönige Leben, vor allem auf dem Lande. Man überhörte geflissentlich die Mahnungen der Kirche, die Darbietungen der Gaukler nicht zu besuchen, denn aus ihnen spräche nur der Teufel, und bestaunte die Künste der Akrobaten, Seiltänzer, Feuerschlucker, Jongleure und Schauspieler. Ab und zu konnte es vorkommen, dass ein hoher Herr von den Kunststücken der Spielleute so begeistert war, dass er sie ins Schloss einlud, wo er ihnen neben ein paar Goldstücken auch seine abgetragenen Kleider oder da und dort ein gutes Pferd schenkte. Vielleicht zeigten sich die Gaukler dann beim Handlesen erkenntlich oder deuteten einen Traum besonders positiv für die Zukunft.

Einige Chroniken berichten über das Auftreten der Spielleute sogar bei Hofe, wie bei der Hochzeit eines Bruders des französischen Königs Ludwig IX. im Jahre 1237. Die staunende Hochzeitsgesellschaft konnte beobachten, wie ein Akrobat über ein doppelt gespanntes Seil mit seinem Pferd hoch über den Köpfen der Anwesenden ritt.

Im Allgemeinen führten die Spielleute ein eher ärmliches Leben, denn ihre Einnahmen waren gering, sodass sie oftmals am Hungertuche nagten. Vielleicht war dies auch der Grund, warum sich ihr Programm an der Schwelle zur Neuzeit änderte, denn hatte man bis jetzt vor allem akrobatische Kunststücke dargeboten, so ging man dazu über, den direkten Kontakt mit dem Volk zu suchen. Berufsringer und -fechter forderten die Bauernburschen des Dorfes zum Zweikampf heraus, wobei der Siegerlohn von vornherein feststand. Man zog mit dressierten wilden, furchterregenden Tieren übers Land, die den Schaulustigen den Schauer über den Rücken laufen ließen. Später baute man Schießstände auf, von denen aus die Dorfbewohner auf hölzerne Türkenköpfe schießen konnten, während sich die lebendigen Türken zum Sturm auf Mitteleuropa rüsteten.

Wie die Gaukler des 15. Jahrhunderts aussahen, wissen wir von Spielkarten, die ein gewisser Meister, von dem nur die Initialen E.S. bekannt sind, gemalt hat: Man sieht auf den Karten schlanke, durchtrainierte Körper in enganliegenden Kostümen, die Bälle werfen, Steine stoßen, mit Spießen kämpfen oder komische Tänze aufführen.

Die Gaukler und Spielleute hatten keinen festen Wohnsitz, wie Nomaden zogen sie von Ort zu Ort. Nur selten kam es vor, dass sie in der Gunst eines angesehenen Mannes so gestiegen waren, dass man sie unter das Gesinde aufnahm. Ob sie allerdings von den alteingesessenen Knechten und Mägden mit Respekt behandelt wurden, darüber schweigen die Chronisten, vor allem, da die Weiber der Gaukler als Gesellen des Teufels angesehen wurden, die von allen Sakramenten ausgeschlossen waren.

Zu den Spielleuten und Gauklern gesellten sich im Laufe der Zeit Quacksalber, Bader, Schauspieler und Musiker, die meist mehrere Instrumente spielen konnten. Sie wurden als Überbringer von neuesten Nachrichten aus allen Teilen des Reiches immer wichtiger, denn sie erzählten in ihren Moritaten von Verbrechen und Naturkatastrophen genauso wie von politischen Ereignissen und Unfällen. Es war kein Wunder, dass große Menschenmengen herbeiströmten, wenn sie ihre Tafeln aufstellten, auf denen die Moritaten auch bildlich dargestellt waren. Die Bänkelsänger übernahmen schon bald die Funktion einer Zeitung, die durch ihre Berichte sogar Einfluss auf die politischen Ereignisse nehmen konnten. Als man dies in den Städten erkannt hatte, wurden die »Zeitungssinger«, die ersten Reporter, verboten. Man drohte jedem an, sofort in Eisen gelegt zu werden, sollte man seiner habhaft werden.

Mit Interesse jedoch wurden diejenigen Gaukler empfangen, die sensationelle chemische und physikalische Experimente dem staunenden Publikum darboten, neueste Maschinen und zukunftsweisende Erfindungen vorführten. Daneben zeigten sie tausend interessante Kleinigkeiten, die das tägliche Leben erleichtern konnten. Ihnen lauschte man fasziniert, genauso wie man beinahe andächtig den fahrenden Ärzten zuhörte, zu denen die Bader und Quacksalber, die Pillendreher und Zahnbrecher, die Starstecher und Chirurgen zählten. Sie konnten es sich leisten, mit großem Gefolge unterwegs zu sein. Mit klingendem Spiel zogen sie in die Orte ein, Harlekine sprangen der bunt gemischten Truppe voran, um auf das Kommen der ärztlichen Truppe aufmerksam zu machen. Meist wurden die Heilkundigen von der Bevölkerung sehnlichst erwartet, denn in einer Zeit, in der ein eitriger Zahn zum Tode führen konnte, waren die Bader oft die letzte Rettung. Natürlich nagten die »Mediziner« nicht am Hungertuch, denn so mancher zahlte für die schmerzhafte Behandlung aus Dankbarkeit einen guten Batzen Geld. Einigen renommierten Ärzten war es damals schon möglich, mit großem Pomp übers Land zu ziehen, wie dies in der Memminger Chronik aus dem Jahre 1724 berichtet wird:

Am 2. Juli kam ein berühmter Arzt an, namens Joh. Chr. Hübner mit fünf Kutschen, darunter zwei sehr prächtig, hatte bei sich 50 Personen, darunter Frauen und Kinder, eine Zwergin, zwei Heiducken, zwei Trompeter und verschiedene gute Musikanten, die sich auf den Waldhörnern sehr wohl hören ließen, auch 18 Pferde und 2 Kamele. Er hatte sein Theatrum auf den Ratzengraben, verkaufte seine Ware, spielte vor und nach Komödien … hatte höfliche Leute und proper in Kleidern.

Über die ärztliche Tätigkeit dieses Herrn Hübner wird wenig ausgesagt, wahrscheinlich brach auch er, wie sein Kollege Dr. Eisenbart, eitrige Zähne aus, schnitt Wunden auf und verabreichte seinen Patienten selbstgedrehte Pillen und geheimnisvoll gebraute Tränklein. Dabei waren die Wirkungsgebiete der Ärzte streng getrennt, ein Chirurg durfte keinesfalls die Tätigkeit eines Baders übernehmen, einem Starstecher war es untersagt, Pillen zu verkaufen. Die Spezialisten waren damals schon am Werk.

Dass sich die Mediziner auch mit der Seele ihrer Patienten beschäftigten, wundert einem bei der Vielfalt des Aberglaubens nicht. Handleser und Sterndeuter sowie Wahrsager und Kartenaufschläger machten ihre dubiosen Geschäfte, wobei sie schon über alle Berge waren, wenn die zu erwarteten Ereignisse nicht eintrafen. Da sie an den Lohn bei ihren Zukunftsdeutungen dachten, waren ihre Vorhersagen durchwegs positiver Natur.

Auch die Schauspieler zählten zum fahrenden Volk. Erst in der Barockzeit änderte sich ihre Stellung. Durch den Bau von Theatern und einem festen Engagement bei Hofe wurde es für die Schauspieler möglich, ihr Wanderleben, das bisher immer noch anrüchig war, aufzugeben. Aber es dauerte noch lange, wenn auch die Kaiser und Könige Lieblingsschauspieler hatten, bis die Schauspielerei als echte Kunst angesehen wurde.

Von all dem fahrenden Volk, von den Spielleuten und Gauklern, den Jongleuren und Feuerschluckern, den Seiltänzern und Bänkelsängern, den Akrobaten und Kraftmenschen ist bis heute in seiner Buntheit und Vielfalt der Zirkus geblieben. Die Ärzte haben eine andere Entwicklung genommen.

Lorenzo der Prächtige war ein bescheidener Mann

Er hatte schon zu Lebzeiten den Nimbus eines ungewöhnlichen Menschen, der nicht nur durch den unermesslichen Reichtum auffiel, den die Familie Medici angehäuft hatte, sondern vor allem durch seine Ausgeglichenheit und seinen Kunstsinn.

Als Lorenzo am 1. Januar 1449 geboren wurde, waren die Medici in Florenz die mächtigste Familie, die nicht nur die Geschicke des Stadtstaates bestimmte, sondern auch auf kulturellem Gebiet den Ton angab. Deshalb war es kein Wunder, dass die Eltern für das Kind die besten Lehrer ihrer Zeit auswählten, sodass der Knabe schon im zarten Alter von dreizehn Jahren die Werke der antiken Schriftsteller in den Originalsprachen zu lesen vermochte. Daher ließ er, sobald er die Möglichkeit dazu hatte, diese grandiosen Dichtungen ins Italienische übersetzen, denn nicht nur er wollte in der Lage sein, sich mit dem philosophischen Gedankengut der Griechen und Römer auseinandersetzen zu können. Die Schönheit der Sprachen faszinierte ihn so,

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