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Was Kirche und Gesellschaft zusammenhält: Pragmatische Politik in christlicher Verantwortung
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eBook159 Seiten1 Stunde

Was Kirche und Gesellschaft zusammenhält: Pragmatische Politik in christlicher Verantwortung

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Über dieses E-Book

Wer sich als Christ in der Politik engagiert, hat keine leichte Stellung. Viele Gläubige haben das Vertrauen in ihre Kirche verloren. Entfremdung ist auch im Verhältnis von Bürgerschaft und Politik zu beobachten. Beides ist bedrohlich. Denn unsere Gesellschaft lebt davon, dass sich Menschen aktiv einbringen. Unter den Überschriften * Worum es mir geht - Engagiert sein für Kirche und Gesellschaft * Christliche Politik - zwischen festen Grundsätzen und praktikablen Lösungen * Die Zeichen der Zeit verstehen und handeln - Kirche und Politik in historischer Perspektive * Es geht um das Gemeinwohl! - Perspektiven einer modernen christlichen Volkspartei * Auf dem Weg in die Bürgergesellschaft - Die Demokratie wird neu vermessen * Kirche für die Zukunft * Jedem eine Chance! - Die Aktualität der christlichen Soziallehre * Über Werte und Haltungen zeigt Hermann Kues: Kirche und Politik sind Säulen, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Ihr Verhältnis zueinander ist spannungsgeladen. Daraus erwachsen aber nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Ein Plädoyer für mehr Mut zu Engagement, Mitmachen und Einmischen.
SpracheDeutsch
HerausgeberEchter Verlag
Erscheinungsdatum4. Sept. 2012
ISBN9783429060640
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    Buchvorschau

    Was Kirche und Gesellschaft zusammenhält - Hermann Kues

    Worum es mir geht – Engagiert sein für Gesellschaft und Kirche

    Dieses Buch ist geschrieben worden, um Verständnis für das Engagement in Politik, Gesellschaft und Kirche zu wecken, mehr noch: um Lust auf Politik und – soweit mir das zusteht – auch auf den Glauben zu machen. Es ist aus der Erfahrung meiner Tätigkeit als Abgeordneter für den Wahlkreis Mittelems, als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, als Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken gewachsen.

    Niemand kommt als Politiker/in oder engagierter Christ auf die Welt. Aber die Weichen werden oft, so auch in meinem Fall, früh gestellt. Meine Eltern waren in ihrer Kirchengemeinde aktiv. Wir Kinder wurden wie selbstverständlich dazu angehalten, kleinere und größere Aufgaben in unserem Umfeld, und dazu zählte auch das kirchliche Leben, wahrzunehmen. Ich selbst habe das Interesse an öffentlichen Angelegenheiten förmlich ‚mit der Muttermilch aufgesogen‘. Es war nur ein kleiner Schritt von der katholischen Jugendarbeit in die Schülermitverantwortung, schließlich auch in die Junge Union. Dabei hatten es mir von Anfang an weniger die großen Utopien angetan als die alltäglichen Herausforderungen der Menschen, die mir begegnet sind. Politik ist für mich die Aufgabe, unsere Lebensverhältnisse ein bisschen vernünftiger zu gestalten, als sie es bislang sind. Sie fängt in der Regel nicht mit den Visionen für eine bessere Welt an, sondern mit dem Engagement im Kleinen, in der Jugendgruppe oder im Schülerparlament. Peanuts? – Keineswegs. Politik hat nämlich mit Leidenschaft zu tun, sie lässt einen nicht mehr los, wenn man einmal von ihr gepackt ist und gemerkt hat, dass man etwas erreichen kann. Dabei steckt der Teufel, wie überall im Leben, im Detail. Forderungen lassen sich leicht auf Transparente schreiben und verpflichten erst einmal zu nichts. Politisch im engen Sinne sind sie deshalb noch nicht, die eigentliche Arbeit beginnt erst danach.

    Ich möchte in diesem Buch zeigen, dass Politik etwas bewirkt. Sie ist, wie es Václav Havel gesagt hat, „Moral in Aktion, die „Kunst, sich selbst und die Welt besser zu machen. Wer sich ihr verschreibt, muss ‚dicke Bretter bohren‘ oder – um ein anderes Bild zu bemühen – weite Wege gehen können, die am Schluss zum richtigen Ziel führen. Dass rund 30 Prozent der Deutschen sich bürgerschaftlich engagieren, aber nur zwei Prozent im engeren Sinne parteipolitisch, macht mir Sorgen. Deshalb ist dieses Buch als doppelte Aufforderung zur Politik zu verstehen. Die Bürgergesellschaft muss in der Politik ihre ureigene Sache sehen. Politiker und Parteien müssen zum Engagement ermutigen. Eine „Zuschauerdemokratie", vor der Werner Remmers vor 30 Jahre gewarnt hat, können wir uns nicht leisten. Deshalb braucht es Reformen im Verhältnis zwischen den Parteien und der Bürgergesellschaft.

    Entfremdung – darauf läuft das Verhältnis zwischen ‚der Politik‘ und den Bürgerinnen und Bürgern hinaus. Entfremdung kennzeichnet auch das Verhältnis der Gläubigen zur Kirche – in meinem Falle zur katholischen Kirche. Der Vertrauensverlust, den sie derzeit erleidet, ist dramatisch. Im Jahr 2010 sind mehr Leute aus der Kirche ausgetreten als getauft wurden, rund 180 000.

    Man muss schon – in einem biblischen Bild – von einem Exodus in großem Stile sprechen. Er schmerzt mich. Denn ich bin überzeugt, dass unsere Gesellschaft ohne eine vitale, engagierte Kirche ärmer wäre. Viele kehren ihr den Rücken, aber sie geben ihr religiöses Suchen nicht auf. Unsere Gesellschaft braucht den Rat der Kirchen, vor allem in sozialen und ethischen Fragen. Es war kein Zufall, dass Reinhard Marx als Vertreter der deutschen Bischöfe und Alois Glück als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in der Ethik-Kommission zu Fragen der Kernenergie ein gewichtiges Wort mitgesprochen haben. Darin liegt ein großer Vertrauensvorschuss. Eine Gesellschaft, die nach Orientierung sucht, kann auf die Stimme der Kirchen nicht verzichten. Allerdings müssen die Kirchen auch sich selbst reformfähig zeigen, wenn sie plausible Antworten auf die Fragen der Zeit geben wollen. Ich fürchte, dass die Repräsentanten der Kirche noch viel zu wenig Kraft darauf verwenden, Vertrauen zurückzugewinnen und für ihre Sache zu werben, zumal dies nicht mit Appellen allein, sondern zuerst dadurch möglich wird, dass die Kirche sich ändert – und spürbar auf die Menschen zugeht. Da sind nicht nur die Amtsträger gefragt. Alle, die wie ich den Glauben als Kind kennengelernt haben, haben Verantwortung dafür, dass er weitergetragen wird.

    An der Ems in meiner Heimatstadt Lingen. Für die Politik hilft es enorm, die Bodenhaftung nicht zu verlieren und ein normales Leben in Familie, Verwandtschaft, Gemeinde und unter Freunden zu führen. (Foto: Frank Ossenbrink)

    Als christlich orientierter Politiker bewege ich mich beständig im Spannungsfeld widerstrebender Ansprüche. Dabei geht es nicht nur um Forderungen der Kirche, die sich möglicherweise nicht eins zu eins politisch durchsetzen lassen. Es geht um die noch grundsätzlichere Frage, ob sich überhaupt aus dem Glauben heraus Politik gestalten lässt. Die beiden Sphären des Religiösen und des Politischen dürfen sich nicht misstrauisch beäugen, sie dürfen sich auch nicht gegeneinander abgrenzen. Vor allem aber dürfen sich nicht gegenseitig überfordern.

    Auch in dieser Hinsicht bin ich Optimist. Ich glaube, dass das christliche Menschenbild durchaus politiktauglich ist. Meiner Partei – der CDU – bietet es nach wie vor einen soliden Orientierungsrahmen. Die christliche Sozialethik, wie sie im 19. Jahrhundert seit Wilhelm Emmanuel von Ketteler und Papst Leo XIII. entwickelt wurde und bis zum gegenwärtigen Papst immer wieder fortgeschrieben wird, hat ein enormes Anregungspotential. Politik braucht solche Leitbilder, an denen sie sich orientiert, aber sie muss dann pragmatisch handeln. Das ist ihre Kunst: Das Wünschbare an der Lebenswirklichkeit zu messen.

    Ich hatte in den letzten acht Jahren das Glück, Gesellschafts- und Familienpolitik mitzugestalten. Für Familien, für Alleinerziehende, für Kinder mit prekären Startbedingungen, für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige ist eine ganze Menge erreicht worden – jenseits dogmatischer Scheuklappen. Dass viele Themen – man denke nur an das Betreuungsgeld und den Ausbau der frühkindlichen Förderung – in der Öffentlichkeit heiß diskutiert worden sind, sehe ich als ein positives Signal für eine wache Gesellschaft.

    Politiker sollten Spannungen aushalten, Gräben überbrücken und kluge Kompromisse finden können. Das ist ihre vornehmste, aber sicher auch schwierigste Aufgabe. Dabei hilft es enorm, die Bodenhaftung nicht zu verlieren und ein normales Leben abseits der Politik in Familie, Verwandtschaft, Gemeinde und unter Freunden zu führen. Dort habe ich viele Anregungen bekommen, die dann am Ende doch wieder Politik geworden sind. Deshalb sei allen gedankt, die mir Rat gegeben, mich ermutigt und bestärkt, gelegentlich auch kritisch angefragt haben.

    Begreifst du aber, wieviel andächtig Schwärmen

    leichter als gut handeln ist?

    Lessing, Nathan der Weise

    Christliche Politik – zwischen festen Grundsätzen und praktikablen Lösungen

    Eine künstliche Befruchtung ist für Paare, deren Kinderwunsch sich auf natürlichem Wege nicht erfüllt, eine belastende Prozedur. Die Frau muss sich einer Hormonbehandlung unterziehen, damit mehrere Eizellen in einem Zyklus reifen. Sie werden operativ entfernt und künstlich in Reagenzglas und Brutschrank befruchtet. Anschließend werden bis zu drei Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt, in der Hoffnung, dass sich einer von ihnen in die Gebärmutterschleimhaut einnistet und weiterentwickelt. Die Aussicht, tatsächlich schwanger zu werden, liegt bei rund 28 Prozent. Häufig muss das Verfahren mehrmals wiederholt werden, bis sich der Erfolg einstellt.

    Eine kleine Gruppe werdender Eltern, die sich der In-Vitro-Fertilisation unterzieht, trägt ein zusätzliches Risiko, die Veranlagung zu einer schweren Erbkrankheit oder die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt. Die Präimplantationsdiagnostik (PID) minimiert dieses Risiko. Sie untersucht Embryonen nach einer künstlichen Befruchtung auf genetisch bedingte Krankheiten. Gesunde Embryonen werden der Mutter eingepflanzt, belastete aber verworfen. Das Verfahren gibt es seit den 1990er Jahren, es ist bislang weltweit in rund 11 000 Fällen angewendet worden.

    Für die Eltern bedeutet die erfolgreiche PID häufig die letzte Chance auf ein gesundes Kind. Vor allem vermeidet sie – darauf weisen ihre Befürworter hin – die Abtreibung im Verlauf der Schwangerschaft, wenn sich bei der Pränataldiagnostik herausstellt, dass das Ungeborene tatsächlich schwer behindert ist. Andererseits gibt es eine Reihe ethischer Bedenken gegen die PID. Sie greift massiv in den Anfang menschlichen Lebens ein, der eigentlich der Verfügbarkeit durch Wissenschaft und Technik entzogen sein sollte. Embryonen sollten den höchsten Schutz genießen, gerade weil sie die schwächsten Mitglieder der menschlichen Gemeinschaft sind. Sie dürfen nicht von bestimmten Eigenschaften abhängig gemacht werden, Menschen dürfen keinen Qualitätstests unterliegen. Zudem sind Fernwirkungen der PID zu bedenken, die zwar nicht sofort eintreten, aber in Zukunft zu erwarten sind. Die Fachleute nennen das ‚slippery slope‘, die schiefe Ebene: Mit der PID könnte eine neue Eugenik salonfähig werden, die Entscheidungen über den Wert oder Unwert menschlichen Lebens trifft. Designerbabys sind denkbar, Eltern können via Präimplantationsdiagnostik bestimmte Eigenschaften ihres Kindes vorausplanen. Was das Geschlecht angeht, so ist dies in den Vereinigten Staaten und Israel heute schon der Fall. Die gesellschaftliche Akzeptanz von kranken und behinderten Menschen könnte nachlassen, wenn sich zukünftig Behinderungen vorhersagen und möglicherweise ausschließen lassen. Zusammengefasst: Die Präimplantationsdiagnostik mag eine beeindruckende technische Möglichkeit der Fortpflanzungsmedizin sein, sie lässt sich aber mit dem Grundwert der uneingeschränkten Würde jedes Menschen von Anfang an nicht vereinbaren.

    Mit Kardinal Ratzinger, damals noch Präfekt der Glaubenskongregation, in Rom. Gesetzt den Fall, so habe ich ihn gefragt, ich müsste eine Ethik-Kommission leiten, deren Ergebnis sich mit der Position der Kirche nicht deckt. Erhalte ich von der Kirche Zustimmung oder werde ich verurteilt? Seine Antwort: Weder noch. Die letzte Verantwortung müsse ich vor mir selbst, vor meinem Gewissen tragen. (Foto: Privat)

    Diese – notwendigerweise knappe und sicher nicht vollständige – Darstellung eines schwierigen Problems habe ich mit Bedacht an den Anfang dieses Buches gestellt. Der Deutsche Bundestag hat am 7. Juli 2011 über die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik entschieden. Vorausgegangen war eine jahrelange Diskussion, und die Voten waren quer über die politischen und weltanschaulichen Lager verteilt. Der Bundesgerichtshof hatte einen Arzt freigesprochen, der die PID angewendet und sich selbst angezeigt hatte, um Rechtssicherheit zu erlangen. Die Bundesärztekammer sprach sich für die Zulassung bei hohem genetischem Risiko der Eltern aus, ihr Vorsitzender Frank Ulrich Montgomery allerdings lehnt sie als einen „Ansatz zur Selektion menschlichen Lebens" ab. Der deutsche Ethikrat, der sich wohl am intensivsten mit der Problematik auseinandergesetzt hat, fand keine einhellige Meinung. Eine knappe Mehrheit votierte dafür, die Minderheit dagegen.

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