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Die geheimnisvolle Welt der Klöster: Was Mönche und Nonnen zum Rückzug aus der Welt bewegt

Die geheimnisvolle Welt der Klöster: Was Mönche und Nonnen zum Rückzug aus der Welt bewegt

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Die geheimnisvolle Welt der Klöster: Was Mönche und Nonnen zum Rückzug aus der Welt bewegt

Länge:
342 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 1, 2015
ISBN:
9783836760027
Format:
Buch

Beschreibung

Einsiedler, die oftmals höchst seltsame Formen der Askese pflegten, »Wüstenväter «, um die sich zahlreiche Legenden ranken, Mönche und Nonnen, deren Klöster zu Oasen der Kultur wurden, die Bettelorden des 13. Jahrhunderts, die zuweilen eine wahre Landplage wurden, ein rebellischer Mönch in Deutschland, der dem Papst die Stirn bot: Das Ordensleben ist aus der Geschichte der Kirche nicht wegzudenken und fasziniert bis heute. Josef Imbach erzählt die Geschichte dieser Lebensform lebendig, mit oftmals verblüffenden Beispielen und überraschenden Momenten.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 1, 2015
ISBN:
9783836760027
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Buch

Über den Autor


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Die geheimnisvolle Welt der Klöster - Josef Imbach

Josef Imbach

Die geheimnisvolle Welt der Klöster

topos premium

Eine Produktion der Verlagsgemeinschaft topos plus

Josef Imbach

Die geheimnisvolle

Welt

der Klöster

Was Mönche und Nonnen

zum Rückzug aus der Welt bewegt

Verlagsgemeinschaft topos plus

Butzon & Bercker, Kevelaer

Don Bosco, München

Echter, Würzburg

Lahn-Verlag, Kevelaer

Matthias Grünewald Verlag, Ostfildern

Paulusverlag, Freiburg (Schweiz)

Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

Tyrolia, Innsbruck

Eine Initiative der

Verlagsgruppe engagement

www.toposplus.de

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN: 978-3-8367-0006-1

E-Book (PDF): 978-3-8367-5002-8

E-Pub: 978-3-8367-6002-7

2015 Verlagsgemeinschaft topos plus, Kevelaer

Das © und die inhaltliche Verantwortung liegen bei

der Verlagsgemeinschaft topos plus, Kevelaer.

Umschlagabbildung: © iStock

Einband- und Reihengestaltung: Finken & Bumiller, Stuttgart

Herstellung: Friedrich Pustet, Regensburg

Printed in Germany

Inhalt

Fragen über Fragen oder Statt eines Vorworts

I. Was Klosterküchen nicht verraten

Eifer, Ernüchterung und Erneuerung

Der Jesuit geht in den Keller

II. Gotteslob unter der Wüstensonne

Die Vorfahren der Mönche und Monialen

Zweimal P: Paulos und Pachomios

Eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen

Basileios – Mönch, Bischof, Kirchenlehrer

Abtötung – wörtlich verstanden

Missbräuche

Exkurs: Kleiner Abstecher ins Wallfahrtswesen

„Ich will leren wege und stege" – Der älteste Baedeker in deutscher Sprache

III. Die Welle schwappt über

Der mit dem Mantel

Augustinus

An der Schnittstelle zwischen Antike und Mittelalter

Klostergründungen und Missionierung: Columban

Exkurs: Wie lebten die Mönche und Nonnen – und wovon?

Die ideale Klosteranlage

IV. Das dunkle Zeitalter und das große Reinemachen

Am Anfang stand das Heimweh

Deutschlands Cluny

Weltflucht?

Bruno von Köln und das Verlangen „nach Einsamkeit und Ruhe"

Cîteaux und die Zisterzienser

Ein Vagabund als Reformer

Exkurs: „Ach wie schwer ist das Schreiben!"

V. Das Kreuz auf sich nehmen?

Mord und Totschlag

Heiliger Krieg?

Johanniter (Malteser) und Deutscher Orden

Aufstieg und Niedergang der Deutschherren

VI. Und die Frauen?

Die Jesusbräute

Kerker und Kulturzentrum

VII. Bettelorden

Franziskus – Reformer oder Revolutionär? Oder beides?

Der Streit um die Armut

Exkurs: Der Mönch und der Mammon

Klara und ihre mutigen Schwestern

Die „Hunde des Herrn"

Zulauf dank Strafnachlass

Der vierte große Bettelorden

Exkurs: „Ein Geläute von Narrenschellen und Kirchenglocken"

Dritte Orden

VIII. Ein Mönch bietet dem Papst die Stirn

Zucht und Unzucht

Was Martin Luther anstrebte

IX. Die Gegenreformation und die „Gesellschaft Jesu"

Die Soldaten des Papstes

Exkurs: Ein Jesuit kämpft an gegen Hexenprozesse

Ein Blick in den Himmel

Neugründungen tragen zur Erneuerung bei

X. Säkularisation und Neubeginn

XI. Klosterschenken und Klosterläden – ein nostalgisches Relikt

Sacherklärungen

Anmerkungen

Weiterführende Literatur

Fragen über Fragen

oder

Statt eines Vorworts

Was bewog viele Menschen, sich aus der Welt zurückzuziehen und sich hinter Klostermauern zu verschanzen? Warum haben Frauen es vorgezogen, sich ihren angeblichen von der Gesellschaft auferlegten Verpflichtungen zu entziehen, um in der Stille eines Konvents allein Gott zu dienen? Wie kam es, dass die ursprünglichen, von den Ordensgründern und -gründerinnen hochgehaltenen Ideale von ihren Gesinnungsgenossen und Nachfolgerinnen später immer wieder verraten wurden? Fragen über Fragen, auf die erst die Kenntnis der geschichtlichen Hintergründe und der historischen Entwicklung des Christentums eine Antwort zu geben vermag.

Klöster gaben (und geben) gerade wegen ihrer Weltabgeschiedenheit nicht nur gläubigen Christenmenschen immer wieder Rätsel auf. Verwirrend, wenn nicht irritierend ist dabei die Tatsache, dass es in allen religiösen Orden immer wieder Mitglieder gab, welche ernsthaft Reformen anmahnten – ein Zeichen dafür, dass in den einzelnen Gemeinschaften manches genauso schief lief wie draußen in der Welt. Tatsächlich blieben auch die Orden nicht von Krisen verschont. Auf Zeiten des Aufbruchs folgten Epochen des Niedergangs – und nicht immer trugen die Gottgeweihten allein die Schuld daran.

Wenn in dem vorliegenden Buch auch negative Erscheinungen beschrieben werden, geht es dabei nicht um distanzierte Kirchenoder Ordenskritik, sondern darum, bestimmte innerkirchliche und gesellschaftliche Veränderungen besser zu verstehen. Schwerpunkt der Darstellung bilden das frühe und das mittelalterliche Mönchtum. Die Entwicklung seit der Säkularisation bedürfte wegen der zahlreichen Neugründungen seit Beginn des 19. Jahrhunderts einer eigenen ausführlichen Darstellung, welche den Rahmen dieser Ausführungen sprengen würde.

Eine besondere Hilfe bei der Erstellung des Manuskripts war mir, wie schon anlässlich zahlreicher früherer Buchpublikationen, Imelda Casutt, welche mir nicht nur die nötige Literatur besorgte, sondern auch die Druckfahnen in ihrer gewohnt sorgfältigen Art durchsah. Für stehen gebliebene Fehler und allfällige Irrtümer trage ich selbstverständlich allein die Verantwortung. Zu Dank verpflichtet bin ich auch Dr. Bruno Kern für seine ebenso mühsame wie sorgfältige Lektoratsarbeit.

I.

Was Kloster

küchen nicht

verraten

Der Leiter eines Koinobions¹ fragte Abbas Poimen: Wie kann ich Gottesfurcht erlangen? Abbas Poimen sagte zu ihm: Wie können wir die Furcht Gottes gewinnen, wenn wir den Bauch mit Käse füllen und die Krüge mit Pökelfleisch?² Poimen (um 340 – um 450) zählt zu den bekanntesten christlichen „Altvätern der Spätantike, welche dem damaligen städtischen Trubel mit seinen zweifelhaften Vergnüglichkeiten den Rücken kehrten, um in der oberägyptischen Wüste ein kärgliches und beschauliches Dasein zu führen, in der Absicht, zu sich selber und so gleichzeitig zu Gott zu finden. Zahlreiche von ihm überlieferte Aussprüche zeigen, dass er dieses Ziel vor allem mittels Fasten, Entsagung und Selbstkasteiung zu erreichen hoffte – ein Lebensentwurf, der noch Jahrhunderte danach auch im Mönchtum eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen sollte.

Später war die hier propagierte Art von Askese in den allmählich sich entwickelnden religiösen Gemeinschaften genau festgelegt. Dass die diesbezüglichen Vorschriften in den Mönchs- und Nonnenklöstern (zumindest von einzelnen Mönchen und Monialen) oft nicht allzu eng interpretiert wurden, geht aus einem Visitationsbericht des heiligen Karl Borromäus vom 20. September 1575 hervor. Karl Borromäus, damals seit fünfzehn Jahren Kardinal und Erzbischof von Mailand, war gefürchtet wegen seines kompromisslosen Einsatzes für eine eiserne Kirchenzucht. Nachdem er in Bergamo ein Frauenkloster visitiert hatte, sah er sich zu etlichen Rügen veranlasst. Aus seinem abschließenden Bericht (publiziert im Jahr 1937 von Angelo Roncalli, dem späteren Papst Johannes XXIII.) geht hervor, dass er vor allem am Verhalten einer gewissen Schwester Valeria Anstoß nahm:

Leider mussten Wir feststellen, dass besagte Schwester offenbar eine unglückselige Neigung zum Hamstern an den Tag legt. In der Tat hatte sie hinter ihrer Schlafstelle größere Mengen an Esswaren und andere Dinge versteckt. Ex nunc verfügen Wir daher, dass sie von ihrer Zelle in den gemeinschaftlichen Schlafsaal hinüberwechselt und dort verbleibt, bis der hochwürdigste Bischof etwas anderes verfügt. Item verfügen Wir außerdem, dass sie sich unter keinen Umständen in der Nähe der Klosterpforte aufhalten darf. Jeder Kontakt mit der Außenwelt ist ihr strengstens untersagt, und zwar für die nächsten drei Jahre oder auch länger, falls es dem hochwürdigsten Bischof geboten scheint. Item untersagen Wir ihr für die kommenden drei Jahre, die Küche zu betreten. Jede Missachtung dieses Verbots ist mit einer Kerkerstrafe von jeweils einer Woche zu ahnden. Außerdem ordnen Wir an, dass besagte Schwester während der ganzen folgenden Woche in Gegenwart der anderen Nonnen ihre Mahlzeiten kniend in der Mitte des Speisesaals einzunehmen hat. Nach Ablauf dieser Frist soll sie während eines Jahres jeweils am Freitag auf die oben genannte Weise ihre Mahlzeiten zu sich nehmen.

Angesichts derartiger ans Sadistische grenzender Disziplinarmaßnahmen erscheinen die etwas ungewöhnlichen Ratschläge, welche der heilige Alfonso von Liguori den Bräuten Christi knapp zweihundert Jahre später erteilte, von geradezu umwerfender Hochherzigkeit. Im Jahr 1761 nämlich veröffentlichte der damals gerade 29-jährige Gründer der Redemptoristen („Kongregation des allerheiligsten Erlösers"), der später als Moraltheologe die Sittenlehre der katholischen Kirche nachhaltig beeinflusste, unter dem Titel Die wahre Braut Christi eine Art Sittenspiegel für Nonnen. Nicht nur von Gebet und Meditation und von der Beherrschung der Sinne ist dort die Rede, sondern – wen wundert’s? – auch von der selbst in Frauenklöstern verbreiteten Gaumenlust:

Setzen wir also alles daran, um uns von diesem viehischen Laster nicht besiegen zu lassen! Gewiss müssen wir uns ernähren, um unser Leben zu erhalten. Indessen weist schon der heilige Augustinus darauf hin, dass wir die Speisen wie eine Arznei behandeln sollen; er ermahnt uns, nur gerade so viel zu essen, als nötig ist. Wer seinen Leib mit Speisen beschwert, ist wie ein vollgeladenes Schiff, das nur mühsam vorankommt.

Die beste Abtötung besteht darin, sich jener Speisen zu enthalten, die einem schmecken, aber der Gesundheit schaden, wie etwa das Frühobst. Außerdem rate ich, das Jahr über auf einige Arten von Obst gänzlich zu verzichten, ein- oder zweimal während der Woche überhaupt kein Obst zu essen und die übrigen Tage sich die eine oder andere von den bei Tisch aufgetragenen Früchten zu versagen. Von leckeren Speisen möge man allenfalls ein wenig versuchen. Lobenswerter jedoch wäre es, sie zurückzuweisen unter dem Vorwand, dass sie einem nicht bekommen. Beherzigenswert ist auch der Rat des heiligen Bernhard [von Clairvaux, um 1090–1153], von seinem Lieblingsgericht nur wenig zu kosten. Das Verlangen zu trinken sowie den Wunsch, die vorgesetzte Mahlzeit sogleich zu verspeisen, soll man bezwingen. Insbesondere die jungen Klosterschwestern ermahne ich, auf Wein, Branntwein und Liköre zu verzichten.

Die hier genannten Entsagungen verleiten nicht zum Hochmut, noch schaden sie der Gesundheit. Überdies ist es nicht notwendig, sie alle gleichzeitig auf sich zu nehmen. Eine jede [Klosterschwester] verzichte lediglich auf das, was die Mutter Oberin oder der Beichtvater für richtig findet. Schließlich ist es besser, häufig auf kleine Dinge zu verzichten, als bloß gelegentlich große Opfer zu bringen.³

Angesichts dieser teilweise wunderlichen und in gesundheitlicher Hinsicht äußerst fragwürdigen Ansichten darf man nicht vergessen, dass der heilige Alfonso kein Ernährungswissenschaftler, sondern Bischof und Moraltheologe war. Außerdem handelt es sich nicht um Vorschriften, sondern lediglich um Ratschläge und Empfehlungen für Nonnen, welche obendrein noch ermahnt werden, in Sachen Speiseenthaltung nichts zu unternehmen, ohne sich vorher mit ihrer Oberin oder mit ihrem Beichtvater abgesprochen zu haben.

Ganz anders als die von Alfonso propagierten Tischregeln für Klosterfrauen sind die gastronomischen Erwartungen der Mönche in der Zisterzienserabtei Lützel (französisch: Lucelle), wie eine 1671 veröffentlichte Rezeptsammlung des damaligen Klosterkochs beweist. Sie dokumentiert, dass die dortigen Mönche wahrlich nicht am Hungertuch nagten. Das Kloster lag genau an der Schnittstelle vom Schweizer Jura und dem Sundgau; heute führt die helvetischfranzösische Grenze mitten durch die ehemalige Anlage der einstmals blühenden, im Jahr 1791 aufgehobenen Zisterzienserabtei.

Ein Exemplar des besagten Kochbuches ist Interessierten im Staatsarchiv Basel zugänglich. Schon ein flüchtiger Blick lässt erkennen, dass es sich bei diesem Werk nicht um eine Abhandlung für arme Schlucker handelt. Vielmehr scheinen die Gottesmänner von anno dazumal herzhaft zugelangt zu haben. Am Mittag und am Abend wurden jeweils je zwei Fleisch- oder Fischgänge aufgefahren. Entsprechend waren die Erwartungen, die man dem Koch gegenüber hegte: „Man soll sich eines guten und rechtschaffenen Kochs bewerben / welcher ehrlichen Herkommens und Wandels / in seiner Kunst wohlerfahren und geübt / gesunden starcken Leibs / frölichen Gemüths / hurtig / geschwind und ohnverdrossen / auffmercksamb / gespährig / und besonders dem Wein nicht ergeben seye."

Beeindruckend ist auch das kulinarische Programm, das der Verfasser, ein anonymer „Geistlicher Kuchen [Küchen]-Meister des Gotteshauses Lützel, „beschrieben und practiciert und im Titel seines Werks festgehalten hat: Koch-Buch So wol Für Geistzliche als auch Weltliche große und geringe Haußhaltungen / wiebey denen täglich viel Leut am füglichsten abgespeiset werden. Darin Uber die Achthunderterley Fleisch / Wildprett / Geflügel / Fisch /Eyer / und Garten-Speisen / auch die manier und weiß [Art und Weise] selbige zubereiten / Neben andern nutzlichen Haußhaltung-Stücklein / zu finden und begrieffen seynd.

Sehr viel einfacher als die vornehmen Mönche der Abtei von Lucelle hielten es die Kapuziner. Als Goethe 1799 auf seiner Italienfahrt im urischen Realp Station machte, bekam er im dortigen Kapuzinerkloster ein einfaches rustikales Mahl vorgesetzt, das ihm bestens schmeckte.

Goethe bei den Kapuzinern

Wir hatten unsere Führer schon verschiedentlich gefragt, was für ein Wirtshaus und besonders was für Wein wir in Realp zu erwarten hätten. Die Hoffnung, die sie uns gaben, war nicht sonderlich, doch versicherten sie, dass die Kapuziner daselbst, die zwar nicht, wie die auf dem Gotthard, ein Hospitium hätten, dennoch manchmal Fremde aufzunehmen pflegten. Bei diesen würden wir einen guten roten Wein und besseres Essen als im Wirtshaus finden. Wir schickten einen deswegen voraus, dass er die Patres disponieren und uns Quartier machen sollte. Wir säumten nicht, ihm nachzugehen, und kamen bald nach ihm an, da uns denn ein großer ansehnlicher Pater an der Tür empfing. Er hieß uns mit großer Freundlichkeit eintreten und bat noch auf der Schwelle, dass wir mit ihnen vorlieb nehmen möchten, da sie eigentlich, besonders in jetziger Jahrszeit, nicht eingerichtet wären, solche Gäste zu empfangen. Er führte uns sogleich in eine warme Stube und war sehr geschäftig, uns, indem wir unsere Stiefel auszogen und Wäsche wechselten, zu bedienen. Er bat uns einmal über das andre, wir möchten ja völlig tun, als ob wir zu Hause wären.

Wegen des Essens müssten wir, sagte er, in Geduld stehen, indem sie in ihrer langen Fasten begriffen wären, die bis Weihnachten dauert. Wir versicherten ihm, dass eine warme Stube, ein Stück Brot und ein Glas Wein unter gegenwärtigen Umständen alle unsere Wünsche erfülle. Er reichte uns das Verlangte, und wir hatten uns kaum ein wenig erholt, als er uns ihre Umstände und ihr Verhältnis hier auf diesem öden Flecken zu erzählen anfing. Wir haben, sagte er, kein Hospitium, wie die Patres auf dem Gotthard; wir sind hier Pfarrherrn und unser drei: Ich habe das Predigtamt auf mir, der zweite Pater die Schullehre und der Bruder die Haushaltung. Er fuhr fort zu erzählen, wie beschwerlich ihre Geschäfte seien, am Ende eines einsamen, von aller Welt abgesonderten Tales zu liegen, und für sehr geringe Einkünfte viele Arbeit zu tun. Es sei sonst diese, wie die übrigen dergleichen Stellen, von einem Weltgeistlichen versehen worden, der aber, als einstens eine Schneelawine einen Teil des Dorfs bedeckt, sich mit der Monstranz geflüchtet; da man ihn denn abgesetzt und sie, denen man mehr Resignation zutraue, an dessen Stelle eingeführt habe.

Ich habe mich, um dieses zu schreiben, in eine obere Stube begeben, die durch ein Loch von unten aufgeheizt wird. Es kommt die Nachricht, dass das Essen fertig ist, die, ob wir gleich schon einiges vorgearbeitet haben, sehr willkommen klingt. Die Patres, Herren, Knechte und Träger haben alle zusammen an Einem Tische gegessen; nur der Frater, der die Küche besorgte, war erst ganz gegen Ende der Tafel sichtbar. Er hatte aus Eiern, Milch und Mehl gar mannigfaltige Speisen zusammengebracht, die wir uns eine nach der andern sehr wohl schmecken ließen.

Eifer, Ernüchterung und Erneuerung

Schon ein flüchtiger Blick in die Klosterküchen erlaubt mancherlei Rückschlüsse bezüglich der Lebensart der Gottgeweihten. Es hat Zeiten gegeben, in welchen die Mönche und Monialen schwelgten, Zeiten, in denen sie darbten, und Zeiten, in denen Feiern und Fasten sich in etwa die Waage hielten. Es gilt dies für alle religiösen Orden – und überhaupt für die Kirche, und zwar seit den Anfängen. Davon zeugt schon das Gleichnis vom Gast ohne Hochzeitsgewand, das der Verfasser des Matthäusevangeliums Jesus in den Mund legt.

Als die zur Hochzeit geladenen Gäste sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sie sich anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte. Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen. Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen. (Matthäus 22,11–14).

Diese Geschichte stammt sicher nicht von Jesus; vielmehr ist es der Evangelist, der hier seiner Gemeinde einen Spiegel vorhält. Kaum dass Jesus mit seiner Reich-Gottes-Verkündigung begonnen hat, schließt sich ihm eine kleine Gruppe von Menschen an. Die Begeisterung dieser Jünger und Jüngerinnen ist groß. Trotz aller Hindernisse, die man den Neugläubigen in den Weg legt, wächst ihre Zahl. Überall entstehen neue Gemeinden. Aber diese bestehen nicht aus neuen Menschen. Schon nach wenigen Jahrzehnten ist nicht mehr zu übersehen, dass es dort ähnlich zugeht wie andernorts auch. Der ursprüngliche Eifer flacht ab. Immer häufiger machen sich Gleichgültigkeit und Laxheit bemerkbar.

Genauso wie die Geschichte der Kirche seit ihren Anfängen geprägt ist von Eifer und Ernüchterung, von Resignation und Reformwillen, von Heiligkeit und von Sünde, kennen auch die einzelnen Orden Zeiten der Höhen und Tiefen. Auf die Gründer- und Gründerinnengeneration folgt häufig eine Verflachung; auf die gelegentlich um sich greifende Zuchtlosigkeit folgt ein Neuaufbruch, nicht selten begleitet von internen Querelen, bei denen es angeblich um die Interpretation der Ordensregel, um theologische Fragen oder um disziplinarische Maßnahmen geht – alles Dinge, die sich bei näherem Hinsehen allzu oft als Machtkämpfe erweisen.

Solche Konkurrenzkämpfe innerhalb der einzelnen Ordensverbände sind umso tragischer, als das Mönchstum seine Entstehung dem Wunsch von Jesusbegeisterten verdankt, welche bedingungslos, will sagen ungehindert von „weltlichen Verpflichtungen und frei von „profanen Verbindlichkeiten, Christus nachfolgen wollten. Davon zeugen schon die ersten ansatzhaften Anfänge dieser für die Kirche über die Jahrhunderte hin wichtigen geistig-geistlichen Impulse. Denn diese waren es, welche Menschen zu der Erkenntnis verhalfen, dass „das Leben uns nicht aus dem Besitz zuwächst" (Lukas 12,15), sondern aus der von Jesus verkündeten Frohbotschaft.

Warum entstanden dann aber im Lauf der Jahrhunderte so viele und vor allem so unterschiedliche Orden, wenn die Botschaft doch eine ist?

Der Jesuit geht in den Keller

Wir alle kennen das: Da ist ein Bekannter oder eine Freundin von einem Buch hell begeistert, drückt es uns in die Hand und sagt: „Das musst du unbedingt lesen. Es wird dir ganz sicher gefallen." Und ist enttäuscht, wenn wir irgendwann gestehen, dass wir uns mühsam bis fast zur Hälfte durchgearbeitet und das Buch dann weggelegt haben. Natürlich bedeutet das nicht, dass wir uns deswegen über unseren Intelligenzquotienten Sorge machen müssen oder dass das Buch nichts taugt; vermutlich fehlt ganz einfach der Resonanzboden. Andere Leser und Leserinnen hingegen fühlen sich davon angesprochen, weil sie sich in den geschilderten Ereignissen wiedererkennen.

Dass es sich mit den Ordensgemeinschaften ähnlich verhält, vermag eine Anekdote zu illustrieren. Vier Angehörige verschiedener Orden halten sich am Abend in einem Raum auf, als plötzlich das Licht ausgeht. Der Franziskaner kniet nieder und bittet Gott um die Gabe der Erleuchtung. Der Benediktiner betet sein Brevier; das kann er auswendig. Der Dominikaner meditiert über das Wesen von Licht und Dunkelheit. Und der Jesuit? Geht in den Keller und schaltet die Sicherung wieder ein.

Wer sich in kirchlichen Belangen ein klein wenig auskennt, weiß, dass diese Anekdote auf die Schwerpunkte – will sagen die unterschiedlichen Spiritualitäten – der Orden verweist. Tatsächlich unterscheidet sich ein Dominikus in manchem von Franz von Assisi; darum hat dieser ja auch den Vorschlag des anderen abgelehnt, die beiden Orden zusammenzulegen. Benedikt wiederum verfolgt ein anderes Ideal als die zwei eben genannten Ordensgründer. Und dass ein geborener Dickschädel wie Ignatius von Loyola seine eigenen Vorstellungen hat und diese durchzusetzen versucht, versteht sich von selbst.

Wenn ich nicht Trappist oder Kartäuser geworden bin, hängt das auch damit zusammen, dass mir das Schweigen ein bisschen schwerfällt. Darauf haben die Lehrer schon in meinen Schulzeugnissen hingewiesen. Mehr als einmal stand dort unter der Rubrik „Bemerkungen: „etwas vorlaut.

Was die Orden pflegen, finden wir auch in den Evangelien vor, wo wir schon bezüglich der Gestalt Jesu sehr unterschiedliche Akzentsetzungen feststellen. Im Markusevangelium erscheint der Mann aus Nazaret als großer Wundertäter. Matthäus sieht in ihm eher den Lehrer, der die alttestamentlichen Verheißungen erfüllt. Lukas wiederum unterstreicht vor allem Jesu Barmherzigkeit und seine Vorliebe für die Armen und Benachteiligten. Für Johannes ist die Verbundenheit Jesu mit dem „Vater" von ganz besonderer Bedeutung: Jesus tritt hier als dessen Offenbarer in Erscheinung.

Wie die Evangelisten setzen später auch die einzelnen Ordensgründer und -gründerinnen die Schwerpunkte anders, wenn es darum geht, Jesu Botschaft innerhalb eines konkreten historischen Kontextes zu aktualisieren. Entscheidend sind dabei neben zeitgenössisch bedingten Faktoren (z. B. Sittenverfall, abergläubische Praktiken, Ignoranz in Glaubensdingen …) die pastoralen Anliegen (religiöse Unterweisung des Volkes, Behebung theologischer Defizite beim Klerus …). Manche Orden entstanden, um bestehende Missstände zu bekämpfen, andere, um machtbesessene Kleriker daran zu erinnern, dass Jesus nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen (Markus 9,35),

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