Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Kostenlos für 30 Tage, dann für $9.99/Monat. Jederzeit kündbar.

Mein Anti-Stress-Vertrag: Der Weg zu mehr Gelassenheit und Lebensfreude

Mein Anti-Stress-Vertrag: Der Weg zu mehr Gelassenheit und Lebensfreude

Vorschau lesen

Mein Anti-Stress-Vertrag: Der Weg zu mehr Gelassenheit und Lebensfreude

Länge:
349 Seiten
9 Stunden
Freigegeben:
Jul 19, 2013
ISBN:
9783800079018
Format:
Buch

Beschreibung

Nur kein Stress bei Stress!
In einem Streit gelassen bleiben, in schwierigen Situationen den Überblick behalten, die richtigen Entscheidungen treffen und für das eigene Wohlbefinden sorgen: Nicht immer einfach, aber leicht zu lernen. Mit viel Humor und alltagstauglichen Tipps und Tricks zeigt Thomas Prünte, wie Sie private und berufliche Stressfaktoren erkennen, wirkungsvoll abbauen und sich neue Ressourcen aufbauen. Und mit Ihrem persönlichen Anti-Stress-Vertrag sorgen Sie dafür, dass Sie nie wieder ein Anti-Stress-Buch brauchen!
Freigegeben:
Jul 19, 2013
ISBN:
9783800079018
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Mein Anti-Stress-Vertrag

Ähnliche Bücher

Buchvorschau

Mein Anti-Stress-Vertrag - Thomas Prünte

gewesen

Inhalt

Vorwort

Kapitel 1

Wie Sie Erkenntnisse über Ihren Stress gewinnen

1.  Kleine Einführung in die Stresskunde – Da ist Musik drin!

2.  Volker, hör die Signale – Der Mann mit dem Tic

3.  Flight, fight or freeze? – Flow!

4.  Drei tragende Säulen – Ausgleich schaffen

5.  Der persönliche Sorgenstil – Vier Belastungstypen

6.  Fünf Schritte zum Aha-Erlebnis

Kapitel 2

Wie Sie Ihren Stress konstruktiv ausdrücken

1.  Lassen Sie den Radiergummi weg!

2.  Dampf ablassen – aber richtig!

3.  Singing the Blues

4.  Jammern? – Na klar!

5.  Lästern unter Schwestern

6.  Machen Sie Theater!

7.  Erstellen Sie Stresslandschaften

Kapitel 3

Wie Sie Ihre Beziehungen pflegen

1.  Neinsagen und Grenzen setzen

2.  Rollen klären – Ich bin doch nicht ihr Blitzableiter!

3.  Humor belebt, oder: Scherzen beschwingt Herzen

4.  Die Inventur des Freundeskreises

5.  Sich Vorbilder suchen – Winnetou macht’s möglich

Kapitel 4

Wie Sie Ihre Wahrnehmung richtig lenken

1.  Denkfallen erkennen

2.  Die Kunst der Übergänge – Eile mit Weile

3.  In der Warteschlange vor der Kasse – na und?

4.  Positiv-Training

5.  Im Stau – und heiter geht es weiter!

Kapitel 5

Wie Sie Entspannung erleben

1.  Die Aktiv-Pause

2.  Quasimodo, King Kong und Konsorten

3.  Stehungen statt Sitzungen

4.  In der Ruhe liegt die Tat-Kraft

5.  Ihr persönlicher Entspannungskoffer

6.  Intermezzo: Qualmende Socken? – Schuhe aus!

7.  Juchhu, ich bewege mich! – Vom Sporteln und Joggeln

8.  Sich in die Mitte bringen

9.  Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Kapitel 6

Wie Sie Ressourcen aufbauen, indem Sie Sinnlichkeit genießen

1.  Eros beflügeln – sich bauchen und herzen

2.  Die schönen Künste: Hören und Lauschen

3.  Catch your dreams before they slip away!

4.  Im Kleingarten Eden

5.  Auszeit vom Erwachsensein

6.  Sexperimentieren Sie ...

Kapitel 7

Wie Sie sich selbst führen

1.  Entwickeln Sie Basis-Fähigkeiten

2.  Das goldene Dreieck

3.  Die richtige Kassette einlegen

4.  Das positive Selbstgespräch

5.  Der Knoten im Taschentuch

6.  Die Welle reiten: Kairos und Chronos

7.  Perfektion geht zu Lasten der Entspannung

8.  Urlauben und Reisen

9.  Fähigkeiten wachrufen

10.  Wohlgeformte Ziele setzen

11.  Sisyphos, oder: Die Kunst des Loslassens

12.  Der Anti-Stress-Vertrag

13.  Mein Anti-Stress-Vertrag

Vorwort

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

liebe Gestresste!

Vermutlich haben Sie dieses Buch in die Hand genommen, weil Sie Stress haben. Oder jemand kennen, von dem Sie meinen, er hätte Stress. Oder glauben Sie, keinen Stress zu haben? Nein, natürlich haben Sie auch Stress. Wir alle haben Stress. Jeden Tag wieder neu. Und wir alle bewältigen ihn auch jeden Tag wieder neu. Die Frage ist nur: Tun wir das effektiv und zu unserer eigenen Zufriedenheit? Verhalten wir uns so, dass unsere Gesundheit erhalten bleibt? Haben wir Freude und Spaß dabei?

In diesem Buch geht es darum, Wege zu beschreiten, die es uns besser gehen lassen und Freude machen. Oder hatten Sie etwa vor, jetzt hart an einem Stressbewältigungstraining zu arbeiten, Prioritäten zu setzen, ein effektives Zeitmanagement zu praktizieren und Ihre Atemtechnik zu optimieren?

Tun Sie das lieber nicht, denn dieses Buch ist kein Fachbuch im eigentlichen Sinne. Ich werde Ihnen nichts von Adrenalin, Cortisol, Endorphinen und anderen Konsorten unseres Hormonsystems erzählen. Vielmehr reiche ich Ihnen hin und wieder ein kleines oder größeres Informationshäppchen, um Zusammenhänge zu verdeutlichen. Ansonsten beruhen die in diesem Buch enthaltenen Beispiele, Geschichten und Tipps auf Erfahrungen von Menschen wie du und ich. Diese haben an meinen Seminaren teilgenommen, mich zur persönlichen Beratung aufgesucht oder gehören ganz einfach zu meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Ihnen verdanke ich wertvolle Anregungen. Und ich gebe zu, auch Selbsterlebtes unauffällig eingewoben zu haben. Um Ihnen die Lektüre zu erleichtern und beiden Gehirnhälften Nahrung zu geben, habe ich zur Auflockerung einige Schaubilder eingefügt.

Leben oder gelebt werden?

Alle Methoden und Ideen dieses Buches sind also der Wirklichkeit entnommen. Manchmal skurril, aberwitzig oder etwas neben der Spur. Aber was soll’s? Das Leben ist schließlich auch nicht immer vernünftig, bis ins Letzte durchdacht und gradlinig. Und in Stresssituationen schon gar nicht. Oder glauben Sie allen Ernstes daran, es gäbe jemanden, der für jede Situation das entsprechende Patentrezept parat hat? Die hier beschriebenen Szenen sind real erlebt und aus Alltagserfahrungen gestresster Menschen entstanden. Und damit unvollkommen. Nie hundertprozentig genauso auf Ihre Situation übertragbar. Aber Sie werden sich des Öfteren wiedererkennen. In schwierigen, oft absurden und witzigen Situationen haben Menschen kreative Lösungen und ganz persönliche Strategien der Stressbewältigung entwickelt. Und das können Sie auch!

Gebrauchsanweisung: »Lesen, wie es Ihnen Spaß macht.«

Bei der Lektüre können Sie gleich mit der ersten Übung beginnen. Die Übung lautet: »Lesen Sie das Buch so, wie es Ihnen gefällt!« Fangen Sie nicht an, es von vorne bis hinten »durchzuarbeiten«. Das Buch ist so aufgebaut, dass jedes Kapitel in sich abgeschlossen und verständlich ist. Lassen Sie sich durch die Kapitelüberschriften inspirieren und suchen Sie sich die Kapitel heraus, die Sie interessieren. Unwillkürlich werden Sie dann bei den für Sie wichtigen und brisanten Hot Spots landen. Es ist nicht nötig alles durchzulesen, denn dieses Buch will vor allen Dingen eines: Ihnen Freude bereiten. Es möchte Sie anregen, dem alltäglichen Stress mit Humor und einer guten Portion Kreativität zu begegnen. Es will Sie ermutigen, vorhandene Fähigkeiten auszubauen, neues Bewältigungspotenzial zu erforschen und auszuprobieren. Frei nach dem Motto eines bekannten schwedischen Möbelhauses: »Entdecke die Möglichkeiten!«

Viel Spaß!

Kapitel 1

Wie Sie Erkenntnisse über Ihren Stress gewinnen

1.  Kleine Einführung in die Stresskunde – Da ist Musik drin!

Ich will Ihnen auf den folgenden Seiten eine kleine Einführung in die Stresskunde geben. Ziel soll es sein, Ihnen mit einfachen Worten einige Grundlagen zu vermitteln und Sie für die Hintergründe dieser doch recht vielfältigen Thematik zu interessieren.

Stress ist ein Begriff, der je nach Sichtweise relativ alt oder jung ist. Eingeführt wurde er in die Wissenschaft vom Biochemiker und Mediziner Hans Selye in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Von seiner umgangssprachlichen Bedeutung her hat der Stressbegriff zahlreiche Nuancen. In den siebziger Jahren galt es noch als Statussymbol, »Stress zu haben« – wobei sich Stress meist über einen quantitativen Faktor definierte, nämlich »zu wenig« Zeit zu haben oder »zu viel« zu tun zu haben. Die Entwicklung von entsprechenden Krankheiten in unserer schnelllebigen Gesellschaft hat uns jedoch eines Besseren belehrt. Da Selye diesen Begriff unter anderem einem technischen Bereich entlehnt hat, nämlich der Materialprüfung, könnte man grob vereinfacht sagen, dass er untersucht hat, unter welchen Bedingungen der Mensch kaputtgeht.

Zudem lässt sich der Begriff Stress fast wie eine Worthülse über unterschiedliche Erfahrungen stülpen. Doch lassen Sie uns zunächst erforschen, was es mit diesem Wort auf sich hat. Es leitet sich zunächst vom englischen »stress« ab, was »Druck, Anspannung« bedeutet und eigentlich eine Kurzform aus »distress« gleich »Kummer, Sorge« darstellt. Interessant ist auch die Analogie zum lateinischen »distringere« für »beanspruchen«, »einengen« und »stringere« »(an-)spannen«, da diese Quelle unmittelbar zu einem zentralen Aspekt im Umgang mit Belastungen führt, nämlich dem Phänomen von Anspannung und Entspannung.

Töne im Stress-Orchester

Betrachten wir die Entsprechung im Bereich der Musik. Wie die Musik, so braucht auch der Mensch das Wechselspiel zwischen Spannungsaufbau und Spannungsabbau. Manchmal ist es ganz entlastend, bei zu großem Druck »auf die Pauke zu hauen« oder jemandem die »Meinung zu geigen«. Dann wieder geht es darum, die leisen Zwischentöne zu beherrschen, um nicht zu viel Porzellan zu zerschlagen. Der Hektiker benötigt des Öfteren ein »decrescendo« oder eine »Viertelpause«. Vom gehauchten »piano« bis zum kräftigen »fortissimo« kann Stimme und Stimmung im Stressgeschehen schwanken. Und manch einer verspürt den unwiderstehlichen Impuls, dem anderen bei ungerechter Behandlung mal kräftig »den Marsch zu blasen«. Im Englischen heißt die Saite eines Instrumentes übrigens »string« (vgl. »stringere«), die »Saitenfraktion« im Orchester die »string section«. Nun braucht bekanntlich eine Saite eine gewisse Spannung, um klingen zu können. Ist sie zu wenig gespannt, klingt sie lasch und dumpf. Sie schwingt nicht. Ist sie überspannt und schrill, sind harte Resonanzen die Folge. In diesem Zusammenhang werden am ehesten die Verbindungen zum menschlichen Erleben – konkreter zum Nervensystem – sichtbar: umgangssprachlich tauchen Formulierungen auf wie »überspannt sein«, »Nerven wie Drahtseile haben« und »sich schlapp fühlen«.

Zwei Arten von Stress

Auf der physiologischen Ebene ist hier die so genannte »Alarmreaktion« des Körpers bedeutsam, welche als archetypisches Relikt in Mensch und Tier nach wie vor fundamental wirksam ist. Aus der Sicht der Biologie ist es ganz selbstverständlich, Spannung als eine Grundbefindlichkeit des Lebendigen anzusehen, die zum Funktionieren des Organismus unerlässlich ist. Eine Zelle, die keine Spannung mehr hat, ist quasi klinisch tot. So war auch für Hans Selye klar, dass es für unsere Gesundheit durchaus notwendig und förderlich ist, Spannungen und Belastungen ausgesetzt zu sein, die uns in angemessener Weise herausfordern. Auf ihn geht die mittlerweile bekannte Unterteilung in Dis-Stress (negativer Stress) und Eu-Stress (positiver Stress) zurück. Die Silbe »eu« kommt aus dem Griechischen und bedeutet »gut, schön«, wie es in dem Wort »euphorisch« deutlich wird. Euphorie bezeichnet ja eine Form gesteigerten Wohlbefindens mit der Tendenz zum Abheben. Dem gegenüber steht die Silbe »dis«, aus dem Lateinischen stammend, für »entzwei, nicht zusammenpassend«, wie sie in der »Dis-Harmonie« vorkommt, welche für Missklang und Unstimmigkeit steht. Manchmal findet sich auch die Bezeichnung »Mal-Stress«, von lateinisch »malus«, also die Form von Belastungen, die schlecht für den Menschen sind.

Wir brauchen guten Stress

Lassen Sie uns mit dem Reizvollen beginnen, dem »Eu-Stress«. Dieser ist mit dem Gefühl von Freude und Zuversicht verbunden. Er stellt eine Form von Belastung und Anspannung dar, die wir bejahen und als positiv bewerten. Aufgaben und Tätigkeiten werden als Herausforderung betrachtet und oft sogar bewusst gesucht. Wir brauchen diese Aktivitäten in ganz elementarer Weise für unser Wohlergehen, speziell für unsere Arbeitszufriedenheit und unser Selbstwertgefühl. Wir sind in gutem Kontakt mit unseren Fähigkeiten und Ressourcen. Das Gefühl und die mentale Haltung »Ich schaffe das!« stehen im Vordergrund. Unser Potenzial wird in adäquater Weise genutzt und abgerufen.

Eu-Erfahrungen (nicht »au«!) sind eng verbunden mit dem so genannten »Flow«-Erleben, welches sich in Formulierungen ausdrückt wie »heute läuft es wie geschmiert«. Umgangssprachlich würde in dieser Befindlichkeit vermutlich niemand von Stress sprechen. Vielmehr würden Äußerungen fallen wie »Heute habe ich echt was geschafft!«, »Klasse, wie das gelaufen ist!« oder »Es war zwar anstrengend, aber gut«. Also, warum nicht mehr davon?

Schlechter Stress ist bedrohlich und macht Angst

Für viele Menschen, die sich für Stressbewältigung interessieren, ist jedoch in der Alltagserfahrung der Dis-Stress viel bedeutsamer. Er ist relativ leicht an folgenden Parametern zu erkennen. Einige Forscher sagen, das zentrale Gefühl, an dem sie diesen negativen Stress erkennen können, ist das Erleben von Angst. Da dieses Gefühl gerade im Berufsleben oft tabuisiert ist und z. B. nicht zur geläufigen Vorstellung von Männlichkeit passt, will ich einige Beispiele geben. Es kann sich ganz simpel um die Angst handeln, seine Arbeit nicht zu schaffen. Oder die Angst, sein Gesicht zu verlieren, wenn man zugibt, etwas nicht zu können oder zu wissen. Bis hin zu der berechtigten Angst und Sorge um die eigene Gesundheit: »Wenn ich so weitermache, ruiniere ich meinen Körper«.

Eng damit verbunden ist das Erleben oft unterschwelliger Bedrohung wie z. B. durch Konkurrenzsituationen oder Arbeitslosigkeit. War es für den Neandertaler noch der Säbelzahntiger, der ihn bedrohte, so ist es heute neben der zunehmenden realen Gewalt oft die Bedrohung des sozialen Status und des sozialen Netzes. Im Gegensatz zur Zuversicht beim Eu-Stress stehen hier die Zweifel im Vordergrund, »Schaffe ich das?«, »Reichen meine Kräfte und Kenntnisse aus?«, »Mir wird alles zu viel«.

Stress, den man sich selber macht

Hinzu kommt die Erkenntnis, dass der Druck nicht immer von außen kommt. Es gibt den Druck, der mir gemacht wird, aber auch den Druck, unter den ich mich selber setze. Z. B. kann ich mich durch überhohe Ansprüche und Erwartungen an mich selbst und andere stressen. Diese sogenannten inneren Stressoren und Antreiber verstärken oft in ungünstiger Weise die konstruktive Bewältigung. Dazu gehören übertriebener Perfektionismus, Haltungen wie »es allen recht machen wollen« und »das kann ich schon alles alleine« bis hin zu krankhaft positivem Denken, welches Konflikte nicht mehr konstruktiv angeht, sondern in rosa Watte gepackt ihr Unwesen treiben lässt. Mancher steigert sich so ungewollt in massive Selbstüberforderung hinein.

Das »Gute am Schlechten« ist in gewissem Sinne, dass der Dis-Stress meist eine Suchbewegung und Orientierungsreaktion mit sich bringt. Man sucht nach Lösungen und Auswegen. Komisch, jahrelang ging man in der Bücherei immer an der Ratgeberecke vorbei, doch plötzlich interessiert man sich für »Die Kunst des Nein-Sagens«, »Selbstbehauptung im beruflichen Alltag«, »Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin«.

Diese Orientierungsreaktion gilt übrigens auch für den Eu-Stress. Befriedigende Erfahrungen, Erfolgserlebnisse und lustvolle Ereignisse schreien geradezu nach Wiederholung. Gerade Sportler und Künstler betonen immer wieder die Motivation und Inspiration, die sie aus positiven Herausforderungen beziehen. Sie betrachten Stress, ganz im Sinne des »Stress-Vaters« Selye, als Würze des Lebens.

Die Balance ist wichtig

Aus der Sicht der Stressforschung geht es im Grunde um die richtige Balance. Belastungen können leichter ertragen werden, wenn es befriedigenden Ausgleich gibt und sich die Waage nicht zu lange in den roten Bereich neigt.

Auf diesem Hintergrund schlage ich Ihnen im zweiten Kapitel eine sorgfältige Bestandsaufnahme in Form der so genannten Stresslandschaften vor. So können Sie daran gehen, Belastungen konkret zu benennen. Außerdem können Sie Überlegungen anstellen, welche Faktoren veränderbar sind und mit welcher Haltung Sie den Dingen begegnen können, mit denen Sie schlicht und ergreifend leben müssen. Wie bei den anderen einfachen Übungen ist das Ziel auch hier immer wieder, Ihre Selbststeuerung im beruflichen und privaten Alltag zu verbessern und auf ihre Effizienz zu überprüfen.

Die persönliche Bewertung zählt

Doch lassen Sie uns einen Schritt weitergehen. Es ist nämlich nicht eindeutig definiert, was der Einzelne als belastend oder positiv anregend erlebt. Aus der Stressforschung wissen wir, dass die individuelle Bewertung von ganz zentraler Bedeutung ist. Was also als »eu« oder »dis« erlebt wird, ist von Person zu Person ganz verschieden. Auch hier einige Beispiele.

Die Arbeit am und mit dem Computer wird sehr unterschiedlich erlebt. Bei manch einem brauchen Sie das Wort »PC« nur aussprechen, schon leuchten die Augen. Freude macht sich breit, Pannen werden als sportliche Herausforderung gesehen. Der Betreffende ist ganz in seinem Element, sozusagen auf der puren »Eu-Eu-Eu-Welle«.

Der andere hingegen bekommt Schweißperlen auf der Stirn, sieht das ganze Elend der Menschheit heraufziehen und erlebt sich hilflos und dumm wie ein Erstklässler, wenn er Fragen stellen muss und nicht mehr weiter weiß.

Ein anderes Beispiel: die Kommunikation im beruflichen Alltag. Der eine bewertet die Notwendigkeit, zahlreiche Gespräche – vielleicht sogar Konfliktgespräche – führen zu müssen, als Herausforderung und Bereicherung seines Alltages. Er geht darin auf und findet in der Meisterung unterschiedlichster Gesprächsanlässe Genugtuung und Zufriedenheit. Der andere empfindet gerade dies als belastend und würde lieber in Ruhe die Sachbearbeitung oder technischen Details einer Reparatur erledigen, ohne allzu viel reden zu müssen.

Natürlich spielen hier Vorerfahrungen, Einarbeitung und die persönliche Lerngeschichte eine große Rolle. Um Ihnen eine bessere Orientierung bei der Suche nach Ihren persönlichen Belastungsfeldern zu geben, möchte ich Ihnen eine Einteilung in vier Stressorengruppen vorstellen. Jeder dieser Bereiche kann spezifische Stressoren beinhalten, die selbstverständlich auch in die anderen hineinwirken und sich oft gegenseitig bedingen.

1. Körperliche Stressoren

Zu den körperlichen Stressoren gehören unter anderem Bewegungsmangel, ungünstige Ernährungsgewohnheiten, Sauerstoffmangel, zu viel/wenig Licht, Kälte, Hitze, Zugluft, so genannter Elektrosmog, chemische Belastungen, Strahlungen und nicht zu vergessen: Lärm!

2. Geistig-intellektuelle Stressoren

Dieser Bereich hat nichts mit dem Intelligenzquotienten zu tun. Wir leben in einer Zeit, die bereits den Begriff »Fortbildungsstress« geprägt hat. Die Notwendigkeit, sich stets neuen Erkenntnissen und Entwicklungen anpassen zu müssen, verlangt ein hohes Maß an geistig-emotionaler Flexibilität und oft die Auseinandersetzung mit bislang unbekannter Materie. Die Rolle des Lernenden, obwohl schon ausgebildet und eigentlich »fertig«, begleitet uns möglicherweise bis ins hohe Alter. Eine permanente Anpassungsleistung ist erforderlich. Belastend wird es häufig dann, wenn man nicht eingearbeitet wird und es heißt »Machen Sie mal, Sie können das schon.«

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung gehört neben der Überforderung durch ein »Zuviel« auch die Unterforderung durch ein »Zuwenig« zu den belastenden Erfahrungen. Berichte von zahlreichen Arbeitslosen bezeugen, dass nach einer Weile des Nichtstuns, die genossen wird, schnell das Gefühl entsteht, es falle einem die Decke auf den Kopf. Das Selbstbewusstsein sinkt dann rapide und die Frustration steigt.

3. Seelisch-emotionale Stressoren

In diese Kategorie gehören all die Belastungen, die unseren Gefühlshaushalt betreffen. Das sind unbewältigte bzw. nicht konstruktiv ausgetragene Konflikte mit Partnern, Kindern, Vorgesetzten und Kunden, aber auch irrationale Ängste, Kummer und Sorgen. Auch fehlende Anerkennung und Wertschätzung, verloren gegangene Lebens- und Arbeitsperspektiven bis hin zu manifesten seelischen Erkrankungen, die behandlungswürdig sind, wie Depressionen und Angststörungen. Gerade die letztgenannten Faktoren belasten unseren Gefühlshaushalt und sind eng mit dem vierten Bereich verbunden.

4. Soziale und kommunikative Stressoren

Als vielleicht eklatantestes Beispiel lässt sich hier das Mobbing anführen, das systematische »Fertigmachen« am Arbeitsplatz. Das Wort kommt aus dem Englischen: »to mob« bedeutet über jemand herfallen, pöbeln. Jedoch sind beim »Mobbing« auch Aspekte des Informationsflusses und der Hierarchie von Bedeutung. Wer bekommt welche Informationen? Wem werden sie bewusst vorenthalten oder mitgeteilt? Fragen der Beteiligung und Ausgrenzung werden hier verhandelt. Der soziale Status und die Sicherheit in der beruflichen Rolle kommen als belastende Faktoren in Betracht. Und natürlich das Arbeitsklima, Fragen von Kooperation und Unterstützung im Gegensatz zu Neid, Missgunst und Gegeneinander.

Auch das Wechselspiel zwischen Privat- und Berufsleben ist hier angesprochen. Je nach Typ und Veranlagung kann der eine berufliche Belastungen am Arbeitsplatz zurücklassen, während der andere sie mit ins Privatleben schleppt und dort weiter darunter leidet. Aber auch umgekehrt: Mancher kann sich gut mit Arbeit ablenken, wenn er privat belastet ist, während dem nächsten genau das schwer fällt und er sich dann nicht konzentrieren kann.

Warnlämpchen beachten

Doch was passiert nun, wenn die negativen Stressoren zahlreich sind? Wann wird man krank? Gibt es eine Faustregel nach dem Motto »Wenn ich 6 Wochen lang jeden Tag 2 Überstunden mache, kriege ich garantiert einen Herzinfarkt«?

Leider gibt es solch einfache Zusammenhänge nicht. Man weiß jedoch, dass es – so banal es klingt – Grenzen gibt! Und die sind individuell sehr verschieden. Und bekannt ist auch, was geschieht, wenn diese Grenzen erreicht sind. Es ist ähnlich wie beim Auto. Der Körper und die Seele senden Signale, aktivieren gleichsam Warnlämpchen, die allerdings auch beachtet werden wollen! Und hier beginnt das Problem. Aus der Herzinfarktforschung ist bekannt, dass diese Hinweise oft übersehen werden, da es für die Betroffenen nicht immer leicht ist, diese Botschaften rechtzeitig wahrzunehmen und dann auch noch entsprechend zuzuordnen. Der Infarkt kommt dann scheinbar aus heiterem Himmel.

Heute spricht man auch von so genannten Krankheitsvorstufen. Die eine zeitlang gängige Gleichung Stress = Herzinfarkt ist aus heutiger Sicht zu undifferenziert. Dennoch hat sich aus diesen Erfahrungen eine wichtige Erkenntnis entwickelt. Es ist von entscheidender Bedeutung, die Selbstwahrnehmung zu schulen, um frühzeitig Zusammenhänge zu erkennen und dann entsprechend der erkannten und benannten Stressoren gegensteuern zu können.

Die Sprache des Körpers und der Seele

Ein paar Beispiele für solche Vorstufen und Signale können sein: überzufällig häufige Schlafstörungen, permanentes Grübeln, zunehmende Reizbarkeit, Erkältungen und Infekte, die nicht weichen wollen, Kopfschmerzen, depressive Stimmungsschwankungen, übertriebene Aktivität, nicht mehr abschalten können, sich ausgebrannt fühlen.

Erst wenn es nicht gelingt, diese Signale zu erkennen, ernst zu nehmen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, kommen Sie in den kritischen Bereich der so genannten psychosomatischen und psychosozialen Beeinträchtigungen.

Das Gute am Schlechten

Überspitzt formuliert können Sie froh sein, wenn Ihnen Belastungen auf den Magen schlagen, Sie »so einen Hals« oder den »Herzkasper« kriegen, Ihr Blutdruck sich verändert, die Sehleistungen schlechter werden, Rhythmusstörungen auftreten oder sich Ihr Magengeschwür meldet. Das ist gut so! Denn so paradox es klingt, manchmal ist es ganz gesund, krank zu werden. Ihr Körper hilft Ihnen möglicherweise dabei, das auszudrücken und sich das zu holen, was Sie bewusst nicht erkannt und umgesetzt haben: sich zu schonen, aufzutanken, abzugrenzen, eine Pause einzulegen und Abstand zu gewinnen oder einfach darüber nachzudenken, ob Ihre Lebensführung und Arbeitshaltung noch sinnstiftend und konstruktiv ist.

Häufig werden auch die sozialen Auswirkungen von Stress vernachlässigt. Negativer Stress vergiftet das Umfeld, das Betriebsklima, den Freundeskreis und die Partnerschaft.

Um diese kleine Einführung abzuschließen, möchte ich Ihnen nun noch drei wesentliche Bedingungen nennen, die zusammengenommen den ungünstigsten Dis-Stress darstellen. Aus der Sicht der Stressforschung sind dies wesentliche Bestandteile beim Zustandekommen von Stresserkrankungen.

1. Der Faktor »Zeit« und geringe Einflussnahme

Belastungen, die subjektiv »zu lange« anhalten, beeinträchtigen unsere Gesundheit ganz erheblich. Dabei ist von entscheidender Bedeutung, ob wir eine Aussicht auf Veränderung wahrnehmen bzw. eine Perspektive erkennen können.

Der schlimmste Stress für den Menschen besteht darin, das Gefühl zu haben, einer Situation ausgeliefert zu sein, sich ohnmächtig zu fühlen und keinen Einfluss nehmen zu können.

Der Forscher Sachsse hält den Menschen für diesen Zustand für am wenigsten vorbereitet. Saisonal bedingte Arbeitsbelastungen wie z. B. vor Fachmessen lassen sich besser ertragen, wenn man aus Erfahrung weiß, dass früher oder später wieder Ruhe einkehrt und die Überbeanspruchung ausgeglichen werden kann.

2. Untaugliche und fehlende Bewältigungsstrategien

Problematisch wird es, wenn in belastenden Situationen keine befriedigenden und konstruktiven Bewältigungsstrategien gefunden und entwickelt werden können, die zu realer und spürbarer Entlastung beitragen. Die bekannteste destruktive Strategie, mit Belastungen fertig werden zu wollen, ist sicherlich der Konsum von Alkohol und anderen Drogen. Das ist eventuell kurzfristig tauglich, langfristig jedoch eine Strategie, die neue Probleme schafft und Belastungen verstärkt statt mildert. Das wusste schon Heinz Rühmann, der erkannte: »Sorgen ertrinken nicht in Alkohol, denn sie können schwimmen.« Ein zweiter Aspekt ist hier das Versagen der bisherigen Strategien – bekanntlich funktioniert jede Strategie nur so lange, bis sie scheitert.

3. Fehlende Ressourcen und Unterstützung

Solange wir noch Personen haben, die uns unterstützen und wir über ausreichende Erholungsinseln verfügen, ist alles prima! Wenn diese jedoch ausfallen, zu schwach werden bzw. nicht mehr funktionieren, ist der Teufelskreislauf perfekt: Die Freizeit verkürzt sich und an Urlaub denken

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Mein Anti-Stress-Vertrag denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen