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Das Sauna-Konzil: Eine erfrischende Konfessionskunde

Das Sauna-Konzil: Eine erfrischende Konfessionskunde

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Das Sauna-Konzil: Eine erfrischende Konfessionskunde

Länge:
164 Seiten
1 Stunde
Freigegeben:
May 3, 2013
ISBN:
9783761560006
Format:
Buch

Beschreibung

Ein entspannender Saunaabend sollte es werden. Doch daraus wird nichts. Pastor Sören Warnke muss den nackten Tatsachen ins Auge sehen und sich zwischen Aufgüssen und schweißtreibenden Temperaturen seinem katholischen Amtskollegen stellen. Zu zweit in der Sauna entfachen sie eine Diskussion, die die kleinen aber feinen Unterschiede ihrer Kirchen offenlegt. Dabei geraten sie ein ums andere Mal kräftig ins Schwitzen. Aus dem zufälligen Treffen wird eine gewollte Gesprächsrunde, zu der schließlich auch ein Freikirchler eingeladen wird und eine Atheistin hinzustößt. Ohne Talar oder Beffchen, auf ihre Grundsätze reduziert, lernen sie sich und ihre Konfessionen besser kennen und stellen sich auch heiklen Themen wie Abendmahl, Taufe, Heiligenverehrung oder Prädestination. Eine angenehm erfrischende Erzählung für alle, die gerne mehr über die Unterschiede innerhalb der Konfessionen und Kirchlichen Gemeinschaften erfahren möchten - auf unkonventionelle Art und Weise.
Freigegeben:
May 3, 2013
ISBN:
9783761560006
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Das Sauna-Konzil - Albrecht Gralle

2

Wolkenstein hatte vor einer Woche einen Telefonanruf von Pfarrer Kent Ginstering bekommen und war über sein Anliegen erstaunt gewesen.

„Zu dritt in der Sauna?", hatte er schließlich ungläubig gefragt.

„Ja, warum nicht? In einer entspannten Atmosphäre die Gemeinsamkeiten und Unterschiede diskutieren."

„Hm." Das war das Einzige, was Wolkenstein dazu ein-fiel.

„Sie scheinen noch nicht so begeistert zu sein, was?"

„Na ja, hatte Wolkenstein gesagt, „ich wundere mich, dass Sören Warnke damit einverstanden war. Er lässt manchmal spitze Bemerkungen in meine Richtung los, wenn ich ganz ehrlich sein soll. Ich vermute mal, dass Sie es waren, der meinen Namen ins Spiel gebracht hat.

„Richtig."

„Tja, ich weiß nicht so recht", hatte Wolkenstein herumgedruckst.

„Warum zögern Sie? Was macht Ihnen Kopfzerbrechen, Herr Wolkenstein?"

Wolkenstein war schweigsam geworden, hatte schließlich geseufzt und gesagt: „Wissen Sie, ich habe keine Ahnung von der Sauna. Ich war noch nie dort. Ich fühle mich da sehr unsicher in diesen Dingen."

„Ach, das ist es! Die Stimme des Priesters klang nach einem Lächeln. „Ich werde Sie nicht verraten und Ihnen dezente Hinweise geben. Wissen Sie was? Ich schicke Ihnen eine E-Mail und erkläre Ihnen, wie das normalerweise abläuft, dann sind Sie nicht ganz so ahnungslos.

„Na gut, hatte Wolkenstein schließlich eingewilligt, „wenn sich jemand so viel Mühe gibt, muss das belohnt werden.

„Genau."

Vier Wochen später stand Leonard Wolkenstein tatsächlich zum ersten Mal in seinem Leben im Umkleideraum einer Sauna.

Ginstering schlang sich gerade das Handtuch gekonnt um die Hüften. Ein Teil stand über, den er dann feststeckte. „Hab ich in einem Hamam in Istanbul gelernt", erklärte er. Wolkenstein nestelte an seinem Schlüsselband.

„Fehlt nur noch Sören Warn …"

Die Tür ging auf und der Lutheraner betrat mit großen Schritten den Umkleideraum.

„Zu spät losgekommen, murmelte er, „Vorweihnachtsstress.

„Kein Problem, meinte Kent Ginstering, „ist ja schließlich keine Arbeitssitzung. Sie reichten sich die Hand.

„Eine großartige Idee, sich in der Sauna zu treffen, meinte Wolkenstein und lächelte leicht verlegen. Er fühlte sich noch unsicher und wusste nicht, wie ernsthaft sich dieses „Projekt gestalten würde. Aber es war einen Versuch wert. Ginstering konnte er ja leiden, aber bei Warnke hatte er Vorbehalte. Na gut, er würde mitmachen und sehen, was sich daraus entwickelte.

Sie duschten sich schweigend. Diesmal waren noch zwei weitere Männer anwesend. Vielleicht konnte man sich ja einen Saunaraum aussuchen, der leer war.

Verstohlen betrachtete Wolkenstein die hochkirchliche Geistlichkeit im Adamskostüm. Der Priester war noch jung und drahtig und schien ein wenig Sport zu treiben, allerdings lichteten sich bereits die Haare vorne etwas. Warnke hatte deutliche Ansätze eines Bauches, war mindestens fünfzehn Jahre älter als Ginstering und trug die Haare extrem kurz. Wolkenstein seifte sich ein und dachte, dass er genauso wenig sportlich aussah wie Warnke, dafür aber noch volle Haare hatte, die grauweiß leuchteten.

Sie saßen in der Fünfundneunzig-Grad-Sauna, weil sie gerade leer war. Das Feuer brannte lautlos hinter Glas und die dunklen Steinwände strahlten die Hitze zurück.

Wolkenstein zog überrascht die Luft ein. So heiß hatte er es sich nicht vorgestellt. Aber er ließ sich nichts anmerken. Sie nahmen auf ihren Handtüchern Platz. Wolkenstein wusste Bescheid. Ginstering hatte ihm alle Schritte genau aufgeschrieben. Irgendwie rührend.

„Womit fangen wir an?, fragte der Priester. „Irgendein Thema, dass uns auf den Nägeln brennt?

„Ich hab eigentlich nie ganz verstanden, begann Warnke, „warum man bei euch Katholiken zu den Heiligen betet, besonders zu Maria, das scheint mir gegen das erste Gebot zu sein. Du sollst keine anderen Götter …

„Halt, halt! Der Priester hob die Hände. „Streichen wir zuerst das Wort anbeten. Natürlich gehört die Anbetung Gott allein. Das ist klar, aber wir nehmen eben die unsichtbare Kirche ernster als ihr Protestanten, es ist ‚die Wolke der Zeugen, die uns umgibt‘, wie es im Hebräerbrief heißt.

„Aber, meine Güte, deswegen muss man doch nicht gleich zu ihnen beten", warf Leonard Wolkenstein ein.

Der Priester lachte: „Aber das machen Sie doch auch!"

„Was? Wolkenstein schüttelte den Kopf. „Ich bete zu keinem Heiligen! Ich wähle immer den direkten Draht zu Gott. Keine Umwege.

„Passen Sie mal auf, fuhr Ginstering fort, „nehmen wir einmal an, Sie haben ein dickes Problem in Ihrer Familie, bei dem Sie nichts machen können und wo nur noch Beten hilft. Und nun gehen Sie zu einem guten Freund, von dem Sie wissen, dass er gläubig ist und fragen ihn: ‚Du, sag mal, wir haben dieses Problem, kannst du nicht mal für uns beten?‘

„Ja, klar, das kann schon mal vorkommen, aber ich weiß nicht, was das …"

„Der Unterschied bei uns Katholiken ist nur, dass wir eben die Heiligen zusätzlich einspannen. Wir bitten sie, dass sie Fürbitte bei Gott einlegen."

„Na ja, meldete sich Warnke und fuhr sich über seine feuchte Fastglatze, „aber die Heiligen sind schließlich tot.

„Genau, ereiferte sich Wolkenstein, „und ist es uns nicht verboten, zu Toten Kontakt aufzunehmen? Er ließ sich befriedigt auf die Bank zurücksinken und stützte sich mit den Händen hinten ab.

„Es ist verboten, die Toten zu beschwören", sagte Ginstering leicht verschnupft über die Unterstellung. „Wir wissen, dass die Heiligen bei Gott sind und für uns gerne eintreten. Es ist eine ganz normale Angelegenheit, nur, dass der Kreis der Fürbitter bei uns weiter gezogen

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