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Das alte Pommern: Leben und Arbeiten auf dem platten Land

Das alte Pommern: Leben und Arbeiten auf dem platten Land

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Das alte Pommern: Leben und Arbeiten auf dem platten Land

Länge:
152 Seiten
48 Minuten
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 30, 2011
ISBN:
9783356014716
Format:
Buch

Beschreibung

Die preußische Provinz Pommern war ein klassisches Agrarland. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten und arbeiteten rund 60 Prozent der Bevölkerung auf dem Land. Das Leben unterlag dem jahreszeitlichen Rhythmus, wie ihn die Landwirtschaft vorgab. Nicht nur die Arbeit mit ihren saisonalen Spitzen in der Saat- und Erntezeit, auch das Fest- und Brauchtum der Bevölkerung orientierte sich danach. Trotzdem war das Landleben nichts unverrückbar Statisches. Der technische Fortschritt hielt hier genauso Einzug, wie sich größere politische und wirtschaftliche Zusammenhänge bemerkbar machten. All dies ist bereits früh fotografisch dokumentiert worden. Versehen mit einer allgemeinen Einleitung und thematischen Texten zeigt dieser Band eine repräsentative Auswahl aus den fotografischen Sammlungen des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald. Sie werden durch weitere Fotos, auch aus Privatbesitz, ergänzt und bieten einen faszinierenden Ein- und Rückblick auf die Lebens- und Arbeitswelt im alten Pommern zwischen 1900 und 1945.
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 30, 2011
ISBN:
9783356014716
Format:
Buch

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Das alte Pommern - Dirk Schleinert

1930er-Jahre

Landwirtschaft und ländliches Leben in Pommern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

»Von allen verschiedenen Zweigen der Erwerbstätigkeit steht in Pommern obenan die Landwirtschaft. Sehen wir von dem Stettiner Handel und einigen Industrien ab, so ist die Provinz eine vorwiegend agrarische, wie denn auch viele Bewohner der kleinen Städte entweder selbst Ackerbau treiben oder auf das umgebende Land mit Bauerndörfern und Gütern angewiesen sind.«

So beginnt Professor Wilhelm Deecke den Abschnitt »Erwerbsleben« in seiner 1912 veröffentlichten »Landeskunde von Pommern«. Unter Pommern wollen wir in diesem Band die gleichnamige preußische Provinz verstehen, wie sie 1815 gebildet wurde und bis zum Kriegsende 1945 existierte. Die Pommern 1938 zugeordneten Teile der aufgelösten Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen finden sich zwar auch auf den Bildern, im Text bleiben sie jedoch weitestgehend unberücksichtigt. Wegen ihrer nur kurzen Zugehörigkeit zur Provinz sind sie nämlich in der dieser Darstellung zu Grunde liegenden Literatur so gut wie nicht enthalten.

Pommern war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zweifellos ein Agrarland und die Gebiete, die zur Provinz gehörten, sind es noch heute, auch wenn die Landwirtschaft längst nicht mehr eine so große Zahl an Menschen ernährt wie vor 50 oder 70 Jahren. Ein Blick auf die Verteilung der Bevölkerung verdeutlicht die Dimensionen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Pommern etwas mehr als 1 700 000 Einwohner. Das entsprach bei einer Fläche von 30 120 km² einer Bevölkerungsdichte von knapp 57 Einwohnern pro km². Die Provinz zählte damit zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Preußens und Deutschlands. Nur Ostpreußen wies eine noch geringere Bevölkerungsdichte auf. Rund 43 % der Einwohner lebten 1910 in den Städten und knapp 57 % auf dem Land. Von 1 000 Beschäftigten arbeiteten, nach der Berufszählung von 1907, 473 in der Landwirtschaft, im Regierungsbezirk Köslin sogar 600. In der Industrie arbeiteten dagegen in der ganzen Provinz 231 und im Regierungsbezirk Köslin 175 Beschäftigte von Tausend. Zum Vergleich seien die Zahlen in Preußen und im Reich genannt: Landwirtschaft 326 (Preußen) bzw. 327 (Reich) und Industrie 371 (Preußen) bzw. 372 (Reich).

Ein teilweise anderes Bild bietet sich zu Beginn der 1930er-Jahre. Nach der Bevölkerungszählung von 1933 hatte Pommern 1 920 897 Einwohner, was einer Bevölkerungsdichte von 63,5 Einwohnern pro km² entsprach. Der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten war jedoch auf 38,1 % gesunken. Insbesondere Stettin und sein Umland wiesen mit Zahlen zwischen 25 und 31,5 % noch deutlich geringere Werte auf und auch auf dem Inselkreis Usedom-Wollin arbeiteten nur 25,2 % der Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft. Die Hafenstadt Swinemünde und der Fremdenverkehr werden für diese Werte maßgeblich verantwortlich gewesen sein. Dagegen waren auf der Insel Rügen damals noch über 43 % der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft tätig. Aber den größten Anteil machten diese Erwerbszweige weiterhin im östlichen Hinterpommern, im Regierungsbezirk Köslin, aus. Hier lagen die Werte der Kreise fast durchgängig bei über 50 %, lediglich der Kreis Dramburg blieb mit 49,6 % ganz knapp darunter. In den Landkreisen Kolberg-Körlin und Stolp erreichten sie mit 73,5 bzw. 70,4 % die Spitzenwerte der Provinz.

Eine Betrachtung der Flächenverteilung unterstreicht den agrarischen Charakter Pommerns. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden über 70 % der Gesamtfläche der Provinz landwirtschaftlich genutzt. Der Acker nahm dabei mit 55 % der Gesamtfläche den weitaus größten Teil ein, gefolgt von rund 10 % Wiesen und rund 6 % Weideflächen. Bis 1937 hatte sich der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LNF) am Gesamtgebiet auf 64,8 % verringert. Von der LNF nahm das Ackerland mit 77,2 % weiterhin den größten Anteil ein, gefolgt von Wiesen mit 14,5 und Weiden mit 7 %. Das Verhältnis der Nutzungsarten der LNF zueinander hatte sich also kaum verschoben. Gemessen an Bevölkerung und Fläche produzierte die Provinz Pommern am Vorabend des Zweiten Weltkrieges einen Überschuss an landwirtschaftlichen Produkten, wie das Schaubild unten verdeutlicht.

Die Ursachen für die ausgebliebene Industrialisierung während des 19. Jahrhunderts sind in der Rohstoffarmut des Landes zu suchen. Insbesondere fehlte es an Kohle als Energieträger für die Dampfkraft, die in dieser Zeit im wahrsten Sinne des Wortes der Motor des technischen Fortschritts war, und an Erzen als Rohstoff für die metallverarbeitende Schwerindustrie. Lediglich der verkehrsmäßig günstig gelegene Hafen von Stettin ermöglichte der Provinzhauptstadt am Unterlauf der Oder eine aus dem Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklung herausfallende Industrialisierung. Die anderen Hafenstädte, die wie zum Beispiel Stralsund im Mittelalter stolze und reiche Hansestädte waren, stagnierten dagegen wegen ihrer ungünstigen Lage. Die immer größer werdenden Schiffe konnten ihre Häfen nicht mehr ansteuern und die großen Warenströme flossen ohnehin an ihnen vorbei. Sie wurden zu Handelsplätzen des Umlandes. Stralsunds Wirtschaftsbezirk, wie er sich unter anderem im Einzugsbereich der dortigen Industrie- und Handelskammer darstellte, umfasste den Regierungsbezirk Stralsund, d. h. die Insel Rügen und das angrenzende Festland bis

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