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Um Krone und Liebe: Die Macht der Geschichte
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eBook232 Seiten3 Stunden

Um Krone und Liebe: Die Macht der Geschichte

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Über dieses E-Book

"Andere mögen Kriege führen, du, glückliches Österreich, heirate!". Trotz der jahrhundertlange Gültigkeit dieses Leitspruchs war die Zeit der Habsburger keineswegs eine einzige Friedensperiode. Der Kampf um Krone und Macht wurde mit aller Härte geführt. Manche Heirat, die zunächst vielversprechend und vorteilhaft erschien, erwies sich als unheilvoll und problematisch. In den seltensten Fällen waren die aus politischen Gründen arrangierten Ehen glücklich. Die Autorin stellt in diesem Buch höchst private Sorgen und Nöte der Herrscherfamilie dar, gewährt darüber hinaus aber auch einen Blick auf die glücklichen und freudvollen Tage der Habsburger. Wie kaum eine andere Autorin versteht es Sigrid-Maria Größing österreichische Geschichte und ihre großen Herrscherpersönlichkeiten dem Leser packend und verständlich zu präsentieren.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum11. Nov. 2014
ISBN9783902998767
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    Um Krone und Liebe - Sigrid-Maria Größing

    Der kleine David schlug den Riesen Goliath bei Dürnkrut und Jedenspeigen

    Dem deutschen König Rudolf von Habsburg gelang es, den mächtigen Böhmenkönig Ottokar, der sich ihm nicht beugen wollte, in einer gewaltigen Schlacht auf dem Marchfeld zu besiegen.

    Düster und wirr war die Zeit, die Welt schien aus den Fugen geraten, als der letzte Staufer, der junge Konradin, im Jahre 1268 in Neapel hingerichtet wurde. Diese Hiobsbotschaft hatte sich im Reich wie ein Lauffeuer verbreitet, ungläubig schüttelte man den Kopf, so etwas hatte es noch nie gegeben! Recht und Ordnung waren mit Füßen getreten, wer sollte bei der allgemeinen Unsicherheit in allen Teilen des Landes in Zukunft überhaupt noch eine Königskrone tragen? Die »kaiserlose, die schreckliche Zeit« war angebrochen, Mord und Totschlag standen auf der Tagesordnung, verarmte Ritter überfielen friedliche Handelsleute, Lehensherren pressten das letzte Getreidekorn aus den ausgemergelten Bauern und keiner war seines Lebens mehr sicher.

    Als die Lage im Reich völlig außer Kontrolle zu geraten schien, waren es die drei Kurfürsten von Köln, Mainz und Trier, die als Erste den Entschluss fassten, dass es so nicht weitergehen konnte. Es dauerte nicht lange, da hatten sie auch ihre drei anderen »Kurfürstenkollegen« überzeugt, dass man endlich zur Tat schreiten müsste, um einen neuen Herrscher für das Reich zu wählen. Lediglich der 7. Kurfürst, König Ottokar von Böhmen, schien von diesem Plan nicht sehr begeistert zu sein, es wäre denn, man wählte ihn zum deutschen König.

    Ottokar hatte schon vor einiger Zeit großes Aufsehen nicht nur in Böhmen erregt, als er die ältliche, verwitwete Margarete von Babenberg zum Traualtar geführt hatte. Dabei war die Frau, die die Mutter des Böhmenkönigs hätte sein können, dem jungen Mann nicht freiwillig ins Ehebett gefolgt, beinah mit Gewalt hatte sie Ottokar aus dem Kloster geholt, wo sie in frommer Hingabe nach dem Tod ihrer Familie ihren Lebensabend beschließen wollte. Aber sie war keine Privatperson! Nach dem überraschenden Tod ihres Bruders Friedrich in der Schlacht an der Leitha war sie zur reichen Erbin der österreichischen Länder und der Steiermark geworden. Eine reizvolle Partie für einen ehrgeizigen jungen König! Da konnte er schon die ältliche Margarete als offizielle Ehefrau in Kauf nehmen. Für vergnügliche Stunden – und die schätzte der lebensfrohe Böhme über alles – hatte er immerhin ein feuriges Liebchen parat, die rassige Ungarin Kunigunde von Halicz.

    Nach der ersten Empörung über die ausgeklügelte Taktik des Böhmenkönigs beruhigte man sich im Reich, verfolgte aber die politischen Aktionen Ottokars ganz genau, wobei allerdings nur die Vertreter des Adels bedenklich den Kopf wiegten. Denn es konnte nicht angehen, dass Ottokar ihre Vorrechte zugunsten der Bürger und Handwerker einschränkte, dass in der Steiermark soziale Reformen durchgeführt wurden, die den Bergarbeitern und Bauern zugutekamen. Wo sollte es hinführen, wenn ein König gleichsam gegen seinesgleichen vorging und das gemeine Volk bevorzugte? Irgendetwas musste in der nächsten Zeit gefunden werden, wodurch man den immer reicher werdenden Böhmenkönig zu Fall bringen konnte!

    Den ersten Anlass bot Ottokar den Reichsfürsten, als er nicht zur Wahl des neuen deutschen Königs erschien. Als man sich auf Rudolf von Habsburg geeinigt hatte, stand nur der Protest des Böhmenkönigs im Raum. Schon damals hatte man ahnen können, dass es zwischen dem neuen König, der am 1. Oktober 1273 in Frankfurt gewählt worden war, und dem mächtigen Böhmen zu einer gewaltigen Auseinandersetzung kommen würde. Denn obwohl Rudolf von Habsburg weite Gebiete besaß oder erworben hatte, sah Ottokar auf ihn, auf den armen »Bettelgrafen« herab. Der würde ihm sicherlich nicht das Wasser reichen können.

    Der Böhmenkönig beging mit der Verhöhnung des frisch gekrönten Königs einen tödlichen Fehler, denn plötzlich sah man in Rudolf den Hoffnungsträger für eine geordnete Zukunft, dem sich die meisten beugen wollten, indem sie Reichsgut, das sie sich widerrechtlich angeeignet hatten, zurückgaben oder aus der Hand König Rudolfs wieder empfingen. Auch Ottokar wurde vorgeladen, damit er von Rudolf belehnt werden konnte. Aber wie es nicht anders zu erwarten war, leistete dieser den Ladungen des deutschen Königs nicht Folge. Erst als er merkte, dass sich auch in seinen Ländern Widerstand gegen ihn bemerkbar machte, lenkte er zum Schein ein. Er verzichtete offiziell auf die österreichischen Länder und nahm Böhmen und Mähren zu Lehen.

    Dass dieser Vorgang eine regelrechte Schmach für den stolzen jungen Mann bedeutete, erkannten nicht nur die Getreuen König Rudolfs, er begann auch in Böhmen sein Gesicht zu verlieren. Wollte er nicht in Schande untergehen, musste er die politischen Karten neu mischen. Er begann den Kurfürsten einzuflüstern, dass es für ihre Position nur von Nachteil sein konnte, wenn Rudolf zu viel Hausmacht erwarb, und es dauerte nicht lange, da fiel einer um den anderen von Rudolf ab und schlug sich auf die Seite Ottokars. Auch die Wiener waren dabei.

    Aber noch gab es eigentlich keinen Anlass zum Kampf um die Macht im Reich. Wenn man sich auch zähneknirschend gegenüberstand, die Heere waren noch nicht aufmarschiert, der Kriegsgrund musste erst gefunden werden. Und den lieferte Ottokar selber, denn schon seit geraumer Zeit hatte er Gerüchte ausstreuen lassen, dass seine Gemahlin Margarete sich nichts sehnlicher wünschte, als wieder ins Kloster zurückkehren zu können, da sie ohnedies ihrem Gemahl keinen Erben mehr schenken könnte. Hatte man anfangs an diese Botschaften geglaubt, so wurde man allmählich skeptisch, denn immer übler wurden die Aussagen über die alte Königin. Da konnte nur eine Finte Ottokars dahinterstecken! Als sich schließlich Margarete in ihrer Not an Rudolf um Hilfe wandte, war die Sache sonnenklar: Der deutsche König, der Schützer der Witwen und Waisen, würde auch die Würde von Königin Margarete verteidigen. Und da Ottokar außerdem nicht bereit war, seinen Verzicht auf Österreich zu erneuern, kam dies für König Rudolf einer Kriegserklärung gleich.

    Im August des Jahres 1278 marschierten die beiden Heere zwischen Dürnkrut und Jedenspeigen auf. Es entwickelte sich ein verheerender Kampf Mann gegen Mann, wobei die beiden Könige mitten im Schlachtgetümmel standen. Mehrmals wurde Rudolf von einem seiner Getreuen vor dem sicheren Tod gerettet, während Ottokar nicht mit diesem Schutz rechnen konnte. Zu verhasst war er mittlerweile in den eigenen Reihen geworden, ja er musste jeden Moment damit rechnen, hinterrücks umgebracht zu werden.

    Als sich schließlich das Schlachtglück eindeutig auf die Seite Rudolfs geneigt hatte, ließ der König das mit Leichen übersäte Schlachtfeld absuchen, um seinen geschlagenen Gegner zu finden. Männer legten die entstellte Leiche Ottokars dem deutschen König zu Füßen, der den nackten Leib des toten Gegners ritterlich mit einem Pupurtuch bedeckte. Der Böhmenkönig war nicht in der Schlacht gefallen, sondern aus Privatrache ermordet worden.

    Die Schlacht auf dem Marchfeld, an die heute noch Anfang August in Jedenspeigen mit einem historischen Umzug erinnert wird, läutete eine neue Ära in der Geschichte ein: Rudolf von Habsburg belehnte seine beiden Söhne »zu gesamter Hand« mit Österreich, das dadurch für viele Jahrhunderte unter die Herrschaft der Habsburger kam.

    Rudolf von Habsburg, dem man im Reich wahrhafte Anerkennung zollte, schmälerte sein Ansehen innerhalb kurzer Zeit. Als im Jahre 1281 seine Gemahlin Gertrud, die ihm zehn Kinder geboren hatte, starb, ehelichte er mit seinen 66 Jahren sehr rasch die erst 14-jährige Agnes – eine Heirat, die selbst in dieser Zeit zu spöttischen Bemerkungen Anlass gab. Die junge Frau hatte keine andere Aufgabe mehr, als ihren todkranken Gemahl nach Speyer zu begleiten, wo er begraben sein wollte. Diesen Wunsch erfüllte sie ihm wahrscheinlich gern!

    Ein Aberglaube raubte ihm die Liebe seiner Untertanen

    »Hütet euch vor den Gezeichneten«, so ging ein Raunen durch die Menschenmenge, wenn König Albrecht I. sich dem Volke zeigte. Überall wichen die Männer und Frauen entsetzt zurück, die zu seiner Begrüßung erschienen waren, denn er hatte nur ein Auge, auf dem anderen war er blind.

    Es war eine Tragik des Schicksals gewesen, dass sich der stets gesunde, tatkräftige junge Mann im Jahr 1295 eine schwere Vergiftung zugezogen hatte, deren Ursachen niemand kannte. Vielleicht hatten die Köche schon leicht verdorbene Lebensmittel verarbeitet oder aber ein gedungener Mörder hatte unter die Speisen Gift gemischt, denn plötzlich begann sich Albrecht in Krämpfen zu winden, so dass die herbeigeeilten Ärzte ihm purgierende und abführende Mittel verabreichten. Aber die Koliken wurden immer ärger und schließlich verlor der junge Mann das Bewusstsein. Alle, die ihn umstanden, waren sich darin einig: Albrecht war ein Todeskandidat. In dieser verzweifelten Situation kam man schließlich auf die Idee, den Herrscher an beiden Beinen verkehrt aufzuhängen, damit das Gift aus dem Körper fließen konnte. Wie lange Albrecht so hing, ist nicht bekannt. Er überlebte die Prozedur tatsächlich, ein Auge war aber zerstört worden.

    König Rudolf, Albrechts Vater, hatte mehr als genug Probleme zu lösen, kümmerte sich aber dennoch vorbildlich um seine Kinder, selbst die Braut hatte er für den noch nicht zehnjährigen Knaben ausgesucht, natürlich nicht nach deren Schönheit oder Liebreiz, sondern einzig und allein nach ihrer Mitgift. Obwohl mit Graf Theobald von Bar schon ein Heiratsvertrag abgeschlossen war, legte anscheinend Meinhard von Tirol noch ein Scherflein dazu, denn schließlich ehelichte Albrecht im Jahre 1274 dessen Tochter Elisabeth. Er hatte wohl daran getan, denn nicht nur der Schwiegervater war ein reicher und mächtiger Mann, sondern Elisabeth erwies sich als eine ungewöhnliche Frau, die wie durch ein Wunder die Geburt von 21 Kindern überlebt und in der Albrecht eine ideale Gefährtin gefunden hatte, die ihn, soweit es ihre Schwangerschaften ermöglichten, überallhin begleitete und ihm als starke Frau mit Rat und Tat zur Seite stand.

    Es gab ihm Leben Albrechts nämlich wenig Menschen, auf die er sich felsenfest verlassen konnte. Nachdem sein Vater im Jahre 1291 die Augen für immer geschlossen hatte, musste er rasch erkennen, dass die Herrschaft der Habsburger nirgendwo wirklich gefestigt war. Antihabsburgische Tendenzen entwickelten sich nicht nur im Reich, auch in Wien begann man sich gegen die Maßnahmen aufzulehnen, die Albrecht nach dem Tode seines Vaters durchzusetzen suchte.

    Helle Empörung flammte gegen ihn auf, als er der Stadt die Reichsunmittelbarkeit entzog, etwas, was er nach einiger Zeit wieder rückgängig machte. Um aber vor allem die Wiener Zünfte zu besänftigen, räumte er diesen weitgehende Privilegien ein, auf die sie sich noch zwei Jahrhunderte beriefen. Da Albrecht von Anfang an das Ziel verfolgte, überall im Land Neuerungen und Verbesserungen einzuführen, zog er von Stadt zu Stadt, um sich überall über die Zustände zu informieren. Als glänzender Organisator, der er war, begann er sein Reformprogramm beinah an Ort und Stelle. Aber so wie zu allen Zeiten erkannten seine Mitmenschen die zukunftsorientierten Absichten nicht, man machte ihm rundherum das Leben schwer. Rebellion gegen den jungen Herzog stand auf der Tagesordnung! In Ungarn und Böhmen, aber auch in der Steiermark formierten sich die Feinde, so dass es ihm nur durch wagemutige Bravourstücke zu zeigen gelang, wer immer noch Herr in den Landen war. Die Steirer führten die Liste der Aufmüpfigen an und erhoben sich mitten im Winter gegen Albrecht, da sie vermuteten, dass es dem Herzog nicht möglich sein würde, mit einem Heer über den tiefverschneiten Semmering zu ziehen. Sie hatten sich gewaltig in dem dynamischen, waghalsigen Mann getäuscht. Nachdem er und seine Mannen sich durch den tiefen Schnee gekämpft hatten, besiegte er die Steirer und zwang sie in seine Abhängigkeit.

    Diese schier unglaubliche Geschichte machte auch im Reich die Runde und stimmte die Kurfürsten immer bedenklicher, einen Machtmenschen wie Albrecht zum König zu wählen. Man wollte jedwedes Risiko vermeiden und wählte daher 1292 einen Mann zum König, der weder Macht noch Geld besaß: Adolf von Nassau. Hatte man vermutet, dass der verschmähte Habsburger die Wahl anfechten würde, so hatte man sich gründlich getäuscht. Albrecht unterwarf sich zunächst Adolf von Nassau und nahm seine Länder aus dessen Händen zu Lehen. Er wusste, Adolf von Nassau würde schon sehr bald einen entscheidenden Fehler begehen, der ihn dann selber zum König machen würde. Albrecht hatte sich nicht verrechnet. Die Kurfürsten setzten den Bettelkönig kurzerhand ab und wählten diesmal Albrecht zum deutschen König, dem man allerdings erst nach einem intriganten Zwischenspiel tatsächlich in Aachen die Krone aufs Haupt drückte.

    In Rom jedoch hatte der Handel großes Aufsehen erregt. Papst Bonifaz VIII. durchschaute die Lage sofort und wusste, dass ihm in Albrecht ein mächtiger Herrscher gegenüberstand, der seinen Willen mit allen Mitteln durchzusetzen suchte. Und das war etwas, was die machthungrigen Päpste der damaligen Zeit in keiner Weise schätzten. Bonifaz VIII. schritt gleich nach der Wahl Albrechts zur Tat: Er bekämpfte den neuen König auf allen Linien, bezeichnete ihn als Rebell und Thronräuber, als Majestätsverbrecher und Kirchenverfolger und forderte ihn auf, binnen sechs Monaten Rechenschaft über seine Taten abzulegen. Wahrscheinlich hatte der Papst die Absicht verfolgt, Albrecht herauszufordern. Aber er sollte sich gründlich geirrt haben. Denn der neue König zeigte sich lammfromm und erfüllte die Forderungen von Bonifaz bis ins Kleinste. Sein Ziel war es nämlich, in der nächsten Zeit die Hände frei zu bekommen und die habsburgische Hausmacht im Osten als auch im Westen zu vermehren, ja selbst die Herrschaft über Gebiete in Holland, Seeland und Friesland strebte er an, was natürlich die drei rheinischen Kurfürsten in Angst und Schrecken versetzte. Aber durch Handelserleichtungen brachte Albrecht die rheinischen Städte auf seine Seite, so dass es ihm gelang, selbst die Kurfürsten in die Schranken zu weisen.

    Albrechts Leben war ein einziger Kampf gegen die Feinde von außen, gegen die Kurfürsten und gegen den Papst. Für diese Auseinandersetzungen war er durch sein Temperament gerüstet, den Kampf gegen die Vorurteile, die in seiner Zeit herrschten, musste er absolut verlieren. Er war ein Gezeichneter! Und da man ihn selber auf Grund seiner ununterbrochenen Reisetätigkeit kaum zu Gesicht bekam, glaubten die Leute an die Schauermärchen, die landauf, landab kolportiert wurden. Wenn ihn dies auch nicht unmittelbar berührte, so fanden sich auch innerhalb seiner Familie Personen, die ihm nicht wohl wollten, wie der Sohn seines Bruders Rudolf Johann. Der junge Mann sah sich durch den Oheim um das Erbe seines Vaters betrogen und sann auf Rache, obwohl ihn Albrecht zum Mitregenten in den Stammlanden eingesetzt hatte. Als der König eines Abends in Winterthur ein Gastmahl gab, bei dem der Wein in Strömen floss, liess er zu vorgerückter Stunde jedem Gast einen Blumenkranz überreichen. Als man Johann das Gebinde überreichte, schleuderte er dem König die Blumen ins Gesicht und schrie, er wäre zu alt, um weiterhin mit Blumen abgespeist zu werden, er wolle das, was ihm zustünde.

    Ein Paukenschlag hatte das fröhliche Fest beendet, betreten verabschiedeten sich die Gäste, sie ahnten nicht, dass sie den König zum letzten Mal gesehen hatten. Denn schon am nächsten Tag lauerte Johann dem Oheim auf, der seine Gemahlin endlich wiedersehen wollte, ritt auf ihn zu und spaltete ihm, ohne ein Wort gesprochen zu haben, mit einem Hieb den Schädel.

    Johann Paricida – der Königsmörder – sollte seines Lebens nicht mehr froh werden. Zwar dauerte es bis September 1309, bis die offizielle Ächtung des Königsmörders in Speyer durch den neuen König Heinrich von Luxemburg bekannt gegeben wurde. Zu dieser Zeit weilte Johann allerdings schon in einem Kloster in Pisa, wo der Königsmörder selbst von den beinah alles verzeihenden Mönchen zutiefst verachtet wurde.

    Der Hagestolz und die Prinzessin

    An der Seite ihres griesgrämigen Gemahls Kaiser Friedrich III. stand der jungen Eleonore ein trauriges Schicksal bevor.

    »Den will ich und sonst keinen«, soll die kleine kapriziöse Prinzessin Eleonore von Portugal voller Freude ausgerufen haben, als die Abgesandten aus dem fernen Österreich die Werbung König Friedrichs um ihre Hand überbrachten und ihr ein Konterfei des eventuellen Zukünftigen überreichten. Was Eleonore in ihrer Spontaneität nicht ahnen konnte, war, dass sie, ohne lange zu überlegen, ihre Zukunft besiegelte, die sich als keineswegs rosig erweisen sollte. Denn der Bräutigam war ein überstandener Mann, der eigentlich auf Grund seines eigenbrötlerischen Wesens niemals hätte heiraten dürfen. Mit seinen 32 Jahren war er ein Junggeselle wie aus dem Bilderbuch. Ungewöhnlich groß, schritt er leicht gebeugt durchs Leben und wirkte mit seinem fahlen semmelblonden Haar schon von weitem ausgesprochen griesgrämig. Bis dahin war es noch keiner Dame bei Hofe gelungen, sein Herz zu entflammen, und es schien ganz so, als würde der königliche Sonderling ohne Erben diese Welt dereinst verlassen. Allmählich wurde es auch dem asketischen Friedrich klar, dass spät, aber doch die Zeit für ihn gekommen war, auf Brautschau zu gehen. Und da er sich in seiner menschenscheuen Art nicht selbst dazu in der Lage fühlte, hörte er auf den Rat von Sigismund dem Münzreichen von Tirol, der ihm schließlich die blutjunge portugiesische Prinzessin als Gemahlin vorschlug. Nachdem schließlich die Hofastrologen, die von Friedrich zu Rate gezogen worden waren, auch durch ihr Horoskop bestätigten, dass Eleonore die richtige Frau für ihn sein würde, schickte er zwei vertrauenswürdige Geistliche ins ferne Portugal, wo sie die Braut in Augenschein nehmen sollten, denn Friedrich war nicht der Mann, der die Katze im Sack kaufte.

    Nachdem die Vorverhandlungen

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