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Fotografieren lernen: Band 1: Die technischen Grundlagen: Kameras, Objektive und Zubehör

Fotografieren lernen: Band 1: Die technischen Grundlagen: Kameras, Objektive und Zubehör

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Fotografieren lernen: Band 1: Die technischen Grundlagen: Kameras, Objektive und Zubehör

Bewertungen:
4/5 (2 Bewertungen)
Länge:
738 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 6, 2013
ISBN:
9783864913075
Format:
Buch

Beschreibung

In der Reihe 'Fotografieren lernen' wecken die Autoren das Verständnis für die Zusammenhänge in der Fotografie. Im ersten Band lernt der Leser, die Kameratechnik und Optik zu durchschauen und die Bedienung seiner Kamera zu beherrschen. So erlangt er die nötige Sicherheit im Umgang mit seiner Kamera, die ihm hilft, seine Bildideen erfolgreich fotografisch umzusetzen. Darüber hinaus sind die vermittelten Kenntnisse sehr hilfreich für die Zusammenstellung einer Ausrüstung. Die ansprechenden Beispielfotos und Infografiken machen das Lesen zu einem visuellen Vergnügen, das zum Nachahmen anregt.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 6, 2013
ISBN:
9783864913075
Format:
Buch

Über den Autor

Born in 1981, Cora has been photographing since 2002. Her craft is unique in that she almost always has the finished, edited image in her mind when she releases the shutter. She opts to shoot infrequently but with great intention and purpose. Cora's visual language is clean and quiet. She likes light, bright images featuring harmonious, subtle, and desaturated colors, and she is a borderline perfectionist when it comes to designing her images. Her award-winning photography has been exhibited in international competitions. Cora's diverse photographic interests include portrait, beauty, fashion, nude, erotic, and floral photography. Top quality color management is a part of her daily craft, which she produces consistently for initial exposures, fine-art prints, and everything in between. Professionally trained in the cultural sciences, she works as a freelance graphic designer and photo editor for exacting photography publications. Together with Georg, she also works as a writer for magazine and book publishers and develops concepts for educational materials about photography. Her contract work ranges from stylish arrangement and ideal lighting for product photography to portraits and aesthetic nude and erotic images. She directs the contract photography curriculum for the artist's workshop at Artepictura. Additional information can be found at artepictura-atelier.de.


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Buchvorschau

Fotografieren lernen - Cora Banek

Index

Einführung

Liebe Leserin und lieber Leser,

wir freuen uns, dass dieses Buch Ihr Interesse geweckt hat und Sie nun beim Durchblättern oder als Start der Lektüre bei der Einführung gelandet sind. Zunächst möchten wir Ihnen gerne erläutern, warum wir dieses Buch und warum wir es in dieser Form geschrieben haben.

Dieses Buch ist Teil einer dreibändigen Reihe zu den großen fotografischen Themen Technik, Bildgestaltung und Bildbearbeitung, und in diesem ersten Band konzentrieren wir uns auf die fotografische Technik. Unser Ziel ist es, auf den folgenden gut 250 Seiten die zwei zentralen Fragen der Fototechnik zu beantworten: »Wie funktionieren Kamera und Objektive?« und »Was muss ich als Fotograf tun, um mein Ziel zu erreichen?". Hinter beiden Fragen steckt mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.

Bei der ersten Frage geht es um das erforderliche Wissen über die einzelnen Faktoren der Fotografie sowie um deren Zusammenhänge und gegenseitige Einflüsse. Um sie beantworten zu können, brauchen Sie einen Überblick über die technischen Komponenten und wie sie sich einzeln, aber auch als Ganzes auf den fotografischen Vorgang auswirken. Entlang dieser Frage haben wir die Kapitel eins bis acht aufgebaut, wobei wir zuerst die groben Zusammenhänge im Überblick darstellen, um dann die einzelnen Faktoren nacheinander im Detail zu erklären. So können Sie jeden technischen Aspekt einfacher in seinen Kontext einordnen und verstehen besser, warum und wie sich das eine auf das andere und auf den Gesamtzusammenhang auswirkt.

Bei der zweiten Frage steht die praktische Anwendung des Wissens im Mittelpunkt, denn fototechnisches Wissen allein erzeugt noch keine gelungenen Bilder. Für die Beantwortung dieser Frage müssen Sie also als erstes definieren, was Sie wollen – und das vor allem bezogen auf sich selbst, auf Ihre Fotografie und auf das Motiv vor Ihrer Kamera. Erst dann können Sie entscheiden, welche technischen Mittel Sie wie einsetzen sollten, um Ihr Ziel zu erreichen. Dementsprechend haben wir die Kapitel neun bis zwölf auf die Technik in der fotografischen Praxis sowie auf die Standortbestimmung und Weiterentwicklung des Fotografen ausgerichtet. Denn erst wenn Sie wissen, wo Sie stehen und wo Sie hinwollen, können Sie gezielt loslaufen – oder auf die Fotografie übertragen: Erst wenn Sie Ihren fotografischen Status quo und Ihre fotografischen Ziele kennen, können Sie sich gezielt ausprobieren.

Doch natürlich ist es kaum möglich, in nur einem Buch alle technischen Hilfsmittel für alle fotografischen Situationen detailliert vorzustellen – das war auch nicht unsere Absicht. Unser Ziel war es vielmehr, die wichtigsten technischen Aspekte und Hintergründe der wundervollen Leidenschaft Fotografie auszuwählen, ihre Funktion im Zusammenhang verständlich zu erklären und sie im praktischen Anwendungskontext darzustellen. Nur so wird es Ihnen möglich sein, jeden Aspekt einzeln zu verstehen und dahingehend zu bewerten, ob er für Ihre ganz persönliche Form der Fotografie wichtig und sinnvoll ist.

Wir hoffen, dass uns dies auf den folgenden Seiten gelungen ist und dass wir Ihnen helfen können, Ihre eigene Fotografie auszubauen und weiterzuentwickeln. Basis aller Ausführungen und Erklärungen in diesem Buch sind dabei zwei unserer Grundüberzeugungen:

1.   Es gibt nicht die Fotografie – sie ist für jeden Fotografen etwas anderes. Deswegen gibt es in der Fotografie auch nur sehr wenige Dinge, die absolut richtig oder absolut falsch sind. Der kanadische Naturfotograf Freeman Patterson hat das einmal sehr humorvoll und treffend ausgedrückt: »Es gibt nur eine Regel in der Fotografie: Entwickle niemals einen Film in Hühnchensuppe!«

2.   Die fotografische Technik sollte niemals reiner Selbstzweck, sondern immer als Mittel zum Zweck auf den Fotografen, auf die fotografische Situation und auf das Motiv ausgerichtet werden.

Wenn Sie diese Überzeugungen teilen und Sie bereit sind, Ihre Fotografie (auch auf technischer Ebene) zu verbessern, dann haben wir dieses Buch auch – oder vielleicht sogar nur – für Sie geschrieben ...

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

Cora und Georg Banek

Ein letztes noch: Jeder Mensch macht Fehler und deswegen kann es natürlich trotz aller Sorgfalt bei der Recherche durch uns und unseren hervorragenden Lektor, Herrn Krahm (Vielen Dank!), passieren, dass sich irgendwo etwas Falsches einschleicht oder wir etwas Wichtiges übersehen haben. Um diese Fehler in zukünftigen Auflagen des Buches verbessern zu können, bitten wir Sie, uns zu schreiben!

Daher: Fragen? Anmerkungen? Korrekturen? Gerne!

Sie erreichen uns unter kontakt@artepictura.de – Danke!

»Bilder sind – egal wie sie entstanden und bearbeitet sind – dazu gedacht, betrachtet zu werden. Das rückt nicht die Fototechnik in den Vordergrund, die natürlich wichtig ist, sondern etwas, was wir die Augentechnik, das Sehen nennen könnten.« Henri Cartier-Bresson, französischer Fotograf

01 Ein wenig Fototheorie

Die Realität, in der wir leben, hat neben den räumlichen drei Dimensionen auch eine vierte, die zeitliche. Mit der Fotografie haben wir die Möglichkeit, bestimmte Augenblicke und besondere Sichtweisen einzufangen und dauerhaft zu konservieren. Aber kaum haben Sie Ihre ersten Fotos gemacht, zieht das einen ganzen Rattenschwanz an Fragen und nötigen Entscheidungen hinterher: Was mache ich mit meinen Bildern? Wem zeige ich sie? Was sagen diejenigen dazu? Wie gut sind meine Bilder? Was kann ich mit ihnen anfangen? Und natürlich – was fotografiere ich als nächstes?

Schon aus diesen wenigen Fragen wird deutlich, dass Fotografie nie reiner Selbstzweck, sondern immer auf einen Betrachter ausgerichtet ist. Auch wenn Sie Ihre Bilder ausschließlich selber ansehen, nehmen Sie beim Betrachten eine andere Rolle ein und die Bilder müssen Ihnen gefallen. Zusammen mit der Ausrichtung auf einen – auch nur potenziellen oder imaginären – Betrachter wird etwas anderes deutlich: Fotografie ist immer zielgerichtet. Dabei können die Ziele genauso unterschiedlich sein wie die Fotografen selbst und die Gründe, aus denen sie fotografieren. Eine kleine Auswahl an Zielen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – ist: zur Erinnerung, um Kunst zu schaffen, um Anerkennung zu erhalten, zur Entspannung, um eigene Gefühle auszudrücken, um Menschen kennen zu lernen, um auf eine Situation hinzuweisen, um etwas zu dokumentieren, um Produkte anzupreisen, um Spaß an der Technik zu haben oder um Geld zu verdienen.

1.1 Theorie der Fotografie

Egal aus welchen Gründen Sie fotografieren, es gibt einige Aspekte, die Sie beim Reden über und beim Erlernen der Fotografie im Hinterkopf behalten sollten. Die beiden wichtigsten sind: Es gibt nicht DIE Fotografie und ein Bild ist nicht per se gut oder schlecht. Denn es gibt sehr viele unterschiedliche Ansätze in der Fotografie, die alle ihre Daseinsberechtigung haben, wobei leider viele Fotografen ihren eigenen Weg für den einzig richtigen halten und ihn entsprechend argumentativ vertreten. Und gut oder schlecht kann ein Bild nur in Bezug auf ein Ziel sein, nicht aber generell. Wenn Sie wissen, mit welcher Intention ein Bild gemacht wurde, haben Sie einen Ansatzpunkt, um zu prüfen, wie geeignet das Bild ist, diesen Zweck zu erfüllen. Die allermeisten Menschen bewerten ein Bild jedoch dahingehend, ob es Ihnen selbst gefällt oder nicht, und setzen das als Ziel und alleinigen Maßstab an. Daraus entstehen sehr viele ausufernde und fruchtlose Diskussionen über die richtige Art zu fotografieren und über die Qualität einzelner Bilder. Dabei ist es sehr wohl möglich, ein Bild bewusst zu analysieren, es sogar – bezogen auf den Einsatzzweck – gelungen zu finden und es trotzdem nicht zu mögen.

Dieses Kapitel soll Ihren Blick für diese Zusammenhänge schärfen und Ihnen einige Begriffe an die Hand geben, mit denen Sie gezielter über Ihre Fotografie sprechen können.

Der Fotograf

Als Fotograf haben Sie – bewusst oder unbewusst – einen langfristigen Anspruch an Ihre eigene Fotografie, der Ihre Bilder beeinflusst, egal, mit welcher aktuellen Intention Sie fotografieren. Wenn es Ihnen vor allem wichtig ist, dass Ihre Bilder immer scharf und richtig belichtet sind, ist das ein anderer Anspruch als der, dass Ihre Bilder möglichst starke Emotionen erzeugen sollen oder nur Ihnen selbst gefallen müssen. Diese Einstellung wird in vielen Ihrer Bilder zu sehen sein.

Aber auch Ihre kurzfristigen Ziele haben Auswirkung auf die Bilder, die Sie schaffen. Wenn Sie sich bewusst vornehmen, einmal eine andere Bildsprache auszuprobieren, oder sich eine bestimmte fotografische Aufgabe setzen, dann haben diese – aus Ihnen kommenden – Intentionen Auswirkung auf die Ergebnisse.

Es gibt jedoch auch Vorgaben und Sachzwänge, die von außen auf Ihre Bildergebnisse einwirken. Wenn Sie Bilder im Auftrag eines Kunden machen, müssen Sie bestimmte Vorgaben erfüllen. Aber auch bestimmte fotografische Einsatzgebiete stellen ganz klare Anforderungen an die Bilder – beispielsweise die Reportage-, Wissenschafts- oder Katalog-Fotografie. Und wenn Sie ein Bild machen, das als Werbeplakat an einer Autobahn verwendet werden soll, werden Sie bestimmt kein kontrastarmes, kleinteiliges und detailreiches »Suchbild« fotografieren.

Abb. 1.1 Die Grafik beschreibt die Beziehungen zwischen Fotograf, Betrachter, Bildbearbeiter und Bild sowie deren Einflussgrößen und damit den Ablauf des Fotografierens bis zum Betrachten des fertigen Bildes.

Beide Bilder wirken vor allem über ihren emotionalen Bildinhalt. Sie sind interessant, weil das Motiv eine Geschichte erzählt. Die schön gearbeitete Figur auf dem Grabmal drückt Trauer und Hingabe so echt aus, als wäre sie lebendig. Auch das in die Eisschicht geritzte Herz ruft sofort Erinnerungen an kleine alltägliche Liebesbekundungen wach. So symbolisieren beide Fotos ein menschliches Gefühl und transportieren es zum Betrachter. [l.] 35-175-mm-Zoom 1:2,4-3,5 mit 70 mm, Blende 8, 1/1000 s, ISO 400, Tageslicht; [r.] 38-114-mm-Zoom 1:2,8-5,1 mit 38 mm, Blende 2,8, 1/200 s, ISO 400, Tageslicht

Diese drei Faktoren bringen Sie quasi schon im Gepäck mit zum Shooting. Dort erlegt Ihnen jedoch die Situation vor Ort weitere Einschränkungen auf. Ist das Giraffengehege im Zoo zu groß und Sie haben das Tele-Objektiv zu Hause vergessen? Sie müssen die Hochzeit in der Kirche fotografieren, dürfen aber nicht blitzen? Gewitterwolken ziehen auf und verdunkeln den Himmel? Solche Gegebenheiten schränken Sie beim Bildermachen ein. Mit entsprechendem zeitlichen und finanziellen Aufwand können Sie natürlich auch die Situation selbst beeinflussen – beispielsweise ein Studio mieten oder für besseres Wetter in den Süden fliegen.

Während Sie fotografieren, haben Sie immer auch – ob bewusst oder unbewusst – einen bestimmten oder unbestimmten Betrachter Ihrer Bilder im Hinterkopf. Das können Sie selbst mit Ihrem eigenen ästhetischen Empfinden sein, Freunde und Familie, Fotografenkollegen oder – bei Werbeaufnahmen – kann es eine ganz bestimmte, fest umrissene Zielgruppe sein. Je mehr Sie über den Geschmack Ihres imaginären Betrachters wissen, desto eher wird das Ihre Bilder beeinflussen. Der Extremfall ist sicherlich erreicht, wenn Fotografen anfangen, nach dem Geschmack einer bestimmten Online-Community zu fotografieren und sich bei jedem Bild fragen, wie viele Anmerkungen es wohl bekommt oder wie gut es von den anderen Fotografen bewertet wird.

Alle genannten Faktoren beeinflussen Sie als Fotografen und das, was Sie gerne fotografieren möchten, beziehungsweise das, was Sie fotografieren können. Innerhalb dieser – die ganze Shootingsituation umfassenden – Einschränkungen Ihrer Wünsche und Möglichkeiten erfolgt dann das konkrete Fotografieren, die jeweilige Entscheidung über Motiv, Bildgestaltung und Technikeinsatz bei jedem einzelnen Bild.

Inhalt, Form und Technik

Beim Fotografieren agieren Sie als Fotograf immer – teilweise sogar gleichzeitig – auf drei Ebenen, die einander wechselseitig beeinflussen. Die drei Ebenen sind der Inhalt, die Form und die Technik eines Bildes, auf die Sie bei der Aufnahme gezielt Einfluss nehmen: Die inhaltliche Ebene umfasst das, was Sie fotografieren, das abgebildete Motiv und die Aussage, die Sie damit transportieren wollen. Die formale Ebene enthält alle bildgestalterischen Ideen, Entscheidungen und Mittel, die Sie bewusst wählen oder die – wenn Sie Ihre Bilder nicht bewusst gestalten – zufällig zustande kommen. Und auf der technischen Ebene liegen alle Faktoren, die das Bild rein technisch ermöglichen.

Grundsätzlich gilt: Mittels Kameraeinstellungen und technischer Ausrüstung werden bestimmte Gestaltungsmittel zur Verfügung gestellt, die in der Gesamtkomposition des Bildes das Motiv und seine Aussage unterstützen – oder eben nicht. Der Ausgangspunkt kann jedoch durchaus variieren. Sie können eine bestimmte Bildsprache im Kopf haben, wählen das entsprechende Objektiv und die passenden Kameraeinstellungen und gehen mit dieser Idee im Kopf in die Stadt auf Motivsuche. Oder Sie wollen Ihr neues Objektiv einweihen, laden sich dazu ein Modell ins Studio und probieren die gestalterische Wirkung des Objektivs auf Ihre Bilder aus. Vielleicht wollen Sie aber auch die Aktivitäten Ihres Vereins vorstellen, schnappen sich dazu die kleine, unauffällige Kompaktkamera, schießen aus der Hüfte und lassen sich überraschen, welche Bildwirkung dabei zustande kommt. Egal, von welcher der drei Ebenen Sie ausgehen – die beiden anderen sind untrennbar mit ihr verbunden und der Zusammenhang zwischen Inhalt, Form und Technik bleibt immer vorhanden. Das gilt sowohl für den Vorgang des Fotografierens als auch für das fertige Bild, in dem die drei Ebenen – mit unterschiedlicher Gewichtung – vorhanden und ablesbar sind.

Bei diesen Fotos dominiert die Bildgestaltung. Das edle Schwarzweiß und der spannende grafische Bildaufbau bestimmen die Bilder mehr als das abgebildete Motiv. Nur wer Wien kennt, weiß, dass es sich beide Male um die Gloriette handelt. Die Wirkung der Bilder wäre jedoch kaum anders, wenn es sich um ein anderes Bauwerk in einer anderen Stadt handeln würde. [l.] 28-mm-Festbrennweite 1:2,8 mit Blende 8, 1/400 s, ISO 100, Tageslicht; [r.] 28-mm-Festbrennweite 1:2,8 mit Blende 7,1, 1/160 s, ISO 100, Tageslicht

Das Rohbild

Das Ergebnis des fotografischen Vorgangs ist ein Rohbild, das massiv von den Eigenschaften des lichtempfindlichen Mediums bestimmt und auf dem Speichermedium der Kamera abgelegt wird. In der digitalen Fotografie sind es Sensoreigenschaften wie Kontrastumfang, Rauschverhalten oder Blooming, die das Bildergebnis beeinflussen.

Der Bildbearbeiter

Der nächste Beteiligte im Gesamtprozess der Fotografie ist der Bildbearbeiter. In der Regel werden Sie als Fotograf die Nachbearbeitung selber vornehmen – in der professionellen, kommerziell ausgerichteten Fotografie ist es jedoch üblich, dass eine dritte Person die Bearbeitung übernimmt. Und auch bei demjenigen, der die entstandenen Bilder bearbeitet, gibt es Faktoren, die seine Arbeit beeinflussen. Da ist zum einen natürlich die Intention, die der Bearbeiter verfolgt, die durchaus von der des Fotografen abweichen kann, selbst wenn es sich um die gleiche Person handelt. Schließlich kann sich ein Bild bei der Bearbeitung als ungeeignet für die ursprüngliche Zielsetzung herausstellen, sich aber sehr gut für eine andere Bearbeitung eignen. Aber auch Vorgaben von außen – beispielsweise die des Kunden –, die Fähigkeiten des Bearbeiters oder die gewählte Bearbeitungstechnik haben Einfluss auf das Endprodukt.

Selbst wenn Sie Ihre Bilder nicht gezielt nachbearbeiten, sich die Bilder auf dem Kameramonitor ansehen oder mit einer Sofortbild-Kamera arbeiten, findet schon eine ganz spezifische Bearbeitung in der Kamera statt. Von den bereits rudimentär bearbeiteten Rohdaten werden – wenn Sie nicht im RAW-Modus fotografieren – mittels Kontraststeigerung, Farbsättigung und anderen Bearbeitungsschritten auf dem Weg zur digitalen Datei eine Menge Bildinformationen unwiderruflich vernichtet. Und auch in der analogen Fotografie findet eine Entwicklung der Filme hin zum Dia oder Papierabzug statt.

Weder die Pflanze noch die Bildkomposition ist hier sonderlich interessant. Erst das Spiel mit der Technik, die Kombination aus Blitz und langer Verschlusszeit, bringt Dynamik und Spannung ins Bild. 50-mm-Festbrennweite 1:2,0 mit Blende 11, 1/15 s, ISO 100, Tageslicht und Blitzlicht

Das Endergebnis

Erst das in irgendeiner Form gezielt oder automatisch bearbeitete Bild findet schließlich seinen Weg zum Betrachter. Dabei beeinflussen auch die Eigenschaften des Präsentationsmediums nachhaltig die Wirkung – beispielsweise wirken Farben deutlich unterschiedlich im Druck, auf dem Bildschirm oder in der Projektion.

Bildbetrachtung

Der Vorgang, ein Bild zu betrachten, kann bis zu vier einzelne Aspekte umfassen. Drei davon finden immer statt, der vierte – die Bildanalyse – jedoch nur in den seltensten Fällen. Um ein Bild betrachten zu können, muss der Betrachter es erst einmal bewusst wahrnehmen, das heißt, das Bild muss seine Aufmerksamkeit erregen, der Betrachter muss es sehen. Wird ein Bild angesehen, setzt immer auch – unbewusst – eine Wirkung ein, die zu einem Teil durch die vom Fotografen gewählten drei Ebenen Inhalt, Form und Technik beeinflusst, ja sogar gezielt gesteuert werden können. Genau diese unterbewusste Wirkung ist der Hebel, mit dem der Fotograf etwas beim Betrachter bewegen kann, zumal dieser keine Möglichkeit hat, sich ihr zu entziehen.

Vergleichsweise selten setzt sich der Betrachter bewusst mit einem Bild auseinander und analysiert, welche Intention der Fotograf mit dem Foto verfolgte und ob er diese mit dem Ergebnis auch erreicht hat. Unabhängig von der zweckgerichteten Analyse ist die Bewertung des Bildes, die auf ein rein persönliches und emotionales »gefällt mir« oder »gefällt mir nicht« zurückgeführt werden kann. Unsere Erfahrungen haben uns gelehrt, dass in den meisten um Bilder geführten Diskussionen nicht die Tauglichkeit des Bildes für seinen Einsatzzweck berücksichtigt wird. Vielmehr wird eine vorgefertigte Meinung meist wortreich verteidigt.

Alle vier Aspekte werden durch die Art der Präsentation sowie das Umfeld, in dem das Bild präsentiert wird, massiv beeinflusst.

Die Nachbearbeitung des digitalen Bildes am Rechner ist ein zweiter kreativer Vorgang, dessen Wirkung sehr mächtig ist. Die Aussage des Rohbildes kann durch eine entsprechende Bearbeitung unterstützt, in eine andere Richtung gedrängt oder sogar ins Gegenteil verkehrt werden. 105-mm-Makro 1:2,8 mit Blende 2,8, 1/160 s, ISO 160, Tageslicht

Der Betrachter

Der Betrachter eines Bildes ist einerseits ein individuelles, sich von anderen unterscheidendes Wesen und andererseits ein kulturelles Gruppenmitglied. Letzteres trägt dazu bei, dass es ähnliche Interessen wie viele andere auch hat. Das führt dazu, dass man nicht genau sagen kann, wie ein Bild auf eine konkrete Einzelperson wirken wird. Bei einer bestimmten (Ziel-) Gruppe ist es jedoch durchaus möglich, dies für die meisten Gruppenmitglieder vorherzusagen. Gemeinsame Vorlieben, Interessen und Sozialisation formen auch eine ähnliche Art, Bilder aufzunehmen und zu bewerten. Noch viel grundlegender wirken sich visuelle Kulturspezifika wie beispielsweise die Leserichtung oder Farbassoziationen aus.

Aber auch die individuellen Faktoren des Betrachters beeinflussen die Bildwirkung und -bewertung massiv. Einen Betrachter, den das fotografierte Motiv sehr interessiert oder abstößt, wird das Bild entsprechend positiver oder negativer berühren als jemanden, der dem Motiv gleichgültig gegenüber steht. Gleiches gilt für Vorlieben beziehungsweise Abneigungen gegenüber bestimmten Gestaltungsmitteln, Bildsprachen, Kamera- oder Nachbearbeitungstechniken. Aber auch die Erwartungen des Betrachters, sein Wissen, die Erfahrungen und die Fähigkeit, Bilder lesen zu können, sind entscheidend. Jemand, der sich täglich mit zielgerichteter Bildauswahl beschäftigt, beurteilt Bilder anders als Personen, die Bilder ausschließlich passiv aufnehmen. Je mehr Wissen über den Fotografen und seine Intention, beispielsweise im Rahmen einer Ausstellung, vorhanden ist, desto stärker wird dieses alle vier Aspekte – von der Wahrnehmung und Wirkung über die Analyse bis hin zur Bewertung – beim Betrachter beeinflussen.

1.2 Angewandte Theorie

Die folgende – fiktive – Fotosituation zeigt Ihnen anhand von Beispielen für die einzelnen Größen der Fototheorie, dass die theoretische Aufteilung durchaus Praxisrelevanz hat, und verdeutlicht die Zusammenhänge. Dabei gehen wir vor allem auf die Rolle der Fototechnik im Gesamtablauf ein und zeigen, wo Sie als Fotograf auf welche Größen Einfluss nehmen – und wo Sie einfach nur durch äußere Faktoren limitiert werden.

Vor Ort

Sie sind ein technisch äußerst versierter Fotograf und kennen Ihre Kamera in- und auswendig. Normalerweise sind Themen wie Porträt, Akt und Erotik in höchster technischer Qualität Ihre Spezialität (eigener Anspruch). Heute besuchen Sie jedoch mit Ihrer Familie einen Zoo in Ihrer Umgebung und nehmen dazu die Kamera mit. Da der Spaß im Vordergrund stehen soll, nehmen Sie sich vor, nicht allzu viel und eher Erinnerungsfotos zu fotografieren (Ziel) und packen deswegen nur Ihre Vollformat-DSLR-Kamera zusammen mit dem lichtschwachen 28-80-mm-Objektiv ein.

Im Raubtierhaus ist ein gerade erst zwei Monate alter Tiger zu sehen, in den sich Ihre Tochter auf der Stelle unsterblich verliebt. Alles, aber auch wirklich alles, was sie sich zu ihrem Geburtstag in der nächsten Woche wünscht, ist ein Poster von einem Foto, das der tollste Fotografenpapa auf Erden von genau diesem süßen Tigerbaby machen soll – bitte, bitte, bitte (externe Vorgabe verändert das Ziel)!

Die Situation ist schwierig: Ihre Kamera und den Tiger trennt eine Glaswand, das künstliche Licht im Raubtierhaus ist wegen der Tiere eher schwach und sowohl Ihr Einbeinstativ als auch Ihr heiß geliebtes 300er liegen wohlbehalten zu Hause im Schrank. Da Licht und Brennweite hier die am stärksten limitierenden Faktoren sind, überlegen Sie sich, an welcher Stelle des Käfigs das Tigerbaby ausreichend ausgeleuchtet und halbwegs formatfüllend einzufangen wäre. Dort erkämpfen Sie sich einen Platz an der Scheibe, wischen diese sauber und warten. Währenddessen überprüfen Sie – auch mit einem Testbild – die Belichtung und stellen fest, dass Sie ISO 1600 benötigen, um bei der Anfangsblende von 5,6 bei 80 Millimetern wenigstens auf 1/60 Sekunde zu kommen (Technik). Sie ahnen schon, dass bei dieser Lichtempfindlichkeit nur eine Schwarzweißbearbeitung in Frage kommt (Form). Mit Schrecken denken Sie an die gewünschte Posterqualität und probieren mehrere Kamerahaltungen aus, bis Sie am Ende das Objektiv direkt an die Scheibe drücken, um Reflexionen und Verwacklungen zu vermeiden (Technik). Nach zwanzig Minuten setzt sich das Tigerbaby dekorativ an die gewünschte Stelle, dreht Ihnen jedoch konsequent den Rücken zu, bevor es sich endgültig in die hinterste Ecke des Käfigs zum Schlafen verzieht. Sie beschließen, dass es auch ein – wenn auch perfekt gestaltetes – Bild von einem Tigerhintern als Geburtstagsgeschenk sein darf (Inhalt).

Kurz vor Ende des Tages kommen Sie noch einmal am Raubtierhaus vorbei und ein Pfleger läuft gerade in dem Moment mit dem Tigerbaby auf dem Arm ins Haus. Sie laufen auf ihn zu, zücken die Kamera, die – aus Gewohnheit – bei Ihnen auf Blendenautomatik bei einer vorgewählten 1/250 Sekunde und einer ISO-Zahl von 100 steht. Ohne durch den Sucher zu sehen, halten Sie die Kamera in Richtung Tigerkopf und halten den Auslöser gedrückt. Die Halbautomatik belichtet die Aufnahmen bei der für die Weitwinkelposition maximal möglichen Blende 4, was bei dem schon leicht schwindenden Licht zu einer Unterbelichtung von drei Blenden führt. Nach dem achten Bild in Folge muss Ihre Kamera die entstandenen Bilder erst einmal auf der Speicherkarte speichern, weil der Pufferspeicher voll ist, und verweigert deswegen den Dienst. Währenddessen verschwindet der Pfleger mit einem bösen Gesicht und dem Tiger hinter der Tür – der gesamte Vorgang hat keine 15 Sekunden gedauert.

Dieses Tigerbaby wollte sich einfach nicht fotogen in Szene setzen, obwohl Cora eine gute halbe Stunde darauf gewartet hatte. Erst als es sich an der Tür zum Nebenraum niederließ, konnte der schöne Rücken entzücken. 105-mm-Makro 1:2,8 mit Blende 3,2, 1/100 s, ISO 320, Tageslicht

Zu Hause

Am heimischen Rechner stellen Sie bei der Durchsicht dieser Bilderserie Folgendes fest: Der Tigerkopf prangt zwar formatfüllend auf den Bildern, die Mimik ist einfach nur goldig, aber Sie waren – für die Naheinstellgrenze Ihres Objektivs – zu nah dran, die Schärfeebene liegt auf der Hand des Pflegers. Sie freuen sich, dass Sie keine Schärfepriorität beim Autofokus eingestellt hatten, da Sie sonst gar kein Bild hätten machen können. Gleichzeitig ärgern Sie sich über die Unterbelichtung, welche die Farben des Fells etwas flau aussehen lässt und die mittige Bildgestaltung, die ihren Namen kaum verdient. Das Bild des Tigerhinterns hingegen ist sauber gestaltet, richtig belichtet und sogar das deutliche Rauschen wirkt irgendwie stimmig.

Nicht jede Fotosituation bietet ausreichende Möglichkeiten für gute Bilder. Je weniger Licht vorhanden ist, desto eingeschränkter sind Ihre gestalterischen Optionen. Auch räumliche Gegebenheiten wie Glasscheiben, weite Entfernungen oder unruhige Hintergründe erschweren das Fotografieren und machen manchmal sogar halbwegs gute Bilder unmöglich. [o. l. und u. r.] 105-mm-Makro 1:2,8 mit Blende 3,2, 1/100 s, ISO 500, Tageslicht; [o. r. und u. l.] 105-mm-Makro 1:2,8 mit Blende 7, 1/60 s, ISO 100, Tageslicht

Sie setzen sich an Ihren Rechner und bearbeiten jeweils ein Bild pro Motiv – eines in Farbe, eines in Schwarzweiß, holen dabei alles heraus, was Ihnen möglich ist und bestellen bei dem Online-Bilderdienst Ihres Vertrauens je ein Poster in der Größe 50 × 75 Zentimeter. Als die beiden Bilder rechtzeitig zum Geburtstag eintreffen, stellen Sie fest, dass der schwarzweiße Tigerpo einfach nur grandios und edel wirkt, das farbige Gesicht hingegen durch die Vergrößerung noch mehr gelitten hat und sowohl technisch als auch bildgestalterisch einfach nur als mangelhaft zu bezeichnen ist. Ihre Tochter hingegen freut sich wie wahnsinnig über das Farbposter und hängt es sich glücklich sofort an die Wand. Das andere Bild findet sie »doof«, weil der Tiger da ja »gar nicht richtig drauf« ist, und will es nicht haben. Sie finden aber, dass das Bild mehr verdient hat und nehmen es zum nächsten Treffen Ihres Fotoclubs mit. Dort teilen die anderen Fotografen Ihre Meinung und finden das Bild so gelungen, dass es spontan als Aufmacher für die demnächst geplante Ausstellung »Ungewöhnliche Ansichten der Region« gewählt wird.

1.3 Fototechnik als Mittel zum Zweck

Sie sehen an dem vorherigen Beispiel sehr deutlich, dass die Technik einen zentralen Platz in der Fotografie einnimmt, jedoch immer zweckgebunden ist. Technik ist eben das Mittel, um eine ganz bestimmte Gestaltung zu erzeugen, mit der ihrerseits wieder der Bildinhalt stimmig in Szene gesetzt wird. Gleichzeitig setzt die verfügbare Technik Ihren gestalterischen und inhaltlichen Ambitionen auch immer harte Grenzen.

Definition

Zur Fototechnik gehören zuerst einmal alle technischen Parameter, die Sie direkt an Ihrer Kamera oder Ihrem Objektiv einstellen und verändern können. Auch Veränderungen, die Sie durch den Einsatz von Zubehör wie Stativ, Unterwassergehäuse, Blitz, Lichtanlage oder Aufheller bewirken, zählen

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