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Abhörstaat Deutschland (Telepolis): Die SIGINT-Landschaft seit 1945 in Ost und West

Abhörstaat Deutschland (Telepolis): Die SIGINT-Landschaft seit 1945 in Ost und West

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Abhörstaat Deutschland (Telepolis): Die SIGINT-Landschaft seit 1945 in Ost und West

Länge:
720 Seiten
4 Stunden
Freigegeben:
25. Feb. 2015
ISBN:
9783957880284
Format:
Buch

Beschreibung

Durch die Snowden-Affäre alarmiert beschäftigt sich die Öffentlichkeit seit Monaten mit den weltweiten Machenschaften der verschiedenen Abhördienste. In der Bundesrepublik steht insbesondere der Bundesnachrichtendienst (BND) im Verdacht, in einem bisher ungeahnten Ausmaß Telefonate, Emails und das Internet überwacht und seine Daten mit der amerikanischen National Security Agency (NSA) und dem britischen Government Communications Headquarters (GCHQ) ausgetauscht zu haben. Experten sprechen hier von der "Signals Intelligence" (SIGINT). Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages ist bemüht, ein bisschen Licht in das dunkle Treiben der Geheimdienste zu bringen. EIKONAL, GLOBE und PRISM heißen die Codeworte. Wie viel Überwachungsstaat vertragen die Demokratie und der Schutz der Privatsphäre?

Das vorliegende Buch gibt einen Überblick über die SIGINT-Infrastruktur in Deutschland. Über 600 Abhörstationen, Peilstellen, Ausbildungsstätten und Produktionsfirmen in der BRD und der Ex-DDR seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden aufgelistet. Manche Einheit konnte noch nicht identifiziert oder lokalisiert werden; die eingesetzte Spezialtechnik ist bis heute nur teilweise bekannt. Hier sind noch weitere Recherchen notwendig. Dabei ist die Erfassung der Infrastruktur nur ein erster Schritt, um die Abhöroperationen aufzudecken und irgendwann das ganze Ausmaß der Bevölkerungskontrolle ermitteln zu können. Die Feststellung, wer, wann, wo gelauscht hat, beraubt die Agenten ein Stück weit ihrer Anonymität und Tarnung.
Freigegeben:
25. Feb. 2015
ISBN:
9783957880284
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Abhörstaat Deutschland (Telepolis) - Gerhard Piper

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Einleitung

Begriffsklärung Signals Intelligence (SIGINT)

Standortproblematik

Sonstige Aspekte

Quellenlage

Bundesrepublik Deutschland

Gründung und Souveränität der BRD

Organisation Gehlen

Bundesnachrichtendienst

EloKa-Truppe der Bundeswehr

Bundespolizei

Zollkriminalamt

Bundesamt für Verfassungsschutz

Militärischer Abschirmdienst

SIGINT im Kalten Krieg

SIGINT bei Auslandsoperationen der Bundeswehr

Internationale Zusammenarbeit des BND und der EloKa

NSA-Bundestagsuntersuchungsausschuss

Stationierung und Vorbehaltsrechte alliierter Streitkräfte in Deutschland

US-Dienststellen

US-Lauschangriff auf die transatlantischen Freunde in der BRD

Britische Dienststellen

Französische Dienststellen

Sonstige Alliierte

BRD-Standorte (A-Z)

Deutsche Demokratische Republik

Gründung und Souveränität der DDR

Militärischer Nachrichtendienst

Ministerium für Staatssicherheit

Kasernierte Volkspolizei

Seepolizei

Nationale Volksarmee

Grenztruppen

Zollverwaltung

Abwicklung nach der Wende

Sowjetische Streitkräfte in der DDR

DDR-Standorte (A-Z)

Literatur

Über Gerhard Piper

Impressum

Vorwort

» Woody Allens bekanntes Diktum: Nur weil ich unter Verfolgungswahn leide, heißt das ja noch lange nicht, dass keiner hinter mir her ist, konnte man umdrehen. Hinter uns waren sie her, ob wir nun Verfolgungswahn entwickelten oder nicht. «

Wolfgang Templin, (ost-)deutscher Publizist und Gründungsmitglied der Initiative für Frieden und Menschenrechte (IFM)

Geheimdienste agieren im Geheimen. Aber sie können nicht nur ihre Aktivitäten gegenüber der Öffentlichkeit verbergen, sie sind auch in der Lage durch gezielte Desinformation das Bild, das sich die Bevölkerung von ihnen macht, ein Stück weit zu manipulieren. So ist seit Jahrzehnten prinzipiell bekannt, dass die Nachrichtendienste die Telefonate, Funkverkehre und Computerinteraktionen überwachen, aber das wahre Ausmaß der Bespitzelung lässt sich bis heute nicht zuverlässig einschätzen.

Seit 2013 wurde durch die Enthüllungen des Whistleblower Edward Joseph Snowden, der früher für die amerikanische National Security Agency (NSA) arbeitete, der Schleier etwas gelüftet. So belauschte der Bundesnachrichtendienst (BND) die Telekommunikationsströme in Deutschland in einem Umfang, der die Erwartungen bzw. Befürchtungen um ein Vielfaches übertraf. Allein in Bad Aibling soll der BND bei der Satellitenüberwachung rund 500 Millionen Daten pro Monat abschöpfen. Allerdings bedeutet ein Mehr an Informationen nicht ein Mehr an Informiertheit, und ein hoher Aufwand im Bereich der Intelligence führt nicht zu einer intelligenten Politik.

Die Geheimdienste sprechen bei der Überwachung der Telekommunikation von der Signal Intelligence (SIGINT). Sie umfasst ein breites Spektrum höchst unterschiedlicher Verkehre: Von der privaten Telefonie über militärischen Funk bis hin zur Computerspionage und -Sabotage. Die Militärs bezeichnen das Abhören des Gegners als Fernmeldeaufklärung, diese ist ein Teil der Elektronischen Kampfführung (EloKa).

In den Zeiten des Kalten Krieges wies die Militarisierung Deutschlands Rekordwerte auf, entlang der innerdeutschen Grenze gab es die größte Dichte an Abhörstationen weltweit. Mit ihren weißen Radomen aus gehärtetem Polyesterharz, die Schutz vor Witterungseinflüssen boten und als Sichtschutz gegenüber optischer Ausspähung dienten, waren sie weithin sichtbar. Was sich darunter verbarg blieb ein Geheimnis. Der Volksmund bezeichnete die Radome als Golfbälle, die Amerikaner sprachen von bubbles. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft wurde rund-um-die-Uhr gelauscht, was beim vermeintlichen Feind vor sich ging.

Nicht alle SIGINT-Objekte in Deutschland konnten lokalisiert werden. Die hiermit vorgelegte Liste ist dennoch ein stattlicher Geheimdienstatlas mit 326 Standorten in der BRD und 275 Standorten in der Ex-DDR. Somit gab bzw. gibt es in mindestens in jeder zwanzigsten Gemeinde in Deutschland ein geheimdienstliches oder militärisches SIGINT-Spionageobjekt. Es handelt(e) sich um Führungs-, Abhör- oder Peilstationen, Ausbildungsstätten, Materiallager oder Produktionsbetriebe. An einigen Standorten (Bad Aibling, Berlin, Gablingen, etc.) waren gleich mehrere SIGINT-Einrichtungen vorhanden. Dabei sind hier nur die grenzüberschreitenden Abhöranlagen im Rahmen der Auslands- und Militärspionage erfasst, über die Einrichtungen zur Inlandsaufklärung liegen kaum zuverlässige Angaben vor. Sie werden in dieser Übersicht nicht weiter beachtet!

Die Reaktion der Bevölkerung auf die Snowden-Enthüllungen schwankt zwischen Desinteresse und Besorgnis. Laut einer YouGov-Umfrage vom Juli 2013 hielten 54 Prozent der Befragten es für wahrscheinlich, dass sie von der NSA abgehört wurden. Immerhin 61 Prozent befürworteten den Geheimnisverrat von Snowden. Nachdem die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärt hatte, dass die NSA-Spionage inakzeptabel sei, aber keine weiteren Konsequenzen androhte, votierten 42 Prozent für einen stärkeren Protest. Andererseits fühlen sich die meisten Bundesbürger nicht direkt bedroht, da sie sowieso nichts zu verbergen hätten. Aber wenn der Verfassungsschutz die deutsche Bevölkerung ausforscht, dann interessiert sich der Geheimdienst nicht für irgendwelche Staatsgeheimnisse, sondern eben für die kleinen Geheimnisse aus der Privatsphäre des einzelnen Bürgers. Liebe, Neid und Missgunst im sozialen Umfeld des Einzelnen sind die bevorzugten Aufklärungsziele, weil ein Geheimdienst hier ansetzen kann, um Leute zu manipulieren oder zu rekrutieren.

Seit dem 20. März 2014 versucht ein Bundestagsuntersuchungsausschuss die Abhöraktivitäten des Bundesnachrichtendienstes aufzudecken. Es ist von einer anlasslosen, massenweisen Datenerhebung auszugehen, die durch die bestehenden Gesetze (G-10-Gesetz, Telekommunikationsüberwachungsgesetz, usw.) nicht abgedeckt ist. Außerdem wird vermutet, dass der BND in großem Umfang Daten an die NSA weitergegeben hat, aber diesbezüglich ist die verfügbare Beweislage noch nicht überzeugend.

Dessen ungeachtet besteht Konsens darüber, dass Cyber-Kriminalität, Cyber-Dschihad, Crypto-War und der Schutz der Kritischen Infrastrukturen (KRITIS) in Zukunft immer wichtiger werden. Außerdem stellt sich die Frage, wie sich die Fernmeldeaufklärung der NATO-Staaten angesichts der aggressiven Osteuropapolitik Russlands zukünftig entwickeln wird. Es bleibt abzuwarten, ob der BND seine Kapazitäten zur Russlandaufklärung, die nach 1990 reduziert wurden, nun wieder hochfährt.

Berlin, Februar 2015

Einleitung

Begriffsklärung Signals Intelligence (SIGINT)

Nur etwa 25 Prozent des Informationsaufkommens der Nachrichtendienste stammt tatsächlich aus geheimen Quellen; davon entfallen wiederum drei Viertel aus der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung (FmEloAufkl). Ständig versuchen die Nachrichtendienste im Grundrauschen im Äther (engl.: clutter) die feindlichen Funkverkehre zu entdecken und abzuhören. International spricht man hier von der Signals Intelligence (SIGINT). Die SIGINT gliedert sich in zwei Bereiche:

Im Rahmen der Communications Intelligence (COMINT) werden die Sprech-, Tast- oder Schreibfunkverkehre zur Informations- oder Befehlsweitergabe belauscht. Hier unterscheidet man heutzutage zwischen der leitungsgebundenen Kommunikation (= Telefonie) und der paketgebundenen Kommunikation (= Internet- bzw. Email-Überwachung).

Im Vergleich zur klassischen Spionage durch Agenteneinsatz (Human Intelligence – HUMINT) bietet die technische Aufklärung im Rahmen von COMINT verschiedene Vorteile: Sie steht schneller und flächendeckend zur Verfügung und der Gesprächsinhalt gilt als relativ wahrheitsgemäß, daher gelten die COMINT-Erkenntnisse als verhältnismäßig zuverlässig. Allerdings erfordert die COMINT-Aufklärung einen enormen Arbeitsaufwand, da hier die Informationshäppchen sehr klein sind und erst zusammengefügt werden müssen. Schlechte Aufnahmequalität in Verbindung mit Übersetzungsfehlern kann zu gravierenden Fehlinterpretationen führen. Außerdem lassen sich manche Topinformationen nur durch Agenten beschaffen.

Um ein 3-minütiges Telefongespräch bei mittlerer Sprechgeschwindigkeit und guter Tonqualität zu transkribieren, benötigt man rund zehn DIN-A4-Seiten. Dies dauert mindestens zwanzig Minuten. Eine zusammenfassende Niederschrift des Gesprächsinhalts benötigt sogar dreißig Minuten. Um eine fremdsprachige Kommunikation abzuschreiben, zu übersetzen und auszuwerten im Sinne einer politisch-operativen Information, werden schätzungsweise sechs bis sieben Stunden benötigt!

Um eine gegnerische Erfassung zu verhindern, werden die Telefon- und Funkgespräche oft verschleiert, codiert (insbesondere durch einen Gamma-Block, engl.: one-time pad – OTP) oder sprachverschlüsselt: Bei der Verschleierung wird einfach ein verfängliches Wort durch einen harmlosen Begriff ersetzt. Weil sie wissen, dass ihre Telefonate abgehört werden, achten Terroristen etc. darauf, keine schmutzigen Worte zu benutzen. Statt von einem Anschlag sprechen sie daher lieber von einer Hochzeit, was der Gesprächspartner richtig zu deuten vermag.

Diplomatische oder militärische Funktexte werden i. d. R. verschlüsselt und als so genannte 5-Zahlen-Sprüche oder 5-Buchstaben-Sprüche über Funk versendet. Sie müssen dann in den Empfangsstellen erst decodiert werden. Die deutschen Streitkräfte verwenden dazu den Zifferncode zum Alarmplan der Bundeswehr (ZiCoAplBw). Wenn man den entsprechenden Schlüssel nicht kennt, ist die Entschlüsselung solcher Sprüche sehr aufwendig und kann mitunter Jahre dauern. Bw-Oberst a. D. Rudolf Grabau berichtete über die Methodik zur Entzifferung von Buchstaben-Sprüchen in seinem Buch Lageaufklärung Ost (S. 98):

» Durch Entzifferung wird versucht, aus einem Kryptotext ohne Kenntnis der verwendeten Kryptomittel den Klartext zu gewinnen. Es handelt sich also um den entgegengesetzten Vorgang, der bei der Kryptierung des Klartextes angewandt wurde, allerdings muss gleichzeitig oder zuvor das Kryptoverfahren erkannt und gelöst werden. Die Entzifferung ist grundsätzlich umso einfacher möglich, je einfacher das Kryptoverfahren ist. Am häufigsten eröffnen allerdings Chiffrierfehler und Verstöße gegen die Schlüsseldisziplin den Einstieg. Insoweit ist der Erfolg des Entzifferers oft auch von Zufällen abhängig.

Meistens ist dem Entzifferer die Verfahrensklasse bekannt, nach der verschlüsselt wurde. Ist dies nicht der Fall, geht der eigentlichen Entzifferung eine Analyse zur Feststellung des angewandten Kryptoverfahrens voraus. Erster Schritt bei Bearbeitung eines sog. Chi-Textes ist die Erstellung einer Häufigkeitsstatistik. Sie gibt Auskunft über die Häufigkeitsverhältnisse der einzelnen Elemente, erleichtert aber auch das Feststellen möglicher Parallelstellen. Bei der Häufigkeitsstatistik wird zunächst die Tatsache genutzt, dass es in allen Sprachen charakteristische Prozentsätze gibt, in denen die einzelnen Buchstaben vorkommen. «

Rudolf Grabau

Zur Sprachverschlüsselung verwendete die Bundeswehr die Systeme 1204 und KSC-1/E, die amerikanische NSA die Secure Telephone Units STU-I/II/III und später das Secure Terminal Equipment (STE), die Sowjets das System BALTE bzw. RAINFALL. Zur weiteren Erhöhung der Abhörsicherheit werden im Funkverkehr oft die Frequenzen gewechselt (engl.: frequency hopping).

Bei Computerverkehren gibt es verschiedene Standards für eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, z. B. Pretty Good Privacy (PGP) oder zur Verschleierung des IP-Absenders (TOR-Netzwerk).

Vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages erklärte der frühere NSA-Mitarbeiter William Binney am 3. Juli 2014 sinngemäß: In SIGINT beobachtet man Kommunikation und Strukturen. Ansehen und interpretieren. Welche Ereignisse waren einzigartig und anders als (im) Training? Was ist normal, was ist anders, was ist eine Falle? Das wollten wir verstehen.

Das Verfahren, um die auf eine Frequenz aufmodulierten Informationen abzufangen, ist ziemlich aufwendig. So berichtete der BND-Informatiker T. B. vor dem Untersuchungsausschuss am 6. November 2014 sinngemäß:

» Erst Frequenz auswählen. Dann runterbrechen, dann auf Frequenzen aufmodulierte Nutzdaten sichtbar machen. (…) Erstmal 0 und 1 aus Funkwelle rausgreifen. Dann: was ist Information zur Aufbereitung des Signals, welche Technik (steckt) dahinter? (…) Dann Sachen rausnehmen: Fehlerkorrektur bis sie die Bitfolge haben, die für Nachricht zuständig ist. Dann (…) Codierung, daraus IP-Verkehr, Fax, Sprache usw.. Das können sie dann Aufbereiten. Das ist komplex und kleinteilig. «

Nicht nur der Sprechfunk wird abgehört: Bei der Electronic Intelligence (ELINT) geht es um das Erfassen der elektromagnetischen Abstrahlungen der gegnerischen Radar- und Funkanlagen zur Luftraumüberwachung, Raketen- oder Drohnensteuerung. Die Erfassung dieser telemetrischen Signale dient vor allem der technischen Identifizierung der verwendeten Gerätschaften. Auch die Ausforschung fremder Computernetzwerke gewinnt seit Jahren zunehmend an Bedeutung.

Manche Experten unterscheiden noch zwei Varianten von ELINT nämlich Foreign Instrumentation Signals Intelligence (FISINT) und Telemetry Intelligence (TELINT); andere Experten meinen, FISINT sei bloß eine neue Bezeichnung für TELINT. Hinzu kommt die Akustische Aufklärung (Acoustic Intelligence – ACOUSTINT). Dabei geht es um die Erfassung hydroakustischer Fernmeldeverkehre unter Wasser durch Hydrofone, also das Abhören der Funkverkehre von U-Booten und das Aufzeichnen von Schraubengeräuschen, um einzelne Schiffe identifizieren zu können.

Somit umfasst SIGINT das Abhören ziviler und militärischer Telefonverkehre, das Ausforschen ziviler und militärischer Computernetzwerke, was angesichts von Cyberwar-Szenarios eine zunehmende Bedeutung erlangt, und das Abhören meist militärischer Funkverkehre. Die Erfassung der militärischen Funkverkehre führen die Nachrichtendienste meist nicht selbst durch, sondern dazu werden die eigenen Streitkräfte eingesetzt. Im Fall der Bundeswehr ist dies die Truppe für Elektronische Kampfführung (EloKa), die als Zuträger mit ihren Erkenntnisse wiederum zum militärischen Lagebild des BND beiträgt.

Bei militärischen Funkverkehren soll die gegnerischen Kommunikation nicht nur aufgeklärt sondern nach Möglichkeit auch verhindert werden: Elektronische Gegenmaßnahmen (EloGM) dienen dazu, die feindlichen Funkverkehre durch Störsender zu täuschen oder zu stören.

Gleichbedeutend mit der Aufklärung gegnerischer Funkverkehre ist der Schutz der eigenen Kommunikation gegenüber der Ausforschung durch den Gegner, die so genannte Signals Security (SIGSEC) oder – allgemeiner - Operations Security (OPSEC): Zu den Elektronischen Schutzmaßnahmen (EloSM) gehören die Verschleierung oder Verschlüsselung der Kommunikation, strikte Funkdisziplin und technische Maßnahmen und Verfahren.

Zusätzliche Elektronische Unterstützungsmaßnahmen (EloUM) erfolgen mittels hochempfindlicher Empfangsgeräte, die feindliche Funkemissionen erfassen, aufzeichnen und detailliert auswerten, um umgehend geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Bekanntestes Beispiel ist das Radarwarngerät in Kampfflugzeugen und Hubschraubern.

In der Nationalen Volksarmee (NVA) sprach man nicht von Elektronischer Kampfführung, sondern lieber vom Funkelektronischen Kampf (FEK), Funktechnischer Aufklärung (FuTA), Technischer Funkaufklärung (TFuA) oder Funk- und Funktechnischer Aufklärung (FuFuTA); statt von Elektronischen Schutzmaßnahmen (ESM) war hier vom Funkelektronischen Schutz (FE-Schutz) und ab 1981 von der Gegenwirkung gegen die technischen Aufklärungsmittel des Gegners (GTAG) die Rede.

In der Heeresdienstvorschrift HDv 290/610 Die Elektronische Kampfführung im Heer vom Januar 1976 heißt es:

» Die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung des Heeres ist ein wesentliches Mittel der Nachrichtengewinnung. Dies gilt nicht nur für den Verteidigungsfall, sondern auch schon für den Frieden. Sie liefert der politischen und militärischen Führung allgemeine und aktuelle Ergebnisse, die bei rascher Auswertung wichtige Erkenntnisse über die Absichten des potentiellen Gegners vermitteln. «

Im Prinzip können für die Elektronische Kampfführung dieselben Funkgeräte benutzt werden wie für die Fernmeldetruppe. Da aber der feindliche Sender i. d. R. weiter entfernt ist als ein Sender der eigenen Truppe, müssen die Funkempfänger eine größere Empfindlichkeit haben. Hinzu kommt, dass man bei Funkverbindungen oft nicht in der Richtung der Hauptabstrahlung der Sendestation sitzt sondern nur eine Nebenkeule anzapfen kann. Außerdem verwendet die EloKa-Truppe Spezialgeräte, die bei der normalen Fernmeldetruppe des Heeres nicht benötigt werden, wie z. B. Peiler.

Zur Erfassung der gegnerischen Abstrahlungen (COMINT oder ELINT) gehört die Ortung der Sendestation zu orten. Untergeordnete Sendestellen sind näher, höhere Befehlsstellen befinden sich weiter entfernt im Hinterland des Gegners. Hat eine Abhörstation in seinem Frequenzsuchlauf einen Sender entdeckt, weist er im Peilkommandoverfahren die Peiler zur Ortung der Sendestelle an. Dazu reicht eine einzelne Peilstation nicht aus, da diese nur die ungefähre Richtung, nicht aber die Entfernung der Sendestation bestimmen könnte. Schon eine Peilabweichung von einem Grad führt auf eine Entfernung von 100 km zu einer Zielabweichung von 1,7 km. In der Praxis setzt man daher gleichzeitig drei Peilstationen ein, die möglichst weit voneinander liegen. Ihre Messungen ergeben durch Triangulation ein so genanntes Fehlerdreieck, in dem sich der fragliche Sender befindet. Dieser kann dann durch Artillerie oder Luftangriffe mit Lenkbomben zerstört werden. Allerdings wies Oberst Rudolf Grabau in seinem Buch Lageaufklärung Ost (S. 104) darauf hin, dass die Möglichkeit einer präemptiven Zielzerstörung eher gering ist:

» Prinzipiell liegt der Gedanke nahe, im Krieg die durch Fm/EloAufkl gewonnenen Ortsfeststellungen von Strahlungsquellen zu benutzen, um diese Emitter durch Waffenwirkung zu zerstören – in der Aktionsreihenfolge: locate, identify, destroy. Allerdings reichte die durch Peilung unter realen Bedingungen der Wellenausbreitung erzielbare Ortungsgenauigkeit meistens nicht aus, um ein gepeiltes Objekt mit konventioneller Waffenwirkung (z. B. Artillerie) als Punktziel wirksam bekämpfen zu können. Es wurde allgemein die Auffassung vertreten, dass die Fm/EloAufkl allenfalls eine weitreichende Primäraufklärung mit Zielklassifizierung durchführen kann, der dann eine präzise Sekundäraufklärung mit einem anderen Aufklärungssensor zur Ermittlung der exakten Zielkoordinaten folgen muss. «

Rudolf Grabau

Standortproblematik

Die vorliegende Auflistung legt ihr Schwergewicht auf die Dislozierung der Abhörstationen der Nachrichtendienste und militärischen Fernmeldeaufklärungstruppen. So werden die bekannten Führungszentren der Fernmeldeaufklärungstruppen, ihre Abhör- und Peilstellen sowie die Unterkunftsquartiere der Soldaten erfasst. Der Erfassungszeitraum beginnt mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945.

Die Stationen sind unter dem heutigen Gemeindenamen registriert. In dem ein oder anderen Fall änderte sich dieser Ortsnamen im Lauf der letzten Jahrzehnte. Dies betrifft insbesondere die frühere DDR, wo nach der deutschen Wiedervereinigung mehrere kommunale Verwaltungs- und Gemeindereformen durchgeführt wurden und vormals selbstständige Dörfer durch benachbarte Städte eingemeindet oder mehrere Ortschaften zu einer Gesamtgemeinde zusammengefasst wurden. In diesen Fällen ist das fragliche Objekt unter dem heutigen Gemeindenamen aufgeführt; ergänzend ist der ältere Ortsname mit einem entsprechenden Querverweis aufgelistet.

Die Erfassungs- und Peilstellen waren oftmals Einödstandorte in der deutschen Pampa, die im Kreis der dort stationierten Soldaten unter eigentümlichen Bezeichnungen bekannt waren. Dies betrifft insbesondere Berggipfel und Höhenzüge. Auch in diesen Fällen wurde pragmatisch vorgegangen und der Stellungsname und die betreffende Gemeinde mit passendem Querverweis gesondert aufgeführt.

Allerdings konnte – im Rahmen dieser Arbeit – der genaue Standort nicht immer ermittelt werden. So konnte für das Fernmeldenahaufklärungsbataillon 130 des I. Korps des Feldheeres der Bundeswehr kein Standort ausgemacht werden. Außerdem fehlen gekaderte EloKa-Mob-Einheiten des Territorialheeres. Desweiteren fehlt eine belgische EloKa-Aufklärungsstation, die sich in den fünfziger und sechziger Jahren im Raum Köln befunden haben soll. Auf Seiten des westdeutschen Bundesnachrichtendienstes lassen sich folgende Dependancen nicht lokalisieren: FORSTHAUS, SENNHÜTTE, STEMMBOGEN, GIPFELKREUZ. Außerdem findet sich in der Literatur der Hinweis auf eine unbekannte Gemeinde mit dem angeblichen Namen Vehrse.

Von folgenden möglichen NSA-Stationen in Westdeutschland ist zwar der Codename, nicht aber der Standort bekannt geworden: US-987L, US-987L1, US-987L2, US-987L3, US-987L4 und US-987L5. Gleiches gilt für eine USAFE-Niederlassung aus den Jahren 1957/58: USA-514. Weitere unbekannte Niederlassungen der deutschen oder alliierten Streitkräfte befanden sich auf dem Ravenberg und dem Torfhaus im Harz, etc..

Bezüglich der ostdeutschen Nationalen Volksarmee (NVA) konnte nicht in allen Fällen einer Fernmeldeaufklärungseinheit ein Standort zugeordnet werden. So fehlt z. B. die Funkaufklärungsgruppe 5 (FAG 5) (Deckname: KUNSTFERTIGKEIT) des Militärbezirkes V. Auf osteuropäischer Seite fehlen zudem die Kompanien für funkelektronischen Kampf, die jeweils den einzelnen sowjetischen Divisionen als Divisionstruppen zugeteilt waren. Außerdem sind von mehreren Niederlassungen zwar der Codename, nicht aber der entsprechende Stationierungsort bekannt. Auf Seiten des ostdeutschen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) fehlen folgende Niederlassungen entlang der innerdeutschen Grenze – von Nord nach Süd: Hoher Schönberg, Kreuzberg, Bockholzberg, Utrecht, Granziner Heidberge, Alter Sessel, Stadtberg, Die Höhe, H211.1, Rodenberg, Buchberg, Weinberg, Butterberg, Hilgenberg; Heuberg und H 345,1.

Außerdem sind nur reguläre Standorte, die - zumindest vorübergehend - als permanente Erfassungs- oder Peilstellen genutzt wurden, erfasst. Damit fallen alle temporären Aufbauplätze weg, egal ob diese bloß für Test- oder Übungszwecke dienten oder für den Kriegsfall vorgesehen waren.

Solche Bundeswehr-Aufstellplätze befanden sich auf dem Almberg, Altenschneeberg, Ameisenberg, Bad Steben, Berg, Dachsriegel, Dahme, Dickfeitzen, Eisenberg, Esbeck, Eschenberg, Heidelstein, Giessenberg, Goch (Baaler Bruch), Grosser Arber, Großer Falkenstein, Jerxheim, Kicklingen, Kittlitz, Kleeberg, Köln-Ostheim, Kostenberg, Lappwald, Linnich, Linter, Meigelsried, Mellrichstadt, Mölln, Müssingen, Neumünster-Boostedt, Nordhalben, Oberfahrenberg, Offenbach, Philippsreuth, Poppenreuther Berg, Radenbeck, Ravensberg, Reichenbach, Schienberg, Schutschur (= Höhe 108), Steinbach, Steinberg, Sulzberg, Wartberg, Wasserkuppe, Weingartenfels, Wittingen, ...

Neben bemannten Standorten werden – in Einzelfällen – auch unbemannte bzw. ferngesteuerte Stationen aufgelistet. Es fehlen allerdings alle Spionagesonden: Die US-Regierung hatte schon während des Vietnamkrieges getarnte Sonden entwickelt und eingesetzt (Operation IGLOO WHITE). Sie wurden danach weiterentwickelt und seit Ende der siebziger Jahre in der Nähe von Militärobjekten in der DDR (Finowfurt, Ifersgrün bei Reichenbach, bei Leipzig, Schneeberg bei Beeskow, etc..) platziert, um den fließenden Militärverkehr zu überwachen. Manche sahen aus wie ein Schuhkarton, den man in dreißig Zentimeter Tiefe vergraben hatte, andere waren als Ast getarnt. Verantwortlich dafür zeichneten der amerikanische Geheimdienst INSCOM und die NATO (Projekt ARVID GUARDIAN). Diese Sensoren hatten eine Reichweite von 20 km und konnten durch Satelliten ferngesteuert abgefragt werden. Außerdem setzten die USA gegen die DDR z. T. ortsfeste, aber automatische Anlagen ein (Projekt TROJAN). Das Ministerium für Staatssicherheit bezeichnete diese Sonden als Technisches Automatisches System (TAS) und startete zur deren Bekämpfung das Projekt PYRAMIDE/KEGEL. Außerdem dienten die MfS-Aufklärungsflüge RELAIS V mit An-26, Il-20 und Mi-8MT der Entdeckung der Sensoren; parallel dazu führten die Sowjets die Luftoperationen HAMSTER (mit Mi-8MT) und WETKA durch.

Es werden hier nur Abhörstationen mit transnationaler Ausrichtung erfasst: BND und NSA gegen MfS und GRU, westdeutsche Elektronische Kampfführung (EloKa) gegen den ostdeutschen Funkelektronischen Kampf (FEK). Alle Abhörmaßnahmen zur Überwachung der eigenen Bevölkerung durch die Sicherheitsdienste oder Cybercops fallen also prinzipiell heraus! Die Höcherl-Telefonaffäre (1963), die Wessel-Affäre (1968), die Wallraff-Affäre (1968), der Fall Klaus Traube (1977), die Schleyer-Entführung bzw. Stammheim-Affäre (1977), die CDU-Parteispendenaffäre (ab 1991, aufgedeckt 1999), die Journalisten-Bespitzelung durch den BND (2006) oder der Bundestrojaner in Westdeutschland, aber auch die notorische Diskriminierung der ostdeutschen Bevölkerung durch das Ministerium der Staatssicherheit oder die umstrittenen EU-Programme CARPER, IndECT oder PROACTIVE werden im Rahmen dieser Übersicht nicht (!) behandelt.

Allerdings sind Inland und Ausland nur geographisch streng getrennte Begriffe; im Intelligence-Bereich sind die Übergänge fließend. So können bei der Inlandsüberwachung auch nachrichtendienstliche Erkenntnisse über das Ausland anfallen, und manchmal liefert die Auslandsüberwachung Informationen über staatsgefährdende Umtriebe im eigenen Land. Viel zu oft nutzt ein ausländischer Nachrichtendienst seine Erkenntnisse aus der Auslandsüberwachung, um sich in die Innenpolitik dieses fremden Staates einzumischen. So wurde die Kohl-Biedenkopf-Abhöraffäre (1974/75) tatsächlich vom Ministerium für Staatsicherheit inszeniert. Die MfS-Abteilung III hatte das Gespräch aufgezeichnet, anschließend spielte die Desinformations-Abteilung X der Hauptverwaltung Aufklärung das Abhörprotokoll dem Hamburger Magazin Stern zu, das den Text im Juni 1975 veröffentlichte. Der Vorgang beschäftigte später auch den Bundesgerichtshof. Gleiches gilt für die Abhöraffäre Strauß-Scharnagel. Das Telefongespräch vom 28. September 1976 war durch die MfS-Abhörstation in Berlin-Friedrichshagen (Müggelseedamm 214) mitgeschnitten worden. Es wurde erst am 14. Januar 1978 öffentlich, als die Süddeutsche Zeitung aus dem vertraulichen Gespräch zitierte. Auch hier zog die MfS-Abteilung X im Hintergrund die Fäden (Operation GÄNSEBRATEN), um den alten Lockheed-Skandal aufzuwärmen. In einem internen MfS-Dokument hieß es dazu:

» Aktion Dschungel XV/2139/67, hier: Gänsebraten. Es wird vorgeschlagen, ein fiktives Abhörprotokoll zu erarbeiten und im Operationsgebiet BRD anonym postalisch zu verschicken. Der Inhalt betrifft ein Gespräch zwischen F. J. Strauß und W. Scharnagl (beide CSU) aus dem Jahre 1976 über die Lockheed-Akten und Gestaltung des Bayernkurier im Bundestagswahlkampf. Als Zielobjekt wird die Süddeutsche Zeitung vorgeschlagen. Hier beschäftigt sich das Bonner Redaktionsmitglied …, der Strauß gegenüber kritisch eingestellt ist, besonders intensiv mit dem Abschluss der Untersuchungen zur Lockheed-Schmiergeld-Affäre in der BRD. Ziel dieser Maßnahme: die Dienste (BND) mit einer vorgetäuschten G-10-Abhörmaßnahme zu belasten und den bevorstehenden Abschluss der Lockheed-Untersuchungen durch den Ausschuss in Frage zu stellen und eventuell eine Fortführung zu provozieren. «

In der vorliegenden Studie geht es allein um die wechselseitige Überwachung entlang des Eisernen Vorhangs zwischen BRD und DDR sowie BRD und CSSR. Dabei setze ich mich bewusst über das Staatsverständnis der classe politique der alten BRD hinweg, für die die DDR niemals Ausland, sondern immer ein integrativer Teil der BRD war. Eine solche staatspolitische Feststellung war für die Abhöraktivitäten der drei Westalliierten bzw. der Sowjetunion sowieso nie von Belang.

Auch fielen bei der strategischen Überwachung des Telefon- und Briefverkehrs zwischen der BRD und der DDR nachrichtendienstliche Erkenntnisse über BRD-Bürger an. Diese Abhörstationen des Verfassungsschutzes (VS) und des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) werden aufgeführt, alle anderen Stationen zur Inlandsüberwachung der beiden Abwehrdienste bleiben außen vor.

Da nur die inländischen Stationen erfasst werden, fehlen alle ausländischen Abhörstationen des Bundesnachrichtendienstes (DDR, Republik Polen, Österreich, Spanien, Italien, Französisch Guayana, Libyen, Südafrika, Libanon, Nordiran, Afghanistan, Pakistan, Volksrepublik China, Taiwan,...) oder des Ministeriums für Staatssicherheit bzw. des Militärischen Nachrichtendienstes der DDR (BRD, Belgien, Volksrepublik Polen, Ungarn, Kuba, Nahost, ….).

Die Auflistung ist unterteilt nach BRD und DDR. In der DDR-Liste sind natürlich alle ostdeutschen Standorte erfasst. In der BRD-Liste sind alle Stationen in der alten und neuen BRD erfasst. So zählen zur BRD-Liste nicht nur die ostdeutschen oder russischen Abhörstationen an den diplomatischen Vertretungen in Bonn, sondern auch die früheren Standorte der NVA oder des GRU in Ostdeutschland, sofern diese Abhörstationen nach der Wende vorübergehend von der Bundeswehr übernommen wurden. Daher werden einzelne Ost-Standorte – je nach Benutzer - doppelt aufgeführt!

Problematisch sind die Angaben von wann bis wann eine bestimmte Einheit an einem Standort stationiert war. Oft beziehen sich diese Angaben in der Quellenliteratur nicht darauf, wann eine bestimmte Einheit an einem Ort disloziert war, wie man es erwarten sollte. Da so manche Einheit ein- oder mehrfach umbenannt wurde, ohne ihren Standort zu wechseln, beziehen sich die Angaben oftmals auf den gesamten Stationierungszeitraum dieser Einheiten unterschiedlichen Namens. Daher finden sich in der Literatur höchst verschiedene Daten, die in der Auflistung nicht immer abgestimmt und klargestellt werden konnten.

Sonstige Aspekte

Durch den gewählten Focus auf die Dislozierung der Fernmeldeaufklärungseinheiten werden andere Aspekte ausgeblendet oder nur am Rande beleuchtet. Dies betrifft insbesondere die Lebensbedingungen in den Stellungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf irgendwelchen einsamen, windigen Berggipfeln errichtet wurden. Durch die dortigen Verhältnisse (Unterbringung in Zelten oder Notunterkünften, mangelhafte sanitäre Einrichtungen, fehlende Heizungen, etc.) wurde den Soldaten einiges zugemutet.

Die vorliegende Auflistung ist nur bedingt geeignet, um die Organisationsgeschichte der Fernmeldeaufklärungstruppen nachzuzeichnen. Hier sei der Leser auf die einschlägige Literatur verwiesen. Auch auf personelle Chronologien mit Aufzählung der jeweiligen Verbands- und Einheitsführer musste weitgehend verzichtet werden. Über die mangelhaften militärischen Führungsqualitäten und Defizite in der Menschenführung der Bundeswehroffiziere und anderer Vorgesetzter braucht hier nicht weiter spekuliert werden.

Schwerer wiegt der Verzicht auf eine Beschreibung der Geräteausstattung. Außer allgemeinen Angaben zur Ausrüstung der Fernmeldeaufklärungstruppen waren – nur in Einzelfällen – zuverlässige Angaben zum Gerätebestand einzelner Standorte verfügbar. Auf die technischen Merkmale und Leistungsparameter musste vollständig verzichtet werden. Auch hier sei der Leser auf die einschlägige Literatur verwiesen.

Es wäre wünschenswert gewesen, wenn man über zuverlässige (statistische) Angaben zur Leistungsfähigkeit bzw. dem Umfang der Abhörtätigkeit verfügen würde. In der Literatur werden dazu durchaus Angaben gemacht. Aber diese sind sehr widersprüchlich, manchmal nur schwer verständlich. Um hier nicht ein trügerisches Bild zu zeichnen, das über die wahren Verhältnisse eher hinwegtäuscht, habe ich auf Feststellungen dieser Art i. d. R. verzichtet. Daher mag sich der Leser selbst bemühen, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Hier möchte ich es bei einem Zitat von Egon Bahr belassen: Unsere Dienste haben weder den Bau noch den Fall der Mauer vorhergesagt. Andererseits erklärte ein Regierungsmitglied nach der Abhöraktion gegen Helmut Kohl und Kurt Biedenkopf 1975: Das ist ja zum Kotzen! Alles, was wir jetzt reden, nimmt irgendwo jemand auf.

Quellenlage

Ein großes Problem bei der Aufzeichnung der militärischen bzw. nachrichtendienstlichen SIGINT-Landschaft in Deutschland war die Quellenlage! Auf der einen Seite liegen mehrere umfangreiche Darstellungen von früheren kompetenten Mitgliedern der Fernmeldeaufklärungstruppen und ihres Umfeldes vor. Wer hätte sich auch sonst dieses Themas adäquat annehmen können? So stammt die verwendete Literatur u.a. von:

Rudolf Grabau, der auf eine 31-jährige Karriere in der EloKa-Truppe der Bundeswehr zurückblicken kann und bis zum Oberst aufstieg.

Manfred Bischoff, der mehrere Jahre auf dem Thurauer Berg beim Bundesheer Dienst tat,

Günther K. Weiße diente mehr als 35 Jahre bei der Bundeswehr, er war u.a. Mitglied beim Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr und beim Zentrum für Nachrichtenwesen, arbeitete im BMVg und beim Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) der NATO,

Generalmajor a. D. Horst Männchen, der fünfunddreißig Jahre im Ministerium für Staatssicherheit der DDR diente und mehrere Jahrzehnte dessen (Haupt-)Abteilung III leitete,

Volker Liebscher diente mehr als 15 Jahre im MfS und leitete u.a. die SIGINT-Aufklärungsflüge RELAIS,

Klaus Eichner war 33 Jahre im MfS und arbeitete zuletzt in der Abteilung IX Gegenspionage gegen die US-Nachrichtendienste,

Julius Mader war Offizier im besonderen Einsatz (OibE) bzw. Einflussagent des MfS mit dem Dienstnamen THOMAS BERGNER,

Alexander I. Pali war Dozent an einer Militärakademie der sowjetischen Luftverteidigungstruppen,

Matthew M. Aid war intelligence analyst im US-Verteidigungsministerium,

Bill Scannell arbeitete Anfang der achtziger Jahre auf der NSA-Station in Westberlin als Auswerter.

Außerdem haben sich die ehemaligen Mitarbeiter militärischer Aufklärungseinheiten zu Veteranenvereinen zusammengeschlossen, die heutzutage eine eigene Webseite betreiben. Nicht zuletzt liegen mittlerweile mehrere Untersuchungen der Wissenschaftler der so genannten Gauck- bzw. Birthler-Behörde mit umfangreichen Dokumentenanteilen vor.

Andere Autoren, die nicht aus dem Geheimdienstmilieu stammen, wurden wegen ihrer Recherchearbeiten und Kontakte vom BND bespitzelt. Dazu zählen Erich Schmidt-Eenboom (vom BND als Journalist T. aufgeführt) und Bodo Wegmann.

Auf der anderen Seite enthalten die Quellen – nicht zuletzt wegen ihrer Informationsfülle – viele Fehler und Widersprüchlichkeiten. In den Geheimdiensten und Streitkräften wird nun einmal nicht gern gesehen, dass Mitarbeiter ein privates Diensttagebuch führen oder mit dem Fotoapparat durch die Anlage laufen, um dieses oder jenes für eine spätere Dokumentation festzuhalten. Außerdem sind Agenten und Soldaten eben keine Historiker. Anders als in den USA durfte in der Bundesrepublik in den letzten siebzig Jahren nur das Ex-Führungspersonal der Geheimdienste lukrative Memoiren veröffentlichen. Wenn einfache Mitarbeiter über ihre frühere Tätigkeit berichteten, wurden sie strafrechtlich belangt.

Auf den Veteranenseiten einzelner Truppenteile im Internet finden sich widersprüchliche Angaben dazu, wann was stattgefunden hat. Der eine Autor nannte für die Gründung der Fernmeldekompanie 621 gleich mehrere Datumsangaben. Der zweite Autor verwechselte wohl das FmBtl 120 mit dem FmBtl 220 - oder habe ich dort etwas falsch verstanden? Der dritte Verfasser machte aus Butzbach Bunzbach. Für die US-Behörden endet die deutsch-amerikanische Freundschaft sowieso dort, wo die deutsche Orthographie anfängt. Im Rahmen dieser Arbeit konnten die widersprüchlichen Angaben nicht immer aufgeklärt werden. Gleichzeitig sind die Veteranen-Blogs angefüllt mit unbedeutenden Anekdoten oder Nebensächlichkeiten über irgendwelche Truppenbesuche und Kompaniefeiern etc. Soldaten sind eben keine Publizisten.

Auch die professionelle Journalistengilde konnte – durch eigene Unkenntnis – keinen Ausgleich schaffen. So erklärte der frühere Leiter der BND-Niederlassung in Bad Aibling T. B. vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages sinngemäß: Was die Presse kolportiert, ist eine Mischung aus verschiedenen Systemen, verschiedenen zusammengestellten Organisationen und verschiedenen Zusammenhängen, die sich zwar gut lesen, aber so nicht ganz stimmen.

Angesichts dieser Quellenlage muss ich mich als Autor von meinem eigenen Text distanzieren und kann nicht die Garantie für die Richtigkeit aller Angaben übernehmen. Für entsprechende Leserkritik wäre ich dankbar (sigint-landschaft@gmx.de). Außerdem wären noch zahlreiche Informationslücken zu füllen. Obwohl der Kalte Krieg bereits 25 Jahre zurückliegt, steht die militärhistorische Forschung immer noch am Anfang. Es mangelt an öffentlichem Interesse, dem politischen Willen und der notwendigen finanziellen Unterstützung.

Trotz der genannten Einschränkungen bildet die vorliegende Liste antimilitaristischen Heimatforschern eine gute Grundlage für weitergehende Recherchen im lokalen Stadtarchiv oder im Archiv der Lokalzeitung, sofern dieses noch nicht wegrationalisiert wurde.

Bundesrepublik Deutschland

Gründung und Souveränität der BRD

Nach der bedingungslosen Kapitulation des deutschen Reiches am 8. Mai 1945 ging die politische und militärische Macht an die vier Siegermächte – UdSSR, USA, Großbritannien aber auch Frankreich - über. In einer Zusatzerklärung zur Berliner Erklärung vom 5. Juni 1945 legten die Siegermächte die einzelnen Besatzungszonen fest, übten die Hoheitsgewalt in ihrer jeweiligen Zone aus und regierten gemeinsam mittels einer Alliierten Kommandantur über Groß-Berlin. Die deutschen Ostgebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie wurden durch die Potsdamer Beschlüsse vom 2. August 1945 ausgegliedert und waren mithin nicht mehr dem alliierten Besatzungsrecht unterworfen. So verlor Deutschland rund 25 Prozent seines früheren Staatsgebietes. Die Vier Mächte bemühten sich anfangs noch um eine gemeinsame Besatzungspolitik. Einig war man sich über eine Demilitarisierung und Entnazifizierung. Aber schon bei der Frage, was man unter einer Demokratie zu verstehen habe, zeigten sich erste Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion einerseits und den Westmächten andererseits.

Die BRD wurde am 23. Mai 1949 gegründet, als das Grundgesetz als provisorische Verfassung in den drei westlichen Besatzungszonen in Kraft trat. Am 15. September 1949 wählte der Bundestag Konrad Adenauer (CDU) zum Bundeskanzler. Einen Tag nach der Vereidigung der Regierungsmitglieder fand sich der neue Bundeskanzler bei der Alliierten Hohen Kommission (AHK) am 21. September 1949 auf dem Petersberg bei Bonn ein, um brav seine Regierung den Westalliierten offiziell vorzustellen und um das alliierte Besatzungsstatut entgegen zu nehmen, das fortan die Beziehungen zwischen der Bundesregierung und den Siegermächten in der Trizone regelte.

Unter der ersten bundesdeutschen Regierung schritt die Westbindung weiter voran. Dazu notierte der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer bereits am 16. März 1946 in einem Brief: Die Gefahr ist groß. Asien steht an der Elbe. Nur ein wirtschaftlich und geistig gesundes Westeuropa, zu dem der nicht von Russland besetzte Teil Deutschlands gehört, kann das weitere und machtmäßige Vordringen Asien aufhalten.

Außerdem favorisierten die vier Siegermächte schließlich eine Politik zur Teilung Deutschlands. Am 22. Juni 1953 schrieb der britische Staatsminister Selwyn Lloyd an Premierminister Winston Churchill:

» Deutschland ist der Schlüssel zum Frieden in Europa. Ein geteiltes Europa bedeutet ein geteiltes Deutschland. Deutschland wieder zu vereinigen, solange Europa geteilt ist, ist – selbst wenn dies machbar wäre – gefahrvoll für uns alle. Deshalb fühlen alle – Dr. Adenauer, die Russen, die Amerikaner, die Franzosen und wir selbst – im Grunde des Herzens, dass ein geteiltes Deutschland zurzeit die sichere Lösung ist. Aber keiner von uns wagt dies wegen seiner Auswirkungen auf die öffentliche Meinung auch offen zuzugeben. Deshalb unterstützen wir alle öffentlich ein vereintes Deutschland, jeder allerdings aufgrund seiner eigenen Bedingungen. «

Für die separate Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland markierte das Jahr 1952 einen Meilenstein: Der Deutschlandvertrag (offiziell Vertrag über die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Drei Mächten, auch Bonner Konvention genannt), wurde am 26. Mai 1952 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den drei westlichen Besatzungsmächten Frankreich, Großbritannien und USA abgeschlossen, aber von Frankreich später nicht ratifiziert. Er wurde in Teilen neu ausgehandelt und trat am 5. Mai 1955 in leicht geänderter Version in Kraft.

Durch den Deutschlandvertrag, der als Überbrückungsvertrag das entstandene Vakuum zwischen der Kapitulation nach dem Zweiten Weltkrieg und einem zukünftigen Friedensvertrag füllen sollte, wurde das Besatzungsstatut abgelöst. Die Bundesrepublik erhielt die volle Macht eines souveränen Staates über ihre inneren und äußeren Angelegenheiten zugesprochen, einige wenige besatzungsrechtliche Vorbehalte verblieben bei den drei Schutzmächten. So nannte Außenminister Heinrich von Brentano 1955 im Bundestag die Vertragsbestimmungen einen vorübergehenden Überhang ehemals weitreichender besatzungsrechtlicher Befugnisse; so wären die Alliierten an das Post- und Fernmeldegeheimnis aus Artikel 10 GG nicht gebunden, da sie den Beschränkungen von Artikel 10 GG nicht unterliegen. Die Vertragspartner vereinbarten pro forma das Ziel der Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit und eines frei vereinbarten Friedensvertrags für ganz Deutschland.

Fortan war für den Aufenthalt ausländischer Truppen auf dem Gebiet der Bundesrepublik nicht mehr das auf Kriegsrecht beruhende Besatzungsstatut die rechtliche Grundlage, sondern es handelte sich um vertragliche Abmachungen zwischen mehr oder weniger gleichberechtigten Staaten. Demgemäß wurde der Deutschlandvertrag ergänzt durch den Truppenvertrag über die ausländischen Streitkräfte, den Finanzvertrag, der den Unterhalt dieser Streitkräfte regelte, sowie den Überleitungsvertrag, der aus Krieg und Besatzung entstandene Fragen regelte. Weitere Regelungen des Deutschlandvertrags, die sich in Sonderrechten der Westmächte ausdrückten, betrafen Fragen, die die Viermächtestadt Berlin, Deutschland als Ganzes, eine mögliche Wiedervereinigung und eine endgültige Friedensregelung betrafen.

Mit dem Inkrafttreten des Deutschlandvertrages am 5. Mai 1955 traten gleichzeitig die Pariser Verträge in Kraft, die am 23. Oktober 1954 von den Mitgliedern der Westeuropäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und Italien ausgehandelt worden waren. Das Besatzungsstatut wurde aufgehoben und die Alliierte Hohe Kommission aufgelöst. Gleichzeitig trat die Bundesrepublik der Westeuropäischen Union (WEU) und der North Atlantic Treaty Organisation (NATO) bei. Zeitgleich wurden die alliierten Vorbehaltsrechte noch ausgeweitet und konkretisiert: Sie betrafen nicht mehr nur die Stationierung und Sicherheit der alliierten Truppen in der BRD, sondern beinhalteten auch einen Überwachungs-, Geheimdienst- und Notstandsvorbehalt. Erst mit der umstrittenen Verabschiedung der Notstandsgesetze am 30. Mai 1968 durch den Bundestag wurde ein Teil dieser alliierten Funktionen auf die westdeutsche Regierung zurückübertragen.

Erst nach der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 erhielt die erweiterte Bundesrepublik Deutschland gemäß dem Zwei-plus-Vier-Vertrag vom 15. März 1991 ihre volle Souveränität. Weitere Einschränkungen bestehen lediglich bezüglich alliierter Vorbehaltsrechte, die durch die alten Verträge zur Truppenstationierung fortbestehen. Es stellt sich daher die Frage, ob zur formal beschlossenen Souveränität auch die reale Cyber-Souveränität gehört.

Organisation Gehlen

Im Juni 1946 wurde die Organisation Gehlen (Org Gehlen, Org G oder OG) als deutscher Auslandsnachrichtendienst von der US-Regierung im Haus Alaska in Oberursel gegründet. Ihre amerikanischen Decknamen lauteten BOLERO, ULMANN, etc.. Nach dem Zweiten Weltkrieg konkurrierten zwei deutsche Gruppierungen um Genehmigung der Amerikaner zur Gründung eines Auslandsgeheimdienstes – die Organisation X um Hermann Baun und Gerhard Wessel sowie die Bolero-Gruppe um Generalleutnant a. D. Reinhard Gehlen. Letzterer konnte sich durchsetzen und so wurde Reinhard Gehlen alias Dr. Schneider, ein Rechtsradikaler mit allzu großen politischen Ambitionen, zum ersten Präsidenten der nach ihm benannten Organisation berufen.

Die Org Gehlen rekrutiere sich aus den Veteranen der Nachrichtendienste des Dritten Reiches, insbesondere dem SS-Sicherheitsdienst (SD) bzw. dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) unter Leitung von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, aber auch der OKH-Abteilung Fremde Heere Ost (FHO), die schon Gehlen geleitet hatte. Die Anwerbung der Altnazis kurz nach Kriegsende begründete der damalige US-Präsident Harry S. Truman folgendermaßen: Dieser Bursche Gehlen, mich interessiert nicht, ob er mit Ziegen fickt. Wenn er uns hilft, benutzen wir ihn. Im Jahr 1946 begann die Organisation mit zunächst 50 Mitarbeitern. Finanziert wurde sie erst durch die US-Regierung, später teils durch die amerikanische teils durch die westdeutsche Regierung.

Während die FHO zuletzt vom Hauptquartier MAYBACH I in Zossen aus operiert hatte, war die Organisation Gehlen zunächst in Oberursel bei Frankfurt (Camp King, Hohemarkstraße 101) stationiert, danach in einem Militärlager im Spessart; am 6. Dezember 1947 bezog die so genannte Generaldirektion ihr neues Hauptquartier im bayerischen Pullach (Heilmannstraße 30), das wegen des Umzugsdatums fortan Camp Nikolaus genannt wurde. Bei dem Objekt handelte es sich um die frühere Rudolf-Heß-Siedlung. In das einstige Wohnhaus des NS-Reichsleiters Martin Bormann zog Reinhard Gehlen ein.

Die Anfangsjahre waren für die Organisation Gehlen sehr schwierig. Während das Ministerium für Staatssicherheit der DDR im westdeutschen Nachrichtendienst zwanzig Doppelagenten platzieren konnte, gelang es dem MfS in den Jahren 1953 bis 55 mindestens 90 westdeutsche Agenten in der DDR festzunehmen (Operation FEUERWERK).

Im Jahr 1948 begann die Org Gehlen mit der Fernmeldeaufklärung, die damals gerade mal 18 Mitarbeiter umfasste. Im Jahr 1950 verfügte der Nachrichtendienst über 50 Horchfunker. Erster Leiter des Horchdienstes bzw. der Abteilung Nachrichtenwesen war Oberst a. D. Leo Hepp (von 1946 bis 1956), der von General a. D. Albert Praun (Dienstname: SCHWARZ) abgelöst wurde.

Aus der Org Gehlen ging – nach jahrelangen Verhandlungen mit der US-Regierung durch den Leiter des Kanzleramtes Hans Globke - 1956 der Bundesnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland hervor. Entsprechende Planungen begannen bereits 1949 und trugen die Codebezeichnungen OFFSPRING, ODEUM (seit 1950) und ZIPPER (seit 1951).

Bundesnachrichtendienst

Der Bundesnachrichtendienst (BND) wurde am 1. April 1956 in Pullach offiziell gegründet. Sein erster Präsident blieb für weitere Jahre Generalmajor Reinhard Gehlen. Ihm folgten 1968 General Gerhard Wessel, 1979 Klaus Kinkel, 1983 Eberhard Blum, 1985 Heribert Hellenbroich, 1985 Hans-Georg Wieck, 1990 Konrad Porzner, 1996 Konteradmiral Gerhard Güllich (Dienstname: STAMMBERGER), 1996 Hansjörg Geiger, 1998 August Hanning, 2005 Ernst Uhrlau und am 1. Januar 2012 Gerhard Schindler, der beseelt ist von seiner Freundschaft zu den USA. Vor der Org Gehlen übernahm der BND zunächst auch die Zentrale in Pullach. Erst im Jahr 2014 begann langsam der Umzug des BND in sein neues Hauptquartier in Berlin-Mitte (Chausseestraße). So leistet der BND seinen Beitrag zur Gentrifizierung in der deutschen Hauptstadt.

Gesetzliche Grundlage des deutschen Auslandsgeheimdienstes ist das BND-Gesetz (BNDG) vom 20. Dezember 1990 in der Fassung vom 20. Juni 2013. Darüber hinaus sind für Abhöroperationen das Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses (G-10-Gesetz) in der Fassung vom 29. Juni 2001, das Telekommunikationsgesetz (TKG) in der Fassung vom 25. Juli 2014, das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) in der Fassung vom 14. August 2009 und die Telekommunikationsüberwachungsverordnung (TKÜV) in der Fassung vom 9. November 2005 von Belang.

Zur Implementierung der gesetzlichen Vorgaben ist beim BND-Präsidenten ein G-10-Referat mit circa 8 Mitarbeitern und eine Datenschutzbeauftragte angesiedelt. Die mittlerweile bekanntgewordene enge Zusammenarbeit des BND mit der amerikanischen NSA ist durch die bestehende Gesetzeslage nicht abgedeckt; eine Novelle des BND-Gesetzes bezüglich der Weitergabe von personenbezogenen Daten (§§ 9, 9a und 10) damit unumgänglich.

Im Gründungsjahr 1956 hatte der Dienst 1.245 Mitarbeiter, deren Zahl stieg bis Ende der achtziger Jahre auf schätzungsweise 6.500 bis 7.500 Mitarbeiter, davon waren circa 80 Prozent in der Zentrale in Pullach

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