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Märchen, die den Kindern helfen: Geschichten gegen Angst und Aggression, und was man beim Vorlesen wissen sollte

Märchen, die den Kindern helfen: Geschichten gegen Angst und Aggression, und was man beim Vorlesen wissen sollte

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Märchen, die den Kindern helfen: Geschichten gegen Angst und Aggression, und was man beim Vorlesen wissen sollte

Bewertungen:
2/5 (1 Bewertung)
Länge:
280 Seiten
2 Stunden
Freigegeben:
Feb 10, 2015
ISBN:
9783701505760
Format:
Buch

Beschreibung

Märchen und Geschichten zur Therapie kindlicher Verhaltensstörungen heranzuziehen, entspricht den Neigungen und Bedürfnissen des Kindes. Denn Kinder lieben Märchen, und sie können aus ihnen lernen. Wie die Helden der Geschichten lernt das Kind, Schwierigkeiten zu überwinden, Ängste abzubauen, Probleme zu lösen.
Da ist zum Beispiel Martin, der auf seiner Traumreise zu den Zwerghunden seine Angst vor Hunden ablegt. Oder Vera, die im Durcheinanderland der Schlamper Ordnung halten lernt. Das Katzenkind Liesi entdeckt, wie schädlich das Nägelbeißen für gesunde Katzen ist, der Prinzessin Hosenass verhilft eine Wunderblume zu einem trockenen Bett.
Völlig ohne Zwang wird das Kind durch die Märchen zu einer Änderung seines Verhaltens motiviert. Dabei ist jedem der über zwanzig behandelten Probleme eine Geschichte gewidmet. Um die Anregungen in die Praxis umsetzen zu können, benötigt das Kind die Hilfe und Anleitung von Erwachsenen. Was Eltern dazu wissen müssen, erfahren sie in der Einleitung und den Kommentaren im Anschluss an die Geschichten.
Freigegeben:
Feb 10, 2015
ISBN:
9783701505760
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Märchen, die den Kindern helfen - Gerlinde Ortner

Problemen.

Die entwicklungsbedingten Krisenphasen

Die gröbsten Erziehungsfehler werden während der Krisenphasen gemacht. Einerseits aus fehlendem Verständnis, andererseits, weil die Eltern sich bemüßigt fühlen, sich dem „schwierigen Kind besonders intensiv zu widmen. Das Kind wünscht sich natürlich die vermehrte Zuwendung der Eltern. Steht es nun häufig auf Grund seines störenden Verhaltens im Mittelpunkt, so wird dieses „Schlimmsein durch die unmittelbare Beachtung verstärkt und tritt auch dann noch auf, wenn es nicht mehr mit der entwicklungsbedingten Krisenphase in Beziehung zu bringen ist.

Ich möchte Ihnen einen kurzen Überblick über das Entwicklungsgeschehen während der naturbedingten Krisenphasen geben.

Die Entwicklung des Kindes geht nicht gleichmäßig vor sich. Auf relativ ruhige Perioden, in denen es neu ­Erlerntes trainiert und Kräfte für den nächsten Entwicklungsschub sammelt, folgen Krisenphasen, in denen es Neues erwirbt und eine höhere Entwicklungsstufe erreicht. Während dieser Perioden steht das Kind unter enormer seelischer und körperlicher Belastung. Es ist labil, besonders empfindlich, hat Schwierigkeiten und macht daher auch Schwierigkeiten.

In den ruhigen Entwicklungsperioden sollen Eltern mehr darauf achten, dass sie einen konsequenten Er­ziehungsstil durchhalten, bei dem ihr „Nein" auch ein ­solches bleiben muss. Regeln und Verbote müssen aufgestellt und auf ihr Befolgen muss geachtet werden. Stellen Sie jedoch nur wirklich notwendige Regeln und Verbote auf, die Sie dem Entwicklungsstand des Kindes anpassen. Untersagen Sie dem Kind nicht mal dies oder jenes, nur weil es Ihnen gerade lästig ist. In den Krisenphasen dürfen Sie den konsequenten Erziehungsstil lockerer handhaben. Der Seelenzustand des Kindes hat Vorrang vor gutem Benehmen. Natürlich müssen auch hier Regeln vorgegeben werden und gewisse Verbote bestehen bleiben. Motivieren Sie das Kind, stärken Sie es, damit es Ihren Forderungen gerecht werden kann.

Siebter und achter Lebensmonat

Im siebenten bis achten Lebensmonat: erste Unterscheidung zwischen „bekannt und „unbekannt. Daher ist „Fremdeln, also Unsicherheit Fremden gegenüber, eine völlig normale Reaktion. Wenn das Kind zu wenig Geborgenheit erfahren hat, wenn sich ständig andere Betreuungspersonen um das Kind kümmern, dann fällt das „Fremdeln aus. Kommt es zu extremen Angstreaktionen, dann hat die Mutter sich und ihr Kind zu sehr von sozialen Kontakten abgeschottet und das Kind vereinnahmt.

Zweites Lebensjahr

Im zweiten Lebensjahr ist keine Krisenphase zu verzeichnen. Ich möchte dieses Alter nur im Hinblick auf den ­erforderlichen unterschiedlichen Erziehungsstil zum folgenden Lebensjahr erwähnen. Das Ein- bis Eineinhalbjährige ist noch ein so genanntes „Augenblickswesen. Es lässt sich leicht um- und ablenken, von äußeren Impulsen unmittelbar aktivieren. Das Selbstständigkeitsstreben muss einerseits unterstützt werden, andererseits sollen klare Barrieren aufgestellt sein. Das Kind muss lernen, dass es Grenzen gibt, die zu respektieren sind. Da es aber schnell vergisst, müssen Verbote durch ein kurzes „Nein (keine Erklärung! Das Kind versteht die Begründung noch nicht) immer wieder wiederholt werden. Konsequenz ist oberstes Erziehungsgebot. Diese starre Erziehungsform darf hingegen beim zweieinhalbjährigen Kind nicht mehr angewendet werden.

Drittes Lebensjahr

Im dritten Lebensjahr dürfen Sie beim Nicht-Einhalten gewisser Gebote durchaus ein Auge zudrücken. Das „Nein reicht nun nicht mehr. Sie müssen auf das Kind eingehen, es motivieren, Verbote kurz begründen. Die Erziehung muss sich also nach dem Entwicklungsstand des Kindes orientieren. Im dritten Lebensjahr, der „Trotzphase, kommt es zu einem seelisch und geistig enorm bereichernden Entwicklungsschritt, bei dem das Kind auf Ihr Verständnis angewiesen ist. Jetzt besteht erstmalig die Gefahr, einschneidende Erziehungsfehler zu begehen, die nur mühsam auszumerzen sind. Deshalb möch­te ich auf diesen äußerst wichtigen Lebensabschnitt in der Entwicklung eines Kindes näher eingehen. Das Kind ist nun kein „Augenblickswesen mehr. Es beobachtet, es verinnerlicht, es kann Pläne machen, in die Zukunft denken, auf die Vergangenheit zurückgreifen. Da sich diese geistigen Prozesse nach dem zweiten Geburtstag erst entwickeln, ist das Kind in diesem erweiterten Denken noch untrainiert und schwerfällig. Es kann sich nicht flexibel ein- und umstellen, es ist in seiner Gedankenwelt gefangen. Wird es aus dem Planen, aus seinen Vorstellungen abrupt durch eine Forderung der Eltern herausgerissen, protestiert es vehement oder ignoriert das Ansinnen der Eltern. Dieses Verhalten ist für Sie sicher nachvollziehbar, wenn Sie sich vorstellen, Sie versuchten gerade höchst konzentriert ein neues Computerprogramm zu entschlüsseln. Just in dem Augenblick, in dem Sie glauben, eine Vorstellung davon zu haben, wie es funktionieren könnte und diesen Versuch gleich umsetzen ­wol­len, kommt Ihr Partner mit der völlig unerwarteten ­Forderung: „Komm schnell, wir müssen noch vor Laden­schluss zum Baumarkt fahren. Wie würden Sie empfinden, wie reagieren? …! Sie sind im Denken geschulter als Ihr Kind, Sie haben gelernt sich zu beherrschen, Sie sind geistig flexibler – und dennoch kommt es auch bei Ihnen zu einer deutlichen Abwehrreaktion oder Blockade. Ihr Kind reagiert mit Zorn, Trotz oder Ignorieren, ein unangenehmes Verhalten, das ihm nicht anzulasten ist. Sie können solche Trotzreaktionen des Kindes nicht immer vermeiden, da nicht abzuschätzen ist, wann Sie das Kind gerade in seiner Vorstellungswelt stören. Bei einigen Situationen jedoch gelingt es durch den „Monolog-Trick das Kind auf Ihre Forderung einzustellen, ohne das Protestverhalten auszulösen. Der „Monolog-Trick ist ein vor dem Kind durchgeführtes Selbstgespräch, in dem Sie das Kind langsam zum elterlichen Programm hinführen. Das heißt, verpacken Sie Ihre Forderung in eine attraktive Schilderung der durchzuführenden Tätigkeit, wie z. B: „Wenn wir jetzt gleich fortgehen, dann hören wir wahrscheinlich wieder das Piepsen aus dem Park. Was das wohl sein mag? Eine Maus? Ein Vogel? Wir brauchen nur Richtung Kindergarten gehen und beim Park gut aufpassen, dann entdecken wir vielleicht, wer gestern dort so zart gepiepst hat." Durch dieses bildreiche Selbstgespräch lenken Sie das Interesse des Kindes auf das neue Programm, ohne es radikal aus seiner Vorstellungswelt zu reißen. Die kleine Mühe dieser Verpackung Ihrer Forderung lohnt sich. Sie ersparen sich und dem Kind ein länger anhaltendes Protestgeschrei.

Im dritten Lebensjahr entwickelt sich auch die Fantasie des Kindes. Eine geistige Bereicherung und seelische Belastung zugleich, da der neu erworbene Fantasiereichtum auch viele Ängste auslöst. Vermeiden Sie daher, dem Kind in diesem Alter aufregende Märchen und Geschichten zu erzählen oder Video- bzw. DVD-Filme zu zeigen, die Spannung erzeugen. Wenn das Kind Fernsehsendungen oder Videofilme zu sehen bekommt, dann immer in Ihrer Anwesenheit! Sprechen Sie an­schließend mit dem Kind sofort über den Inhalt des ­Filmes, um das Kind gegebenenfalls zu entlasten. Ver­suchen Sie auch, radikale Veränderungen im sozialen Umfeld zu vermeiden (Streitmilieu, Trennung, Übersiedelung). Nicht nur durch die geistige Bereicherung ist das Kind im dritten Lebensjahr erheblich belastet, auch durch das neu entstandene soziale Empfinden. Es wirbt bewusst um guten sozialen Kontakt, um liebevolle Zuwendung, es leidet unter Missstimmung. Sein sozialer Stellenwert in der Familie muss klar definiert und durch entsprechende Zuwendung gefestigt sein. In diesem Alter kommt es auch zum ausgeprägten „Ich-Erleben: „Ich bin der Schöpfer dieser Dinge. Ich kann! Ich will! Ich kann dies und jenes bewirken und auslösen. Das „Ich-Erleben erzeugt Willenskraft und Selbstbehauptung. Wie bei jedem anderen Entwicklungsschritt auch, der neu erworben ist, kann er noch nicht flexibel an die jeweilige Situation angepasst werden. Es kommt daher zu vehementen Willensäußerungen, die kaum Kompromisse zulassen. Proteste, Weigerung, Trotz sind altersge­mäße Reaktionen. Das „Ich-Erleben und die Rückmeldung vom „Du" haben höchste Bedeutung und ­bilden die Basis für späteres soziales Verhalten und Selbst­wert­gefühl. Gegen den dritten Geburtstag sollten diese genannten Entwicklungsschritte vollzogen sein. Dann erst ist das Kind reif für den Kindergarten.

Viertes bis siebtes Lebensjahr

Hat das Kind im dritten Lebensjahr die geistige Weiterentwicklung voll ausleben dürfen, hat es die Basis für sein Selbstwertgefühl und für soziales Verhalten erworben, dann wird es im vierten Lebensjahr interessiert, offen sein und die Eltern nur mit ständigen „Warum-Fragen nerven. Es ist körperlich sehr aktiv und hat Freu­de am Herumtollen mit anderen Kindern. Im fünften Lebensjahr beruhigt sich die „Sturm- und Drangzeit, das Kind sammelt Kräfte für den im sechsten ­Lebensjahr beginnenden Gestaltwandel von der Kleinkindform zur Schulkindform. Dieser Gestaltwandel be­lastet das Kind nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Das körperliche und seelische Gleichgewicht ist gestört. Das Kind schläft schlechter, wird wieder ängst­licher, krankheitsanfälliger, „launenhaft, und unordentlicher. Auch hier gilt, wie beim Dreijährigen: in der Erziehung ein Auge zudrücken; nicht Konsequenz um jeden Preis durchsetzen; weniger das Verhalten des Kindes werten, sondern auf den Gefühlszustand eingehen, die Persönlichkeit des Kindes anerkennend hervorheben. Das Kind erwirbt in diesem Alter nach und nach das „Regelbewusstsein – ein Entwicklungsschritt, der für die Schulreife erforderlich ist. Es achtet streng da­rauf, dass sich andere an die Regeln halten, findet aber nichts dabei, selbst die Regeln umzustoßen oder zu durchbrechen. Erst knapp vor Schuleintritt soll es auch von sich aus bereit sein, Regeln zu akzeptieren.

Achtes bis neuntes Lebensjahr

Im achten bis neunten Lebensjahr besteht keine in der Fachliteratur bezeichnete Entwicklungskrise. Und doch erlebt das Kind in diesem Alter eine sich auswirkende Belastung. Hat es zuerst den Eltern absolut vertraut, ist dann der Lehrer, die Lehrerin zur akzeptierten Autorität geworden, so erkennt das Kind plötzlich, dass Erwachsene unzulänglich sind, dass sie Fehler haben, lügen, mit zweierlei Maß messen. Das Kind verliert dadurch ein wenig an Vertrauen und somit an Geborgenheit. Das ­Resultat: freches Verhalten. Kontrollieren Sie Ihr eigenes Verhalten. Seien Sie möglichst gerecht und selbstkritisch. Geben Sie Fehler zu. Das Kind achtet nun mehr auf die Meinung Gleichaltriger.

Zehntes bis zwölftes Lebensjahr

Der hohe Stellenwert eines gesicherten Freundeskreises zeigt sich besonders im zehnten bis zwölften Lebensjahr, in der Höhe der reifen Kindheit, der neuerlichen sehr gesunden „Sturm- und Drangzeit. Es ist vorwiegend das „Alter der Jungs. In dieser Entwicklungsphase sollen Kinder sich nicht nur körperlich austoben dürfen, es soll auch der Kontakt mit Gleichaltrigen in Gruppen gefördert werden. Es ist eine wichtige Vorbereitungszeit für die Pubertät.

Vorpubertät und Pubertät

In der Vorpubertät kommt es – besonders merkbar bei Mäd­chen – zu Stimmungsschwankungen („himmelhochjauchzend zu Tode betrübt"), zu wechselweiser Ablehnung und Zuneigung. Models, Film- oder Popstars sind die unkritisch Angeschwärmten, denen man unbedingt nacheifern möchte. Alles im Verhalten wirkt überzeichnet. Der schulische Leistungsabfall bahnt sich an.

In der Pubertät kommt es zur Verinnerlichung. Die He­ranwachsenden werden sensibler, empfindlicher, labiler, sind nicht mehr leistungswillig. Sie werden uneins mit sich selbst, haben Probleme mit sich und anderen. Sie haben nicht die Kraft, sich für andere einzusetzen, sich zu engagieren. Sie fühlen sich wohl in Cliquen, sind aber wenig kommunikativ. Der junge Mensch fühlt sich unverstanden und allein, ist generell verunsichert. Entweder blockt der bzw. die Heranwachsende ab, verschließt sich oder kompensiert durch extremes Auftrumpfen, zeigt Aggression und Protestverhalten. Der junge Mensch ist auf der Suche nach Identifikation – oft mittels Gegenidentifikation mit dem Elternhaus und unkritischem Angleichen an „in-Modelle und extreme Gruppen. In dieser Krisenphase sollten Eltern Äußerlichkeiten (Kleidung, Benehmen, Verhalten) so weit wie möglich ignorieren und vorwiegend durch verständnisvolles Ansprechen der Gefühle dem Kind vermitteln: „Ich nehme dich ernst. Vertrauensvorschuss geben im Sinne von: „Ich glaube an dich, weil du ‚DU‘ bist." Keine negative Intention unterstellen, nicht bevor­munden. Forderungen über die Gefühlsebene bringen, Ansprechen der Fairness. Auch in dieser Krisenphase dem Kind immer wieder seinen positiven Stellenwert in der Familie und bei Freunden vor Augen halten. Das ­Erziehungsziel: Festigen des Selbstwertgefühls.

Voraussetzungen für Verhaltensveränderung

Es gibt gewisse Erziehungsnormen, die während der gesamten Entwicklung des Kindes Gültigkeit haben. Die folgenden Tipps und Richtlinien sollen Ihnen helfen, Erziehungsfehler zu vermeiden und damit Verhaltens­problemen Ihres Kindes vorzubeugen.

Sie wissen zumeist, was Sie dem Kind erlauben, was Sie ihm untersagen müssen, Sie haben bestimmte Vorstellungen und Ziele, die Sie in der Erziehung Ihres Kindes verwirklichen wollen. Sie kennen Ihr Kind in all seinen Stärken und in all seinen Schwächen. Sie bemühen sich, dem Kind die günstigsten Voraussetzungen zu bieten, Sie meinen es bei all Ihren Interventionen sicher gut und wollen das Beste für Ihr Kind. Dennoch sind Konflikte, Verhaltens- und Kontaktprobleme nicht immer zu verhindern. Kinder werden oft gefühlsmäßig überfordert und in ihrem Empfinden allein gelassen – sei es nun aufgrund einer schwierigen familiären oder einer veränderten sozialen Situation, sei es aufgrund von ungewollt mangelndem Verständnis seitens der Eltern oder anderer Bezugspersonen.

Die Erziehung sollte nur in zweiter Linie aus Geboten, Verboten, Richtlinien und Leistungsforderungen bestehen. Das Hauptaugenmerk einer guten Erziehung muss auf die seelische Stabilität des Kindes, auf den Aufbau des Selbstwertgefühls, der sozialen Kompetenz gerichtet werden. Erst auf dieser Basis ist es dem Kind möglich, den Erziehungsrichtlinien Folge zu leisten.

Wie bewirken Sie beim Kind eine gute seelische Sta­bilität? Es gilt, den seelischen Grundbedürfnissen, die jeder Mensch (also auch SIE!) hat, zu entsprechen: ernst genommen, verstanden und geschätzt zu werden! Das bedeutet, dass Sie bei Ihrem Kind zuerst einmal zwischen „Verhalten und „Sein unterscheiden müssen. Viele ­Eltern begehen den Fehler, ihre liebevolle Zuwendung vom erwünschten Verhalten ihres Kindes abhängig zu machen. „Ich kann das Kind doch nicht loben, wenn es sich falsch verhält!", ist oft das zynisch gebrachte Gegenargument. Kein vernünftiger Mensch erwartet von Ihnen, dass Sie das Kind für unangepasstes Verhalten belohnen. Aber Sie dürfen dem Kind auch keine bösen Absichten unterstellen. Kein normales Kind verhält sich negativ, ohne dass dieses Verhalten durch eine ­Ursache (seelische Konflikte, Gefühlslasten, Unsicherheit …) bedingt oder durch Modelllernen sowie Elternreaktionen verstärkt und somit aufrechterhalten worden ist.

Wenn sich das Kind also negativ verhält, so ist es deshalb nicht negativ – eine Aussage, die jedem klar ist. Dennoch erziehen viele Eltern ihr Kind entgegen dieser simplen Tatsache, sie setzen „Verhalten mit „Sein gleich.

Durch diesen Fehlschluss scheint es auch vielen Eltern so schwer zu fallen, ihrem Kind Vertrauen zu schenken. Wem sonst im Leben sollten Sie vertrauen dürfen als Ihrem eigenen Kind?! Bevor Sie Zweifel anmelden, möch­te ich daran erinnern, dass ich nicht vom Verhalten spreche. Bei keinem Menschen, nicht einmal bei mir selbst, würde ich dem Verhalten Vorschuss-Vertrau­en schenken. Zu viele bewusste und unbewusste seelische Vorgänge, Gefühlsregungen, äußere Bedingungen, soziales Geschehen usw. beeinflussen das Verhalten.

So ist zum Beispiel die Aggression ein durchaus negatives Verhalten; ihr Seelenhintergrund, die emotionalen Vorgänge hingegen, sind für mich zum Teil sogar schätzenswert! Keine Sorge, ich breche damit nicht eine Lanze für die Aggression. Ich möchte nur aufzeigen, wie wichtig es ist, hinter die Kulisse eines Verhaltens zu schauen. Es gilt, sich zuerst mit den inneren Vorgängen auseinander zu setzen und dann erst das Verhalten zu beurteilen.

Was steckt also sehr häufig hinter der Aggression? Empfindsamkeit, Unsicherheit, das Unvermögen, mit Konflikten umzugehen, geringe Frustrationstoleranz, Verletzt-, Gekränkt-, Enttäuscht-Sein, sich einer Situation gegenüber ohnmächtig, sich angegriffen, abgelehnt, einsam zu fühlen. Ein Gefühlsstau, ein innerer Überdruck, der sich entladen muss.

Welche Bedürfnisse liegen diesem Empfinden zugrun­de? Das Bedürfnis nach Wertschätzung, danach, ernst genommen zu werden, nach verständnis- und liebevoller Zuwendung. Also die Grundbedürfnisse aller Menschen, ohne deren Erfüllung keine innere Stabilität zu erreichen ist.

Das heißt natürlich nicht, dass jeder, dessen Grund­bedürfnisse nicht erfüllt werden, aggressiv reagiert oder gar den Freibrief für Aggression erhalten soll. Soziale Unsicherheit, ängstliches oder verschlossenes Verhalten sind die logischer erscheinenden Konsequenzen feh­lender innerer Stabilität und mangelnden Selbstwertgefühls. Ob gehemmtes oder aggressives Verhalten zu einer typischen Reaktionsweise auf äußere und innere Konflikte wird, hängt sehr wohl von der Erziehung (Verstärkung und somit „Belohnung des Verhaltens durch Beachtung und Zuwendung, keine erlernten Verhaltensalternativen) und von sozialen Mustern (Modell-Lernen) ab. Weiters wirkt sich aggressives Reagieren oft als unmittelbares Erfolgserlebnis aus, weil man damit das erwünschte Ziel erreicht (man steht im Mittelpunkt, andere geben nach, man flößt „Respekt ein, man kann sich entladen …). Das verstärkt dieses Verhalten. Beim Ängstlichen hingegen wirkt das Vermeiden belastender Situationen verstärkend auf die Inkompetenz.

Sie können nur zielführend gegen ein Verhalten vorgehen, wenn Sie zuerst seine psychischen Hintergründe erfasst haben und dadurch das „Sein" des Betreffenden verstehen lernen.

Wenn Sie Unarten, unangepasstes Verhalten des Kindes ändern wollen, dann richten Sie sich nach den Lehr­sätzen: Das Kind will um jeden Preis beachtet werden – lieber in negativer Weise als gar nicht! Jede Art von Zuwendung (egal, ob positiv oder negativ!), die sofort auf ein bestimmtes Verhalten des Kindes erfolgt, bewirkt, dass dieses Verhalten häufiger auftritt! Zuwendung (ermahnen, loben, kritisieren, gut zureden) und somit beachtet werden wirkt belohnend. Über die Zuwendung erhält das Kind auch seinen sozialen Stellenwert, der für die Orientierung der Persönlichkeit, für das Selbstwertgefühl – wie jeder Erwachsene aus eigener Erfahrung weiß – vonnöten ist. Deshalb holt sich auch ein Kind, das seitens der Eltern ausreichend gelobt wird, oft durch unangepasstes Verhalten die Bestätigung seines Stellenwertes, im Sinne von: „Ich kann etwas bewirken, ich kann mich, wann immer ich möchte, ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken."

Die richtige Erziehungs-Alternative: Beziehen Sie sich anerkennend auf ein bereits gezeigtes erwünschtes Verhalten des Kindes, auf positive Erfahrungswerte. Äußern Sie sich wertschätzend über das Kind, geben Sie dadurch Vertrauensvorschuss („…weil du so und so tüchtig, stark, liebevoll …bist, weiß ich, dass du mich sicher nicht enttäuschen, nicht traurig machen, etwas zerstören, unterlassen…hast wollen. Du schaffst es ganz gewiss, dich so und so zu verhalten, denn du bist doch tüchtig, stark, liebevoll …") Erst dann, falls erforderlich, instruieren Sie das Kind, warum das Fehlverhalten abzulehnen ist, und demonstrieren Sie ihm – falls erforderlich –, welche Konsequenzen daraus entstehen (z. B. Entzug von Vergünstigungen, von Zuwendung – nicht aber von Liebe!).

Bedenken Sie: Kaum jemand, vermutlich auch nicht Sie, ist durch abwertende Kritik, durch Ablehnung und Aburteilen zu motivieren, sein Verhalten zu ändern! Stärken und stabilisieren Sie Ihr Kind durch Anerkennung. Anerkennung hat nichts mit Verzärteln und Lobhudelei zu tun. Anerkennung, im Sinne eines positiven Feedbacks (einer positiven Rückmeldung) sollte dem Kind nach folgenden Punkten (so oft wie möglich!) vermittelt werden:

•  Beziehen Sie

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