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Schule neu gedacht - Schule neu gemacht: Die moderne Schule. Reformpädagogische Unterrichtsentwicklung

Schule neu gedacht - Schule neu gemacht: Die moderne Schule. Reformpädagogische Unterrichtsentwicklung

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Schule neu gedacht - Schule neu gemacht: Die moderne Schule. Reformpädagogische Unterrichtsentwicklung

Länge:
375 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
24. März 2014
ISBN:
9783706557337
Format:
Buch

Beschreibung

Niemand kann heute mehr sagen, was unsere Kinder morgen in ihrem Leben erwarten wird. Welche Kompetenzen sollten sich Kinder in der Schule aneignen, damit sie sich auf die Herausforderung des Lebens einstellen können? Wir brauchen aktive, initiative und kreative Kinder, die die Bedeutung des Lernens für ihr ganzes Leben als wesentlich angenommen haben, die forschen und entdecken können, die fähig sind zur Teamarbeit, die sich etwas zutrauen und die in der Schule ihren ersten Lebensentwurf denken können.

Szenen aus dem Schulalltag als Ausgangspunkt für aktives und nachhaltiges Lernen und Kompetenzen sind die Grundlage für dieses Buch. Nicht unterrichten, sondern lernen ist der Mittelpunkt des schulischen Lebens. Reformpädagogische Konzepte leiten uns an. Diese Schule macht Kinder selbstbewusst. Aktives Lernen an Stelle von Unterrichtet-Werden, mitbestimmen statt ausführen, Verantwortung übernehmen, über sich selbst bestimmen und forschen, entdecken und diskutieren, dokumentieren, entwerfen und konstruieren stehen im Zentrum der schulischen Aktivitäten.

Das Buch dokumentiert die pädagogischen Grundlagen und Unterrichtsentwicklungsprozesse an reformpädagogischen Schulen.
Herausgeber:
Freigegeben:
24. März 2014
ISBN:
9783706557337
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Schule neu gedacht - Schule neu gemacht - Christian Laner

anzunehmen.

Teil 1

Aller Anfang macht Freude

Peter, der Lehrer für Biologie, sitzt im Lehrerzimmer, schenkt sich gerade einen Kaffee ein und ist mit seinen Gedanken beschäftigt: Das war es eigentlich nicht, was er sich unter dem Lehrberuf vorgestellt hat, vor der Klasse zu stehen, Inhalte durchzuarbeiten, Tests oder Schularbeiten zu machen und dann Noten zu geben. Er hatte eine andere Vorstellung: mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, ihnen einiges zu vermitteln, aber sie vor allem selbst entdecken zu lassen und es wie eine große Reise zu erleben: spannend, manchmal auch sehr anstrengend, aber immer voller neuer Herausforderungen. Jeder sollte sich dann nach seinen Fähigkeiten einbringen.

Da betritt Petra, die Deutschlehrerin, den Raum. Sie spricht Peter an und er erzählt ihr von den Gedanken, mit denen er schon seit einiger Zeit intensiv beschäftigt ist. Petra wird hellhörig, ihr geht es nämlich ähnlich. Sie erzählt von einer Kollegin einer anderen Schule, an der andere Formen des Unterrichts umgesetzt werden. An dieser Schule sollen sogar die Klassen über die Jahrgänge hinweg gemischt sein und in Gruppen jahrgangsübergreifend organisiert sein. Und das in einer Sekundarschule! Inzwischen haben sich einige andere Kolleginnen und Kollegen dazugesellt und hören sich das an. Aber was Petra da erzählt, können sich die Kolleginnen und Kollegen überhaupt nicht vorstellen: Wie soll das gehen? Wie kann man dann noch Programm machen? Und sind die guten Schülerinnen und Schüler bzw. jene der höheren Klassen nicht völlig unterfordert, wenn sie mit den unteren Stufen arbeiten müssen? Wie lässt sich so was überhaupt organisieren? Und was ist mit der Kontrolle? Und mit der Bewertung?

Die Diskussion ist so anregend, bis plötzlich die Idee auftaucht, so eine Schule doch mal zu besuchen. Eine Kollegin ist bereit, sich gleich zu informieren und tatsächlich: Nach drei Wochen sind die interessierten Lehrpersonen einen ganzen Vormittag an der besagten Schule. Unsicherheit, Fragen, aber auch Faszination machen sich breit. Es wäre doch vielleicht … Die Diskussion läuft und die Gedanken werden immer konkreter. Die Lehrpersonen beginnen zu recherchieren, Ideen zu sammeln und interessieren sich, welche Möglichkeiten bestehen. Und tatsächlich, nach einem Jahr starten sie mit großem Elan. Diese Gruppe arbeitet nun seit fünf Jahren auf diese Weise, hat ihr Konzept mit Begleitung und Unterstützung von außen ständig weiterentwickelt, das nun fester Bestandteil der Schulkultur in der Schule ist. Wichtigste Aussage: Wir können uns nicht mehr vorstellen, anders zu unterrichten. Besucht man heute diese Schule, spürt man den Geist, der damals ausgebrochen ist.

Wie gehen wir vor?

Sehr hilfreich ist es, an einer Schule zu hospitieren, die den Prozess der Unterrichtsentwicklung bereits laufen hat. Wer eine solche Schule erlebt, spürt, wie intensiv Kinder, Lehrpersonen und auch Eltern an dieser Arbeit beteiligt sind und mit welchem Engagement gearbeitet wird.

Den Anfang bilden immer kleine Veränderungen. Die Kinder sollten die Arbeitstechniken lernen, sie sollten vertraut werden mit dem, was sie erwartet. Dies ist für Kinder der 1. Klasse Grundschule weniger notwendig als für Kinder, die bereits in höheren Klassen sind. Schrittweise erwerben die Kinder und Lehrpersonen die notwendigen Sicherheiten, um langsam den Unterricht zu öffnen. Meist ist der Prozess für die Lehrpersonen schwieriger als für die Kinder.

Zu den Strategien, die erworben werden müssen, zählen Umgang mit Material, Gesprächskreise, Einüben demokratischer Regeln, Entwicklung von Verantwortung für das eigene Tun, die Bedeutung der Gruppe und darin die Rolle der Lehrperson, die Gestaltung der Lernlandschaft und vieles mehr, das Sie in diesem Buch finden werden.

Sehr wichtig für den Prozess ist die Klärung von Begrifflichkeiten. Wir verwenden gleiche Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung, wobei selten Diskussionen darüber stattfinden, was eigentlich jede/jeder Einzelne darunter versteht. Versuchen Sie, sich in ihrer Gruppe darüber auszutauschen, was unter freier Arbeit verstanden wird. Sie werden erstaunt sein, wie groß die Bandbreite von Interpretationen dabei ist. Die zentralen Begriffe müssen in einem gemeinsamen Prozess geklärt werden, will man Konflikte vermeiden (vgl. Rolff, 2006). Sie sind grundlegend für die Arbeit selbst, für die Kommunikation nach außen und nach innen.

Sehr bewährt hat sich, wenn man sich eine Begleitung von außen holen kann. Der nicht direkt im Geschehen involvierte Begleiter kann Prozesse leichter lenken und auch bei Unklarheiten helfen, gemeinsame Nenner zu finden. Zusätzlich ist die Rolle des Motivators nicht zu unterschätzen, da doch häufig auch Unsicherheiten auftreten können. Gegenseitiges Hospitieren mit anderen Schulen, die denselben Weg beschreiten, ist sehr sinnvoll; hier kommt das Konzept der kritischen Freunde zu tragen (vgl. Höllrigl, Lanthaler, 1999).

Die Öffnung des Unterrichts kann nicht nur in der Grundschule, sondern auch in der Sekundarstufe I und II umgesetzt werden.

Warum machen wir das?

Was bedeutet Öffnung von Unterricht? Was ist Freiarbeit? Ist es Freiarbeit, wenn Kinder ein Programm bekommen, das sie zwar abarbeiten, aber zeitlich selber strukturieren können? Oder ist es das, wenn Kinder Stationenlernen durchführen? All dies sind Schritte in Richtung freier Arbeit. Wie Sie noch in diesem Buch erfahren werden, umfasst freie Arbeit und Öffnung von Unterricht in unserem Verständnis jedoch erheblich mehr.

Wenn man den Ansprüchen der Lehrpläne oder der Rahmenrichtlinien, aber auch dem Auftrag der Schule selbst gerecht werden will, ist es erforderlich, sich nicht allein auf die inhaltliche Ebene zu konzentrieren. Wir möchten die Kinder auf ihre Zukunft vorbereiten, gleichzeitig stellt sich aber immer häufiger die Frage, welches diese Zukunft sein wird. Die Veränderungen im Leben, in der Gesellschaft, in den Kulturen sind teilweise so rasant, dass es kaum zu leisten ist, darauf schnell zu reagieren. Inhalte veralten immer schneller. Mit den verschiedenen Möglichkeiten, die es heute gibt, um zu Informationen zu gelangen, öffnen sich gleichzeitig neue Möglichkeiten.

Worauf wollen wir also die nächsten Generationen vorbereiten? Kinder und Jugendliche sind heute anders, sie bringen einen anderen Hintergrund, sei es vom sozialen als auch vom Wissen her, mit. Was aber brauchen die Kinder und Jugendlichen in einer Zukunft, die wir nicht mehr vorhersehen können? Es wird immer ein Basiswissen brauchen, das für unsere Kultur kennzeichnend ist. Was wir mitgeben müssen, sind Strategien des Lernens, ein starkes Selbstbewusstsein, ein sicheres Auftreten, Flexibilität, und Freude am Lernen. Es wird immer mehr Menschen treffen, dass sie nicht mehr einen Beruf ausüben werden, sondern in ihrem Berufsleben öfters was anderes machen werden.

Es wird sich auch im Bereich der Interkulturalität einiges verändern. Es wird notwendig werden, andere Kulturen als Gewinn und nicht als Bedrohung zu sehen. Schließlich brauchen wir Menschen, die Verantwortung übernehmen, für sich und für andere.

All dies erfordert einen anderen Unterricht, einen Unterricht, der den Rahmen schafft, dies kontinuierlich zu üben. Demokratisches Verhalten endet nicht dort, wo der Einzelne seine Stimme bei Wahlen abgibt. Den Mut haben, seine Meinung zu äußern, auch mit kritischen Positionen konstruktiv umzugehen, dies soll zum Beispiel im Unterricht geübt werden. Es kann aber nicht gelingen, wenn der Einzelne ein- oder zweimal im Jahr einen Gesprächskreis leitet, ein wichtiges Instrumentarium in unserem Unterricht. Es bedarf des ständigen Übens, des Vorbildes und der Möglichkeit, es immer und immer wieder auszuprobieren. Dies beginnt bereits in der ersten Klasse Grundschule.

Diese neuen Anforderungen stellen eine große Herausforderung dar, sie zwingen uns, nach neuen Wegen zu suchen. Die Erfahrung zeigt, dass nach einem intensiven Start in den ersten Jahren die meisten Lehrpersonen nicht mehr bereit sind, in das klassische System zurückzukehren. Nicht nur die Kinder haben Freiheit gewonnen, sondern auch die Lehrpersonen. Sie spüren, dass sie viel gezielter auf einzelne Kinder eingehen können, dass sie auch gemeinsam mit den Kindern an den Herausforderungen wachsen. Es bedarf keiner großen Schritte, einen offenen Unterricht zu gestalten, es bedarf des Mutes und der kleinen Schritte.

Offener Unterricht bedeutet weniger, viel Material vorzubereiten, denn auf diese Weise reduzieren wir die Möglichkeiten der Lernenden, selbst aktiv zu werden. Es sind auch nicht die räumlichen Strukturen, die ein Hindernis darstellen. Auch bedarf es keiner zusätzlichen personellen Ressourcen. Diese Art des Unterrichts lässt sich in jeder Klasse, in jeder Schule umsetzen. Notwendig ist die Bereitschaft, sich auf Unsicherheiten einzulassen, zu akzeptieren, dass es eine bestimmte Zeit braucht, bis alles rund läuft. Aber wenn es dann läuft, ist es für alle Beteiligten eine große Erleichterung, und wenn man erlebt, wie die Kinder diese Prozesse erleben, findet man darin die größte Bestätigung. Es sollte jedoch klar sein, dass diese Überlegungen nicht dem Konzept ‚Jeder macht, was er will‘ folgt, sondern zentral dem Begriff des ‚Leistungsmutes‘ verschrieben ist. Kinder werden dort abgeholt, wo sie stehen, aber sie werden auch dazu geführt, ihr Bestmögliches zu leisten, wie in den folgenden Kapiteln noch ausgeführt wird.

„…, so ist es auch im Schulalltag: Als Lehrer erfolgreich zu sein, erfordert die Bereitschaft und den Mut, gelegentlich auch einmal eingefahrene Wege und gewohntes Terrain zu verlassen, Unsicherheit und Uneindeutigkeit zu ertragen, selbst neue und innovative Formen der Selbstvergewisserung und Gestaltung des eigenen Unterrichts zu probieren – auch auf die Gefahr hin, dass der Erfolg unter den Erwartungen bleibt." (Helmke, 2007, S. 238)

„Der Freiheit anderer Name ist Verantwortung" (Thomas Mann)

Die Stammgruppe Grün, also die 1.–3. jahrgangsübergreifende Klasse der Grundschule sitzt im Klassenrat zusammen und diskutiert eben die Arbeitsweise von Michaela, die momentan ein wenig Probleme macht. Einzelne Kinder fühlen sich durch sie gestört, da sie die vereinbarten Aufgaben, die täglich am Morgen besprochen werden, nicht ausführt und dafür ständig zu den anderen Kindern geht und sie bei der Arbeit stört. Es ist für sie keine angenehme Situation, da sie die Gruppe spürt und erlebt, dass die Gruppe von ihr Einsatz bei der Arbeit einfordert. Peter meint, es könne doch nicht angehen, dass alle ihre Arbeiten machen und sie sich vor allem drückt. Sie habe ja die Möglichkeit, neben den nicht sehr umfangreichen Pflichtaufgaben sehr viel selbst entscheiden zu können, was sie machen möchte. Anna meint, dass sie dann die Sachen machen könnte, die ihr auch Spaß machen. Aber die Gruppe akzeptiert nicht, dass sie nur stört.

Fritz hat mit Mara ein gemeinsames persönliches Thema zu „Baukränen" vorgeschlagen, aber nun stellt sich nach dem gemeinsamen Beginn heraus, dass er kein Interesse mehr am Thema hat, da er ein neues anfangen möchte. Da er jedoch dieses Thema selbst ausgewählt hat, kann er nun Mara nicht im Stich lassen und wird die Vereinbarungen einhalten. Diese Forderung kommt von der Gruppe, die sich dafür ausspricht, dass angefangene und vereinbarte Arbeiten ausgeführt und vollendet werden müssen.

Wie gehen wir vor?

Ein Kernstück der Veränderung des Unterrichts liegt darin, dass die Kinder und Jugendlichen im täglichen Leben – hier bezogen auf die Schule und den Unterricht – erfahren, dass sie für ihre Freiheit auch Verantwortung übernehmen müssen. Wenn sie sich für eine Arbeit entscheiden, die sie selbst wählen (daneben gibt es aber auch die Pflichtaufgaben als Fundament), kann es nicht sein, dass sie nur mit halbem Einsatz gemacht wird. Dafür müssen sie dann in der Gruppe Rede und Antwort stehen, müssen sich bei nicht geleisteten Vereinbarungen vor der Gruppe rechtfertigen. Dieser Prozess beginnt bereits sehr vorsichtig mit der Einschulung und wird über alle Jahre konsequent weitergeführt. Je älter die Kinder werden, desto mehr Verantwortung können sie übernehmen. Im Gegenzug wächst auch die Freiheit. Dies ist ein ganz entscheidender Prozess. Die Aufgabe der Lehrperson liegt darin, Kindern unterstützend zur Seite zu stehen, wenn sie es nicht schaffen.

Hat ein Kind große Probleme mit der Arbeitshaltung und wird keine Arbeit sinnvoll erledigen, wird die Lehrperson nach Rücksprache mit der Gruppe klare Strukturen für das Kind schaffen: Zeiteinteilungen, Unterstützung bei der Planung der Aktivitäten, häufigere Überprüfung derselben usw.

Von großer Bedeutung ist die Gruppe, die lernen muss, dass die Morgengespräche der Planung dienen, aber auch der Absprache und der Festlegung der gemeinsamen Regeln, die es in einer Gruppe braucht. Jeder trägt in der Gruppe Verantwortung für sich und die anderen, jede/r muss sich einbringen und seinen/ihren Beitrag leisten. Dabei ist es von grundlegender Bedeutung, dass die Lehrperson ein Teil der Gruppe ist und nicht von oben her die Vorgaben macht. Nur so können die Kinder und Jugendlichen spüren, dass sie in ihrer Freiheit, aber auch Verantwortung ernst genommen werden. Die Lehrperson leitet nicht die Gruppe, jedes Kind kommt mal dran und erlebt sich in den verschiedenen Rollen. Die Lehrperson bringt sich als Teil der Gruppe mit ein und wird auch ihre Sichtweise darlegen, aber nicht als leitende Person.

Warum machen wir das?

Es ist eine schwierige, aber entscheidende Frage im Unterricht dieser Art. Sehr häufig kommt der Vorwurf, dass es sich um einen Unterricht handelt, der den Kindern alle Freiheiten lässt und nichts mehr einfordert. Aber gerade das Zitat von Thomas Mann ist eine der Säulen dieses Unterrichts.

Freiheit ist ein sehr widersprüchlicher Begriff. In unserem Verständnis ist er mit einem Gummiband vergleichbar. Je mehr Verantwortung ein Mensch übernehmen kann, desto mehr Freiheit bekommt er. Dies bedeutet für die Schule und den Unterricht, dass Kinder dort abgeholt werden, wo sie stehen und wo sie fähig sind, Verantwortung zu übernehmen, wird sie ihnen auch überlassen. Im gleichen Maße nimmt die Freiheit zu.

Bereits mit der Einschulung wird daran gearbeitet und man staunt immer wieder, wie großartig die Kinder mit Verantwortung umgehen können. Freiheit hat immer mit der Verantwortung mir und den anderen gegenüber zu tun. Da der Mensch ein soziales Wesen im Verbund der Gruppe ist und sich darüber definiert, ist es eine Geisteshaltung für den Unterricht, die hier umgesetzt wird. Wir möchten verantwortungsvolle Menschen herausbilden, die fähig sind, mit ihrer Freiheit umzugehen. Kinder können nur verantwortungsvoll handeln, wenn sie dazu die Möglichkeit bekommen. Dies darf jedoch nicht punktuell sein, sondern muss sich wie ein roter Faden durch das ganze Geschehen ziehen. Nur die permanente Erfahrung macht es möglich, dass mit der Freiheit auch die Verantwortung wachsen kann. Nicht die ständige Vorgabe, Steuerung und Unterstützung durch den Erwachsenen führen zur Entwicklung von Verantwortung, sondern das Erleben in der Gruppe, das Ablegen von Rechenschaft vor den anderen Kindern, die sehr kritisch darauf reagieren, ob jemand seine Freiheit sinnvoll nutzt oder nicht. Da haben sie dann auch kein Problem, Grenzen zu setzen.

„In einem System gegenseitigen Respekts wird getan, was getan werden muß. Unter Partnern leistet jeder seinen eigenständigen Beitrag. Jeder ist verantwortlich für seinen Beitrag. Er arbeitet nicht „für mich", sondern für das Ganze. Motivation und Commitment erwachsen aus der Harmonie zweier Menschen, die etwas zusammen leisten. Die Kooperationspartner sind. Partnerschaft ist, was Partner schafft." (Sprenger, 1997, S. 202)

Unsere Lernumgebungen

Eine Schule mit einer Grundschule und einer Sekundarschule. Ungewöhnliche Bilder: Man sieht eine Gruppe von Lehrpersonen, die Möbel herumtragen, einer befestigt mit Schrauben ein Regal an der Wand, andere tragen Schulbänke davon, andere bringen ein Sofa in den Raum. Man spürt eine fröhliche Stimmung, es wird gearbeitet, über die Gestaltung diskutiert und gelacht, Regale werden aufgestellt, die Position begutachtet, verschoben, ebenso mit Tischen und Stühlen.

Und das am ersten Schultag! Nach vier Stunden gemeinsamen handwerklichen Arbeitens verlässt eine ausgelassene Gruppe von Lehrpersonen die Schule. Sie haben alles so gestaltet, wie sie es sich vorstellen, und freuen sich schon auf den Start mit ihren Schülerinnen und Schülern. Es gibt nun in dem großen Raum der Sekundarstufe I, den ca. 45 Jugendliche nutzen werden, Gruppentische, Regale mit Ablagen und Arbeitsaufträgen in Form von Assignments, Bücherregale, Medienecken, eine Ecke zum Zurückziehen, verschiedene aktualisierte magnetische Tafeln für die Arbeit, einen Bereich mit mathematischen Materialien sowie einen Sprachbereich. Für die Naturwissenschaften stehen eigene Fachräume zur Verfügung, sehr wohl ist aber Fachliteratur im Raum verfügbar. Was ist hier los?

Wie gehen wir vor?

Die Arbeit beginnt damit, dass einer der ersten Tage im neuen Schuljahr der Gestaltung der Räumlichkeiten gewidmet wird: Es wird die Lernlandschaft vorbereitet, ein ganz wichtiger Prozess für diese Art des Arbeitens. An der oben beschriebenen Schule beginnt für die Lehrpersonen, die sich dem Unterricht nach reformpädagogischen Konzepten verschrieben haben, die Arbeit mit der Gestaltung der Räumlichkeiten und des Materials.

Zunächst wird geklärt, nach welchem Konzept man die Räume gestalten möchte. Dies können die Fachräume nach dem Dalton-Plan von Helen Parkhurst sein, es können die Ateliers nach Célestin Freinet sein oder die Labors nach John Dewey, es können aber auch andere Modelle sein wie die Lernbüros einer Schule in der Schweiz.

Zu Beginn sollten sich die betroffenen Lehrpersonen darauf verständigen, wie sie sich ihre Lernlandschaft vorstellen, die jedoch mehr umfasst als bloß das Verstellen des Mobiliars. Für die ersten drei Jahre der Grundschule haben sich die Ateliers nach Freinet sehr bewährt, da die Kinder in diesem Alter eher eine überschaubare Struktur brauchen. Dabei wird jedoch in unserem Konzept darauf geachtet, dass nicht jedes Kind einen Sitzplatz mit Tisch hat. Dies ist nämlich – auch in den höheren Klassen – nicht notwendig, da Kinder gerne auf dem Boden arbeiten und in einem handlungsorientierten Unterricht sind die Kinder nicht ständig mit Schreiben beschäftigt. Kein Kind hat einen fixen Platz, es wird nach Bedarf dort gearbeitet, wo der Platz frei ist. Für die Kinder, die neu in die Schule kommen, ist das kein Problem, da sie es vom Kindergarten her gewohnt sind. Unsere Beobachtungen haben gezeigt, dass damit Diskussionen bzgl. des eigenen Platzes verschwinden. Nach einigen Jahren wird es dann zur Routine. Für jedes Kind gibt es jedoch einen Ablageplatz, wo alles zu finden ist, was normalerweise unter dem Tisch ist.

Die Tische stehen meist in Tischgruppen zusammen, wichtig ist ein zentraler Bereich, wo sich die ganze Gruppe für Gespräche und gemeinsame Aktivitäten treffen kann. Für die Phasen der Einführung (in ein Thema) oder die Arbeit einer Lehrperson mit einer kleinen Gruppe gibt es einen eigenen Tisch. Dort trifft sich die Lehrperson mit der Gruppe von Kindern, die für eine kurze Zeit begleitet werden: Einführungen, Vertiefungen oder auch mal eine Überprüfung des Gelernten.

Der Raum und der Flur sind so gestaltet, dass in den Ateliers verschiedene Fachbereiche abgebildet sind: Mathematik, Sprache, Sachbereiche usw. Dort finden die Kinder und Jugendlichen die Materialien, die sie für die Arbeit brauchen. Aber es stehen nur sehr eingeschränkte Materialien zur Verfügung, es gibt kaum Arbeitsblätter, den größten Pool an Material findet man im Bereich Sachunterricht sowie Kunst und Technik. Diese Materialien sind konkrete Materialien, mit denen gearbeitet wird, also keine Kopiervorlagen. Selbstverständlich gibt es auch einige Notebooks oder auch Tablets. Internet gehört genauso zum Standard und wird im Rahmen der Arbeit genutzt.

Für höhere Klassen, besonders der Sekundarstufen, haben sich die Fachräume bewährt (vgl. Parkhurst H.). Wer im Mathematikraum ist, findet dort alle Materialien, unabhängig von der Klassenstufe und auch einen Experten, also eine Mathematiklehrperson. Sehr bewährt haben sich die Fachräume auch im Kontext des Fremdsprachenunterrichts. Die Lehrperson muss nicht immer die Klassen wechseln und hat ihr gesamtes Material jederzeit verfügbar.

Es empfiehlt sich, Erfahrungen zu sammeln und das Schuljahr mit der Gestaltung der Räumlichkeiten zu

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