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Wo gute Ideen herkommen.: Eine kurze Geschichte der Innovation.

Wo gute Ideen herkommen.: Eine kurze Geschichte der Innovation.

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Wo gute Ideen herkommen.: Eine kurze Geschichte der Innovation.

Bewertungen:
3/5 (202 Bewertungen)
Länge:
346 Seiten
19 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 8, 2013
ISBN:
9783942073134
Format:
Buch

Beschreibung

Wo gute Ideen herkommen ist ein kluger und längst überfälliger Überblick zum Thema Kreativität und Innovation. In lebendigem Erzählstil schildert der Wissenschafts- und Bestsellerautor Steven Johnson den Werdegang großer technischer und geistiger Innovationen und beantwortet die Frage, wie aus einer vagen Ahnung eine nachhaltig erfolgreiche Idee wird. Er zeigt, wo und wie kreatives Denken entsteht und wie wir seine Geheimnisse für uns nutzen.
Herausgeber:
Freigegeben:
May 8, 2013
ISBN:
9783942073134
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Wo gute Ideen herkommen. - Steven Johnson

WO GUTE IDEEN HERKOMMEN

STEVEN JOHNSON

Wo gute

IDEEN

herkommen

Eine kurze Geschichte der Innovation

Aus dem Englischen von

MICHAEL PFINGSTL

Deutsche Erstausgabe

Erste Auflage 2013

© der deutschen Ausgabe

SCOVENTA Verlagsgesellschaft mbH

Originaltitel:

Where good Ideas come from.

The seven Patterns of Innovation

Originalverlag:

Penguin Group (USA) 2010

Copyright © Steven Johnson, 2010

Alle Rechte vorbehalten

Aus dem Englischen von Michael Pfingstl

Cover & Satz: Anja Fuchs, www.anjafuchs.com

ISBN 978-3-942073-10-3

www.scoventa.de

www.stevenberlinjohnson.com

Für Peter

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

RIFF, STADT, NETZ

Schlussbemerkung

DER VIERTE QUADRANT

Danksagung

Chronologie der wichtigsten Innovationen, 1400–2000

Wenn Sie weiterlesen möchten

Einleitung

RIFF, STADT, NETZ

… Und wie die schwangre Phantasie Gebilde

Von unbekannten Dingen ausgebiert,

Gestaltet sie des Dichters Kiel, benennt

Das luftge Nichts und gibt ihm festen Wohnsitz.

—William Shakespeare, Ein Sommernachtstraum, Akt V, Szene 1

Darwins Paradoxon

4. April 1836. Der während der Regenzeit beständig über dem östlichen Indischen Ozean wehende Monsun lässt allmählich nach, und an seine Stelle treten ruhig-heitere Sonnentage. Das smaragdgrüne Wasser um die Kokosinseln, eine Inselgruppe etwa eintausend Kilometer westlich von Sumatra, die aus zwei kleinen Atollen und siebenundzwanzig Koralleninseln besteht, ist einladend ruhig und warm. Der weiße Korallensand lässt das Meer leuchten, und an einer Stelle ist die sonst oft harsche Brandung so niedrig, dass Charles Darwin unter dem weiten, blauen Tropenhimmel unbeschwert zum Rand des Korallenriffs waten kann, das die Insel wie ein Ring umgibt.

Stunde um Stunde verbringt er mal stehend, mal schwimmend auf dem vor Leben nur so wimmelnden Riff. Darwin ist zu diesem Zeitpunkt siebenundzwanzig Jahre alt und elftausend Kilometer von London entfernt. Inmitten des unergründlichen Ozeans, auf der Spitze eines unterseeischen Berges stehend, beginnt er, eine Theorie zu entwickeln, welche Kräfte diese Erhebung geschaffen haben könnten. Das Ergebnis dieser Überlegungen wird sich später als die erste große Entdeckung seiner wissenschaftlichen Karriere erweisen. Doch er geht auch anderen Gedanken nach, Ideen eher, noch vage und ohne Form, die sich schließlich zur größten intellektuellen Leistung des 19. Jahrhunderts herauskristallisieren werden.

Um ihn herum schimmert das Korallenriff, dazwischen huschen seine unzähligen Bewohner umher. Die Vielfalt ist überwältigend: Falterfische, Preußenfische, Papageienfische, Napoleonfische, Kaiserfische, golden schimmernde Fahnenbarsche, die über den brokkoliartigen Korallen Plankton fressen, Seeigel und Anemonen, die ihre Stacheln und Tentakel ins tropische Wasser strecken. Darwin ist entzückt von dem Anblick, aber sein Geist versucht bereits, das hinter der schillernden Fassade liegende Geheimnis zu ergründen. In dem vier Jahre später veröffentlichten Bericht über die Fahrt mit der Beagle wird Darwin schreiben: »Es mag einem Betrachter verziehen werden, wenn er schier überwältigt ist von der unendlichen Zahl organischer Lebewesen in der tropischen See, doch wie ich finde, ließen jene Naturforscher, die mit wohlbekannten Worten die mannigfaltige Schönheit der unterseeischen Grotten beschrieben haben, sich zu einer allzu überschwänglichen Sprache hinreißen.«

Was Darwin die darauffolgenden Tage und Wochen beschäftigen wird, ist nicht »die mannigfaltige Schönheit der unterseeischen Grotten«, sondern die »unendliche Zahl organischer Lebewesen«. Flora und Fauna der Kokosinseln selbst sind äußerst karg. Außer Kokospalmen, Flechten und ein paar Gräsern gibt es fast nichts. »Die Liste der an Land lebenden Tiere«, so Darwin, »nimmt sich sogar noch kläglicher aus als die der Pflanzen.« Ein paar Eidechsen, nur sehr wenige echte Landvögel und die erst kürzlich hinzugekommenen Ratten, die mit den Schiffen der Europäer eingeschleppt wurden. »Der einzig dort heimische Vierfüßer ist das Schwein«, notiert er geringschätzig. Doch nur wenige Meter von diesem trostlosen Habitat entfernt blüht das Leben zwischen den Korallenriffen in einer gewaltigen Vielfalt, wie sie sonst nur in den tropischen Regenwäldern zu finden ist. Und das ist das eigentliche Mysterium: Wie kann das Wasser rund um die Atolle Grundlage für so viele verschiedene Lebensformen sein? Nimmt man an einer beliebigen Stelle im Indischen Ozean eine Probe von, sagen wir, dreißigtausend Litern Wasser und analysiert sie auf vorhandenes Leben, wird man kaum mehr finden als Darwin auf dem Festland der Kokosinseln. Mit etwas Glück vielleicht ein Dutzend Fische –im Bereich des Riffs hingegen wären es mindestens tausend. Darwin vergleicht die Reichhaltigkeit des Ökosystems auf dem Korallenriff mit einer blühenden Oase in einer Wüste. Dieses Phänomen wird auch das »darwinsche Paradoxon« genannt. Damit ist der Widerspruch gemeint, wie in derart nährstoffarmem Wasser so viele ökologische Nischen als Existenzgrundlage für so reichhaltiges Leben vorhanden sein können. In etwa ein Promille der Erdoberfläche ist von Korallenriffen bedeckt, und doch beherbergen sie ungefähr ein Viertel aller bekannten im Meer vorkommenden Lebensformen. Als Darwin 1836 dort in der Lagune steht, kennt noch niemand diese Zahlen, doch hat er auf seiner mittlerweile vierjährigen Reise mit der Beagle genug gesehen, um zu wissen, dass etwas ganz Besonderes an diesen vor Leben nur so strotzenden Gewässern ist.

Am nächsten Tag wagt sich Darwin mit dem Kapitän der Beagle, Vizeadmiral James Fitz Roy, auf die dem Wind zugewandte Seite des Atolls. Dort beobachten sie, wie gewaltige Wellen gegen die weißen Korallen krachen. Als Europäer ist Darwin eher die ruhigeren Gewässer des Ärmelkanals gewohnt und entsprechend beeindruckt von den hohen Wellen. In Die Fahrt der Beagle schreibt er: »Die Brecher haben beinahe die gleiche Kraft wie die während eines Sturms in den gemäßigten Zonen, und sie rollen ohne Unterlass.« Doch Darwins eigentliches Interesse gilt etwas anderem, nämlich nicht der Gewalt des anstürmenden Wassers, sondern dem Riff und den winzigen Organismen, die es gebaut haben und der Gewalt der Brecher widerstehen.

»Der Ozean, der unablässig seine Wellen gegen das breite Riff schleudert, scheint ein unbesiegbarer, allmächtiger Feind, und doch sehen wir, wie eine andere Kraft ihm widersteht, ihn sogar besiegt, und das mit Mitteln, die zunächst schwach und ungeeignet erscheinen. Der Ozean verschont die Korallenfelsen nicht: Die großen Bruchstücke, die über das Riff verteilt liegen und sich am Strand anhäufen, sind deutliche Belege für die unerbittliche Kraft der Wellen … und doch halten die flachen und unscheinbaren Koralleninseln stand, tragen gar den Sieg davon, denn eine weitere Macht steht ihnen zur Seite: Organische Kräfte trennen Stück für Stück die Kalziumkarbonatatome aus den schäumenden Brechern und verbinden sie zu symmetrischen Strukturen. Mag der Hurrikan sie auch in tausend Stücke zerschlagen, was kann er schon ausrichten gegen das gemeinschaftliche Werk von Myriaden Architekten, die Monat für Monat, Tag und Nacht daran arbeiten?«

Darwin interessiert sich für diese mikroskopisch kleinen Architekten, weil er glaubt, dass sie der Schlüssel sind zu dem Geheimnis, das zu lösen die Beagle zu den Kokosinseln aufgebrochen ist. In dem Memorandum der Admiralität, das die fünfjährige Reise autorisiert, steht die Erforschung der Entstehung von Atollen ganz oben auf der Liste. Darwins Mentor, der brillante Geologe Charles Lyell, hatte kurz zuvor die Theorie aufgestellt, Atolle wären unterseeische Vulkane, die durch Bewegungen der Erdkruste nach oben gedrückt wurden. Nach Lyells Theorie kommt die charakteristische kreisrunde Form eines Atolls von Korallenkolonien, die auf dem Rand des Vulkankraters Riffe ausbilden. Darwin wurde in seinem Denken stark von Lyells Verständnis der geologischen Tiefenzeit geprägt, aber jetzt, da er vom Strand aus die Brecher beobachtet, die gegen die Korallen schlagen, weiß er, dass sein Mentor bei der Entstehung von Atollen unrecht hat. Es ist kein rein geologisches Phänomen, sondern hat mit der innovativen Beharrlichkeit des Lebens auf der Erde zu tun. Und während Darwin über dieser Frage brütet, rührt sich in ihm noch ein anderer Gedanke: eine größere, umfassendere Theorie, mit der sich die unglaubliche Vielfalt biologischer Innovation auf der Erde erklären ließe. Das »luftge Nichts« nimmt ganz allmählich Gestalt an.

Als er sich Tage später wieder an Bord der Beagle befindet, holt Darwin sein Notizbuch hervor und schreibt seine Gedanken zu dem faszinierenden Kampf zwischen Brandung und Korallen nieder. Wie als Vorausahnung auf die berühmteste Passage der Entstehung der Arten, die er dreißig Jahre später veröffentlichen würde, schreibt Darwin: »Ich weiß nicht, weshalb, aber es liegt etwas Erhabenes im Anblick der äußeren Ufer dieser Laguneninseln.« Es sollte zwar noch etwas dauern, aber es kam der Tag, da wusste Darwin, weshalb.

Die superlineare Stadt

Der Schweizer Biologe Max Kleiber war schon immer etwas unkonventionell. Als Student schlenderte er in den 1910er Jahren mit offenem Hemdkragen und Sandalen durch die Straßen Zürichs und stieß so die braven Mitbürger vor den Kopf. Während seiner Dienstzeit in der Armee erfuhr er, dass seine Vorgesetzten die Deutschen mit Informationen versorgten, obwohl die Schweiz im Ersten Weltkrieg offiziell neutral war. Aus Protest erschien er einfach nicht zum nächsten Appell, was ihm eine siebenmonatige Haftstrafe einbrachte. Als arrivierter Biologe hatte Max Kleiber schließlich genug von den Restriktionen der Züricher Gesellschaft und entschied sich für einen Weg, auf dem ihm in den nächsten Jahrzehnten noch viele Sandalen tragende, unangepasste Kriegsgegner folgen sollten: Er ging nach Kalifornien.

Kleiber übernahm eine Professur am Agricultural College der Universität von Kalifornien in Davis, im Herzen des fruchtbaren Central Valley. Seine Forschungen konzentrierten sich zunächst auf Rinder. Er untersuchte den Einfluss der Körpermasse auf die Stoffwechselrate, das heißt, auf die Geschwindigkeit, mit der ein Organismus die ihm zugeführte Energie verbraucht. Für die Viehindustrie waren Kleibers Forschungen von großem Interesse, da sie den Züchtern ermöglichten, sowohl abzuschätzen, wie viel Futter ihr Vieh brauchen würde, als auch wie viel Fleisch sie nach dem Schlachten zum Verkauf haben würden. Kleiber hatte noch nicht lange an diesen Studien gearbeitet, da stieß er auf ein bemerkenswertes Muster in seinen Ergebnissen, eine mathematische Kuriosität, die bald dazu führte, dass auch ganz andere Lebewesen Gegenstand seiner Untersuchungen wurden: Ratten, Tauben, Hunde und sogar Menschen.

Wissenschaftlern wie Tierliebhabern war schon lange aufgefallen, dass größere Tiere länger leben: Fliegen werden wenige Stunden bis ein paar Tage alt, Elefanten dagegen ein halbes Jahrhundert. Das Herz eines Vogels oder eines kleinen Säugers schlägt um ein Vielfaches schneller als das einer Giraffe oder eines Blauwals. Das Verhältnis zwischen Größe und Puls schien jedoch nicht linear zu sein. Ein Pferd mag fünfhundertmal so groß sein wie ein Kaninchen, aber sein Herz schlägt deshalb nicht fünfhundertmal langsamer. Nach einer beachtlichen Zahl von Messungen entdeckte Kleiber, dass seine Ergebnisse alle derselben mathematischen Gesetzmäßigkeit folgten: Sie verhielten sich umgekehrt proportional zur vierten Wurzel, das heißt, würde man das Verhältnis von Masse zu Stoffwechsel auf einer logarithmischen Skala grafisch darstellen, ergäbe sich eine schnurgerade Linie, von Ratten über Tauben bis hin zu Rindern und Flusspferden.

Solch elegante Gleichungen zu entdecken, war bisher eher den Physikern vorbehalten gewesen. In der vergleichsweise chaotischen Welt der Biologie war so etwas eine echte Seltenheit, doch je mehr Spezies Kleiber und seine Kollegen untersuchten, desto deutlicher trat die Formel zutage: Die Stoffwechselrate verhält sich umgekehrt proportional zur vierten Wurzel aus der Körpermasse. Was hier recht kompliziert klingt, ist im Grunde genommen ganz einfach: Ziehen wir die Quadratwurzel aus 1.000, erhalten wir (in etwa) 31. Die Quadratwurzel aus 31 ist (wiederum in etwa) 5,5. Das bedeutet, dass eine Kuh, die ungefähr eintausendmal so schwer ist wie ein Murmeltier, im Schnitt 5,5-mal so lange lebt und ihr Herz 5,5-mal langsamer schlägt als das eines Murmeltiers. Wie der amerikanische Wissenschaftsjournalist George Johnson es einmal ausdrückte, lässt sich Kleibers Gesetz auch so deuten, dass die Anzahl der Herzschläge pro Lebensspanne von Spezies zu Spezies in etwa gleich ist. Größere Tiere lassen sich lediglich länger Zeit, sie aufzubrauchen.

In den folgenden Jahrzehnten konnte Kleibers Gesetz bis hinunter auf die Ebene von Bakterien und einzelner Zellen verifiziert werden. Selbst das Wachstum von Pflanzen, so fand man heraus, unterliegt derselben Gesetzmäßigkeit. Wo auch immer Leben auftauchte und ein Organismus vor der Frage stand, wie er die ihm zur Verfügung stehende Energie aufteilen und verbrauchen sollte, kam Kleibers Gesetz zum Tragen.

Vor einigen Jahren beschloss der theoretische Physiker Geoffrey West, herauszufinden, ob sich Kleibers Gesetz auch auf die größten aller »Lebewesen« anwenden lässt: auf Städte. Verlangsamt sich auch der »Stoffwechsel« dieser Superorganismen, je größer sie werden? Gibt es auch bei Großstädten ein zugrunde liegendes Wachstums- und Ausbreitungsmuster? Vom berühmten Santa Fe Institute aus, dessen Vorsitzender er bis 2009 war, stellte West ein internationales Team von Wissenschaftlern und Beratern zusammen, die Daten von Dutzenden über die ganze Welt verteilter Städte erhoben, angefangen von der Verbrechensrate über den Stromverbrauch bis hin zu angemeldeten Patenten und den Benzin-Verkaufszahlen.

Als die Zahlen schließlich ausgewertet wurden, stellten West und sein Team mit Freuden fest, dass auch hier Kleibers Gesetz zutraf. Die Zahl der Tankstellen, die Menge des verkauften Benzins, die Länge des Straßennetzes und die Kilometer verlegter Kabel, all diese Zahlen folgten demselben Gesetz, nach dem auch in einem biologischen Organismus Energie verteilt und aufgebraucht wird. Vom Energiestandpunkt aus betrachtet, lässt sich die oben erwähnte schnurgerade Linie also weiterführen – von der Maus über den Elefanten bis zur Großstadt.

Noch interessanter jedoch waren die Zahlen, die nicht mit Kleibers Gesetz übereinstimmten. West und sein Team entdeckten in der immensen Menge gesammelter Daten nämlich ein weiteres Verteilungsgesetz: Alles, was mit Kreativität und Innovation zu tun hat, Patente und Forschungsetats etwa, schöpferische Berufe usw., folgte ebenfalls einem exakten mathematischen Verhältnis, aber mit einem fundamentalen Unterschied: Das Verhältnis der zum Bereich der Innovationen erhobenen Zahlen war nicht umgekehrt proportional, sondern überproportional. Eine zehnmal größere Stadt stellte sich nicht nur als zehnmal so innovativ heraus wie ihr kleinerer Nachbar, sie war siebzehnmal innovativer, eine Großstadt von der fünfzigfachen Größe gar 130-mal.

Kleibers Gesetz besagt, dass biologisches Leben immer langsamer abläuft, je größer der Organismus ist. Wests Modell zeigt einen entscheidenden Unterschied zwischen biologischem Leben und von Menschen erschaffenen Städten auf: je größer eine Stadt, desto kürzer die Zeitintervalle, in denen sie neue Ideen hervorbringt. Wir nennen dieses Phänomen »superlineare Skalierung«. Würde die Kreativität sich in einem Verhältnis von 1:1 mit der Größe einer Siedlung entwickeln, würde man in einer Stadt zwar auf mehr Patente und Erfindungen stoßen als in einem Dorf, aber die Anzahl der Patente und Erfindungen pro Kopf wäre die gleiche. Wests Statistik hingegen legt die provokative Schlussfolgerung nahe, dass der Durchschnittsbürger einer Fünfmillionenstadt fast dreimal kreativer ist als der Durchschnittseinwohner einer Stadt mit 100.000 Menschen. »Großstädte sind mehr als nur größere Städte«, schrieb die amerikanische Journalistin und Autorin Jane Jacobs vor beinahe fünfzig Jahren. Wests Studie verlieh Jacobs‘ Aussage eine mathematische Grundlage. Großstädte scheinen etwas zu haben, das ihre Einwohner innovativer macht als die Bürger kleinerer Städte. Was könnte das sein?

Die 10/10-Regel

Die erste in Farbe ausgestrahlte Fernsehsendung war eine einstündige Übertragung der Rose Parade in Kalifornien am 1. Januar 1954 durch die NBC. In 22 Städten in ganz Amerika konnte das Programm empfangen werden. Für die wenigen, die das Glück hatten, die Sendung verfolgen zu können, ein faszinierendes Erlebnis. Die New York Times beschrieb das Ereignis in der für sie typischen Sprache als »einen wahren Hort an Farbe und Tiefe … So viel Farbinformation auf eine kleine unbewegte Fläche zu konzentrieren«, so die Times, sei »selbst für den talentiertesten Maler schwierig. Bei den sich ständig bewegenden Bildern jedoch war es die reinste Zauberei.« Doch leider erreichte die Übertragung der Rose Parade kein allzu breites Publikum, denn die Sendung konnte nur auf speziellen Prototypen in Vorführräumen der RCA verfolgt werden. Farbprogramme zur Hauptsendezeit wurden erst in den späten sechziger Jahren zum Standard, und einmal etabliert, sollte sich an diesem Standard die nächsten Jahrzehnte nichts mehr ändern. Mit der Einführung von Videorekordern und Kabelfernsehen in den späten 1970ern kamen zwar neue Verteilungswege hinzu, aber das Bild war immer noch das gleiche.

Mitte der 80er kamen eine Handvoll einflussreicher Medien- und Industriemanager sowie ein paar visionäre Politiker auf die Idee, dass es an der Zeit sei, die technische Qualität von Fernsehübertragungen zu verbessern. Es wurden Reden gehalten, Ausschüsse gebildet und Prototypen gebaut, doch sollte es noch bis zum 23. Juli 1996 dauern, bis ein Tochtersender der CBS die ersten Programme in HDTV ausstrahlte. Aber wie schon zuvor bei der Rose Parade gab es im Handel noch keine Geräte, die solche »Zauberei« auf dem Bildschirm hätten darstellen können.¹

Erst 1999 strahlten ein paar wenige Sender HDTV-Programme aus, und es dauerte noch weitere fünf Jahre, bis HD-Fernsehen größere Verbreitung fand. Selbst zehn Jahre später, als die Zulassungsbehörde für Kommunikationsgeräte in den USA am 12. Juni 2009 verfügte, dass ab sofort kein Sender mehr das alte analoge Signal ausstrahlen durfte, wurden über zehn Prozent aller Fernsehgeräte in den amerikanischen Haushalten schwarz. Die Erkenntnis, dass wir in einem Zeitalter der technologischen Beschleunigung leben, ist ein viel strapazierter Allgemeinplatz. Eine Innovation nach der anderen bricht über uns herein, und die zeitlichen Abstände dazwischen werden immer kürzer. Diese Beschleunigung spiegelt nicht nur die Flut an neuen Produkten wider, sondern auch unsere immer größere Bereitschaft, die neuen Geräte auszuprobieren und in unseren Alltag zu integrieren. Immer schneller hintereinander rollen sie wie Wellen über uns hinweg, und wir paddeln ihnen entgegen wie Surfer auf dem Meer, um auch ja unter den Ersten zu sein. Die Geschichte des HDTV legt jedoch nahe, dass das nicht mit jeder neuen Technologie so ist. Wenn man die Zeitspanne misst, die vergeht, bis eine neue Technologie von der Idee bis zur Massenvermarktung reift, stellt man fest, dass dies bei HDTV exakt genauso lang gedauert hat wie beim Farbfernsehen vier Jahrzehnte zuvor. Zehn Jahre dauerte es, bis das Farbfernsehen sich allgemein durchgesetzt hatte, und zwei Generationen später war es mit HDTV nicht anders. Es ist beinahe gespenstisch, in welch monotonem Gleichtakt sich die wichtigsten Entwicklungen in der konsumentenorientierten One-to-many-Kommunikation im Verlauf des 20. Jahrhunderts durchgesetzt haben. Wir könnten es die 10/10-Regel nennen: Es dauert zehn Jahre, eine neue Plattform zu entwickeln, und weitere zehn, bis sie ein breites Publikum findet. Die Technik der Amplitudenmodulation, die erstmals Radioübertragungen ermöglichte, wurde im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entwickelt. Der erste kommerzielle Sender nahm 1920 das Programm auf, aber es sollte noch bis in die späten 20er Jahre dauern, bis das Radio zur Standardausstattung in amerikanischen Haushalten gehörte. Sony begann 1969 mit der Entwicklung des ersten Videokassettenrekorders für Verbraucher, doch der erste Betamax – so der Name des damaligen Produkts – wurde erst sieben Jahre später ausgeliefert, und weite Verbreitung fanden die Geräte erst Mitte der Achtziger. Den Statistiken nach verdrängte der DVD-Player den Videorekorder erst 2006 aus den amerikanischen Haushalten – neun Jahre, nachdem die ersten Geräte auf den Markt gekommen waren. Dasselbe gilt für Mobiltelefone, PCs und GPS-Navigationsgeräte: Sie alle brauchten von der Einführung bis zum Durchbruch auf dem Markt etwa gleich lange.

Vergleichen wir diese Geschichte nun mit der von Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim, drei ehemaligen Mitarbeitern des Onlinebezahldienstes PayPal, die Anfang 2005 auf die Idee verfielen, das Netz könnte, was Video- und Sounddateien betrifft, ein paar Verbesserungen vertragen. Das World Wide Web war nicht für Videos gemacht, sondern fünfzehn Jahre zuvor als Plattform ins Leben gerufen worden, auf der Wissenschaftler Hypertext-Dokumente austauschen konnten. Im Lauf der Jahre hatte sich jedoch, dank neuer Videoformate wie QuickTime, Flash oder Windows Media Player, auch der eine oder andere Videoclip ins Netz verirrt. Die Techniken, mit denen man eigene Videos hochladen konnte, um sie mit anderen zu teilen, stellten den durchschnittlichen Nutzer jedoch vor schier unlösbare Probleme. Also bastelten Hurley, Chen und Karim eine Betaversion eines Dienstes, der diese Mängel beheben würde, kratzten ein Startkapital von weniger als zehn Millionen Dollar zusammen, stellten ein Dutzend Leute ein und riefen die Seite YouTube ins Leben, welche die Art der Videoveröffentlichung im Internet von Grund auf verändern sollte. Sechzehn Monate nach Gründung der Firma wurden pro Tag mehr als dreißig Millionen Videos über den Dienst gestreamt, und nach zwei Jahren gehörte YouTube zu den zehn meistbesuchten Seiten im Netz. In den Zeiten vor YouTube waren Videos im Netz in etwa so verbreitet wie Untertitel im Fernsehen. Das World Wide Web war für Textdokumente mit vielleicht ein paar angehängten Fotos oder Grafiken erdacht worden, aber YouTube machte Internetvideos zum Massenphänomen.

Vergleichen wir nun, inwieweit diese beiden Innovationen – HDTV und YouTube – den Umgang mit der jeweiligen Plattform verändert haben. Der Unterschied zwischen analogem Fernsehen und HDTV ist eher quantitativer als qualitativer Art. HDTV hat mehr Pixel, der Ton klingt voller, und die Farben sind brillanter, aber die Menschen konsumieren HDTV auf exakt dieselbe Weise wie zuvor das altmodische analoge Fernsehen: Sie suchen sich einen Sender aus, lehnen sich zurück und gucken zu. YouTube hingegen hat die Regeln des Mediums auf den Kopf gestellt. Zum einen machte es Videoschauen im Netz zu einem Massenphänomen, doch bietet der Dienst neben dem vom Fernsehen gewohnten Zusehen auch die Möglichkeit, eigene Clips hochzuladen, Videos anderer weiterzuempfehlen oder zu kommentieren und mit anderen Nutzern in Kommunikation zu treten. Mit nur ein paar Klicks lässt sich ein Clip von einer anderen Seite in die eigene einbetten, und wer will, kann sich mit dieser Technologie sogar sein eigenes kleines »Fernsehprogramm« zusammenstellen. Mancher mag nun behaupten, das läge im Wesen der Software begründet, die viel anpassungsfähiger ist als Hardware wie Fernseher oder Mobiltelefone. Aber bevor das Internet sich Mitte der Neunziger etablierte, folgte die Innovationsgeschwindigkeit bei Softwareprodukten derselben 10/10-Regel, wie wir sie bei der Verbreitung anderer Technologien des 20. Jahrhunderts gesehen haben. Die grafische Benutzeroberfläche beispielsweise geht auf eine Demonstration des Computerpioniers Doug Engelbart im Jahr 1968 zurück. Während der Siebziger wurden einige der von Engelbart vorgeschlagenen Kernelemente wie der heute allgegenwärtige Desktop von Technikern bei Xerox-PARC weiterentwickelt. Das erste kommerzielle Produkt mit einer wirklich funktionierenden grafischen Benutzeroberfläche kam jedoch erst 1981 in Form des Xerox Star auf den Markt. 1984 folgte der Apple Macintosh, der dann auch als erster Computer mit grafischer Benutzeroberfläche eine zwar nicht überwältigende, aber immerhin größere Zahl von Käufern fand.

Erst als im Jahr 1990 Windows 3.0 auf den Markt kam – beinahe exakt zehn Jahre nach dem Xerox Star –, wurden grafische Benutzeroberflächen die Regel. Dasselbe zeitliche Muster finden wir bei anderen Softwaregattungen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation oder E-Mail-Clients. All diese Produkte sind aus Bits aufgebaut, nicht aus Atomen, dennoch brauchten sie genauso lange wie HDTV, um sich

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Rezensionen

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Leser-Rezensionen

  • (5/5)
    Nice conversational read. I added this in my trek through books on innovation and I'm glad I did. Johnson packaged his points very well. He presents that not just good ideas, but evolutionary changes arise from things like the "adjacent possible" - where at any moment many different, but only certain things are possible; where serendipity and error generate those "good ideas"; where exaptation, liquid networks, "slow hunches" and specific platforms germinate and nurture the ideas which we take for granted today. Very little is truly never-been-thought-of-before, flash-like innovation, but the processes of the creation of ideas are the innovation of which Johnson writes. My one beef is the lack of in-text cites...I dislike the form of endnotes without direct references as I read.

    Recommended.
  • (5/5)
    Steven Johnson's "Where Good Ideas Come From" is a rich addition to the literature on creativity, innovation, and collaboration, and a tremendous resource for anyone needing a reminder that little is created in a vacuum. While much of the book is rooted in examples of scientific exploration, discovery, and innovation, its scope encompasses everything from Darwin's work with coral reefs to literary historian Franco Moretti's writings on the evolution of the novel. He draws on the work of Jane Jacobs and Richard Florida in describing the levels of creativity stimulated by the density of populations in cities; Ray Oldenburg's work on the importance of coffee houses and the other "great good places" in our creative and social lives; and the efforts of many who have documented the benefits of collaborative work--but he is far from derivative. When he ultimately leads us to an understanding of and appreciation for how creativity and innovation build upon what came before us, he doesn't need to explicitly point out to us that his book, in drawing upon the work of many before him, leads him to his own thought-provoking world view. We know and understand this implicitly because he has, through his work, provided a perfect example of what he is proposing.
  • (5/5)
    One of this fine writer's (and thinker's) best.
  • (4/5)
    A surprisingly interesting broad survey of innovation. Somewhat formulaic in sections, and lacking any great insight, this book nevertheless presents a mass of interesting data and makes a case (fairly weak, but still a case) for re-evaluating how organisations approach innovation. That said, there is little information of practical relevance.
  • (5/5)
    While this book is maybe lacking the scholarly precision of a work of science, its message is clear and at least for me easily acceptable. It identifies the key ingredients for innovation and great ideas and is practical and explanatory enough to give the reader ideas to translate them into their environment.The message is that innovation occurs on fertile ground, but as a product of a deterministic process, but rather as a mixture of right ingredients mixed with a good pinch of time.The book is lively written and a pleasure to read. I warmly recommend it.
  • (4/5)
    Second time listening to the audio book. I really enjoy it.

    Informative. Entertaining.

    This is a great book on innovation and how companies and individuals can foster creativity.

    Recommended for creative professionals and those in innovative fields.
  • (4/5)
    This book does an excellent job of exploring some of the concepts of how creativity and innovation get their start. Now the concept of "where do you get your ideas" is ludicrous. However, this book lays out some of the things that seem to need to be in place to increase the odds of successful creative innovation.In particular, it tends to debunk the concept of the serendipitous moment of the lone genius. Using many examples, it lays out a path that shows individual moments seldom exist without a history of concepts and idea coming together. (Yes, there is serendipity, but not without a lot of background research.) It also shows how no person really works on their own, as well as the role of large numbers in helping dissimilar ideas come together.If I have any complaint, it is that (as happens far too often when an author has a point to make) the examples seem to be chosen to prove the point. Maybe it is simply that all examples would prove the point, but these feel slightly contrived.Nonetheless, there are a lot of fresh ideas contained within this book. And I found it to be a great jump start for creative issues I was dealing with. In other words, it was a great idea generator.
  • (3/5)
    1. The adjactent possible2. Liquid networks3. The slow hunch4 Serendipity5 Error6 Exaptation7 Platforms
  • (3/5)
    An interesting, provocative exploration of the environments that spark creativity and innovation. Johnson's insights and observations are frequently fascinating but the ideas could be better organized and the narrative more focused.
  • (4/5)
    This is the third of Johnson's books I've read, and despite the wide variations in his subjects, I've enjoyed all of them. Johnson's main point in this work is that innovation rarely occurs because of one person trying to make money, rather, the bulk of innovation comes from one person, or multiple people, working for "non-market" reasons. He takes awhile to get to this argument, but it's oh so much fun watching him get there. Goes well in conjunction with the work of Lawrence Lessig.
  • (4/5)
    How do we cultivate innovation? Are there some ways to interact, to live, and to work that promote innovation? If so what are the fundamental drivers of innovation? In his latest book, Where Good Ideas Come From: The Natural History of Innovation (WGICF), Steven Johnson proposes a framework for answering these question. WGICF is divided into seven sections with each section addressing what Mr. Johnson considers to be a fundamental factor that facilitates innovation. Unfortunately, the core of his argument is one of analogy with nature or anecdote. From nature, he looks at structures with disproportionate diversity in nature and asks how these devices and behavior can be mapped to human culture and interaction. Although this kind of analogical writing is rhetorically compelling it doesn't provide any kind of true support for the accuracy of his statements. As for the use of anecdotes, they are useful for creating narrative from data and I am well aware they are nearly a requirement for publishing in this genre of non-fiction writing. I can even recognize they are rhetorically useful for creating emotional pull but no many how many stories you tell they simply do not provide evidence to support a thesis. Now that I've made my caveats, I do think there are lots of good ideas in the book. The factors that Johnson proposes all seem believable and fit in with what I know of cognition. In particular, three topics he includes, at least based on other readings, deeply related to being a strong thinker - making errors and subsequently thinking about the error, building connections between concepts, and actively recalling knowledge. In other places these three features have been strongly tied to becoming an expert as well as to developing an agile mind. It therefore is a reasonable leap to conclude that developing an agile mind expert in some areas can indeed increase your ability to be innovative in some sphere of knowledge. Despite the lack of evidence, WGICF was an enjoyable read. The style is pleasant, some of the stories are interesting, and all his concepts seem reasonably related to innovation and regardless of how fundamentally tied his ideas are to innovation it certainly won't hurt your innovative muscles to think about the role each o the dimensions listed in this book may play in helping you come up with your next big idea.
  • (3/5)
    Johnson posits that the key to progressive innovation is fostering environments where ideas can intermingle. That having lots of ideas bumping up against one another is when meaningful connections are made. He gives some anecdotal evidence of this which are all very interesting and quite readable. I particularly liked the description of innovation as the ‘slow hunch’ rather than the eureka moment – the idea being that you make a particular connection, it comes up from time to time, and eventually all the pieces slide into place. Overall it was an easy read with some interesting information but nothing that bowled me over. Note: I received this through LibraryThing Early Reviewers.
  • (4/5)
    Steven Johnson's strength is collecting small bits of disparate information from many places and then synthesizing that information into an interesting readable form. He's made a writing career out of this methodology. As usual, he informs, entertains, and highlights some obscure knowledge. I don't think he comes up with an original definitive theory of innovation in this book but he does a good job of of exploring the foundations of innovation and some of the ways it is and has been practiced in the real world.
  • (4/5)
    I'm pleased I won a copy of this book by one of my favorite science writers through the Library Thing Early Reviewers program. In engaging prose Johnson explores through historical examples and case studies how people come up with great ideas. It's not the lone genius with a light bulb popping up over their head.Johnson discusses that innovation is possible within the adjacent possible when a number of factors come together to allow a new idea to work (on the shoulders of giants to speak). Strong networks - whether they be cities, the Web, or universities - inevitably contribute to greater innovation the solitary inventor. Ideas also come over time, the slow hunch, where something in the back of one's mind only becomes a possibility after years of interactions and research. Error and serendipity play their part as well. Johnson also discusses the idea of expatation where something built for one purpose is borrowed for an entirely different function. Platforms are also important for the development of further innovations.In an interesting conclusion, Johnson makes the case against the accepted belief of free-market competition being the greatest source of innovation (although state-controlled command economies are not the solution either). Instead Johnson calls for continued support of research universities where networks are formed and ideas shared. I enjoyed this book and I think it helped me look at innovation in new ways.Recommended books: Connections by James Burke, The Tipping Point: How Little Things Can Make a Big Difference by Malcolm Gladwell, Sync: The Emerging Science of Spontaneous Order by Steven H. Strogatz, How We Decide by Jonah Lehrer, and Made to Stick: Why Some Ideas Survive and Others Die byChip Heath.
  • (4/5)
    Good read with some fascinating stories about innovation
  • (4/5)
    It’s fun to watch Johnson’s brain work; that is at least half the pleasure in reading his books. Whether he’s writing about slime mold or television he asks great questions, doesn’t stop looking when he has an obvious answer, and makes unexpected connections. He can also write, and comes up with memorable phrases and descriptions (In a discussion of hydrogen bonds, water “is a fiendishly talented dissolver of things.”)In his sixth book, Johnson’s big idea is ideas, and where they come from. He’s interested in innovation — useful new ideas — and what sort of environments encourage innovation. His argument boils down to that there are certain properties found “in unusually fertile environments” and he has identified seven patterns important to successful innovation spaces. He was able to identify these patterns by shifting his perspective and developing a framework he calls the “long zoom”. His insight was that in looking at innovation from multiple scales, patterns that would otherwise be obscured become visible, and that this approach doesn’t just yield new metaphors to help our understanding, but gives that it “gives us new facts”:"But when you look at innovation from the long-zoom perspective, competition turns out to be less central to the history of good ideas than we generally think. Analyzing innovation on the scale of indivuals and organizations — ad the standard textbooks do — distorts our view. It creates a picture of innovation that overstates the role of proprietary research and “survival of the fittest” competition. The long-zoom approach lets us see that openness and connectivity may, in the end, be more valuable to innovation than purely competitive mechanisms."Using examples from Gutenberg to Darwin to the inventor of air conditioning and the web, Johnson explains and explores the importance of these patterns and how they allow ideas (which are, literally speaking, networks) to flourish.The adjacent possibleCoined by theoretical biologist Stuart Kauffman, this phrase describes the first-order combinations you can come up with based on what you have. The ingredients for certain molecular reactions were in primordial soup, but you couldn’t go right to blue whale from those ingredients. The thing is, the adjacent possible expands as you explore. The adjacent possible is how you can create an incubator for the third world that runs on spare car parts — you take the materials available (car parts and mechanic’s skillset) and combine them in new ways to create a medical device that saves lives.Liquid NetworksIdeas are networks: in your brain, a new idea is a set of neurons firing in your brain in sync for the first time. In other words ideas aren’t isolated things, as Johnson points out, they are more like a swarm. There’s movement, the possibility of making new connections — a nearly literal liquid network, in the case of your brain. The primordial soup from which life on earth emerged was a liquid network; so is MIT’s building 99 with its reconfigurable walls designed for information spillover.The slow hunchWe tend to think of a flash of insight leading to new discoveries, but often innovations emerge when an idea that has been kicked around for years is combined with other ideas. Hunches need space and time to evolve; if Tim Berners-Lee didn’t work for an employer that made it possible to tinker with ideas and nurse hunches, we might not have the web.SerendipityIdeas need to be able to bump into each other; this is how we make new connections that spark. I love that Johnson refutes the wrong-headed notion that the web is killing serendipity — he says that “the irony of the serendipity debate” is that “the thing that is being mourned has actually gone from a fringe experience to the mainstream of culture”. Few browsed library stacks to see what was next to the book they were looking for, but nearly everyone Googles: exposure to new, not intentionally sought information is near-constant on the web.ErrorJohnson uses the example of De Forest being wrong about why his experiment was doing what it was doing, but his work still leading to the development of vacuum tubes and computers, but I like this summation on error best: “Being right keeps you in place. Being wrong forces you to explore.”ExaptationThis refers to the process of taking something that emerges for one use, and repurposing it for another. It is thought that feathers originally evolved to keep a dinosaur warmer, but were exapted for flight. Gutenberg borrowing the technology of the wine press to create the printing press is another example of exaptation. As Johnson more humorously put it, Gutenberg “took a machine designed to get people drunk and turned into into an engine for mass communication.”PlatformsCoral reefs are platforms; so is the web. Platforms building is about emergent behavior: beavers don’t set out to create an ecosystem to support kingfishers and dragonflies when they build their dams, but they do. We have consumer GPS systems today because two engineers figured out how to track Sputnik and were asked if they could reverse it (and find an unknown location on earth from a known point in space) for a DOD project. Open platforms, because they allow for more ideas to collide and combine, are more generative.Throughout his exploration and explication of these patterns, Johnson notes that openness seems to work best. While he acknowledges that the market has been an engine of innovation, it is not the only one, and not necessarily the best one. He believes, and convincingly demonstrates, “that we are often better served by connecting ideas than we are protecting them.”"Good ideas my not want to be free, but they do want to connect, fuse, recombine. They want to reinvent themselves by crossing conceptual borders. They want to complete each other as much as they want to compete."Armed with awareness of these seven patterns, we can at work or at play, increase the odds we’ll be able to cultivate good ideas. Johnson ends his book with a call to go out and do just that:"Go for a walk; cultivate hunches; write everything down, but keep your folders messy; embrace serendipity; make generative mistakes; take on multiple hobbies; frequent coffeehouses and other liquid networks; follow the links; let others build on your ideas; borrow, recycle, reinvent. Build a tangled bank."[This review based on the advanced uncorrected proof copy I received through LibraryThing's Early Reviewer program.]
  • (4/5)
    Where Good Ideas Come From by Steven Johnson is an easy-to-read primer on innovation and the basis behind that innovation. The conversational style of the text and the anecdote-filled chapters help to lead the reader through the book. The consistent references to previous sections and stories help to reinforce the point of the author. While I appreciate anecdotes, the author's significant usage of ththeir certain cases will not help the book as it ages. In particular, the Apps for Democracy program in DC government which was not renewed after its initial champion moved to the Federal government. The book really shines by the synopsis of studies done which build strength to the seven points of Innovation. The best part, which comes at the end, is the case study on how innovation was done as a individual/network or as market/non-market and the progression of innovation toward network/non-market. I would have appreciated more on this. Overall, the book is a great read. The author does a great job in story telling and discussing his points on innovation and how to continue being innovative.
  • (5/5)
    Reading: I enjoyed his 1997 book "Interface Culture" and I'm already enjoying this one, too. Lots of food for thought about how ideas come together. Finished: It's been a few days since I finished the book, and I still have a lot to digest from it. I highly recommend this for anyone who might be trying to tap into their own creativity, but especially if you're wanting to feel more creative at work. I did skim over a lot of the more technical scientific examples of innovation, and have a lot of questions about the big list at the end, but the chapters about innovative environments gave me plenty to investigate, especially as my library begins a project that could lead to major renovation. Basically, he's saying that the more ideas you are exposed to, the better your ideas will be. That ideas need time to incubate, so write them all down (he has a beautiful section on the commonplace book) and revisit them later. That diverse networks and diverse hobbies make for some truly amazing discoveries (such as Gutenberg basing his famous invention on a wine press -- I love that. Books from wine!). One of the first things this book has me reconsidering is my news feeds. When I look at my Twitter and RSS feeds, I see way too much about libraries and technology. I need to mix this up, bring in sources from other areas. So if you have some non-library, non-techie suggestions, let me know!
  • (5/5)
    I had high expectations for this book and it mostly met those expectations. The only downside is I have been reading not only the books, but the blog, and most anything Steven Johnson puts out there, so there was really not a whole lot new. But having the book to point to is really helpful.
  • (4/5)
    Most of the points Johnson makes here don't seem terribly surprising or original: Ideas build on other ideas. Rather then coming from nowhere in a flash of insight, ideas usually start as a vague hunch and build up over long periods of time. And innovation happens more easily in open environments where lots of different ideas have the opportunity to come together and cross-fertilize. His final conclusion, that for-profit companies obsessed with keeping their ideas proprietary are now a somewhat less prolific source of innovation than the public sector, may be a little bit more controversial, but even that thought doesn't seem especially, well, innovative.Original or not, though, it is well-presented. He explores all these points in his usual clear and engaging style, with lots of good, concrete examples. And he makes a number of interesting and relevant connections between different subjects, most particularly between human innovation and the biology of ecosystems and evolution.How useful or appealing this may be to entrepreneurs whose primary interest is in cultivating innovation, I can't really say, but as someone who simply enjoys well-written non-fiction, I certainly found it worth reading.
  • (3/5)
    Well, This book really goes through were ideas come from. It systematically goes threw the years to see where ideas started from. It does state that they doesn't seem to be a eureka type of moment but more of a gradual based of eureka moment. Also interesting is that you can't jump to the front of the line so to speak. If your idea is to original there is no place for it until the rest of the world catches up. Although interesting i found this a very difficult read and quite honestly not very riveting. That is why i only gave it 3 stars
  • (4/5)
    Perhaps some of this won't come as a surprise to people who read about innovation--but the ecological metaphors are rich and generative.//Received September 2010 for Early Reviewers program
  • (5/5)
    Johnson is a great synthetic thinker and writer. He draws on a deep set of resources and obscure reference material to support his position. His style of writing is fluid and like his other books makes for compelling and enjoyable reading.
  • (5/5)
    Steven Johnson explores interesting territory with this book, in which he draws parallels to biological evolution to help explain the emergence of innovative ideas. Considering innovation through this lens helps to explain suppositions and suggest tactics for leaders to use in seeking innovation from teams.Johnson's work suggests that technological innovation can be considered as another manifestation of the "force of life". And in this way, appears to be an interesting complement to a book coming from Kevin Kelly ("What Technology Wants")Additionally, he makes a compelling point that intellectual property rights are _not_ a requirement to enable innovation. However, in doing so, he doesn't take the position that they are required. With this approach to intellectual property rights, he strikes an interesting middle ground between ideological camps.He also does not strike either an "pro-technology" or a "doomsday" tone, which is refreshing to see in an otherwise frequently polarized topic.As a writer, Johnson is the type of non-fiction author who can take a topic one might consider dry and make it compelling. Other books about innovation tend to be slow reads. That is not the case with this one... I found myself with enough momentum to read the end notes. And to me, that was the clincher on deciding how to rate this book.(Reviewed a free copy received via LibraryThing Early Reviewer program.)
  • (5/5)
    Remarkable book.A change of pace from books that guide you to developing creativity skills, this book describes the matrix that will increase the potential for innovation/creativity. And it is not always what you would think.Drawing from a dizzying number of fields as diverse as Darwin's theories to the investigations of 9-11, Steve Johnson painstakingly distills from past innovations the primordial soup that brought them about. He contends that this soup/matrix consists of seven broad elements :1. the adjacent possible (that innovations cause or make possible further innovations)2. liquid networks (WE are smarter than just ME)3. the slow hunch (ideas need development time)4. serendipity (the time has to be right)5. error (my favorite. Sometimes nothing works as well as a good mistake)6. exaptation (borrowing ideas from different fields of knowledge)7. platforms (using things/ideas in new ways and building on what has come before)Each of these ideas receives its own chapter in the book and is explored in detail.In conclusion, Johnson attempts to categorize previous inventions according to market motivation (monetary recompense) and whether the invention was developed/discovered by an individual or a group/network. The author lost me somewhat on this discussion but that was probably more due to the fact that I was reading this book more from a social science/education standpoint than from a marketing one.This book is a tour de force and it could/should have far reaching implications. While the focus seemed more on scientific and workplace innovation, it made me wonder what an education system would look like if these ideas were implemented. Also, what kind of impact would using these ideas have for seniors - could it possibly help with age related mental decline? And I personally would be very interested in seeing an interface between the book's ideas and positive psychology (the science of optimal mental health as opposed to mental illness). This is a book I could recommend to anyone - it is very well written, extraordinarily interesting, and would be relevant to any life area or endeavor . Only one requirement necessary - a healthy curiosity (but you already have that, otherwise why would you be reading this). This book is a treat. Now if you will excuse me, it is time for a walk.
  • (4/5)
    "...as imagination bodies forthThe forms of things unknown, the poet's penTurns them to shapes and gives to airy nothingA local habitation and a name."Johnson opens this wonderful book on ideas, innovation and the myth of genius with this arresting passage from Shakespeare and hardly slows from there. Highly recommended.
  • (4/5)
    This is something that I have been thinking about. It is an interesting concept and certainly something that everyone should be interested. One good idea can change everything.
  • (4/5)
    This book is really more like a 3.5 star book, but I can't do that on here and I do really like Steven Johnson's writing in general (been in a fan back into the early FEED days). I also should admit that part of the reason for that half-star demotion might be that I listened to this as an audiobook. The issue was not the narrator or anything you would typically expect, but rather a simple matter of making it difficult (I was listening to it driving to and from work) to stop and ponder or jot down notes.

    Those caveats aside, I really did enjoy this book quite a bit. Jonhson has a way of clarifying ideas and concepts that I find to be helpful and stimulating. In this case, the subject matter, how new inventions, discoveries, etc. are made, is near and dear to my heart. Though I don't consider myself to be a revolutionary thinker who is regularly coming up with some flash of insight, I do take the idea of consistently trying to set myself up for new ideas, very seriously. Johnson brings together a lot of pieces of information on this subject that I had heard, in one form or another, before, but puts it into a very digestible format. I'm particularly grateful that I also own a physical copy of this book -- I'm looking forward to reading through his notes and reviewing the structure and organization of the material. I suspect that process alone will add to what I have gained from this book.
  • (4/5)
    Free LibraryThing Early Reviewer book. Johnson takes network theory and points it in a particular direction, lauding the innovative possibilities that come from cities (and from the internet). The possibility of random collisions, moving knowledge from one field to another and developing a “slow hunch” over time, he argues, is the most likely source of innovation these days, such that building information walls between people and institutions is foolish. Instead of the commons, the usual trope for nonpropertized ideas, he wants us to think about the coral reef: a thriving ecosystem where entities use each others’ trash and discarded corpses, and in turn are used. It’s fun and well-written, though my favorite bit was mostly taken from Robert Darnton, who writes about the centuries-old habit of keeping commonplace books in terms that might, possibly, seem to have current relevance. Here’s Darnton: Unlike modern readers, who follow the flow of a narrative from beginning to end, early modern Englishmen read in fits and starts and jumped from book to book. They broke texts into fragments and assembled them into new patterns by transcribing them in different sections of their notebooks. Then they reread the copies and rearranged the patterns while adding more excerpts. Reading and writing were therefore inseparable activities. They belonged to a continuous effort to make sense of things, for the world was full of signs: you could read your way through it; and by keeping an account of your readings, you made a book of your own, one stamped with your personality. Johhnson uses the commonplace book to argue for the virtues both of borrowing and of putting disparate ideas/thoughts into fruitful juxtaposition, even when that looks a bit like chaos.
  • (4/5)
    Really good read on the best way for humanity to generate new ideas.