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Von Möpsen und anderen Menschen

Von Möpsen und anderen Menschen

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Von Möpsen und anderen Menschen

Länge:
242 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 5, 2014
ISBN:
9783869922416
Format:
Buch

Beschreibung

Wundervolle Geschichten um den Hund: Hintergründiger Humor
- herzzerreißend und charmant
: Der rote Faden, der die fünf Erzählungen verknüpft, ist das sich über ein halbes Leben hinziehende Bestreben, sich in den Besitz eines Mopses zu bringen. Der Erfolg dieses hartnäckig verfolgten Vorsatzes wird jedoch durch widrige Umstände und beklagenswerte Versuchungen vereitelt, mit anderen Hunderassen zu kokettieren. Erst in der letzten Erzählung ist diesem Vorsatz der lang ersehnte Erfolg beschieden. - Erlebnisse in einer skurrilen Menagerie, in der - neben unterhaltsamen Tierchen unterschiedlicher Arten - Möpsen ›die‹ tragende Rolle zugewiesen wird, in der aber auch einige absonderliche Vertreter einer Spezies, die sich das Epitheton ›homo sapiens‹ zugelegt hat, ihre Nebenrollen zugewiesen bekommen, soweit diese in das Geschehen einbezogen sind und dem Bestreben des Autors entgegenkommen, sein eigenes, unverkennbares Gefallen an den Karikaturen auszuleben und des Lesers vermutetes Interesse an derlei bemerkenswerten Exemplaren dieser Spezies zu befriedigen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 5, 2014
ISBN:
9783869922416
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Von Möpsen und anderen Menschen - Reiner Jesse

Reiner Jesse

Von Möpsen,

und anderen Menschen …

Für

Marvin ›Vom Mopshaus‹,

für

Jane ›Von der Löwenburg‹,

für

Max, einen Wiehlfisch,

und für

Elke, einen langbeinigen Elch:

für vier Wesen, ohne die mein Leben und meine Welt ärmer wären. –

Reiner Jesse

Von Möpsen,

und anderen Menschen …

AtheneMedia

Inhaltsverzeichnis

Zum Geleit

Rudolf II. von Scherenberg

Sankt-Agnes-Abend

Miss Marple und Sherlock Holmes

Der Lincoln Imp

Eine Winterreise

Nachwort

Die Karriere eines wundersamen Wesens

Zum Geleit

Wie ein Mann auf den Hund kommt? Ich darf doch voraussetzen, dass die Antwort jedermann bekannt ist: Schnaps und Weiber. –

Aber wie kommt ein Mann auf den Mops? Die nachfolgenden Erzählungen sollen helfen das Rätsel zu lösen. –

Eines Mannes Weg zum Mops ist lang und tückisch. Ihn erfolgreich zurückzulegen bedarf mehr als nur des Schnapses und der Weiber! Diesen Weg zurückzulegen, der immer aufs Neue von unerwarteten Hindernissen versperrt scheint, bedarf es zahlreicher, wohlmeinender Helfer und glückhafter Zufälle.

Die Helfer, die mich auf diesem Weg begleitet und mir zur Seite gestanden haben, hat es allesamt tatsächlich gegeben, so wie ich sie beschrieben habe, in ihrer nicht selten skurrilen Individualität. Ihre Namen habe ich mit Ausnahme von Miss Hunter-Rutherford allerdings verändert, eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Erfindung und Wirklichkeit beobachtend, da oft der Name allein schon eine karikierende Gestaltung unterstreicht, wenn auch die bildhaften Schilderungen der Realität verhaftet bleiben.

Arthur Conan Doyles Hund, jenem phosphoreszierenden Untier derer ›von Baskerville‹, und John Keats´ anmutiger ›Madeleine‹ vom ›St. Agnes-Abend‹ – jener ›Madeleine‹ mit ihren vom ›warmen Rot des Mondlichts übergossenen holden Brüsten‹ – diesen beiden Gestalten bin ich selbstredend nicht in Fleisch und Blut begegnet, vermochte mir aber beide – dank der literarischen Kunstfertigkeit ihrer genialen Schöpfer – lebhaft und beseelt vorzustellen.

Rudolf II. von Scherenberg

In einer engen, der Zerstörung durch Bomben und Feuersbrunst im Frühjahr 1945 weitgehend entgangenen Gasse des alten Würzburgs fand sich ein denkwürdiges Zoogeschäft. Es hatte zwei große Schaufenster, in denen allerlei Bedarf zur Haustierhaltung ausgestellt war. Halsbänder, Flohbänder, Zeckenbänder oder Kauknochen für Hunde und Trockenfutter für Zierfische, aber auch Kämme aus Metall und aus echtem Schildpatt, Bürsten aus Draht- und Naturborsten, Katzenkörbchen, Fressnäpfe sowie ein spezielles Körnerfutter für Sittiche zur Vorbeugung gegen den Kropf der Schilddrüse, denen diese Vögel offenbar hin und wieder anheimzufallen drohten. All dies wurde den lernbegierigen Passanten und potentiellen Käufern auf schmucklose Weise, auf eine geradezu nüchterne, auf eine jeder romantischen Verbrämung ermangelnde Weise dargeboten. Ein Sammelsurium an sowohl erfreulich-nutzvollen wie auch an lächerlich-unnötigen Dingen war da zu bestaunen, und zwar ohne jedes erkennbare, ordnende Prinzip. Gerade aber die wahllose Vielfalt und die kuriose Abwechslung machten das Studium der Auslagen so ungemein unterhaltsam; vorausgesetzt natürlich, man war Privatier und verfügte über genügend müßige Zeit, sich solcher Langeweile und sich einem solchen in gewisser Weise sinnlosen Tun hinzugeben. Zwei Schaufenster rechts und links neben der Türe also hatte dieses denkwürdige Zoofachgeschäft, in denen die bereits aufgezählten nützlichen und unnützen Dinge und dergleichen mehr den gelegentlich Vorbeieilenden zur gefälligen Anschauung dargebracht wurden; dargebracht wurden ohne jeden Zweifel mit dem Vorsatz und in der Hoffnung, dass vielleicht der eine oder der andere der Passanten sich gelegentlich versucht fühlen möge, zu verweilen und – im günstigsten Falle! – sich zu einem Kauf bequemen möge. Darüber hinaus waren die Exponate zur Belehrung des geneigten Tierhalters mit außerordentlich lehrreichen Hinweisschildern – mit in der Tat außerordentlich beachtenswerten Hinweisschildern! – und mit höchst aufschlussreichen Erklärungen überaus reichlich versehen. Die Beschriftung der Schildchen war allerdings, bedauerlicherweise in unschöner Manier vom Sonnenlicht gebleicht, oft bis an die Grenze zur Unleserlichkeit verblasst; ein wirklich beklagenswerter, ein in der Tat äußerst bedenklicher Zustand, der von gar manchem der potentiellen wissbegierigen Kunden zutiefst bedauert wurde. Angesichts derartig fesselnder Details mochte der Betrachter, der sich die Zeit nahm vor den Schaufenstern ein wenig zu verweilen – sei es zur Erholung von Pressthaftigkeit und Atmnot infolge einer altersbedingten Herzschwäche, sei es aus tatsächlichem Interesse an Tierhaltung – ein solcher Betrachter also mochte durchaus die Fliegen von der Spezies ›Stubenfliege‹ übersehen; jene Kadaver von der Spezies ›Musca domestica‹, will sagen von der Art der ›gemeinen Stubenfliege‹, die leblos auf den untersten Borden hinter den Schaufensterscheiben lagen, da sie bereits vor längerer Zeit ihr ohnehin bescheidenes und klägliches Leben ausgehaucht hatten. Ein heißes, trockenes Klima hinter den sonnenerwärmten Glasscheiben im Inneren der Schaufenstergehäuse – gewissermaßen ein äußerst trockenes, heißes und dem Leben unzuträgliches Wüstenklima in diesen abgesonderten, vernach-lässigten Biotopen – war leider unbedingt geeignet, besagte Fliegen einer raschen Vergänglichkeit und Mumifizierung zu überantworten.

Über der Ladentüre ragte ein kleines Schild aus buntem Glas in die Gasse hinaus. Es lud die Fußgänger zum Eintreten in das Zoogeschäft ein, die allerdings nicht allzu oft ihren Weg über das unbequeme Kopfsteinpflaster des betagten Gässchens nahmen. Das Schild fiel eigentlich kaum auf und dürfte an hellen Tagen nur unzulänglich seinem Werbezweck genügt haben. Unübersehbar aber wurde der von innen beleuchtete Glaskasten, wenn schlechtes Wetter die Gasse verdunkelte, wenn winters die Dämmerung frühzeitig hereinbrach oder die Nacht über Giebel und Türme der altehrwürdigen Barockstadt am Main herniedersank. Dann nämlich kam die elektrische Beleuchtung des kleinen Lichtkastens voll zur Geltung und führte diesen mehr als zur Zufriedenheit der Geschäftseigentümer seiner eigentlichen Bestimmung zu. Ein Nymphensittich mit roten Bäckchen, mit gelbem Körper wie Eidotter und mit grasgrünen, langen Schwanzfedern erstrahlte dann von dem in seinen Eingeweiden erleuchteten Lichtkasten das Gässchen hinauf und hinab. Unter dem farbenprächtigen Vogel las man – ebenfalls in Lettern von golden strahlendem Dottergelb! – die barocken Schriftzüge ›Vogel Peter‹. Ohne Zweifel waren wohl Vögel die bevorzugten Lieblinge und deren Bedürfnisse die Einnahmequellen, die das Unternehmen zu tragen vermochten. Als allen Würzburgern bestens bekannte Seele und als Seniorchef des Geschäftes firmierte der bereits in die Jahre gekommene Zoofachhändler Peter Rohrdommel, assistiert von Gattin und Sohn, die beide den Gang des Geschäftes nach Kräften zu unterstützten suchten.

Zwar hielt man im hinteren Teil eines vom eigentlichen Ladengeschäft abgetrennten, jedoch durchaus zugänglichen, größeren Raumes in einem Verschlag – der in der Tat an nebeneinander und übereinander gesetzte Hasenställe erinnern mochte – zwar hielt man in diesem Verschlag tatsächlich Kaninchen, vergesellschaftet mit Meerschweinchen zu deren Gesunderhaltung, und hin und wieder auch ein oder mehrere Kätzchen oder Hündchen. Jedoch war dieses bescheidene Domizil der Säugetiere nichts im Vergleich mit den benachbarten, überaus komfortablen und prächtigen Käfigen und Volieren, in denen Papageien vom Schlag der ›Amazonen‹ mit blauen oder gelben Stirnen ihre Mark und Bein erschütternden Urwaldschreie krächzten und absolut nicht sprechen wollten, ganz im Gegensatz zu den Graupapageien, die allerlei Stimmen und Geräusche – sogar das Klingeln der Türe und das Rasseln der Ladenkasse! – auf das Erstaunlichste zu imitieren gelernt hatten. Andere, wenngleich bescheidenere Volieren waren dazu ausersehen, ganze Völkerschaften von unentwegt plappernden, piepsenden und ihre Schnäbel an den hölzernen Sitzstangen und an den metallenen Käfigstäben wetzenden Wellensittichen und Nymphensittichen zu beherbergen. Diese Vögel bezauberten die Besucher durch ihr Federkleid, das in allen nur erdenklichen blauen, gelben und grünen Farbtönen schillerte, und durch ihre weißen, schwarz gepunkteten Kröpfe. Diese Kehlsäcke vermochten die Tierchen unablässig und ohne erkennbare Veranlassung in ihrer Größe zu verändern. Es war lustig anzusehen, wie sich beim Aufblasen der Kehlsäcke die kleinen Federn wie Schuppen abspreizten, und wie sie sich beim Abschwellen wieder wie die Ziegel eines Daches den Kröpfen glatt anlegten. In zierlichen, kleinen Käfigen erglühten im roten Licht wärmender Lampen, abgeschirmt von einer ihnen unbekömmlichen Zugluft, exotische Prachtfinken und Gouldamadinen in den abwegigsten Farben aller nur vorstellbarer Edelsteine.

Der konkurrenzlose Star dieser Vogelwelt war ein alter, ausgemusterter Kakadu mit immer noch prächtigem, schneeweißem Gefieder. Gerade diese Sehenswürdigkeit füllte die Räume der Zoohandlung ›Vogel Peter‹ stets mit nicht unbedingt zum Kaufe aufgelegten Schaulustigen, darunter so manchem gelangweilten Rentier, der eben einmal so zum Zeitvertreib durch die Gasse spazierte und diese erbauliche Promenade zum Anlass nahm, bei dem durchaus liebenswerten Herrn Rohrdommel senior – eben beim ›Vogel Peter‹ – eine kurze, unterhaltsame, belustigende Rast einzulegen und ein erbauliches Schwätzchen zu halten.

Dieser gewitzte Kakadu nämlich verfügte über die unglaubliche Fähigkeit, aus seinem Scheitel einen zitronengelben Federwisch zu aller Welt Erstaunen unerwartet und ruckartig keck empor zu spreizen. Nicht selten begleitete der Vogel dieses Schauspiel mit leisen, gurrenden oder knurrenden Lauten von jener Art, wie sie Hühner gerne von sich zu geben, wenn sie sich schläfrig einem warmen Sandbad im Sonnenschein überlassen. Allerdings konnte man dieses Kunststückes, das schier an Zauberei grenzen mochte, nur dann ansichtig werden, wenn sich der seltsame Vogel durch eine nicht näher zu bestimmende Laune oder auch durch eine meist von den ihn bestaunenden Besuchern nicht nachvollziehbare Gemütserregung verführt sah, seinem Aberwitz auf diese charmante Weise Ausdruck zu verleihen.

Mehr noch als durch dieses Kunststück aber fühlten sich die Besucher durch des Kakadus geradezu erstaunliches Repertoire an verunglimpfenden und übelwollenden Sprüchen angezogen; Sprüche, wie sie einem wohlerzogenen Vogel eigentlich nicht hätten zugestanden werden dürfen, vornehmlich dann nicht, wenn dieser Vogel sich als ein gesellschaftsfähiges, gut erzogenes Haustier erweisen wollte und die Vorteile in Anspruch zu nehmen gedachte, die mit einem solchen Status einhergingen.

So war dem Kakadu, ungeachtet seiner genialen Lernfähigkeit und seines exzellenten Gedächtnisses, sein zum Bösen, zur Häme und zur Schadenfreude neigender Charakter zum Verhängnis geworden. Infolge dieser genialen, wenngleich abartigen Veranlagung des Vogels, die in der Tat geeignet war allgemeines Ärgernis zu erregen, hatte man sich in ›höheren Kreisen‹ zum Schutze der eigenen, durchaus berechtigten Belange gehalten gesehen, die ungewöhnliche Karriere des Sprachartisten auf öffentlicher Bühne gewaltsam zu beenden. Folgerichtig also hatte man sich entschieden, den Kakadu beim ›Vogel Peter‹ in Gewahrsam nehmen zu lassen; etwa so, als hätte man den zur unerträglichen Last gewordenen Vogel in eine Pfandleihe gegeben. Hoffte man doch, dass eine mitleidige, allerdings mit einem durchaus strapazierfähigen Nervensystem ausgestattete Menschenseele vielleicht über kurz oder lang sich des Kakadus zu erbarmen wüsste und sich herbeilassen würde, den Bedauernswerten, in fatal-vorbestimmter Weise von seinem selbst verschuldeten Schicksal Geschlagenen und sodann von seinen Opfern schwer Gedemütigten auszulösen.

Als jene ›höheren Kreise‹, die man eines solch beklagenswerten, wenngleich nachvollziehbaren Vorgehens bezichtigen durfte, wie solches hinsichtlich des weiteren Schicksals des Kakadus beschlossen ward und diesen schließlich hart getroffen hatte, war ein Doktor der Veterinärmedizin auszumachen. Und als jene ›öffentliche Bühne‹, auf der sich unliebsam zu produzieren dem Vogel ein für alle Mal ein Riegel vorgeschoben werden musste, war das Wartezimmer der Kleintierpraxis jenes besagten Tierarztes im Zentrum der Innenstadt auszumachen, die von allerlei Getier nebst dessen Haltern reichlich frequentiert wurde. Und der Grund, die Karriere dieses Vogels

– die sich übrigens zunächst als ungewöhnlich erfreulich und attraktiv angelassen hatte – der Grund also, diese Karriere des Kakadus seitens des Doktors der Veterinärmedizin als beendet anzusehen, war schließlich ein Schwund an tierischen Hilfesuchenden und deren menschlichen Begleitern gewesen, der außerordentlich rasch um sich zu greifen und das weitere Gedeihen der Praxis zu gefährden drohte. Wohl weniger die Heilungssuchenden selbst, wohl aber deren Halter und Begleiter nämlich fühlten sich durch die wirklich unangebrachten und jedermann verletzenden verbalen Ausfälligkeiten des Kakadus zutiefst verletzt und verhöhnt; Ausfälligkeiten, wie sie dem Vogel böswillige Menschen gelehrt hatten oder wie er sie – gelehrig wie ein Kakadu nun eben einmal zu sein hat! – gesprächsweise im Wartezimmer oder, zu Anfang seiner Karriere, im Behandlungszimmer, wohl aber auch im Kreise der Familie des Tierarztes so ›en passant‹ aufzuschnappen vermocht hatte. Kurz, der Stein des Anstoßes waren Sprüche wie: »edzed kümmd die Verrückde scho widder mid den aale Klebber …«, oder etwa: »der had eh feddich, den könne mer bloß noch eischläffern … feddich … eischläffern, eischläffern, eischläffern …« – schließlich verstand sich der Vogel zu jedermanns Erstaunen und zum allgemeinen Gaudium in der Tat auf derlei Äußerungen sogar im Würzburger Dialekt! – Wenn der Kakadu aber besonders bösartig aufgelegt war, dann schrie er auch schon einmal in der unverkennbaren Stimmfärbung seines ehemaligen, damals schwer genervten Arbeitgebers oder seines derzeitigen Pensionsvaters: »ich wääs goa ned … feddich … wie ofd soll ichs ihne dänn noch sooch … ich ned … ofd … gähe se endlich hemm un lassendse doch ihre aale Katz ... feddich ... endlich in Friede starb …«, oder, wenn es ganz schlimm kam: »wann ich die scho mid dan räuidiche Voachel säh …«, oder auch: »Herr God nochemol, ... feddich ... edzed halle se doch endlich dan Sauhund fesd ... edzed … feddich … oder ich leech beide von euch üm … edzed … feddich …«

In Anbetracht solcher, die Frequentation und die Existenz einer Kleintierpraxis durchaus gefährdender Ausfälligkeiten war dem Tierarzt letztendlich kaum eine andere Wahl geblieben, als sich von dem Stifter solchen Ärgernisses zu trennen. So hatte man sich entschieden, die Freuden und den Spaß, den ein solch gelehriges Tier vor anderem, geeigneterem Publikum und an einem anderen, weniger sensiblen Ort durchaus zu bereiten wusste, einem privaten Tierliebhaber zukommen zu lassen und die Vermittlung solcher Unterkunft der Zoohandlung des mit Vögeln aller Art äußerst erfahrenen Herrn Rohrdommel senior zu überlassen. Beim ›Vogel Peter‹ jedenfalls hatte jedermann seine Freude an dem einzigartigen Repertoire des bildschönen Kakadus; zudem der geduldige und tierverständige Herr Rohrdommel senior sich gelegentlich veranlasst fühlte, den Übermut des jauchzenden Publikums zu dämpfen und die oft jeder biologischen Kenntnis widersprechenden Mutmaßungen über den intellektuellen Zusammenhang der vom Vogel geäußerten Unflätigkeiten zu korrigieren: »… liewe Leud, dar wäß doch ned, was dar schmarrd …«, gab der Zoofachhändler dann zu bedenken, gelegentlich aber auch, und sogar hin und wieder völlig zu Recht: » … dar is schlauer aals Euereins … un aach schlauer aals Unnereins … des willsd mer glebb! … Wolle se wiss, was dar gäsdern erschd zu meiner Fraa gsochd hod?: ›mid derre koasde kei Ehr mehr eigelääch un kää Staad mehr gemoch, bei dan schüddere Fell, das die Fraa hod …‹, stelle sie sich des doch ämol vor. Aals mänd mer doch, dar wäs doch zu gedenk … dar Voachel …«, gab Herr Rohrdommel senior dann verhalten sein Urteil ab; nicht aber ohne sich vorher über den aktuellen Standort seiner Gattin orientiert zu haben. In der Regel sah diese sich während der ornithologischen Erklärungen ihres Gatten genötigt – zum vernünftigen Fortgang der Geschäfte, versteht sich! – am Ladentisch sich angelegentlich mit einem Geflügelhalter belehrend und animierend zu unterhalten. Zum Beispiel über Gipseier zur Anregung der Eiabgabe bei unwilligen Legehennen vom Schlage der ›Rodeländer‹ oder der ›Weißen Leghorn‹, oder auch über eine neue, vorteilhafte Streumischung für ein hygienisch vorbildlich eingerichtetes Katzenklo, oder über eine zuverlässige Vorbeugung vor Zeckenbefall, oder über eine biologische Kur zur Entwurmung von Hundewelpen.

Von gar manchem Besucher wurde im Nachhinein allerdings aufs Bestimmteste bestritten, dass der Vogel jemals besagte Unverschämtheit bezüglich des Fellzustandes der Seniorchefin geäußert habe. –

Im vorderen Ladenraum herrschte eine wohltuende Stille, gemessen an dem schrillen Urwaldkreischen, dem Geschnattere, dem Gepiepse und dem Plappern der Papageienvögel im hinteren Gelass des Geschäftes. Diese Stille rührte im Wesentlichen daher, dass der von der Türe aus rechts liegende Teil des Geschäftes der Aquaristik gewidmet war. Fische sind in der Regel nun eben einmal stumm, sieht man von den sogenannten ›knurrenden‹ Guramis ab.

Für diese Abteilung der Zoohandlung zeichnete der Sohn des Ehepaares Rohrdommel verantwortlich. Dieser war einer modernen Technologie eher zugeneigt als der Seniorchef, welcher es in der Vogelhaltung bei seiner langjährigen Erfahrung und einigen hausbackenen Vorkehrungen durchaus bewendet sein ließ. Zur erfolgreichen Pflege hochempfindlicher Zierfische und dekorativer Pflanzen in den Schauaquarien allerdings, die als nachahmenswerte Beispiele exotisch-üppiger Naturjuwele der Tropen die Kauflust zum Erwerb derartig exquisiter Einrichtungen anreizen sollten, war mit derlei simplen Hilfsmitteln, wie solche dem Seniorchef bei der Pflege seiner Vögel genügen mochten, kein zufriedenstellender und dauerhafter Erfolg einzufahren. In solch ungemein störanfälligen Biotopen – nicht zu vergleichen mit einem simplen Vogelkäfig, versteht sich! – in solch ungemein störanfälligen Biotopen also konnte auf minutiös regulierte Bodenheizung, auf Filterung, auf Kohlendioxidzugabe, auf genaue Einhaltung der Wasserhärte, auf Kontrolle des Säurebasengleichgewichtes, auf

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