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James Bond 15: Colonel Sun
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eBook337 Seiten4 Stunden

James Bond 15: Colonel Sun

Bewertung: 3.5 von 5 Sternen

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Über dieses E-Book

Die James Bond Serie geht weiter mit neuen Autoren, ganz in der Tradition von Ian Fleming.

Mittagessen bei Scott's, ein kleines Golfspiel, ein Routineanruf bei seinem Chef M, sich erholen - das Leben des Geheimagenten James Bond hat gerade begonnen, ihn regelrecht einzuschläfern. Bis zu dem sonnigen Nachmittag, als M entführt wird und seine Hausangestellten brutal ermordet werden …

Auf einer griechischen Vulkaninsel plant der eiskalte Colonel Sun Liang-tan von der Volksbefreiungsarmee Chinas mit einem Nazi-Kriegsverbrecher eine weltumspannende Verschwörung. Bond muss mit der schönen Agentin eines rivalisierenden Geheimdienstes zusammenarbeiten, um diesen skrupellosen Gegner zu besiegen, der die ungeschriebenen Gesetze der Spionage missachtet. Jeglicher professioneller Hilfe beraubt, stellt sich Bond Colonel Sun und seinen monströsen Apparaturen. Eine Entscheidung, die ihn an die Grenzen seiner körperlichen Belastbarkeit bringt.
SpracheDeutsch
HerausgeberCross Cult
Erscheinungsdatum29. Sept. 2014
ISBN9783864254628
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  • Bewertung: 3 von 5 Sternen
    3/5
    The very first continuation novel published four years after the death of Fleming. Initially I felt it was making good headway, with an interesting premise in the depiction of Bonds Enlgish idyll being shattered in the way that it is. Amis's narrative is different to Fleming and it's in the first few chapters that the similarity is the strongest. It does initially feel like a good paced Fleming thriller. Then Amis's rather more imaginative style takes over and whilst the action initially is thick and fast, this then lapses into an adventure story set in and around the Greek islands. Is that a problem? No, if that's what you're looking for. It doesn't have the bondian themes of luxury living, gourmet and gourmand flourishes to wet the appetite, and even a particularly memorable villain. This feels like half a story that Bond would otherwise go onto to finish at another location. The Bond girl and allies are equally as unmemorable. Interesting, but not as exciting as I'd like and not in my humble opinion, up to the latest offering from Horowitz.
  • Bewertung: 4 von 5 Sternen
    4/5
    The only Bond novel written by Kingsley Amis (under the Robert Markham pseudonym) is one of the best non-Fleming 007 adventures. Amis's is a superior stylist and manages to capture Fleming's touch in many places, and he applies a rigorous realism that sets his work apart from the later continuation authors. However, Amis has a much more political slant to his work that differentiates it from Fleming's more apolitical fantasies, and this sometimes bogs down the story's movement. After an exciting opening, the middle is often excruciatingly slow. The finale is bloody and thrilling, however, with a fiendish torture that Fleming would have approved. Unfortunately, despite the qualities of this book, the proposed series of "Robert Markham" Bond novels failed after this one entry, and it wouldn't be until 1981 that more new novels would hit the shelves.

Buchvorschau

James Bond 15 - Robert Markham

Moskau

DER MANN MIT SONNENBRILLE

James Bond stand am mittleren Abschlag des achtzehnten Lochs auf dem neuen Golfplatz in Sunningdale und genoss die ruhige Normalität eines sonnigen englischen Nachmittags Anfang September. Er dachte darüber nach, dass der alte Platz mit seinen dichten Gruppen aus majestätischen Eichen und Kiefern landschaftlich charmant gestaltet war, aber etwas in seiner Natur fühlte sich von der nüchternen Strenge des neuen angesprochen. Hier gab es weniger Bäume, einen offenen Blick auf den Himmel und Flecken aus Heidekraut und schlanken Büschen auf dem sandigen Boden – und, weniger subjektiv betrachtet, eine Reihe von Löchern, die einen wirklich forderten. Bond war einigermaßen zufrieden mit sich, weil er auf der berüchtigten sechsten Bahn lediglich vier Schläge benötigt hatte. Dort sorgte eine leicht erhöhte Scholle in der Bahn schnell dafür, dass der Ball in einem teuflischen Gewirr aus Büschen und sumpfigen Hügeln landete. Er hatte es jedoch geschafft, den Ball zweihundertfünfzig Meter weit genau in die Mitte zu befördern, ein Schlag, der ihm seine gesamte Konzentration abverlangt und (welcher Segen) nicht die geringsten Beschwerden in dem Bereich hervorgerufen hatte, wo sich im vergangenen Sommer Scaramangas Derringerkugel in seinen Bauch gebohrt hatte.

In der Nähe wartete Bonds Gegner, der gleichzeitig auch sein bester Freund war, darauf, dass die vier Spieler vor ihnen zum nächsten Grün weiterzogen. Es handelte sich um Bill Tanner, Ms Stabschef. Nachdem Bond die tiefen Erschöpfungsfalten um Tanners Augen und seine fast schon alarmierende Blässe aufgefallen waren, hatte er den ungewöhnlich ruhigen Morgen im Hauptquartier dazu genutzt, ihn zu einem Ausflug in dieses verschlafene Eckchen von Surrey zu überreden. Zuerst hatten sie im Scott’s in der Coventry Street zu Mittag gegessen. Das Mahl hatte aus einem Dutzend frischer Whitstable-Austern pro Person bestanden, auf die ein kaltes Stück des besten Roastbeefs mit Kartoffelsalat gefolgt war. Begleitet wurde das Ganze von einer gut gekühlten Flasche Rosé d’Anjou. Das war vielleicht nicht der ideale Auftakt für eine Runde Golf und vermutlich sogar ein wenig maßlos. Aber Bond hatte kürzlich gehört, dass die gesamte Nordseite der Straße abgerissen werden sollte, und betrachtete daher jede Mahlzeit, die er in diesen ernsten, aber gemütlich eingerichteten Räumen genoss, als kleinen Sieg über das neue, verhasste London, das voll von eckigen Konstruktionen aus Stahl und Glas, Über- und Unterführungen sowie dem endlosen schrillen Dröhnen der Presslufthammer war.

Der Letzte der vier, der zuständige Caddie, trottete zum nächsten Grün weiter. Tanner ging zu seiner Schlägertasche – da sie sich während des Spiels über ein paar unwichtigere Geheimdienstangelegenheiten unterhalten wollten, trugen sie ihre Schläger selbst – und zog den neuen Ben-Hogan-Driver heraus, den er schon seit Wochen unbedingt ausprobieren wollte. Dann näherte er sich mit der für ihn typischen Bedächtigkeit seinem Ball. Der Einsatz bei diesem Spiel betrug lediglich symbolische fünf Pfund, aber Bill Tanner verfolgte jedes Ziel mit dem Maximum seines Könnens – eine Eigenschaft, die ihn zur besten Nummer zwei in der Branche machte.

Die Sonne brannte unerbittlich vom Himmel. Insekten summten in dem kleinen Gürtel aus Brombeersträuchern, Vogelbeerbäumen und Weißbirkentrieben zu ihrer Linken. Bonds Blick wanderte von der schlanken, konzentrierten Gestalt des Stabschefs zum Grün, das sich etwa vierhundert Meter entfernt befand, dann weiter zu der berühmten alten Eiche am achtzehnten Grün des alten Platzes und schließlich zu der reglosen Reihe geparkter Autos. War das die richtige Art zu leben? – eine anspruchslose Partie Golf mit einem Freund, auf die zu gegebener Zeit eine gemütliche Fahrt zurück nach London folgte (bei der man die M4 mied), und dann ein leichtes Abendessen allein in der Wohnung, ein paar Runden Piquet mit einem anderen Freund – 016 von Station B hatte Urlaub und war für zehn Tage aus Westberlin nach Hause gekommen – und zu guter Letzt um halb zwölf ab ins Bett. Es war zweifellos eine sehr viel vernünftigere und erwachsenere Routine als die Runde Gin und die Beruhigungsmittel, die er noch vor ein paar Jahren gebraucht hatte, vor seiner albtraumhaften Odyssee durch Japan und die UdSSR. Er sollte sich dafür auf die Schulter klopfen, dass er es durch diese schwierige Zeit geschafft hatte. Und dennoch …

Mit dem Geräusch eines hinabsausenden Säbels zischte Bill Tanners Driver durch die stehende, warme Luft, und sein Ball, der für einen Augenblick aus der Realität zu verschwinden schien, tauchte wieder auf und beschrieb einen weiten Bogen. Es war ein wundervoller, hoher Schlag, der so ausgeführt war, dass er den Ball weit genug nach links brachte, um nicht zwischen der Gruppe aus Waldkiefern zu landen, die schon viele vielversprechende Spielstände in letzter Minute ruiniert hatte. So wie die Dinge standen, musste er nur einen Gleichstand erzielen, um zu gewinnen.

»Sieht so aus, als wäre das Ihr Fünfer, so ungern ich es zugebe, Bill.«

»Wurde auch Zeit, dass ich Ihnen mal einen abnehme.«

Als James Bond vortrat, um seinen Schlag zu machen, kam ihm der Gedanke, dass es eine noch schlimmere Sünde als die Todsünde der Langeweile geben mochte. Gleichgültigkeit. Zufriedenheit mit dem Zweitbesten. Weich zu werden, ohne es zu merken.

Der Mann mit der ungewöhnlich großen und dunklen Sonnenbrille, der an den offenen Fenstern der Clublounge vorbei in Richtung des Grüns schlenderte, hatte keine Schwierigkeiten, die große Gestalt zu identifizieren, die sich in diesem Augenblick bereit machte, am achtzehnten Loch abzuschlagen. Er hatte im Laufe der vergangenen Wochen jede Menge Übung darin bekommen, sie zu identifizieren, sogar auf noch größere Entfernungen als diese. Und in diesem Moment schärfte Dringlichkeit seinen Blick.

Falls irgendein Mitglied des Clubs den Fremden mit der Sonnenbrille bemerkt hätte und mit der Frage, ob man ihm helfen könne, auf ihn zugekommen wäre, hätte diese Person die höfliche Antwort erhalten, dass er keine Hilfe benötige. Diese Antwort wäre mit einem nicht ganz britisch klingenden Akzent gegeben worden – nicht unbedingt fremdsprachlich, vielleicht südafrikanisch. Der Fremde hätte erklärt, dass er sich hier mit Mr John Donald treffen wolle, der jeden Moment zu ihm stoßen werde, um mit ihm die Möglichkeiten einer Mitgliedschaft zu besprechen. (Tatsächlich befand sich Mr John Donald derzeit in Paris, wie ein paar sorgsam geführte Telefonate früher an diesem Tag ans Licht gebracht hatten.) Doch niemand sprach den Mann mit der Sonnenbrille an. Keiner der Anwesenden bemerkte ihn auch nur. Das war nicht überraschend, weil eine langwierige, kostspielige Ausbildung dafür gesorgt hatte, dass er sehr gut darin war, nicht bemerkt zu werden.

Der Mann schlenderte über das Grün und schien mit Interesse das beeindruckende Zierblumenbeet mit seinen dichten Reihen aus Fackellilien und früh blühenden Chrysanthemen zu betrachten. Seine Haltung war vollkommen entspannt und sein Gesicht ausdruckslos, während die Augen hinter der Sonnenbrille in Richtung der Blumen schauten. Sein Verstand jedoch lief auf Hochtouren. Die heutige Operation war bereits drei Mal vorbereitet und dann jedes Mal in letzter Sekunde abgebrochen worden. Der Terminplan war so straff, dass eine weitere Verschiebung das gesamte Vorhaben zum Scheitern verurteilen mochte. Das hätte ihn sehr verärgert. Er wollte, dass die Operation durchgeführt werden konnte – nicht aus irgendwelchen ausgefallenen idealistischen oder politischen Gründen. Es ging um seinen beruflichen Stolz. Dieses Unternehmen wäre – sofern alles glatt lief – die unfassbarste und tollkühnste Gesetzesübertretung, von der er je gehört hatte. Mit dem Erfolg eines solchen Projekts in Verbindung gebracht zu werden, würde ihm zweifellos einen Aufstieg bei seinen Arbeitgebern einbringen. Ein Scheitern des Projekts hingegen …

Der Mann mit der Sonnenbrille schlang für einen Augenblick die Arme um seinen Körper, als hätte die herannahende Abenddämmerung eine verirrte kühle Brise mitgebracht, die ihn frösteln ließ. Der Moment verging. Er hatte kein Problem damit, sich wieder zu entspannen. Er dachte leidenschaftslos über die nicht zu leugnende Tatsache nach, dass der Zeitplan, nach dem er arbeitete, sogar noch straffer war als der Terminplan und kaum noch einzuhalten. Sie waren bereits eine halbe Stunde im Verzug. Dieser Bond und sein Begleiter hatten sich viel Zeit gelassen, um sich bei ihrem Mittagessen in dem Restaurant für reiche Aristokraten den Bauch vollzuschlagen. Wenn sie sich nun auch noch bei den Drinks Zeit ließen, die solche Leute um diese Uhrzeit einzunehmen pflegten, würde es sehr unangenehm werden.

Ein beiläufiger Blick zeigte ihm, dass die beiden Engländer ihre Runde dieses kindischen Spiels beendet hatten und sich nun dem Clubhaus näherten. Der Mann mit der Sonnenbrille, dessen Augen hinter den dunklen Gläsern nicht zu erkennen waren, beobachtete sie von der Seite, bis sie unter albernem Gelächter aus seinem Sichtfeld verschwanden. Es hatte keine weitere Verzögerung gegeben. Obwohl er seit einer halben Stunde nicht mehr auf seine Uhr geschaut hatte und es auch jetzt nicht tat, wusste er auf die Minute genau, wie spät es war.

Eine Pause entstand. Abgesehen von ein paar entfernten Stimmen, einem Motor, der auf dem Parkplatz angelassen wurde, und einem Jet irgendwo weit oben am Himmel herrschte Stille. Irgendwo schlug eine Uhr. Der Mann inszenierte eine knappe Geste, wie eine Person, die mit Bedauern beschloss, dass sie wirklich nicht noch länger warten konnte. Dann ging er gemächlich Richtung Eingang. Als er sich der Straße näherte, nahm er seine Sonnenbrille ab und ließ sie vorsichtig in die obere Jacketttasche seines unauffälligen hellgrauen Anzugs gleiten. Seine Augen waren von einem verwaschenen Blau, das auf seltsame Weise zu seinem tiefschwarzen Haar passte. In ihnen lag das kontrollierte Interesse eines Scharfschützen, der nach seinem Gewehr greift.

»Finden Sie, dass ich weich werde, Bill?«, fragte Bond zwanzig Minuten später, als sie an der Bar standen.

Bill Tanner grinste. »Ärgern Sie sich immer noch darüber, dass Sie mit zwei Punkten Abstand gegen mich verloren haben?« (Bond hatte auf dem letzten Grün einen Putt aus nur gut einem Meter Abstand verpatzt.)

»Das meine ich nicht, es ist nur … Also, es fängt schon damit an, dass ich unterbeschäftigt bin. Was habe ich dieses Jahr denn schon gemacht? Eine Reise in die Staaten, um etwas zu erledigen, das sich als eine Art Unhöflichkeitsbesuch herausstellte, und dann dieses elende Fiasko im Juni drüben im Osten.«

Bond war nach Hongkong geschickt worden, um den Transport eines gewissen Chinesen und einer Anzahl ungewöhnlicher Waren auf das kommunistische Festland zu überwachen. Der Mann war kurz vor Bonds Ankunft verschwunden und zwei Tage später in einer Gasse in der Nähe des Hafens gefunden worden. Sein Kopf war fast vollständig vom Körper abgetrennt. Nach drei weiteren Tagen, die hauptsächlich deswegen unvergesslich waren, weil in dieser Zeit ein gewaltiger und anhaltender Taifun tobte, war die Mission abgebrochen und Bond zurückgerufen worden.

»Es war nicht Ihre Schuld, dass unser Kontaktmann vor Ihrer Ankunft krank wurde«, sagte Tanner und verfiel automatisch in den Standardjargon des Secret Service, den sie in der Öffentlichkeit benutzten.

»Nein.« Bond starrte in seinen Gin Tonic. »Aber was mir Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass es mir nicht allzu viel auszumachen schien. Ich war sogar regelrecht erleichtert, dass mir diese Anstrengung erspart blieb. Irgendetwas stimmt nicht mit mir.«

»Aber nicht körperlich. Sie sind in besserer Form als in den letzten paar Jahren.«

Bond schaute sich in dem einfachen Raum mit den bequemen Bänken aus dunkelblauem Leder und den kleinen Gruppen aus Geschäftsleuten um – stillen, anständigen Männern, die sich in ihrem ganzen Leben noch nie gewalttätig oder verräterisch verhalten hatten. Sie waren bewundernswert, aber der Gedanke, zu einem von ihnen zu werden, widerte Bond plötzlich an.

»Ich höre langsam auf, ein tödliches Individuum zu sein«, sagte Bond nachdenklich. »Ich werde zu einem Gewohnheitstier. Seit meiner Rückkehr bin ich an drei von vier Dienstagen hier gewesen, komme immer ungefähr zur gleichen Zeit an, umgebe mich stets mit einem von drei immer gleichen Freunden, verlasse den Platz gegen halb sieben und fahre nach Hause, um dort meinen Abend auf die ewig gleiche Weise zu verbringen. Und ich kann daran nichts Falsches finden. Ein Mann in meiner Branche sollte aber nach einem Zeitplan leben. Das wissen Sie.«

Es stimmte durchaus, dass ein Geheimagent bei einem Auftrag nie in irgendeine Art von Routine verfallen durfte, die es seinen Gegnern ermöglichte, seine Schritte vorherzusehen, aber Bill Tanner sollte die seltsame unbeabsichtigte Bedeutung von Bonds Worten erst später erkennen.

»Ich kann Ihnen nicht ganz folgen, James. Das trifft doch sicher nicht auf Ihr Leben in England zu«, entgegnete Tanner mit ebenso unbeabsichtigter Ironie.

»Ich dachte eher an das große Ganze. Mein Leben verfällt in eine Art Muster. Ich muss eine Möglichkeit finden, daraus auszubrechen.«

»Meiner Erfahrung nach ereignet sich eine solche Umstrukturierung von ganz allein, sobald die Zeit reif dafür ist. Man muss deswegen nicht selbst etwas unternehmen.«

»Meinen Sie damit etwa das Schicksal oder so etwas?«

Tanner zuckte mit den Schultern. »Nennen Sie es, wie Sie wollen.«

Für einen Augenblick machte sich eine seltsame Stille zwischen den beiden Männern breit. Dann schaute Tanner auf die Uhr, leerte sein Glas und sagte munter: »Nun, ich denke, Sie wollen sicher langsam los.«

Bond wollte gerade zustimmen, doch er hielt sich zurück. »Zum Teufel damit«, sagte er. »Wenn ich mein Leben ein bisschen durcheinanderbringen will, kann ich ebenso gut sofort damit anfangen.«

Er wandte sich an die Bardame. »Noch mal das Gleiche, Dot.«

»Kommen Sie dann nicht zu spät zu Ihrem Treffen mit M?«, fragte Tanner.

»Er wird sich wohl einfach in Geduld üben müssen. Er isst nicht vor Viertel nach acht zu Abend, und momentan reicht mir eine halbe Stunde in seiner Gesellschaft vollkommen.«

»Ich weiß, was Sie meinen«, erwiderte Tanner mitfühlend. »Ich darf ihm im Büro immer noch nicht zu nah kommen. Wir sind dazu übergegangen, die meisten unserer Plaudereien über die Gegensprechanlage abzuhalten, was mir bestens passt. Ich muss nur sagen, dass es nach Regen aussieht, und schon schreit er mich an und verlangt, dass ich aufhöre, um ihn herumzuwuseln wie ein verwirrtes altes Weib.«

Es war eine lebensechte Imitation, und Bond lachte, aber er wurde schnell wieder ernst, als er sagte: »Das ist nur natürlich. Seeleute hassen es, krank zu sein.«

Im vergangenen Winter hatte sich M einen beunruhigenden Husten zugezogen und er weigerte sich standhaft, etwas dagegen zu unternehmen. Er hatte behauptet, dass er schon von allein verschwinden würde, sobald das Wetter wärmer wurde. Doch der Frühling und der Frühsommer hatten mit der Wärme auch Regen und Feuchtigkeit gebracht, und der Husten war nicht verschwunden. An einem Morgen im Juli hatte Miss Moneypenny einen Stapel Telegramme in sein Büro gebracht und ihn halb bewusstlos über seinen Schreibtisch gebeugt vorgefunden. Sein Gesicht war aschfahl gewesen, und er hatte nach Luft gerungen. Sie hatte Bond aus seinem Büro im fünften Stock nach oben gerufen, und auf das nachdrückliche Beharren des medizinischen Offiziers des Hauptquartiers hin hatten sie M halb mit Gewalt in seinen alten Silver Wraith Rolls Royce bugsiert und ihn nach Hause gebracht. Nach drei Wochen Bettruhe unter der hingebungsvollen Pflege des ehemaligen Chief Petty Officer Hammond und seiner Frau hatte sich M weitestgehend von seiner Bronchialanschoppung erholt, auch wenn seine Laune – wie Bond bei seinen regelmäßigen Besuchen hinreichend feststellte – wohl länger brauchen würde, um auszuheilen … Seitdem hatte Bond es sich zur Gewohnheit gemacht, bei seiner wöchentlichen Rückkehr von Sunningdale beim Achterdeck vorbeizuschauen, dem hübschen kleinen Herrenhaus im Regency-Stil am Rande von Windsor Park. Dabei tat er immer so, als wolle er ganz formlos ein wenig über die Angelegenheiten des Secret Service plaudern, doch in Wahrheit ging es ihm darum, Ms Gesundheit im Auge zu behalten und ein paar heimliche Worte mit den Hammonds zu wechseln, um herauszufinden, ob sich der alte Man auch an die Anweisungen des Arztes hielt, viel Ruhe bekam und, was besonders wichtig war, die Finger von seiner Pfeife und seinen täglichen giftigen schwarzen Zigarrenstumpen ließ. Er war auf einen von Ms typischen Wutausbrüchen vorbereitet gewesen, als er ihm den ersten dieser Besuche vorgeschlagen hatte, doch M hatte nur eine umgehende, wenn auch säuerliche Zustimmung gebrummt. Bond vermutete, dass er sich von der Welt abgeschnitten fühlte, da man ihn vorübergehend zu einer Dreitagewoche verdonnert hatte. (Der medizinische Offizier hatte dieses Zugeständnis nur erhalten, weil er damit gedroht hatte, ihn auf eine Kreuzfahrt zu schicken, wenn er nicht einwilligte.)

Nun sagte Bond: »Warum kommen Sie nicht auch mit, Bill? Ich könnte Sie danach mit zurück nach London nehmen.«

Tanner zögerte. »Ich denke nicht, James, aber trotzdem danke. Später wird noch ein recht wichtiger Anruf von Station L ins Büro durchgestellt, den ich gerne persönlich entgegennehmen würde.«

»Wofür gibt es denn den diensthabenden Offizier? Sie arbeiten doch jetzt schon so viel, dass es für zwei Männer reicht.«

»Nun ja … es ist nicht nur das. Ich würde M ohnehin nicht besuchen wollen. Dieses alte Haus ist mir irgendwie unheimlich.«

Eine Viertelstunde später, nachdem er den Stabschef am Bahnhof abgesetzt hatte, lenkte Bond die lange Motorhaube seines Bentley Continental nach links von der A30 hinunter. Vor ihm lag eine angenehme, gemütliche Fahrt von etwa zehn Minuten, die ihn über gewundene Nebenstraßen zum Achterdeck bringen würde.

Der Mann, der Bond zuvor beobachtet hatte, saß in einem gestohlenen Ford Zephyr, der unauffällig in fünfzig Metern Entfernung von der Abzweigung geparkt war. Nu