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Das Evangelium den Armen: Die Pfingstbewegung im Spannungsfeld zwischen sozialer Verantwortung und klassischem Missionsverständnis

Das Evangelium den Armen: Die Pfingstbewegung im Spannungsfeld zwischen sozialer Verantwortung und klassischem Missionsverständnis

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Das Evangelium den Armen: Die Pfingstbewegung im Spannungsfeld zwischen sozialer Verantwortung und klassischem Missionsverständnis

Länge:
467 Seiten
8 Stunden
Freigegeben:
Oct 20, 2017
ISBN:
9783942001243
Format:
Buch

Beschreibung

In diesem Band untersuchen unterschiedliche Autoren aus verschiedenen Nationen das Spannungsfeld von Pfingstbewegung und sozialer Verantwortung. Dabei geht es unter anderem um das Soziales Engagement in der Pfingstbewegung, Beoachtungen zum sozialen Wandel im Neuen Testament, Pfingsten und das Erlassjahr oder auch um die Frage: Unterschlagung - die gemeinschaftliche Sünde der modernen Christenheit?
Die Notwendigkeit dieses Bandes macht Pastor Marcel Redling, Darmstadt, in seiner Einführung deutlich: "Wir leben in einer von Krisen geschüttelten Zeit. Jeden Tag erreichen uns unzählige Nachrichten aus aller Welt, die von Armut, Hunger und Elend berichten, von Menschen, die unter widrigsten Umständen ihr Dasein fristen. Die globalen Nöte und Herausforderungen sind enorm und übersteigen bei weitem unsere Vorstellungskraft sowie die Möglichkeiten von Einzelnen, diesen zu begegnen. Als Christen dürfen wir uns jedoch weder aus dieser Welt zurückziehen noch uns dem Lauf der Dinge widerstandslos ergeben. Vielmehr sind wir als christliche Gemeinden herausgefordert, den Missständen dieser Welt entschieden entgegenzutreten und gerade den Menschen beizustehen, die einen besonderen Platz im Herzen Gottes einnehmen - den Armen und Bedürftigen. Lange musste sich die Pfingstbewegung den Vorwurf gefallen lassen, in Fragen der sozialen Gerechtigkeit eine passive, bisweilen gar gleichgültige Haltung einzunehmen. Das vorliegende Buch soll eine Einladung sein, sich neu diesem wichtigen Thema zu stellen. ... Dieses Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil umfasst theologische Aufsätze, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Der zweite Teil des Buches beinhaltet Beiträge, die nicht so sehr wissenschaftlich geprägt sind, aber relevante Impulse und Anregungen liefern. Der dritte und letzte Teil des Buches bietet einen wertvollen Blick in die Praxis und verdeutlicht damit, wie der Einsatz für Gerechtigkeit konkret vor Ort in verschiedenen Gemeinden aussehen kann."
Freigegeben:
Oct 20, 2017
ISBN:
9783942001243
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Das Evangelium den Armen - Wolfgang Vondey

Forum Theologie & Gemeinde

Materialien zum geistlichen Dienst Band 19

theologisch kompetent – praktisch relevant

Das Evangelium den Armen

Die Pfingstbewegung im Spannungsfeld zwischen sozialer Verantwortung und klassischem Missionsverständnis

Herausgegeben vom Forum Theologie & Gemeinde des BFP
mit Beiträgen von
Marcel Redling, Wolfgang Vondey, Keith Warrington, Matthias Wenk, Tom Kurt, Samuel Diekmann, Johannes Stephens, Ray Mayhew, Samuel Lee, Héctor Petrecca, Martin Bühlmann, Harald und Esther Sommerfeld, Ulf Bastian und Alexander Gentsch

© 2013 Copyright Forum Theologie & Gemeinde (FThG)

im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden KdöR, Erzhausen

2., leicht bearbeitete u. gekürzte Ausgabe 2017

Bibelstellen sind, wenn nicht anders angegeben, der Revidierten Elberfelder Bibel, © 1985/1991/2006 SCM R.Brockhaus, Witten, entnommen.

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigungen in Form von Kopien einzelner Seiten oder Ausdrucken einzelner Abschnitte (digitale Version) sind nur für den privaten Gebrauch bzw. innerhalb einer Ortsgemeinde gestattet. Alle anderen Formen der Vervielfältigung (Mikrofilm, andere Verfahren oder die Verarbeitung durch elektronische Systeme) sind ohne schriftliche Einwilligung durch das Forum Theologie & Gemeinde nicht gestattet.

Lektorat: Stefanie Dietrich, Würzburg

Layout u. Umschlag, Realisierung E-Book: admida-Verlagsservice, Erzhausen

Druck: Breitschuh & Kock, Kiel

ISBN der Printausgabe: 978-3-942001-68-7

ISBN der E-Book-Ausgabe: 978-3-942001-24-3

Bestell-Nr. buw033

Forum Theologie & Gemeinde (FThG)

Industriestr. 6–8, 64390 Erzhausen

fthg@bfp.de • www.forum-thg.de

Die Autoren

Marcel Redling ist Pastor der „Gemeinde der Christen Ecclesia Darmstadt OV" und hat am Theologischen Seminar BERÖA in Erzhausen sowie am Regents Theological College Nantwich, England studiert.

Wolfgang Vondey ist Direktor des Centre for Pentecostal and Charismatic Studies an der University of Birmingham, sowie Autor von zahlreichen Büchern und Aufsätzen über die Pfingstbewegung.

Keith Warrington war viele Jahre lang Professor am Regents Theological College in West Malvern, England.

Matthias Wenk promovierte nach dem Theologiestudium an der Brundel University, London, zur lukanischen Pneumatologie. Seit 1999 ist er Pastor der BewegungPlus (Schweiz) und Teilzeitdozent am Theologisch-Diakonischen Seminar, Aarau sowie am InstitutPlus, Baar.

Tom Kurt ist Pastor der BewegungPlus in Interlaken und studiert zurzeit berufsbegleitend an der University of South Africa im Fachbereich Theologische Ethik.

Samuel Diekmann ist Pastor im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden und lebt mit seiner Familie im hessischen Rödermark. Er hat als Autor schon ­mehrere Bücher veröffentlicht.

Johannes Stephens ist Sozialpädagoge und selbstständiger Coach, Organisations- und Fundraisingberater und leitet die Verschenke-Aktion der Freien Christengemeinde in Bremen.

Ray Mayhew, Brite, ist Autor mehrerer Bücher und zahlreiche Artikel und leitet zurzeit ein Studienzentrum im Nahen Osten.

Samuel Lee hat zu „Soziologie der Kultur promoviert und lebt und arbeitet in Niederlanden. Gemeinsam mit seiner Frau dient er als Pastor unter den Immigranten und Flüchtlingen in Amsterdam. Er ist außerdem Gründer der „Foundation University, ein Online-Angebot für diejenigen, die aus wirtschaftlichen, politischen oder religiösen Gründen nicht in der Lage sind, regulär studieren zu können.

Héctor Petrecca, MA, ist Pastor der Gemeinde „Iglesia Cristiana Bíblica (ICB)" (dt. Christlich Biblische Gemeinde) in Buenos Aires, Argentinien, Vicepräsident des Evangelisch-pfingstlichen Bundes (Federación-Confederación Evangélica Pentecostal) und Mitglied des Weltkirchenrats (WCC). Seine Gemeinde hat u. a. einen Arbeitszweig gegründet, der sich um hilfsbedürftige Menschen kümmert. Hier werden Kleidung, Lebensmittel und Medikamente in ärmeren Stadtvierteln und in Krankenhäuser an Bedürftige verteilt.

Martin Bühlmann ist gemeinsam mit seiner Frau der Team-Leader der Vineyard Berlin und leitet die Vineyard Bewegung Deutschland, Österreich, Schweiz und ist Teil des VIE (Vineyard International Executive Team)

Harald und Esther Sommerfeld – Harald Sommerfeld ist freiberuflicher Berater für urbane Transformation (www.transformission.de) und Vorsitzender des überkonfessionellen Netzwerks Gemeinsam für Berlin (www.gfberlin.de). Seine Tochter Esther Sommerfeld arbeitet als Lektorin und Projektmanagerin im Verlagsbereich.

Ulf Bastian ist Pastor in der Christengemeinde Elim in Hamburg und leitet seit 2007 den sozialdiakonischen Arbeitsbereich „Stadtinsel e.V." der CG Elim.

Alexander Gentsch war Mitbegründer der deutschlandweit ersten lokale Micha-Gruppe in Leipzig (2006) und arbeitet seit Januar 2008 als Projektkoordinator der „Micha-Initiative" der Deutschen Evangelischen Allianz. Zu seinen Aufgaben in diesem Arbeitskreis gehören u. a. die Unterstützung lokaler Micha-Gruppen, die Bekanntmachung der Initiative u. v. m.

Vorwort

Die Pfingstbewegung steht zu Recht in dem Ruf, an einen mächtigen Gott zu glauben, und dieser Glaube schließt Zeichen und Wunder, Zungenrede und Heilungen mit ein. Als die Bewegung im 20. Jahrhundert entstand und das formale Christentum erschütterte, wurde sie zu einer Oase für dynamische geistliche Erfahrungen, die einen starken Gegenpol zu der sterilen Monotonie der vorherrschenden christlichen Frömmigkeit bildeten. Die Gegenwart des Heiligen Geistes entzündete Kanzeln und Kirchenbänke gleichermaßen und floss über in das persönliche Leben von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt.

Paradoxerweise wurde die Pfingstbewegung, die ja an vielen Stellen als Reaktion auf biblische Reflexion entstand, in erster Linie als ein existenzialistischer Glaube (im Sinne einer starken Erfahrungsorientierung) bekannt, bestätigt durch die Tradition der Heiligungsbewegung. Wegen ihrer Leidenschaft für Kraftwirkungen wertete man sie geringschätzig als Strömung, die im Erleben verhaftet sei und noch auf eine theologische Struktur warte. Doch damit nicht genug: Die Betonung eschatologischer Themen zog ihre Aufmerksamkeit weg von der Verantwortung, über die sozialen, politischen und systemischen Mächte des Bösen auf der Welt nachzudenken und darauf zu reagieren. Pfingstgläubige wurden Experten darin, mit Gott und mit Dämonen zu reden, aber zu institutioneller Unterdrückung hatten sie nichts zu sagen. Wie bei vielen Evangelikalen fiel ihre Antwort auf Mission dualistisch und manchmal recht kurzsichtig aus. Sie versäumten es, das vielschichtige Wesen der Situation widerzuspiegeln, in der die Menschheit sich befindet.

In den letzten Jahrzehnten hat sich all dies zum Besseren verändert. So wie jede andere Ausprägung christlichen Glaubens, und sogar mehr als die meisten von ihnen, ist die Pfingstbewegung immer noch eng mit der Basis verbunden. Folglich hat sie sowohl eine Verantwortung als auch einen berechtigten Auftrag, auf die bedeutenden Probleme und Fragen zu reagieren, die das Leben ihrer unzähligen Anhänger und darüber hinaus den größeren Rahmen der Gesellschaft betreffen. Ihre Aufgabe ist es, auf der Grundlage von Erfahrungen zur Substanz moderner Missionsarbeit beizutragen. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Ihr Erleben muss das Profil ihrer Fürsprache für die Welt bilden.

Doch der Beitrag der Pfingstbewegung zu sozialem Engagement und Mission sollte sich ebenso tief in den Quellen des Wortes Gottes gründen, welches die pfingstliche Erfahrung nicht nur bestätigt, sondern sie in den Kontext der realen Bedürfnisse des Volkes Gottes stellt.

Genau dies geschah, als Mose am brennenden Dornbusch den Auftrag erhielt, für sein Volk einzutreten und es zu befreien (2Mo 3). In der Gegenwart des heiligen Gottes erging dieser Ruf nach Rettung an Mose und aus der glühenden Kraft heiliger Anbetung wurde er nach Ägypten ausgesandt, auf eine extreme Mission der Barmherzigkeit.

Viel zu lange hat die Pfingstbewegung ihr radikales, in der Bibel verwurzeltes Erbe übersehen: Dort war die großartige Verheißung des Kommens des Heiligen Geistes gleichzeitig verbunden mit der Ankündigung einer im höchsten Maße gleichberechtigten Gemeinschaft von Menschen, wie sie die Welt des Altertums nie gekannt hatte. In diesem apokalyptischen Musterbeispiel der Kraft umfasste die missio dei alle Menschen: Knechte und Mägde, Alte und Junge. Prophetien, Träume und Visionen, Zeichen und Wunder flossen durch diese Gemeinschaft und brachten Heilung und Vergebung. Und das alles, weil der Geist gekommen war (Apg 2,17-21).

Die Pfingstbewegung kann sich nicht entschuldigen. Es ist unmöglich, die Bedeutung des Auftrags und des großen Werkes des Geistes zu begreifen, der Simson und die Propheten salbte, und dabei gegenüber dem allumfassenden Wesen der Mission Gottes in der Welt gleichgültig zu bleiben. Niemand, der von diesem Geist getauft ist, sollte die geistlichen, sozialen und politischen Dimensionen unterschätzen, die Jesus forderte, als er die Synagoge in Nazareth betrat, um dort die gute Botschaft, Freiheit für die Gefangenen und das angenehme Jahr des Herrn auszurufen. (Lk 4,14-21)

Genauso wie Jesus den Zusammenhang mit Jesaja 61 herstellte und Petrus die Schriftstelle in Joel 2 auf seine Zeit hin deutete, lautet heute der Ruf an die Pfingstbewegung, sich zu besinnen und die Spur des Heiligen Geistes im Licht der Realitäten des 21. Jahrhunderts wieder neu zu interpretieren. Dies ist weder Politikwissenschaft noch Aktionsprogramm: Es ist prophetisches Engagement.

Die Pfingstbewegung und weitere Teile des Leibes Christi werden von der wichtigen Arbeit dieses Bandes profitieren. Er ermöglicht dem Leser, sich daran zu erinnern, dass der Heilige Geist auch uns heute in den Ruf mit einschließt, mit dem er Mose, die Propheten, Jesus und die Apostel aufforderte, den Nöten ihrer Umgebung zu begegnen.

Rev. Joel Edwards

Internationaler Direktor der Micha-Initiative

Vorwort zur 2. Auflage

Wir sind oft so blind – blind für das, was uns in unserem Alltag nie begegnet. Blind aber ebenso für das, was tagtäglich um uns herum geschieht. Wir nennen diese Blindheit „Desinteresse oder versuchen es als ein Gefühl des „Abgestumpftseins abzutun. Dabei sind wir als Christen in diese Welt gestellt.

Jesus Christus hat einen Unterschied in unserem Leben gemacht. Das beinhaltet die Verantwortung, evangeliumsgemäß zu leben und mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Im Markusevangelium heißt es: „Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, ergriff ihn tiefes Mitgefühl, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben…" (Mk 6,34; NGÜ – eigene Hervorhebung) In gleicher Weise sind auch wir dazu aufgerufen, nicht den Blick abzuwenden, sondern uns für die Nöte unserer Mitmenschen zu öffnen. Eben hinzuschauen, wenn Menschen leiden; die Stimme zu erheben gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit; und vielmehr zu handeln, um Armut aktiv zu bekämpfen.

Als Herausgeber freut es uns, dass das Buch nun in zweiter Auflage erscheint, was nicht zuletzt die Wichtigkeit des Themas und das zunehmende Interesse daran unterstreicht. In dem Buch kommen ganz unterschiedliche Stimmen zu Wort, die mitunter sogar in einer gewissen Spannung stehen. Von Anfang an bestand das Ziel darin, kein einheitliches Bild zu zeichnen, sondern ein möglichst breite Spektrum an Meinungen miteinander ins Gespräch zu bringen und so eine Diskussion in Gang zu setzten. Dies scheint gelungen zu sein.

Auch in der zweiten Auflage dieses Buches bleiben die Ausführungen und Beispiele inspirierend und machen Mut. Sie fordern heraus, die Augen nicht zu verschließen, sondern die Diskussion eines längst nicht abgeschlossenen Themas weiter voran zu bringen.

Nehmen wir die Herausforderung an!

Erzhausen, im August 2017

FThG-Herausgeberkreis

Einführung

von Marcel Redling

Wir leben in einer von Krisen geschüttelten Zeit. Jeden Tag erreichen uns unzählige Nachrichten aus aller Welt, die von Armut, Hunger und Elend berichten, von Menschen, die unter widrigsten Umständen ihr Dasein fristen. Die globalen Nöte und Herausforderungen sind enorm und übersteigen bei Weitem unsere Vorstellungskraft sowie die Möglichkeiten von Einzelnen, diesen zu begegnen. Als Christen dürfen wir uns jedoch weder aus dieser Welt zurückziehen noch uns dem Lauf der Dinge widerstandslos ergeben. Vielmehr sind wir als christliche Gemeinden herausgefordert, den Missständen dieser Welt entschieden entgegenzutreten 1 und gerade den Menschen beizustehen, die einen besonderen Platz im Herzen Gottes einnehmen – den Armen und Bedürftigen 2.

Lange musste sich die Pfingstbewegung den Vorwurf gefallen lassen, in Fragen der sozialen Gerechtigkeit eine passive, bisweilen gar gleichgültige Haltung einzunehmen. 3 Das vorliegende Buch soll eine Einladung sein, sich neu diesem wichtigen Thema zu stellen.

Die Gründe für diese Einseitigkeit des pfingstlichen Missionsverständnisses mögen vielfältig sein und können hier nur kurz umrissen werden. So führte etwa die Erwartung der unmittelbaren Wiederkunft Jesu dazu, der Evangelisation den alleinigen Vorrang einzuräumen. Dementsprechend galt in der frühen Pfingstbewegung das Credo: „Jesus zu bezeugen, bezeugen, BEZEUGEN ..." 4 An und für sich wurden Werke der Barmherzigkeit zwar für gut befunden, doch wurde ihnen nicht der gleiche Stellenwert wie der Wortverkündigung beigemessen. 5 Andere versuchen die Preisgabe des Kampfes für soziale Gerechtigkeit mit einem eschatologischen Perspektivenwechsel zu erklären. „Ging es ursprünglich darum, in dieser Welt für das Reich Gottes einzutreten …, so wurde jetzt der Schwerpunkt auf die Rettung aus dieser Welt gelegt." 6 Denkbar ist auch eine bewusste Abgrenzung von liberalen Strömungen innerhalb der etablierten Kirchen, die mit dem Aufkommen der Social-Gospel-Bewegung 7 gerade anfangs des 20. Jahrhunderts an Bedeutung gewannen. 8

Wie dem auch sei, es ist erfreulich zu sehen, dass sich innerhalb der Pfingstbewegung ein Wandel abzuzeichnen scheint, weg von einer Engführung, die allein das „Seelenheil" im Blick hat, hin zu einer ganzheitlichen Sicht von Mission mit dem Ziel, den Menschen in ihren jeweiligen Notlagen umfassend zu begegnen. 9 Das wird nicht zuletzt daran deutlich, dass in jüngster Zeit eine Vielzahl von Publikationen zu sozialethischen Themen aus dem pfingstlich-charismatischen Umfeld erschienen ist. 10 Das vorliegende Buch möchte dazu beitragen, gerade im deutschsprachigen Raum eine wichtige, längst überfällige Diskussion anzuregen, die global gesehen bereits seit einiger Zeit geführt wird. 11

Schon in den Psalmen wird mit einer sehr eindrücklichen Metapher die Bitte formuliert, dass „Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen (Ps 85,11; Luther 1984). In den Seligpreisungen der Bergpredigt nimmt der Begriff „Gerechtigkeit eine zentrale Rolle ein 12, und es wird explizit den Menschen eine besondere Verheißung zugesprochen, die sich nach ebendieser sehnen (Mt 5,6). Die Verkündigung des Evangeliums und das Streben nach Gerechtigkeit, auch auf struktureller Ebene, schließen einander weder aus, noch widersprechen sie sich. Es ist vielmehr so, „dass das biblische Evangelium von Jesus notwendig und nachdrücklich zum Einsatz für Gerechtigkeit in dieser Welt führt" 13.

In den folgenden Beiträgen geht es nicht darum, verschiedene Auffassungen von Mission gegeneinander auszuspielen, sondern zu erkennen, dass sowohl der Dienst an den Armen als auch der Kampf gegen ungerechte Strukturen integraler Bestandteil des Glaubens ist, „der durch die Liebe tätig ist" (Gal 5,6; Luther 1984). Nächstenliebe ist eben keine Option! 14

Schaut man in die Kirchengeschichte, so stellt man fest, dass in der Vergangenheit erweckliche Aufbrüche oft auch zu sozialem Wandel innerhalb einer Gesellschaft geführt haben. 15 Mittlerweile blickt auch die Pfingstbewegung, die weltweit ein rasantes Wachstum zu verzeichnen hat, auf eine über hundertjährige Geschichte zurück. 16 Möge Gott Gnade schenken, dass die Pfingstbewegung das Wirken des Heiligen Geistes nicht allein auf die persönliche Frömmigkeit reduziert, sondern sich als „authentische Geistesbewegung … an der Aufrichtung von Gerechtigkeit und Freiheit in nationalen und internationalen Zusammenhängen" beteiligt 17. Diesem Ziel ist die 2010 verabschiedete „Stellungnahme der European Pentecostal Theological Association (EPTA) zum Thema ‚Pfingstbewegung und Gerechtigkeit‘" gewidmet, die (in deutscher Übersetzung) im Anhang des vorliegenden Bandes dokumentiert ist.

Dieses Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil umfasst theologische Aufsätze, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Der zweite Teil des Buches beinhaltet Beiträge, die nicht so sehr wissenschaftlich geprägt sind, aber relevante Impulse und Anregungen liefern. Der dritte und letzte Teil des Buches bietet einen wertvollen Blick in die Praxis und verdeutlicht damit, wie der Einsatz für Gerechtigkeit konkret vor Ort in verschiedenen Gemeinden aussehen kann.


1 Mt 5,13-16; Röm 12,21.

2 Gal 2,10; 1 Kor 1,26; Jak 2,1-5.

3 Veli-Matti Kärkkäinen, „Are Pentecostals Oblivious to Social Justice? Theological and Ecumenical Perspectives", Missionalia 29:3 (November 2001), 387; Dhan Prakash, „Toward a Theology of Social Concern: A Pentecostal Perspective", AJPS 13:1 (2010), 65; Joel Edwards, „Justice and Pentecostals", JEPTA 31.1 (2011), 5-7.

4 J. Roswell Flower; zit. n.: Byron D. Klaus, „Im Evangelium verwurzelte Barmherzigkeit verändert", Inspiration 10 (2010), 5. (Hervorhebung im Original)

5 Ebd.

6 Walter J. Hollenweger, „Verheißung und Verhängnis der Pfingstbewegung", EvTh 53 (1993), 270.

7 Siehe dazu insbesondere das Buch von Walter Rauschenbusch, A Theology of the Social Gospel, New York 1922.

8 Donald E. Miller, Reinventing American Protestantism: Christianity in the New Millenium, Berkely, CA 1997, 110; Cecil M. Robeck Jr., „Pentecostals and Social Ethics", Pneuma 9.2 (1987), 106.

9 Donald E. Miller/Tetsunao Yamamori, Global Pentecostalism: The New Face of Christian Social Engagement, Berkeley/Los Angeles, CA 2007, 2f, 212f; Robert C. Crosby, „A New Kind of Pentecostal", Christianity Today 55.8 (August 2011), 50.

10 Eine vollständige Aufzählung aller Publikationen kann an dieser Stelle nicht geleistet werden. Als Beispiele wären etwa die Bücher von Peterson und Villafañe zu nennen oder auch die Reihe Pentecostals, Peacemaking, and Social Justice, die von Paul Alexander und Jay Beaman herausgegeben wird und bislang sechs Titel umfasst. Siehe etwa: Douglas Peterson, Not by Might: A Pentecostal Theology of Social Concern, Oxford 1996; Eldin Villafañe, The Liberating Spirit: Toward an Hispanic American Pentecostal Social Ethics, Grand Rapids, MI 1992.

11 Zu nennen wäre etwa die Konferenz der European Pentecostal Theological Association mit dem Thema „Pentecostals and Justice" (2010). Siehe: http://www.eptaonline.com/conferences/ (Stand: 01.08.2013). Zwei Jahre später wurde von der Society of Pentecostal Studies (USA) eine ganz ähnliche Konferenz abgehalten, unter dem Titel: „Pentecostalisms, Peacemaking & Social Justice" (2012). Siehe: SPS Newsletter, 38:2 (2012), 1,11. Besonders erwähnenswert ist auch auch das Netzwerk Pentecostals and Charismatics for Peace and Social Justice, das unter anderem das Journal Pax Pneuma herausgibt. Siehe: http://www.pcpj.org/.

12 Roland Deines, Die Gerechtigkeit der Tora im Reich des Messias, Tübingen 2004, 137.

13 Timothy Keller, Warum Gerechtigkeit? Gottes Großzügigkeit, soziales Handeln und was ich tun kann, Gießen/Basel 2012, 13.

14 Biblisch gesehen könnte man sogar sagen, dass jedes Werk der Barmherzigkeit ein Akt der Anbetung ist. Vgl. Mt 25,40; Röm 12,1; Jak 1,27. Interessant ist es auch, einmal Jes 58 oder Am 5,21-24 unter diesem Gesichtspunkt zu lesen. Zu dem Thema „Anbetung und soziale Gerechtigkeit" siehe: Mark Labberton, The Dangerous Act of Worship. Living God´s Call to Justice, Downers Grove, IL 2007.

15 Vgl. Timothy L. Smith, Revivalism and Social Reform: American Protestantism on the Eve of the Civil War, Nashville, TN 1957; Donald W. Dayton, Discovering an Evangelical Heritage, Grand Rapids, MI 1976.

16 Vinson Synan hat das 20. Jahrhundert, in dem die Pfingstbewegung entstanden ist, treffend als Jahrhundert des Heiligen Geistes beschrieben. Vgl. Vinson Synan, The Century of the Holy Spirit: 100 Years of Pentecostal and Charismatic Renewal (1901-2001), Nashville, TN 2001.

17 Joseph Sudbrack; zit. n. Walter J. Hollenweger, Charismatisch-pfingstliches Christentum. Herkunft, Situation, ökumenische Chancen, Göttingen 1997, 182. Siehe dazu auch: Julio de Santa Ana, „Die politische Ökonomie des Heiligen Geistes", Beilage zu der Zeitschrift Junge Kirche 12 (Dezember 1990), 7f.

Teil I: Beiträge aus exegetischer, theologischer und historischer Sicht

Soziales Engagement und Triumphalismus in der Pfingstbewegung

von Wolfgang Vondey

1 Einführung

Die weltweite Pfingstbewegung zeigt deutliche Spannungen zwischen sozialem Engagement auf der einen Seite und sozialer Zurückhaltung bis hin zum Triumphalismus auf der anderen Seite. 1 Globale Charakterisierungen und Theorien des Pfingstlertums berufen sich gerne auf geläufige Untersuchungen, die die Entwicklung der modernen Pfingstbewegung auf Formen sozialer Deprivation zurückführen möchten. 2 In armen und unterentwickelten Ländern wird das Pfingstlertum oft als Ausweg aus Armut, Korruption und Unterdrückung und als ein Weg in Richtung auf Stabilität, Konsum, Reichtum und Freiheit angesehen. Die Pfingstbewegung in den Entwicklungsländern repräsentiert für viele die Wünsche der neuen Mittelklasse, sich in der neuen Welt und ihren erwarteten Vorteilen einzufügen. 3 In den entwickelten Ländern der ersten Welt steht das Pfingstlertum oft für sozialökonomische Stabilität und Mobilität, die vor allem dem Aufwärtsdrang der jungen Generation entspricht. Diese Identifizierungen überkreuzen sich nicht selten in Gebieten, wo Reichtum und Armut nahe beieinanderstehen. In vielen dieser Gebiete, wo die Bezeichnungen der ersten, zweiten und dritten Welt nicht immer eindeutig zu differenzieren sind, hat die Pfingstbewegung sich in verschiedene Richtungen bewegt, und die Einfindung in ein Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit stellt die Einheit des Pfingstlertums vor erhebliche Schwierigkeiten.

Dieser Beitrag widmet sich den sichtbaren Spannungen der Pfingstbewegung im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit: Einerseits wird in den programmatischen und langzeitlichen Beispielen eines fortschrittlichen sozialen Aktivismus soziales Engagement sichtbar; andererseits herrschen soziale Passivität und pfingstlerischer Traditionalismus, wie sie an der Predigt eines Evangeliums des Wohlstands und der göttlichen Heilung sichtbar werden. Die soziale Ethik des Pfingstlertums ist zerrissen zwischen diesen beiden Extremen, der Teilnahme und Leiterschaft im Kampf gegen Armut, Deprivation, Unterdrückung und Verfolgung auf der einen Seite und des Verharrens in einer Denkart des konfessionell motivierten Individualismus und Triumphalismus auf der anderen. Dieser Aufsatz ist daher zugleich ein kritischer und therapeutischer Vergleich und eine Untersuchung globaler Spannungen, die nicht nur für die Pfingstbewegung von Bedeutung sind, sondern auch für ein weltweites Christentum, das sich zunehmend mit diversen sozialökonomischen, kulturellen und politischen Zusammenhängen konfrontiert sieht. Der erste Teil dieses Beitrags befasst sich mit dem sozialen Engagement von Pfingstlern in Asien, Afrika und Lateinamerika. Der zweite Teil präsentiert die Predigt eines Wohlstandsevangeliums und den Einfluss der Reichtums- und Heilungsphilosophien auf das heutige Pfingstlertum. Im abschließenden Teil dieser Untersuchung werden die beiden Positionen verglichen und eingebracht in einen Dialog über den gegenwärtigen Stand der sozialen Ethik in der Pfingstbewegung.

2 Soziales Engagement in der Pfingstbewegung

Soziales Engagement der Pfingstbewegung ist in den letzten Jahren auch unter dem Begriff „fortschrittliche Pfingstler" bekannt geworden. 4 Diese fortschrittlichen Gruppierungen verstehen soziale Gerechtigkeit oft als direktes Mandat Gottes, veranschaulicht in der Hl. Schrift, und als normativen Bestandteil des christlichen Lebens. Ein besonderes Merkmal dieser fortschrittlichen Pfingstler ist die Erfahrung der Armut, Deprivation, Unterdrückung und Verfolgung oder zumindest die Identifizierung mit derartig unterprivilegierten, marginalisierten Randgruppen. In Einzelfällen führen beide Elemente zu einer höchst aktiven, mitunter sogar revolutionären Einstellung gegenüber dem status quo.

Die weitverbreitete Deprivationstheorie führt die pfingstlerische Statuseinstellung vor allem auf die Erfahrung von Armut und Verfolgung sowie den unterprivilegierten gesellschaftlichen Rang vieler Pfingstler zurück. Diese ersten Versuche, das klassische Pfingstlertum in die sozialen und kulturellen Umgebungen des frühen 20. Jahrhunderts einzuordnen, dominierten die Geschichtsschreibung der amerikanischen Pfingstbewegung. Robert Mapes Anderson charakterisierte die Pfingstbewegung in seiner klassischen Studie als eine unmittelbare Konsequenz ökonomischer, sozialer, kultureller und physischer Verdrängungen und Entbehrungen. 5 Seine Theorie erklärte allerdings in erster Linie lediglich den Ursprung der Pfingstbewegung, ohne zugleich anzugeben, ob die Pfingstler sich mit ihren soziokulturellen Bedingungen auseinandersetzten oder wie die Pfingstbewegung sich diesen Bedingungen gegenüber verhielt. Darüber hinaus ergab die Identifizierung der Pfingstler mit enthusiastischer und ekstatischer Religiosität eine dezimierte Einschätzung des pfingstlerischen Interesses an sozialer Gerechtigkeit. Mitunter wurde das Pfingstlertum sogar als Ersatz für gesellschaftliches Engagement angesehen. 6 Anstelle eines gesellschaftsbewussten Aktivismus erscheint die Pfingstbewegung als nach innen und oben gewendet, mit sich selbst und mit Gott beschäftigt, aber ohne ein bewusstes, teilnehmendes Interesse an der Frage nach sozialer Gerechtigkeit.

Obwohl es heute allgemein abgelehnt wird, die Deprivationstheorie als alleinige Erklärung für die Assoziation mit der Pfingstbewegung anzusehen, kann die Deprivation doch nicht ganz beiseite gelegt werden. 7 Die Deprivationstheorie ist nicht fähig, die Anziehungskraft des Pfingstlertums in seiner ganzen Breite unter allen sozialen Klassen zu erklären. Und es ist Anderson darin zuzustimmen, dass die Erfahrung oder Assoziation mit Armut und Unterdrückung, wenn auch typisch für weite Teile der Pfingstbewegung, nicht notwendigerweise zu sozialem Aktivismus führt. Diese Schlussfolgerung wird darin bestätigt, dass nur wenige Pfingstler dem Eindruck entgegengetreten sind, sich keiner Verantwortung für soziale Gerechtigkeit bewusst zu sein. 8 Neuere Theorien sozialer Bewegungen nähern sich der Pfingstbewegung mehr als einem Phänomen sozialökonomischer Aufwärtsbewegung innerhalb eines breiten Spektrums von gesellschaftlichen Faktoren, die zum Bekehrungsprozess beitragen. 9 Obwohl die allgemeinen Bedingungen der Deprivationstheorie nicht diskreditiert werden, erscheint die Pfingstbewegung zunehmend als ein Mechanismus, der mit der gesamten Breite gesellschaftlicher, sozialer und wirtschaftlicher Veränderungen in Zusammenhang gebracht werden kann. 10 Beobachtungen der explosionshaften Ausbreitung der Pfingstbewegung in Nord- und Lateinamerika lassen darauf schließen, dass das Pfingstlertum in diesen Zusammenhängen beispiellosen Wachstums als aktive, teilnehmende, freiwillige und umformende Bewegung mit Hinblick auf egalitäre Ideale angesehen werden kann. 11 Unter den Armen wird die Pfingstbewegung als Form religiöser Teilnahme an der sozialökonomischen Wirklichkeit angesehen, die neue und effektive Möglichkeiten anbietet, sich mit wirtschaftlicher und politischer Unterdrückung auseinanderzusetzen oder sich dieser sogar entgegenzustellen. In stabileren Umgebungen kann man das Pfingstlertum als ein Instrument zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Entwicklung ansehen, vor allem unter Gesellschaftsschichten, die sich mit den sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Problemen der Armut und Unterdrückung identifizieren, auch wenn sie selbst nicht direkt davon betroffen sind. Zumindest prinzipell erscheint eine Kombination dieser Mechanismen die Grundlage für ein soziales Engagement des weltweiten fortschrittlichen Pfingstlertums darzustellen.

Die persönliche Erfahrung verheerender sozialer, ökonomischer und medizinischer Verhältnisse in den Entwicklungsländern hat zu einer aufstrebenden Form des Pfingstlertums geführt, die durch ausdrückliches soziales Engagement in einer Vielzahl von Diensten, Hilfeleistungen und gesellschaftlichen Programmen gekennzeichnet ist. Verbreitete Modelle der fortschrittlichen Pfingstler zeigen Hilfsdienste in Notfällen (z. B. Erdbeben und Flutwellen), medizinische Unterstützung (einschließlich medizinischer Hilfe in Katastrophengebieten, Präventivmitteln, Drogenrehabilitation, psychologischer Dienste und des Aufbaus von Krankenhäusern und Zahnkliniken), Barmherzigkeitsdienste (Obdachlosenzuflucht, Lebensmittelverteilung, Kleidungsvergabe, Altenhilfe), Erziehungsprogramme (besonders Tagesstätten und Schulen), Beratungshilfen (z. B. Eheberatung, Schwangerschaftsberatung, Hilfe bei Depressionen, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit und Inhaftierung), wirtschaftliche Unterstützung (Ausbildungshilfe, Arbeitslosenunterstützung, sozialer Wohnungsbau, Jugendprogramme, Städteentwicklung, Kreditprogramme), politisches Engagement (mit Hinblick auf Wahlbeaufsichtigung, Korruptionsbewältigung, Minimallohnunterstützung) sowie Ausbildung in den Künsten (z. B. Musik, Theater und Tanz). 12 Viele dieser Hilfsdienste konzentrieren sich auf spezifische Regionen und deren besondere Bedingungen und Formen der Pfingstbewegung.

Eines der frühesten Beispiele aktiven sozialen Engagements in der klassischen Pfingstbewegung ist Pandita Ramabais Mission in Indien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Aus einer Erneuerungsbewegung unter Hindufrauen herkommend, verstand Ramabai diese Anfänge als Einführung einer genuin indischen Christenheit und interpretierte diese im Zusammenhang der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten der Zeit. 13 Selbst Waisenkind und Witwe, widmete sich Ramabai den besonderen Lebensumständen hinduistischer Frauen und Witwen. Sie wurde schnell bekannt durch die Etablierung einer Mission für vertriebene Frauen und Kinder in der Mukti-Region des indischen Bundesstaates Maharashtra. Nachdem sie die Situation der indischen Erziehungskommission vorgetragen hatte, unterstützte Königin Viktoria Ramabais soziales Engagement durch den Aufbau von Frauenkliniken und Schulen für Frauen und Witwen. Als ausgebildete Wissenschaftlerin arbeitete Ramabai auch an der Übersetzung der Bibel in die Volkssprache Marathi, empfahl Hindi als nationale Sprache Indiens und etablierte Missionen, Waisenhäuser und Schulen, um eine neue soziale Wirklichkeit der Frauen im Lande herzustellen. 14 Ihre soziale Arbeit beinhaltete Vorschulen und Grundschulerziehung, Berufsschulen und industrielle Dienstleistungen, Gesundheitsmaßnahmen, die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Kleidung sowie die Einrichtung von Lebensgemeinschaften für Kinder, Waisen, Prostituierte und Blinde. Die Reichweite ihrer Arbeit dehnte sich im Laufe der Zeit bis nach England, Nordamerika und Chile aus. 15 Ramabai repräsentiert eine frühe Pionierin der Pfingstbewegung, deren soziales Engagement langsam begonnen hat, soziales Kapital aufzubauen, das breitere soziokulturelle Veränderungen bewirken kann.

Sozialer Aktivismus im Pfingstlertum zeigt sich auch in den verarmten und politisch unterdrückten Regionen auf dem afrikanischen Kontinent. Vor allem in Gebieten, wo Hunger, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Überschuldung und Korruption herrschen, stellt die Pfingstbewegung durch Gemeinschaftsbildung, Moralität, Lebensstil und Spiritualität Alternativen zur Verfügung. 16 Besonders groß ist die pfingstliche Anteilnahme an den sozialen und ökonomischen Belangen der einheimischen Bevölkerung in Südafrika. So weist z. B. Soweto mit seinen bekannten Bedingungen wie einer hohen HIV- bzw. Aidsrate und einer bei 80% liegenden Arbeitslosigkeit ein erstaunliches Wachstum pfingstlerischer Kirchengemeinden auf. 17 Inmitten der Deprivation schafft das Pfingstlertum ein neues Bewusstsein von Disziplin, Arbeit und Selbstvertrauen im Herzen konkreter Projekte der Armutsbewältigung. Auch wenn die hierzu aufgewandte Energie und Initiative ihresgleichen suchen, dringen viele dieser Projekte nur selten ins öffentliche Bewusstsein Südafrikas. 18 Unter Betonung der geistlichen Verpflichtung als eines zentralen Elements der Bewegung hat das Pfingstlertum dazu beigetragen, eine neue Kultur des Selbstvertrauens, der Selbstachtung, Entschlossenheit und des persönlichen Handelns aufzubauen. 19 Pfingstlerische Gemeinden haben dabei geholfen, selbstständige Organisationen unter den Armen aufzubauen, die soziale Mobilität ermöglichen. Selbst über Südafrika hinaus helfen pfingstlerische Christen mit landwirtschaftlichen Hilfsdiensten, Kliniken, Erziehungsinstituten, Anleiheberatungen, juristischer Beratung, gesundheitlichen Schutzmaßnahmen und anderen sozialen Diensten. 20 Die Pfingstbewegung in Afrika erscheint als eine Bewegung, die sich auf den psychophysischen, geistlichen und materiellen Befreiungskampf fokussiert. 21 Das Pfingstlertum nimmt hier eine wichtige Übergangsposition ein in der Neubestimmung nationaler und kontinentaler Identität vieler afrikanischer Staaten.

In Lateinamerika zeigt sich ein ähnliches Bild sozialen Engagements einer fortschrittlichen Pfingstbewegung. Herausragende Beispiele sind Brasilien und Chile. In Brasilien ist das Interesse an sozialer Wohlfahrt vor allem sichtbar an pragmatischen Aktivitäten, die ein breites Spektrum abdecken, von der Installation öffentlicher Versorgungsbetriebe bis zum Aufbau von Schulen wie auch medizinischen Einrichtungen und der Teilnahme an

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