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Hitler von innen: Roman

Hitler von innen: Roman

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Hitler von innen: Roman

Länge:
114 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
24. Jan. 2014
ISBN:
9783990390153
Format:
Buch

Beschreibung

Hitler von innen erzählt die Liebesgeschichte Adolf Hitlers mit seiner Halbnichte Geli Raubal, die sich nach vier Jahren des Zusammenlebens mit „Onkel Alf" das Leben nimmt: in seiner Wohnung und mit seiner Pistole. Geli war dreiundzwanzig Jahre alt - ein lebenslustiges, fröhliches Mädchen wurde von einem kalten, vergleichsweise alten Mann in den Selbstmord getrieben.
In gekürzter Fassung soll eine „konzentrierte" Version des 2008 erstmals erschienenen Romans erneut Gelegenheit bieten, Hitler auf die Schliche zu kommen.
Herausgeber:
Freigegeben:
24. Jan. 2014
ISBN:
9783990390153
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Hitler von innen - Uwe Bolius

Uwe Bolius

Hitler von innen

Roman

Wenn er nicht böse war, wer dann?

Der britische Historiker Alan Bullock

über Adolf Hitler

1. Die Störung

Als Hitler des Mädchens ansichtig wurde, befiel ihn der dringende Wunsch, Geli den Hof zu machen. „Scheiße, die will ich haben." Vier Jahre später war seine Halbnichte tot.

Ein warmer Vorfrühlingstag des Jahres neunzehnhundertsiebenundzwanzig, früher Nachmittag.

Hitler begann sich zu ärgern, zu lang schon ließ ihn Angela warten. Er hatte seine Halbschwester zu sich bestellt, ins Haus Wachenfeld (aus dem dann der „Berghof" wurde), dort sollte sie ihm den Haushalt führen. Alle anderen, die sich um den Posten bewarben, hatte er abgelehnt.

Eine verhärmt wirkende Frau erschien in der Tür. „Entschuldige, dass wir so spät … keuchte sie, breitete die Arme aus und ging auf ihren Halbbruder zu. Während sie näher trat, verlangsamte sich ihr Schritt, sanken ihr die Arme zu Boden, so eisig schaute Hitler sie an. „Der Zug aus Wien hatte Verspätung. Ich habe am Bahnhof gleich ein Taxi genommen … Sie verstummte.

„Wenn ich einen Termin ansetze, haben Sie ihn einzuhalten. Ich dulde keine Verspätung", herrschte Hitler sie an.

„Aber Adi, seit wann siezen wir uns? Seit wann sagst du zu mir nicht mehr du?"

„Wer ist das da, hinter dir?", fiel ihr Hitler ins Wort.

„Meine Tochter, antwortete Angela, froh, die Peinlichkeit der Situation überbrücken zu können. „Aber die kennst du doch auch! Sie heißt so wie ich, Angela – alle nennen sie Geli.

Hitler betrachtete das junge Mädchen einen Sekundenbruchteil zu lange, seine Augen weiteten sich, sein Atem stockte. „So, so, Geli heißt sie", brummte er mit einschmeichelnd dunkler Stimme, mehr zu Geli als zu Angela hin.

„Komm, gib dem Onkel die Hand", forderte die Mutter die Tochter auf und trat beiseite.

„Hi, uncle", sagte das Mädchen fröhlich und ohne Scheu.

Natürlich hat sie nicht „hi, sondern „Grüß dich Gott, Onkel Alf! gesagt. Zwar war ihr Verwandter kein Boy mehr, dem sie den Kopf verdrehn konnte, und cool war er schon gar nicht; aber irgendwie geil fand sie den Halbonkel doch: „Echt irre, seine stahlblauen Augen, mit denen er die meinen durchbohrt."

„Sind sie nicht gewaltig, die Berge?, wich Hitler aus, statt Geli die Hand zu geben, trat ans Fenster und zeigte auf die verschneiten Gipfel. „Wo auf der ganzen Welt gibt es so ein Panorama? Die Sonne stach, es wehte heftiger Föhn hinunter ins Tal.

Mutter und Tochter standen verloren in dem sehr kleinen Raum. Ein letzter Lichtstrahl traf auf die Gipfel, sie blendeten weiß in die Stube, dann stieg eine schwarz und immer schwärzer werdende Wolkenwand rasend schnell in den Himmel und verdeckte die Sonne.

„Okay, Geli, wenn das so ist … murmelte Hitler, tief bewegt vom Anblick der gleißenden Berge und berauscht von den eigenen Worten. „Du hast recht, Angela, wir waren immer per Du. Dabei soll es bleiben. Und was die Zugverspätung betrifft: die kann jedem passieren. Kommt, setzen wir uns.

Hitler war allein, hatte alle Parteigenossen, mit denen er sich sonst stets umgab, alles Personal weggeschickt. Vor nichts graute ihm mehr als vor der eigenen Kindheit. In der Stube war es dunkel geworden und begeistert schilderte er den Verwandten die Umbauten des Häuschens, die zu planen er längst befohlen hatte. „Du wirst ein großes Haus führen, Angela! Ich zähle auf dich! Minister, Präsidenten, Industriebosse und Grafen werden hier speisen. Und die Berge, die hole ich hier herein, mit einer Fensterscheibe, so groß, wie sie Deutschland noch nie gesehen hat, vom Fußboden bis zur Decke. Sie sollen erbeben, die fremden Mächte, vor der majestätischen Wucht meiner Berge. In die Knie soll’n sie gehen!"

Hitler schätzte es zunehmend, Gott zum Partner zu haben. War Gott nicht sein heimlicher Führer? Mit dem unschätzbaren Vorteil des Schweigens? Die „Vorsehung, wie Hitler ihn nannte, redete ihm nie etwas drein. „Das ist wirklich praktisch bei dir, dachte er ohne einen Funken Zynismus.

Angela fühlte sich unbehaglich und unter Druck, beinahe erpresst, Hilfe suchend ergriff sie die Hand ihrer Tochter. Hitler unterbrach seinen Monolog, starrte die Halbschwester an, sekundenlang. „Angela, ich bin heute reich, sagte er leise, fast drohend, als spürte er ihre Bedenken, „ich werde gut zahlen. Und Geli? Die nehme ich mit nach München, in meine Obhut, dort kann sie studieren; meine Wohnung ist groß genug für uns zwei.

„Au, geil, riss das Mädchen sich los, sprang aus dem Fauteuil und setzte sich ihm auf den Schoß. „Darf ich in deinem Mercedes fahren? Fast noch Kind, umschlang sie Hitler mit beiden Armen; der erstarrte. „Sag bitte ja, Onkel Alf!" Mehr als die Macht des Begehrens schreckte ihn die Fröhlichkeit des jungen Dings da auf seinen Schenkeln.

Auf einmal stand Geli vor ihrem Onkel und sang. „Johohoe! Johohohoe", setzte sie an, Hitler war hingerissen. Sentas Ballade aus dem Fliegenden Holländer gehörte zu seinen Lieblingsstücken. „Traft ihr das Schiff im Meere an, blutrot die Segel, schwarz der Mast …, hörte er das Mädchen singen, Wagners Musikwind pfiff ihm um die Ohren, auch ohne Orchester, der rastlose Seemann aus der Oper – das war er! Hitler identifizierte sich mit der Sagengestalt, mehr noch mit der Sängerin. „Hui, wie ein Pfeil fliegt er hin, ohne Ziel, ohne Rast, ohne Ruh. Als das Mädchen weitersang, ergriff ihn die Sehnsucht: „Doch kann dem bleichen Manne Erlösung einstens noch werden, fänd er ein Weib, das bis in den Tod getreu ihm auf Erden."

Nur mit Mühe schaffte er es, seine Haltung zu bewahren. Immer wieder blickte er von Geli weg nach draußen, sehnsüchtig hin zu den Bergen. Aber umsonst. Gott gab keine Antwort, die Berge schon gar nicht. Er wollte das Mädchen haben und wollte es nicht, er kämpfte mit Gelis Schmelz, als gälte der Kampf seinem Leben: Hitlers weibischer Körper revoltierte, schrie lautlos auf und verlangte sofort nach Erlösung. Da! Ein Blitz! Taghell die Stube, grellweiß die Wand, aschfahl Hitlers Gesicht. Sein linker Arm zuckte hoch, fiel nieder auf sein Gemächt, zwischen die Beine, bedeckte es hohl mit der Hand. Hitler stöhnte auf, ohne dass jemand ihn hörte, sein Hilferuf blieb wortlos und stumm. Dann zuckte seine zweite Hand der ersten zu Hilfe.

Geli sang alle drei Strophen von Sentas Ballade, Hitlers Sehnsucht wurde größer und größer. „Hab ich für dich einstudiert, Onkel, flüsterte ihm das Mädchen ins Ohr und gab ihm einen Schmatz, „weil du so ein Wagnerfan bist.

Auf Ernst folgte Heiteres, auf Oper die Operette. „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist", sang sie jetzt mit zierlicher Stimme, breitete die Arme aus und machte eine runde Bewegung um Hitler herum, so, dass er ihr von links nach rechts folgen musste, dann in die Gegenrichtung, wieder zurück, während sie sich von der Musik wiegen ließ. Hitler war hingerissen von ihr, die Süße der Operettenmelodie trieb ihm die Tränen in die Augen; auch er wollte vergessen, auch er wollte glücklich sein.

Als der letzte Ton verklungen war, stellte sich Geli atemlos vor ihren Onkel, süchtig nach Lob. Sie lächelt ihn so strahlend an, dass er applaudierte. Ihm wurde bewusst, zugleich aber nicht, was ihn berührte; er wusste es nicht und spürte es doch, was ihn schreckte. Gelis junger straffer Körper, so schön, verlieh seinem Herzen winzige Flügel. Zum ersten und einzigen Mal in seinem Leben begann er, auf eine Frau, auf ein Mädchen zu fliegen. Hitler hatte, während Geli sang, seine Hände zwischen die Beine geklemmt. Jetzt riss er sie heraus, begann laut zu klatschen und lachte so roh, dass es Geli das Herz fror und sogar Angela beklommen zumute war. Sie nahm alle Kraft zusammen, um Adolf jene Frage zu stellen, die Gelis Schicksal besiegelte. Über viel Kraft verfügte sie nicht. „Wie hoch ist mein Monatsgehalt?", fragte sie ihren Halbbruder. Hitler nannte die Summe und Angela nickte.

Die Luft in der Stube wurde drückend, der Himmel war schwarz, die Sonne verfinstert. Ganz vereinzelt schlugen Regentropfen ans Fenster. „Puhhh, ist es hier aber schwül", sagte Geli und öffnete es, Hitler machte es sofort wieder zu. Fast waagrecht schlug der Regen jetzt gegen die kleinen Scheiben, und als er versuchte, die Frauen ins Untergeschoss zu begleiten, das für Dienstboten vorgesehen war, klemmte

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