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Das Licht von Latoy

Das Licht von Latoy

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Das Licht von Latoy

Länge:
285 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
19. Juli 2014
ISBN:
9783944737591
Format:
Buch

Beschreibung

Als das "Licht von Latoy" gestohlen wird, macht sich eine bunt zusammengewürfelte Truppe auf, das Wahrzeichen des Planeten zu suchen. Dabei lernt der Speeder Cody den durghanischen Imperator Sandor kennen. Und ohne es zu ahnen wird aus der Suche nach dem Licht auch eine Suche nach der eigenen Identität und der Akzeptanz eines ganzen Sternensystems.
Herausgeber:
Freigegeben:
19. Juli 2014
ISBN:
9783944737591
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Das Licht von Latoy - Sandra Busch

Sandra Busch

Das Licht von Latoy

Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2014

http://www.deadsoft.de

© the author

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com/

Bildrechte:

© GooDAura – fotolia.com

© marusja – fotolia.com

1. Auflage

ISBN 978-3-944737-58-4 (print)

ISBN 978-3-944737-59-1 (epub)

Prolog

Sektor 4 des Sternensystems Chamos

Planet Latoy

Labor für Genexpression und Rekombination

Kurz außerhalb der geschäftigen Metropole Latoyanan befand sich auf einem Hügel ein besonders gesicherter Gebäudekomplex. Allein der aus reiner Energie bestehende Zaun mit seinen zahlreichen Kameras an den leise brummenden Generatorenpfosten und die vielen bewaffneten Wachposten, droidischer und terranischer Natur, schreckten ungebetene Besucher bereits im Vorfeld ab. Denn dieser Hochsicherheitstrakt war der sinnbildliche Uterus von Latoy, die Geburtsstätte eines jeden Einwohners dieses Planeten.

In dem Labor für Genexpression und Rekombination starrte die Technikerin seit geraumer Zeit mit gerunzelter Stirn auf ein Hologramm, das ihr eine Doppelhelix zeigte. Irgendetwas war an den Makromolekülen merkwürdig, sie bekam dieses Merkwürdige bloß nicht zu fassen. Zum vierten Mal überprüfte sie frustriert jeden einzelnen Schritt ihrer Arbeit. Wie üblich hatte sie die Einzelstränge von der Helikase getrennt und damit eine Replikationsgabel gebildet, einen Primer gesetzt, mit Ligasen Moleküle miteinander verknüpft und Polymerasen nach einer Matrize für die Transkription angeordnet. Mit schlichten Worten: Sie hatte einen vorhandenen DNA-Strang mit den gewünschten Erbinformationen gefüttert und damit eine neue, einzigartige DNA geschaffen. Eine Arbeit, die sie bereits seit achtzehn erfolgreichen Jahren erledigte. Inzwischen war diese Tätigkeit für sie zur reinen Routine geworden und ihre Erfolge hatten sie an die Spitze der Labortechniker katapultiert. Wie bei einem Puzzle setzte sie Teilchen für Teilchen zusammen und konstruierte damit ein wunderbares Bild aus Biomolekülen. Mehr noch: Sie erschuf einen Terraner. Einen atmenden, lebenden Terraner. Damit erhob sie sich ihrer blasphemischen Meinung nach über Gott, da sie anstelle einer Handvoll Lehm lediglich ein paar Chromosomen brauchte, um ihrer Schöpfung Atem einzuhauchen.

Du liebe Güte, dachte sie belustigt. Gleich wächst mir ein langer, weißer Bart.

Den würde sie sich sofort wieder abrasieren können, da heute irgendein Detail an diesem biomolekularen Bild falsch erschien.

„Gibt es Probleme, Sherman?"

Einer der langjährigen Kollegen tauchte an ihrer Seite auf und beugte sich interessiert über ihre Schulter.

„Ich bin mir nicht sicher", gab sie ehrlich zu.

„Sportler?", fragte Doktor Minau, der seltsamerweise immer wusste, für welche Projekte seine Kollegen eingeteilt wurden.

„Ja, genau. Der Senat wollte eine frische Generation von Speedern haben. Drei habe ich fertig, aber bei diesem hier kommt mir irgendetwas seltsam vor."

„Ach? Doktor Minau beugte sich noch tiefer, sodass sein Kinn beinahe auf ihrer Schulter lag, und schaute sich das Projekt genauer an. „Ich kann auf dem ersten Blick nichts erkennen, Sherman. Du bist eine der Besten auf diesem Gebiet und ich habe dich bislang nie mit diesen Falten auf der Stirn angetroffen. Wo steckt denn das Problem?

Ratlos zuckte Doktor Sherman mit den Schultern. „Wenn ich das wüsste. Ich habe jeden Schritt mittlerweile mehrfach geprüft. Es scheint alles korrekt zu sein. Selbst die unwichtigen Informationen: Rotes Haar, grüne Iriden …"

Ihr Kollege lachte. „Du hast ein Faible für grüne Augen", sagte er freundlich neckend. Unwillkürlich musste sie schmunzeln.

„Dieser Speeder bekommt eine besondere Farbmischung. Ich habe ein bisschen experimentiert, gestand sie ein wenig verlegen. „So soll das fertige Produkt später aussehen. Sie schaltete auf ein anderes Programm um und das dreidimensionale Gesicht eines Mannes erschien neben der Helix. Eine Weile sagte Doktor Minau gar nichts. Dann brachte er ein leises und beeindrucktes „Du meine Güte!" hervor. Schließlich legte er ihr einen Arm um die Schulter.

„Du hast dir deinen Traummann gebastelt", stellte er fest. Damit traf er den Nagel exakt auf den Kopf.

„Ja, sagte sie mit fester Stimme. „Nur schade, dass ich eine alte Frau bin, wenn er erwachsen ist. Sie würde ihn nie bekommen, das war ihr schmerzlich bewusst. In diesem Labor konnte sie ihre Sehnsüchte Wirklichkeit werden lassen, allerdings würde sie nie von ihrer Arbeit profitieren. Und auch keine andere Frau. Sie lächelte bitter. Dieser Traumkerl würde sich nicht für Frauen interessieren. Sogar dies hatte sie als Grundstein in seine DNA eingepflanzt.

Hätte sie ihrem Kollegen sagen sollen, dass sie einen der sehr, sehr alten DNA-Stränge für die Erschaffung genommen hatte? Einen, der zu einer Zeit der qualvollen und blutigen Geburten entstanden war? Davon hatten sie viele, steril aufbewahrt und gänzlich vergessen in einem dunklen Winkel ihrer so genannten genetischen Vorratskammer. Wie alt genau diese DNA war, wusste sie selbst nicht. Es war strengstens untersagt, diese Stränge zu benutzen, weil sie als nicht mehr verwertbare Relikte galten, und trotzdem hatte sie es spontan, wie aus einem inneren Zwang heraus getan. Nein, sie würde Doktor Minau nichts von ihrem Fehltritt erzählen. Falls ihr Vergehen herauskam, würde sie dafür geradestehen. Doch Kollegen wollte sie in eine solche Angelegenheit, die sie möglicherweise ihren Job, ihr Vermögen und ihre Anerkennung kosten könnten, nicht mit hineinziehen.

An dem Strang konnte es jedenfalls nicht liegen. DNA war DNA. Ob es ein Relikt war oder nicht. Außerdem hatte sie diese verändert. Trotzdem war da irgendwo ein Fehler. Erneut starrte sie auf die Doppelhelix.

„Hast du das Kontrollprogramm darüber laufen lassen?", fragte Doktor Minau.

„Natürlich."

„Und?"

„Es gibt grünes Licht."

„In diesem Fall kann kein Fehler vorliegen. Vielleicht bist du bei deinem Traummann einfach bloß zu pingelig? Bei meinen Landarbeitern hättest du dir bestimmt nicht derartig viele Gedanken gemacht."

Sie lachte auf. Das mochte eine Erklärung sein. Ja, sicherlich war sie bei diesem Kunstwerk besonders kritisch. Einen Traummann zu erschaffen, bedeutete perfekt zu arbeiten. Das sollte allerdings nicht heißen, dass andere Latoyer mit weniger Umsicht oder Individualität entstanden.

„Magst du ihm einen Namen geben?"

Überrascht sah sie Doktor Minau an. „Darf ich das?"

„Aus dem Ministerium ist mir jemand einen Gefallen schuldig. Das bekomme ich bestimmt genehmigt. Und ich finde, dass man seinem erschaffenen Traum auch selbst einen Namen verpassen sollte. Also?"

Hastig griff sie nach einem Etikett und schrieb einen Namen darauf, den sie sorgfältig auf das Projekt klebte.

„Cody?"

„Ich kannte da mal jemanden …", murmelte sie eine vage Erklärung und strich mit dem behandschuhten Finger sanft über das Glas, das ihr ganz spezielles Werk enthielt.

„Gehen wir nach der Arbeit einen auf deinen Traummann trinken?"

Sie fuhr aus ihren Gedanken, die seltsam melancholische Wege eingeschlagen hatten.

„Ja, gerne."

„Dann bis später." Doktor Minau kehrte an seinen Platz und zu seinen Landarbeitern zurück.

Doktor Sherman musterte versonnen das Hologramm, das das Gesicht ihrer neuesten Kreation zeigte. Schon immer war es ihr ein großes Vergnügen gewesen, Latoyer zu erschaffen und ihnen spezielle Fähigkeiten einzupflanzen, die es ihnen ermöglichten, in gewissen Berufsgruppen außergewöhnlich erfolgreich zu sein. Die fertigen Produkte bekamen von einer Verwaltungsstelle einen Vor- und Zunamen zwecks Registrierung zugeteilt, damit die Latoyer etwas Persönliches mit auf den Weg bekamen. Später wurden die jungen Latoyer bereits in der Schule in extra zugeschnittenen Kursen auf ihre zukünftige Arbeit vorbereitet. Sollte jemand dennoch den Hang zu einer anderen Tätigkeit als geplant entwickeln, wurde er trotzdem vom Staat gefördert. Die Regierung wollte Latoy optimieren und nicht unterjochen. Jede Berufsgruppe war für das Überleben und die kulturelle Entwicklung der Latoyer von Bedeutung. Dies war eine der ersten Lektionen, die ein Kind erlernte. Nur auf diese Weise war es ihnen vor Ewigkeiten gelungen, den Planeten innerhalb kurzer Zeit bewohnbar zu machen.

Doktor Sherman ergriff behutsam ihr zerbrechliches Behältnis und stellte es in einen der elektronisch gesicherten Brutschränke. Wieder hatte sie ein Leben geschaffen. Ein wirklich besonderes.

Kapitel 1

Sektor 4 des Sternensystems Chamos

Planet Latoy

Hauptstadt Latoyanan

Es klingelte an der Tür der luxuriös gelegenen Wohneinheit. Martyn sah nicht einmal von seiner Arbeit auf. Seine Berechnungen waren ihm wichtiger als unangemeldeter Besuch. Außerdem war sein Lebensgefährte ebenfalls zu Hause. Sollte halt Alexander dem hartnäckigen Klingler öffnen, der mittlerweile ein viertes Mal schellte.

Martyn trug eine Datenbrille, die mit seinem Hauptrechner verbunden war. Sie machte einen Monitor oder eine mit Hilfe einer Holocam in den Raum projizierte dreidimensionale Darstellung überflüssig, indem sie die Daten und Bilder direkt in sein Hirn schaltete. Die Brille ließ ihn blind gegenüber seiner Umwelt werden und anfangs hatte sie für Schwindel gesorgt, bis sich Martyn daran gewöhnt hatte, etwas anderes zu sehen als sein Körper fühlte.

Während seine Finger über das Eingabemodul seines Hauptrechners flogen, hörte er Alexander tatsächlich zur Tür gehen. Gleich darauf stand sein Lebensgefährte neben ihm.

„Martyn?"

Mit einem Seufzen nahm er die Brille ab. Er hasste es, während seiner Arbeit gestört zu werden. Alexander wusste das, daher musste es einen triftigen Grund für die Störung geben.

„Ein Bote vom Senat für dich, sagte Alexander und zwinkerte ihm zu. „Sie sind wohl endlich auf deine Arbeit aufmerksam geworden.

Das konnte sich Martyn kaum vorstellen, obwohl … Er hatte einen Antrag auf Fördermittel gestellt. Ob der Bote deswegen hier war? Mit einem hoffnungsträchtigen Lächeln eilte er zur Tür, wo einer der kleinen Botendroiden auf Augenhöhe schwebte. Diese Nachrichtenüberbringer gehörten zu der einfachen Generation von Droiden und bestanden aus einem grob terranischen Oberkörper mit einem röhrenförmigen Kopf. Diese Konstruktion saß auf einem tellerartigen Antrieb, den er bereits vor Jahren in einem Studiumsprojekt perfektioniert hatte. Auf eine künstliche Haut, wie zum Beispiel Hausdroiden trugen, hatten die Hersteller bei diesem Modell verzichtet.

„Doktor Martyn Faas?", erkundigte sich der Bote mit leicht blecherner Stimme.

Er gehört neu eingestellt, dachte Martyn unwillkürlich, unterdrückte das verlangende Zucken seiner eifrigen Hände und nickte als Antwort.

„Ich habe eine Depesche vom Senat für Sie." Der Droide hielt ihm seine metallene Handfläche mit dem integrierten Scanner entgegen. Martyn legte kurz seinen Zeigefinger darauf. Mit einem raschen Aufblenden eines gelblichen Lichtes wurden seine biometrischen Merkmale erfasst, seine Identität überprüft und die Annahme der Botschaft bestätigt. Gleich darauf bekam er einen Nachrichtenwürfel ausgehändigt. Ein bisschen wunderte es ihn schon, dass der Senat die Botschaft nicht über den Hauptrechner schickte, sondern aus der Nachricht ein Geheimnis machte. Von so enormer Bedeutung war seine Arbeit an den Antriebssteinen nun auch nicht.

„Möge das Licht Ihnen leuchten", verabschiedete sich der Droide höflich.

„Danke, dir auch", murmelte Martyn und schloss die Tür. Mit gemischten Gefühlen starrte er auf den Würfel und kehrte in sein Arbeitszimmer zurück, wo Alexander auf ihn wartete.

„Bestimmt sind deine Fördermittel genehmigt worden. Oder sie wollen dich als Repräsentant für eine Fachtagung."

„Und dafür schickt der Senator einen Botendroiden?"

„Na ja, was sollte es sonst sein? Martyn, jetzt hör dir die Botschaft endlich an." Wie immer war Alexander derjenige, der am meisten zappelte. Allerdings konnte Martyn nicht leugnen, dass er ebenso neugierig war. Daher aktivierte er den Würfel, woraufhin das lebensgroße Hologramm eines älteren Mannes neben ihnen in den Raum übertragen wurde.

„Mein Name ist Hugh Baisley und ich möchte Ihnen, Doktor Faas, eine Einladung in die Kuppel aussprechen. Ich würde mich freuen, Sie morgen um 19:00 Uhr begrüßen zu dürfen. Möge das Licht Ihnen leuchten."

Damit endete die Nachricht.

„Das ist alles?" Martyn fühlte sich wegen der dürftigen Mitteilung ein wenig enttäuscht. Diese Botschaft klang nicht nach einer Bewilligung von Fördermitteln, sondern eher nach etlichen langweiligen Stunden politischen Palavers. Alexander schlang einen Arm um seine Mitte.

„Vielleicht haben sie von deiner neuesten Studie über die Antriebssteine gehört und laden dich deswegen ein, sagte er. „Und wenn du ganz großes Glück hast, bekommst du die Gelegenheit einen Prototypen zu bauen.

„Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es bei dem Gespräch nicht unbedingt um Antriebssteine gehen wird, murmelte Martyn. „19:00 Uhr ist eine seltsame Zeit für ein Gespräch beim Senat.

„Weswegen sollten sie dich denn sonst einladen? Wegen deines guten Aussehens? Alexander lachte und fuhr ihm durch die blonden, stoppeligen Haare. „Möglicherweise sind sie auf dich aufmerksam geworden, weil du ein Wissenschaftler ohne Schmerbauch und Vollbart bist. Und nun laden sie dich für eine Runde betörenden Cybersex ein.

„Reizende Vorstellung", brummte Martyn.

+++

Schräge Musik wummerte durch den Club und trieb die Tanzenden zu ekstatischen Höchstleistungen an. Noah saß vor seinem fünften giftgrünen Longdrink und betrachtete den Grundriss des Museums der Tausend Künste auf seinem DataScreen. Zurzeit war das Museum voll mit neuen Exponaten eines besonders exotischen Planeten, die sich garantiert gut an den einen oder anderen Sammler verkaufen ließen. Er sollte sich daher entscheiden, welche Stücke er problemlos transportieren konnte und einem Käufer Anreiz boten.

„Noah DeBray? Ich habe eine Nachricht für Sie."

„Verpiss dich", knurrte er, ohne sich umzuschauen.

„Die Nachricht ist vom Senat."

Langsam drehte sich Noah zu einem schwebenden Droiden um, der geduldig wartete.

„Du sollst dich verpissen, du dämlicher Blechheini."

Der Droide näherte sich ein Stückchen, stellte einen Datenwürfel vor ihm ab und streckte ihm die Handfläche zum Scan entgegen.

„Bitte quittieren Sie den Empfang."

Noah starrte mit schmalen Augen auf den Würfel. Was mochte der Senat wollen? Und wie hatte man ihn hier überhaupt finden können?

„Empfang verweigert."

„Im Falle einer Empfangsverweigerung habe ich Order, die Gesetzeshüter zu rufen. Dem Senat ist bekannt, dass mehrere Haftbefehle gegen Sie offen sind."

Wütend fuhr Noah auf: „Das ist Erpressung."

„Ganz recht, Sir."

Eine Sekunde lang starrte er dem Droiden in das metallene Gesicht. Natürlich blieb es gleichgültig und gefühllos. Dann legte er fluchend den Finger auf den Scan. Auf Gesetzeshüter hatte er wirklich keine Lust. Außerdem bekam man in der Sicherheitsverwahrung keine Cocktails serviert.

„Vielen Dank, Sir. Möge das Licht Ihnen leuchten."

„Möge der Rost dich fressen", grollte Noah und leerte sein Glas. Mit einer Geste orderte er Nachschub und schob den Würfel unentschlossen hin und her. Der Droide hinter der Bar reichte ihm einen weiteren Donginischen Kometen. Mit dem Drink in der Hand drehte sich Noah auf dem Hocker um und beobachtete eine Zeitlang die Tanzenden. Dabei nippte er an seinem Longdrink. Der Würfel lag hinter ihm auf dem Tresen und schien ihm ein Loch in den Rücken zu brennen. Noah bemühte sich, ihn zu ignorieren. Er könnte aufstehen, gehen und den Nachrichtenwürfel einfach in diesem Club vergessen.

Oder sich die Botschaft anhören.

Es musste wichtig sein, wenn sich der Senat solche Mühe gab, ihn zu finden. Normalerweise war er für Behörden nicht so leicht aufzustöbern, wie die ausstehenden Haftbefehle bewiesen. Mit einem neuerlichen Fluch wandte er sich wieder zum Würfel um und aktivierte ihn. Ein Hologramm erschien.

„Mein Name ist …"

„Wichser!"

„Hugh Baisley. Ich arbeite für den Senat von Latoy …"

Noah hörte sich den Rest der kurzen Botschaft an, bevor er einen neuen Donginischen Kometen bestellte.

„Sir, ich muss Sie darauf hinweisen, dass Sie nicht mehr flugtüchtig sind, falls Sie mit einem Gleiter hier sind."

Irgendwie gingen ihm die Droiden heute mächtig auf die Nerven.

„Leck mich am Arsch!"

„Bedaure, Sir. Darauf bin ich nicht programmiert."

+++

Der Turbobooster legte sich schnittig in die Kurve und sauste zwischen den leeren Zuschauertribünen entlang.

„Du fliegst heute wie eine lahme Ente", drang eine Stimme mit einem leicht lispelnden Akzent über den Kommunikator an sein Ohr. Cody grinste vergnügt.

„Warte es ab, Brennan. Du wirst gleich an meinem Heck schnüffeln." Er gab seinem Booster mehr Schub und überholte seinen Konkurrenten. In einem gewagten Manöver setzte er den Renngleiter direkt vor den Brennans.

„Hey, du Verrückter!" Sein Mitstreiter versuchte hartnäckig die Führung zurückzuerobern, was Cody durch weiteres Beschleunigen verhinderte. Hochkonzentriert blickte er nach vorne, um den absolut besten Winkel zum Einfliegen in die Caves abzupassen. Die Caves waren ein Labyrinth aus Felssäulen inmitten einer finsteren Höhle, die es zu passieren galt. Ein tückisches Hindernis auf dieser Rennstrecke.

„Cody, du bist zu schnell", ertönte Brennans besorgte Stimme. Das wusste Cody selbst, aber der Pilot in ihm flüsterte eindringlich, dass er es schaffen konnte.

„Cody, nimm sofort das Tempo zurück!"

Der scharfe Kommandoton ärgerte ihn. Brennan hatte ihm nichts zu sagen.

„Verdammt! Willst du dich umbringen?"

Cody versuchte Brennans lauter und schriller werdende Stimme auszublenden und erhöhte aus reinem Trotz nochmals die Geschwindigkeit. Der Renngleiter schoss in die Caves hinein und die Anzeigen schalteten unverzüglich auf Nachtsicht um. Die ersten Felssäulen tauchten wie düstere Schatten vor ihm auf. Sein Gleiter schrammte mit der Außenhaut funkensprühend an dem rauen Fels entlang, ehe er ihn herumreißen konnte, nur um gleich darauf der nächsten Säule auszuweichen.

Cody!"

Er lachte wild, genoss den ungeheuren Adrenalinschub und sauste zwischen den Felsformationen hindurch. Erneut erklang ein hässliches Geräusch als sein Booster über Felsen schürfte. Obwohl Cody dieses Mal ins Schlingern geriet, brachte er seinen Gleiter mit kaltschnäuziger Ruhe auf den Kurs zurück. Gerade rechtzeitig, um nicht an dem nächsten Hindernis zu zerschellen. Wenige Sekunden später war er aus den Caves heraus und jagte johlend die Zielgerade entlang. Weit abgeschlagen hinter ihm folgte Brennan. Ungehindert passierte Cody die Ziellinie und lenkte langsamer werdend den Booster in die Wartungsbox, wo Mechaniker und sein Trainer Roland mit dem Zeitmesser in der Hand bereits auf ihn warteten. Mit dem typischen Zischen landete der kleine Gleiter und die Pilotenkapsel öffnete sich.

„Cody! Das war eine Wahnsinnszeit. Ein neuer Rekord! Ich verstehe gar nicht, wie du Zauberer das Kunststück vollbracht hast."

Cody kletterte aus seinem Gleiter, nahm den Helm ab und strich sich die feuchten Haare aus dem Gesicht. Die Mechaniker, zu Cyborgs veränderte Latoyer, die sich ihre Werkzeuge hatten implantieren lassen, machten sich unverzüglich über seinen Booster her. Cody ignorierte sie und eilte leichtfüßig zu seinem Trainer. Gespannt schaute er Roland über die Schulter, um ebenfalls einen Blick auf das kleine Gerät in dessen Hand zu werfen. Die Zeit war wirklich phantastisch. Zufrieden grinste er. Neben ihnen flog Brennan seinen eigenen dröhnenden Renngleiter in die Box. Gleich darauf kam er mit langen Schritten auf sie zu und zog sich dabei seinen Helm ab, den er achtlos zu Boden schleuderte.

„Bist du verrückt?", brüllte er zornig.

„Da ärgert sich jemand, weil er verloren hat." Cody feixte.

„Bist du total irre?" Brennan packte ihn am Kragen seines weißen, hautengen Rennanzugs und beutelte ihn.

„He, he! Was soll denn das?" Roland versuchte dazwischen zu gehen und Brennan zur Seite zu schieben. Cody wurde so abrupt losgelassen, dass er ein paar Schritte zurücktaumelte.

„Der Idiot ist ungebremst durch die Caves, Roland. Hast du das gewusst?"

Mit einem fassungslosen Gesicht drehte sich Roland zu Cody um.

„Du bist was?, fragte er plötzlich heiser. „Junge, wolltest du Selbstmord verüben?

„Nun hört schon auf. Ihr seht ja, dass ich es kann. Und, Roland, denk an diese Traumzeit …"

„Was nützt uns die Zeit, wenn du in einem Feuerball auf …"

„Cody Mawhiney?", fragte eine etwas blecherne Stimme dazwischen. Cody entdeckte einen Botendroiden, als er sich umdrehte.

„Ja, das bin ich", antwortete er, erleichtert darüber, dass ihr Streit unterbrochen wurde.

„Ich habe Ihnen eine Nachricht vom Senat zu übermitteln. Bitte quittieren Sie den Empfang."

Cody nahm einen Würfel an sich und drückte seinen Finger in die Handfläche des Droiden.

„Möge das Licht Ihnen leuchten."

„Danke sehr. Dir auch."

Verwundert drehte Cody den Würfel in seinen Händen.

„Was will bloß der Senat von dir?", fragte Roland und vergaß dabei für einen Moment seinen Leichtsinn.

„Vielleicht sind sie an einem neuen Trainingsrekord interessiert und wollen Freikarten für das Super Race in der nächsten Woche."

Roland schnaufte und Brennan drohte ihm mit dem Finger.

„Dieses Mal stehe ich ganz oben auf dem Siegertreppchen."

Cody lachte und entgegnete: „Träum weiter."

Zu Rolands Kopfschütteln aktivierte er den Nachrichtenwürfel.

„Mein Name ist …"

+++

„… Hugh Baisley und ich freue mich, Sie alle hier in der Kuppel begrüßen zu

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