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Ausführliche Erklärung des christlichen Glaubens: Für den heutigen Gebrauch übersetzt und aufbereitet von Andreas Wollbold

Ausführliche Erklärung des christlichen Glaubens: Für den heutigen Gebrauch übersetzt und aufbereitet von Andreas Wollbold

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Ausführliche Erklärung des christlichen Glaubens: Für den heutigen Gebrauch übersetzt und aufbereitet von Andreas Wollbold

Länge:
246 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 5, 2013
ISBN:
9783429060862
Format:
Buch

Beschreibung

Ist Glaube kompliziert? Muss man dafür dicke Bücher lesen, nur um am Ende zu sagen: Verstanden habe ich immer noch nicht viel? Vor 400 Jahren hat der heilige Robert Bellarmin (1542-1621) seinen großen Katechismus vorgelegt, der das Gegenteil beweist. Der Jesuit, Kardinal und Kirchenlehrer verfasste ein kleines Meisterwerk, das bis heute nichts von seiner Frische verloren hat. Knapp, klar und klassisch ist, was er zu Glauben, Gebet, Sakramenten und Moral zu sagen hat. Er ergänzt seine Erläuterungen mit Hinweisen auf Stellen der Bibel, der Kirchenväter und der Konzilien. Wer wissen will, was die Kirche im großen Strom der Geschichte geglaubt und gelehrt hat, ist hier an der besten Adresse. Behutsam bereitet diese Ausgabe Bellarmins Katechismus für den heutigen Gebrauch auf. Die Strukturen des Werkes werden hervorgehoben und die Gedankenschritte in Schaubildern zusammengefasst. In der Tradition des Bellarmin'schen Katechismus schließt ein Gebetsteil das Werk ab.
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 5, 2013
ISBN:
9783429060862
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Ausführliche Erklärung des christlichen Glaubens - Robert Bellarmin

1. Kapitel:

Was ist die christliche Lehre und welche wichtigsten Teile hat sie?

Schüler (= S):  Mir ist klar, dass ich für mein Heil die christliche Lehre kennen muss. Bitte erklären Sie mir darum diese Lehre!

Lehrer (= L):   Die christliche Lehre ist eine Kurzfassung bzw. Zusammenfassung all dessen, was Christus, unser Herr, uns für den Weg zum Heil gelehrt hat.

S:  Was sind die wichtigsten und notwendigsten Teile dieser Lehre?

L:  Es sind vier, nämlich:

1. das Glaubensbekenntnis,

2. das Vater Unser,

3. die zehn Gebote und

4. die sieben Sakramente.

S:  Warum sind es gerade vier?

L:  Weil es zunächst einmal drei Haupttugenden gibt: Glaube, Hoffnung und Liebe.

1. Das Glaubensbekenntnis ist notwendig für den Glauben, weil es uns lehrt, was wir glauben müssen.

2. Das Vater Unser ist notwendig für die Hoffnung, weil es uns das lehrt, was wir hoffen müssen.

3. Die zehn Gebote sind notwendig für die Liebe, weil sie uns das lehren, was wir tun müssen, um Gott zu gefallen.

4. Die Sakramente sind schließlich notwendig, weil sie die Werkzeuge sind, mit denen man die Tugenden empfängt und bewahrt, die wie gesagt notwendig sind, um gerettet zu werden.

S:  Ich hätte gern von Ihnen einen Vergleich, um die Notwendigkeit dieser vier Teile der christlichen Lehre besser zu begreifen.

L:  Der hl. Augustinus gibt uns den Vergleich mit einem Haus.

Beim Hausbau legt man zuerst das Fundament, dann zieht man die Wände hoch und deckt es am Ende mit einem Dach ab; dazu braucht man auch einige Werkzeuge. Auch in der Seele soll ein Gebäude des Heils entstehen. Dazu braucht man das Fundament des Glaubens, die Mauern der Hoffnung, das Dach der Liebe sowie Werkzeuge, nämlich die heiligen Sakramente.

„Durch Gesang wird das Haus erbaut, durch Glauben begründet, durch Hoffen errichtet und durch Lieben vollendet." (Augustinus von Hippo, 5. Jh., einer der größten Kirchenlehrer)

2. Kapitel:

Erklärung des Kreuzzeichens

S:  Bevor wir zum ersten Teil der Lehre kommen, würde ich mich freuen, wenn Sie mir einen Vorgeschmack dessen geben könnten, was man zu glauben hat.

Könnten Sie mir dazu zusammenfassend und in groben Zügen die notwendigsten Geheimnisse erklären, die im Glaubensbekenntnis enthalten sind?

L:  Ihr habt recht, so will ich es auch halten.

Ihr müsst also wissen, dass es zwei Hauptgeheimnisse unseres Glaubens gibt und dass beide im Kreuzzeichen enthalten sind.

1. Das erste Geheimnis ist die Einheit und Dreifaltigkeit Gottes.

2. Das zweite ist die Fleischwerdung und Passion des Heilands.

S:  (1) Was bedeutet „EINHEIT UND DREIFALTIGKEIT GOTTES"?

L:  Diese Dinge sind überaus erhaben, und sie werden nach und nach im Lauf dieser Lehre erklärt. Fürs Erste wird es genügen, wenn ihr die Bedeutung der Worte kennenlernt und etwas Weniges davon, so weit es möglich ist, versteht.

Einheit Gottes bedeutet, dass über allen erschaffenen Dingen ein Wesen steht, das keinen Anfang gehabt hat, sondern immer schon gewesen ist und immer sein wird; das alle anderen Dinge gemacht hat; das sie erhält und lenkt und über allen das höchste, edelste, schönste und mächtigste Wesen ist und über alles uneingeschränkt herrscht. Dieses Wesen heißt Gott. Er ist einer, weil es nur eine einzige wahre Gottheit geben kann, das heißt eine einzige Natur oder Wesen, das unendlich mächtig, weise, gut usw. ist.

Dennoch befindet sich diese Gottheit in drei Personen, die Vater, Sohn und Heiliger Geist heißen. Diese drei Personen sind ein einziger Gott, da sie dieselbe Gottheit und dasselbe Wesen haben.

Das ist, als ob hier auf der Erde drei Personen namens Peter, Paul und Johannes dieselbe Seele und denselben Leib hätten. Dann würde man sie doch als drei Personen bezeichnen, weil eine Peter, eine Paul und eine Johannes wäre. Trotzdem wären sie ein einziger Mensch und nicht drei Menschen, weil sie nicht drei Leiber und auch nicht drei Seelen hätten, sondern nur einen Leib und eine Seele. Bei den Menschen ist das nicht möglich, denn das Sein des Menschen ist gering und endlich. Es kann deshalb nicht in mehreren Personen sein. Aber das Sein Gottes und seine Gottheit ist unendlich, und darum kann sich dasselbe Sein und dieselbe Gottheit im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist befinden und befindet sich auch tatsächlich in ihnen.

Es sind also drei Personen, denn die erste ist der Vater, die zweite der Sohn und die dritte der Heilige Geist. Trotzdem sind sie nur ein Gott, denn sie haben dieselbe Gottheit, dasselbe Sein, dieselbe Macht, Weisheit, Güte usw.

S:  (2) Jetzt sagen Sie mir bitte, was „FLEISCHWERDUNG UND PASSION DES HEILANDS" bedeutet!

L:  Die zweite göttliche Person, die wie gesagt Sohn heißt, hat außer ihrem göttlichen Sein, welches sie schon besaß, bevor die Welt erschaffen wurde, ja sogar von Ewigkeit her, auch noch menschliches Fleisch und eine menschliche Seele, also unsere ganze menschliche Natur, im Schoß einer ganz reinen Jungfrau angenommen.

So fing der, der zuvor nur Gott war, an, Gott und Mensch zugleich zu sein. Nachdem er etwa 33 Jahre unter den Menschen geweilt hatte, wobei er sie den Weg zum Heil gelehrt und viele Wunder getan hatte, ließ er sich schließlich ans Kreuz nageln und starb an ihm, um Gott für die Sünden der ganzen Welt Genugtuung zu leisten. Doch nach drei Tagen erstand er vom Tod zum Leben und fuhr nach 40 Tagen zum Himmel auf. Davon werden wir noch bei der Erklärung des Glaubensbekenntnisses sprechen.

Das also ist die Fleischwerdung und die Passion des Heilands.

S:  Warum sind das die Hauptgeheimnisse des Glaubens?

L:  1. Weil im ersten die erste Ursache und das letzte Ziel des Menschen enthalten ist und im zweiten das einzige und sehr wirksame Mittel, um diese erste Ursache zu erkennen und zu diesem letzten Ziel zu gelangen.

2. Ein weiterer Grund ist, dass wir uns, indem wir diese beiden Geheimnisse glauben und bekennen, von allen falschen Parteiungen, d. h. von Heiden, Türken, Juden und Irrgläubigen, unterscheiden.

3. Und schließlich kann niemand gerettet werden, ohne diese beiden Geheimnisse zu glauben und zu bekennen.

S:  Wie sind diese beiden Geheimnisse im Kreuzzeichen enthalten?

L:  Das Kreuzzeichen macht man, indem man sagt: „IM NAMEN DES VATERS UND DES SOHNES UND DES HEILIGEN GEISTES und sich gleichzeitig in Form eines Kreuzes bezeichnet. Dabei führt man die rechte Hand zuerst zur Stirn und spricht: „Im Namen des Vaters, dann hinab zur Brust unter den Worten: „und des Sohnes, und schließlich von der linken zur rechten Schulter unter den Worten: „und des Heiligen Geistes.

Der Ausdruck „im Namen" zeigt uns die Einheit Gottes, weil man sagt „im Namen und nicht „in den Namen. Unter dem Namen versteht man aber die göttliche Macht und Autorität, die in den drei Personen eine einzige ist.

Die Worte „des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" zeigen uns die Dreifaltigkeit der Personen. Sich in Form eines Kreuzes zu bezeichnen führt uns die Passion und darum auch die Fleischwerdung des Sohnes Gottes vor Augen.

Die Hand von der linken zur rechten Seite zu führen und nicht von der rechten zur linken bedeutet, dass wir durch die Passion des Herrn von den vergänglichen Dingen zu den ewigen gebracht worden sind, von der Sünde zur Gnade und vom Tod zum Leben.

„Bei jedem Schritt und Tritt, bei jedem Eingehen und Ausgehen, beim Anlegen der Kleider und Schuhe, beim Waschen, Essen, Lichtanzünden, Schlafengehen, beim Niedersetzen und welche Tätigkeit wir immer ausüben, drücken wir auf unsere Stirn das kleine Kreuzeszeichen." (Tertullian, um 200, nordafrikanischer Kirchenschriftsteller)

„Überall steht dieses Zeichen des Sieges uns zur Seite. Deshalb zeichnen wird es voll Eifer auf die Häuser, Wände und Fenster, auf die Stirn und auf das Herz. […] Man darf das Kreuz aber nicht einfach nur mit dem Finger machen, sondern zuerst mit dem Herzen, voll innigen Glaubens. Wenn du es in dieser Weise auf deine Stirne zeichnest, dann wird dir kein unreiner Geist nahen, weil er die Waffe sieht, die ihm die Wunde geschlagen, das Schwert, das ihm den tödlichen Streich versetzte. […] Dieses Zeichen hatte schon zur Zeit unserer Vorfahren und hat auch jetzt noch die Kraft, verschlossene Türen zu öffnen, Giftmittel unschädlich zu machen, dem Schierling seine Wirkung zu nehmen, vom Biss giftiger Tiere zu heilen; denn wenn es die Pforten der Vorhölle erschloss, das Tor des Himmels öffnete, den Eingang zum Paradies wieder auftat und die Fesseln des Teufels sprengte, was braucht man sich da zu wundern, dass es mächtiger ist als giftige Getränke und Tiere und alles andere der Art?" (Johannes Chrysostomus [„Goldmund"], um 400)

„Es wagen solche Geister nicht, Zeichen dieser Art zu verkennen: Sie zittern vor ihnen, wo immer sie sie erblicken." (Augustinus)

S:  Zu welchem Zweck macht man dieses Kreuzzeichen?

L:  1. Erstens macht man es, um zu zeigen, dass wir Christen sind, das heißt Soldaten unseres höchsten Feldherrn, Christus. Denn dieses Zeichen ist wie ein Banner oder eine Uniform, wodurch sich die Soldaten Christi von allen Menschen außerhalb der Kirche unterscheiden: den Heiden, den Juden, den Muslimen und den Christen in anderen Konfessionen.

2. Außerdem macht man dieses Zeichen, um die Hilfe Gottes bei unserem Tun anzurufen. Denn mit diesem Zeichen ruft man die allerheiligste Dreifaltigkeit kraft der Passion des Heilands zu Hilfe. Aus diesem Grund haben die guten Christen die Gewohnheit, dieses Kreuz über sich zu schlagen, wenn sie sich vom Bett erheben, wenn sie das Haus verlassen, wenn sie sich zu Tisch setzen, wenn sie sich schlafen legen und auch am Beginn jeder anderen Sache, die sie zu tun haben.

3. Schließlich macht man dieses Zeichen, um sich gegen jegliche Versuchung des Teufels zu wappnen. Denn der Teufel erschrickt vor diesem Zeichen und flieht vor ihm, so wie es die Verbrecher machen, wenn sie das Zeichen der Polizei sehen.

4. Häufig entgeht jemand mittels dieses Zeichens des heiligen Kreuzes vielen Gefahren für Leib und Seele, wenn er es mit Glauben macht und mit Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit und die Verdienste Christi, unseres Herrn.

3. Kapitel:

Erklärung des Glaubensbekenntnisses

S:  Jetzt kommen wir zum ersten Teil der Lehre. Ich würde gern das Glaubensbekenntnis lernen.

L:  Das Glaubensbekenntnis enthält 12 Teile. Sie heißen Artikel, und 12 sind es entsprechend der Zahl der 12 Apostel, die es verfasst haben. Sie lauten so:

„Wie eine alte Tradition meldet, gab der Herr nach seiner Himmelfahrt den Aposteln […] den Auftrag, einzeln zu den verschiedenen Nationen hinauszuziehen, um ihnen das Wort Gottes zu predigen. Im Begriffe nun, voneinander zu scheiden, stellten sie sich vorher gemeinsam eine Norm ihrer zukünftigen Predigt auf, damit sie nicht etwa, wenn der Eine vom Andern getrennt wäre, denen, welche zum christlichen Glauben eingeladen werden sollten, etwas Verschiedenes vortrügen. Indem so alle vereint und vom Heiligen Geist erfüllt ihre gemeinsamen Überzeugungen zusammenstellten, setzten sie, wie wir sagten, jenes kurze Erkennungszeichen ihrer zukünftigen Predigt fest und fanden darin eine feste Regel, welche sie den Gläubigen zu geben beschlossen." (Rufinus von Aquileia, 4. Jh.)

1. Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

2. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

3. empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,

4. gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,

5. hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten,

6. aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;

7. von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

8. Ich glaube an den Heiligen Geist,

9. die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,

10. Vergebung der Sünden,

11. Auferstehung des Fleisches

12. und das ewige Leben. Amen.

Erklärung des ersten Glaubensartikels:

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde."

S:  Erklären Sie mir bitte den ersten Artikel Wort für Wort.

Was heißt „ICH GLAUBE"?

L:  Es heißt: Ich halte all das, was in diesen 12 Artikeln enthalten ist, für gewiss und für ganz wahr. Der Grund dafür ist der: Gott selbst hat diese Sätze die heiligen Apostel gelehrt, die heiligen Apostel haben sie die Kirche gelehrt, und die Kirche lehrt sie uns. Und weil es unmöglich ist, dass Gott lügt, deshalb glaube ich diese Dinge fester als das, was ich mit den Augen sehe und mit den Händen berühre.

S:  Was heißt „AN GOTT"?

L:  Es heißt, dass wir fest glauben müssen, dass es Gott gibt, auch wenn wir ihn nicht mit den leiblichen Augen sehen. Dieser Gott ist einer, denn man sagt ja „an Gott und nicht „an die Götter.

Auch dürft ihr euch Gott nicht so ähnlich wie etwas Körperliches vorstellen, so groß und schön es auch sein mag. Vielmehr müsst ihr denken, dass Gott etwas Geistiges ist, das immer war und immer sein wird, das alles gemacht hat, alles erfüllt und alles regiert. Er weiß und sieht alles. Kurz und gut, wenn ihr irgendetwas vor Augen habt oder es euch vorstellt, so müsst ihr sagen: Was mir da jetzt vor Augen steht, ist nicht Gott, weil Gott etwas unendlich Besseres ist.

S:  Warum heißt es dann, dass Gott VATER ist?

L:  1. Weil er wirklich der Vater seines eingeborenen Sohnes ist, von dem wir im zweiten Artikel sprechen werden.

2. Des Weiteren, weil er Vater aller rechtschaffenen Menschen ist, freilich nicht der Natur nach, sondern dadurch, dass er sie sozusagen adoptiert hat.

3. Schließlich weil er Vater aller Geschöpfe ist, jedoch weder der Natur nach noch dadurch, dass er sie an Kindes statt angenommen hat, sondern durch die Schöpfung, wie wir es im selben Artikel gleich sagen werden.

S:  Warum sagt man „DEN ALLMÄCHTIGEN"?

L:  Weil dies ein nur Gott zukommender, ihm eigener Titel ist. Obwohl Gott viele ihm eigene Titel hat, wie zum Beispiel ewig, unendlich, unermesslich usw., ist an dieser Stelle doch der passendste, dass er allmächtig ist. So fällt es uns leicht zu glauben, dass er den Himmel und die Erde aus nichts geschaffen hat, wie es ja in den folgenden Worten gesagt wird. Denn für den, der alles tun kann, was er will, und somit allmächtig ist, muss alles leicht sein.

Wenn ihr mir jetzt aber sagen würdet, dass Gott ja nicht sterben und nicht sündigen kann und er so anscheinend nicht alles kann, würde ich euch Folgendes antworten: Sterben und sündigen können ist kein Ausdruck von Macht, sondern von Ohnmacht.

Bei einem überaus tapferen Soldaten, der alle besiegen kann und selbst von niemandem besiegt werden kann, setzt man doch nicht seine Stärke herab, indem man sagt, er könne nicht besiegt werden. Denn besiegt werden zu können ist keine Stärke, sondern eine Schwäche.

S:  Was heißt „SCHÖPFER"?

L:  Es bedeutet, dass Gott alle Dinge aus nichts gemacht hat und dass er allein sie auch wieder zu nichts machen kann. Wohl können die Engel und die Menschen wie auch die bösen Geister etwas machen oder vernichten. Aber sie können es nur aus einer Materie machen, die schon vorher vorhanden war. Ebenso können sie es nur zerstören, indem sie es in etwas anderes verwandeln.

Es ist wie bei einem Maurer, der ein Haus nicht aus nichts machen kann, sondern aus Steinen, Kalk und Holz, und es auch nicht zu nichts werden lassen kann, wenn er es niederreißt, sondern nur wieder zu Steinen, Staub, Holz und dergleichen. Darum heißt nur Gott Schöpfer und ist es, weil nur er keine Materie braucht, um die Dinge zu machen.

S:  Warum sagt man „SCHÖPFER DES HIMMELS UND DER ERDE"? Hat Gott nicht auch die Luft, das Wasser, die Steine, die Bäume, die Menschen und alles Übrige gemacht?

L:  Unter Himmel und Erde versteht man hier auch alles, was im Himmel und auf Erden ist.

Wenn jemand sagt, dass der Mensch Leib und Seele hat, meint er damit ja auch, dass er alles hat, was sich im Leib befindet, also Adern, Blut, Knochen, Nerven usw., sowie alles, was sich in der Seele befindet, wie Verstand, Willen, Gedächtnis, innere und äußere Sinne usw. Ebenso versteht man unter Himmel auch die Luft, die Vögel und alle Dinge, die noch weiter oben sind, dort, wo die Wolken und die Sterne sind – darum spricht man ja auch von den Vögeln des Himmels, den Wolken am Himmel, den Sternen am Himmel –, und schließlich die Engel.

Unter Erde versteht man alles, was von der Luft umschlossen ist wie das Wasser des Meeres und der Flüsse, die in den niedrigeren Teilen der Erde gelegen sind, und auch alle Tiere, Pflanzen, Steine, Metalle und alles Übrige, was sich in der Erde oder im Meer befindet.

Man spricht also von „Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde", weil dies die beiden Hauptteile der Welt sind, ein oberer, in dem die Engel, und ein unterer, in dem die Menschen wohnen. Dies sind nämlich die beiden Geschöpfe,

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