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Der geniale Faulpelz: Warum Kinder lernen - manche aber nicht

Der geniale Faulpelz: Warum Kinder lernen - manche aber nicht

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Der geniale Faulpelz: Warum Kinder lernen - manche aber nicht

Länge:
275 Seiten
2 Stunden
Freigegeben:
Jul 19, 2013
ISBN:
9783800079025
Format:
Buch

Beschreibung

Es gibt begabte Kinder. Und es gibt begabte Kinder, die ihre Chancen in der Schule durch eine scheinbar grenzenlose Faulheit verspielen.

Dieses Buch wendet sich an Eltern solcher genialen Faulpelze. In 11 Kapiteln werden hier die Gründe für die Schulunlust anhand praktischer Beispiele erörtert. Die ermutigende Botschaft: Schon geringe Verhaltensänderungen der Eltern können zu überraschenden positiven Effekten und besseren Leistungen des Nachwuchses führen.
Freigegeben:
Jul 19, 2013
ISBN:
9783800079025
Format:
Buch

Über den Autor


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Inhalt

Einleitung

1.  Was ist ein »genialer Faulpelz«?

2.  Warum wollen einige Kinder lernen und andere nicht?

3.  Vorgangsweise

4.  Was erwartet die Leserinnen und Leser?

5.  Was können Eltern tun?

1  Kinder lernen, weil sie ihren Eltern gefallen wollen

1.1  Was ist gut und richtig, was ist falsch aus der Sicht von Kindern?

1.2  Was gefällt meinen Eltern? – Unbeabsichtigte Signale

1.3  Was gefällt den Mitschülern?

1.4  Was können Eltern tun?

2  Kinder lernen, weil sie sich sicher und geborgen fühlen

2.1  Ursachen für Lernprobleme in der frühen Kindheit: Überholte Erziehungsvorstellungen

2.2  Gefühlserlebnisse aus der frühen Kindheit

2.3  Die Qualität der Bindung an die Hauptpflegeperson ist von entscheidender Bedeutung

2.4  Die ursprünglichen Bindungsmuster sind bis ins Erwachsenenalter erkennbar

2.5  Die Trennung von der »geliebten Bezugsperson« in der frühen Kindheit

2.6  Wer kann Bezugsperson für das Baby sein?

2.7  »Schreikind« oder »friedliches Baby«? Auch Babys haben ein unterschiedliches Temperament

2.8  Einige interessante Ergebnisse

2.9  Was können Eltern tun?

3  Kinder lernen, weil sie Lernen mit angenehmen Situationen und Gefühlen verbinden

3.1  Der Einfluss von angenehmen bzw. unangenehmen Gefühlen in bestimmten Situationen auf unser Verhalten

3.2  Der Ausgangspunkt für pädagogische Erkenntnisse: Die Experimente von Pawlow

3.3  Schularbeiten in einer freundlichen Atmosphäre

3.4  Schulangst, die Kinder daran hindert, das zu zeigen, was sie wirklich können

3.5  Was können Eltern tun?

4  Kinder lernen, weil sie belohnt werden

4.1  Die Belohnung

4.2  Änderung eines Verhaltens, das sich über längere Zeit aufgebaut hat

4.3  Kinder lernen, weil sie Unangenehmes vermeiden, reduzieren oder entfernen wollen

4.4  Die Strafe

4.3  Was können Eltern tun?

5  Kinder lernen, weil sie attraktive Vorbilder – vor allem ihre Eltern – imitieren

5.1  Kinder imitieren uns, auch unsere Schwächen

5.2  Wie lernen Kinder aus dem, was sie beobachten?

5.3  Was können Eltern tun?

6  Kinder lernen, weil sie Gefühle von Stolz und Zufriedenheit über eine ansprechende Leistung erwarten

6.1  Gründe, warum manche Kinder leistungsmotiviert handeln und andere nicht

6.2  Bedingungen, die leistungsmotiviertes Handeln anregen

6.3  Der Übergang in die Schule kann die Lernfreude deutlich dämpfen

6.4  Leistungsmotiviertes Verhalten zeigt sich nicht in allen Schulfächern gleichermaßen

6.5  Was können Eltern tun?

7  Kinder lernen, weil sie Erfolge auf ihre eigene Tüchtigkeit zurückführen

7.1  Die Suche nach den Ursachen

7.2  Die Suche nach den Ursachen in schulischen Leistungssituationen

7.3  Die Ursachensuche ist in aller Regel wenig rational und objektiv

7.4  Wer kann zu einer Objektivierung beitragen?

7.5  Was können Eltern tun?

8  Kinder lernen, weil sie sich stark und überlegen fühlen

8.1  Machtkämpfe

8.2  Macht muss nicht immer verwerflich sein

8.3  Wie kommt es zu diesem Wunsch, sich stark und mächtig zu fühlen?

8.4  Wie entwickelt sich das Machtmotiv?

8.5  Viele gute Gründe, um sich anzustrengen

8.6  Hoffnung oder Furcht, zwei immer wiederkehrende Tendenzen

8.7  Wie kann man feststellen, ob ein Kind eher macht-, leistungs- oder anschlussmotiviert handelt?

8.8  Was können Eltern tun?

9  Kinder lernen, weil Lernen Freude macht

9.1  Freude macht eine Tätigkeit nur dann, wenn man nicht sogleich ins »Stocken« gerät

9.2  Freude beim Lernen und Arbeiten im Interessenbereich

9.3  Freude beim Lernen und Arbeiten, weil schulische Anforderungen mit Persönlichkeitsmerkmalen des Kindes übereinstimmen

9.4.  Was können Eltern tun?

10  Kinder lernen, weil sie anspruchsvolle Ziele haben

10.1  Ziele leiten uns

10.2  Ziele formulieren

10.3  Strategien planen

10.4  Die Durchführung der nötigen Handlungen unterstützen

10.5  Hat das Kind sein Ziel erreicht?

10.6  Was können Eltern tun?

11  Kinder lernen, weil sie eine gute Schule besuchen

11.1  Was ist eine gute Schule?

11.2  Wissenschaftliche Befunde zur Qualität der Einzelschule

11.3  Hoffnungsvolle Ansätze

11.4  Freiraum und Verantwortung für die einzelne Schule

11.5  Erfahrungen in Österreich

11.6  Die Machtverhältnisse in der Schule sind eindeutig ungleich verteilt, und zwar zugunsten der Lehrerinnen und Lehrer

11.7  Lehrerinnen und Lehrer, die (zu) viel verlangen

11.8  Was können Eltern tun?

Verwendete und empfohlene Literatur

Einleitung

1.  Was ist ein »genialer Faulpelz«?

In diesem Punkt unterscheiden sich die Berichte von Eltern kaum. In seiner ausgeprägtesten Form handelt es sich um ein sehr gescheites Kind, das frühestens zwei Tage vor einer Schularbeit zum ersten Mal in seine Unterlagen schaut. Es ist hochzufrieden, wenn es gerade mal eine positive Note erreicht hat, und nützt seine Intelligenz vor allem in der Weise aus, dass es ständig Gründe findet, warum es gerade nicht arbeiten kann.

Manchmal geht das Kalkül, mit möglichst geringem Aufwand über die Runden zu kommen, nicht ganz auf. Ein »Nicht genügend« gefährdet das Aufsteigen in die nächste Klasse und viele Eltern greifen in einem solchen Fall auf professionelle Nachhilfeinstitute zurück. Die Wiederholung eines ganzen Schuljahres wäre wohl auch nicht sinnvoll, wenn die Wissensrückstände nicht auf eine längere Erkrankung oder auf Entwicklungsverzögerungen, sondern eher auf einen »Spekulationsirrtum« eines genialen Faulpelzes zurückzuführen sind.

Die meisten Nachhilfeinstitute geben eine Garantie für ihren Erfolg, d. h. für die erfolgreiche Nachprüfung ab, sonst erhalten die Eltern ihr Geld zurück. Die lieben Kleinen lernen also in der Regel in einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen alles das, was im Verlauf eines ganzen Jahres nicht möglich war – also nichts für »Dummerchen«.

Wie sieht eine solche Veranstaltung aus?

An einem bestimmten Tag chauffieren Väter und Mütter ihren Faulpelz in ein Camp, oft abgeschieden, in landschaftlich reizvoller Umgebung. Sie haben es meist sehr eilig, das Söhnchen oder Töchterchen gegen Hinterlegung eines entsprechenden Schecks in die Verantwortung der Lehrerinnen und Lehrer des Instituts zu übergeben, und trachten danach, möglichst unerkannt zu entkommen.

Die jungen Leute begrüßen sich hingegen mit lautem »Hallo«, schließlich kennt man sich ja schon aus den Vorjahren. Sie unterhalten sich über die angebotene Gestaltung des Nachmittags: lieber reiten, Tennis spielen oder doch schwimmen im nahe gelegenen See? Und erst am Abend die schwierige Wahl: sich am geplanten Schauspiel beteiligen oder doch lieber bei der Rockmusik? Über das »Unvermeidliche« wird vorerst nicht gesprochen. Das zeichnet sich allerdings bereits am Abend ab. Um punkt zehn Uhr ist Bettruhe, streng getrennt nach Buben und Mädchen. Die Herrschaften sollen in der Früh ja munter sein für das »Unvermeidliche«, aber erst nachdem sie sich am Frühstücksbüfett bedient haben. »All inclusive« natürlich. Dann aber von acht bis 13 Uhr wird unerbittlich gelernt. In Gruppen bis zu maximal acht Kindern, da ist ein Ausweichen nicht mehr möglich. Die Lehrerinnen und Lehrer wollen schließlich, dass ihre Kinder die Nachprüfung bestehen, und auch die Schülerinnen und Schüler selbst, wäre auch ganz schön blöd, wenn man in eine andere Klasse wechseln müsste und noch ein Jahr länger in die Schule gehen, unvorstellbar! Aber einen Trost für unseren lieben Nachwuchs gibt es immerhin, es dauert ja nur zwei bis drei Wochen, dann liegt wieder ein ganzes Jahr Faulenzen vor ihnen!

Ich wende mich an Leserinnen und Leser, denen so etwas durchaus bekannt vorkommt, und an solche, die eine derartige Entwicklung möglichst vermeiden wollen.

2.  Warum wollen einige Kinder lernen und andere nicht?

Warum sollten unsere Kinder etwas lernen wollen, z. B. das Lesen, wenn das Aneignen solcher Fertigkeiten zunächst große Mühe verursacht und erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt, wenn man die Kulturtechnik schon gut beherrscht, Freude und Genuss bereitet, also die Tätigkeit in sich selbst belohnend ist?

In meiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit als Elternvertreterin (an verschiedenen Schulen, im Landesverband und im Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen Österreichs als Pressesprecherin) habe ich mit sehr vielen Eltern gesprochen und dabei vor allem erfahren, dass es als ungemein belastend empfunden wird, wenn Eltern auf der einen Seite sehen, dass sie ein sehr begabtes Kind haben, und auf der anderen Seite erkennen müssen, dass ihr Kind seine Chancen in der Schule durch scheinbar grenzenlose Faulheit verspielt. Wie soll man sich erklären, dass sich das Nachbarskind mit großem Eifer seinen Pflichten widmet und in der Schule reüssiert, das eigene Kind hingegen keine Anstalten macht? Genau dieser Frage soll in den folgenden Kapiteln nachgegangen werden.

3.  Vorgangsweise

Es geht vor allem darum, Ergebnisse pädagogischer und psychologischer empirischer Forschung – in einer verständlichen Form – den Eltern nahezubringen, die sich von unterschiedlichen Seiten mit dieser Fragestellung befasst haben. Der Vorteil einer Orientierung an Ergebnissen empirischer Sozialforschung liegt darin, dass unterschiedliche Erziehungsmethoden an einer Vielzahl von Einzelfällen erprobt werden. Man zieht dazu eine ausreichend große Zufallsstichprobe, die allgemeine Rückschlüsse zulässt. So ist es möglich, verlässliche Informationen darüber zu erhalten, was wirkt und was nicht. Eines ist jedoch bei den Ergebnissen statistischer Untersuchungen zu berücksichtigen: Die Aussagen der Statistik beruhen immer auf »Wahrscheinlichkeiten«, man kann also sagen, dass eine bestimmte Methode mit 95% oder mit 99% Wahrscheinlichkeit wirkt. Es kann also durchaus sein, dass in Einzelfällen bei einem Kind die Methode nicht wirkt. Das ist aber kein Argument dagegen, dass die Ergebnisse der Untersuchungen im Allgemeinen gültig sind.

Ich wende mich ausdrücklich an Eltern, Fachausdrücke erleichtern zwar die Kommunikation unter Fachleuten, erschweren jedoch für Eltern das Verständnis. Sie werden daher so weit wie möglich vermieden.

Schließlich sollen auch unsere »Forschungsobjekte«, die Kinder, ausgiebig zu Wort kommen, nicht nur, um die Leserinnen und Leser zu unterhalten, sondern um Verständnis für die Vorstellungswelt der Kinder zu entwickeln. In vielen Elterngesprächen, bei vielen Besuchen in Schulen – auch im Rahmen meiner Forschungstätigkeiten am Institut für Erziehungswissenschaften an der Universität Salzburg –, nicht zuletzt auch bei meinen eigenen drei Kindern und den Enkelkindern wurden »Kinderbeispiele« gesammelt, die exemplarisch komplexe pädagogische Theorien und Erkenntnisse verdeutlichen sollen. Diese Beispiele stammen aus dem Erziehungsalltag, sie wurden jedoch entsprechend verfremdet, um Rückschlüsse auf die betroffenen Kinder unmöglich zu machen.

Es ist zweifelsfrei in diesem Rahmen weder wünschenswert noch möglich, alle Erkenntnisse der Motivationspsychologie anzuführen. Die Auswahl wurde unter dem Gesichtspunkt getroffen, inwieweit sie für die Eltern einen praktischen Nutzen haben können. Den Eltern soll die Möglichkeit geboten werden, aus dem einen oder anderen Ergebnis etwas für sich herauszuholen, was ihnen in ihrer speziellen Situation weiterhilft.

4.  Was erwartet die Leserinnen und Leser?

Motivation ist eine unerlässliche Voraussetzung für den Wissenserwerb. Leserinnen und Leser werden daher etwas darüber erfahren, welche Gründe, Anreize, Motive es dafür gibt, dass einige Schülerinnen und Schüler lieber lernen als andere. Es ist normalerweise nicht so, dass nur ein einzelner Anreiz wirksam ist, sondern mehrere Anreize können zusammenwirken. Ein Schüler bereitet sich z. B. sorgsam auf eine Schularbeit vor, weil ihn das Fach interessiert, weil er seinen Eltern gefallen und bei seiner Lehrerin einen guten Eindruck hinterlassen möchte, weil er eine Belohnung von seinen Eltern erwartet, weil er so werden will wie sein Vater, weil er Gefühle von Stolz und Zufriedenheit erwartet, wenn er eine gute Note bekommt, weil er seine Position in der Klasse als Experte nicht verlieren möchte, weil er sich für eine bestimmte Bildungslaufbahn qualifizieren will oder weil ihm die Tätigkeit als solche Spaß macht. Einzelne oder mehrere dieser Gründe sind es, die das Lernverhalten der Kinder erklären. Diesen wichtigen Anreizen soll im Folgenden nachgegangen werden.

Für Eltern, die zu einem bestimmten Thema genauere und spezifische Informationen wünschen, werden Hinweise auf weiterführende (wissenschaftliche) Literatur gegeben.

5.  Was können Eltern tun?

Schimpfen, drohen, strafen, verbunden mit Tränen, Ärger und Stress?

Ich gehe davon aus, dass dies in aller Regel nicht notwendig sein wird, sondern eher hinderlich ist, wenn man erreichen möchte, dass ein Schüler bzw. eine Schülerin motiviert in der Schule mitarbeitet.

Am Ende eines jeden Kapitels wird der Frage nachgegangen, was Eltern konkret unternehmen können, um einen Nutzen aus pädagogischen Erkenntnissen zu ziehen, damit aus dem genialen Faulpelz möglichst bald ein fleißiger Schüler bzw. eine fleißige Schülerin wird.

Kapitel 1

Kinder lernen, weil sie ihren Eltern gefallen wollen

Weiß Ihr Kind genau, was Sie von ihm wollen?

Eine Mutter hatte bei Tisch ihren beiden Töchtern erzählt, wie sehr sie sich über einen höflichen kleinen Jungen gefreut hatte, der ihr im Bus seinen Sitzplatz angeboten hatte. »So etwas gibt es in Zeiten wie diesen kaum noch«, hatte sie gemeint. Die beiden sechsjährigen Mädchen hatten aufmerksam zugehört, sie wollten auch »höfliche kleine Mädchen« werden. Am Nachmittag bot sich dazu auch gleich eine passende Gelegenheit. Vor der Arztpraxis des Vaters standen drei Damen, die ganz offensichtlich in ein längeres Gespräch vertieft waren. Die beiden Mädchen holten eifrig drei Stühle aus dem Wartezimmer und boten den Damen einen Sitzplatz an.

Die drei Damen reagierten empört, sie fühlten sich bei einer »Tratscherei« ertappt. Völlig unverständlich für die kleinen Helferinnen, sie wollten doch den Eltern und natürlich auch den anderen Erwachsenen gefallen, aber was den Erwachsenen gefällt, das ist für jüngere Kinder nicht immer ganz leicht zu erfassen.

1.1  Was ist gut und richtig, was ist falsch aus der Sicht von Kindern?

Lawrence Kohlberg entwickelte eine Theorie der Entwicklung des moralischen Denkens in Stufen. In zahlreichen Untersuchungen konnten seine Annahmen bestätigt werden. Die für unsere Frage wichtigsten Erkenntnisse sollen kurz zusammengefasst werden:

Schon im Alter von vier Jahren beginnen Kleinkinder zu begründen, warum etwas falsch oder richtig ist. Worauf beziehen sie ihre Urteile? Auf das, was ihnen bekannt ist, nämlich ihre eigene Befindlichkeit, nach dem Motto, was für mich gut ist, ist richtig. Man spricht daher auch vom kindlichen Egozentrismus.

Etwa im Vorschulalter, so zwischen fünf und sechs Jahren, können sich Kinder in die Perspektive eines anderen versetzen, sie sehen, dass es auch eine andere Sicht der Dinge gibt. Sie haben bereits die Erfahrung gemacht, dass die Erwachsenen die Regeln aufstellen, deshalb ziehen sie den Schluss, dass im Zweifel das, was die Großen sagen, richtig ist. Die Eltern haben, weil sie groß sind, das Recht, die Regeln aufzustellen.

Wenn in diesem Alter die Eltern oder die Lehrerinnen und Lehrer sagen, »du musst in der Schule stillsitzen und zuhören und darfst nur dann etwas sagen, wenn du aufgerufen wirst«, dann ist das für das Kind in Ordnung, eben weil es die Großen sagen.

So etwa zwischen dem siebten und achten Lebensjahr beginnen Schülerinnen und Schüler nach dem Motto zu urteilen: »Wie du mir, so ich dir«. Statt – wie im Alter von fünf bis sechs Jahren – würden sie jetzt folgendermaßen argumentieren: »Ich habe meinen Freund beim Sprechen nicht unterbrochen, also soll er das bei mir auch nicht tun«.

Erst wenn Kinder Erfahrungen mit Partnerbeziehungen oder Gruppenbildungen machen, merken sie, dass es notwendig ist, das Wohlergehen auch anderer Gruppenmitglieder zu beachten. Sie streben nach sozialer Anerkennung in ihrer Gruppe. Das, was die anderen in der Gruppe für richtig halten, wird zunehmend zum Maßstab für richtig oder falsch. Ein solches Verständnis bildet sich oft schon im Volksschulalter und ist auch noch charakteristisch für viele Jugendliche.

In diesem Alter würden die Kinder folgendermaßen argumentieren: »Die ganze Klasse würde mehr davon profitieren, wenn niemand dazwischenredete«.

Wir sehen also, dass zumindest in den ersten Schuljahren sich die Kinder

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