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Nachfolge auf neuem Kurs: Zehn Fragen, die den Glauben verändern
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eBook433 Seiten5 Stunden

Nachfolge auf neuem Kurs: Zehn Fragen, die den Glauben verändern

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Über dieses E-Book

Wird die frohe Botschaft nur noch "verwaltet"? Schwindende Mitgliederzahlen, eine zunehmende Kluft zwischen Gläubigen und nichtkirchlichen Menschen, die Unflexibilität traditioneller Strukturen sowie die abnehmende Strahlkraft christlicher Verkündigung lassen keinen Zweifel: Der christliche Glaube ist unter Druck.

Aber Brian McLaren, der laut Time Magazine zu den einflussreichsten evangelikalen Führungspersönlichkeiten Amerikas gehört, hat auch eine gute Nachricht: Der christliche Glaube steckt selbst voller neuer Impulse und kreativer Lösungen! Dabei geht es um mehr als Modifikation, es geht um einen echten Kurswechsel. In zehn aktuellen Fragen bedenkt der Autor daher anhand zahlreicher konkreter Beispiele durchaus provozierend die Grundthemen des christlichen Glaubens, zeigt Irrwege und Verkrustungen des Denkens und Handelns auf und stellt im Rückgriff auf Jesus und die Bibel Neuansätze vor. Damit wird eine Diskussion angestoßen, die von den Wurzeln der christlichen Botschaft her verschlossene Türen, Augen und Ohren öffnet und im persönlichen Leben wie auch in den christlichen Gruppen und Kirchen einen höchst kreativen Aufbruch in Gang setzt.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum6. Dez. 2012
ISBN9783761559857
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    Buchvorschau

    Nachfolge auf neuem Kurs - Brian McLaren

    Brian McLaren

    Nachfolge auf neuem Kurs

    Zehn Fragen, die den Glauben verändern

    Aus dem Amerikanischen von Dorothee Dziewas

    NA_TB_1c.eps

    Alle Bibelzitate sind folgenden Ausgaben entnommen:

    Wenn nicht anders gekennzeichnet: Gute Nachricht Bibel. Revidierte Fassung 1997 der „Bibel in heutigem Deutsch". Durchgesehene Ausgabe © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.

    Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. © 1999 Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart ().

    Lutherbibel. Revidierte Fassung 1984. Durchgesehene Ausgabe © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart (L84).

    Hoffnung für alle®, Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica Inc.™. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Alle weiteren Rechte weltweit vorbehalten (Hfa).

    Neues Leben. Die Bibel, © Copyright 2002 und öfter by Hänssler Verlag, D-71087 Holzgerlingen (NL).

    Originaltitel: A New Kind of Christianity. Ten Questions That Are Transforming The Faith

    © 2010 by Brian McLaren (HarperCollins, New York). By arrangement with Book Crossing Borders Inc.

    Dieses Werk wurde vermittelt durch Interpill Media GmbH, Hamburg.

    Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

    Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddn.de abrufbar.

    © 2012 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn

    Alle Rechte vorbehalten

    Umschlaggestaltung: Andreas Sonnhüter, Düsseldorf, unter Verwendung der Bilder von: P_Wei/istockphoto.com, mrPliskin/istockphoto.com

    Lektorat: Dr. Ulrike Voigt, Stuttgart

    DTP & ePub: Breklumer Print-Service, Breklum

    Verwendete Schriften: Frutiger, Sabon

    ISBN 978-3-7615-5938-3 Print

    ISBN 978-3-7615-5985-7 eBook-EPub

    www.neukirchener-verlage.de

    Inhalt

    Einführung

    1 Zwischen etwas Echtem und etwas Falschem

    2 Die Suche und die Fragen

    1 Die Erzählfrage: Was ist der alles überspannende Handlungsbogen der Bibel?

    2 Die Autoritätsfrage: Wie müssen wir die Bibel verstehen?

    3 Die Gottesfrage: Ist Gott gewalttätig?

    4 Die Jesusfrage: Wer ist Jesus und warum ist er wichtig?

    5 Die Evangeliumsfrage: Was ist das Evangelium?

    6 Die Kirchenfrage: Was unternehmen wir in Sachen Kirche?

    7 Die Sexfrage: Können wir einen Weg finden, über Sexualität zu sprechen, ohne uns in die Haare zu kriegen?

    8 Die Zukunftsfrage: Gibt es einen besseren Weg, die Zukunft zu betrachten?

    9 Die Pluralismusfrage: Wie sollten Nachfolger Jesu sich gegenüber Menschen aus anderen Religionen verhalten?

    10 Die Was-machen-wir-jetzt-Frage: Wie können wir unsere Suche in die Tat umsetzen?

    3 Ein Gebet am Strand

    1. Wir bekennen, dass wir das, was Jesus angefangen hat, vermasselt haben

    2. Wir geben zu, dass wir Unrecht haben und Jesus Recht hat

    3. Wir entscheiden uns, das, was wir getan haben und was wir geworden sind, nicht zu rechtfertigen

    4. Wir verstehen, dass viele gute Christen sich nicht an unserer Suche beteiligen wollen, und wir begrüßen ihre liebevolle Kritik

    5. Wir bekennen, dass verschiedene Sichtweisen verschiedener Ausprägungen von Christentum, die wir bis jetzt erschaffen haben, eine Neueinschätzung erfordern und in vielen Fällen auch Buße

    6. Wir haben uns entschieden, einen besseren Weg in die Zukunft zu suchen als den, auf dem wir bisher waren

    7. Wir möchten als Jünger Jesu Christi neu geboren werden

    8. Wir beten, dass Gott etwas Neues und Schönes in und unter uns erschafft, zum Wohl der ganzen Schöpfung und zur Ehre des lebendigen Gottes

    Eins: Die Erzählfrage

    4 Was ist der alles überspannende Handlungsbogen der Bibel?

    5 Die Grundlage der biblischen Erzählung

    6 Die biblische Erzählung in drei Dimensionen

    Zwei: Die Autoritätsfrage

    7 Wie sollen wir die Bibel verstehen?

    8 Vom Gesetzestext zur kulturellen Bibliothek

    9 Offenbarung durch Gespräch

    Drei: Die Gottesfrage

    10 Ist Gott gewalttätig?

    11 Von einem gewalttätigen Stammesgott zu einem christusgleichen Gott

    Vier: Die Jesusfrage

    12 Wer ist Jesus und warum ist er wichtig?

    13 Jesus außerhalb der konventionellen Linien

    Fünf: Die Evangeliumsfrage

    14 Was ist das Evangelium?

    15 Jesus und das Reich Gottes

    Schritt 1: Juden und Nichtjuden werden auf das gleiche Bedürftigkeitsniveau reduziert (Röm 1,18-3,20)

    Schritt 2: Ein neuer Weg für alle, Juden und Nichtjuden, wird verkündet – der Weg des Glaubens (Röm 3,21-4,25)

    Schritt 3: Alle werden in einer gemeinsamen Geschichte vereint, und zwar durch vier Illustrationen: Adam, Taufe, Sklaverei und Wiederheirat (Röm 5,1-7,6)

    Schritt 4: Alle werden in einem gemeinsamen Kampf und einem gemeinsamen Sieg vereint, illustriert durch zwei Geschichten: „meine Geschichte und „unsere Geschichte (Röm 7,7-8,39)

    Schritt 5: Jüdische und nichtjüdische Probleme werden angesprochen und Gott wird als Gott aller gezeigt (Röm 9,1-11,36)

    Schritt 6: Alle werden an einem gemeinsamen Leben und Auftrag beteiligt (Röm 12,1-13,14)

    Schritt 7: Alle werden zur Einigkeit im Reich Gottes berufen (Röm 14,1-16,27)

    Buch 2

    Auftauchen und Erforschen

    Sechs: Die Kirchenfrage

    16 Was unternehmen wir in Sachen Kirche?

    Sieben: Die Sexfrage

    17 Können wir einen Weg finden, über Sexualität zu sprechen, ohne uns in die Haare zu kriegen?

    Acht: Die Zukunftsfrage

    18 Gibt es einen besseren Weg, die Zukunft zu betrachten?

    Neun: Die Pluralismusfrage

    19 Wie sollen Nachfolger Jesu sich gegenüber Menschen anderer Religionen verhalten?

    Zehn: Die Was-machen-wir-jetzt-Frage

    20 Wie können wir unsere Suche in die Tat umsetzen?

    21 In einer Gemeinschaft mit den Fragen leben

    1. Was soll ich tun, wenn mein Pastor oder Priester kein Interesse an einer neuen Form des christlichen Glaubens hat oder dafür nicht offen ist?

    2. Aber was ist, wenn mein Denken und meine Werte sich so sehr verändert haben, dass ich nicht mehr mit den grundlegenden Lehren oder dem zentralen Ethos meiner Kirche übereinstimme? Ist es unehrlich, unter diesen Umständen zu bleiben?

    3. Pastoren fragen oft: Was soll ich machen, wenn meine Gemeinde kein Interesse an einer neuen Form des christlichen Glaubens hat oder dafür nicht offen ist?

    4. Wenn unsere Gemeinde neuen Ideen gegenüber nicht offen ist und einige von uns das Gefühl haben, dass es für uns Zeit wird zu gehen, sollen wir dann eine neue Gemeinde gründen? Oder sollen wir Kirche insgesamt abschreiben und einfach einen informellen Freundeskreis bilden?

    5. Unsere Gemeinde oder Konfession ist offen für einen neuen Weg. Wie können wir dabei helfen, durch diese Suche Verwandlung und Veränderung zu erleben?

    Schluss

    Nachfolge auf neuem Kurs

    www.neukirchener-verlage.de

    Einführung

    In heißen, baufälligen Slums in den Städten Lateinamerikas, in schattigen Dörfern auf dem Land in Afrika, in gut ausgestatteten Tagungszentren, Gemeinderäumen und Cafés in Asien, Europa und Amerika hatte ich die Gelegenheit, mit einer erstaunlichen Zahl führender Christen quer durch das konfessionelle Spektrum zu reden und Freundschaft zu schließen: mit Katholiken, Orthodoxen, Protestanten, Evangelikalen und Pfingstlern. Sie haben mich von einer schlechten und einer ermutigenden Nachricht überzeugt. Die schlechte Nachricht: Der christliche Glaube in all seinen Ausprägungen ist in Schwierigkeiten. Die gute Nachricht: Der christliche Glaube in all seinen Ausprägungen steckt voller neuer Möglichkeiten.

    Der eine oder die andere erinnert sich vielleicht an die Geschichten von Sara und Elisabeth, älteren Frauen in der Bibel, die der biologischen Uhr trotzten und Kinder bekamen, als alle dachten, es wäre zu spät. Manche Menschen sehen den christlichen Glauben auch so – wie eine alte Frau, die ihre beste Zeit hinter sich hat und dem Pflegeheim näher ist als der Säuglingspflege. Aber ich sehe das anders. Ich glaube, dass der christliche Glaube (wie jeder Glaube) in jeder neuen Generation in gewisser Weise neu geboren werden muss. Das bedeutet, dass der christliche Glaube die Chance hat, ewig jung zu bleiben. Ich sehe also, wie aus dem Schoß des christlichen Glaubens in seiner ganzen wilden Vielfalt eine neue Generation christlicher Jünger geformt und geboren wird, aufwächst und erwachsen wird, und sie haben unglaubliches Potenzial, auch wenn sie vor ungeheuren Herausforderungen stehen (unter anderem dem Unverständnis und der Kritik einiger ihrer Ältesten).

    Ich kenne den christlichen Glauben von innen. Ich wuchs in einer konservativen evangelikalen Gemeinde auf. Dann, nachdem ich als Teenager in den 1970er-Jahren durch die Jesusbewegung ein leidenschaftlicher Jünger wurde, kam ich mit den etablierten protestantischen und katholischen Kirchen in Kontakt. Ich heiratete ein römisch-katholisches Mädchen, und zusammen öffneten wir unser Haus, um eine Gemeinschaft gründen zu helfen, die sich zu einer kleinen Hausgemeinde entwickelte. Sie wurde schließlich zu einer größeren Gemeinde, in der ich 24 Jahre lang als Pastor diente. In diesen Jahren entwickelte ich ein großes Interesse an Kirchengeschichte, den östlichen orthodoxen Kirchen, keltischer Spiritualität und der Tradition der Wiedertäufer. Durch die Mitarbeit im Vorstand einer Missionsgesellschaft und dann durch meine Tätigkeit als Referent habe ich Gemeinden der lateinamerikanischen Pfingstbewegung, afrikanische Gemeinden, asiatische Christen, traditionelle europäische Gemeinden und die ganze Bandbreite von Glaubensgemeinschaften kennengelernt, die auf der Welt gedeihen und sich abmühen, von winzigen Dörfern auf dem Land bis zu Metropolen und überall dazwischen.

    Meine Tätigkeit als Gemeindeseelsorger habe ich erst vor etwa drei Jahren aufgegeben, um zu schreiben, mich mit anderen auszutauschen, Pastoren ein Pastor zu sein und über das zu sprechen, was ich auf meinem Weg gelernt habe. Ich merke, dass ich immer noch dabei bin, meine Erfahrung als Pastor einer Ortsgemeinde zu verarbeiten. Dass ich als Pastor viele Fehler gemacht habe, weiß ich, genauso wie ich viele persönliche Grenzen hatte. Ich wünschte, ich hätte am Anfang die Hälfte dessen gewusst, was ich am Ende gelernt hatte. Ich weiß auch, dass mir vieles wichtig war und ich fleißig gearbeitet und dabei mein Herzblut gegeben habe. Vermutlich empfinde ich meine Aufgabe als Pastor so ähnlich wie meine Erfahrung als Vater: Ich habe mein Bestes gegeben, aber meine Kinder – und meine Gemeinde – hätten etwas viel Besseres verdient, also habe ich immer das Gefühl, mich entschuldigen zu müssen.

    Obwohl ich nicht mehr als Gemeindepastor tätig bin, liebe ich das Gemeindeleben. Ich liebe Gemeinden. Ich singe gerne schöne Lieder, bete gehaltvolle Gebete, teile mit anderen das Geheimnis des Abendmahls und höre ernsthafte, leidenschaftliche und nachdenkliche Predigten. (Als Zuhörer ist mir aufgefallen, dass ich sie lieber kürzer habe als früher, als ich der Prediger war.) Natürlich habe ich genügend Gemeinden lange genug aus ausreichender Nähe betrachtet, um keine naiven Vorstellungen von ihnen zu haben, und ich bin mir ihrer ernsten Probleme und Störungen durchaus bewusst. Aber ich glaube an die „eine, heilige, christliche und apostolische Kirche", wie es in dem alten Glaubensbekenntnis heißt, und an den heiligen Glauben, der ihr anvertraut ist. Und vielleicht ist es wie bei Sara und Elisabeth: Wenn man glaubt, die alte Dame hätte es hinter sich, macht sie möglicherweise einen Schwangerschaftstest und überrascht uns alle.

    Dieses Buch ist in zwei Hauptteile unterteilt. Nach ein paar einführenden Sätzen befasst sich Buch 1 mit fünf grundlegenden und kritischen Fragen, die oft von Nachfolgern Christi in aller Welt gestellt werden. Diese Fragen, glaube ich, haben das Potenzial, uns aus einem Gefängnis zu befreien, in dem wir seit Langem festsitzen. Wenn wir erst einmal lang gehegte Annahmen aufschließen, um diese Fragen zu stellen, werden sich neue Möglichkeiten eröffnen – daher die Überschrift für Buch 1: „Aufschließen und Öffnen".

    In Buch 2 werden wir über fünf weitere Fragen nachdenken, die vielleicht weniger grundlegend oder theologisch radikal sind, aber gleichermaßen wichtig, weil sie ganz praxisbezogen sind und intensive Debatten hervorrufen. Wenn wir anfangen, aus den einengenden konventionellen Paradigmen des ersten Teils aufzutauchen, werden wir in der Lage sein, diese wichtigen praktischen Fragen auf frische und äußerst konstruktive Weise zu erforschen, woher der Titel des zweiten Teils kommt: „Auftauchen und Erforschen".

    Diese zehn Fragen sind natürlich nicht die einzigen wichtigen Fragen, die es gibt. Wenn wir bei diesen zehn Fragen stehen blieben, hätten wir sogar das Wesentliche nicht begriffen. Aber ich habe das Gefühl, dass wir keine besseren Antworten auf andere dringliche Fragen finden werden, bevor wir zuerst die ersten fünf aufgeschlossen und geöffnet haben und dann aufgetaucht sind und die zweiten fünf erforscht haben. In der Schlussfolgerung am Ende des Buches werde ich ein paar gute Kandidaten für die zweite Runde nennen. Und bis dahin hoffe ich, dass Sie etwas von der Begeisterung spüren, die uns erfüllt, weil etwas Neues geboren wird.

    1 Zwischen etwas Echtem und etwas Falschem

    Eine kleine Stadt in England, kurz vor neun Uhr morgens. Schöne Landschaft, teilweise wolkig, ein gelegentlicher Schauer, kühl, ein bisschen windig. Ich bin hier, um über die Herausforderungen und Chancen zu sprechen, denen Christen in diesem Augenblick der Menschheitsgeschichte gegenüberstehen – in unserer Theologie, im Leben der Ortsgemeinden, in unserem Auftrag in der Welt. Eine gemischte Gruppe aus Geistlichen und Laien kommt herein, und nach und nach nehmen alle ihre Plätze ein. Während ich durch den Raum gehe, begegne ich anglikanischen Priestern, Baptistenpastoren, charismatischen Leitern, ein paar römisch-katholischen Menschen und einigen, die sich als konfessionslos oder Ausgetretene bezeichnen. Es gibt darunter Mütter, Väter, Großväter, Theologiestudenten und Leute, die mit Jugendlichen arbeiten. Die Organisatoren machen sich ein wenig Sorgen, weil einige christliche Fundamentalisten in der Stadt Briefe an die Zeitung geschrieben und gedroht haben, vor dem Tagungszentrum gegen die Organisatoren der Veranstaltung zu demonstrieren, weil sie einen „bekannten Ketzer" eingeladen hätten, einen Vortrag in ihrer Stadt zu halten. Bis jetzt ist noch kein Demonstrant zu sehen.

    90 Minuten später, während der vormittäglichen Kaffeepause, blicke ich aus dem Fenster und sehe, wie vier besorgte Personen auf dem Parkplatz von Auto zu Auto gehen und eilig kanarienvogelgelbe Blätter hinter die Scheibenwischer klemmen. Die Flyer warnen Teilnehmer vor diesem „kontroversen religiösen Anführer, der hier sprechen wird. Er ist „gefährlich, sagen sie, und „unbiblisch". Wow, denke ich mir, als ich sehe, wie die gelben Zettel an jeder Windscheibe im Wind flatterten. Wie kann es sein, dass ein so sanfter Typ wie ich in solche Schwierigkeiten geraten ist?

    Im Tagungszentrum läuft alles wie geschmiert – eine anregende Diskussionsrunde am Ende eines jeden meiner vier Vorträge, lebhafte Gespräche beim Mittagessen und während der Pausen. Am Ende des Tages bildet sich eine Schlange mit Leuten, die mich persönlich sprechen möchten, vielleicht ein Buch signiert haben oder noch eine Frage stellen oder etwas anmerken wollen. Ein junger evangelischer Pastor ist als Erster dran: „Ich hätte meinen Beruf und den christlichen Glauben überhaupt aufgegeben, wenn nicht Ihr Buch A New Kind of Christian¹ gewesen wäre. Danke, dass Sie meinen Glauben gerettet haben. Ein Pastor mittleren Alters ist der Nächste: „Das war der geistlich erfrischendste Tag, den ich je erlebt habe. Danke für Ihren Besuch. Dann sagt eine ältere Frau: „Unser Pastor hat uns am letzten Sonntag von der Kanzel aus gewarnt, wir sollten heute nicht herkommen und Ihnen zuhören, aber meine Kinder finden Ihre Bücher so gut, dass ich trotzdem gekommen bin. Lassen Sie sich von niemandem entmutigen. Sie sagen, was wir hören müssen. Ein Rentner in weißem Hemd und Krawatte beugt sich vor und sagt: „Man hat mir schreckliche Dinge über Sie erzählt. Ich verstehe nicht, was die ganze Aufregung soll. Das war doch gut. Solide, vernünftige Gedanken.

    Während meine Gastgeber mich zu ihrem Auto begleiten, sehe ich den kanariengelben Zettel, der inzwischen nass an der Windschutzscheibe klebt. Ich ziehe ihn hinter dem Scheibenwischer hervor, und die Freude des Tages weicht einem Gefühl der Anspannung – ein Summen in meinem Kopf, ein Ziehen in meinem Herz, eine Schwere in den Gliedern. Weite im Gebäude, Enge draußen. Hoffnung im Tagungszentrum, Angst auf dem Parkplatz. Offene Herzen unter den Teilnehmern, knirschende Zähne bei unseren Kritikern. Begeisterung und Ermutigung in den Gesprächen vor fünf Minuten, Verdacht und Anschuldigungen auf dem gelben Flyer in meiner Hand. Wieder frage ich mich: Wie bin ich nur in diesen Wirbel der Meinungsverschiedenheiten geraten?

    Ich hatte nie vor, ein „kontroverser religiöser Anführer" zu werden. Als Junge liebte ich wilde Tiere und wollte entweder Zoowärter oder Förster werden. Eine Zeitlang verschlang ich Comics und träumte von einer Karriere als Comic-Autor – bis mir klar wurde, dass mein Zeichentalent bestenfalls mittelmäßig war. Wie viele andere Gitarre spielende Teenager meiner Generation träumte ich auch davon, als professioneller Liedermacher und Musiker Erfolg zu haben, aber das Leben eines Rockstars oder herumziehenden Folksängers ergab sich nie. Obwohl ich in einer konservativen evangelikalen Familie aufwuchs und in meiner Jugend mehrere eindrückliche geistliche Erlebnisse hatte, dachte ich nie daran, Missionar oder Pastor zu werden. (Ich erinnere mich noch daran, wie ich mir ein paar Tage lang vorstellte, ein Evangelist wie Billy Graham zu werden, aber das verblasste schnell.) In der Oberstufe verliebte ich mich in die Literatur, die mich schließlich auf die Idee brachte, Englischlehrer zu werden, was ich dann auch wurde. Ungefähr acht Jahre lang unterrichtete ich an einem College.

    Zwischendurch hatte ich kurz überlegt, Geistlicher in der Episkopalkirche zu werden, und mit meiner damaligen Verlobten Witze darüber gemacht, wie es wohl wäre, wenn sie ihren römisch-katholischen Verwandten erzählt, dass sie einen anglikanischen Priester heiraten will. Aber an dem Freitagnachmittag vor dem Wochenende, an dem ich an einem Seminar zur Klärung meiner Berufung teilnehmen sollte, um mit dem Bischof über ein mögliches Theologiestudium zu sprechen, bekam ich kalte Füße. Ich liebe Gott, und ich möchte Gott dienen und Menschen in ihrem Glauben helfen, überlegte ich mir, aber ich habe nicht den Eindruck, dass ich für die religiöse Bürokratie und Politik besonders geeignet bin, und die sind nun einmal unausweichlicher Teil des Lebens als Hauptamtlicher. Ich glaube, ich kann der geistlichen Sache besser außerhalb der institutionellen Kirche dienen als in ihr. Also wurde ich Lehrer und es erfüllte mich sehr, meinen Glauben in der Umgebung einer säkularen Universität auszuleben.

    Während ich unterrichtete und nebenbei meinen Magisterabschluss machte, fingen meine Frau und ich mit einer kleinen wöchentlichen Gruppe an: Jeden Donnerstag gab es einen Topf Suppe und frisch gebackenes Brot und gute Gespräche über Lebens- und Glaubensfragen. Das Abendessen wandelte sich zu einer andauernden Gemeinschaft mit Bibelarbeiten, ein paar Liedern zur Gitarre, Gebeten und viel Zeit am Ende, um einfach zusammen zu sein und sich zu unterhalten. Irgendwann erwuchs aus dieser Gruppe eine kleine, konfessionsübergreifende Gemeinde, zu deren ehrenamtlichen Leitern ich gehörte. Einige Jahre später fing unser Leitungskreis an, darüber zu reden, dass wir einen hauptamtlichen Pastor brauchten. Ich war die naheliegende Person für diesen Job: Ich war es gewohnt zu lehren, ich kannte die Mitglieder, und da ich schon jetzt mit einem bescheidenen Lehrergehalt auskam, würde es für die kleine Gemeinde nicht so schwierig sein, eine entsprechende Summe aufzubringen, also war ich gewissermaßen ein Schnäppchen.

    Ich fragte meine Frau Grace, was sie von der Idee hielt. „Na ja, sagte sie und streckte nacheinander vier Finger in die Höhe. „Du bist schon Vollzeit-Ehemann, Vollzeit-Vater, Vollzeit-Englischlehrer und Teilzeit-Gemeindeleiter. Ich glaube nicht, dass du das durchhalten kannst. Ich vermute mal, dass du auf lange Sicht nur drei von diesen Jobs machen kannst, ohne dabei auf der Strecke zu bleiben. Dann fügte sie hinzu: „Das bedeutet, dass du einen aufgeben musst. Du hast die Wahl." So kam es also zu meiner Berufung als Pastor, jedenfalls, soweit ich mich erinnere.

    Ungefähr zu dieser Zeit las ich ein Buch, das in Form von Statistiken belegte, was ich jeden Tag an meiner Universität erlebt hatte: Die Kirche verlöre den Draht zu „normalen Menschen".² Die Prediger hätten vergessen, wie man ihre Sprache spricht. Die Pastoren verstünden die Fragen, Zweifel und Bedenken dieser Menschen nicht mehr. Die Leiter könnten nur mit den eigenen Schäfchen etwas anfangen und beschäftigten sich mit institutioneller Instandhaltung. Ungefähr vierzig Prozent aller Amerikaner, so erklärte das Buch, gingen regelmäßig in die Kirche und sechzig Prozent nicht, aber die erste Zahl schrumpfe und die zweite wachse. Wenn man mit den Leuten spreche, die bei einer Billy-Graham-Evangelisation nach vorne gehen, um „zum ersten Mal ihr Leben Jesus zu übergeben oder die auf eine evangelistische Einladung hin eine Art „Sündergebet sprechen, stelle man fest, dass mehr als neunzig Prozent von ihnen bereits ihr ganzes Leben lang in die Kirche gehen. Das bedeutet, dass mehr als 90 Prozent der sogenannten „frisch Bekehrten bereits in der Herde sind und weniger als zehn Prozent aus der kirchenfernen Mehrheit stammen. Offenbar werden hier Baptisten zu Pfingstlern und Katholiken zu Anglikanern und so weiter – aber es kommen erstaunlich wenige „Kirchenferne oder „Suchende" in Kontakt mit der Kirche.

    Das Buch passte zu meinem eigenen Gefühl der Berufung. Und als ich hauptamtlicher Pastor wurde, wollte ich die Mehrzahl der Menschen außerhalb der Kirche, die spirituell auf der Suche waren, nicht vergessen. Ich wollte sicher sein, dass alles, was wir sagten und taten, für sie so leicht zugänglich war wie nur möglich, so dass sie das Gute an der christlichen Guten Nachricht entdecken konnten. Wenn die Kirche keine isolierte kleine Enklave werden wollte, die nur mit ihren eigenen Leuten sprechen kann, mussten wir Menschen aus der kirchenfernen Mehrheit willkommen heißen – mit all ihren Fragen, Unsicherheiten, mit ihrer Skepsis und Ehrlichkeit –, und dafür mussten wir ihnen erst einmal zuhören, ohne zu bewerten, und sie verstehen, ohne sie zu verurteilen.

    Mit der Zeit gelang es uns, eine Art sicheren Raum in unserer kleinen Gemeinde zu schaffen, und viele Menschen kamen auf ihrer geistlichen Suche zu uns. Da wir in der Nähe mehrerer Universitäten und Forschungseinrichtungen wie der NASA lebten, hatten viele dieser Suchenden einen sehr hohen Bildungsgrad. Und da wir außerdem in einem von großen wirtschaftlichen und sozialen Unterschieden geprägten Vorort von Washington lebten, hatten wir auch eine Menge arme Leute in der Umgebung, und mit der Zeit entwickelten wir einen Ruf als Kirche, die „Drogenabhängige akzeptierte und in der kaputte Typen willkommen waren. Ich hörte öfter, wie jemand vor oder nach dem Gottesdienst zu einem anderen sagte: „Ich erkenne dich. Wir waren zusammen im Entzug, weißt du noch?

    Ich habe damals gerne gesagt, dass unsere Gemeinde eine von den wenigen sei, wo man auf der einen Seite neben einem Akademiker und auf der anderen neben einem Hilfsarbeiter sitzen konnte. Was alle Suchenden – ob mit Doktortitel oder arbeitslos – gemeinsam haben, ist eine Abneigung gegen religiöse Heuchelei, um es vornehm zu sagen. Also hatte ich das Vergnügen, mit Menschen zu arbeiten, die eine klare Sprache sprachen und keine Angst hatten, mir zu sagen, was sie dachten.

    Manchmal war das ehrliche Feedback unserer Suchenden nicht gerade positiv. Menschen kamen einige Wochen oder Monate lang zu unsere Veranstaltungen, hörten aufmerksam zu und kamen dann mit ihren Fragen zu mir. Normalerweise sagten sie etwas wie: „Ich höre mir jetzt seit sechs Monaten Ihre Predigten an, und eine Menge von dem, was Sie sagen, gefällt mir. Aber ein paar von den Lehren bleiben mir echt im Hals stecken. Das kann ich so nicht schlucken. Dann stellten sie mir ihre Fragen und ich versuchte sie zu beantworten, so gut ich konnte, aber oft fühlte ich mich leer, wenn sie gingen. Wenn sie mir meine Antworten „abkauften, war ich merkwürdig enttäuscht. Wenn sie Widerstand leisteten und mir sagten, meine Antworten ergäben in ihren Augen immer noch keinen Sinn, dachte ich: Recht hast du, denn ein paar davon ergeben in meinen Augen eigentlich auch keinen rechten Sinn.

    Also verließen jede Woche Menschen, die geistlich auf der Suche waren, mein Büro mit den besten Antworten, die ich ihnen geben konnte, und ich blieb mit ihren besten Fragen zurück. Und schon bald wurden ihre Fragen auch zu meinen Fragen. Allmählich floss dieses Reservoir unbeantworteter Fragen und unbefriedigender Antworten über in eine Art geistliche Krise, die mich drängte, mich auf die Suche zu begeben: eine Suche nach Ehrlichkeit, nach Authentizität und nach einem Glauben, der mir und anderen mehr einleuchtete. Mehrere Jahre lang schien sich meine Theologie mit jedem Monat, der verging, mehr und mehr aufzulösen. Ich hatte Angst, dass bald gar nichts mehr davon übrig sein würde – was in jedem Fall beunruhigend ist, aber vor allem dann, wenn man als Pastor seinen Lebensunterhalt verdient. Ich weiß noch, dass ich in dieser Zeit lange Spaziergänge machte, betete, nachdachte und mich fragte, was passieren würde, wenn ich niemals bessere Antworten fände. Mir fiel niemand ein, mit dem ich meine tiefe Qual teilen konnte. Es war eine Angst einflößende und schwere Zeit.

    Meine Enttäuschung wurde noch verstärkt durch das, was in den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts unter Amerikas Christen geschah. Ein großer Teil sowohl protestantischer als auch katholischer Anführer hatte sich einer neokonservativen politischen Ideologie angeschlossen und verkündete, was sie „konservative Familienwerte" nannten, während sie die Werte einer biblischen Gemeinschaft minimierten. Sie unterstützten Kriege ihrer Wahl, verteidigten Folter, widersetzten sich dem Umweltschutz und schienen es wichtiger zu finden, die Reichen vor Steuern zu beschützen als die Armen von ihrer Armut zu befreien oder die Minderheiten vom Rassismus. Sie waren gegen eine starke Regierung, als wäre eine starke gleichbedeutend mit einer schlechten, aber andererseits schienen ihnen ein starkes Militär und eine starke Wirtschaft von Natur aus gut zu sein. Sie wollten das ungeborene Leben im Mutterleib schützen, aber scherten sich offenbar nicht um das geborene Leben in den Slums oder Gefängnissen oder in Ländern, die sie als Feinde betrachteten. Sie bezeichneten homosexuelle Menschen als Bedrohung für die Ehe und waren blind für die Ironie, dass heterosexuelle Menschen mit atemberaubender Geschwindigkeit die Ehe beschädigten, ohne dass sie dafür die Hilfe von schwulen Paaren brauchten. Sie stuften Frauen immer wieder auf Zweite-Klasse-Niveau herunter, während sie oft ihre Brüder in Schutz nahmen, wenn diese in Skandale verwickelt waren oder Verbrechen begingen. Sie benutzten ihre Interpretation der Bibel, um die Regierung von Israel vorzuziehen und die Palästinenser an den Rand zu drängen, und selbst vor dem 11. September 2001 hatte ich Angst, dass durch ihren Einfluss Muslime zu den neuen Sündenböcken gemacht werden würden, zur Zielscheibe einer beunruhigenden Art religiös inspirierter Bigotterie.

    Ihre Schärfe und Selektion bei der Auswahl von Themen und Prioritäten ärgerte mich zunächst, dann deprimierte sie mich und schließlich machte sie mich wütend. Sie hatten eine mächtige und wohlhabende heimliche Vorherrschaft erschaffen, um Kämpfer in ihrem „Kulturkrieg" zu mobilisieren. Ich fing an, das neue religiöse Establishment, das sie geschaffen hatten, als Radio-Rechtgläubigkeit zu bezeichnen, weil sie ihre Botschaft durch religiöse Rundfunk- und Fernsehprogramme verbreiteten. Ich hatte das Gefühl, dass sie den Weg Jesu in einen Club der Pharisäer verwandelt hatten, und sie sprachen nicht für mich, obwohl ihre Sprecher jeden Abend im Fernsehen das Gespräch dominierten. Ich bekam auch den Eindruck, dass die Begriffe „evangelikal und sogar „christlich durch das tatkräftige, aber irregeführte Wirken dieser Leute zu einer verrufenen Marke geworden waren. Ich verstand immer besser, warum zunehmend mehr von meinen Freunden zusammenzuckten, wenn der Name „Jesus" in der Öffentlichkeit fiel: nicht aus mangelndem Respekt vor Jesus, sondern aus mangelndem Respekt vor denen, die seinen Namen am häufigsten gebrauchten. Trotz alledem hatten nur wenige meiner Pastorenkollegen und Kirchenleiter den Mut, den Mund aufzumachen, weil sie Angst hatten, Mitglieder oder deren Spenden zu verlieren. Eine Zeit lang, muss ich bekennen, gehörte ich auch zu dieser schweigenden Gruppe.

    Jeden Morgen wachte ich in der brutalen Spannung zwischen etwas Echtem und etwas Falschem im christlichen Glauben auf. Das Gefühl, dass etwas an ihm echt war, hielt mich in meinem Dienst und meinem Glauben fest; das Gefühl, dass etwas ganz und gar falsch lief, ließ mich nach einem Ausweg suchen. Irgendwie klammerte ich mich durch Gottes Gnade lange genug an dem Echten fest, um herauszufinden, was das Falsche sein könnte. Und schließlich hatte ich auch eine Vorstellung davon, was ich tun musste, um das eine vom anderen zu trennen, damit ich an dem Echten festhalten und mich von dem anderen trennen konnte.

    Es war jedoch ein mühsamer Prozess – zwei Schritte vor und einer zurück, wie es schien. Ungefähr fünf Jahre lang hatte ich das Gefühl, dass ich in einem immer tiefer werdenden Durcheinander theologischer Fragmente stand. Meine Spiritualität war intakt – weil ich lernte, dass es einen Glauben gibt, der tiefer ist als reine Überzeugungen –, aber mein Glaubenssystem lag in Trümmern. Stück für Stück begann sich jedoch ein neuer Zusammenhang herauszukristallisieren. Dieser Zusammenhang war mehr eine neue Art zu glauben und weniger ein neu errichtetes System von Glaubenssätzen – und ich fühlte mich genötigt, das, was ich lernte und erlebte, mit anderen zu teilen. Also fing ich an zu schreiben, und aus der Zeit dieses theologischen Kollapses und der geistlichen Erneuerung nahm mein erstes Buch Gestalt an, The Church on the Other Side (Die Kirche auf der anderen Seite, Zondervan, 1998).

    „Die andere Seite sprach von dem, was ich „den postmodernen Übergang nannte. Auf der vergangenen Seite des Übergangs, in der Moderne, wurden beinahe alle amerikanischen protestantischen Konfessionen geprägt. Sie waren institutionelle Kinder der Ära von Sir Isaac Newton, von Eroberern und Kolonialismus, von Aufklärung, Nationalismus und Kapitalismus. Jede Denomination erklärte sich das Christentum innerhalb der Grenzen und Schubladen der Moderne. Man könnte sagen, sie schrieben und ordneten die antiken „Daten" der Christenheit in einem modernen Programm neu, programmierten Sprache, Paradigma oder Bezugssystem.

    Aber auf der zukünftigen Seite des Übergangs wich das moderne Paradigma mit seinen absoluten naturwissenschaftlichen Gesetzen, dem Individualismus der Verbraucher und der rationalen Gewissheit einem postmodernen

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