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Kinder fotografieren: Der Leitfaden für 100%ig authentische Porträts

Kinder fotografieren: Der Leitfaden für 100%ig authentische Porträts

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Kinder fotografieren: Der Leitfaden für 100%ig authentische Porträts

Länge:
554 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 27, 2014
ISBN:
9783864915284
Format:
Buch

Beschreibung

Mit diesem Buch lernen Sie, authentische Porträts von Kindern zu fotografieren. Sie lernen Fotos zu machen, die jenseits von Klischees das Wesen und die Persönlichkeit der Kinder zeigen. Ob als Einzelporträt, mit Lieblingsspielzeug oder -tier, in Interaktion
mit den Geschwistern oder der ganzen Familie.

Doch Kinder sind anspruchsvolle Models. Für ein erfolgreiches Shooting müssen Sie neben Ihrem fotografischen Handwerkszeug und sorgfältiger Planung auch Improvisationsvermögen, Schnelligkeit und Entertainer-Qualitäten mitbringen. Hier helfen
Ihnen im ersten Teil die kleine Kindercharakter-Typologie und die Liste der häufigsten Fehler, sich auch auf schwierige Kandidaten vorzubereiten.

Der zweite Teil zeigt Ihnen ausführlich, wie Sie beim Shooting im Studio oder vor Ort Kinder ins rechte Licht setzen. Die Autorin stellt Ihnen neben den Grundlagen detailliert einige Lichtarten und Beleuchtungssituationen vor. Sie erlernen dabei das
genaue Arbeiten mit verschiedenen Lichtquellen und -Formern sowie Techniken etwa zum Erreichen eines weißen Hintergrundes.

Der dritte Teil widmet sich der Durchführung des Shootings: welche Kleidung & Requisiten werden benötigt, wie schaffen Sie die nötige Atmosphäre, welche Posen und Blickwinkel eignen sich, wie organisieren und managen Sie das Shooting - auch wenn
die Kinder (und Eltern) gestresst sind? Zwei Shooting-Beispiele zeigen, wie das bis hierher Beschriebenein der Praxis funktioniert.

Der vierte Teil schließt mit den fertigen Bildern und ihrer Übergabe an den Kunden - mit Beratung bei der Auswahl und einer angemessen wertigen Präsentation.
Herausgeber:
Freigegeben:
May 27, 2014
ISBN:
9783864915284
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Kinder fotografieren - Allison Tyler Jones

Index

Vorwort

Das Heilmittel gegen Langeweile ist Neugier. Gegen Neugier gibt es kein Heilmittel. —Dorothy Parker

ISO 100, 1/200 s, f/11, 70–200 mm-Objektiv

Vor ein paar Jahren stand ich vor einer Gruppe äußerst begabter Fotografen aus der ganzen Welt. Wir nahmen an einem Workshop teil, der von zwei berühmten New Yorker Fotografen geleitet wurde, deren Arbeiten regelmäßig in Vanity Fair und Vogue sowie in den Schaufenstern von Ketten wie Gap zu sehen sind. Jeder Teilnehmer sollte der Gruppe und den Seminarleitern seine zehn Lieblingsbilder zeigen. Mitten in meiner Präsentation unterbrach mich Mr. Vanity Fair-Fotograf und sagte: »Nun ja, ich muss Ihnen ehrlich gestehen: Ich könnte niemals Kinder fotografieren.«

Wer die Kinderfotografie als Betätigungsfeld gewählt hat, ist möglicherweise ein bisschen verrückt. Wenn Sie selbst Kinder haben, ist es nur natürlich, dass Sie einige Fotos von ihnen haben möchten. Was ist aber mit uns, die wir gerne fremde Kinder fotografieren? Wir haben es uns zum Beruf gemacht, irre Grimassen zu schneiden, uns auf dem Boden herumzuwälzen und wie ein Schwein zu grunzen, nur um einem griesgrämigen Kleinkind den gewünschten Ausdruck zu entlocken. Gibt es denn keine einfachere Möglichkeit, sein Geld zu verdienen?

Vielleicht sind wir selbst noch nicht erwachsen und genießen es schlichtweg, unter »unseresgleichen« zu sein. Vielleicht ist momentan einfach trendy, ein Kinderfotograf zu sein – und warum nicht? Sie müssen sich nur eine gute Kamera und Photoshop kaufen, nicht wahr? Oder vielleicht haben wir erkannt, wie überraschend und magisch es sein kann, Bilder von jungen Menschen zu machen, die noch keine soziale Maske entwickelt haben – und die Offenheit und das Wunder, ein Kind zu sein, einzufangen.

Dieses Buch habe ich für Fotografen geschrieben, die besser werden möchten, die die Herausforderungen des natürlichen Lichts gemeistert haben und nun einen Blick auf die furchteinflößende Welt der Studiobeleuchtung werfen möchten, für Fotografen, die neugierig sind, kontinuierlich lernen und ihre Kunst und die Zusammenarbeit mit ihren Models verbessern möchten.

Es gibt gefühlte zigtausend Bücher auf dem Markt, die sich mit der Technik der Fotografie beschäftigen. Die meisten davon zeigen diese Technik anhand von langbeinigen Models, Profisportlern oder schmuddeligen Rockmusikern – alles vermutlich wohlerzogene Erwachsene, die stillsitzen und Regieanweisungen folgen können. Ich liebe diese Bücher und die Techniken, die darin vermittelt werden; wie soll ich aber ein durch Süßigkeiten aufgeputschtes Kleinkind mit einem Beauty-Dish beleuchten? Wie um alles in der Welt erreiche ich einen Beleuchtungskontrast von 3:1, wenn das Kind noch nicht einmal an einer Stelle bleibt, geschweige denn in die Kamera sieht? Und es sind nicht nur die Kinder, die eine Herausforderung darstellen. Ich bezweifle, dass die Mutter des langbeinigen Supermodels hinter dem Fotografen steht und ruft: »Lächeln, Schatz!«

Also konzentriert sich dieses Buch nicht auf allgemeine Beleuchtungstipps und -techniken, sondern ganz speziell darauf, wie Sie Kinder beleuchten, fotografieren und mit ihnen umgehen. Das Ziel besteht darin, ein authentisches Bild des jeweiligen Kindes einzufangen.

Sie lernen den Umgang mit Slave-Blitzen sowohl im Studio als auch vor Ort, erfahren, dass Sie keinen LKW voller Beleuchtungsausrüstung brauchen, um interessante Porträts zu schaffen, und dass in den meisten Fällen ein einziges Licht ausreicht.

Sie entdecken Methoden, die Ihnen das Selbstvertrauen geben, mit schwierigen Kindern und schwierigen Eltern umzugehen – Methoden, die ich jeden Tag in meinem Fotostudio nutze, um mit Erwartungen umzugehen und die gewünschte Aufnahme in den Kasten zu bekommen.

Sie erlernen die erprobten (und leicht seltsamen) Tricks, mittels derer ich meinen Models zu einem authentischen Ausdruck verhelfe, und Sie nehmen auch praktische Tipps mit, wie Sie die Kinder stylen und posieren lassen und wie Sie Regie führen. Jede Technik und jeder Tipp in diesem Buch dient einzig und allein dem Zweck, schön beleuchtete, aussagekräftige Bilder von Kindern zu fotografieren.

Was Sie in diesem Buch nicht finden werden, sind komplizierte Schaubilder und Kontrastverhältnisse. Es gibt kaum Rechenformeln. Sie werden auch erstaunlich wenig Photoshop-Anleitungen finden. Scott Kelby beispielsweise hat gute Photoshop-Bücher geschrieben; lesen Sie diese.

Ich möchte mit diesem Buch andere tapfere Fotografen ermutigen, die sich auf dem Weg in den Irrsinn und die Freuden der Kinderfotografie befinden. Ich möchte Sie ermutigen, Ihren inneren Künstler zu motivieren und neu zu überdenken, wie Sie auf Ihre jungen Models zugehen. Ich möchte Sie inspirieren, neue Techniken zu lernen oder bereits Bekanntes zu verfeinern. Gehen Sie über das Übliche und Risikolose hinaus. Sie werden dabei ein paar große Fehler begehen; aber am Schluss werden Sie Ihre besten Bilder überhaupt machen.

TEIL 1

VISION

1

Fangen Sie beim Kind an

Ältere Dame: Sie haben aber ein hübsches Kind. Mutter: Das ist noch gar nichts, sie sollten erst mal sein Foto sehen. —Anonym

ISO 200, 1/200 s., f/8, 70–200-mm-Objektiv

Natürlich sollte ein Buch über Kinderfotografie »beim Kind anfangen« – aber wie viele Kinderfotos haben Sie schon gesehen, die sich auf alles andere konzentrieren als auf das Kind? Stattdessen steht auf vielen Bildern ein auf schäbig gemachtes Ambiente, ein Sofa im Kornfeld oder ein riesiges Ballettröckchen im Mittelpunkt. All das mag lustig und trendy sein, aber was hat es mit dem porträtierten Kind zu tun?

In diesem Kapitel möchte ich Sie ermuntern zu hinterfragen, wie Sie auf die Kinder zugehen, die Sie fotografieren möchten. Ich ermutige Sie, sich Zeit zu nehmen für das, was in Ihrem Kopf passiert, und Ihre Arbeit zu hinterfragen. Wie gelangen Sie zu interessanteren, persönlicheren, humorvolleren und authentischeren Bildern?

Porträts statt Schnappschüsse

Es genügt nicht, einfach eine getreue Abbildung eines Kindes aufzunehmen. Das bietet jeder simple Schnappschuss. Ein Schnappschuss vermittelt einfach, wen oder was Sie wann und wo fotografiert haben. Ein Porträt bietet hingegen eine umfassendere Aussage über die abgebildete Person. Sehen Sie sich zur Veranschaulichung das Foto in Abbildung 1.1 an. Es zeigt ein kleines Mädchen mit seinen Eltern auf der Terrasse. Wenn Sie diese Familie kennen, dann lautet die Bildaussage für Sie die Familie Giles auf ihrer Terrasse. Mama wird das Foto lieben, Oma ebenfalls. Sicherlich gehört es zu unseren Aufgaben als Fotograf, ein schnörkelloses Bild unserer Kunden aufzunehmen. Aber gehört zur Kunst der Fotografie nicht noch etwas mehr? Statt einfach nur ein Foto von einem bestimmten Kind zu schießen, könnten Sie das Kind doch auch so porträtieren, dass es auch jemandem, der das Kind nicht kennt, eine Aussage vermittelt oder Emotionen weckt? Genau dadurch unterscheidet sich ein Schnappschuss von einem Porträt.

Möchten Sie Gefühle wecken, reicht ein einfacher Schnappschuss nicht. Sie müssen gründlicher nachdenken und Sie müssen beim Kind anfangen. Wer ist dieses Kind überhaupt, was wissen Sie über seine Persönlichkeit? Wie können Sie diese Information im zweidimensionalen Medium der Fotografie darstellen? Sobald Sie sich dessen bewusst sind, können Sie all Ihr technisches Wissen ausspielen und Ihre fotografischen Werkzeuge für ein einzigartiges Porträt des Kindes nutzen.

Das kleine Mädchen in Abbildung 1.1 ist ein Einzelkind und das Familienleben dreht sich ganz um sie. Sie ist niedlich und herzig und doch hat sie ihre Familie voll im Griff. Abbildung 1.2 zeigt dasselbe kleine Mädchen, dieselben Eltern und dieselbe Terrasse. Dieses Bild spricht nicht nur nahestehende Familienmitglieder an, sondern richtet sich an ein größeres Publikum und lotet allgemeinere Themen aus – etwa die Liebe zwischen Familienmitgliedern und ein kleines Mädchen, das für seine Eltern den Mittelpunkt der Welt darstellt. Die Eltern sehen sich an, als würden sie denken: »Oh hallo, dich kenne ich doch!«, und damit wird ein Familiengefühl ausgedrückt, das die meisten Partner während der ersten intensiven Elternjahre miteinander teilen. Dies ist ein Porträt und kein Schnappschuss.

Was sind Ihre Ziele?

Ihre Aufgabe als Fotograf ist möglicherweise eine andere, als Sie denken. Wenn Sie gefragt werden: »Was möchten Sie als Fotograf erreichen?«, dann gibt es ebenso viele und ebenso unterschiedliche Antworten wie

Abb. 1.1 Ein Schnappschuss von einem Mädchen und seinen Eltern – normal, aber langweilig. Sie können das besser (links).

ISO 400, 1/200 s, f/2.8, 70–200mm-Objektiv

Abb. 1.2 Ein Porträt desselben kleinen Mädchens und seiner Eltern. Dieses Bild vermittelt allerdings mehr als die Summe seiner Teile (unten).

ISO 400, 1/200 s, f/2.8, 70–200 mm-Objektiv

Fotografen: »Meiner Leidenschaft nachgehen.« »Geld verdienen.« »Mich selbst ausdrücken.« »Berühmt sein.« All das könnte das Ergebnis der richtigen Absicht sein, nämlich eine Empfindung oder ein Gefühl beim Betrachter zu wecken, ungeachtet dessen, ob der Betrachter die Person(en) im Bild kennt oder nicht. Beides wird geweckt, wenn der Betrachter auf etwas Universelles in diesem Bild reagiert – er erkennt etwas Authentisches, das in Verbindung mit einer allgemein bekannten menschlichen Erfahrung steht.

Am besten lässt es sich so erklären: Ein solches Bild ruft übergeordnete Ideen in Ihrem Gehirn auf. Wenn Sie Abbildung 1.3 betrachten, sehen Sie einfach ein typisches Foto von Emily, Olivia und Sarah beim Tennisunterricht. Abbildung 1.4 hingegen entlockt Ihnen ein Lächeln, weil Sie damit allgemeinere Motive verbinden, etwa Freundschaft, Frauen beim Training, Geheimnisse und so weiter. Dieses Bild kann auf unterschiedliche Weise interpretiert werden.

Wecken Sie Empfindungen oder Gefühle beim Betrachter.

Abb. 1.3 Süße Mädchen bei einer Tennisstunde. Diese Art von Foto könnten Mama oder Papa arrangieren und aufnehmen (rechts).

ISO 100, 1/200 s, f/13, 70–200 mm-Objektiv

Abb. 1.4 Versuchen Sie, ein erzählerischen Element einzubringen. So erhalten Sie Bilder, die ein breiteres Publikum ansprechen und die mehr aussagen als nur, wer auf dem Foto zu sehen ist (gegenüberliegende Seite).

ISO 100, 1/200 s, f/13, 70–200 mm-Objektiv

Abb. 1.5 Dieses Kind durfte seine Lieblingssachen mitbringen. So entsteht ein authentisches Porträt (gegenüberliegende Seite).

ISO 100, 1/200 s, f/11, 70–200 mm-Objektiv

Mehr als nur das Offensichtliche

Können Sie ein authentisches Foto machen, das zugleich mehr aussagt als ein Schnappschuss, auch wenn dem Kind die Gegenwart der Kamera bewusst ist? Natürlich geht das; und hier kommt neben Ihrem Verständnis für das fotografierte Kind auch Ihr technisches Wissen ins Spiel. Sie legen alle Elemente fest und porträtieren das Kind auf authentische Art und Weise. Sie wählen Beleuchtung, Kamerawinkel und Pose und entscheiden, welche Anweisungen Sie geben. Fragen Sie sich dann, was Sie über dieses Kind aussagen möchten. Möchten Sie den süßen Jungen mit seinem Engelsgesicht zur Geltung bringen oder zeigen, wie versessen er auf sein momentanes Lieblingsspielzeug ist (Abbildung 1.5)? Sie müssen Zeit investieren und genau nachdenken, um sich mit jedem Kind sorgfältig auseinanderzusetzen. Ihre Bilder spiegeln diese Sorgfalt und Überlegung beim Entstehungsprozess dann aber auch wider.

Das authentische Kind

Vor Jahren beauftragte mich eine Kundin namens Debbie, ihre beiden kleinen Töchter zu fotografieren. Die eine war damals vier, die andere sechs Jahre alt. Auf der Suche nach der perfekten Kleidung kam Debbie aus dem Einkaufen gar nicht mehr heraus. Zum Fototermin erschienen die Mädchen dann in makellosen, weißen Kleidchen, die Haare zu strengen, perfekten Zöpfen frisiert und mit saubergeschrubbten Gesichtern. Ich machte niedliche Aufnahmen und alle waren glücklich.

Eine Woche später kam Debbie mit ihren Mädels im Schlepptau an, um sich die Probeabzüge anzusehen. Das ältere Mädchen trug eine Latzhose mit Eisflecken und darüber noch ein Ballettröckchen, in ihren Ohren steckten iPod-Knöpfe und auf der Nase saß Mamas Sonnenbrille. Die kleine Schwester hatte sich am Morgen selbst die Nägel lackiert (und die Finger größtenteils gleich mit) und ihre Zöpfchen saßen ungleichmäßig und strubbelig auf ihrem Kopf. Sie umklammerte eine Barbiesammlung und versuchte dabei, eine abgewetzte glitzernde Handtasche auf ihrer kleinen Schulter zu behalten. Debbie entschuldigte sich für den unordentlichen Auftritt; sie hatte morgens keine Zeit gehabt, die Mädchen zurechtzumachen. Ich war am Boden zerstört und jammerte: »Warum haben Sie sie nicht so zum Fototermin gebracht?«

»Das kann nicht Ihr Ernst sein!« entgegnete Debbie. »So sehen sie immer aus, wenn ich sie nicht selbst herrichte!«

Ich weiß, was alle Mütter älterer Kinder wissen: Eines Tages werden die Mädchen zu alt für ihre Barbies und Kleidchen und fragen nach dem Autoschlüssel. Bei der genannten Familie hängt jetzt ein schönes, niedliches Porträt zweier Schwestern von vier und sechs Jahren in ihren weißen Kleidchen. Hübsch. Niedlich. Langweilig. Das war nicht das, was ich wollte. Und da habe ich meine wahre Leidenschaft erkannt, das Authentische an Kindern zu fotografieren. Gut, böse oder hässlich – solange es authentisch ist, möchte ich genau das porträtieren.

Betrachten Sie das nette und süße Porträt des kleinen Mädchens in Abbildung 1.6. Wie die kleinen Mädchen aus meiner letzten Geschichte ist sie hübsch angezogen und posiert bereitwillig für mich. Vergleichen Sie das Foto mit Abbildung 1.7, der letzten Aufnahme ihres Fototermins. Dieses Bild entstand, nachdem sie sich bereits wieder für den Heimweg umgezogen hatte. Sie hatte zwei Röcke angezogen (weil einer eben nicht genügt) und dazu noch ihre Ugg-Boots. Sie griff sich Mamas alte Handtasche (jetzt ihre) und ihre eigene Ray-Ban-Sonnenbrille. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits etwas Saft auf ihr Tank-Top gekleckert und war bereit für den Abmarsch.

Ich lege niemals die Kamera weg, bevor der Kunde nicht aus der Tür ist.

Abb. 1.6 Ein süßes, aber vorhersehbares Porträt eines niedlichen kleinen Mädchens.

ISO 100, 1/200 s, f/8, 70–200 mm-Objektiv

Aber ich habe eine sehr wichtige Lektion gelernt: Ich lege niemals die Kamera weg, bevor der Kunde nicht aus der Tür ist. Ich brachte sie für ein, zwei schnelle Aufnahmen zurück ans Set und schaltete den Ventilator ein. Dieses Bild habe ich als 20-Meter-Leinwand in meinem Büro aufgehängt. Es soll mir als Ansporn dienen, stets aufs Neue auf 100 % authentische Kinderfotos hinzuarbeiten.

Abb. 1.7 Halten Sie vor allem am Ende des Fototermins Ihre Kamera bereit und bleiben Sie aufmerksam. Beim Umziehen für den Heimweg stellte sich dieses kleine Mädchen seine eigene Kombination aus Kleidung und Accessoires zusammen, die zu 100 % ihm entsprach (gegenüberliegende Seite).

ISO 100, 1/200 s, f/11, 70–200 mm-Objektiv

2

Wappnen Sie sich

Arbeite niemals mit Kindern oder Tieren. —W.C. Fields

ISO 100, 1/250 s, f/10, 70–200 mm-Objektiv

Sprechen Sie sie direkt an und nicht von oben herab. Immer.

Wenn Sie Ihre Tage damit zubringen wollen, Kinder zu fotografieren, sollten Sie halb Zirkusclown, halb Psychotherapeut sein. Ihre Arbeit wird einfacher, wenn Sie genug Zeit einplanen, sich in jedes Kind hineinzuversetzen und seine Persönlichkeit zu erfassen.

Dieses Kapitel zeigt, wie Sie herausfinden, was in den Kindern steckt, und bereitet Sie auf einige Persönlichkeitstypen vor, die Ihnen begegnen werden. Und Sie erfahren, wie Alter und Entwicklungsphasen das Verhalten beeinflussen können und wie Sie damit umgehen.

Die Basis schaffen

Es hat seinen Grund, warum ich keine Landschaften oder Stillleben fotografiere: Ich muss zu meinem Motiv eine Beziehung aufbauen können. Der schönste Teil jeden Shootings ist für mich die Zeit, in der ich Kontakt zu den Kindern aufbaue. Ich beschleunige den Aufbau der Beziehung erheblich, indem ich einige wichtige Informationen über das Kind sammle, bevor es zum ersten Mal mein Studio betritt.

Für mich ist es am einfachsten, mich vor dem Fototermin mit den Eltern zu treffen, um Informationen zu sammeln.

Das Kunden-Interview

Das Vorgespräch ist entscheidend für den Erfolg eines jeden Shootings. Tatsächlich vereinbare ich keinen Fototermin ohne vorhergehendes Gespräch. Ob telefonisch oder persönlich – das ist die Gelegenheit, bei der ich von Mama oder Papa das Wesentliche über die Kinder erfahre, die ich fotografieren werde. Ich möchte wissen, was die Kinder mögen, was sie hassen und was sie für eine Persönlichkeit haben. Da an den meisten meiner Shootings mehrere Kinder einer Familie beteiligt sind, frage ich die Eltern nach Informationen zu jedem Kind und nach den Beziehungen der Geschwister zueinander.

Das Kunden-Interview bricht das Eis und ermöglicht ein erstes Kennenlernen. Mama und Papa müssen entscheiden, ob ich ihnen so sympathisch bin, dass sie mich für das Fotografieren ihrer Kinder bezahlen wollen. Und ich muss sichergehen, dass die Kunden verstehen, wie ich arbeite und was ich von Ihnen während des Fototermins erwarte, sodass es dabei keine Überraschungen gibt.

Ich habe einen Fragebogen entwickelt, den ich immer verwende. Neben der Frage nach Name und Alter der Kinder erkundige ich mich nach bestimmten Dingen wie:

• Was mögen sie gerade? (irgendwelche Besessenheiten?)

• Wer ist das Girlie (oder der Wildfang)? Wer ist der Sportler oder der Bücherwurm?

• Wer ist der Frechdachs?

• Wer ist der Liebling?

• Was möchten sie werden, wenn sie groß sind?

• Was ist einzigartig an jedem Kind?

• Mit welchem Geschwisterteil kommt er/sie am besten/am wenigsten aus?

• Gibt es irgendwelche körperlichen Merkmale, die besonders sind oder die Sie hervorgehoben haben möchten?

• Farbe der Haare, der Augen, der Haut?

• Dürfen sie Süßigkeiten bekommen?

• Gibt es ein Spielzeug/ein Deckchen/einen Gegenstand, der/das ihnen besonders am Herzen liegt?

• Was denken Sie, welche Schwierigkeiten mich bei der Arbeit mit diesem Kind erwarten?

• Welches ist die beste Eigenschaft des Kindes?

• Irgendwelche besonderen Eigenarten? (Daumennuckeln? Haare zwirbeln? Grimassen schneiden?)

Respekt zahlt sich aus

Behandeln Sie Kinder prinzipiell mit demselben Respekt und derselben Rücksicht wie deren Eltern. Sprechen Sie sie direkt und nicht von oben herab an. Immer. Wenn meine Kunden mit den Kindern hereinkommen, begrüße ich zuerst die Kids. Wenn nötig, beuge ich mich herunter oder gehe in die Knie, schaue ihnen in die Augen, reiche zur Begrüßung die Hand und sage: »Hallo, , freut mich, dich kennenzulernen.« Manche Kinder können damit nichts anfangen, andere sind ein wenig scheu, aber Sie wären überrascht, wie viele kommen und mir die Hand schütteln: Diese habe ich beim Shooting schon für mich gewonnen.

Durch die Kontaktaufnahme mit den Kindern, bevor ich überhaupt die Kamera in die Hand nehme, können die Eltern das Shooting genießen. Sie müssen die Kinder nicht ständig anleiten oder ihnen drohen, sondern können entspannt zuschauen und sich an

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