Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Die Reise der Fox im arktischen Eismeer: 1857-1859

Die Reise der Fox im arktischen Eismeer: 1857-1859

Vorschau lesen

Die Reise der Fox im arktischen Eismeer: 1857-1859

Länge:
457 Seiten
5 Stunden
Freigegeben:
Feb 22, 2010
ISBN:
9783843800785
Format:
Buch

Beschreibung

Im Sommer 1845 verschwanden auf ihrer Suche nach der Nordwest-Passage die Expeditions-schiffe HMS "Erebus" und "Error" spurlos im Nordatlantik. Zahllose Suchexpeditionen, die sich in den nachfolgenden Jahren auf die Spur des legendären Polarforschers Sir John Frank-lin setzten, verfehlten ihr Ziel, das Schicksal der Verschollenen aufzuklären. Erst 1857/59 gelang Francis Leopold McClintock (1819-1907) der endgültige Nachweis, daß "Erebus" und "Error" in den Eiswüsten des kanadisch-arktischen Archipels gescheitert waren und John Franklin und seine Schiffsmannschaften einen entsetzlichen Tod erlitten hatten. McClintocks Bericht über die im Auftrag von Lady Jane Franklin unternommene "Voyage of the `Fox´ in the Arctic Seas" erschien im Herbst 1859 und wurde im viktorianischen England zum Bestseller. Der hier vorgelegte Band enthält neben einer ersten Übertragung des Reisejournals ins Deutsche weiterführende Hinweise zur Entdeckungsgeschichte der Nordwest-Passage.
Freigegeben:
Feb 22, 2010
ISBN:
9783843800785
Format:
Buch


Ähnlich wie Die Reise der Fox im arktischen Eismeer

Ähnliche Bücher

Verwandte Kategorien

Buchvorschau

Die Reise der Fox im arktischen Eismeer - Sir Francis Leopold McClintock

Sir Francis Leopold McClintock

(1819 - 1907) war britischer Marineoffizier und Arktis-Forscher. Bereits 1848 nahm er an einer ersten Such-Expedition unter James Clark Ross teil, die statt der erhofften Spur zur Franklin-Expedition genaue kartografische Erkenntnisse der Küstenlinie auf Somerset Island lieferte. Auf dieser Expedition benutzte man erstmals Schlitten zur Suche, eine Idee, die McClintock überaus erfolgreich verfeinerte und schließlich auf der „Fox-Expedition umsetzte, indem er mehrere Schlittenteams bildete, von denen das erste immer Proviant deponierte und Lagerplätze festsetzte. Als die Nachricht der Expedition von John Rae eintraf, dass vermutlich alle Männer der Franklin-Expedition tot seien und es wohl auch zu Kannibalismus gekommen sei, erklärte die Royal Navy Sir John Franklin für tot und stellte die Suche ein. Franklins Ehefrau, Jane Griffin, organisierte eine letzte Such-Expedition, um die Ehre ihres Mannes wiederherzustellen und engagierte McClintock als Berater und Kapitän. Die „Fox lief am 02. Juli 1857 von Aberdeen aus.

Erst 1859 kehrte McClintock nach England zurück und wurde mehrfach ausgezeichnet. Er war Mitglied der Royal Geographic Society und wurde kurz vor seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst zum Admiral befördert.

Eckhard Berkenbusch

(Jahrgang 1948) war nach dem Studium der Geschichte, Philosophie und Slawistik als Dozent für Europastudien im Iran, in China und in Großbritannien, danach als Redakteur und Korrespondent des BBC World Service tätig. Sein Lehrbuch der Chinesischen Sprache erschien 1994. Er lebt als freier Journalist in Berlin.

Stefan Christoph Saar

(Jahrgang 1954) lehrt Bürgerliches Recht und Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte an der Universität Potsdam und ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zum geltenden Zivilrecht und zur Geschichte des Familien- und Strafrechts.

Für die Edition Erdmann hat er den Band „Johann Jacob Saar, Geheimnisvolle Gewürzinseln. Reisenach Java, Banda und Ceylon. 1644-1660" betreut.

Zum Buch

Im Sommer 1845 verschwanden auf ihrer Suche nach der Nordwest-Passage die Expeditionsschiffe HMS „Erebus und „Terror spurlos im Nordatlantik. Zahllose Suchexpeditionen verfehlten ihr Ziel, das Schicksal der Verschollenen aufzuklären. Erst 1857/59 gelang Francis Leopold McClintock (1819-1907) der endgültige Nachweis, dass „Erebus und „Terror in den Eiswüsten des kanadisch-arktischen Archipels gescheitert waren und John Franklin und seine Schiffsmannschaften einen entsetzlichen Tod erlitten hatten. McClintocks Bericht über die „Voyage of the ‚Fox‘ in the Arctic Seas" erschien im Herbst 1859 und wurde im viktorianischen England zum Bestseller.

Der hier vorgelegte Band enthält neben einer ersten Übertragung des Reisejournals ins Deutsche weiterführende Hinweise zur Entdeckungsgeschichte der Nordwest-Passage.

ALTE ABENTEUERLICHE REISEBERICHTE

Francis L. McClintock als Polarforscher

FRANCIS LEOPOLD MCCLINTOCK

DIE REISE DER »FOX« IM ARKTISCHEN EISMEER

JUNI 1857 – SEPTEMBER 1859

Ein Bericht von der Expedition zur Aufklärung des Schicksals von Sir John Franklin und seiner Gefährten
Mit 22 zeitgenössischen Abbildungen und Karten
Übertragen, bearbeitet und herausgegeben von Stefan Christoph Saar und Eckhard Berkenbusch

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

Es ist nicht gestattet, Abbildungen und Texte dieses Buches zu scannen, in PCs oder auf CDs zu speichern oder mit Computern zu verändern oder einzeln oder zusammen mit anderen Bildvorlagen zu manipulieren, es sei denn mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Alle Rechte vorbehalten

Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2013

Der Text basiert auf der Ausgabe Edition Erdmann, Wiesbaden 2010

Lektorat: Dr. Lars Martin Hoffmann, Mainz

Covergestaltung: Nicole Ehlers, marixverlag GmbH

nach der Gestaltung von Nele Schütz Design, München

Bildnachweis: Corbis GmbH, Düsseldorf

eBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main

ISBN: 978-3-8438-0078-5

www.marixverlag.de

INHALT

Vorwort der Herausgeber

Widmung an Lady Jane Franklin

Die Offiziere und Schiffsmannschaften der ›Fox‹

Offizielle Anerkennung der von Francis L. McClintock an Bord der Yacht »Fox« geleisteten Dienste

Vorwort

Kapitel I

Verzögerungen bei der Ausstattung – Die Umrüstung der »Fox« – Freiwillige für den Dienst in der Arktis – Unterstützung durch die Behörden – Überlegungen zum Unternehmen – Letzte Anordnungen und Abreise – Die Orkneys und Grönland – Die herrliche arktische Landschaft – Dänische Niederlassungen auf Grönland – Frederikshaab in der Davis’ Strait

Kapitel II

Fiskernaes und die Eskimos – Die »Fox« erreicht Disco – Im Disco Fjord – Eine sommerliche Landschaft – In der Waigat Strait – Kohle aus dem Bergwerk – Beschaffung von Eskimohunden – Schwerer Sturm vor Upernivik – In der Melville Bay – Das mittlere Eis – Der große Gletscher auf Grönland – Rentiere durchqueren den Gletscher

Kapitel III

In der Melville Bay – Heimsuchung in der Melville Bay – Der Winter kündigt sich an – Sturm kommt auf – Im Packeis – Vom Hunger der Hunde – Zum Überwintern verurteilt – Haie stehlen Nahrung – Über den arktischen Hai – Weiße Wale und Killerwale

Kapitel IV

Schneekristalle – Hunde mögen keine Raben – Eine Schule in der Arktis – Überfall der Hunde – Bärenjagd bei Nacht – Eisartillerie – Arktische Gaumen – Plötzlicher Temperaturanstieg – Harveys Idee eines Ausfalls

Kapitel V

Beisetzung im Packeis – Moschusochsen am 80. Breitengrad – Von der Genügsamkeit des Polarfuchses – Polarlicht stört das Elektroskop – Weihnacht in der Arktis – Die Leiden von Dr. Kanes Deserteuren – Wind verursacht Eis – Wie man die Sonne begrüßen sollte – Ständige Bewegung im Eis – Die Rückkehr der Seehunde – Ein Wirbelsturm

Kapitel VI

Ein Bärenkampf – Im Eis gefangen – Schwere Stürme, reißende Drift – Die »Fox« entkommt dem Packeis – An einer Eisscholle – Der Polarbär – Ein Eisturnier – Gefahr für die »Fox« – Sturm im Packeis – Dem Eis entkommen

Kapitel VII

Erholung in Grönland – Eine Lady, blau von Kälte – Was die Grönländer mögen – Eine hautnahe Rasur – Treffen mit den Walfängern – Die Walfänger berichten – Im Disco Fjord – Von der Gastfreundschaft der Dänen – Abfahrt von Disco – Über die Freundlichkeit der Walfänger – Dänische Niederlassungen in Grönland

Kapitel VIII

Die »Fox« entgeht dem Schiffbruch – Wieder flott und weiter voran – Um Haaresbreite entronnen – Beinahe im Eis gefangen – Jagd auf Krabbentaucher – Die Menschen im arktischen Hochland – Bei Cape York – Scharlachroter Schnee – Weiter nach Westen – Ankunft in Westland – Vor der Einfahrt zum Lancaster Sound

Kapitel IX

Vor Cape Warrender – Walfänger in Sicht – Einfahrt in Pond’s Bay – Begegnung mit Eskimos – Aufstieg zur Siedlung am Pond’s Inlet – Was die Eskimos berichten – Ein arktischer Sommer – Ein Dorf in der Arktis – Keine Nachricht von Franklins Schiffen – Vom arktischen Tauschhandel – Geografische Auskünfte der Einheimischen – Neuigkeiten von Raes Besuch – Von der Unbedachtheit der Eskimos – Die Reisen der Eskimos

Kapitel X

Aufbruch von Pond’s Bay – Sturm im Lancaster Sound – Das Depot auf Beechey Island – Ein Monument in der Arktis – Betrachtungen auf Beechey Island – Die Barrow’s Strait – Peel Sound – Port Leopold – Prince Regent’s Inlet – Bellot’s Strait – Flut von Westen – Vergebene Mühen – Ein Leck im Schiff – Kein Wasser im Westen – Vorsichtsmaßnahmen – Vierter Versuch einer Durchfahrt

Kapitel XI

Im Boot nach Westen – Von der Trostlosigkeit des westlichen Meeres – Kampf in der Bellot’s Strait – Falken geben gutes Fleisch – Vorräte auf Boothia Felix – Über künftige Schlittenfahrten – Schwere Stürme – Hobsons Gruppe bricht auf – Winterquartiere – In der Bellot’s Strait – Vorgeschobene Depots – Beobachtungspunkte – Beißende Kälte – Reisende im Herbst – Knapp entronnen

Kapitel XII

Der Tod des Maschinisten – Es fehlt an Wild – Ungewöhnliche Kälte – Jolly in Schwierigkeiten – Petersens Bericht – Die Wiederkehr der Sonne 1859 – Schlittengruppen am Frühlingsanfang – Ein ungewöhnlich strenger Winter – Mühen beim frühen Einsatz der Schlitten – Die Westufer von Boothia – Ein Treffen mit den Eskimos – Nachricht von Franklins Schiffen – Die Rückkehr zur ›Fox‹ – Allen Young kehrt zurück

Kapitel XIII

Dr. Walkers Schlittenfahrt – Schneeblindheit plagt Youngs Gruppe – Aufbruch der Schlitten – Ausrüstung der Schlittengruppen – Erneutes Treffen mit Einheimischen – Mein Depot ist geplündert – Abschied von Hobson – Auf Matty Island – Verlassene Schneehütten – Über die Schlitten der Eskimos – Auf King William’s Land

Kapitel XIV

Begegnung mit den Eskimos – Nachricht von Franklins Leuten – Eine Gruppe in Angst – Am Great Fish River – Auf Montreal Island – Keine Überreste der Verschollenen – Die Erkundung der Halbinsel Ogle – Entdeckung menschlicher Gebeine – Vage Berichte der Eskimos – Bei Cape Herschel – Ein Steinmal

Kapitel XV

Das Steinmal ist leer – Hobsons Brief – Croziers Aufzeichnungen – Das verlassene Boot – Gegenstände aus dem Boot – Gebeine und Überreste – Das Boot gehörte zur »Erebus« – Vermutungen

Kapitel XVI

Irrtümer in Franklins Aufzeichnungen – Hinterlassenschaften am Steinmal – Aufbruch in die Heimat – Anmerkungen zur Geologie – Von den Schwierigkeiten einer Schlittenfahrt im Sommer – Ankunft an Bord der »Fox« – Die schiffbare Nordwest-Passage – Skorbut und Tod – Sorge um Kapitän Young – Sichere Rückkehr Youngs

Kapitel XVII

Erleichterung – Es fehlt an Tieren – Eulen geben gutes Fleisch – Winterquartiere – Die Jagdstrecke – Fury Beach – Aus Regent’s Inlet entkommen – In der Baffin’s Bay – Kapitän Allen Youngs Reise – Eine Enttäuschung in Disco – Abschied von den Eskimofreunden – Grönland adieu – Ankunft in der Heimat

Schlussbetrachtung

Anmerkungen

Anhang

Lady Jane Franklin Brief an Premierminister Palmerston

Memorandum von Wissenschaftlern und Marineoffizieren an Premierminister Palmerston

Abkürzungen, Maße und Gewichte

Personen

Glossar

Verzeichnis der Illustrationen

Auswahlbibliografie

Thomas Diembach

dem Freund, zum Gedächtnis

VORWORT DER HERAUSGEBER

We perceived our strength decline every day …

SIR JOHN FRANKLIN (1786-1847),

Narrative of a Journey to the Shores of the Polar Sea …, 1828

…nothing can resist us. We war with rude nature;

and by our resistless engines, come off always

victorious, and loaded with spoils.

THOMAS CARLYLE (1795-1881),

Signs of the Times, The Edinburgh Review, Juni 1829

Die Nordwest-Passage ist ein Seeweg, der nördlich des Polarkreises von der Baffin Bay im Nordwestatlantik durch die zerklüftete Inselwelt der kanadischen Arktis in die Beringstraße und in den Pazifischen Ozean führt. Wäre die Passage eisfrei und schiffbar, so könnte sie, verglichen mit den Routen um Afrika und Südamerika und durch den Suez- und den Panama-Kanal, den Weg von Europa nach Asien um Tausende Meilen kürzen. In den Jahren 1903/6 zeigte zuerst ROALD AMUNDSEN, dass die Nordwest-Passage überwunden werden kann; einer wirtschaftlich sinnvollen Nutzung stehen jedoch bis heute die klimatischen Gegebenheiten des Archipels und die Sorge um die empfindliche Tier- und Pflanzenwelt entgegen.

Unter dem Kommando SIR JOHN FRANKLINS verschwanden im Juli 1845 die Schiffe Ihrer Majestät »Erebus« und »Terror« auf der Suche nach der Nordwest-Passage. Erste Suchexpeditionen, die sich nach 1848 auf die Spur der Verschollenen setzten, verfehlten ihr Ziel. Der bis heute gültige Nachweis, dass FRANKLIN und seine Gefährten in den Eiswüsten des Archipels gescheitert und einen elenden Tod gestorben waren, gelang in den Jahren 1857/59 FRANCIS LEOPOLD MCCLINTOCK, dessen Bericht über die »Reise der ›Fox‹« zu den meistgelesenen Reisejournalen englischer Polarforscher des 19. Jahrhunderts gehört.

***

Der Traum von einer nordwestlichen Durchfahrt durch die Arktis weist in das ausgehende Mittelalter zurück. Unter dem Patronat König HEINRICHS VII. von England überquerte im Jahr 1497 JOHN CABOT den Nordatlantik und erreichte die amerikanische Ostküste. Wie CHRISTOPH COLUMBUS, der 1492 einen westlichen Seeweg nach Indien entdeckt zu haben glaubte, so irrte auch CABOT, als er vorschnell verkündete, »New Found Land« sei China. Im 16. Jahrhundert übernahm England bei der Suche nach einer nordwestlichen Route zu den Handelsplätzen Asiens die Führung, denn die bekannten Seewege um das Kap der Guten Hoffnung und um Kap Hoorn wurden von Spanien und Portugal beansprucht und galten als überaus gefährlich. HUMPHREY GILBERT, ein Günstling ELISABETHS I., legte 1566 seiner Königin eine Denkschrift vor, in der er die Existenz einer neuen Passage nach China nachzuweisen suchte; ein Patent von 1578 gilt als frühes Zeugnis englischer Kolonialpolitik, denn es gab GILBERT das Recht, zwischen Labrador und Florida alles unbesetzte Land für die Krone in Besitz zu nehmen. Der Handelskapitän und Freibeuter MARTIN FROBISHER, in jenen Tagen der beste Kenner arktischer Gewässer, erreichte im Norden der Hudsonbay einen Meeresarm, den er irrig für den Zugang zur Nordwest-Passage hielt. JOHN DAVIS, HENRY HUDSON, THOMAS BUTTON, WILLIAM BAFFIN sowie ROBERT BYLOT und LUKE FOXE, die zwischen 1585 und 1632 die Hudson- und die Baffin Bay erforschten, drangen nicht zu dem geheimnisumwitterten Seeweg nach Westen vor.

Auch im 17. Jahrhundert, als der Einfluss der Spanier und Portugiesen schwand und die Märkte Asiens sich für englische Kaufleute öffneten, blieb die Bilanz der englischen Seefahrer mäßig. THOMAS JAMES, der 1631 die Hudsonbay bereiste, schilderte die Kälte als derart übermächtig, »dass keine Kleidung ihr widerstehen kann. So fror uns das Haar an den Augenlidern fest und wir sahen nichts mehr.« 1719 verschwand eine von JAMES KNIGHT geführte Expedition spurlos im Eismeer, und 1741/42 kehrten CHRISTOPHER MIDDLETON und WILLIAM MOOR unverrichteter Dinge aus der Arktis zurück. Obwohl Arktisexpeditionen wieder und wieder im Kampf gegen das übermächtige Eis scheiterten, blieb die Vorstellung lebendig, dass es irgendwo am nördlichen Weltende einen schiffbaren Seeweg nach Asien geben müsse. Die Bedeutung, die der Nordwest-Passage zugemessen wurde, erweist die Belohnung von 20.000 £, die das englische Parlament 1744 für die Entdeckung aussetzte. Vergebens suchte 1770/72 SAMUEL HEARNE in der Region zwischen Coppermine River und Beringstraße nach der Passage, und 1778 scheiterte JAMES COOK während seiner letzten Pazifikreise im Eis der Tschuktschensee.

***

In der Geschichte der Suche nach der Nordwest-Passage stehen allerdings nicht FROBISHER, HUDSON oder COOK, sondern steht JOHN FRANKLIN an erster Stelle. In den Annalen der Polarforschung hätte FRANKLIN gewiss auch dann seinen Platz gefunden, wenn er wohlbehalten und siegreich von seiner letzten Mission in die arktischen Gewässer heimgekehrt wäre. Ohne sein geheimnisvolles Verschwinden wären jedoch die wuchernden Legenden nicht entstanden, die Wissenschaftler und Literaten bis heute zur Beschäftigung mit FRANKLIN anregen.

Zur See zog es den 1786 in Spilsby (Lincolnshire) Geborenen seit der frühen Jugend. FRANKLIN musterte im Jahr 1800 bei der Royal Navy an, nahm 1801 an einer Seeschlacht gegen dänisch-norwegische Verbände vor Kopenhagen teil und begleitete 1801/03 seinen Onkel, den Forschungsreisenden MATTHEW FLINDERS, nach Australien. Diese Reise machte FRANKLIN zum Seemann; er erwarb sich nautische Kenntnisse und erlebte FLINDERS als vorbildlichen Expeditionsführer – nach einem Schiffbruch harrte die Mannschaft auf einer Sandbank aus, bis FLINDERS Hilfe herbeigeholt hatte. Mit knapper Not überstand FRANKLIN im Oktober 1805 die Seeschlacht von Trafalgar; 1808 zum Leutnant befördert, verbrachte er 1806/14 während der Kontinentalsperre gegen England weithin ereignislose Jahre in der Nordsee. 1815 nahm er bei New Orleans an der letzten Schlacht des Zweiten amerikanisch-englischen Unabhängigkeitskrieges teil.

Als der Sieg über NAPOLEON errungen war, hatte die Navy keine Verwendung für junge Seeoffiziere. FRANKLINS Karriere kam zum Stillstand, seine Hoffnung auf eine Beförderung zum Fregattenkapitän zerschlug sich nach dem Tode MATTHEW FLINDERS, der im männerbündischen Beziehungsgeflecht der englischen Admiralität für den Neffen hätte gutsprechen können. 1815 wurde JOHN FRANKLIN bei halbem Sold aus dem Marinedienst entlassen; drei Jahre vergingen, bis er seine erste Reise in die Arktis antrat.

***

Das 19. Jahrhundert wurde zur großen Zeit der englischen Polarforschung. Die Admiralität suchte nach dem Ende der Napoleonischen Kriege nach neuen Aufgaben und erinnerte sich der Arktis als Operationsgebiet für die Schiffe der Royal Navy. Der Zweite Sekretär der Admiralität JOHN BARROW zog Konsequenzen aus der Einsicht, dass es sich bei der Nordwest-Passage offenbar nicht um eine bequeme Hurtigroute in den Pazifik, sondern um ein von Eis verstelltes Kanalsystem ohne greifbaren Vorteil für englische Handelsinteressen handelte. BARROW war Mitglied der Royal Society und Mitbegründer der Royal Geographical Society und gehörte zum englischen Wissenschaftsestablishment. Die unter seinem Einfluss ausgerichteten Arktisexpeditionen der Admiralität hatten nach 1814 nicht mehr allein die Nordwest-Passage im Blick; es handelte sich vielmehr um Entdeckungs- und Forschungsreisen, die auf eine Erkundung der Geografie und Geologie, des Klimas, der Fauna und Flora und die Lebensweise der eskimoischen Bewohner des Archipels zielten. Diese naturwissenschaftliche Ausrichtung war mit handfesten politischen und völkerrechtlichen Interessen Englands verbunden, denn die Erkundung und Vermessung des weithin noch unbekannten Labyrinths von Land und Wasser und seine Verzeichnung in Karten begründete Souveränitätstitel zur Abwehr russischer Begehrlichkeiten. Dabei war die »Russophobia« jener Jahre durchaus nicht unbegründet, denn das Zarenreich, das seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert Alaska kolonisierte, kontrollierte die Beringstraße und bedrohte die beherrschende Stellung der englischen Hudson’s Bay Company im arktischen Pelzhandel.

Ein 1814 von BARROW ausgearbeiteter Plan sah vor, ausgemusterte Marineoffiziere und Schiffsmannschaften in die Arktis zu senden, um einen Seeweg in den Pazifik zu erkunden, der entweder über den Nordpol oder zwischen der Baffin Bay und der Beringstraße verlaufen sollte. 1818 schickte die Admiralität erste Expeditionen unter JOHN ROSS und DAVID BUCHAN aus. Während ROSS den Südwesten der Baffin Bay erkundete und seine Reise im Lancastersund beenden musste, scheiterte BUCHAN bei Spitzbergen im Packeis. Immerhin gelang ihm der Nachweis, dass über den Nordpol kein Weg in den Pazifischen Ozean führt. Für JOHN FRANKLIN, der eines von BUCHANS Expeditionsschiffen befehligte, war es die erste Reise in das Eismeer.

***

In den Jahren 1819/22 stieß JOHN FRANKLIN auf dem Landwege zur Mündung des Coppermine River vor und erkundete von dort die Küste des Polarmeers, um WILLIAM EDWARD PARRY zu treffen, der sich der Region von der Hudsonbay näherte. FRANKLIN, der Marineoffizier GEORGE BACK und der Naturforscher DR. JOHN RICHARDSON landeten in der Hudsonbay, stießen auf verzweigten Flusssystemen nach Nordwesten vor, erreichten 1820 den Großen Sklavensee und folgten 1821 von der Mündung des Coppermine River der Küste nach Osten. Als FRANKLIN die Reise bei Turnagain Point auf der Halbinsel Kent abbrach, waren seine Ziele weithin verfehlt – das Treffen mit PARRY war gescheitert, die Küste nur auf wenige hundert Meilen erkundet. Auf dem Rückmarsch durch die Wildnis fanden die Männer kein jagdbares Wild und ernährten sich von Flechten und vom Leder ihrer Stiefel. Als die Expedition im Dezember 1821 Fort Providence am Großen Sklavensee erreichte, waren zehn der ursprünglich neunzehn Begleiter FRANKLINS tot; RICHARDSON hatte einen indianischen Träger niedergeschossen, weil er argwöhnte, dieser Mann habe drei seiner Gefährten umgebracht, um ihr Fleisch zu verzehren. Der Verdacht war womöglich eine Folge körperlicher und geistiger Erschöpfung, Ermittlungen gegen RICHARDSON verliefen im Sande. Dass Teilnehmer der Expedition Menschenfleisch zu sich genommen haben, gilt jedoch als ausgemacht.

Das Desaster am Coppermine River war der schlechten Vorbereitung und den charakterlichen Eigenheiten des Expeditionsführers zuzuschreiben. Unfähig, sich auf unvorhergesehene Schwierigkeiten einzustellen, war FRANKLIN den Befehlen der Admiralität gefolgt und hatte durch taktloses Auftreten den Beistand der mit der Region vertrauten Indianer, Jäger und Pelzhändler aufs Spiel gesetzt. GEORGE SIMPSON, der Gouverneur der Hudson’s Bay Company notierte im Jahr 1821, dass einem Mann vom Schlage FRANKLINS die Kraft für Reisen in die Wildnis fehle: »… er braucht drei Mahlzeiten per diem, Tee ist unverzichtbar, und selbst bei äußerster Anstrengung kann er nicht mehr als acht Meilen täglich marschieren. Daher ist es nicht erstaunlich, dass diese Gentlemen so erfolglos und die Schwierigkeiten so unüberwindlich sind

FRANKLINS Scheitern, die düsteren Gerüchte, die sich um den Rückmarsch nach Süden rankten, und SIMPSONS harsche Kritik wurden in England kaum wahrgenommen. Der »Mann, der seine Stiefel aß« wurde unversehens zur Legende, und die Kunde von Mut und Zähigkeit in bedrängter Lage festigte seinen Ruf als befähigter Expeditionsführer. Dabei hatte der bedächtig wirkende FRANKLIN mit dem Idealbild des schneidigen Seeoffiziers und Arktisforschers nur wenig gemein; ihm wurden jedoch Fähigkeiten zugeschrieben, die sich zur Selbstwahrnehmung Englands als Mutterland der modernen Industrialisierung und werdender Weltmacht fügten: »… uns widersteht nichts. Wir führen Krieg gegen die ungezähmte Natur und unüberwindliche Maschinen lassen uns siegreich heimkehren, beladen mit Beute« (THOMAS CARLYLE). Weiße Flecken auf der Landkarte forderten die Nation heraus, und indem englische Entdecker die Grenzen zwischen der bekannten und der unbekannten Welt verschoben, definierten sie die Herrschaftssphäre des Empire fortwährend neu. FRANKLIN, der wie kaum ein zweiter für die sprichwörtliche »Englishness« stand, wurde 1822 zum Kapitän befördert und im folgenden Jahr in die Royal Society aufgenommen; 1824 gehörte er zu den Gründern des Londoner Athenœum Club, eines Treffpunkts einflussreicher Männer aus Politik und Wissenschaft. Auch um das private Glück schien es nun gut zu stehen – 1823 heiratete FRANKLIN die Dichterin ELEANOR ANNE PORDEN. Als die junge Frau 1825 starb, war JOHN FRANKLIN auf dem Weg zu seiner zweiten Landexpedition.

***

Im frühen 19. Jahrhundert übte die Arktis eine unwiderstehliche Faszination aus und inspirierte Künstler der Romantik wie CASPAR DAVID FRIEDRICH, SAMUEL TAYLOR COLERIDGE, MARY SHELLY. Eines obsessiv anmutenden öffentlichen Interesses erfreute die unwirtliche Weltgegend sich in England. Hier wurde das Publikum durch Tageszeitungen und öffentliche Vorträge über Reisen in die Arktis unterrichtet, und es verging kaum ein Jahr, in dem nicht Reiseberichte aus der Feder englischer Polarforscher erschienen, die den Autoren gehörige Aufmerksamkeit und den Verlegern hohe Auflagen bescherten. Die Gattung der Narratives hatten ihren Ursprung in der Pflicht englischer Seeoffiziere, ihre Beobachtungen in Reisetagebüchern zu vermerken. JOHN FRANKLINS Bericht über die Expedition zum Coppermine River wurde 1823 zum Bestseller, denn das Buch enthielt alles, was englische Leser erwarten durften – bildhaft geschilderte Naturschönheit, Überwinterungen in eisiger Ödnis, heldenhaft überstandene Entbehrungen, Hungertod, Mord und Kannibalismus. Die Narratives des 19. Jahrhunderts zielten aber keineswegs nur auf das heimische Publikum; im Grunde verhielt es sich mit ihnen wie mit der Verzeichnung bislang unbekannter Regionen auf Land- und Seekarten – Reiseberichte machten der Welt kenntlich, was britische Seeleute entdeckt und erforscht hatten und wie weit die englische Herrschaft reichte.

Eine von dem deutschstämmigen Marineoffizier OTTO VON KOTZEBUE geführte russische Expedition fahndete 1817/18 nach der Nordwest-Passage, und 1821 reklamierte Zar ALEXANDER I. das Nordpolarmeer in einem Umfang, der durch russische Erkundungen nicht gerechtfertigt war. 1825 schickte die Admiralität zur Bekräftigung englischer Besitzrechte in der Arktis und zur Erkundung der Nordwest-Passage weitere Expeditionen aus. Östlich von Point Turnagain sollte WILLIAM PARRY die Erträge der Coppermine-Expedition von 1819/22 vervollständigen; FREDERICK WILLIAM BEECHEY drang von Westen durch die Beringstraße vor, um JOHN FRANKLIN zu treffen, der sich seinerseits von Süden auf dem Landweg der Küste näherte. FRANKLIN und JOHN RICHARDSON erkundeten den Mackenzie River in Richtung Beaufortsee und erreichten nach einem Winterlager am Großen Bärensee 1826 das Mackenzie-Delta. Während RICHARDSON sich nun nach Osten wandte, folgte FRANKLIN der Küste nach Nordwesten. Obwohl er BEECHEY am Icy Cape verfehlte, war die Mission erfolgreich. Bis zum Herbst 1826 kartierten FRANKLIN und RICHARDSON mehr als 1000 Meilen der nordamerikanischen Küstenlinie und weite Teile des Landesinneren; ihre Naturbeobachtungen gingen später in RICHARDSONS viel gerühmte Schilderungen der arktischen Tier- und Pflanzenwelt ein.

Die Expedition machte FRANKLIN endgültig zum Nationalhelden. 1828 wurde er geadelt und mit einem Ehrendoktorat der Universität Oxford geehrt; die Pariser Société de Géographie verlieh ihm die Goldmedaille, und mit der Beförderung zum Post-Captain war der Aufstieg zum Admiral nur mehr eine Frage der Zeit. Im November 1828 heiratete er JANE GRIFFIN, eine Freundin seiner verstorbenen ersten Frau. LADY JANE FRANKLIN begleitete ihren Mann 1830/33 nach Malta und bereiste Nordafrika, den Nahen Osten, Vorderasien und Griechenland. In der Kolonie van Diemen’s Land (Tasmanien), wo JOHN FRANKLIN 1836/43 als Gouverneur diente, erwarb sich JANE FRANKLIN hohes Ansehen, indem sie eine gelehrte Gesellschaft und einen botanischen Garten gründete und Tasmanien zum geistigen Mittelpunkt der australischen Kolonien machte. Mit dem Versuch, van Diemen’s Land zu reformieren, und dem Eintreten für die als Strafgefangene deportierten »Tasmanian Ladies« handelte sich das Paar jedoch die Feindschaft der tasmanischen Oberschicht ein. Nach einer unschönen Intrige kehrte JOHN FRANKLIN 1844 nach England zurück.

***

In den Jahrzehnten nach FRANKLINS zweiter Landexpedition von 1826 machte die englische Arktisforschung große Fortschritte. Zuletzt gelangten 1839/43 JAMES CLARK ROSS und FRANCIS CROZIER weiter in den Norden des Archipels als jemals eine Expedition zuvor. Im Jahr 1844 war der Verlauf der Nordwest-Passage bis auf wenige hundert Meilen bekannt - sollte es jetzt nicht gelingen, die letzte Schwelle zu überqueren, so würde eine andere Nation den entscheidenden Schritt tun und England den Spott der Welt ernten: »Es kann getan werden, und England hat die Absicht, es zu tun.« Nach einem 1844 von JOHN BARROW vorgelegten Plan sollten zwei Schiffe von der Baffin Bay in den Lancastersund einfahren, um von dort nach Norden durch den Wellington Channel oder, in westlicher Richtung, durch die Barrow Strait in noch unbekannten Gewässern zur Beringstraße vorzustoßen.

Wiederum war der Expedition ein doppeltes Ziel gesetzt, denn die Admiralität verknüpfte die Vollendung der Nordwest-Passage mit dem von dem Geophysiker EDWARD SABINE angestoßenen, weltumspannenden Projekt einer »Magnetic Crusade«. Seitdem das Längenproblem mit der Entwicklung leistungsfähiger Schiffschronometer als gelöst gelten durfte, trieb die Erforschung des Geomagnetismus englische Wissenschaftler mehr um als jeder andere Gegenstand. Die Aufklärung der weithin noch unverstandenen Veränderlichkeit des magnetischen gegenüber dem geografischen Pol versprach nicht nur erheblichen praktischen Nutzen für die Navigation auf See; sie versprach auch hohes wissenschaftliches Prestige im Wettbewerb mit französischen und deutschen Forschern. Niemand stellte das Vorhaben grundsätzlich in Frage. Skeptisch äußerte sich der greise Arktisveteran JOHN ROSS, der zum Einsatz eines Dampfschiffs mit überschaubarer Besatzung riet, und DR. RICHARD KING, ein als exzentrisch geltender Außenseiter der Arktisforschung, der das fehlende Teilstück der Nordwest-Passage im Süden des arktischen Archipels vermutete, schlug eine Landexpedition zur Erkundung der Küsten westlich des Great Fish River vor. ROSS und KING stiessen bei der Admiralität auf taube Ohren.

Ein heikles Unterfangen war die Auswahl des Kommandeurs der neuen Mission. Kein idealer Kandidat war JOHN FRANKLIN, der nie zuvor eine Expedition auf See angeführt hatte und 1819/22 am Coppermine River gescheitert war; zudem war FRANKLINS Gesundheit angeschlagen und er stand vor der Vollendung seines sechsten Lebensjahrzehnts – ein alter Mann nach den Maßstäben seiner Zeit. Das Kommando auf den im Eismeer erfahrenen JAMES CLARK ROSS zu übertragen, hätte nahe gelegen – aber ROSS hielt sich an ein Versprechen, das er seiner jungen Frau gegeben hatte, und sagte ab. FRANCIS CROZIER war mit der Erforschung des Erdmagnetismus vertraut, von seiner letzten Arktisreise mit ROSS aber zu erschöpft. Dass FRANKLIN im Februar 1845 zum Kommandanten ernannt wurde, war JANE FRANKLINS Ehrgeiz und dem Beistand einflussreicher Fürsprecher zuzuschreiben – so ließ WILLIAM PARRY die Admiralität wissen, er fürchte um das Leben seines Freundes, wenn FRANKLIN das Kommando nicht erhalten sollte.

Die Expeditionsschiffe H.M.S. »Erebus« und »Terror« hatten sich zuletzt 1839/43 unter ROSS und CROZIER bewährt. Die Rümpfe waren für den Einsatz im Eismeer verstärkt, beide Schiffe waren mit Dampfmaschinen, Schraubenantrieb und Heizungsanlagen versehen. An Bord versammelten sich die Errungenschaften des viktorianischen England: Neuartige Lebensmittelkonserven und Zitronensaft für eine Reise von bis zu fünf Jahren, Bekleidung, Tabak und Rum, nautische und wissenschaftliche Instrumente, eine Kamera zur Anfertigung von Daguerrotypien. Selbst eine Drehorgel, feines Porzellan, geschliffenen Gläser, Silberbestecke und eine umfangreiche Bibliothek waren geladen. Es fehlten jedoch Schneebrillen und eine Ausrüstung, die es den Mannschaften erlaubt hätte, ohne die an Bord gelagerten Lebensmittel auszukommen und sich von Fischen oder Wild zu ernähren. Vor allem aber fehlte ein Rettungsplan, denn niemand zog ein Scheitern des Projekts ernsthaft in Betracht.

Am 19. Mai 1845 verließen JOHN FRANKLIN, die ihm zur Seite gestellten Kapitäne CROZIER und JAMES FITZJAMES und 130 weitere Offiziere und Seeleute die Themse bei Greenhithe. Die Expedition folgte der traditionellen Route der Walfänger nach Grönland, wo FRANKLIN vier erkrankte Seeleute zurückließ. Ein Zeitzeuge notierte: »Sir JOHN FRANKLIN und seine Offiziere waren vom Erfolg überzeugt. Gibt es eine Passage, so werden sie alles riskieren, um das Eis zu besiegen und über den Pazifischen Ozean nach England heimzukehren, mit unvergänglichem Ruhm bedeckt.« Am 26. Juli begegneten »Erebus« und »Terror« den Walfangschiffen »Enterprise« und »Prince of Wales« vor der Westküste Grönlands. Das Treffen mit den Walfängern war ein letztes Lebenszeichen – von nun an entwickelte die Expedition sich zur größten Katastrophe in der Geschichte der englischen Polarforschung.

Sir John Franklin und seine Offiziere Francis Crozier und James Fitzjames (v.l.n.r.)

***

Eine Mission zur Rettung der Verschollenen forderte 1846 zuerst JOHN ROSS – die Admiralität wies das Ansinnen ebenso freundlich wie bestimmt zurück. Im Frühjahr 1847 schlug der Außenseiter RICHARD KING eine Suche am Great Fish River vor – vergebens. Allen Warnungen zum Trotz sah die Admiralität keinen Anlass zur Sorge, nahm dann aber eine Suchexpedition für das Jahr 1848 in Aussicht, in dem an Bord von »Erebus« und »Terror« die Lebensmittel allmählich zur Neige gehen würden. Eine Belohnung von 10.000 £ für Hinweise auf den Verbleib der Schiffe und 20.000 £ für die Rettung FRANKLINS und seiner Männer setzte die Regierung aus. Zwanzig regierungsamtliche und private Expeditionen suchten bis zum Ende der 1850er Jahre nach den Verschollenen; nur vier Expeditionsführer – WILLIAM PENNY und HORATIO THOMAS AUSTIN, DR. JOHN RAE und FRANCIS LEOPOLD MCCLINTOCK – trugen zur Lösung des Rätsels bei. Jede neue Suche fügte jedoch ein neues Teil in das Puzzle des arktischen Archipels, zu dessen Erkundung FRANKLINS Scheitern womöglich mehr beigetragen hat, als ein erfolgreicher Ausgang seiner Mission hätte beitragen können.

1848/51 segelten HENRY KELLET und THOMAS MOORE von Westen her in die Beringstraße, JOHN RICHARDSON und JOHN RAE erkundeten 1848/50 zu Lande die Region um den Mackenzie River; eine Expedition unter JAMES CLARK ROSS suchte 1848/49 am Lancastersund. Erste Spuren fanden AUSTIN und PENNY, die 1850 auf Beechey Island das Winterlager FRANKLINS von 1845/46 und die Gräber von drei Seeleuten entdeckten; der Offizier SHERARD OSBORN notierte: »Die Gräber waren gebaut, wie englische Seeleute sie mit rauen aber warmen Händen über der letzten Heimstatt ihrer Kameraden bauen.« Was fehlte, waren Hinweise auf den Verbleib der Verschollenen. 1853 suchte EDWARD BELCHER in der Region um Cornwallis Island und den Peel Sound. Seine Expedition geriet in schweres Eis und konnte sich auch 1854 nicht befreien. BELCHER, der gegen den Rat erfahrener Begleiter in den vereisten Wellington Channel eingefahren war, ließ fünf Schiffe zurück und kehrte unverrichteter Dinge nach England zurück. ROBERT MCCLURE gelang 1850/54 die erste Durchquerung der Arktis zu Lande. Er brachte kein Licht in das Schicksal der vermissten Mannschaften, identifizierte aber während einer Schlittenreise nördlich von Banks Island das fehlende Teilstück der Nordwest-Passage: »… der Seeweg nach England von Ozean zu

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Die Reise der Fox im arktischen Eismeer denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen