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Seewölfe - Piraten der Weltmeere 9: Kämpft, daß die Fetzen fliegen

Seewölfe - Piraten der Weltmeere 9: Kämpft, daß die Fetzen fliegen

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Seewölfe - Piraten der Weltmeere 9: Kämpft, daß die Fetzen fliegen

Länge:
152 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 25, 2013
ISBN:
9783954391479
Format:
Buch

Beschreibung

Philip Haserd Killigrew hat gekämpft und verloren. Jetzt leckt der Seewolf seine Wunden. An der Bord der "Isabella von Kastilien" hat der Tote, Sterbende und Verwundete. Spanier und Iren geben noch nicht auf. Sie bringen Francis Drake in ihre Gewalt. Für Hasard gibt es keinen Zweifel, daß er notfalls Himmel und Hölle in Bewegung setzen wird, um seinen Kapitän zurückzuholen. Für dieses Unternehmen braucht der Seewolf Freiwillige, und die sind dünn gesät, denn die Chancen, heil wieder zurückzukehren, sind denkbar gering...
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 25, 2013
ISBN:
9783954391479
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Seewölfe - Piraten der Weltmeere 9 - Roy Palmer

info@vpm.de

1.

Dieser Nachmittag unter dem eisengrauen Himmel, der im Dezember 1576 die Dungarvanbucht überspannte, war für die rauhen Männer an Bord der Galeone „Isabella von Kastilien" so etwas wie ein Rückzug nach verlorener Schlacht. Es waren Stunden, von denen Philip Hasard Killigrew sich wünschte, sie nie erlebt zu haben. Mit verbissener Miene stand er auf dem Achterkastell seines Schiffes, die Fäuste in die Seiten gestemmt, die eisblauen Augen nach vorn gerichtet. Der Anblick, der sich ihm bot, war mit der Bezeichnung grauenvoll geradezu milde umschrieben.

Die „Isabella von Kastilien segelte bei halbem Wind ostwärts zum Ausgang der Bucht. Hinter dem Heck klatschten die letzten Geschosse aus den Musketen der Iren ins Wasser und ließen kleine, fontänenartige Spritzer aufsteigen. Bis an die Aufbauten gelangte jedoch keine und konnte den Schaden, den die Truppe hatte hinnehmen müssen, nicht mehr vergrößern. Die „Isabella befand sich außer Reichweite.

In dem gewagten See- und Landunternehmen, das von Francis Drake im Auftrag der Krone durchgeführt worden war, hatten bisher zwar fünf spanische Karavellen und ein irisches Waffen- und Munitionslager vernichtet werden können, aber die vorübergehende Einnahme von Dungarvan und der vergebliche Marsch von Captain „Black" John Norris in die Drum Hills hatten zu viele Blutopfer gekostet.

Hasard trat an die Schmuckbalustrade, die den Querabschluß des Decks auf dem Achterkastell bildete. Sein Blick glitt über die auf dem Deck und der Back liegenden stöhnenden, klagenden, blutverschmierten Gestalten.

Captain Norris war mit einem Rest von dreißig mehr oder weniger verwundeten Soldaten auf der Holzpier von Dungarvan eingetroffen, und Hasard hatte es geschafft, sie trotz heftigen irischen Beschusses an Bord zu nehmen. Hierbei hatte sich wieder einmal bewiesen, wie wirkungsvoll der Einsatz der vier Drehbassen auf der Back und dem Achterdeck der Galeone im Gefecht gewesen war. Mehr als die bloße Rettung der Bedrängten hatten Hasard und seine Männer jedoch nicht zu leisten vermocht. Er hatte die Achterleine kappen lassen, und dann hatte die „Isabella" Distanz zwischen sich und die Pier gelegt.

Captain James Courcy war schwer verletzt. Captain Norris hatte einen Schläfenstreifschuß, eine Säbelwunde an der linken Seite, eine Schulterwunde sowie einen Pistolensteckschuß im rechten Oberschenkel. Insgesamt sechsundvierzig Soldaten waren noch am Leben, davon jedoch keiner ohne Blessuren. Hasard entdeckte bekannte Gesichter wie das von Jake Tinkler unter den Männern, jenes Soldaten, der bereits das Massaker der Burton-Truppe überlebt hatte. Und auch das haßverzerrte Antlitz des degradierten Burton selbst gewahrte er.

Hasards Finger hatten die Handleiste der Balustrade umklammert. Jetzt lösten sie sich. Er versetzte sich einen Ruck und stieg auf das Mitteldeck hinab. Die „Isabella" glitt unter Großsegel und Fock bei Wind aus Süden dahin. Um die Schiffsführung brauchte er sich nicht zu kümmern. Die hatte Ben Brighton, der Bootsmann und Erste Offizier, für ihn übernommen. Hasard eilte dem Kutscher zu Hilfe, der seine Aufgabe als Feldscher versah und sich um die Verwundeten kümmerte.

Dem Seewolf war zumute, als wate er durch kniehoch stehendes Blut. Links und rechts von ihm, vor und hinter ihm krümmten sich Männer mit zerschossenen Leibern und Gliedmaßen. Mühsam mußte er sich einen Weg zu dem Kutscher hinüber suchen, ständig darauf bedacht, keinem der Verletzten auf eine Hand, einen Arm oder eine andere Körperpartie zu treten.

Finger streckten sich nach ihm aus und umklammerten sein rechtes Bein. Hasard wandte den Kopf. Weit aufgerissene Augen schauten flehend zu ihm hoch, und die Lippen in jenem blutüberströmten Gesicht bewegten sich unaufhörlich. Sie murmelten Unverständliches.

Der Seewolf preßte die Lippen zusammen, daß sie wie ein Strich wirkten. Er bemerkte Batuti, den riesigen Gambia-Neger, in seiner Nähe und winkte ihm zu.

Batuti trat heran, ließ die Schultern bedrückt hängen und sagte nur ein Wort: „Verdammich."

„Kümmere dich um diesen Mann, forderte Hasard ihn auf. „Gib ihm zu trinken. Ich schätze, der Kutscher braucht mich dringend.

„Ich eilen", erwiderte Batuti.

Hasard bückte sich und schob die klammernde, drängende Hand von seinem Fußknöchel fort. Es widerstrebte ihm, aber mit einem einzigen Blick hatte er erkannt, daß seine Unterstützung drüben, vor den Eichenplanken des Vorkastells, im Augenblick nötiger waren.

Dort kniete der Kutscher vor einem übel zugerichteten Mann – Captain James Courcy. In der Kombüsentür auf der Steuerbordseite des Vorkastells tauchte soeben die Gestalt Blackys auf. Blacky erschien mit einer Pütz voll Trinkwasser, frischen Leinentüchern und einer der Flaschen, die der Kutscher streng unter Verschluß hielt und an die bisher nicht einmal das Bürschchen Dan bei aller Gerissenheit herangeraten war.

Der dunkelblonde Haarschopf des Kutschers ruckte herum, als Hasard neben ihm stand. Hasard bemerkte, daß das Gesicht seines Kochs und Feldschers grünliche Färbung angenommen hatte. Sein Blick wanderte zu Captain Courcy. Der saß aufrecht mit dem Rücken gegen die Querplanken gelehnt und zog eine tapfere Miene. Der erschütternden Tatsache konnte aber auch er sich nicht verschließen.

Sein linker Unterarm hing nur noch an irgendwelchen Muskel- und Sehnenfetzen. Der Unterarm war Knochenmus. Gehacktes Blei aus einer irischen Muskete hatte ihn durchsiebt.

„Ich weiß, sagte Courcy und schaute auf. „Er muß amputiert werden. Auf was wartet ihr? Ich bin bereit.

Hasard sah, wie der Kutscher schluckte, und beugte sich zu ihm hinab. „Reiß dich zusammen und sag mir, was ich zu tun habe. Ich assistiere dir."

„Himmel, ich habe meinem früheren Brötchengeber, Sir Freemont, einige Handgriffe aus der Wundbehandlung abgeschaut. Aber das hier …"

Hasard erwiderte nichts, und auch Blacky, der die Pütz und die Leinentücher und die Flasche Schnaps absetzte, brachte kein Wort hervor. Captain Courcy richtete sich noch ein Stückchen höher auf. Das bereitete ihm Schmerzen. Gequält verzog er das Gesicht. Dann aber fixierte er den Seewolf.

„Kapitän Killigrew! Ich befehle Ihnen, nicht mehr Rücksicht walten zu lassen als bei einem Mannschaftsdienstgrad. Was mich erwartet, ist mir klar. Aber im Interesse aller anderen, die hier liegen und auf Behandlung warten: Beeilen Sie sich!"

Hasard nickte kaum merklich. „Fangen wir an."

Der Kutscher sagte: „Die Prozedur ist simpel. Ich denke, ich habe alles Erforderliche bis auf eine Kleinigkeit. Hole einen Lederriemen. Einen breiten, starken Lederriemen, Blacky."

Blacky verschwand in der Kombüse. Der Kutscher breitete unterdessen vor sich aus, was er schon zuvor mit heraufgebracht hatte – ein Arsenal jener Gegenstände, die er sonst täglich für ganz andere Zwecke benötigte. Fünf große, scharfgewetzte Fleischermesser lagen auf einem Stück weißen Tuches. Ebenso eine eiserne Knochensäge und mehrere Holzkochlöffel zum Schienen von Knochenbrüchen. Letztere waren im Fall Courcy überflüssig.

Blacky kehrte an Deck zurück. Er hatte ein Stück Rohlederstreifen von einem Tampen abgesäbelt, der in der Kombüse zum Festzurren bestimmter Gegenstände benötigt wurde. Der Kutscher nahm das Ding entgegen und reichte es Captain James Courcy. „Wissen Sie, wie Sie es benutzen müssen, Sir?"

„Ja."

Hasard entkorkte die Flasche und hockte sich rechts neben den Mann.

„Sie sollten einen ordentlichen Schluck davon nehmen. Es ist Whisky. Kein schlechter Tropfen."

Er wollte ihm die Öffnung der Flasche an die Lippen führen. Doch Courcy schnitt eine Grimasse, nahm sie ihm mit der gesunden Rechten ab und setzte selbst an. Gluckernd rann ein Teil der rostbraunen Flüssigkeit durch seine Kehle. Die Männer schwiegen betreten. Keinem entgingen die feinen Schweißperlen, die sich auf Courcys Stirn gebildethatten, sich nun teilweise auflösten und über seine Wangen liefen.

Der Captain ließ die Flasche sinken und gab einen keuchenden Laut von sich. Hasard nahm sie ihm ab. Ohne zu zögern, steckte sich Courcy das dicke Leder zwischen die Zähne. Der Seewolf blickte zu Blacky hoch. Dieser verstand sofort, leckte sich mit der Zungenspitze über die trockenen Lippen und kniete sich, um die Beine des Mannes festzuhalten.

Hasard griff nach dem gesunden Arm des Captains und richtete sich so ein, daß er mit der anderen Hand Gewalt über den Oberkörper hatte. Courcy schwitzte nun stärker. Seine Augen weiteten sich, und nur ein Wunsch war daraus zu lesen: Besorgt es schnell!

Sie zogen ihn ein Stück von der Querwand des Vorkastells fort und drückten ihn auf die Planken, damit der Kutscher besser arbeiten konnte. Hasards Koch und Feldscher kennzeichnete mit einer knappen Bewegung der Hand die Stelle, an der er ansetzen würde und griff nach der Säge. Er wollte auf jeden Fall gründlich sein und rasch zu Werke gehen, wie er es bei Sir Freemont, dem Arzt in Plymouth, gesehen hatte. Vielleicht hätte ein scharfes Messer genügt, um den blutigen Verbund aus Muskel- und Sehnenfetzen zu durchtrennen, der den reglos daliegenden Unterarm noch hielt. Möglich war jedoch auch, daß der Widerstand der Substanzen größer war, als er vermutete.

Der Kutscher brachte die Klinge der Säge dem Ansatzpunkt näher. Mit der linken Hand packte er zu, mit der Rechten führte er das Werkzeug. Captain Courcy schloß die Augen und biß mit aller Macht auf das Stück Leder. Auch Blacky kniff unwillkürlich die Augen zusammen.

Philip Hasard Killigrew blickte starr auf den zerfleischten Arm und die Säge. Er konnte nicht anders. Plötzlich schienen die Laute rund um ihn herum mit einem Schlag zu zerreißen – das Knarren der Rahen und Blöcke, das Klatschen der Wellen gegen die hölzerne Bordwand, das Stöhnen und Jammern der Verwundeten. Das alles war wie ausgelöscht. Für Sekunden fühlte sich der Seewolf von absolutem Schweigen umgeben.

Dann begann es. Die Laute, die die Säge hervorrief, Courcys Aufbäumen und Stöhnen, das Zappeln der Beine, das von Blakky mit brutaler Gewalt unterdrückt werden mußte, der Moment, in dem ein wildes Zucken durch den Körper lief und selbst Hasard alle seine Kraft aufbieten mußte, um den Patienten halten zu können. Courcys Kopf schlug ein paarmal heftig hin und her, dann lag er still.

Bewußtlos, dachte Hasard. Er reagierte, ließ Arm und Oberkörper des Mannes los und steckte zwei Finger in dessen Mund, um das Stück Leder hervorzuholen, das er sonst unzweifelhaft heruntergewürgt hätte. Er hätte daran ersticken können.

Der Kutscher atmete schwer. Er hatte es vollbracht. Hasard war ihm dabei behilflich, die frische Wunde mit dem Schnaps zu desinfizieren, mit dem Trinkwasser zu waschen und zu verbinden. Blacky schaffte inzwischen den abgetrennten Unterarm fort. Er war ein kräftiger Kerl mit harten Fäusten, der gegen jeden Wind spuckte, aber jetzt war ihm anzusehen, wie sehr ihm die schreckliche Aufgabe zugesetzt hatte.

Hasard schaute sich um, als sie mit Captain James Courcy fertig waren. Captain Norris lag in der Nähe des Schanzkleides an der Backbordseite. Er bot einen weniger grauenvollen Anblick als der arme Teufel Courcy. Seinem Gesicht war aber anzusehen, daß er heftige Schmerzen litt.

Hasard deutete auf den ohnmächtigen Courcy. „Tragt ihn unter Deck, sagte er zum Kutscher. „Und bereitet da auch den Übrigen, die du verarztet hast, ihre Lager.

„In Ordnung. Aye, aye, Sir", gab der Kutscher ein wenig verwirrt zurück. Seine Gesichtsfarbe hatte sich

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