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Psychologie der Gefühle und Bedürfnisse: Theorien, Erfahrungen, Kompetenzen

Psychologie der Gefühle und Bedürfnisse: Theorien, Erfahrungen, Kompetenzen

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Psychologie der Gefühle und Bedürfnisse: Theorien, Erfahrungen, Kompetenzen

Länge:
505 Seiten
7 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
26. März 2009
ISBN:
9783170281448
Format:
Buch

Beschreibung

In diesem Lehrbuch werden zwei grundlegende Bereiche der Psychologie vereinigt und übersichtlich behandelt. Die Emotions- und Motivationspsychologie wird in die wichtigsten Paradigmen aufgegliedert (u. a. Evolutionstheorie und Ausdruckslehre, Psychoanalyse, Behaviorismus, Humanistische Psychologie, Kulturhistorische Schule, Kognitive Psychologie, Kommunikationspsychologie). Bei jedem Paradigma werden verschiedene theoretische Ansätze einiger Wissenschaftler in komprimierter Form dargestellt und besprochen. Die einzelnen Theorien werden jeweils unter dem Blickwinkel (neuro-)psychologischer Plastizität betrachtet. Sie werden mit Abbildungen von Modellen und Erfahrungsbeispielen illustriert und auf ihre Anwendungsmöglichkeiten in therapeutischer sowie alltagspsychologischer Hinsicht hin befragt.
Herausgeber:
Freigegeben:
26. März 2009
ISBN:
9783170281448
Format:
Buch

Über den Autor


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Psychologie der Gefühle und Bedürfnisse - Mark Galliker

Stichwortverzeichnis

Vorwort

Im Rahmen der akademischen Psychologie wurden Gefühle und Bedürfnisse relativ selten unabhängig von der Vernunft betrachtet und auch nicht oft miteinander behandelt oder gemeinsam untersucht. Emotion (emovere: erschüttern, aufwühlen) und Motivation (motivum: Bewegung) sind jedoch nicht voneinander unabhängige Phänomene, wie oft angenommen wurde. Häufig wurde die Motivation nur als jene Kraft betrachtet, welche mit dem Verhalten auch die Emotion bedingt, doch die Emotion kann auch als Erregung verstanden werden, welche der Motivation vorangeht oder diese mehr oder weniger bewusst „wahrnimmt" und derselben wiederum vorausgesetzt wird. Demnach könnten Emotionen motivierende Eigenschaften annehmen, so wie sich Motivationen emotional auswirken.

Die vorliegende Emotions- und Motivationspsychologie bezieht sich auf die bekanntesten Theorien in diesem Gebiet. Sie werden nach ihren wichtigsten Voraussetzungen i. S. unterschiedlicher Paradigmen angeordnet, wobei auch Verhältnisse der Theorien untereinander berücksichtigt werden. Der Schwerpunkt liegt auf den neueren Emotions- und/oder Motivationstheorien, gestreift werden aber auch einige ältere Ansätze, die hinsichtlich der aktuellen Theorien aufschlussreich sind.

Von jeder Theorie erhält man das, was man aus ihrem Blickwinkel zu beobachten vermag; was aber nicht heißt, dass man Phänomene, die aus einer bestimmten theoretischen Perspektive erkannt wurden, nur durch dieselben darstellen kann und sie nicht manchmal auch, wenngleich keineswegs immer, im Rahmen anderer Theorien neu auffassen könnte. Andererseits sollen die verschiedenen Theorien in der vorliegenden Arbeit nicht unterschiedslos vorgestellt werden, sondern so weit wie möglich formal und inhaltlich geordnet. Auf diese Weise werden auch Entwicklungen sichtbar sowie wissenschaftliche Beurteilungen und Bewertungen möglich.

In der vorliegenden Arbeit wurden die editorischen Angaben auf das Nötigste beschränkt. Nach dem Namen der Autoren oder Autorinnen folgt an erster Stelle das Jahr, in dem ein Werk zum ersten Mal erschienen ist. Falls es sich bei der im Text berücksichtigten Ausgabe nicht um eine Erstausgabe handelt, folgt an zweiter Stelle das Jahr, in dem die vorliegende Ausgabe publiziert worden ist.

Bei den verwendeten Abbildungen handelt es sich i. d. R. um Darstellungen der besprochenen Theorien oder Modelle. Sie wurden der im Text angeführten Literatur der Autoren und Autorinnen entnommen, manchmal vereinfacht oder den Erfordernissen des vorliegenden Textes angepasst. Einige Illustrationen wurden neu erstellt, um komplexere schriftliche Darstellungen zu veranschaulichen. Die Erfahrungsbeispiele wurden ebenfalls der Literatur entnommen oder stammen aus der eigenen Sammlung. Sie wurden jeweils unkenntlich gemacht hinsichtlich Personen, Zeit und Ort.

Herzlich bedanken möchte ich mich bei Heiner Hofer, der sich am Skript, das diesem Buch voranging, mit Rat und Tat beteiligt hatte, und bei Beat Meier, der einige Kapitel des vorliegenden Buches konstruktiv kritisierte. Werner Zimmermann verdanke ich die Gestaltung der Grafiken. Ohne seine kompetente Mithilfe hätte das Buch wohl kaum je erscheinen können. Bedanken möchte ich mich auch bei Daniel Weimer, mit dem ich mich regelmäßig über die psychoanalytische Theorie und andere therapeutisch relevante Theorien austauschen konnte, und bei Margot Klein, die das Manuskript durchgelesen und überprüft hat. Schließlich möchte ich mich bei den Studierenden der Universität Bern bedanken, die sich im Rahmen der Lehrveranstaltung Emotion und Motivation des Bachelorstudiums mit dem Vorlesungsskript, das eine erste Grundlage des vorliegenden Buches war, eingehend auseinandergesetzt haben und mit zahlreichen Rückmeldungen viel zur Anschaulichkeit und Verständlichkeit der theoretischen Darstellungen sowie zum Alltags- und Praxisbezug der Theorien beigetragen haben.

Abkürzungen

Einleitung

Viele Menschen sind unsicher im Umgang mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen. Sie erhalten bis heute erstaunlich wenig Hilfestellung bei der Bewältigung dieser komplexen Aufgabe. Einige Lehren, die uns im Verlaufe der Sozialisation zuteilwurden und die wir später teilweise auch aus eigenen Lebenserfahrungen ziehen konnten, sind ebenso alt wie widersprüchlich. Beispielsweise lernten wir, auf unser Herz zu hören, unseren Gefühlen zu trauen und sie auch auszudrücken; andererseits wurden wir dazu gebracht, nicht allzu emotional zu sein, uns jederzeit zu kontrollieren und uns gut zu überlegen, welche Gefühle wir anderen Menschen zeigen.

Es gibt eine Vielzahl von Gefühlen, von denen wir einleitend nur einige wenige herausheben wollen. Im Assoziationsexperiment reagieren Personen auf das Wort Gefühl in der Mehrzahl der Fälle mit dem Wort Liebe. Auch in repräsentativen Umfragen und in Befragungen von Studierenden, welche Gefühle sie denn am meisten interessieren, steht Liebe an erster Stelle – gefolgt von Hass, Wut, Glück und Trauer.

Liebe ist die zwischenmenschlich verbindende Emotion. Evolutionspsychologisch betrachtet ist sie der Anreiz weiblicher und männlicher Lebewesen zur Vereinigung und Fortpflanzung sowie zur Aufrechterhaltung der Beziehung mit dem Geschlechtspartner und damit auch zum Schutz des Nachwuchses. Der Liebe kommt in verschiedenen Bereichen (z. B. Christentum, Belletristik) eine wichtige, ja zentrale Bedeutung zu. Ins Bedeutungsfeld der Liebe gehören auch Zuneigung, Verliebtheit, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Intimität und Leidenschaft, aber auch Nächstenliebe, Verpflichtung und Abhängigkeit. Liebe wird oft als Lebenssinn und als Aufregendstes, ja Beglückendstes oder Schönstes des Lebens betrachtet, doch kann sie sich auch mit anderen Gefühlen vermischen, beispielsweise mit der Angst vor Einsamkeit oder gar mit Hass.

Beim Hass handelt es sich um den Gegenpol der Liebe. Häufig ist er mit Liebe verbunden oder gar verschmolzen, was gewöhnlich als Ambivalenz bezeichnet wird. Hass scheint eine spezifisch menschliche Emotion zu sein, die nicht unbedingt mit der phylogenetisch vermittelten Aggression und ihren evolutionspsychologischen Funktionen gekoppelt ist, sondern vielmehr auf Verletzung durch geliebte oder ehemals geliebte Bezugspersonen oder Mitmenschen zurückgeht. Hass ist ein zwischenmenschlich dissoziierendes Gefühl, das in verschiedener Intensität auftritt und von Abneigung, Ablehnung, Feindschaft bis hin zu Vernichtungswünschen reichen kann. Häufig geht es in der Alltagspsychologie sowie in der wissenschaftlichen Psychologie um die Frage, wie Hass, die enttäuschte Zuwendung, eingedämmt und kontrolliert werden kann.

Bei der Wut handelt es sich um eine heftige Erregung, die entsteht, wenn eine Person in ihrem Handlungsablauf auf sog. Sachzwänge oder unvorhergesehene oder ungerechtfertigte Hindernisse, Begrenzungen, Schutzmaßnahmen usw. einer anderen Person stößt. Die Wut informiert sie, dass ihre Grenze überschritten wurde, dass sie verletzt worden ist. Nachbarkonzepte der Wut sind Hass, Ärger und Aggression (Mees, 1992). Hass ist als Gegenspieler der Liebe am stärksten negativ konnotiert, während Aggression ein wissenschaftlich neutraler Begriff ist und auch im Alltag weniger abwertend verwendet wird. Aggressive Impulse können durch Frustrationen ausgelöst werden und, wenn für diese andere Personen verantwortlich gemacht werden, in Wut umschlagen. Diese heftige Reaktion kann bei einem Angriff zwar lebenserhaltend sein; sie könnte sich aber angesichts befürchteter Verluste auch destruktiv auswirken.

Aristoteles (384–322 v.Chr.) konstatierte nach erfahrenem Unrecht Beruhigung durch Vergeltung, »denn Rache nimmt (herben Menschen) den Zorn, weil sie anstelle der Unlust ein Lustgefühl vermittelt« (Aristoteles, undat., 2006, S. 109). Epiktet (50–138 n. Chr.) wies dann aber darauf hin, dass ein Wutanfall aufgrund eines Übels, das einem widerfahren ist, sich auch negativ auswirken könnte: »Wenn du zornig wirst, so bedenke, dass dir nicht nur dieses Übel widerfahren ist, sondern dass du auch deine Neigung zum Zorne verstärkt hast« (Schmidt, 1984, S. 74). Jedoch kann sich Ärger, der nicht ausagiert, sondern in sich hineingefressen wird, auch negativ auswirken. Entweder bricht die unterdrückte Wut irgendwann in destruktiver Art und Weise am falschen Ort wieder hervor oder sie breitet sich quasi im Untergrund aus und kommt früher oder später in Form von psychosomatischen Störungen oder Depressionen wieder zum Vorschein. Als sinnvolle Bewältigungsformen werden häufig Versprachlichungen der Wut zwischen Ausagieren und Verleugnen diskutiert, wobei zu berücksichtigen ist, dass mit ihnen auch Gefühle der Verletzung oder der Machtlosigkeit überdeckt werden können (Greenberg, 2001, 2006).

Wut wird oft nicht ausgedrückt, weil Konsequenzen befürchtet werden. Furcht ist die Emotion angesichts einer bestimmten Gefahr in einer alltäglichen Situation, die sich evolutionsbiologisch als emotionale Reaktion auf ein Gefahrensignal mit unmittelbar folgendem Fluchtverhalten auswirkt. Diese Emotion sorgt dafür, dass Lebewesen flüchten, noch bevor sie genau erkennen, worin die Bedrohung wirklich besteht. Demgegenüber wird die Angst eher als existentielles beklemmendes Befinden ohne unmittelbare externe Gefahr verstanden. Irrationale Ängste vor bestimmten Objekten (z. B. vor Tieren wie Spinnen oder vor technischen Errungenschaften wie Aufzügen oder PCs) werden als Phobie bezeichnet. Während Wut auch Empowerment bedeuten kann und mit der Handlungstendenz nach vorn gerichtet ist, verleitet Furcht dazu, sich zurückzuziehen und/oder sich im übertragenen oder auch im eigentlichen Sinne zusammenzuziehen. Als Bewältigungsformen der Furcht werden Analysen der objektbezogenen Emotion, Differenzierungen von Gefahr und Unschädlichkeit und/oder Gewöhnungen an den Auslöser i. S. einer Desensibilisierung durchgeführt, während bei der Angst die Rückbesinnung auf den gewöhnlichen Alltag und die Rückkehr zu all seinen konkreten Problemstellungen angestrebt wird.

Das Gefühl von Glück wird im Unterschied zum Angstgefühl als positives Gefühl erlebt. Es handelt sich um ein umfassendes, die allgemeine Lebenssituation betreffendes Lebensgefühl tiefen Wohlbefindens und Zufriedenheit oder um ein Gefühl, das mehr mit günstigen Umständen oder einer erfreulichen Fügung in Verbindung gebracht wird. Entsprechend wird Glück eher ruhig und harmonisch über längere Zeit gleichbleibend erlebt oder aber plötzlich überschwänglich einsetzend und dann weniger schnell wieder abflauend.

Freude ist ein Glücksgefühl, das mit Lebendigkeit und Vitalität verbunden wird. Sie wird als angenehmes, warmes, offenes Wohlbefinden erlebt. Wenn eine Person dieses »Jubelgefühl« empfindet, fühlt sie sich sorgenfrei, leicht, entspannt und gleichzeitig mit der Person, aufgrund derer oder mit der sie sich freut, oder mit einem Objekt der Freude (z. B. einem Geschenk) verbunden. Freude ist i. d. R. in der Liebe enthalten. Allerdings kann auch Stolz Freude beinhalten, und auch Schadenfreude ist eine Freude, die aber mit Geringschätzung assoziiert wird. »Wie kann man sich häufiger freuen?« oder »Ist es Menschen möglich, glücklich zu werden?«, das sind Fragen, mit denen sich die Psychologie lange Zeit nicht beschäftigt hat. In der modernen Psychologie stoßen sie jedoch auf zunehmendes Interesse und werden infolgedessen in der einen oder anderen Form auch im vorliegenden Buch berücksichtigt.

Trauer ist ein qualvoller Gemütszustand nach einem Unglück oder einem Verlust. Dieses Gefühl teilt einer Person mit, dass sie etwas Wichtiges verloren hat, benachteiligt worden ist oder ein wichtiges Ziel nicht erreicht hat. Es ist leidvoll bis hin zum Schmerz, ein Stück von sich selbst verloren zu haben. Dieses Gefühl äußert sich oft zunächst nur als leichtes Brennen hinter den Augen; sofern es dort überhaupt (auf-)gespürt wird, bewegt es sich manchmal den Körper hinunter bis in den Magen hinein. Wenn ein Mensch in Trauer ist, kommt er sich häufig sehr klein vor und denkt »Ich bin jetzt ganz allein« oder »Ich gebe jetzt auf; es bringt ja sowieso alles nichts«. Seufzen ist ein emotionaler Ausdruck der Trauer, der in gewisser Hinsicht erleichtert. Gleichzeitig deutet dieser Ausdruck darauf hin, dass die Trauer unterdrückt wird; jedenfalls nicht weitergehend verbalisiert und womöglich exploriert wird. Häufige Begleiterscheinungen der Trauer sind mehr oder weniger ausgeprägte Hilfsappelle an andere Menschen und an die Gemeinschaft. So finden sich neben individuellen Verarbeitungen (sog. Trauerarbeit) auch die Begleitung durch Angehörige, institutionelle Unterstützungsangebote sowie kulturelle Hilfestellungen (u. a. Trauerriten). Trauer kann mit Wut zusammenhängen – enger als oft angenommen wird. Beispiel: Wird ein Kind von seiner Mutter getrennt, reagiert es häufig zunächst wütend, gefolgt von Trauer über den Verlust (oder zuweilen auch umgekehrt).

Es wäre illusorisch anzunehmen, dass der Oberbegriff aller Gefühle und Empfindungen, nämlich der Begriff Emotion, überall gleich verstanden wird. Das Gegenteil ist der Fall – und zwar nicht nur im Alltag, sondern auch in der Wissenschaft. Die Bedeutungen dieses Begriffs variieren nicht nur von einem wissenschaftlichen Paradigma zum anderen (z. B. vom behavioristischen zum kognitionspsychologischen Paradigma), sondern oft auch innerhalb ein und derselben psychologischen Richtung und zwar fast von Theorie zu Theorie und manchmal sogar von Wissenschaftler zu Wissenschaftler (einen Überblick über die verschiedenen Definitionen der Emotion bei rund 100 verschiedenen Wissenschaftlern geben Kleinginna & Kleinginna, 1981).

Wenn man sich von der Vielfalt der Begrifflichkeit nicht beirren lassen möchte, sollte man sich um eine Sprachregelung bemühen, die zunächst noch möglichst wenig theoriegeleitet ist, beim alltagssprachlichen Verständnis der Emotions- und Motivationsbegriffe ansetzt und zumindest die wichtigsten Unterschiede im Untersuchungsbereich von Emotion und Motivation auslegt. In der vorliegenden Arbeit werden die beiden Begriffe miteinander behandelt, sodass bei einer gemeinsamen Behandlung derselben sowie ihrer Neben- und Unterbegriffe immer auch die Gefahr besteht, sie zu vermengen, wenn nicht rechtzeitig eine erste Sprachregelung erfolgt. Mit der folgenden vorläufigen Bestimmung der wichtigsten Begriffe soll jedoch nicht versucht werden, ein einheitliches Begriffssystem zu schaffen oder auch nur vorzubereiten. In der Emotions- und Motivationspsychologie existieren diverse Paradigmen, die Konzepte nahelegen, die auch bei gleichen Signifikanten ungleiche Signifikate haben und den Gegenstandsbereich verschieden ausdifferenzieren. Lehrbücher, die diesen Sachverhalt ignorieren, befinden sich auf dem Holzweg, denn sie tun so, als ob es sich beim vorliegenden Forschungsgegenstand um ein einheitliches Gebiet handeln würde, das nur i. S. eines Paradigmas – heute meistens jenem der kognitiven Psychologie – untersucht werden könnte und unterschlagen dabei Differenzen vom Stand der Forschung sowie vom Gegenstand her. Mit den nachfolgend angeführten ersten Begriffsbestimmungen sollen aber unnötige Unklarheiten aus dem Weg geräumt und die Verständlichkeit der Darstellung erhöht werden. Zugleich kann der Forschungsgegenstand begrenzt und der Geltungsbereich phänomenologisch vorstrukturiert werden; jedenfalls so weit wie es die meisten wissenschaftlichen Theorien erlauben.

Emotion ist die umfassende Bezeichnung für den inneren Aspekt des Erlebens. Es handelt sich um eine seelische Erregung (auch Gemütserregung genannt), die aber nicht unbedingt bewusst zur Kenntnis genommen wird. Im Unterschied zur Emotion ist das Gefühl immer eine bewusste seelische Regung. Eine Person ist in eine Angelegenheit involviert, wodurch sich »etwas« auch in ihrem Körper und Bewusstsein regt. Mit dieser Regung wird i. d. R. auch eine persönliche Stellungnahme ausgedrückt. Gefühle, die eine Person zulässt, in ihr hochkommen und sie für etwas einnehmen lässt, die sie nicht von vornherein abblockt oder schon vorher zu vermeiden sucht, folgen einem natürlichen Rhythmus; sie entstehen und vergehen, schwellen an und verblassen wieder. Beim Gefühl wird also – abhebend von der allgemeineren Emotion – der Aspekt der subjektiven Wahrnehmbarkeit hervorgehoben. Es handelt sich nur um einen Aspekt der Emotion, nämlich um jenen des erlebten oder subjektiven Fühlens.

Ein Affekt ist eine starke seelische Erregung, die i. d. R. als unmittelbare Reaktion auf einen Stimulus bzw. auf eine wahrgenommene Reizsituation erfolgt. Der meistens nur kurze Zeit wirksame Affekt hat i. U. zu dem Gefühl den Beiklang des Unkontrollierbaren und Heftigen. Der mittel- oder längerfristig andauernde Zustand des Gefühls wird Stimmung genannt. Die Stimmung ist ein Hintergrundgefühl, das nicht durch einen genau bestimmbaren externen Reiz ausgelöst wird. Bei der Empfindung handelt es sich um eine genau bestimmbare Reaktion auf einen spezifischen Reiz, der unmittelbar registriert und körperlich umgesetzt wird. Die Empfindung ist das bei der Einwirkung eines Reizes auf ein Sinnesorgan eintretende körperliche Erlebnis und als solches i. d. R. durch Dauer, Intensität und Qualität genau bestimmt.

Motivation ist die umfassende Bezeichnung für das Ensemble der Beweggründe, die das menschliche Handeln hinsichtlich Inhalt, Richtung und Intensität beeinflussen. Demgegenüber handelt es sich beim Willen um ein Streben, das über eine Entscheidung zum Handeln führt und dieses Handeln womöglich bis zum Abschluss desselben in Gang hält. Interesse ist die besondere Aufmerksamkeit, die eine Person einer anderen Person oder einem Gegenstand aufgrund eines entsprechenden Bedürfnisses schenkt. Der Instinkt ist die bei einem Organismus angenommene ererbte Fähigkeit, in bestimmten Situationen ein nicht bewusst gelenktes, aber richtiges lebens- und arterhaltendes Verhalten zu zeigen.

Bedürfnis wird enger gefasst als Motivation und zwar als ein körperlich in Erscheinung tretender Mangel bezüglich eines Gutes, das zum Leben notwendig ist. Das Verlangen ist das, was zum Leben subjektiv angestrebt wird bzw. das, was zur Behebung des Mangelzustandes (bzw. Bedürfnisses) eingefordert wird. Das Begehren ist ein ausgeprägtes Verlangen nach etwas, das zum Leben benötigt und dessen Erfüllung Genuss bereiten wird. Wie bei der Begierde handelt es sich um den mit der Vorstellung eines Zieles verbundenen Antrieb. Mit dem Trieb ist ausschließlich der innere Antrieb gemeint, der auf die Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse abzielt.

In der vorliegenden Arbeit werden vor dem Hintergrund der angesprochenen Gefühle und Bedürfnisse eine Reihe von Fragen gestellt und mithilfe der vorliegenden Theorien und vorhandenen Erfahrungen so weit wie möglich beantwortet. Einige der elementarsten Fragen sollen zur Illustration an dieser Stelle angeführt werden:

Für was sind Emotionen gut?

Wie finden wir einen Zugang zu ihnen?

Können uns Gefühle etwas mitteilen?

Was tragen sie zum Denken bei?

Wie können störende Emotionen kontrolliert werden?

Wie werden Bedürfnisse erkannt?

Wie werden Bedürfnisse zum Ausdruck gebracht?

Lassen sich Gefühle durch andere Gefühle beeinflussen, verändern und/oder ersetzen?

Diese Fragen und eine Reihe weiterer Fragen werden in der vorliegenden Arbeit behandelt und so weit wie möglich beantwortet, auf dass bei den Lesern und Leserinnen ein Bild von Emotion und Motivation entsteht, das es ermöglicht, Emotion und Motivation besser zu handhaben und zu organisieren. Dabei wird die Vielfalt der Antworten berücksichtigt, welche die bestehenden psychologischen Theorien anbieten. Dieselben werden nach Richtungen und Paradigmen gruppiert und in komprimierter Form präsentiert.

Im Bereich des Verhaltens, der Emotionalität sowie der Motivation sind Erklärungen i. S. linearer Kausalität nicht ausreichend. Ebenso wie die Auswirkungen von Voraussetzungen sollten Rückwirkungen und nötigenfalls auch ganze Serien entsprechender Kreisläufe berücksichtigt werden, sodass dieser Prozess auch von einem bestimmten (Zwischen-)Ergebnis her aufgerollt und betrachtet werden kann. Die Beachtung des Ergebnisses eines ursprünglich spontanen Vorgangs wird zur neuen Voraussetzung der Fortsetzung des Vorgangs. Der in der humanistischen Psychologie zentrale Begriff »Be-achtung« ist immer schon Rückschau und zugleich Vorschau oder Rücksicht und Vorsicht. Beachtung rollt das Geschehen quasi von hinten her wieder auf. Es ist nicht in erster Linie eine »Wenn-Dann-Beziehung«, sondern eine »So-dass-Beziehung«. Im Zusammenhang betrachtet, wird jedes Moment als bedingt und bedingend verstanden. Jeweils wieder neu Vorgegebenes wird manuell und/oder kommunikativ umgestaltet. Es wird beachtet und aufgrund dieser »Wahrnehmung« weiter behandelt. Beispielsweise werden vorhandene Emotionen mit anderen Emotionen »übermalt« – bildlich gesprochen mit mehr oder weniger Wasser und anderen Farben. Dabei lässt sich natürlich Schwarz weniger gut übermalen als Gelb oder Hellblau.

Bei dem skizzierten methodologischen Verhältnis handelt es sich zwar in einem gewissen Sinne ebenfalls um einen kausalen Zusammenhang, aber um einen solchen, an der die Person beteiligt ist – eine Person, die ihr weiteres Verhalten aufgrund vorliegender Begebenheiten eben oft begründet vollzieht. Sie setzt sich in einer bestimmten Richtung in Bewegung i. S. ihres (Hinter-)Grundes. Dieser »Beweggrund« ist die Motivation, wissenschaftstheoretisch ausgedrückt. Das skizzierte Verhältnis lässt sich als Selbstwirksamkeit eines Subjekts und längerfristig gesehen als Selbstentwicklung desselben verstehen. Wo dasselbe ausgeschlossen wird (wie z. B. bei einigen naturwissenschaftlichen Ansätzen), muss auch vom Motivationskonzept abstrahiert werden. Wo es angenommen oder unterstellt wird, können direkte Verhaltenskonsequenzen notwendigerweise nur einen Aspekt der Motivation bilden, ausgenommen jene Fälle, bei denen sich die Wahrnehmung und Bewertung des Subjekts ausdrücklich auf die unmittelbaren Folgen des Verhaltens bezieht und mit diesen das weitere Verhalten begründet. Allerdings ist der entsprechende Prozess i. d. R. nicht von Anfang an zugänglich. Meistens wird er erst allmählich bewusst. Sicherlich ist aber die Bewusstwerdung nicht das größte Problem. Schwieriger scheint die Umsetzung von Erkenntnissen in einem primär unwillkürlichen Prozess zu sein.

Der angedeutete wissenschaftstheoretische Ansatz hat auch einen wissenschaftlichen Inhalt, nämlich persönliche Formbarkeit, Gestaltung, Plastizitat. Gerade im Bereich der Emotionen fällt dieser Ansatz von alters her in Betracht: Bereits Aristoteles wies in der Nikomachischen Ethik darauf hin, wie i. U. zum Bereich der Sinneswahrnehmung in den handwerklichen, künstlerischen und sittlichen Bereichen gelernt wird: »Denn was man erst lernen muß, bevor man es ausführen kann, das lernt man, indem man es ausführt: Baumeister wird man, indem man baut, und Kitharakünstler, indem man das Instrument spielt. So werden wir auch gerecht, indem wir gerecht handeln, besonnen, indem wir besonnen, und tapfer, indem wir tapfer handeln« (undat., 2006, S. 34 f). Aus »wiederholten Einzelhandlungen« gehen »feste Grundhaltungen« hervor (ebd., S. 68). Das heißt, die Gewöhnung verfestigt sich schließlich im Menschen und wird zur »zweiten Natur« in ihm; zu einer Natur, die oft als eigentliche Natur verkannt wurde. Gemäß dem Autor erhält das Konzept der Kompetenz erst seinen vollen Sinn »in der Zurückführung auf das Wirken«, wobei das »entscheidende Moment im Wirksamwerden (liegt)« (ebd., S. 264).

Aristoteles erkannte, dass dieses Wirken durch die zugehörige Lust intensiviert wird. Wer der Baukunst mit Lust ergeben sei, mache entsprechende Fortschritte in diesem, seinem eigensten Bereich. Die intensivierende Lust, die wesentlich dem Intensivierten zugeordnet sei, könne aber auch eine andere Tätigkeit stören. Beispielsweise werde ein begeisterter Flötenspieler einer philosophischen Diskussion nicht mehr richtig folgen, falls Flötenmusik an sein Ohr gelange und er nun dieser Musik seine Aufmerksamkeit schenke. »Das lustvollere Tun verdrängt das andere, und wenn der Unterschied an Lustgehalt sehr groß ist, dann um so entschiedener, so dass man das minder Angenehme sogar aufgibt« (ebd., S. 282). Demnach kann Unlust durch Lust vertrieben werden und zwar durch die der Unlust entgegengesetzte Lust oder auch durch eine beliebige andere Lust, wenn sie nur stark genug ist. Allerdings sieht Aristoteles hierin v. a. den Grund für die Entwicklung eines schlechten Charakters oder von Suchtverhalten, wenn beispielsweise außer an sinnlicher Lust an nichts anderem mehr Vergnügen gefunden werde.

Epikur (341–270 v. Chr.) wies darauf hin, dass eine Person die Folgen jeder Handlung in Rechnung stellen und dabei abwägen könne, ob sie mehr Lust oder Unlust bereiten würde, um dann beispielsweise kurzfristig Schmerzen in Kauf zu nehmen, um längerfristig größere Lust zu erreichen. Eines der Mittel, die Epikur zur Verfügung standen, um Schmerzen zu überwinden oder wenigstens zu lindern, war deren Kompensation durch Lust: »Man sollte versuchen, den Schmerz durch gleichzeitige Lustempfindungen in anderen Bereichen aufzuwiegen oder zu übertönen, und zwar nicht nur durch gegenwärtige Lust (z. B. wenn jemand seinen Kopfschmerz bei schöner Musik zu vergessen trachtete), sondern auch durch die Erwartung künftiger oder die Erinnerung vergangener Freuden« (Hossenfelder, 1996, S. 169).

Der britische Philosoph Hume (1711–1776), wissenschaftstheoretisch gesehen der Urvater des modernen Empirismus und der empirischen Psychologie, unterschied zwischen direkten und indirekten Affekten. Letztere seien mit einer Vorstellung assoziierte Affekte. Sie könnten direkten Affekten neue Stärke verleihen und das Begehren vergrößern. Allerdings würden sie aber nicht einfach dem Geist folgen, seien sie doch träger und nach eigenen Gesetzmäßigkeiten wandelbar. Affekte könnten ineinander übergehen, sich wechselseitig verstärken und in einigen Fällen ihre Auslöser wiederum selbst erzeugen. Hume nahm also eine eigene Dynamik der Affekte mit der Möglichkeit der Abkopplung vom äußeren Reizen als zentrale Determinante an. Damit wurde auch die Formbarkeit von Vorstellungen und letztlich den ihnen zugrundeliegenden Sinneseindrücken thematisch sowie methodologisch möglich. Nach dem Autor kann sich aber kein Mensch etwas vorstellen, das er nicht schon früher durch äußere oder innere Sinne empfunden hat. Demnach sind Vorstellungen immer schon einem vorausgehenden Eindruck oder einer Empfindung nachgebildet. Als solche stehen sie allerdings den Menschen jederzeit zur Verfügung, wenngleich in einem weniger lebhaften Sinne als die unmittelbaren Sinneseindrücke. Mit anderen Worten: Vorstellungen erlauben es, frühere Sinneseindrücke zu »wiederholen« und in abgeschwächter Weise zu handhaben bzw. mit ihnen aktuelle Emotionen zu modifizieren und zu modellieren. Beispielsweise kann sich eine Person vorstellen, dass sie bald Schmerz verspüren wird, wenn sie sich wieder gleich verhalten würde, wie bei einer früheren Gelegenheit. Andererseits könnte die Person auch eine Vorstellung früheren Glücks in die momentan weniger glückliche Situation einbringen.

Seit Lamarck (1744–1829) und in einem heute noch wissenschaftlich vertretenen Sinne seit Darwin (1809–1882) wurde in der Biologie die Veränderbarkeit und Formbarkeit neben der Konstanz der Phänomene beachtet und der Plastizität schließlich die Priorität eingeräumt. In der modernen Neurobiologie wurde schließlich auch der Plastizitat des Nervensystems große Bedeutung beigemessen: »Unsere Experimente an der Aplysia zeigen (…), dass die Plastizität des Nervensystems – die Fähigkeit der Nervenzellen, die Stärke und sogar die Anzahl der Synapsen zu verändern – der Mechanismus ist, der Lernen und Langzeitgedächtnis zugrunde liegt. Da nun jeder Mensch in einer anderen Umgebung aufwächst und unterschiedliche Erfahrungen macht, besitzt das Gehirn jedes Menschen eine einzigartige Architektur. Sogar eineiige Zwillinge mit identischen Genen haben auf Grund unterschiedlicher Lebenserfahrungen verschiedene Gehirne« (Kandel, 2006, S. 240).

Selbst wenn die Problematik der Plastizität nur biologisch betrachtet wird, scheint sie einen größeren Bereich der Varianz menschlichen Verhaltens erklären zu können als die Gene, die aber als solche in einem breiteren Sinne verwertbar zu sein scheinen. Zwar werden sich im Verlaufe des Lebens Verfestigungen ergeben und manches wird zur »zweiten Natur« werden, doch auch im Alter bleibt durchaus noch eine gewisse Plastizität erhalten (Lehr, 2003). Lebenslange Plastizität scheint heute nicht nur neurologisch, sondern auch psychologisch erklärbar zu sein (vgl. u. a. Perrig-Chiello et al., 1997).

Auch im vorliegenden Buch soll das subjektive Wohlbefinden der Person unter gegebenen Lebensverhältnissen im Zentrum der Betrachtung stehen. Ein wesentlicher Teil der Arbeit befasst sich besonders mit dem theoretisch sowie praktisch relevanten Problem der Plastizität der Gefühle und Bedürfnisse, wobei neben den modernen Konzepten auch ältere Konzepte berücksichtigt werden, die inhaltlich und/oder formal einen ähnlichen Charakter aufweisen und sich in diesem Bereich nach wie vor als relevant erweisen könnten, wenngleich die bestehenden Theorien und Modelle im emotionalen und motivationalen Bereich nicht i. S. der Plastizität formuliert sind und meistens als einfache Flussdiagramme dargestellt werden, häufig sogar ohne die Möglichkeit einer einfachen Rückwirkung oder Rückmeldung.

Im ersten Kapitel der vorliegenden Arbeit wird der alten Frage nachgegangen, ob und allenfalls wo Emotionen im zentralen Nervensystem lokalisierbar sind. Wenn Emotionen zentralneural gesteuert sind, müssten sie auch vom Zentrum aus gedacht formbar sein und zwar nicht nur medizinisch durch Medikamente, sondern auch psychologisch. Letzteres könnte etwa dadurch geschehen, dass Emotionen bewusst zur Kenntnis genommen und die entsprechenden Gefühle im Bewusstsein umgeformt würden (z. B. durch Phantasietätigkeit). Entsprechende Veränderungen müssten sich allerdings auch physiologisch auswirken (z. B. Veränderung der Herzkohärenz).

Im zweiten Kapitel stellt sich die Frage, ob über die Wahrnehmung körperlicher Veränderungen und Empfindungen Gefühle geformt und verformt werden können. Ist etwa die Mimik nur Endergebnis der Emotionen oder kommt ihr bei Entstehung derselben eine größere Bedeutung zu? Sind Atmung oder Puls nur physiologische Begleiterscheinungen der Emotionen, oder sind sie wesentlich an deren Konstitution beteiligt, sodass sie auch hinsichtlich der Modifikation der Emotionen von Bedeutung sind?

Im dritten Kapitel wird untersucht, ob und, wenn ja, wie sich Emotionen und Bedürfnisse im Verlaufe der Evolution verändern. Naturgeschichtlich orientierte Forscher sind der festen Überzeugung, dass die Entstehung und Veränderung von Emotionen und Bedürfnisse nur unter Rückgriff auf die Entwicklung der Arten zu verstehen sind. Sie stellen die Frage nach den Reproduktionsvorteilen, die angeborenes emotionales Ausdrucksverhalten der Art und dem Individuum bietet. Dabei stellt sich die Frage, ob die Erhaltung der Art und die Erhaltung des individuellen Lebens nicht auch ein »Ziel« ist, das die Organe und ihre Funktionen beherrscht. Ist bevorteiltes angeborenes Verhalten in der Ontogenese gleichwohl formbar? Haben im Humanbereich Instinkte und Prägungen einen ebenso definitiven Charakter wie im infrahumanen Bereich?

Im vierten Kapitel wird das Triebleben aus psychoanalytischer Sicht betrachtet. Wie kommen die für die Menschen wichtigsten Bedürfnisse und Gefühle (insbesondere Liebe und Hass) psychodynamisch zustande? Wie werden sie im Verlaufe der Entwicklung auf verschiedene Objekte (Personen und Gegenstände) verteilt und wie verändern sie sich dabei? Lassen sie sich rückblickend erneut verwandeln und, wenn ja, wie? In der Psychoanalyse erfolgen die wichtigsten Veränderungen nicht bewusst, sondern unbewusst über die sog. primären Prozesse, die im Wesentlichen durch unwillkürliche Verschiebungen und Verdichtungen erfolgen. Handelt es sich hierbei um Umformungen, die gegebenenfalls auch kreativ ausgestaltet werden könnten?

Im fünften Kapitel werden Triebe und Emotionen so weit untersucht, wie sie durch körperliches Verhalten ausweisbar sind. Die Konditionierung ist die wichtigste Möglichkeit der Veränderung innerhalb des behavioristischen Paradigmas. Es können nicht nur unbedingte Reize durch bedingte, ursprünglich neutrale ersetzt werden, sondern es ergibt sich auch die Möglichkeit der Reaktionssubstitution. Bei den auf die klassischen behavioristischen Ansätzen folgenden behavioristischen Ansätzen (insbesondere operante Konditionierung) und neobehavioristischen Ansätzen (insbesondere Kombination von klassischer Konditionierung und instrumenteller Konditionierung) werden Verhaltensweisen und entsprechende Emotionen auch bestimmten Annäherungen und Ausformungen unterzogen (sog. Shaping).

Im sechsten Kapitel wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Motivation durch die Person und den Kontext, in dem dieselbe agiert, modifizierbar ist. Insbesondere stellt sich die Frage, welchen Einfluss die Motivation auf die Performance hat. Dabei kann es sich nicht nur um einen Impuls handeln wie etwa beim Anstoß einer Billardkugel. Es stellt sich die Frage, welche Rolle der Rückmeldung zukommt. Beispiele solcher Rückmeldungen sind die Leistungsbeurteilung und die Selbsteinschätzung. Inwieweit vermögen sie die Motivation umzuformen? Dabei stellen sich weitere Fragen: Warum wurde bisher in der Psychologie Motivation meistens auf Leistungsmotivation reduziert? Oder auch die mehr wissenschaftstheoretisch relevante Frage: Erübrigt sich mit einem umfassenden Konzept der Bekräftigung nicht auch ein breit gefasstes Motivationskonzept?

Im siebten Kapitel wird die Plastizität der Emotionen und Bedürfnisse aus der Perspektive der Humanistischen Psychologie betrachtet. Besondere

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