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Die Bremen-Polizei-Serie 1987-1996

Die Bremen-Polizei-Serie 1987-1996

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Die Bremen-Polizei-Serie 1987-1996

Länge:
179 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
6. Okt. 2014
ISBN:
9783958659919
Format:
Buch

Beschreibung

Obwohl einige deutsche KrimiautorInnen Romane mit dem gleichen Personal in Serie haben gehen lassen, ist Jürgen Alberts der erste gewesen, der sich nach dem Modell der Schweden Sjöwall/Wählöö an eine abgeschlossene Zehner-Serie gewagt hat. (Zwischen 1986 und 1996 erschien jährlich eine Folge.) In anderen europäischen und lateinamerikanischen Ländern haben es gleich mehrere Kollegen versucht. In diesem "elften" Band der Bremen-Polizei-Serie berichtet Jürgen Alberts, wie es zu diesem literarischen Projekt kam, wie die Recherchen zu den brisanten Themen aussahen und welche, oft erstaunlich heftige, Reaktionen es auf das Erscheinen der Romane gegeben hat. Vor dem Hintergrund bremischer Lokal- und bundesdeutscher Geschichte (die Serie umfasst den Zeitraum von 1975 bis 1993) hat Jürgen Alberts die Innenwelten von Polizei und Medien beleuchtet.
Herausgeber:
Freigegeben:
6. Okt. 2014
ISBN:
9783958659919
Format:
Buch

Über den Autor


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Die Bremen-Polizei-Serie 1987-1996 - Jürgen Alberts

soll.

Vorwort

Nach den ersten Versuchen im Genre Krimi, zwei Hörspiele und drei Romane, spürte ich, dass ich mich in dieser Gattung ausgesprochen zuhause fühle. Einerseits hatte ich spannende Geschichten zu erzählen, andererseits lässt das Genre genügend Raum für die kritische Sicht auf die Gesellschaft. Und diese Sicht habe ich mir bis heute erhalten. Das Genre Krimi bietet auch Schutz, in die Fänge der bürgerlichen Kritik zu geraten. Wenn man mal davon absieht, dass es ein paar Kritikerpäpste gibt, die genau zu wissen scheinen, wie ein Krimi sein soll. (Ich studierte damals zwar nicht allzu oft die Feuilletons, aber eins wusste ich, auch die größten Dichter können bekommen eins übergebraten. Vernichtende Schläge, von denen sich manche nur schwer erholten.)

Nach langer Pause beim Romanschreiben, fast 15 Jahre, und einem Nicht-Krimi „Die zwei Leben des Maria Behrens (1981), wagte ich mich an ein Projekt, dass mich zwischenzeitlich zu überfordern drohte. Die Erfahrungen mit den Kriminalromanen „Gehirnstation (1984), „Entdeckung der Gehirnstation (1985) und „Tod in der Algarve (1985) gaben mir genügend Schwung, als erster deutscher Autor solch ein Vorhaben zu beginnen. (Und bis heute hat niemand etwas Ähnliches vorgelegt.)

Ohne Zweifel waren die schwedischen Krimiautoren Maj Sjöwall/Per Wahlöö mit ihrer 10er-Serie Vorbild für mein Romanprojekt. Ich habe deren Bücher damals „verschlungen, nachdem ich schon während der Schulzeit die schwarze Serie der amerikanischen Autoren kennen gelernt hatte. Die Schweden demonstrierten für mich auf unterhaltende Weise, wie Literatur und Gesellschaftskritik sich gegenseitig befruchten können. Zusammen mit den früheren Lektüren von Edgar Wallace, Agatha Christie, Victor Gunn, Ross McDonald und den deutschen Kollegen: Huby, -ky, Martin, Werremeier hatte ich das Genre schon so weit „eingeatmet, dass ich mich in der Lage sah, selbst zum Kriminalschriftsteller zu werden. (siehe den Vortrag im Nachwort: Wie kommt ein Autor zu seinem Genre?)

Ohne große Probleme konnte ich mit meinem Freund und Lektor beim Heyne-Verlag, Bernhard Matt, einen Vertrag über meine 10er-Serie aushandeln. Eine Liste von kurz skizzierten Plots reichte damals noch aus, um mit den großen Verlagen zu verhandeln. (Wenngleich ich nur 3-Buch-Verträge bekam, weil man es mir bei Heyne vielleicht doch nicht zutraute, jedes Jahr für den Bücher-Herbst einen Roman zu liefern. Um gleich eine weitere Frage zu beantworten, die mir oft bei Lesungen gestellt wurde: pro Roman bekam ich 6500 DM am Anfang, das steigerte sich auf 8500 DM als nicht rückzahlbarer Vorschuss. Die meisten Romane haben über die 6%-7% Tantiemen-Regelung weit mehr eingespielt.) Startauflagen damals waren 20.000 Exemplare – eine Zahl, von denen die meisten Kollegen heutzutage nur träumen.

Die allererste Übersicht, in eine schwarze Kladde geschrieben, verweist auf mehr als zwanzig Themen, Fälle und Todesfälle, Stories und Plots. Aus der Zeit des BREMER BLATTES, dem alternativen Monatsblättchen, das ich 1976 zusammen mit einigen KollegInnen gestartet habe, hatte ich für den regionalen Hintergrund genügend Material gesammelt. (Von den Krawallen am WESER-Stadion bei der Rekrutenvereinigung am 6. Mai 1980 bis zu der Einkesselung der Demonstranten in einem Bahnhofstunnel während der Feiern zum 3.Oktober 1993). Die bundesrepublikanische Kulisse, die ebenfalls im Hintergrund erscheinen sollte, musste ich nachrecherchieren. Was meist im Institut für deutsche Presseforschung an der Bremer Universität geschah. (Herzlichen Dank für die Unterstützung.) Dort saß ich wochenlang und fischte nach Neben-Plots, Zitaten, kurzum Material, das ich einzubauen gedachte. Wie sich später herausstellte, waren nur etwa 10% der Fundstücke zu gebrauchen. Aber wer mit einem großen Schleppnetz fischt…

Auf blauen Karteikärtchen habe ich das gesamte Personal festgehalten – Alter, Aussehen, Charaktereigenschaften, Beruf, Freunde/Feinde, Erfahrungen etc. Da es manchmal role models gab, habe ich manchen Bekannten/Freund/Unsympath in den Romanen „verwurstet". Heutzutage machen die blauen Kärtchen den Eindruck, als hätte ich auch nur ein Detail meiner Personen vergessen. Was niemals der Fall war. Ich wusste immer, mit wem ich es zu tun hatte, wenn Kommissar Lindow oder der Journalist Klaus Grünenberg in Erscheinung traten. Das Denunziantenpärchen Else und Otto Holzmann oder die beiden Streifenpolizisten Rapka und Kuhlebert, selbst die Nebenrollen waren mir stets präsent. Immer nach Fertigstellung eines Titels habe ich die blauen Kärtchen ergänzt und neuere Entwicklungen angefügt. Trotz der mehr als zwei Dutzend handelnden Personen habe ich die Kärtchen kaum gebraucht.

Die Materialmappe zu jedem Band umfasste immer eine Vielzahl von Artikeln, Fotokopien, Ausschnitten aus Magazinen, Unterlagen von polizeilichen Protokollen, Anklageschriften, Spickzettel und Notizen und, was ganz besonders war: zu jedem Buch gibt es den handschriftlichen Aufriss der einzelnen Kapitel, den ich - meist in einer Woche - gedanklich entwickelt habe. Struktur machen, habe ich dieses Verfahren genannt. Zwar bin ich während des Schreibens häufig davon abgewichen, aber es war wie bei einem Tanz auf dem Seil, es braucht ein Auffangnetz. Wenn mir nichts Neues einfiel, konnte ich mich in dieses Netz fallen lassen. Diese strukturellen Handlungsabläufe, die in den zehn Jahren detaillierter wurden und mir auch immer leichter von der Hand gingen, zeigen einen Handwerker, einen Konstrukteur, keinen Künstler, Literaten oder gar Dichter, jemanden, der sich darum bemüht, gesellschaftliche Entwicklungen, regional und bundesweit, und persönliche Erfahrungen seiner dramatis personae zusammenzubringen, um eine spannende Handlung zu konstruieren. Gisbert Haefs, mein geschätzter Kollege, schrieb über die Krimi-Reihe: „In seiner Bremen-Polizei-Serie legt Jürgen Alberts einen Beweis dafür vor, dass ein Polizeiroman spannend, straff und lakonisch sein kann."

Der Anstoß

Was war der Auslöser, dass ich begann, mich so intensiv mit der Arbeitswelt Polizei zu befassen? In der „Schwarzen Beute Nr.2", Reader zum Thema Kriminalroman, die im Rowohlt Verlag in lockerer Folge erschienen, habe ich 1988 über eine grundlegende Erfahrung geschrieben.

Polizistenwut

Eine direkte Konfrontation und ein überraschender Ausgang

Zehn Jahre ist diese Geschichte her, und sie spielt in einer deutschen Großstadt; ich glaube, jetzt kann ich sie erzählen, ohne jemand zu gefährden. Dennoch wird der Mann, von dem diese Geschichte handelt, Angst haben, wenn er sie liest. Er wird die gleiche Angst haben, die er damals gehabt hat.

Eine ungewöhnliche Aussage

Gabriele G. erzählt von einem Bildungsurlaub, ausführlich wie immer, da sei auch ein Polizist gewesen, der habe dicke Backen gemacht: „Der ist bestimmt bereit auszupacken!"

Ich rufe den Mann an. Er macht einen sehr zögernden Eindruck, sehr bedächtig, sehr langsam. Er spricht nicht wie ein Polizist. Ich merke, dass ich feste Vorstellungen habe, wie ein Polizist sprechen muss. Ich frage Freunde, wie sie einen Polizisten beschreiben würden. „Einen Bullen?", fragen sie zurück.

Wir vereinbaren einen Termin. Das Gespräch findet in seinem Wohnzimmer statt. Ich lasse einen Kassettenrecorder laufen, das Band wird er nach der Abschrift zurückbekommen. (Ich werde ihn nicht beschreiben, aus verständlichen Gründen, nenne ihn Korytowski, um ihm einen Namen zu geben.)

Herr Korytowski, Sie arbeiten bei der Polizei, seit zwanzig Jahren,

was machen Sie genau?

Korytowski: Ich bin Polizist. Verkehrsüberprüfung. Seit 19 Jahren,

19 Jahre und 4 Monate sind es genau.

Haben Sie immer in der Verkehrsüberprüfung gearbeitet?

Korytowski: Nach meiner Ausbildung da war ich erst auf Streife,

Innenstadt, fast fünf Jahre. Ich arbeite im Schichtdienst, drei Schichten, früh, mittel, spät, jeweils sieben Stunden. Muss mich immer wieder umstellen. Das ist das Schlimmste. Die Familie. Manchmal sehe ich meine Frau ein paar Tage nicht. Das ist schon schlimm.

Wie sieht das diese Woche aus, zum Beispiel, mit dem Schichtdienst?

Korytowski: Montags Spätschicht von 13 bis 20 Uhr, dienstags Frühschicht von 6 bis 13 Uhr, und abends dann Nachtschicht von 20 Uhr bis morgens um 6, Donnerstag frei, und Freitag dann geht's wieder von vorne los. Und kein einziges freies Wochenende im Monat. Mal ein freier Samstag, mal ein freier Sonntag. Das muss irgendwie aufhören, kaum zum Aushalten.

Frau G. hat mir gesagt, daß Sie bereit sind, Aussagen darüber zu machen, wie es bei der Polizei zugeht...

Korytowski: Wieso Aussagen?

Nein, nicht Aussagen, klar, sondern daß Sie aus eigener Anschauung sagen, was Sie dort erleben. Verstehen Sie, ich mache das doch nur, weil ich glaube, daß es etwas zu berichten gibt. Die Polizei ist nichtöffentlich, großes Schweigen.

Korytowski: Da gibt es einiges zu berichten.

Was stört Sie an der Polizei?

Korytowski: Viel, da stört mich sehr viel. Ich komme manchmal nach Hause, sitze zwei, drei Stunden im Sessel, kann an nichts anderes denken als an das, was ich am Tag erlebt habe. Ich darf dann nicht angesprochen werden. Meine Frau fragt mich, aber ich krieg den Mund nicht auf. Das ist der Job, der macht einen stumm, ich sehe Sachen... Zum Beispiel nachts, wenn da einer gejagt wird, hat nicht angehalten, als sie ihm die Kelle gezeigt haben, Fahrerflucht, wenn der dann gejagt wird, drei, vier Streifenwagen, und dann, wenn sie ihn haben, dann wird er geschlagen.

Passiert so etwas häufiger?

Korytowski: Oft, fast immer. Muss sich die Aggression entladen, meistens sind die ja betrunken, wollen den Führerschein nicht verlieren, fahren durch und denken, sie könnten entkommen, ich halt mich da raus, aber die anderen...

Haben Sie das in der Zeitung gelesen, oder war es in der Illustrierten, von den beiden Polizisten, die in Itzehoe das Mädchen in der Zelle vergewaltigt haben?

Korytowski: Ja, das hab ich gelesen, hab den Artikel zu Hause liegen. Schlimm. Aber da ist es wenigstens rausgekommen, die Frau hat sich gewehrt, Anzeige gemacht. Aber die meisten...

Kennen Sie auch so einen Fall?

Korytowski: Nein, nicht direkt. Wenn so ein Penner, ich meine, so ein Alkoholiker nachts aufs Revier gebracht wird, den sie aufgegabelt haben, keinen richtigen Wohnungsnachweis, keine feste Adresse, und wenn der nicht richtig spurt, der kriegt eins in die Fresse. Es gibt Reviere, die sind bei uns bekannt dafür, da wird geschlagen, das wissen alle. Wenn ich früh meinen Dienst antrete und dorthin fahre, da ist ein Kollege, der denkt ähnlich wie ich, manchmal hat er das sogar mitmachen müssen, sonst sind Sie ein Waschlappen. Der spricht mich direkt an, natürlich nur, wenn wir alleine sind: „Mensch, heute Nacht, ich halt das nicht mehr aus." Das sagt er schon seit zwei, drei Jahren. Hat sich wegbeworben, aber es hat bis jetzt nicht geklappt.

Haben Sie eigentlich immer so über Ihren Beruf gedacht, ich meine, fast zwanzig Jahre...

Korytowski: Nein, natürlich nicht.

Wissen Sie noch, wann sich das geändert hat, wann Sie angefangen haben, Ihren Beruf mit Abstand zu betrachten. Gibt es da ein Beispiel?

Korytowski: Schwer zu sagen, das liegt schon Jahre zurück. Einmal, aber das ist schon lange her, am Fußballstadion, als es da jeden Samstag zu Krawallen kam, mussten wir Kontrolle von Fans machen. Da kamen die Kollegen zurück und haben sich gerühmt, haben geprahlt, den und den haben wir geschnappt. Da wurde ich auch mal eingesetzt, obwohl ich gar keinen Dienst hatte, war auch ein anderes Revier. Ich bin dahin. Anfangs war alles ganz friedlich, einige hatten Schlagwerkzeuge dabei, die mussten wir ihnen abnehmen, und plötzlich kommt der Befehl, jemand festzunehmen, der hatte gar nichts getan, kam da an, wollte ins Stadion, ich wurde abkommandiert, festnehmen. Als der uns kommen sah, begann er zu laufen, wir hinterher, und dann auf ihn, ich hab auch zugeschlagen. Einfach drauf, vier zu eins. Ich hab das Bild noch vor mir, wie ihm das Blut am Kopf runterlief, helles rotes Blut, wie ein Strahl schoss es heraus. Ich hab tagelang drüber nachgedacht…

Aber so was passiert doch bei jeder Demonstration: Knüppel frei und draufhauen.

Korytowski: Bisher hatte ich Glück, bin noch nicht eingesetzt worden, wo was los war. Hab mich nie darum gerissen.

Glauben Sie, dass es Ihren Kollegen Spaß macht, den Knüppel zu schwingen und auf die Demonstranten einzudreschen?

Korytowski: Nein, bestimmt nicht. Einigen vielleicht, aber das sind nur ein paar, die meisten haben Schiss, die haben mehr Angst als die Demonstranten.

Das nehme ich Ihnen nicht ab, wenn ich das so sehe, wie die zur Sache gehen.

Korytowski: Sie irren sich, was Sie sehen, das sind nur die draufschlagenden Polizisten, was Sie nicht sehen, ist der Mann, der den Befehl gibt: Knüppel frei. Die Demonstranten können doch nach Hause gehen oder sich unbeteiligt hinstellen, zusehen, wenn sie eins drüber gekriegt haben, wir haben dann nicht Dienstschluss. Was glauben Sie, warum die Verletztenziffern bei der Polizei so hoch sind? Da meldet

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