Genießen Sie von Millionen von eBooks, Hörbüchern, Zeitschriften und mehr - mit einer kostenlosen Testversion

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Neues aus der Fankurve: Wie Ultras und andere Fangruppierungen die Fankultur verändern
Neues aus der Fankurve: Wie Ultras und andere Fangruppierungen die Fankultur verändern
Neues aus der Fankurve: Wie Ultras und andere Fangruppierungen die Fankultur verändern
eBook257 Seiten2 Stunden

Neues aus der Fankurve: Wie Ultras und andere Fangruppierungen die Fankultur verändern

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Vorschau lesen

Über dieses E-Book

Der Ball bleibt rund, doch Fankurve ist längst nicht mehr gleich Fankurve. Gerade die Vielfalt ihrer Subkulturen zeichnet Fußballfans heute aus. Kutten, Hooligans, Ultras, Supporter oder kritische Fans - schon die Namen für verschiedene Gruppierungen zeugen von den vielen Gesichtern der Fankultur.
David Brenner untersucht den Wandel der deutschen Fanszene sowohl in seinem historischen Verlauf als auch in seiner soziologischen Dimension. Insbesondere thematisiert er die Kommerzialisierung des professionellen Fußballsports und die seit den 1980er Jahren zunehmenden und verfeinerten Ordnungsmaßnahmen im Umfeld von Fußballspielen als maßgebliche Faktoren für die Veränderungen der Fanszene. Die Fangemeinde von Eintracht Frankfurt gilt seit langem als Vorreiter neuer Entwicklungen und wird deshalb exemplarisch besonders hervorgehoben. Mit einer der stilbildenden deutschen Ultra-Szenen, einer aktiven Fanklubszene und der großen Fan & Förder-Abteilung stellt diese Fanszene ein brisantes, aber auch neue Erkenntnisse versprechendes Forschungsfeld dar. Zahlreiche Experteninterviews präsentieren deshalb sowohl ein lebendiges Bild dieser Fanszene wie auch deren historische und aktuelle Wandlungstendenzen.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum15. Nov. 2013
ISBN9783828856332
Neues aus der Fankurve: Wie Ultras und andere Fangruppierungen die Fankultur verändern
Vorschau lesen

Ähnlich wie Neues aus der Fankurve

Ähnliche E-Books

Ähnliche Artikel

Rezensionen für Neues aus der Fankurve

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

Die Rezension muss mindestens 10 Wörter umfassen

    Buchvorschau

    Neues aus der Fankurve - David Brenner

    haben.

    1. Einleitung

    1.1 Gegenstandsbeschreibung

    Für viele Menschen in Deutschland ist Fußball ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Insbesondere die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat für einen neuen ,Boom’ gesorgt. Millionen Zuschauer verfolgen jedes Wochenende die Spiele der Bundesliga vor dem Fernseher oder im Stadion. Einen wichtigen Beitrag zur Faszination des Fußballs leisten die Fans.

    Grundlegend versteht man unter Fans „begeisterte Anhänger oder begeisterte Liebhaber von Film, Musik, Sport" (Wahrig 1999, 221). Fußballfans lassen sich, in Abgrenzung von den anderen Zuschauern, durch räumliche, visuelle sowie fanspezifische Charakteristika beschreiben (Balke 2007, 3). Räumlich, da Fans grundsätzlich in den Fankurven stehen. Visuell über das Tragen von äußeren Zeichen der Vereinszugehörigkeit (Schals, Mützen, Fahnen etc.) und durch ihr fanspezifisches Verhalten, welches sich durch eine Artikulation von Schlachtrufen und Gesängen, das Erzeugen eines Solidaritäts- und Gemeinschaftsgefühls und eine prinzipielle Vereinstreue auszeichnet. Im Kollektiv werden die Fans eines Vereins als Fanszene bezeichnet. Aus historischer Perspektive lässt sich von einer Fanszene sprechen, nachdem die Fans in den umgebauten Stadien nach der Weltmeisterschaft 1974 auf den günstigsten Plätzen der Stadien, den Stehrängen, ihren Platz in den Kurven fanden (vgl. Dembowski 2004a, 15f.).

    Allgemein versteht man unter einer Szene:

    „Thematisch fokussierte kulturelle Netzwerke von Personen, die bestimmte materiale und/oder mentale Formen der kollektiven Selbststilisierung teilen und Gemeinsamkeiten an typischen Orten und zu typischen Zeiten interaktiv stabilisieren und weiterentwickeln" (Hitzler et al. 2001, 20).

    Szenen als „labile Gebilde" (Hitzler, Bucher & Niederbacher 2001, 23), zerfallen in diverse Fraktionen. ,Fanforscher’ haben deshalb Kategorien aufgestellt, nach denen Fußballfans klassifiziert werden können. Die gängigste Kategorisierung ist die von Heitmeyer (1992, 32) beschriebene Einteilung in konsumorientierte, fußballzentrierte und erlebnisorientierte Fans, welche auch heute noch Gültigkeit besitzt (vgl. Pilz 2005a, 50). Neben dieser Kategorisierung lassen sich Fans durch ihre „Fanausrichtung (Balke 2007, 5) unterscheiden. Pilz (2005a) nennt folgende Gruppierungen: „Kuttenfans, „Hooligans, „Ultras, „Hooltras und „Supporter. Ergänzen lässt sich noch die Gruppe der „kritischen Fans".

    Pilz (2005a, 50) konstatiert, dass die Fußballfanszene ein sich ständig weiterentwickelndes Phänomen mit einer zunehmenden Heterogenität ist. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Veränderungen der Fanszene. Dazu gehören Einflüsse durch Disziplinierungs- und Kontrollinstanzen und die Kommerzialisierung des Fußballs (vgl. Heitmeyer 1992, 35). Der Einfluss der Disziplinierungs- und Kontrollinstanzen umfasst ordnungspolitische Interventionen, die Gewalt zwischen Fußballfans verhindern sollen (vgl. ebd., 41). Die Kommerzialisierung des Fußballs bezeichnet Entwicklungen innerhalb des Fußballumfeldes und der Vereine, die eine Orientierung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, eine zunehmende Medialisierung des Fußballs und eine Professionalisierung der Strukturen nach sich ziehen (vgl. ebd., 36). Eine dritte Säule des Einflusses stellen gesamtgesellschaftliche Entwicklungen abseits des Fußballs dar, die in dieser Arbeit aber nur eine untergeordnete Rolle spielen.

    Aufgrund der Reaktion der Fanszene auf die genannten Einflüsse hat Heitmeyer (1992, 34) einen „Auflösungsprozess des subkulturellen Fan-Seins diagnostiziert. Heute zeigt der Blick auf die deutsche Fanszene jedoch ein anderes Bild, sie zeigt sich lebendig, facettenreich und so groß wie nie zuvor. Es lässt sich also keinesfalls vom Ende der Fankultur sprechen, vielmehr hat ein Wandel innerhalb der Fanszene stattgefunden: „Deutschlands Fußballfanszene hat sich in den letzten Jahren nachhaltig verändert (Pilz & Wölki 2006, 9). In dieser Arbeit soll dieser Wandel mit seinen Ursachen und Auswirkungen untersucht werden. Gerade der Wandel der verschiedenen Fangruppierungen steht dabei für den Wandel der Fanszene insgesamt. Alle genannten Gruppierungen werden deshalb im Hinblick auf ihren Wandel untersucht. Einhergehend wird der Wandel der Fankultur analysiert. Dabei werden in dieser Arbeit unter dem Begriff der Fankultur u.a. die Sitten, Bräuche, Werte und Verhaltensweisen der Fans verstanden.

    Ein Schwerpunkt liegt auf den Gruppierungen der Ultras und der kritischen Fans. Zum einen sind für den Wandel der Fankultur in Deutschland „sicherlich zunächst die Gruppierungen von kritischen Fußballfans [kennzeichnend] (Schwier 2005, 22), zum anderen spielen seit Mitte bis Ende der 1990er Jahre die „Ultras in Deutschland stetig wachsend die akustisch und optisch auffälligste Rolle im Stadion (Pilz & Wölki 2006, 11) und haben für einen „gewaltigen Modernisierungsschub" der Fanszene gesorgt (ebd., 9). Ultras werden von Pilz und Wölki (ebd., 12) wie folgt definiert:

    „Mit dem Begriff der Ultras werden demnach besonders leidenschaftliche, emotionale und engagierte Fans bezeichnet, die von der südländischen Kultur des Anfeuerns fasziniert sind, und es sich zur Aufgabe gemacht haben, in deutschen Stadien organisiert wieder für bessere Stimmung zu sorgen".

    Neben den Ultras stellen die kritischen Fußballfans eine neue Form des Fantums dar (vgl. Schwier 2004, 35). Dabei handelt es sich nicht um eine durch bestimmte äußere Merkmale erkennbare Fangruppe, sondern um die Haltung und Einstellung dieser Fans gegenüber ihrer Sportart. Ihre Kritik richtet sich gegen die Kommerzialisierung des Fußballs sowie gegen ordnungspolitische Maßnahmen gegenüber Fußballfans und manifestiert sich in der Gründung eigenständiger Organisationen zur Durchsetzung ihrer Ziele, den Faninitiativen, und der Produktion von Fanzeitschriften, den „Fanzines" (vgl. Schwier 2004, 36).

    Relevante Fanszenen gibt es in Deutschland vor allem von der Bundesliga bis zu den Regionalligen sowie vereinzelt in den Oberligen. Der Geltungsbereich dieser Arbeit umfasst den professionellen deutschen Ligafußball der ersten und zweiten Bundesliga, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass die Gesamtthematik durchaus auch in unteren Ligen relevant ist. Der deutsche Ligafußball wird heute in seiner organisierten Form in gemeinnützigen Vereinen und gewinnorientierten Kapitalgesellschaften als Amateur oder Profisport betrieben. Das zentrale Organisations- und Kontrollorgan ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB), dem fünf Regionalverbände, 21 Landesverbände sowie die Vereine der Regional- und Amateurligen unterstellt sind (vgl. Flory 1997, 16f). Anzumerken ist, dass der DFB seit einer Strukturreform im Jahre 2001 die Durchführung des professionellen Spielbetriebes auf den deutschen Ligaverband übertragen hat (vgl. Bentem 2004, 23).

    Einen Verein mit einer großen Anhängerschaft innerhalb des Ligafußballs stellt Eintracht Frankfurt dar. Eintracht Frankfurt e.V. wurde 1899 gegründet. Die Frankfurter Fanszene gilt als besonders „kreativ (Matheja 2006, 269), „stilbildend (Blaschke 2007, 85) und verfügt über eine der größten Ultraszenen in Deutschland (vgl. ebd). Mit seiner Fußballabteilung ist Eintracht Frankfurt einer der großen Traditionsvereine im deutschen Fußball (vgl. Eintracht Frankfurt 2008).

    1.2 Forschungsstand des Themas

    Untersuchungen zu Fußballfans sind vor allem in den 1980er Jahren sprunghaft angestiegen. Dabei richtete sich der Fokus der meisten Untersuchungen auf das Phänomen der gewalttätigen Fußballfans. Seit dem Aufkommen der kritischen Fußballfans und der Ultras hat sich das Spektrum der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Fußballfans deutlich erweitert.

    Eine Grundlagenarbeit zu Fußballfans hat Heitmeyer (1992) veröffentlicht. Seine Studie beinhaltet eine sozialisationstheoretische Analyse zu sozialen Veränderungen von Fußballfans sowie zu Einflüssen des kommerzialisierten Profifußball und der ordnungspolitischen Disziplinierungen, die er als die Ursachen eines „Auflösungsprozesses des subkulturellen Fan-Seins" (ebd., 35) diagnostiziert. Auf Heitmeyer (1992, 32) geht zudem die Kategorisierung von Fußballfans in konsumorientierte, fußballzentrierte und erlebnisorientierte Anhänger zurück.

    Eine wissenschaftliche Veröffentlichung unter dem Titel „Wandel der Fanszene" existiert im deutschsprachigen Raum nicht. Die umfassendsten Hinweise liefern die Beiträge von Pilz (2005a; 2005b; 2006), die Analysen des Wandels verschiedener Fangruppierungen enthalten.

    Auffällig ist, dass es eine große Anzahl an Untersuchungen zu den einzelnen Fangruppierungen, jedoch nicht zu der gesamten Fanszene gibt. In diesem Zusammenhang ist durchaus von einem Forschungsdefizit zu sprechen. Dennoch sind es die Untersuchungen der einzelnen Gruppierungen, die wichtige Hinweise zum Wandel der Fanszene liefern. Zur Gruppe der kritischen Fans ist zunächst die Untersuchung von Aschenbeck (1998) anzuführen. Er schätzt die kritischen Fans als eine neue Fanbewegung ein und nimmt eine wissenschaftliche Untersuchung der von ihnen herausgegebenen Fanzines vor. Schwier (2003, 2004) vertieft den Blick auf die kritischen Fans und führt darüber hinaus eine Einordnung ausgewählter Online-Inszenierungen von Fanitiativen und Fanzines durch, die er als die konstitutiven Elemente der kritischen Fanszene ansieht. König (2002) gelingt eine Einordnung der kritischen Fans in das Kategorisierungsmodell von Heitmeyer. Die Arbeiten von Schulze-Marmeling (1995; 2000) und Gerd Dembowski (2004a) ergänzen diese Ausführungen um die Entstehung der kritischen Fußballfans im Kontext der sozialhistorischen Entwicklung des Fußballspiels.

    In Bezug auf die Ultraszene ist die Untersuchung von Schwier (2005) anzuführen, der die Ultras als eine neue Generation von Fußballfans auffasst und ihnen die Rolle des Mediums und Motors bei der Wandlung der Fankultur zuschreibt (vgl. ebd, 21). Besonders wichtig ist die erste umfassende Untersuchung der deutschen Ultraszene von Pilz und Wölki (2006), die u.a. die Kultur, das Selbstverständnis, die Feindbilder und Problemfelder der Ultras analysiert.

    Ausländische Untersuchungen, hier insbesondere die renommierten Arbeiten der britischen Soziologen Armstrong und Giulianotti sowie die soziologischen Arbeiten an der Universität Leicester, werden in dieser Arbeit nur am Rande berücksichtigt, da der Wandel der deutschen Fanszene sich sehr von der Entwicklung der britischen Fanszene, auf der der Fokus dieser Arbeiten liegt, unterscheidet.

    1.3 Zentrales Interesse

    In dieser Arbeit soll der Wandel der Fußballfanszene untersucht werden. Eine große Bedeutung kommt dabei dem Wandel der Fangruppierungen und insbesondere den neuen Gruppierungen der Ultras und der kritischen Fußballfans sowie dem Wandel der Fankultur zu.

    Es stellt sich die Frage, wo die Ursachen des Wandels liegen, welche Veränderungen der Fanszene und der Fankultur dieser Wandel mit sich gebracht hat und wie sich die Fanszene heute darstellt. Dabei spielen fantypische Verhaltensweisen, die Problemfelder, aber auch die Selbstwahrnehmung, die Organisationsformen und die Mediennutzung der Fans eine wichtige Rolle.

    Zur Verdeutlichung des Sachverhalts soll die Untersuchung des Wandels einer spezifischen Fanszene dienen. Das Untersuchungsobjekt ist das Fanumfeld von Eintracht Frankfurt. Es wird der Versuch unternommen, mit Hilfe leitfadengestützter Interviews ein Bild des Wandels der Fanszene von Eintracht Frankfurt zu zeichnen.

    1.4 Datenbasis

    Zur Erhebung des aktuellen Forschungsstandes dient die gegenwärtige sportwissenschaftliche Literatur. Zum allgemeinen Themenbereich der Fußballfans ist in der Fachliteratur hinreichend viel publiziert worden.

    In Bezug auf die sozialhistorische Entwicklung des Zuschauerphänomens bis hin zum Fußballfan im Kontext der Entwicklung des Fußballspiels werden Lindner (1983), Bausenwein (1995), Eisenberg (1997; 1999), Brändle und Koller (2002) und Bremer (2003) herangezogen. Dort finden sich auch Hinweise auf die Ursachen des Wandels der Fankultur im historischen Rückblick, die bei Dembowski (2004a) und Schulze-Marmeling (1995; 2000) um die Entstehung der kritischen Fans ergänzt werden.

    Weitere relevante Beiträge zu den Ursachen des Wandels finden sich in Bezug auf die Kommerzialisierung des Fußballs in den Sammelbänden von Mittag und Nieland (2007) sowie Herzog (2002). Auf Einflüsse durch ordnungspolitische Maßnahmen weisen Beiträge aus den Sammelbänden des „Bündnis aktiver Fußballfans" (BAFF 2004a; 2004b) und der Zeitschriftenreihe Bürgerrechte & Polizei/Cilip (1/2006) hin.

    Für den Wandel der Fangruppierungen und der Fankultur geben die Beiträge von Pilz (2005a; 2006) einen Überblick. Aschenbeck (1998) und König (2002) konzentrieren sich auf die kritischen Fußballfans, während Scheidle (2002), Gabriel (2004a), Schwier (2005; 2007), Pilz und Wölki (2006) sowie Blaschke (2007) wichtige Aspekte der deutschen Ultraszene darstellen. Roversi (1999), Foot (2006) und Green (2006) ergänzen diesen Überblick um die italienischen Ultras.

    Für Informationen zu aktuellen Entwicklungen werden zudem in Anlehnung an Pilz und Wölki (2006, 64) Fan-(Ultra)-Zeitschriften wie Stadionwelt, 11 Freunde oder Erlebnis Fußball sowie das Internet herangezogen.

    Die Daten zum Wandel der Fanszene von Eintracht Frankfurt werden über Experteninterviews erhoben und um Informationen aus den diversen Internetseiten und Printmedien der Fanszene ergänzt.

    1.5 Struktureller Aufbau der Arbeit

    Im ersten Abschnitt der Arbeit (Kapitel 2) werden die zentralen Begriffichkeiten der Thematik erläutert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Eingrenzung und Definition des Fanbegriffs und der Fanszene. Ergänzt wird diese Einordnung um soziologische und historische Gesichtspunkte.

    Daraufhin erfolgt die Analyse der Ursachen des Wandels der Fanszene (Kapitel 3) im Zusammenhang mit den Einflüssen durch die Kommerzialisierung des Fußballs und der Ordnungsmaßnahmen. Im Hauptteil (Kapitel 4) wird der Wandel der Fanszene anhand einer Untersuchung des Wandels der Fangruppierungen und ihrer Fankultur dargestellt.

    Nach dem Zwischenfazit (Kapitel 5) erfolgt im empirischen Teil (Kapitel 6) mit Hilfe leitfadengestützter Experteninterviews die Untersuchung des Wandels der Fanszene von Eintracht Frankfurt. Dafür werden zum einen interne Experten, die den diversen Gruppierungen und Medien der Fanszene angehören sowie externe Experten des Fanprojekts und der Fanbetreuung befragt. Abschließend erfolgt die Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse (Kapitel 7) sowie die Schlussbetrachtung (Kapitel 8).

    2. Einordnung der Fanszene

    2.1 Der Sportzuschauer

    Der Sportzuschauer¹ ist kein modernes Phänomen. Schon im antiken griechischen Wettkampfwesen gab es bemerkenswert hohe Zuschauerzahlen bei Sportveranstaltungen. So lässt sich nach seiner Ausgrabung für das im vierten Jahrhundert in Olympia errichtete Stadion ein Fassungsvermögen von 50.000 Zuschauern vermuten (vgl. Lämmer 1986, 76 f.).

    Obwohl der Begriff der Sportzuschauer als Unterkategorie der Zuschauer eine Verallgemeinerung darstellt und eine homogene Gruppe von Zuschauern impliziert, ist das Gegenteil der Fall. Sportzuschauer betreiben einen unterschiedlichen zeitlichen und finanziellen Aufwand, um einer Sportveranstaltung beizuwohnen. Sie nehmen unterschiedliche charakteristische Orte des Zuschauens während der Sportveranstaltung ein, sie verfolgen unterschiedliche Arten von Sportereignissen, die eine unterschiedliche Bedeutung besitzen. Weitere Unterscheidungsmerkmale von Sportzuschauern betreffen persönliche Merkmale wie Alter, Geschlecht, soziale Schicht, ihren Bezug zur Sportart und die Motive der betreffenden Person (vgl. Gabler 1998, 113-127).

    Anhand der unterschiedlichen Motive lässt sich exemplarisch die Heterogenität der Gruppe Sportzuschauer verdeutlichen:

    •   Die Ergebnisorientierung

    Der Zuschauer

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1