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Das verlorene Ich: Gesellschaftsreflexionen in den Liedtexten Herbert Grönemeyers
Das verlorene Ich: Gesellschaftsreflexionen in den Liedtexten Herbert Grönemeyers
Das verlorene Ich: Gesellschaftsreflexionen in den Liedtexten Herbert Grönemeyers
eBook179 Seiten1 Stunde

Das verlorene Ich: Gesellschaftsreflexionen in den Liedtexten Herbert Grönemeyers

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Über dieses E-Book

Jeden Tag hören wir viele Lieder: Summen mit, singen, tanzen dazu. Aber oft machen wir uns überhaupt keine Gedanken darüber, was die Texte wirklich bedeuten. Wollen uns die Texte etwas sagen oder die Songschreiber selbst? Dieses Buch analysiert Liedtexte von Herbert Grönemeyer, einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Musiker aller Zeiten. Dies geschieht in Anlehnung an die Prosa - Analyse, die als eine Art Vorbild für die Liedtextanalyse fungiert. Und welcher Künstler würde sich besser für die Analyse von Liedtexten eignen als Herbert Grönemeyer? Er, der - nach eigenen Aussagen - nie besonderen Wert auf das Texten legte, schafft es doch immer wieder uns auf's Neue mit seinen tiefgehenden Texten zu bewegen - und das auf eine unkomplizierte Art, die es jedem Hörer ermöglicht, seinen eigenen Interpretationen freien Lauf zu lassen. Im Vordergrund der Analyse steht die Gesellschaft, die in den Liedtexten Grönemeyers oft einen Gegenpol zum Individuum darstellt. Dabei steht das Individuum der Gesellschaft hilflos gegenüber, da es ihm nicht gelingt, sich in die Gesellschaft einzugliedern und so nie ein Teil dieser werden kann. "Das verlorene Ich" ist keineswegs nur ein Buch für Geisteswissenschaftler, sondern ein Muss für jeden, der sich mit Liedtexten und deren Bedeutung, der Gesellschaft oder mit Herbert Grönemeyer auseinandersetzen will
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum26. Juni 2013
ISBN9783828856233
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    Buchvorschau

    Das verlorene Ich - Verena Scheffel

    „Heimat"

    1. Einleitung

    1.1. Definition des Begriffes „Popularmusik"

    Die Entstehung der modernen Popularmusik¹ lässt sich bis in die dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen². Die Popmusik³ entwickelte sich zunächst in den USA und verbreitete sich dann nach dem zweiten Weltkrieg in Europa, Japan und den Ländern der Dritten Welt. Dort verdrängte sie zunehmend die traditionellen höfischen, bürgerlichen und volkstümlichen Musikkulturen. Inzwischen hat die Popularmusik in Deutschland einen Marktanteil von 86 Prozent des Schallplattenmarktes, während die klassische Musik nur noch 12 Prozent einnimmt.⁴ Wie sich dieser Prozentanteil in der Zukunft entwickelt, lässt sich nur schwer prognostizieren, da es sich um eine sehr neue Musikrichtung handelt, die noch in den „Kinderschuhen" steckt.

    Wird auf die zu wörtliche Definition von populär’ verzichtet, kann man eine übergreifende Definition erstellen:

    Popularmusik ist eine spezifische eigenständige Musikkultur auf der Grundlage industrieller Produktion und Distribution. Ihre sozialen und psychologischen Funktionen sind bestimmt durch die emotionalen und körperlichen Bedürfnisse, die in verstärktem Maße durch die rationalisierte Lebens- und Arbeitsform in der industrialisierten Gesellschaft erzeugt werden. Ihre Ästhetik wird bestimmt durch die Bedingungen und Möglichkeiten der Massenkommunikationsmittel, ihre Semantik erwächst aus den Topoi moderner Mythologien, ihre Struktur aus der Akkulturation von ethischen (insbesondere der afroamerikanischen) mit popularisierten oder trivialen europäischen Musiktraditionen.

    Während bis 1978 vorwiegend amerikanische Popularmusiker in Deutschland erfolgreich waren, gelang es ab dieser Zeit erstmalig auch deutschen Musikern sich in den Charts zu platzieren⁶.

    Jeder ,Insider’, der mit dem Popmusikgeschäft vertraut ist, weiß, wie schwierig es ist, den Nagel auf den Kopf zu treffen und einen Hit zu produzieren. Es reicht nämlich nicht aus, ein einfaches, eingängiges Liedchen zu komponieren. Tausende solcher Songs werden monatlich von der Schallplattenindustrie auf den Markt geworfen, und nur ein Bruchteil davon schafft es, ein ,Hit’ zu werden.

    Zu den erfolgreichsten deutschen Popularmusikern mit seinen über 30 Millionen Qverkauften Platten gehört Herbert Grönemeyer.

    1.2. Biographie Herbert Grönemeyers

    Herbert Arthur Wiglev Clamour Grönemeyer⁹ wurde am 12. April 1956 als jüngster von drei Söhnen eines Bauingenieurs in Göttingen geboren. Bereits mit 12 Jahren spielte Grönemeyer in einer Jugendband, mit 17 bekam er seinen ersten Plattenvertrag. Allerdings resultierte daraus keine veröffentlichte Platte. Im gleichen Jahr arbeitete Grönemeyer als Pianist und Bühnenschreiber am Bochumer Schauspielhaus und komponierte kurze Zeit später die Musik zu dem Theaterstück „Der Schatten eines Rebellen. Es folgten diverse Hauptrollen in Theaterstücken, Musicals und Filmen unter anderem in „Till Uhlenspiegel (1976), „Die Geisel (1976), „Das Boot (1981) und „Väter und Söhne" (1985).

    Auch wenn Grönemeyer […] im Nachhinein oft als erfolgreicher Schauspieler bezeichnet wird, der dann seinen Ruhm in eine musikalische Karriere umsetzte, so verhält es sich anders.

    Grönemeyer kam als Musiker ans Theater, wurde dort probeweise als Schauspieler eingesetzt, war nicht schlecht, landete mehr oder weniger zufällig einige Erfolge - und hörte sofort auf zu schauspielern, als der Traum von einer Karriere als Musiker wahr wurde.¹⁰

    Nach dem Abitur folgte die Anstellung als musikalischer Leiter und Schauspieler am Schauspielhaus in Bochum und das Studium der Rechts- und Musikwissenschaften. 1978 lernte Grönemeyer die Schauspielerin Anna Henkel kennen, seine spätere Ehefrau und Mutter der beiden Kinder Felix (geb. 1988) und Marie (geb. 1989). Im selben Jahr unterzeichnete er einen Vertrag bei Intercord und veröffentlichte seine erste Debüt - LP „Grönemeyer. Allerdings erwies sich diese und die vier Jahre später veröffentlichte LP „Total egal als Flop und etliche Konzerte wurden aufgrund mangelnden Interesses abgesagt. Der Durchbruch gelang Herbert Grönemeyer 1983 mit rund 25.000 verkauften LPs von „Gemischte Gefühle. Trotz dieses Erfolges wurde Grönemeyers Vertrag bei Intercord nicht verlängert. Er unterzeichnete bei EMI Electrola und produzierte 1984 das Album „4630 Bochum, eine der erfolgreichsten deutschen Platten¹¹. Insgesamt zehn Platten, u. a. „1978-1980, „Sprünge¹² (1986), „Ö¹³ (1988), „Luxus (1991) und „Chaos (1991), folgten. Eine der wichtigsten Auszeichnungen erhielt Grönemeyer vom Musiksender MTV, der ihn als einzigen deutschsprachigen Künstler mit der Teilnahme an der Sendereihe „MTV Unplugged buchstäblich „adelte".¹⁴

    Einen Überblick über die Platten Grönemeyers und insbesondere deren Erfolg bietet folgende Grafik:

    Sein politisches Engagement zeigte Grönemeyer nicht nur in seinen Liedern, sondern beispielsweise auch bei Auftritten wie dem Rheinhauser Stahlfestival , Auf Ruhr"¹⁵ im Februar 1988 oder mit der Spende der Einnahmen des Albums „Die Härte an das Jugendheim „Völkerfreundschaft in Leipzig-Grünau. Anfragen von politischen Gruppen, die Grönemeyers politischer Orientierung nicht entsprachen, lehnte er ab.¹⁶

    1998 erschien Grönemeyers Platte „Bleibt alles anders", die bereits nach vier Wochen Platinstatus¹⁷ in Deutschland erreichte. Die Tournee in diesem Jahr musste verschoben werden, da Grönemeyer seinem an Krebs erkrankten Bruder Wilhelm Knochenmark spendete. Allerdings verstarb dieser im November desselben Jahres. Zudem starb auch noch Grönemeyers Frau Anna Henkel vier Tage später an Brustkrebs. Nach diesen Schicksalsschlägen zog Grönemeyer sich zurück. Über diese Zeit sagt er: „Nach einem Jahr habe ich sehr zaghaft erste Gehversuche unternommen. Die waren mühsam.¹⁸ Langsam gab er wieder kleinere Interviews und Konzerte. Im Jahr 2002 feierte der Musiker schließlich sein großes „Comeback mit dem Album „Mensch"¹⁹, das acht Mal mit Platin ausgezeichnet wurde.

    Besonders diese Platte und die zwei schweren Schicksalsschläge sorgten in den vergangenen Jahren für eine große Medienpräsenz Grönemeyers. Der Umgang mit seinen Verlusten brachte ihm viele Sympathien, nicht nur bei seinen Fans. So hieß es 2003 in der Zeitschrift „Stern zur Echo-Verleihung: „[…] es gab 28 Kategorien, aber zwei hätten gereicht: ein Preis für Herbert Grönemeyer als bester Mensch, der andere für Robbie Williams als bester Mann.²⁰ Besonders seine Lieder „Mensch und „Der Weg zeigten deutlich, dass Grönemeyer zu den „Insidern" des Popgeschäfts gehört²¹.

    1.3. Einführung in die Thematik der Arbeit anhand der Analyse der einzelnen Facetten der Gesellschaft

    Während viele deutsche Popularmusiker sich ausschließlich dem Thema „Liebe" widmen, gehen Grönemeyers Texte oft darüber hinaus und beschäftigen sich mit den diversen Facetten der Gesellschaft.

    Hierbei spielt Grönemeyers Biographie immer wieder einen Rolle.²³

    Grönemeyer selbst sagt:

    Man kann jetzt nicht mehr mit Poesie kommen. Solche anbiedernden Sachen wie ‘Alle, die Frieden wollen, sollen aufstehen’ - furchtbar! Die Situation verschärft sich weiter, weil alle Inhalte aufgeweicht werden. Jeder kann über alles singen, über Frieden, über Umweltschutz - je schwammiger, desto besser, damit jeder Ja und Amen dazu sagen kann; viel schlimmer, weil effektiver als direkte Zensur, ist diese wohl dosierte, subtile Gehirnwäsche, der wir jeden Tag erliegen - oft ohne es zu merken […]²⁴.

    Um eine genauere Einführung in die Thematik dieser Arbeit zu geben, sollen im Folgenden die Facetten der Gesellschaft, an denen sich das Individuum orientiert, erläutert werden, mit dem Versuch über die Definition einschlägiger Lexika²⁵ hinauszugehen. Der entscheidende Grundgedanke für diese Definition soll die Überlegung sein, welche Rolle das Individuum in der Gesellschaft übernimmt bzw. welchen Antrieb der Einzelne hat, in der Gesellschaft zu agieren. Dabei sind zwischenmenschliche Beziehungen sicher eine große Facette der Gesellschaft. Damit sind nicht ausschließlich Liebesbeziehungen²⁶ gemeint, sondern auch die Beziehung zu Freunden und der Familie.

    Eine weitere wichtige Facette der Gesellschaft ist der Beruf des Individuums. Daraus ergeben sich verschiedene Facetten wie Macht, Geld und Konsum. Das Recht des Einzelnen in der Gesellschaft könnte sicher als eine eigene Facette in der Gesellschaft aufgezählt werden, soll an dieser Stelle aber vielmehr als ein Unterpunkt für den Beruf des Individuums gesehen werden²⁷ . Somit gliedert sich der Beruf des Individuums in vier Unterfacetten: Macht, Geld, Konsum und das Recht des Individuums.

    Als letzter Punkt sei hier noch die Politik aufgeführt²⁸ , die zwar die Regeln für eine Gesellschaft vorgibt, aber nicht maßgeblich an ihren Strukturen beteiligt ist. An dieser Stelle sei allerdings zu erwähnen, dass Politik durch Menschen gelebt wird und somit auch immer einen Teil im Leben des Individuums in der Gesellschaft darstellt.

    In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass das Individuum zwar in der Gesellschaft agiert, dennoch aber imstande ist, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und danach zu handeln. Gleichzeitig schafft sich jedes Individuum seinen eigenen „Gesellschaftsraum", d. h. es umgibt sich vorwiegend mit Personen²⁹ , die ähnliche Vorstellungen davon haben, welche Werte und Normen in einer Gesellschaft entscheidend sind.

    1.4. Darstellung der Gesellschaft in Grönemeyers Liedtexten

    Viele dieser Facetten, die eine Gesellschaft definieren, finden sich in Grönemeyers Liedtexten wieder. Auffallend bei der Darstellung Grönemeyers ist, dass die Beschreibung der Gesellschaft, die meist durch ein lyrisches Ich erfolgt, in vielen Liedern aus einer Außenperspektive erfolgt. Das bedeutet, dass das lyrische Ich die Gesellschaft beschreibt bzw. kritisiert, ohne sich selbst zu dieser Gesellschaft zu zählen. Es handelt sich somit um ein Konstrukt, das in der Realität nicht möglich ist, es dem lyrischen Ich aber erlaubt, seine Kritik anzubringen.

    Nachstehend angeführte Grafik verdeutlicht diese Problematik:

    Im Regelfall würde das lyrische Ich innerhalb der grün markierten Gesellschaft stehen. Durch die Tatsache, dass es sich aber außerhalb der Gesellschaft stellt, kann es seine Kritik anbringen, ohne selbst in den Kritikmittelpunkt zu rücken und ohne seine Autorität zu verlieren. Dies geschieh wie folgt: Würde das lyrische Ich die Gesellschaft kritisieren, selbst aber ein Teil dieser Gesellschaft darstellen, könnten die Zuhörer ihm den Vorwurf machen, es leide an mangelnder Objektivität. Auf der anderen Seite läuft das lyrische Ich durch die Verwendung dieses Konstrukts aber auch Gefahr, als zu objektiv eingeschätzt zu werden, so dass ihm die nötige „Einsicht" in die Gesellschaft fehle.

    1.5. Formale Vorgehensweise

    Da die Analyse von Liedtexten ein relativ³⁰ unerschlossenes Gebiet ist, soll hier nun ein genereller Konsens zur Vorgehensweise³¹ geschlossen werden, der aber nur der besseren Orientierung dieser Arbeit dienen soll, nicht aber den Anspruch der Allgemeingültigkeit erhebt. Die hierbei verwendete Vorgehensweise zur Analyse der in Kapitel 1.3. vorgestellten Themen orientiert sich an den Regeln der Gedichtanalyse³² , da es sich bei den Liedtexten Grönemeyers um Lyrik und nicht um Prosa handelt. Dies wird besonders bei der Metrikanalyse der Lieder deutlich. Grönemeyer verwendet in seinen Liedern meist einen durchgängigen Jambus³³ , Abweichungen erscheinen meist in Kombination mit einem verwendeten Stilmittel.

    Ein generelles Problem, das auch bei Gedichtanalysen immer wieder auftritt, ist die

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