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Zeus kauft ein: 24 vergnügliche und lästerhafte Plaudereien
Zeus kauft ein: 24 vergnügliche und lästerhafte Plaudereien
Zeus kauft ein: 24 vergnügliche und lästerhafte Plaudereien
eBook132 Seiten1 Stunde

Zeus kauft ein: 24 vergnügliche und lästerhafte Plaudereien

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Über dieses E-Book

Dieses Buch erzählt mit einem Augenzwinkern, weshalb Zeitdiebinnen und Waldelfen die Geduld von Verkäuferinnen bisweilen arg auf die Probe stellen können, es erklärt, was eine "Gewitterziege" ist und stellt die Frage, ob Männer nicht doch die besseren Kunden sind.
Außerdem erfahren Sie, dass sich Knoblauch und Kultur nur bedingt vertragen, selbstgebackene Kuchen bisweilen zur Heimtücke neigen und die Betrachtung weiblicher Problemzonen mit ausgesuchter Höflichkeit erfolgen sollte.
Claudia Knöfel plaudert in diesem Büchlein nicht nur aus ihrem reichen Erfahrungsschatz als Einzelhändlerin, sondern auch über die Tücken, die der Alltag so bereithält …
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum27. Sept. 2015
ISBN9783939829836
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    Buchvorschau

    Zeus kauft ein - Claudia Knöfel

    Ein kurzes Vorwort …

    Einiges von dem, was Sie in diesem Buch lesen, beruht auf wahren Begebenheiten. Von meinen speziellen Backkünsten über sehr spezielle Freizeiterfahrungen in Bonn und der Region, bis hin zu ganz speziellen Wahrnehmungen, die ich vor und hinter den Ladentheken gemacht habe.

    Ich bin seit einigen Jahren im Einzelhandel tätig und mir geht es wie vielen in meiner Kollegenschaft, die sagen: „Ich habe so viel erlebt, da könnte ich ein Buch drüber schreiben!" Die meisten meiner Kunden habe ich in den vergangenen Jahren ins Herz geschlossen. Und auch die, von denen ich hier in satirischer Form berichte, waren für mich die reinste Quelle der Inspiration.

    Das ist doch ein Kompliment, nicht wahr?

    Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind allerdings rein zufällig.

    Einige Geschichten handeln von meiner Kindheit. Aber keine Sorge, dass ich Sie damit langweile. Ich bin mir sicher, Sie werden genau so viel Freude an meiner etwas schrägen Familie haben wie ich. Zum Beispiel an meinem Oppa mit seiner individuellen „Gebisspräsentation oder an meiner Omma und ihrem „Krokodil.

    Ach ja, mit der Schreibweise von „Omma und „Oppa sollten Sie sich anfreunden.

    Ich wurde im Ruhrgebiet geboren und dort spricht man so.

    Und nun wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen!

    Ihre

    Claudia Knöfel

    Zeus kauft ein

    Freitagabend. Ich beschließe, nach der Arbeit nach Bonn zu fahren. Mir ist der Lardo ausgegangen. Das ist ein italienischer Speck, der im Marmorgefäß die richtige Reife erlangt und mit Gewürzen ummantelt wird. Eine kalorienreiche Delikatesse, aber dafür ausgesprochen lecker.

    Außerdem habe ich mal wieder Appetit auf Emmentaler Käse. Ich meine richtigen, echten Emmentaler Käse, der so schmeckt, dass man beim Essen die Schweizer Kühe auf den Almen muhen hört.

    Beides bekomme ich in Bonn. Naja, zugegeben, ein KaDeWe gibt es dort nicht, aber dafür ein Kaufhaus mitten in der Innenstadt. Nennen wir es „KaDeBo". Die Lebensmittelabteilung ist recht gut sortiert und die Warenpräsentation schlägt jeden Lebensmitteldiscounter um Längen. Und auch hier wird das Einkaufen für die vor dem Verkaufstresen wartenden Kunden gelegentlich zu einem Event. So wie heute.

    Auf der Wursttheke steht ein kleiner Automat. Man drückt auf einen Knopf und erhält einen Zettel mit einer Nummer, die schließlich auf einer Anzeigetafel aufgerufen wird, sobald man an der Reihe ist. Wie beim Straßenverkehrsamt, nur dass man Leberwurst statt eines Kfz-Briefes erwerben kann.

    Ich ziehe die Nummer 181. Das ist überschaubar. Vor einigen Jahren hatte ich mal vor Weihnachten dreißig Nummern vor mir. Das reichte, um alle Geschenke zu besorgen. Nach fast zwei Stunden kehrte ich zurück und stellte fest, dass meine Nummer längst aufgerufen worden war.

    Aber heute blinkt die Anzeigetafel „178. Das ist eine ältere Dame, die sich ein wenig gebeugt an der Wursttheke entlanghangelt. Die Verkäuferin, sehr adrett im schwarzen Dress mit kleiner Fliege, bedient die Kundin mit echter Liebenswürdigkeit. Als diese „ein Viertel Rauchfleisch in Auftrag gibt, reicht ihr die Angestellte eine dünne Scheibe vom Rind über den Tresen.

    Die Nummer „179" leuchtet auf. Eine komplette Familie rückt vor. Vater, Mutter, ein Buggy und drei Kinder. Oder Pänz, wie man im Rheinland sagt.

    Aus Erfahrung weiß ich: Das kann dauern. Es dauert auch. Die Tüten füllen sich mit Fleisch- und Blutwurst, Schinken und echter Mailänder Salami. Ich betrachte derweil die Mutter, die das jüngste Kind in einem afrikanischen Wickeltuch vor dem Bauch trägt. Sie ist klein, ein wenig pummelig und hat die frühzeitig ergrauten Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

    Auf einmal wimmert das Baby. „Oh, Nele ist wach! Kinder, kommt schnell her, Nele ist wach!!!!" Die Mutter ist aus dem Häuschen und sowohl der Vater als auch die beiden anderen Kinder drängen sich um Mama und Nele und knutschen die Kleine ab. Der Wurstkauf verliert an Bedeutung.

    Mein Lardo muss warten. Ähnliches scheinen die beiden jungen Leute zu denken, die links neben mir stehen. Amerikaner, ihrer Sprache nach zu urteilen. Sie scheinen Hunger zu haben, denn sie räumen die Platte mit Fleischwurst zum Probieren, die auf der Theke steht, ratzeputz leer. Ehrlich gesagt, ich hätte die Kostproben nicht angerührt, denn die Wurststückchen sahen nicht mehr ganz frisch aus.

    „Athene, komm zu Papa!!" Erschrocken ruft der bleichgesichtige Vater seine etwa vierjährige Tochter vom Veltliner zurück, den das Mädchen in den Händen hält. Vermutlich denkt sie, dass es sich um Traubensaft handelt.

    Im „KaDeBo" ist gerade österreichische Woche und so hat man die alpenländischen Rebensäfte in Reichweite von Wurst und Käse aufgebaut. Das macht Durst und hebt den Umsatz.

    Athene ist ein braves Kind und tut, was der Vater verlangt.

    Dafür räumt die dritte Tochter Sachertorten und Kartons mit Linzer Gebäck in den Einkaufswagen. Die Mutter, die zwischen ihren weiteren Wurst-Ordern immer noch das Baby abküsst, findet Zeit, ihrer konsumfreudigen Ältesten einen sanft vorwurfsvollen Blick zuzuwerfen. „Mykene, das brauchen wir doch alles gar nicht!"

    Ich muss mir das Grinsen verkneifen, denn meine Phantasie schlägt plötzlich Wellen. In der griechischen Mythologie war Athene eine Tochter von Zeus, dem Göttervater. Doch dieser Erzeuger hier, der gerade gemächlich die Einkäufe seiner Sechsjährigen aus dem Wagen räumt, hat keine, aber auch so gar keine Ähnlichkeit mit den gewaltigen Marmorbüsten, mit denen die Künstler der Antike dem olympischen Gott eine Gestalt zu geben versuchten.

    Zeus war ein Kerl, der mit List und Tücke jede Menge Frauen eroberte. In der Phantasie der Bildhauer hatte er eine gewaltige Statur, einen „Sixpack", eine dichte Lockenmähne und einen ebensolchen Bart. Ein echtes Mannsbild eben.

    Doch die Haare dieses schmalbrüstigen Herrn neben mir sind äußerst schütter. Und ich bin sicher, Zeus hätte auch keine Brille getragen.

    Aber weiß man´s? Vielleicht hat sich Zeus verwandelt, um der Dame hier zu imponieren. Der Göttervater konnte sich nämlich selbst verzaubern, wenn es darum ging, die holde Weiblichkeit zu erobern. Athenes Mutter war Metis, die es ebenfalls vortrefflich verstand, sich eine andere Gestalt zu geben. Damit wollte sie dem ihr nachstellenden Zeus entkommen. Doch sie hatte keine Chance. Er verführte Metis. In welcher Gestalt er das tat, ist meines Wissens nach nicht überliefert. Vielleicht erschien er Metis als schmächtiges Kerlchen und erweckte so Mitleid in ihr, wer weiß das schon. Auf jeden Fall fraß er die schwangere Geliebte auf und gebar Athene auf ungewöhnliche Weise selbst, nachdem ihm Hephaistos, der Gott des Feuers, mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen hatte: Die Tochter sprang in voller Rüstung aus dem gespaltenen Schädel ihres Vaters und ließ einen lauten Schlachtruf erschallen.

    Die Götter der alten Griechen waren, wie man an diesem Beispiel sieht, nicht gerade zimperlich.

    Während die Verkäuferin sorgfältig zwölf Scheiben Parmaschinken schneidet, komme ich nach kurzem Nachdenken zu dem Schluss, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit bei Athenes Mutter hier an der Wursttheke nicht um Metis handelt.

    Ah, ich hab´s! Bestimmt ist es eine Patchwork-Familie. Vielleicht ist diese Frau hier Hera und hat Athene adoptiert? Die Gemahlin des Zeus pflegte sich zwar weidlich über die Liebschaften ihres Gatten zu ärgern, aber so richtig Paroli bot sie ihm nicht.

    Doch wonach ist die andere Tochter benannt? Mykene kenne ich nur als antike griechische Stadt. Aber das will nichts heißen. Vielleicht war Mykene auch eine Tochter von Zeus. Na ja, wer weiß das schon so genau?

    Auch Nele macht mich stutzig. Dieser Name scheint eher nordisch zu sein. Vielleicht eine Dame aus der Edda? In solchen Momenten denke ich an meinen verstorbenen Bücherfreund Günter. Er hätte das gewusst.

    Er wusste mehr über Mythen und Sagen als jedes Lexikon. Endlich. Fünf dicke Wursttüten liegen neben der Waage und Hera spricht zu der Verkäuferin die erlösenden Worte: „Das war´s. Dann wendet sie sich mit säuselnder Sti mme an ihren Göttergatten: „Wenn du mit Athene und Mykene schon mal nach oben fährst – ich komme gleich nach!

    Die Nummer 180 wird aufgerufen, aber das amerikanische Pärchen hat längst das Weite gesucht. Ich bin dran. Der Göttervater trabt zum Ausgang. Vor sich schiebt er den Buggy, in dem

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