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Der gestohlene Ton: Kinderbuch
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eBook144 Seiten1 Stunde

Der gestohlene Ton: Kinderbuch

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Über dieses E-Book

In einer Zeit, in der Menschen und Feen noch wie selbstverständlich miteinander die Erde bevölkern, geschehen am Hof der Fürstin Margarete von Hohenstein seltsame Dinge. Ohne ersichtlichen Grund verwandelt sich das Feenkind Melia plötzlich in ein Pferd. Alle Versuche ihrer Mutter, die Verwandlung rückgängig zu machen, bleiben erfolglos.

Auf der Suche nach Hilfe für ihre Freundin Melia treffen Theresa und Jakob, die beiden Kinder der Fürstin, auf einen geheimnisvollen alten Mann namens Orlando. Der ist nicht nur ein Zauberer, sondern auch ein begnadeter Musiker, dem einst der entscheidende Schlusston seines größten musikalischen Werkes gestohlen wurde.

Eine Reise ins Reich der Feen, eine Zaubergeige, ein Rätsel, das gelöst und eine Welt, die versöhnt werden will … Dieses spannende Kunstmärchen entführt Sie in eine fantastische Welt voller Wunder, Mythen und vor allem Musik.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum28. Sept. 2015
ISBN9783940281760
Der gestohlene Ton: Kinderbuch
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Autor

Matthias Weißert

Matthias Weißert, 1932 geboren, war Lehrer. Er veröffentlichte neben vielen Theaterstücken Romane, Hörspiele und Kinderbücher. Mit der Erzählung „Der gestohlene Ton“ schrieb er eine faszinierende Geschichte, die sich nicht nur an Kinder und Jugendliche wendet, sondern Menschen jeden Alters, die sich an Märchen und Märchenhaftem erfreuen, in ihren Bann schlagen wird.

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    Buchvorschau

    Der gestohlene Ton - Matthias Weißert

    Erlösung

    1.

    Das verzauberte Feenkind

    Geh sofort aus dem Beet raus!", gellte es aus dem Schlosspark. Die Fürstin Margarete von Hohenstein und ihre Freundin, die Fee Amorosa, die eben noch gemütlich auf der Veranda beim Tee gesessen hatten, schauten erschreckt auf. Sie hörten einen Schrei und wildes Hufgeklapper und eilten in den Park. Da lag der Prinz Jakob wie leblos auf der Erde und seine Schwester, die Prinzessin Theresa, kniete neben ihm. Von Melia, dem Feenkind, aber war weit und breit nichts zu sehen.

    „Jakob, wach doch auf!, jammerte Theresa und streichelte ihren Bruder. „Melia hat das bestimmt nicht mit Absicht gemacht.

    „Theresa, was ist mit ihm?", fragte die Fürstin besorgt.

    „Ich weiß nicht. Er ist wie tot."

    „Lauf schnell und lass einen Arzt rufen."

    „Das wird nicht nötig sein, unterbrach sie die Fee. Sie beugte sich über den Prinzen und untersuchte ihn gründlich. Dann richtete sie sich auf und sagte: „Keine Sorge, meine Liebe, ich werde ihn schon wieder hinbekommen. Sie legte die Hand auf seine Brust und murmelte ein paar Worte in der Sprache der Feen, die keiner der anderen verstand, und siehe da, schon öffnete Prinz Jakob die Augen und sagte: „Seht doch mal, den Vogel, ist er nicht schön? Die anderen schauten sich um. Aber sie sahen keinen Vogel. „Du bist wieder bei uns und das ist auch schön, sagte seine Mutter und nahm ihn in die Arme.

    „Aua, drück nicht so feste. Das tut weh!", rief Jakob.

    Die Mutter entschuldigte sich und schlug vor, ihn gleich ins Bett zu bringen. Damit war der Prinz sofort einverstanden, denn er merkte, wie müde er war. „Kein Wunder, dachte er. „Schließlich war ich ja so weit weg.

    Obwohl er eigentlich zu alt dafür war, ließ er sich von seiner Mutter beim Ausziehen helfen und ins Bett legen. Kaum hatte sie ihn zugedeckt, schlief er schon wie ein Murmeltier.

    Inzwischen ließ sich die Fee von Theresa berichten, was eigentlich passiert war. Theresa schluckte ein paarmal und dann sprudelten die Worte nur so aus ihr heraus, als ob sie sich von etwas befreien müsste. „Ich weiß auch nicht, wir haben uns nur so zum Spaß darüber unterhalten, was für ein Tier wir gerne sein würden. Und Melia hat gesagt, sie wäre am liebsten ein Pony, und im selben Moment war sie verschwunden und vor uns stand ein kleines Pferd und zertrampelte die Blumen. Jakob hat das Tier angeschrien, es soll da rausgehen, weil es Mutters Lieblingsblumen kaputt macht, und hat versucht, es aus der Rabatte zu treiben. Aber da ist es ganz wild geworden und hat wie verrückt ausgekeilt. Und plötzlich lag er da und sah aus, als ob er tot wäre."

    „Soso, sagte die Fee. „Da muss ich ja wohl tüchtig mit Melia schimpfen. Sie weiß genau, dass sie so etwas nicht machen darf. Wo ist sie denn? Sie schaute sich um und sah ein kleines braunrotes Pferd ganz in der Ecke des Gartens.

    „Wer ist denn das?", fragte sie und zeigte in die Richtung.

    „Wer?", fragte Theresa.

    „Das Pferd, das da hinten steht."

    „Das ist sie doch. Melia."

    „Melia, komm sofort her!", rief die Fee und das Pferdchen trabte heran.

    „Was soll das? Verwandle dich auf der Stelle zurück. Du weißt, dass ich solche Späße nicht mag."

    Das Pferd verdrehte die Augen und öffnete und schloss das Maul, als ob es etwas sagen wollte. Aber dabei kam nur eine Art Wiehern heraus. Die Fee erschrak. Sie spürte, dass ihre Tochter sich zurückverwandeln wollte und nicht konnte. „Komm her, mein Kind. Schau mir in die Augen." Das Pferd tat, was sie befahl. Amorosa murmelte eine Zauberformel und beobachtete es dabei genau. Aber nichts veränderte sich. Die Fee schüttelte den Kopf und verstärkte den Zauber. Es geschah immer noch nichts. Was sie auch anstellte: Melia blieb ein Pferd.

    „Wir müssen nach Hause, schnell. Zu Hause habe ich stärkere Mittel, sagte die Fee zu Theresa. „Bitte, sag deiner Mutter, dass wir abgefahren sind. Ich kann mich nicht von ihr verabschieden. Jede Minute ist kostbar.

    Theresa nickte. Die Fee griff Melia in die Mähne und zog sie hinter sich her aus dem Garten. Auf dem Schlosshof schwang sie ihren Zauberstab, und schon fuhr ihre Kutsche vor. Es zerriss ihr fast das Herz, aber der Kutscher musste ein Seil nehmen, es um den Hals ihres Kindes schlingen und es hinten am Wagen befestigen. Natürlich wusste er nicht, wen er da festband. Er dachte, seine Herrin habe das kleine Pferd gekauft, und die Fee hütete sich wohl, irgendjemanden wissen zu lassen, wer in der Haut des Pferdchens steckte.

    Zu Hause angekommen, ließ die Fee Melia erst einmal auf eine eingezäunte Weide bringen. Dann eilte sie in den Raum, in dem sie zu zaubern pflegte, und forschte nach einem Mittel, mit dem sie ihre Tochter zurückverwandeln könnte. Aber es war nichts zu finden.

    „Ich muss mir Zeit lassen, sagte sie sich. „So etwas lässt sich nicht übers Knie brechen. Bei Anbruch der Dunkelheit befahl sie, das kleine Pferd in den Stall zu bringen und in eine leere Box zu sperren. Melia wehrte sich verzweifelt. Ihre Mutter musste selbst das Halfter in die Hand nehmen und sie hinbringen.

    Da stand nun die arme Melia und wusste nicht, was mit ihr geschehen war. Sie ließ auch niemanden außer Amorosa an sich heran. Die musste jeden Morgen kommen, sie striegeln, sie bürsten und auf die Weide bringen. Am Abend holte sie ihr unglückliches Kind wieder in den Stall. Die übrige Zeit saß sie über ihren Zauberbüchern und suchte und suchte.

    2.

    Ein kühner Plan

    Auf Schloss Hohenstein lag der kranke Jakob immer noch in tiefem Schlaf, und Theresa irrte ruhelos durch die Gänge. Sie wusste nicht, was sie mit sich anfangen sollte. Andere junge Leute in ihrem Alter gab es im Schloss nicht. Jakob war ihr einziger Partner, und der schlief.

    Sie nahm ihre Geige und versuchte zu üben. Aber schon nach wenigen Bogenstrichen ließ sie ihr Instrument entmutigt sinken. Wenn Jakob nicht mitspielte, machte es ihr einfach keinen Spaß. Auch mit der Mutter war nichts anzufangen. Sie saß Tag und Nacht am Bett ihres Sohnes und schien für ihre Tochter kaum einen Gedanken zu haben.

    Also irrte das Mädchen ruhelos hin und her. Auf ihrer Wanderung kam sie auch zu dem alten Schlossturm, den sie sonst nie betrat, weil er ihr so dunkel, kalt und auch ein bisschen gruselig vorkam. Er war sonst immer abgeschlossen, aber jetzt stand die schwere Eichentür weit offen. Das Mädchen überwand seine Scheu, ging hinein und schaute sich um. Sie entdeckte eine Tür, unter der ein Lichtschein hervorkam. Gebannt blieb sie stehen, denn aus dem Raum ertönten Klänge, die schöner waren als alles, was sie je gehört hatte. Vorsichtig öffnete sie die Tür und sah einen altertümlich gekleideten uralten Mann mit einer Harfe. Ein langer Bart schmückte sein bleiches, trotz seines Alters noch schönes Gesicht. Er war ganz in seine Musik versunken. Mit geschlossenen Augen lauschte er den Tönen nach, die den Raum erfüllten und langsam verklangen.

    Plötzlich verstummte die Harfe. Theresa kam es vor, als wäre die Musik an einer ganz unpassenden Stelle abgebrochen worden. Der Musiker schien das auch zu empfinden, denn er sah unwillig, fast wütend aus, als er die Augen öffnete.

    „Mach die Tür zu, sagte er, „und komm näher, damit ich dich besser sehen kann.

    „Nein, nein, ich geh schon", sagte Theresa.

    „Warum denn? Der Mann schaute sie ernst an. „Ich habe auf deinen Besuch gewartet. Nun komm schon.

    Theresa schloss die Tür. „Entschuldigung, ich wollte Sie nicht stören", sagte sie.

    „Du störst mich nicht. Wie geht es deinem Bruder?"

    „Er schläft und schläft."

    „Ja, das muss er auch. Er hat einen mächtigen Schlag abbekommen."

    „Woher wissen Sie das?", fragte Theresa.

    „Ich weiß alles, was hier im Schloss vorgeht, erwiderte er. „Schließlich gehört es ja mir.

    „Nein, das stimmt nicht. Das Schloss gehört meiner Mutter, weil sie die Fürstin ist. Davor hat es meinem Vater gehört, aber der ist schon lange tot. Und wenn mein Bruder volljährig ist, wird er der Fürst. Dann gehört es ihm."

    „Ich weiß, ich weiß, sagte der Mann. „Deine Mutter glaubt, es gehört ihr, und ich hab nichts dagegen, dass sie es glaubt. Aber in Wahrheit gehört es mir. Ich habe das Schloss erbaut und es einem deiner Vorfahren vor langer, langer Zeit zur Benutzung überlassen.

    „Sind Sie denn schon so alt?, fragte Theresa ungläubig. „Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Menschen werden nicht so alt und die meisten Tiere auch nicht. Höchstens Schildkröten, sagt unser Lehrer.

    „Woher willst du wissen, dass ich ein Mensch bin?"

    „Sind Sie vielleicht ein Geist?"

    „Das schon eher."

    „Vielleicht das Schlossgespenst? Ich hab mich schon gewundert, dass es bei uns keines gibt. Alle alten Schlösser und Burgen haben eins."

    „Du meinst, so ein Ding, das durch die Gänge spukt und arme Diener und Kammermädchen zu Tode erschreckt? Nein, nein, so jemand bin ich wahrhaftig nicht."

    „Was dann?"

    „Ich bin ein ganz bescheidener, kleiner, durchschnittlicher Zauberer, der aus dem Berufsleben ausgeschieden ist und seine Zeit damit zubringt, auf seiner Harfe zu

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